Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 38 (21.9.1934)
- Date
- 1934-09-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Grigori Landau Der Eintritt Russlands in den Völkerbund gibt einem Buche besondere Aktuabtat, das gurzltch ----- der Feder von Hermann Fekst (Eckart- Kampf-Verlag, Berlin) erschienen ist. V/ir haben einen Kenner der Probleme, selbst Opfer der russischen Verhältnisse, um eine Stellungnahme zu dem sachlichen Inhalte des Buches gebeten, die wir in folgendem veröffentlichen. 1. Bolschewismus und Judentum ist ein rfjcina. dessen Bedeutung den größten Ernst und die höchste Ehrlichkeit erfordert. Zwciscllos ist eine zahlenmäßig große Anzahl von Juden in den bolschewistischen Negicrintgsapparat ausgenommen worden. Es erlebt sich die Frage, wie c* gekommen ist, daß xjne EemciuschasL, die Generationen lang für ilirnt Glauben litt, deren Lcbensvoransi'c^u:gen auf religiöser Toleranz der Außenwelt auigebaut waren, die jahrtausendelang nur Lösest, niemals Subjekt von Gewaltanwendung tvar, die ihre Emanzipation auf dcr (prundtage der freien Gesellschaft errang oder zu erringen hofste, — wie ist es gekommeu, daß sie so viele ihrer Söhne in den Jicint eines Regimes stellte, das in sich das Gegenteil dieser Grundlagen verkörpert? Taß io viele Böhne eines Volkes, dessen ganze rnuktur auf individuelle Arbeit, auf die „Burgerlichkeit" von Handwerkern, Intellektuellen, Kanjlcntcn eingestellt tvar, Werkzeuge eine-:- loinmtrnistischen Regimes wurden, das die bürgerlichen Eristcnzbedingungen dieses 'Uelkes auch tatsäeistich vernichtet hat, ohne Rücksicht aui die Tatsache, das; so und so viele ßuden in den Rcgiertingsapparat ansgenomwen wurden. Bedeutet das nicht Verrat an der eigenen Gemeinschaft und Tradition? Tas Problem stellt sich anders für die üußenooelt. Eine.Katastrophe ohnegleichen hat Rußland heimgesucht. Taß in dieser Katastrophe auch Juden ums Leben kamen, auch sic verbannt und verschickt, auch ihr Glaube rcrwlgt nmrde, das war ohne voeitcres verständlich und blieb deswegen auch unbetncrkt: denn cs toar das allgemeine Los. roß aber so und so viele Juden in den Staatsapparat ausgenommen nmrden, der bis dahin für sie verschlossen geblieben toar, das war treu. Es bedurste nur eines Schrittes, um eiuen Kausalncrus zwischen diesen beiden bücheimmgen herzrtstellen. Zuviel unermeßliche Leiden haben sich ans die russische Erde craoncu, um nicht Leidenschaften des -vasses, str Rache ,der Verzweiflung in Millionen vonßrzen zu entfachen, um nicht den klaren Versnob 311 trüben, Gerechtigkeit vergessen 31t Jaiw. So tvnrde die Schtild an allem Gesehen in Rußland den Inden unterschoben. Nun ist unlängst ein Buch erschienen, das Mc Frage des Zusammenhanges zroischen Bolschewismus und Judentum arif wissenschaftliche Weise beantioorten will, -vermann geh sts „Bolschewismus und Judentum" beichäftigt sich hauptsächliü; mit der Zahl der Juden iti einigen der höchsten bolschewistischen Lrgane, mit Prozentsätzen, Statistiken, Tabellen. Tiagrammen. Run ist bekanntlich eine Statistik beweiskräftig mir, wentt ihr Material votlstäitdig und überprüft ist. Es ist aber in diesem Zulle gar iiid;t leicht zu beschaffen, und so ist Fehst erzwungen, auch Prrvatvermutuitgeu von ..Rußlaudkennern", die keine „Jndenketrner" 'ein mögen, anzusühren. Auch bleibt für ihn rielcs tttisicher. Auch in dem anscheinend Sicheren sind ihm s ch w e r e Irrt ü me r unterlaufen.' Rlair ist verblüsst. wenn mau liest, das; der blies des Marinestabes bei der zaristischen Wersten Heeresleitung, Admiral A l t v a t e r,. 2ol)n eittcs Generals — für einen Inden ousgegeben tvird (S. 64). Auch Luna- Ach arski ist Jude geworden, obgleich er <ohu eines echten russischen Gutsbesitzers war. S u ch a n 0 tv (Himmer) tvird zum Irden gestempelt, obgleich dies schon längst hTTcuttici) widerlegt worden ist. P v s e r n -s'ird pi den Inden gezählt, destoegen vermutsich, da sein xante aus denselben Buchstaben uprr in einer anderen Reihenfolge) besteht wie der wirklich südische Name Postier. Iran -fl0l l o n ta i tvird ohne Beweise als eine 'balbjüdin bezeichnet (in den Prozentsätzen wird sic aber als ein ganzer Jude gerechnet). Obgleich es Leute gibt, die sie selbst nnd^ihre' oarnilie noch am Ende des vorigen Jahrhunderts in Petersburg persönlich kannten und nichts von ihrem Halbjndentnm gemerkt hatten. Es fällt deshalb schwer, den Angaben von Fehsts Jnsvrmatioiten zu trauen, auch in chn Fällen, wo die nichtsüdische Abstammung Wcht so notorisch ist. Ich habe beispielsweise J'icl) in der mir zugänglichen Literatur keinen >e!cg gesunden, der es rechtfertigt, ansKnibhsshcw einen Inden zu machen. Jeder Irrtum achstZ wiegt um so schwerer, als schon ein sutzelner Jude in seinen Tabellen große Ber- 'chebungent 20 Prozent, 11.1 Prozent, 8,3 Prvzcitl — ein paarmal sogar ganze 100 Prozent ic._ 103) — und selten weniger als 3 Prozent Msmacht! ..In vielen Fällen läßt Fehst die Nationalität "Open". Aber kann man denn aus unbestimm- Jn Angaben bestimnite Schlüsse ziehen? Jtn .mhre 1927 wäret: im Präsidium der Zcntral- '3ontrollkotmttissivn — nach Fehns Berechw.ittgen - 31,3 Prozent Juden und 21,6 Pro- Russen. Fehst schließt daraus (S. 104): .. der russische Anteil... beträgt. .. nur noch wenig über ein Fünftel... Dagegen der jüdische Anteil... betragt... fast ein Drittel des Eesamtbestandes". Es folgen dann noch weitere statistische lleberlegnngen. Diese Zahlen werden aber nur dadurch gewonnen, daß 28,1 Prozent der Mitglieder'„offen" gelassen sind. Wenn es sich nun Herausstellen sollte, daß diese „osfcngelassenen" sich als Russen entpuppten, so müßte das Fünftel Nnssen.ztl einer Halste steigen und die weiteren Schlußfolgerungen umwersen; und derer sind viele da mit genauen Prozentsätzen (in Zehnteln) errechnet. Eilte Statistik‘ mit solchen Lücken ist keine Statistik. 3. Fehst untersucht den nationalen Bestand der — seiner Meinung nach — wichtigsten bolschewistischen Organe. Aber die wirklichen Spitzen der bolschewistischen Macht tvaren die beiden Diktatoren (also: 50 Prozent Lenin, 50 Prozent — Stalin, und 0 Prozent Inden). 'Nicht immer errechnet der Verfasser Prozente; manchmal begnügt er sich einfach mit einer Liste von Jttden. Znm Beispiel gibt er eine Liste von 13 Juden (Pvsern inbegriffen) in militärischen Stellungen, von denen mattche in Wirklichkeit keine Militärgewalt innehatten (tvie Sokotnikotv, Zinowiew usw.). Aber von den vielen russischen Generalen und Stabsoffizieren, die die militärische Macht ausgeübt haben (mit dem Armee sichrer aus dem großen Kriege General Lrtissilow an der Spitze) — von diesen ist keine Rede; atich nicht von den rtissischen Offizieren der alten Armee, die „Rote Marschälle" geworden sind (wie Tnchatschetvski oder Frttnse), nicht von deti Soldaten und Arbeitern, die Generale und Kriegsminister gctvorden sind (wie Budjenni oder Woroschilow). Tie militärische Macht war eine der Hauptstützen der Bolschewiki. Ohne Zweifel hat Trotzki eine bedetttettde Rolle bei ihrer Entstehung gespielt; doch organisiert und geführt wurde sie von Generälen und Ossiziercn. . 4. Auf S. 96 errechnet Fehst, daß der durchschnittliche jüdische Anteil am Gesamtbestand des Zentralkomitees der kommunistischen Partei 20 Prozent erreiche, der Bevölkernngsantcil der Inden aber in der Sowjettinion (1920) 1,77 Prozent betrage, also von dem erftercu um das Etffache übertroffen sei. Nun muß mau aber bedenken, daß sich Juden, genau wie alle andere Völker Rußlands, an der revolutionären Bcwcgting noch im alten Rußland beteiligt haben, wo sie mehr als 4 Prozent ansmachten. Es vollzog sich dann der Abfall von verschicdciten Teilen des alten Rußland — Polen, Litauen. Estland — und damit fielen Millionen von Jttden weg: die jüdischen Kommunisten aber sind im Rußland geblieben, insbesoitdere — die „Prominenten". Tie Kommuniften stammen ans der gesatnteti jüdischen Bevölkernttg des alten Rußland und nicht nur aus derjenigeu, die nach Zerteilung in der Soivjetuniou geblieben ist. Außerdem kommt für die höchsten Stelltittgen nicht die gesamte Bevölkerung in Betracht, jedenfalls nicht die Analphabeten. Toch. tvie bekattnt. ist das Analphabetentum unvergleichlich stärker in der rttssischen Bevölkerung verbreitet als in der jüdischen. In dem für die höchsten bolschetvistischen Stellungen relevanten Teile der Bevölkerung ist daher der jüdische Anteil viel größer als in der gesamten Bevölkertmg. Anderseits ereignete sich das entscheidende soziale Erdbeben ans dem flachen Lande, die organisierte revolutionäre- Bewegung aber vollzog sieh in der Stadt tutd durch die Stadt. In der städtischen Beoölkerttng aber tvar der Attteil der Jttden nicht 4,1 Prozent, sondern mehr als 14, was den 20 Prozent jüdischem An.teil im ZK nähcrkommt. Ferner sind in den ersten Jahren der Revolution große Massen der Städter ans Furcht vor Hunger auf das flache Land geflohen; nicht'aber die Inden, die gerade ihre Rettung in größeren Städten, vor allem in den beiden Hauptstädten, suchten. Ter jüdische Anteil an der städtischen Bevölkerung muß daher höher eingesetzt werden. So sehen bei richtigen Bergleichszissern die Zahlen der Statistik aus. Aber selbst wenn sie in der Fehstschen Lesart richtig wären — könnten sie doch nicht betveiscn, daß „das gemeinsame eigentliche Ziel des Judentums in der Festigung der bolschctvistischen Macht" . . . usw. tvar (S. 155). Die Juden, die au der Revolution teilnahmen, waren auf die verschiedensten Riehtttngeu verteilt und bekämpften sich gegenseitig. Tie sozialistische Partei „Bund" erklärt die Bolschewiken für „Feinde der Revolution" (S. 39). Bolschewistengegner waren auch die Menschewiki, deren Oberschicht — mitsamt den Inden —. die nicht kapitnlierte. in nördlichen Konzentrationslagern, Gefängnissen und in der Emigration ei^dctc. Inden waren in der linken sozialrevolutionären Partei, die einen Aufstand' gegen die Bolschewiki versuchte. Eine Jüdin — Dora Kaplan — hat ein Attentat auf. Lenin verübt und ihn verwundet. Ein junger jüdischer Student und Offiziersanwärter Leonid Kannegießer tötete den — jüdischen —. Tschekisten Uritzki. Den Kampf gegen den einzigen Juden, der nach Lenin den'Anspruch aus die Macht haben konnte — Trotzki —, führte ein Triumvirat herbei, in dem neben Stalin zwei Inden (60,6 Prozent) waren, «Linowjctv und Kameneto. Im Kampf Stalins gegen diese früheren Verbündeten standen auf seiner Seite tviederunr Inden (z. B. Kagnowitsch). Der „linken Opposition" gegen Stalin haben viele Juden angchört; aber atich in der „rechten Opposition" standen „Wirtschaftler", also wiederum Inden (z. B. Sokolnilotv). Nachdem der „Ncp" (Nctic ökonomische Politik") abgeschafft wordeti war, an detn viele Jttden, frühere Handwerker und Kanslettte eilten tätigen Anteil hatten, gingen sic in Masseii in Konzentrationslager und Gefängnisse: Frau Tschcrnawina schätzt ihre Zahl auf 10 bis 20 Prozent. Hunderttausende früherer Kauflente, Handwerker nsw. sittd als vollständig entrechtete „Vogelsrei" („Lischcntzp") getvvrdcn. Tausenden ttttd aber Tausenden sind die Balnta-Almosett abgenommen tvorden. die sie von ausländischen Vertvandtcn erhielten. Das Jndcnttun wurde durch die Gottlosen- und kommtlnistische Propaganda verdrängt, die ihrerseits durch eine Anzahl von Jttdett geführt wurden. — So sieht das gemeinsame Ziel aus. das Jndenttun ttttd Bolschewismus angeblich erstreben. _ KO die urteilet? NMher bss in As SsWMt ösr KWDsMOs? Die THV-Kasse. Berufskrankenkassc der Kattsinmtnsgehilsen (Ersatzkastel, verlangte im.Klagewege van einem frnbecx'n Mitglied de? Geiverkschp'tsbnndes der Angestellten und der ETA- Krankenkasse rückständige Versicherungsbeiträge für die Zeit von Januar bis Dezember 1933, obwohl der EDA am I. Juli 1933 in den „Deutschen Handlnngsgchilfenverband" (T-öV) übergeführt und der Beklagte als Nichtarier in den DHB nicht mitnbernvmmen tvorden tvar. Die Klägerin machte geltend, daß der Beklagte zwar nicht in den DHB, aber in die angeschlosscne.tlrankenkasse mit übcrgesnhrt! tvorlx'n sei. Tiefes sei ihm durch Nnndschrciben bckanntgegebcn tvorden. Durch Urteil vom 13. Juli 1934 (IV Z Ar. 54211934 — Kl. 1051417) hat das Amtsgericht in Hambnrg die Klage abgewicsen und n. et. folgendes ansgcfichrt: Es möge richtig sein, das; die nichtarischen Mitglieder des GTA nur die Atitgliedschaft in dem iienen Verband, dem THB? nicht erwerben konnten, daß sie aber weiterhin Mitglieder der zum DHB getzörigen Berttsskrankenlasse. näm- - lieh der"Klägeri>t,'bleiben könnten. Diese Tatsinhe müsse aber dieseit nichtarischen Mitgliedern deutlich zur Kenntnis gebracht >verden, damit sie sich erklären könnten. Dies sei im vorliegenden Fall tticht geschehen. Die Uebcrführnng der alteit Berbättde in die netten Verbände habe tvohl iit den Zeitungen gestanden, nicht aber die Bköglichkeit der lieberführnng von itichtarischen Aiitgliedern in die nenen Bernsskraitkeitkassett. Die Klägerin berufe sich auch lediglicl; auf eilt Rtindschrcibcn, toelches auch dem Bellagtcn zngcgangen sein solle. Telbst wenn der Beklagte dieses Rundschreiben erhaltet; hätte, so gehe ans der ganzen Zassimg dieses Riutdschreibens die Akögtichkeit einer solchen Ueverführtmg nicht mit voller Deutlichkeit hervor. Vielmehr könne sogar das Etegenteil angenommen tverdett. Dttrch das Rnitdschreiben würde dem Beklagten nur mitgeteilt worden sein, daß er als Jude tticht die Atitglicdschaft in den: netten Vcrbattdc, nämlich dent DLV, ertverbett köttne. Unter dem Paßstis: „Betrifft Ileberfühning der Alitglieder gcroerkschastlicher Krankeitkasscn in die Berttfskrankenkassen der ATA-Berdände" stehe die Besttmmtmg, daß die lleherführttng der Mitglieder, tvelche bet einer ihrem früheren Verbände augehörigen Krankettkasse versichert gctvcsen seien, in die mit ihrem nenen Verbände verbtindcne Berttfskrankcnkasse zttm gleichen Zeitpunkt erfolge. Bon einer solchett ile'oerführrtng an.ch der ttichtarischen Akitglieder stehe tiichts in dieser Bestimmung und könne ans dicker Fassung tticht entnommen tvorden. Da der Beklagte nicht zu den neuen Verbänden gehören dürfte, mitßte er vielmehr annehnten, auch tticht Alitglied der mit dem neuen Verbände verbundenen Krankenkasse zti werden. Jedenfalls habe der Beklagte ans einer derartigen Fassung seine trotzdem mögliche Ueberführung ttt die nette Bernsskrankenkassc keineswegs erkennen köttnen. Wenn die Klägerin mit diesem Rundschreiben eine derartige Vtitteilnttg habe ergehen lassen wollen, so sei die Fassung zti unklar, um hieratis auf eine solche Mitteilung schließen zu können. Es wäre die Pflicht der Klägeritt getvcsen, den ausgcfäilvssenen itichtarischen Mitgliedern diese Möglichkeit mtzweidentig zur Kenntnis zti bringen. Nur dann hätte von diesen Rlitgliedern atich eine Stellmtgnahttte erwartet werden können. So aber habe der Beklagte anttehmen müssen, daß auch naturgemäß, seine Alitglicdschast bei der Krankenkasse erloschen sei. Das Urteil ist rechtskräftig geworden. ‘bahrt*. Iti Nr. 29 der ..E.-V.-Zettttug" votn 19. Jul: 1934 hatten wir von einer Entscheiduttg des Rctchsgcrichts, berichtet, die grundsätzliche Anssührungen über die Attsechttmg von Mischehen enthält. Das Reichsgericht hat ein Urteil de3 Oberlandesgerichts in Karlsruhe attsgehobcn. daS der Attsechttmg einer Mischehe stattgegebett hatte, weil man erst netto:- ’ diltgs erkatutt habe, das; die jüdische Rasse hinsichtlich-des Blutes, des Cl>arakters und der ganzen Ledertsauffassung von der arischen Rasse vollständig verschieden sei, und daß deshalb eine Berbinduttg und Paarung eines Ariers mit einer Jüdin für erstercn nicht nur nicht wünschenswert, sondern verderblich. ja widernatürlich sei, zumal, da sie den arischen Teil als einzelne Persönlichkett. nametttlich in seitter Eigertscl>tst als Volksgenossen, in die Gefahr bringe, seiner Rasse und seinem Volkstum fremd Zu tverdeu und artfremde Kittder ztt erzcugcn. In Nr. 34/35 der „Deutschen Justiz" vom 30. Attgnst 1934 (L. 1100) werden die Entscheidmtgsgründe des Urteils deS 4. Zivilsenats deS Reichsgerichts vom 12. Juli 1934 (IV 94/94) veröfsentlicht. In einer Anmerktmg ntmtnk Antksgerictfterat Maßfeller zti der Entscheidttttg kritisch Ltellnna. In der Tagesprcssc sei das Urteil des Reichsgerichts matxchntal dahin attsgekegk worden, das; eine Ansechttmg nur dann Erfolg haben könne, trenn der arische Ehegatte bei Eingehtmg der Ehe nicht getvtißt habe, daß der attdere Eheteil der jü-iiehen Rasse angehöre. Nach der Attsicht lNaßfellers bietet das Urteil des Reichsgerichts ztt einer solcljen Verallgctttcinernng keinen hinreichenden Anlaß. Es si t nun einmal eine nicht zu leugnende Tatsache, daß nach kun Durchbruch der nationalsozialtstisclten Revolution und nach der Ansnahnte des national' sozialistischen Gedankengnts durch den tveit ülerwiegenden Teil des deutschen Voltes zahlreichen in einer rassischen Allschehe lebenden Nien-sclten die Fortsetzung der Ehe, deren Eingehnng sie als größten Fehler ihres Lelx>ns erkannt hätten. ,;vr Onal, tuen» nicht unmöglich geworden sei. Die innige L-ebensgemeinschast. die die Ehe nach dentsclfem Recht und dem Recht za!;lreicher anderer Kulturstaaten sein solle, könne nicht besteheit zwischeu einem Anhänger der natioitalsozialistiscl^u Weltanschammg und dem Angehörigen der jüdiscyct» Rasse, zwischen einem arischet» Alenschen und einem artfremden Ehe gattet,, bwrade die toertvollsten Aiettschen aller Rassen empsänden diese Unmöglichkeit am Liefsten und litten am meisten unter dem Zwang, diese Ehe sortführen zu müssen. Tie christlichen Ktrcpen hätten in raffifcfKV Be- Ziehung nicht positiv ansklärcnd gewirkt, desgleichen nicht die in Deutschland bis znm Jahre I9:;o herrschenden politischen Parteien. Bei einem großen Teil von diesen habe sogar das Best/elvn geherrsäu, die 9ehre von der tbleichheit aller llllensäien. und Rassen immer weiter zu verbreiten. Bedenklich sei die Annahme des Reichsgerichts, daß nach dem Bekannttverden der Ltellnngnahttte der nationalsozialistischen Bewegung zur Jndenfrage em Irrtum im Linne des $ 133 BEB in der Regel zu vermiucn sei. Bis zum Frühjahr 193.3 streite für den Jrrtnm über die Bedeutung der Rasse in der Regel eine tatsächliche Vermutung. Umgekehrt sei cs allerdings seit dem Frühjahr 193:;. da für diese Zeit anznuehmett sei, daß die erforderliche Kenntnis Allgemeingut des deutschen Voltes geworden sei. Die Ansichteu Maßsellers tue ich? n also betrachtlieh von der StcUtmgnahmc des Reichsgerichts ab. 8« rm dM SÄM ZWemsM Die R ei chsv crtret un g der deutschen I tr d e n und der Zentrctla n s - schuß der de u t sch.cn Judeu für H i l i c. tmb A tt s ö a tt Hatzen anläßlich des Todes Osear Wiassermanus folpeude Kuudgeöung perösseutlicht: Tiefer Schmerz um deu allzu frühen Heimsiang vou Oscar Wassermanu erfüllt die Gesamtheit der deutschen Juden. Früher und stärker als viele hat der Verewigte deu Gedanken des großen Ganzen, das alle verbindet und alle umschließt, zu sich sprechen lassen. Früher und lebendiger als viele haben ihn Fragen und Ausgaben der Zukunft des Judentums innerlich ergrüseu. Setueu Ideen hat der Gang der Tage recht gegeben. Als ein Mann, zu dem alle mit tiewr Gewißheit und Verehrung hinblickten, stand der Entschlafene in unserer Nstitte. Seine Erkenntnis und sein Rat tvaren immer bestinnuend und entscheidend in ernsten Stunden. Tie treue Dankbarkeit für das, tvas Oscar Wassermann durch seine Persönlichkeit und durch sein Wirken uns allen getvesen ist, wird aus unserer Nlitte nicht schwinden. Die Efklärnngen des polnischen Außemnintners Beck über Polens Ltellnitg zur Allnderheitensragc, sind — tote wiederholt zum Ausdruck gebracht worden ist — ohne Einfluß auf die 2itnation der Inden in Oberschlesien. Warnung. In letzter Zeit sind wiederholt Eammlnngen auch nichtjüdischer nnbekannter Organisationen bei Juden dnrchgeführt tvorden, ttwbesondere in Berlin. Da es sich znm Teil um betrügerische Manöver handelt, verweisen tvir ans die Atöglichkett der persönlichen oder brieflichen Atlskunftetnholtntg im Büro des Eentralvereins. Ilauptse.liriftloitcr: Dr. Alfred Hirschberg Stellvertreter und verantwortlich für den gesamten Inhalt: Dr. Margarete K d c 1 h o 1 tu. Beide in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Manuskripte ist Frelumschlag beizufügen. 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