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Central-Verein-Zeitung · 1934-10-05 · 40 (5.10.1934) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
40 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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sident -als Leiter der Staatspvlizeistelle des Landes. das Tragen von Uniformenauf gemeinsame Auf- Polizeibezirks. Berlin einen entsprechenden Erlaß , und Ausmärsche und das Mirführen von Fahnen, herausgegeben. Er bezieht sich in erster Linie auf . Bannern und dergleichen. - “ * Handlung von Juden und sonstigen Nichtariern im Sport gelten, aut. Beseitigung 'wiederholt ausgetretener-Zweifel künftig folgende Richtlinien: ' 1 Die Bildung. und Betätigung jüdischer . ufw. Sportvereine ist zulässig, wenn. nicht im Emzelfalle ein Polizeiliches Verbot wegen staats« feindlicher Betätigung erforderlich sein sollte. ,.Tie Vereine.müssen ferner einer von mir anzuerkennenden Arbeitsgemeinschaft angeschlossen •- sein. Die gleichzeitige Zugehörigkeit "der Vereine zu genehmigten weltanschaulichen Ver- - bänden des Judentums wird hierdurch nicht berührt. 2. Tie mir unterstehenden Sportfachverbände können, soweit dies erforderlich sein und ge- ' wünscht werden sollte, die Interessen der jüdischen usw. Organisationen in den inter- . nationalen Fachsvottverbänden wahrnchmen. 3. Es bestehen keine Bedenken dagegen, daß die Vereine des Reichshundes für Leibesübungen. Trainings- und Gesellschaftsspiele sowie sonstige Wettkämpfe gegen die obenbezeichneten Vereine oustragen. 4. Tie Benutzung öffentlicher und privater llebungs- und Kampjstätten (wie zum Beispiel Turnhallen, Sportplätze, Schwimmbäder usw.) steht nichts im Wege.' sofern die 'Anlagen von den Schulen, den Sportvereinen des Reichsbundcs für Leibesübungen und den nationalen Verbänden nicht benötigt werden. 5. Im übrigen gelten die den Vereinen des Reichsbundes für Leibesübungen gewährten Vergünsiigungen lzuin Beispiel Jugendpflegeermaßigung) für südische 'Vereine nur. soweit dies besonders bestimmt ist. 'Andererseits sind die südischen Vereine zu den 'Abgaben, die von den Vereinen für Leibesübungen erhoben werden szum Beispiel Hilfsfonds für den Tentschen . Sport) nicht leistungspslichtig. Tiefe Richtlinien treten mit ihrer Bekanntgabe in Kraft. Tie in gleichem Zusammenhang früher ergangenen Rundschreiben werden damit hinfällig. Berlin, den 18. Juli 1934. Ter Reichssportsührer i. V. gez. Breitmeyer." „Ter Reichssportführer Lerlin-Charlottenburg. 28. September 1934. Hardenbergstraße 42—43. In Verfolg meines Schreibens vom 14. d. M. bestätige ich hiermit den Reichsausschuß Jüdischer Sportverbände, dem der Teuttche Makkabikreis e. V. und der Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten ^ongehören. als alleinige Vertretung des jüdischen Sports in Teutschland. Alle Verhandlungen über den jüdischen Sport in Deutschland werde ich nur mit dieser Organisation führen. i. V. gez. Dreitmeyer." * Ter Reichsausschutz Jüdischer Sportderbände stellt fest. daß auf Grund des Schriftwechsels mit dem Reichssvortiührer der Reichsausschuß nur aus den beiden Verbänden Deutscher M a k k a b i k r e i s E. D. und -sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten besteht und sich lediglich aus Vertretern dieser beiden Verbände zusammensetzt. Berliner Polizei-Anordnung Ober Jüdische Jugendverbände Nachdem, wie wir in der vorigen Nummer gemeldet haben, verschiedene Polizeibezirkc Anordnungen getroffen hoben, die das öffentliche Auftreten der jüdischen Jngendverbände stark einschränken, hat nun auch der Berliner Polizeiprä- Frchball Vor mehr.als 1200 Zuschauern gelangte die mit großer Spannung erwartete erste Fußball. Reichsmeisteischaft des NjF in Frankfurt a. M. zum, 'Austrag. Für das Endspiel hatten sich „Schild", Franksnrt a. 2)t., und die BSG 33, Berlin, qualifiziert. Ter Kampf stand auf einem bemerkenswerten sportlichen Niveau.. Mit ungeheurem Tempo versuchten anfangs die Frankfurter die Berliner zu übcrrcnnen; es gelang ihrem Mittelstürmer in der 18. Minute, Berlins Tor unter brausendem Jubel des Frankfurter Publikums mit einem Bombenschuß das erstemal zu überwinden. Tie durch das Tor und den harten, aber in jedem 'Augenblick fairen Einsatz der „Schild"-Spielcr bisher verwirrten BSEer finden sich allmählich und tragen Angriff auf Angriff gegen das Frankfurter Tor, in "dem sich Rvlschild zunächst allen noch so gefährlichen Schüssen gewachsen zeigt. In der 40. Minute vermag auch das verdiente 'Ausgleichstor für Berlin nicht mehr zu verhüten. Rach der Bause wirft Rosenberg. der Mittelläufer der B. S. (§., seinen Sturm immer von neuem nach vorn. Berlin kommt durch einen scharfen Schuß Eoldmauns in Führung. Nun bekommt Frankfurt, während L. S. G. merklich nachläßt, zusehends Oberwasser. „Schild" kann ein Mißverständnis der Berliner Verteidigung ausnutzen und zum 2 :2 gleichziehen. Wenige Minuten vor dem Schlußpfiff schießt Berlins Mittelstürmer Reiff unhaltbar das Siegestor für die Schwarz- Raten ein. Ter erste Fußballmeister des RjF ist damit die Berliner Sport. Gemeinschaft 1 93 3. In der Elf der BSG hat die ausgeglichenere Mannschaft, die ihre Besten in Hilkowitz, Rosenberg, Schulmann, Goldmann, Hiß und Reifs hatte, in ehrlichem, fairem Kampf gewonnen. Bei „Schild" war Rotschild der alles überragende Mann, der beste auf dem Felde überhaupt. 'Auch Mittelläufer, Mittel- und beide Außenstürmer waren sehr gut. Besonderes Lob verdient die gerechte Spielleitung durch Tr. Götze, Mannheim. Tie BSG 33 empfing in Berli^n im Revanchespiel die Mannschaft von „Schild" Breslau, die den Berlinern in der Vorrunde zur RiF-Reichsmeisterschaft glatt er. legen war. Tie Breslauer haben sich aber außerordentlich verbessert und lieferten den BSEern einen harten Kampf. Berlin konnte sich zwar abermals mit 6:4 (3:2) Toren durchsetzen. Die Art, mit der sich die „Schild"-Elf wehrte, stellt dieser Mannschaft das beste Zeugnis aus. Bei Berlin bewährten sich Hilkowitz, Reiff und Hitz, bei „Schild" erschien der neue Mittelstürmer als der gefährlichste '.Rann. ..Schild" H trenute sich nach einein flotten, fairen Spiel von BSG II nntentschieden 2 :2 (1 :2). Große Erfolge hatten die 'Nachwuchsspieler der BSG aufzuweisen. Tie 1. Schüler-- mannschaft überronnte die gleiche Elf Hagibors mit 11:0. Jugend A der BSG gewann "gegen Hagibor Jugend A mit nicht weniger als 16:0, wobei auch diese Mannschaft einen für Iugendspieler hervorragenden Stil bewies. Hagibor kam mtt seiner Jugend B zu einem 5:0-Erfolg über BsE-Jugend B. Sportfeste der Jugend Tas erste Turn- und Sportfest für Kinder und Jugendliche, das der sehr rührige Jüdische Turn- und SportvereinMünchen am Sonntag, 23. September, veranstaltete, zeigte, wieviel der Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens auf dem Gebiet des Iugendturnens geleistet hat/ Man sah 75- und 100-Meter-Lauf von Knaben und Mädchen, Stasselläufe. Schlagball-Weitwurs. Fuß» ball-Wcitstoß. .Hochsprung männlicher Jugend, in welchem Günzbnrger mit 1,53 Metern und Lehmann mit 1.52 Metern llberührt) ausgezeichnete Leistungen aufwrcsen. ein Fußballwettspicl zweier Schüler- Mannschaften und turnerische Vorführungen. Insbesondere die Mädchengruppen unter Leitung von Dr. Anton Jordan zeigten eine erfreuliche Schönheit und Klarheit im Zusammenarbeiten. Jur 100-Metcr-Laus hielten Werner Stahl und Eünzburger mit je 12 Sekunden die Spitze. Am 21. September veranstaltete die berliner jüdische Volksschule Ryclestraße ein Sportfest im Stadion Grunewald. Tie Schulleiterin. Frau Schiratzki, eröfsuete das Fest mit einer kurzen Ansprache, Man sah Freiübungen. Wettkämpfe und Wettspiele, wobei meist Klasse gegen Klasse antrat. Es wurden auch Konkurrenzen im Ballweit- Wurf. Kugelstoßen. Weitsprung und Hochsprung ausgetragen. Tie Begeisterung der Kinder war der schönste Lohn für sie selbst und die Veranstalter. Tie organisatorische Vorbereitung lag in Händen der Turulehrerin Heuoch. Tie ersten Sieger erhielten ein von einem Schüler entworfenes Tiplom. Tiefes interne Sportfest bedeutet für die Jugend einen Tag der Genugtuung und des 'Ansporns, Leichtathletik Zum 'Abschluß der Saison hatte der ITSE 0 5, Berlin noch einmal zu einem lcichtathletischen Sportfest ausgerufeu, das aus Grund des kürzlich geschlossenen Freundschastsabkommens zwischen dem ITSE 05 und dem Tentschen Makkabilreis wenigstens einmal in diesem Jahre die besten Berliner jüdischen Sportler zu sricdlichein Wettkampfe zusammenbringen sollte. Tas verhinderte Zusammentreffen der ITSE- und Bar- Kochba-Leichtathleten kann nur bedauert werden. Tie JTSEer befanden sich in so guter Form, daß es im Kampf der besten jüdischen Sportler zu spannenden 'Auseinandersetzungen gekommen wäre. Wienskowitz gewann den 3000-Metcr-Lauf in der ausgezeichneten Zeit von 10:02,6 Minuten vor Fröhlich, der im Endspurt Nadel und Bergmann auf die nächsten Plätze verweisen konnte. Eine bemerkenswerte Leistung vollbrachte die 4*400- Meter-Staffel des ITSE (Fröhlich. Bergmann I, Henoch. Bergmann II), sie lief unangefochten und noch weit verbesserungsfähig vor ITSE II und BSG 33 eine unter den gegebenen Verhältnissen hervorragenden Zeit von 3.48,5 Minuten. In der 4 X 100-Meter-Stafsel und der 1 n x200 - M e t e r - S t a f f e l endeten ebenfalls' ie 2 JTSC-Mannschnften vor denen der BSG. Bei den Frauen zeigten sich im. Kugelstoßen die Vertreterinnen des ITSE 05, besonders aber Lotte Lindenbaum. nicht von der besten Seite. Fräulein Schulmann (Bar Kochba), der jungen Makkabimeisterin, genügten 10.19 Meter. Gut liefen die 4Xl00.'))tetcr-F-rauenstaffeln des ITSE in 56,6 bekunden. Ganz knappe Entscheidungen brachten auch die Jugendwettbewerbe: Kugelstoßen der 'Aelteren: Pförtner (ITSE 05) 11,68 Meter. Jugend A, 100 Meter: Breslauer (ITSE 05). Jugend B, 100 Meter: Levh HI (BSE 33). Schiller, 75 Meter: Jochen Feingold (ITSE 05). Schachaufgabe Nr. 19 von S. Roteustcin (Berlin) Matt in zwei Zügen. ^Veiss: Kffi, D:iS, 8c4, S.dO, RI>2. r*2 (ft) Schwarz: Kd-i, Lo6, Sei, Bb3, cö, >17, f5, f7 Lösung der Ausgabe Nr.!*: 1. Kf3—f4. K.-7--IM zieht Schwarz einen Bauern, w ewvert ltvity .<>nnig diesen und kommt noch remtzeitig zu in anderen Bauern. 2. Kfl—f5, Kb.S-.-7, ö. Kfü—fi>. . Solange die Lauern nicht ziehen. Hält Weiß am beste» mit dem König die mitUere 2imc ein. 3 .. K.-7-I.S Schwarz Hat nichts Besseres 0'- öden) nun gewinnt Weiß ein Temvo 4 . KbS—1;7, zielst Schwarz jetzt den a-Bcuiern, so zieht der weih? König in drei Zügen nach hü, und es folgt S.i5—di 5. Koß—d5, hß—H5, 6. Kd5—<-4, h5—h4, 7. Kcl—b5, hl—hh, 8. Kb5—a(S, ho—Irl, 9. Sa5—c6! hi’—hlD auf KcTXcß kommt b7—b8D mit darauffolgendem Tamcngcwinn. 19. b7—bSDf, KYf— d7. den Springer darf Schwarz, wie soeben bemerkt, nicht nehmen. 1t. DbS—hTf. und setzt mit dem nächsten Zuge entweder aus 67 matt oder gewinnt durd) Springerschech die Tarne. * Richtige Lösungen gingen ein von: Willv Michaeli;' (Berlin), Lothar ^ctzönltzal (Nürnbergs. Arthur Jacob (Siegburg). Tierarzt Al. Koschminski (Landsbergh L. Schott (Psassen-Beersurthl. Studienrot H. Bare» (Berlin), Karl Bcchhöfer (Nürnberg, Breite Eohe), Leopold Mehrländer (Konstadt). * Weitere richtige. Löstrng von Nr. 17 ging ein von' Hans Cohn (Berlin-Heiligensec). * Schachbriefkasten. Tir. A. B. (Berlin). Besten: Tank für die kleine Ausgabe. ■ Sie ist jedoch zu einsech und ohne Variante. Ter Bg5 ist übrigens entbehrlich. Ans den FüMillen Julius Schwarz und Frau Berta geb. Bobländer (Berlin), beide langjährige Mitglieder des C.-D., begehen am 16. Oktober das" Fest der Goldenen Hochzeit. — Tas langjährige Mitglied des E.-A. Postagent Abraham Born heim (Aßlar, Kreis Wetzlar» ist kürzlich gestorben. Bei den Begräbnisfeierlichkeiten sprach u. a. der Postdirektor des Wetzlarcr. 'Postamtes ehrende Worte. — Direktor A. S t o ek o i s. ein treuer Freund des C.-V., wird am 9. Oktober 7 5 I a h r e. der Bequemlichkeit und Lässigkeit, was sich zur Wehr setzte gegen das müßige Sich-fallenlassen auf der Linie des geringsten Widerstandes, das hat uns gegründet, geführt und gesichert bis hierher. Und weil erst schmerz und Leid kommen mußten, um uns wieder zu lehren, uns unseres Judcseins zu freuen und uns an unserer Ueberlieferung zu erheben, so erfüllt uns eine neue dankbare und stolze Liebe zum Worte der Bibel wie zu ihrer dichterischen Nachschöpsung. Jeder Satz für uns gesprochen, jeder Gedanke für uns g ed a ch t,- j ede Warnung an uns g eri chtet,jede Verheißung st ehtüber uns! Lange haben wir uns danach gesehnt, Stefan Zweigs „Jeremias" auf unserer Kulturbundbühne zu sehen. Viele Schwierigkeiten standen im Wege und mußten überwunden werden. Aber jetzt hebt sich der Vorhang. Und es wird ein Anruf an uns ergehen, dem wir unsere Herzen weit austun wollen. Eva Reichmann-Jungmann. Die Erstaufführung des „Jeremias" am Sonntag, dem 7. Oktober, wird "durch Ansprachen von Justizrat Dr. Julius Brodnitz, Vorsitzendem des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, und Dr. Siegfried Moses, Vorsitzendem der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, eingeleitet. Der Reinertrag des Abends fliesst dem Fonds des Zentral- Ausschusses für Hilfe, und Aufbau zu. Karten zum Preise von 5 bis 20 RM sind noch in beschränkter Anzahl an der Theaterkasse des Kulturbundes sowie im Zentral-Ausschuss für Hilfe und Aufbau, Kantstrassc 158 (Bismarck 6052), erhältlich. drs Berliner Kulturbundes Noch dem ersten Kleinkunstobend des Berliner Kulturbundes stellten wir fest, daß der Kulturbund in die Kleinkunstprogramme etwas Typisches aufnehmen müsse, um seinen Abenden ein besonderes Gesicht zu geben und sic von den früheren K)irsürstendamm-Kabaretts abzuhebeu. Als wir die Einladung zu dein zweiten Kleinkunstobend erhielten. der als Sonderveranstaltung im Berliner Theater Tienstagabend stattfand, glaubten wir. der Kulturbund habe diese Forderung richtig verstanden und er sei auf gutem Wege. „Ernste und heitere Familienbilder" hieß der Titel des 'Abends, und das erste Bild hieß vielversprechend „Simchat Thora zu Hause". Alit diesem Programmpuukt war alles gegeben, was sich überhaupt auf Familie bezog, die nächsten halten mit Familicnbildern mri)!* mehr zu tim. Tie einzige Familicnszcne aber wiederum hatte mit Simchat Thora nichts zu tun. das einzig Jüdische an ihr waren zwei silberne Leuchter aus dem Tisch und die Handbewcgungen von Nelly Hirth. Im übrigen war es das Bild^ einer unangenehmen Familie mit gänzlich unjüdischcn Witzen, deren Alter mit zweistelligen Zahlen nicht mehr zu errechnen ist. Nach diesem NUßgriff folgte eine ganz belanglose Szene „Besuch im Kulturbund", die noch nicht einmal amüsant genug war, um propagandistisch gewertet zu werden. — Um die Beaustandnngen hintereinander weg zu erledigen: die Tarbietungen von Ferdinand Grünccker waren weder' jüdisch noch deutsch noch Kultur noch Kunst. Tie Pantomime „Karriere", von Rolf Rap und Nelly Hirth ausgesührt. war stofflich ein so peinlicher Fehlgriff, daß es unverständlich ist, wie überhaupt nur eine jüdische Hand sich dabei zum Beifall regen konnte. Ob sie gut oder schlecht getanzt war, bleibt gegenüber einem solchen Unverständnis für jüdische Fragen gleichgültig. Von den erfreulichen Tarbietungen seien an erster Stelle die Tänze von Ruth Anselm und '.llelly Hirth — „Klatschweiber", nach jüdischen Nielodien und „Jüdisches Lied" — genannt, weil sie den ersten Versuch darstellen, jüdische Kleintimst zu bieten. Die beiden Tänzerinnen haben uns in den Kultnrbnnddarbictungen schon häufig erfreut. In den „Klalschiveibern" boten sie tänzerisch Vorzügliches mit ersrenlichcr Komik. Ruth Anjelms Tanz „Jüdisches Lied" schlug dann die ernste Seite an: sic zeigte die ganze Gebundenheit. Melancholie ■ und selbst in der Freude noch leicht tragisch gedämpfte Stimmung und Hingegcbenheit der Jüdin. Willi Prager sang wieder — begleitet von Erich Ziegler — seine wehmütigen Ghansons — aber warum freut sich das Publikum immer dann am meisten, wenn ein jüdisches Wort wie „Broche" vorkommt? Tie stille Kunst Willi Pragers verlangt andere Wertung, und er sollte aus diese Roste von Mauscheln auch noch verzichten. Köstlich war eine Anekdote von Oskar Strauß, die Pragers ganze Erzählerkunst zur Geltung brachte. Neu aus.der Bühne die Tanzparodistin Else Jeanette Dnblon, die mit ihren Tänzen mit Recht Beifallsstürme erzielte. Und ganz groß: Eva B o e h m. ^ie trug Chansons von Friedrich Holländer vor und stellte sich mit ihrem ebenso charmanten wie klugen Vortrag und ihrer reizenden Erscheinung gleich in die erste Reihe "der Chansonetten. Erwin Jospe begleitete sie mit unaufdringlicher Vornehmheit des Spiels. — Als leßter trat Willi Rosen ans. vom Pnblitum ■ bejubelt, gefeiert, mit neuen Schlagern, die sich durch nichts von den alten unterscheiden und die genau so gut 1911 wie 1932 gesungeu werden konitten — aber 1934? Jedoch das Publikum jubelte und freule sich ivieder der mitreißenden 'Rusikalität des Komponisten und Vortragskünstlcrs. Warmn wir diesen Abend eine so lange Besprcchung widmen? Weil wir glauben, daß" dieser Weg des Kulturbundes in das Tickicht und nicht in die freie Atmosphäre führt. Ter Kulturbund hat immer wieder gesagt: wir wollen kein geistiges Ghetto. Was Tienstagabend geboten wurde, ist zum großen Teil geistiges Ghetto, und es ist betrüblich zu sehen, wie wohl sich das Publikum dabei fühlte. Ter Kulturbund darf sich in diesen Dingen aber nicht nach dem Piibliknm richten, er muß das Publikum erziehen, und wir glauben versprechen zu können, daß es auch gern mit ihm gehen wird, wenn man ihm wirklicl^e Kunst bietet. Dr. M. E. „Gilt Fahr Kulturbund beiMer Fudcn" Unter diesem Motto erscheint das nciicste Heft der Nlonatsblättcr des Berliner Kulturbundes. "Es liebt sich in seiner äußeren 'Aufmachung wie in seiner inhaltlichen 'Auegestaltinig von den vorangegangenen Nummern wirksam ab: die gewohnten eiusührenden Bemertungen zu den wesentliche'.t Veranstaltungen des '.lllonats treten diesmal 711gunsten einer lebendigen Rückschau über da-?, was bereits in den ersten 12 Monaten geschaffen und erreicht wurde, in den Hintergrund. Tie leitenden Periönlichteiten des Kulturbundes kommen fei oft zu Wort. Intendant Tr. Kurt Singer verbindet in einem temperamentvollen Appell die Erinnerung au ein Jahr dcutsch.jüdischer Kulturarbeit mit der frohen Zuversicht, ein begonnenes Wert^fortznsühren. lieber die Arbeit von LA'r und Orchester, über die Schwierigkeiten und Erfolge schreibt Generalmusikdirektor Josep!) Rose n st v ek. Aus seinen Erfahrungen al? Trainattirg berichtet Jnliii-z B a b, wobei er auf die Frage des Repertoires, das den maunigfachttcn Ansprüchen gcreel,t werden muß, näher cingeht. Tcn organisatorischen Aufbau skizziert der Bundesselretär Tr. Werner Levie. Heinz Eondell führt uns in seinen Wirkungskreis, in das Buhnenbildwesen, Hans Sondheimer in den lltz't vertranten technischen Apparat des Kiitturbnndes. Kapellmeister Berthold Sander entwickelt die Voraussetzungen für die gedeihliche Arbeit eines Opermstors und gewährt einen lleinen Einblicken die Prvbentätigkeit. Während Obcrspietteiter Tr. Fritz I e ß n c r zu den Grundbedingungen der Znsammenarbcit mit dem Schauspieler Stellung nimmt, läßt sich Martin W o l f g a n g in vetttänd' nisvollen Worten über das Verhältnis von Schauspieler zum Kulturbund aus. Regisseur Kurt Bannt a n n^zeichnet in kurzen Strichen die Bedeutung des künstlerisclien Büros, dessen Funktionen Anßcuu stehenden meist völlig unbekannt sind. Ein tnrzer 'Abriß über, das Vortragswesen und ein Verstiistins aller Mitarbeiter beschließen die sehr aufschluß' reiche kleine „Festschrift". E. G.L. Der Liederkranz E. V. Mannheim veranstaltet int kommenden Winter unter.der musikalischen Leitung von Kapellmeister Mar Sinzheimer Orchesterkonzerte mit namhaften Solisten, Kammerimmladcnde und Jugenbkonzerte. Im Programm su'd vorgesehen Psalmen für Soli, Chor und Orchester von Wcckmann. Nosenmnller. Bach, Schütz, Schubert und Lachncr, „Licht und Volk", eine Lehrkantate von vugo Adler, „Joseph und seine Brüder". Oratorium v>m Händel. Das erste Orchestert'onzert findet unter i^ Wirkung des Rezitators Ernst Wolfs (Franlsurr am Main) am 11. Oktober statt.

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