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Kinderblatt · 1934-09-28 · 9 (28.9.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kinderblatt
Volume
1934
Issue
9 (28.9.1934)
Date
1934-09-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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j/W^J SiyMVViV Viele berühmte und angesehene Männer haben schon in frühester Jugend damit begonnen, ihre zukünftige Laufbahn vorzubereiten. Bereits als kleine Jungen bewiesen sie große Tüchtigkeit und einen Unternehmungsgeist, der die besondere Veranlagung verriet. Ter kleine Amenkaner ThmnaS Alva Edison stand mit zwölf Jahren auf dem Bahn, steig einer kleinen cnnerilanischen Stadt irnd derkaufte Obst und Kuchen. Tabei merkte er, mit welcher Vorliebe sich die Reisenden die.Zeit durch Lesen vertreiben. Sofort machte er einen kleinen ZeitungZ- Handel auf und schloß mit dein Telegraphisten des Bahnhofs einen „Vertrag', wonach ihm dieser die interessanten Nachrichten, die bei ihm eingingen, mitteilen wußte. Diese Nachrichten schrieb Edison mit großen Buchstaben auf ein Stück Pappe, das er an seinem Zeilnngsstand auZhing. Die Reisenden kamen neugierig naher, lasen die Mitkeilungen und kauften eine Zeitung. DaS lvar EdisonZ erster Erfolg. Der Zeitungshandel genügte ihm aber bald nicht mehr, und deshalb gründete er mit 15 Jahren eine eigene Zeitnng, die er großartig „Grand Trunk Herald" nannte. Alles an dieser Zeitung machte er selbst. Er schrieb ihren Inhalt, er druckte sie in einem Waggon, den er der Eisenbahngesellschaft zu diesem Zweck ab. gemietet hatte, und er trug sie auch persönlich aus. Damit verdiente er 40 Dollars in der Wochel Bald darauf machte er seine ersten Erfindungen, und nun wuchs sein Nuhin von Jahr zu Jahr. Er erfand das Mikrophon, die elektrische Glühbirne, das Grammophon und viele, viele andere Dinge, die heute für uns unentbehrlich geworden sind. So wurde schließlich ans dem kleinen unternehnnrngslustigen Jungen der größte Erfinder aller Zeiten. Noch früher begann ein anderer Junge seine ersten Unternehinungen, der kleine jüdische Knabe Meier Amschel Rothschild. Zu seiner Zeit hatte jede Stabs und jeder Fürst durch die Zersplitterung Deutschlands eine eigene Münzstätte, und eine ungeheure Anzahl verschiedener Münzen tvnr im Umlauf. Wenn jemand auch nur eine kleine Reise machen wollte, so mußte' er vorher erst sein Geld in andere Münzen umwechseln. Ter zehnjährige Meier Amschel hatte schon eine große Kenntnis von Münzen und unternahm aus eigene Faust ihre Umwechslniig. So lvurde ec frühzeitig schon Fachmann ans dein Gebiet der Münzenkunde, und dieses in der Kindheit ertvorbene Wissen De[itinir.le schließlich seine ganze Zukunft. Sehr früh schon ließ er eigene Kataleze iv-si Münzen und Antiken drucken, legte große Münzsammlungen an und kam durch diese unnsangreichen Ennttnlungen schließlich ruck dein Fürsten von Hanau zusammen. Alls der daraus entstehenden Geschäftsverbindung ging Meier Amschel? eigeiler und damit der AuDieg feiner ganzen Familie zu den großen europäischen Bankiers d'S 'Jahrhunderts hervor. In Norddculschland, in cinnn ((einen Ort in MeckllnGirg, wuchs ein Knabe auch devm h Glück die Ilias '.n: Heiner bedeutet. Heinrich Schliemann, so hieß er, las immer und immer wieder die Geschichten voll der Zerstörung TrojaS. m,d ein Bild in seinem Kinderbuch machte stets einen besonders starken Eindruck auf ihn, das, ans dein der junge AenäaS seinen alten Vater mif dem Rücken ans dein brennenden Troja trägt. Mit acht Jahren beschloß Hein» rich Schlieiilann, einmal später Troja wieder anszngraben, unb dieser ZukllnftZtramn verließ ihn rrie mehr. Vorerst aber lagen noch lange Jahre zwischen ihm unb der Ersüllnng dieses Wunsche?. Er wußte sehr genau, daß er ohne Geld nichts erreichen ivürde, und so trat er zu einem Kailsmann in die Lehre. Für sich selbst lernte er Sprachen über Sprachen, im gallzen beherrschte er schließlich an 16 fremde Sprachen, nlld eines Tages wurde er von seinein Ehef nach Petersbürg geschickt. Hier gelaiig es ihm durch Fleiß und Glück, ein Großhändler' zu werden, aber noch immer war die Zeit zur Verwirklichung seiner Kindheitsgedanken nicht geloninien. Erst mit fünfzig Jahren sollten die Träume des Achtjährigen in Erfüllung gehen. Er, der so früh schon seinen Hoiner ansivendig laiiirte, glaubte im Gegensatz zu der ganzen damaligen wissenschaftlichen Welt fest daran, daß alle Schlldernilgen der Ilias wörtlich zu nehinen seien, und begann ilach diesen Anregungen seine Ausgrabungen. Der große Erfolg bestätigte die Richtigkeit feiner Annahme, und als er zusaininen mit seiner Gattin, einer jungen Griechin, den „Goldschaß deS Priaiims' gesunden hatte, war der Traum seiner Kindheit Erfüttling geworden. kl. K. Z. Tieses und ähnliche Bilder findet ihr in dem von Rabbiner Dr. Eniit Eohn herausgegebenen lMoaMa»h» M WW&» 'h'A 5695 (1964/35)?Pcmt o>: oiiit) geiättt, daun laut ifju cud) bald schenkt». (Prei) 0,Ü0 '' , Wj/vw WWViW' h'WAAA/JAA/ a /mv Es ging auf den Herbst, obgleich die Sonne noch golden am blauesten Himmel erstrahlte und wohlige Wärme spendete. Aber die Blätter begannen sich zu verfärben, gelb, braun und welk lagen schon etliche am Boden. Matthias hatte sich Tisch und Hockerchen dicht unter sein Fenster geschoben. Tie Sonne tat wohl und förderte sein Schassen. Ans dem Tisch lag ein Hausen Arbeit, ein Durcheinander von Stofs und Papier, ein Gewirr von Farben, blau — weiß — aold — silber, und Stöcke, längere und kürzere. Matthias loar Hüter der Synagoge. Heut klebte er Fahnen fürs kommende Simchat Tora-Fest. Matthias verstand sich darauf. Er war ehrgeizig bestrebt, jedes Jahr schönere Fahnen heranszubringen. Jetzt lag ein Bündel fertig ans dem Tisch. Matthias zahlte: 99! Zur Hundersten mußte es noch reichen. Aus den letzten Nestchen stückelte er Streifen zusammen, blaue — weiße. Aus Ecken und Schnipseln schnitt er Davidssterne und klebte sie ans. Er suchte die letzten Fctzchen Gold- und Silberpapier ans den Winkeln hervor und setzte aus ihnen mit vor Eifer zitternden Händen Buchstaben zusammen, das Wort „Chasack* — „Sei stark'. Mit diesem schmückte er die kleine Fahne, gerad' drum, weil sie so klein geraten war. Matthias war fertig: er sah zufrieden aus sein Werk. Ein lauer Abendwind strich durchs geöffnete Fenster über die Fahnen hin. Sie blühten sich, und die größeren plusterten sich nicht ohne Stolz ans. Verächtlich, mit etwas höhnischem Lächeln sahen sie über die kleine hinweg. Natürlich ivürde sie übrigbleiben. Welch Kind wird nach ihr greisen, wo es soviel schöne und große Fahnen gab. Was nützten ihr schon die Davidssterne, was schon das Wort „Chasack'. Es war zum Lachen. Die kleinste Fahne — und das stolzeste Wort darauf. So dachten die großen aus Neid und Mißgunst ob der Davidssterne, ob dieses Worts „Chasack15 haßten sie die Kleine. Als Joachim in die Synagoge kam, hatte der Gottesdienst schon begonnen. Matthias war alle Fahnen bis auf die kleine losgeworden, die Kinder hatten sie ihm förmlich entriffen. Dis. kleine war übriggeblieben. Er gab sie Joachim, der scheu und verlegen, als letzter gekommen, noch ohne Fahne dastand. Als. Matthias den Zug der Kinder ordnete, stellte er Joachim an seine Spitze. Unmittelbar hinter den Seser Thoras und den hohen Kerzen, die Matthias vorantrug, sollte die kleine Fahne zu Ehren kommen. Joachim war glücklich, und die kleine Fahne in seiner Hand desgleichen. Sie flatterte stolz, als sie Joachim mit hoch erhobenem Arm schwenkte, wie eine Siegesfahne allen anderen voran—-und. war doch dis kleinste. Abeq ihreDavids* sterne glänze ten. und ihrs „Chasack“- leuchtete. „Wunderschön die kleine. Fahne', „hast du gelesen, ,Chasack‘ steht draus' — tönte es an Joachims Ohr. Es war noch nicht sehr längs her, daß Joachim kaum gewußt, hatte, daß er ein jüdischer JungS war. Seine jüdischen Ketmtnisss waren noch gering. Er besuchte erst seit kurzer Zeit die jüdischs. Schule. Aber das Wort „Chasack'4 konnte er schon lesen, und seine Bedeutung wußte er auch. - Joachim hatte es nicht ganz leicht unter seinen Sckjulkame* raden. Sie sahen in ihm „den Neuen'. Sie wußten, daß er ans einem Elternhaus kam, in dem von jüdischem Leben kaum etwas zu merken war. Joachim war em eifriger Schüler All Ä QMW;':WM4t

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