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Kinderblatt · 1934-09-28 · 9 (28.9.1934) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kinderblatt
Volume
1934
Issue
9 (28.9.1934)
Date
1934-09-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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m C 5 “£.!^- L Ä -2> <u L r: aä l« jüdischem Wissen fand er besonderes Gefallen. Gr las und /ernte mit Begeisterung jüdische Geschichte, er lernte Hebräisch «nd ging zur Synagoge. Und allmählich kam eine Heine Liede über ihn 311 allem jüdischen Sein. Er schloß sich einem Jmzcnddnnd an. Es gab noch einen zweiten in der Stadt. Aber beide lagen in Fehde miteinander, jeder glaubte der richtige und -„jüdischere" zn sein. Da gab es oft Händel und Streit unter den Jungen. Das gefiel Joachim nicht. Er meinte, die seien doch alle jüdische Jungen. Aber da lachten ihn die anderen ans: was wußte er davon ..der Nene"? Ta war Simon, ein Junge des anderen Bundes, der stritt am Imttcfteu und sah jeden AndcrSbündigen als „Halben Inden" an. Simon war stark und mutig. Er siegte in jedem Wettspiel, er prügelte seine Jungen heraus, er war überall und immer der erste. Als er nun heute am Simchat Tvraicft Joachim als ersten hinter, den Sefer Thorahs schreiten und ein kleines Fähnchen mit dem stolzen „Chasack" so kühn chwenken sah. kam eine große Wut über ihn. Er gehörte an diese Stelle, seine Fahne war groß und stattlich. Ihr gebührten die Davidssterne, »hr das Wort „Chasack"! Davon ahnte Joachim nichts. Fromm, ganz im Banne seines großen Erlebnisses, bei den alten Weisen, der kündenden Melodie „Ki iuizijaun tezez thauroh" schritt er dahin an der Spitze des Inges strahlender Kinder und flatternder Fahnen. Er schallte stolz enlpor 311 seiner Kleinen und sah voll allem nichts als dieses eine Wort „Chasack". Joachim hielt auf dem Heinuveg die kleine Fahne fest mnklamrnert. Hinter ihm kamen die ailderell Jungen, ihre Fahnen schwingend. lärmend, jauchzend — es war Simchat Tora. Da mußte sich ja jeder Jude freuen. Aber die Jungen fiilgen an, ihre Fahnen zu messen, Zll vergleichen luld die klcille Fahne Joachims zu höhnen. Simon war wieder mal der Anführer. Aus Uebermllt und Freude wllrde Streit vom Zaun gebrochen. Sofort bildeten sich zlvei Gruppen. Tie einen scharten sich um Simon,-die auderell um Joachiill. Es blieb nicht beim bloßen Streiten, es kam zum Raufen. Simon schmähte Joachim, der setzte sich zur Wehr. Sie gingen anfeinnnber los, sie Prügelten sich. Die Jungen von der Straße gesellten sich dazll, standen ringsum und hatten ihre Frellde am Znschauen. Tie kleine Fahne entglitt Joachims Hand. Einer der lnnstehenden Jungen griff sie auf und lies mit ihr davon. Die kleine Fahne hing Verivaist ganz nuten an der Löschung des Flllsses iin Gesträuch, dessen Aeste sich über das Wasser neigten. Der Junge, der sie allfgehobeu, und dem sie nichts bedeutete, hatte sie hinabgeivorsen. Er rvvllte sie eigentlich auf deul Wasser treiben sehen. Ein Wunder hatte sie , davor bewahrt. Hier hing sic mm in dunkler Nacht über dem rauschenden Wasser, unter dem blinkenden Sternenhimmel. Sie hielt lieh krampfhaft, wacker an deil Zweigen fest, die sich im Wasser spiegelten. Arme kleine Fahne! Weil sich zwei Jungen prügelten, mußte sie hier unten enden. Als der Mond herauskam, leuchtete das Wort „Chasack" auf. Tie kleine Fahne war stark. Aber das Wetter schlug nun Eilt Sturm setzte ein. sie mußte sich krampfhaft festhalten. um nicht hinunterzufallcn. Ta gab es Plötzlich einen gewaltigen Ruck, ein Krachen, der Ast ivnrde gebrochen und mit ihm stürzte die kleine Fahne iils Wasser. In allem Unglück hatte sie noch Glück. Sie siel nach oben lind schivamm so nnf dein Ast dahin. Gegen Morgen legte sich der Sturm. Tie Sonne ging ans. Ein abgebrochener Asl mit einer kleinen Fahne bvnitf trieb auf dem Flusse. Simon ging am Morgen zur Synagoge Den Userweg entlang. Er sah deil abgebrochenen Ast ans dem Wasser unD erkannte die kleine Fahne. Wundersam, es war ihr ilichts geschehen. Ta kaiii über Simon eine große Scham und Reue. Hätten sie, die beiden jüdischen Juiigen, nicht Streit und Händel gehabt, die kleine Fahne brauchte liicht dort nnten zu treiben. Mit plötzlichem Entschluß ivarf Simon seine Sachen ab. mit kühnem Sprung war er im Wasser mid schwamm mit kräftigen Stößen dem treibenden Aste nach. Er griff die kleine Fahne und hocherhvbencn Arines brachte er sie ans Ufer. Darin ging er geraden Weges zu Joachim. Er streckte ihm die Hand entgegen lind reichte ihm die Fahne mit einem kräftigen „Chasack". Sie hatte »licht gelitten trotz aller Abenteuer der Nacht. Joachim und Simon giilgen zusaminell in die Synagoge. Hand in Hand schritteil sie hinter Den Sefer Thorahs, gemeinsam schwenkten sie die kleine Fahne. Tie Tavidssterne glänzten in der Morgcnsonne, das Wort „Chasack" erstrahlte. k KS R. Nx.. ' / % * r ML Ätg üer MgLfftker durchs wke Weer Bilder Neun- und Elfjähriger, mit denen die Kinder der jüdischen Sdiule Berlin Rykesfrasse ihre Laubhütte schmückten. Laubhütte, die sich die Jungen und Mädel vom „Ring" Berlin Tauenfzienstrasse gemacht haben. .^ ir) r£. 3 -Ü ch c: S L H io L L S « c « L' 7~ L & c £< .7^ cä a Xi & si « a 4V /a a >o ä' s-* y „Ihr lvißt doch alte, daß am Montag Nosch Haschana ist?" sagte Fräulein Evblenz, als sie an» Tomlerstag Ul ihre Klasse kan». — „Ich wollte euch Vorschlägen, daß wirres diesmal aus eine garlz besondere Weise feiern! Seht ihr, das letzte Jahr ist doch für so sehr viele jüdische Mitiilenschen besonders traurig und wirtschastsschwcr gewesen, und darum sollten wir versuchen, gerade dieser» Merlschen zun» Anfang des neuen Jahres eine recht große Frellde 31t bereiten, so daß sie mit neuen» Mut und uelier Zuversicht in das kotnnlende Jahr hineiugchen. — Was meint ihr ivvhl, wenn heut jeder vvi» euch zu Hause von seiner Mlltter eil» Pfund Lebensmittel erbittet, irgendwelcher Art, und das luorgeu mit in die Schllle bringt?' Natürlich könnt ihr auch Geld mitbringen, wenn cs euren Eltern gerade angenehmer ist. Wet»n »vir Dann morgen alles hübsch zusammen haben. Dann wählt ihr drei von citd) auS, die fahre!» am Nachmittag mit dem ganzen Paket herunter und bringen es selbst zu den Leuten hin. Ich denke da au ein paar bestimmte Familien", fuhr Fräulem Evblenz fort, „zum Beispiel an ein altes Ehepaar, das so arm ist. daß sie gar feine Möglichkeit haben, das Neujahrsfest auch äußerlich ein bißchen anders zu begehen als andere Tage, und da auch ihre Kinder und Enkel nicht hier in Berlin sind, »vird cs sicher sehr traurig bei ihnen zugehen." Die garrze Klasse war natürlich Feuer und Flamme für diesen Vorschlag, lind voller Eifer bestürmten sie ihre Mütter, sv daß der Einwand, den manche Mutter versuchte — ich gebe dvch jede Woche svwie|o schon etivas — einfach über den Hau feil geraunt wurde vor soviel Neujahrsvvrfreude. Am nächsten Tag kau» ein ordentlicher Berg zusammen: Zwanzig Pfund Lebensmittel und vier Mark in bar, für die noch Kakao, Kaffee rmd eine lar»ge Wurst gekauft wurden. Daun ging inan zur Wahl. Jeder gab einen zusanunengefalteten Zettel ab mit den drei Namen der Kinder, die er als Abgesandte der Klasse schicken wollte. Tie drei, die die meisten Stiuuucn hatten, »varcn gelvählt. Thomas, Klaus und Hanna wurden die Boten, die am Nachmittag stolz und beladen abzogen. Und als sie dann ein bißchen heiß und verlegen ankamen und den beiden alten Leuten einfach alles auf den Küchen lisch legten, dann könnt ihr euch kaum Vörstetten, was für eine unendliche Freude und Ucberraschnng ihnen aus den Gesichtern entgegenstrahlte!- Am nächsten Morgen mußten sie natürlich alles ganz ge,»all erzählen: Was der Mann gesagt hatte und was die Frau, wie die Wohnung aussah, wie sie das Paket abgegeben hatten, ob man sich mehr über Kakao oder über Reis gefreut hatte, und noch vieles, vieles andere. Als Mittag die Schule schloß, da wußte'die ganze Quarta, daß sie geholfen hatte, für zrvei Menschen den Jahresanfang froh und glücklich zu machen, und diese Freude, die sie andern gegeben hatten, machte ihnen allen ihr Neujahrsfest diesmal besonders schon! Was meint ihr, Kinder, »venn ihr es 311 anderen Feiertagen ebenso macht? Text und Zeichnungen von Dodo. Kinder, es ist ein solcljer 3tofi von Lösungen bei uns eingegangeii, daß wir zur Durchsicht noch einige Zeit gebrmnijen. Ihr findet die Lösung in dein nächsten Kinderblatt. Schluß der Einsendung ist der 5. Oktober. Jüdischer Stamm. Berwandter. 4 2 3 0 2 8 5 . . Fußbekleidung. 5 4 2 10 . . Biblische Figur. 4 H 3 2 12 6 12 5 . . Gotteshaus. Statt der Zahlen sind Bnel,staben cinznsetze». Tie Anfangsbuchstaben der gefniideiieii Wörter ergeben, von oben nach unten gelesen, den Ramen eines jüdischen Gesetzgebers. Vcrstcckrätscl Meduse — Wolle — Mastvieh — Latein — Brunnen — Lt randin» schel — Welte — Treher — Arena Ans jeden» dieser Wörter sind — in der angegebenen Reihenfolge — drei auseinander folgende Buchstaben zn entnehmen, welche, aneinaudergereiht, eine heilige Vorschrift aus den Zehn Gebote» ergeben. 8. W. AMOW oinvlviowitm' Käte E., Tüh, fragt: Ich möchte gern wissen, wer das Kaineradschastslied des Bundes Teutschjüdischer Jugend (L. d. j.J.) gedichtet und lvmpoinert hat. Frage bitte dech an, wer mir die Roten von» TII-Marsch schielen kann. Antwort: Leider rönnen wir Tir nicht sagen, von wen» das Kämeradschastslied stammt. Eine unserer ältesten Gruppen hat es zuerst gesungen, andere Gruppen übernahmen es und so wurde es Bundeslieb. — Die Roten des TII-Marsches kann Dir die Geschäftsstelle (Berlin YV 50, Tanentzienstraße 10a) schicken. Inge H., Grcisowald, fragt: Kannst Tn mir sagen, wie-alt die Bügel werden? Wtttwort: Das Lebensalter der Bügel ist von sehr verschiedener Tauer. Ter Hanshahn lebt 15 bis 20 Jahre. Ter Storch wird über 70 .Jahre alt, und der Uhu erreicht ein Alter von ungefähr 68 Jahren. Ter Steinadler, der Geier, die Eiderente und ... da wirst Du Dich wundern, ... die Gans, »oerdcn sogar über hundert Jahre alt. Anna N., Weimar, it Jahre alt, schreibt: Liel>er C.-B.! Tn bringst so viele schöne Sachen in Teinein Kinderblatt. Kannst Du uns nicht auch mal eitt paar neue Spiele »ennen, die wir in» Freien spielen können? Das »oäre aber sein! ' ‘ i 5 j -ft J

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