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Central-Verein-Zeitung · 1934-09-21 · 38 (21.9.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
38 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 38 Berlin, 21. September 1934 | Preis 20 Pfennig enerof- ®resn O© <T«<7 §TMMN UOg§lst§M Nach den: wuchtigen Ernst des Neujahrsfestes und Versöhnnngstages die ganz andere Stimmung des Hüttenfestes. Und.doch tritt die Einheitlichkeit der religiösen Idee in dem heiligen Ernst wie in der Freude zutage. Die Symbole des Hüttenfestes weisen darauf hin, dag nicht Monotonie, sondern Harmonie das Ziel des Ltrebens sein muß, daß nicht in Einseitigkeit, sondern nur in Betrachtung von allen Leiten die großen Probleme des Lebens criaßt werden. In den Spannungen der scheinbaren Gegensätze und aus ihnen heraus wird der ganze Mensch in seinem Verhältnis zu Gott und Welt begriffen. Bewußt oder unbewußt haben frühere Geschlechter dies sich selbst nahegebracht, indem sie unmittelbar nach Ansgang des Bersöhnungstagcs den ersten Pflock zunr Bau der Laubhütte einzuschlagen pflegten. Wir müssen in dem anders gearteten Leben unserer Zeit gedanklich die Harmonie der andersartigen Stimmungen gewinnen. ... Ter Feststrauß mit seinen vier ganz verschiedeneu Pslanzenarten, die zur Einheit zusaininengefügt werden, stellt.sinnbildlich die. Einheit der ganzen Menschheit dar, die unsere bebete an den beiden vorausgegangenen' Men herbeisehnen. Aber in zweifacher Hinpdjt etwas abweichend: einmal sagt das Sym-i hl mit aller Klarheit, was das Gebet wohl meint, was aber bei dem oft verkannten Eha-. rakter der Gebete mißverstanden werden könnte, daß die bloße Bitte nutzlos und wertlos ist, daß wir nichts von Gott erbitten sollen, als was wir selbst mit unserer Arbeit zu schassen bereit sind, und ferner weist es darauf hin, daß die großen tragenden Gedanken wohl in dem Ernst und der Stille der großen Tage erfaßt, aber mitten im Leben verwirklicht werden müssen, und daß es dazu nicht allein des heiligen Ernstes, sondern ebenso sehr der heiligen Freudigkeit bedarf, der Freude an der Pflicht (simcha schel inizwa), wie das alte jüdische Wort sagt. Bitte und Verheißung tritt uns hier als Forderung an uns selbst entgegen. So ist auch das andere Symbol, die Hütte, das Sinnbild des Friedens und der Sicherheit und der friedlichen Arbeit der Menschen. Nach Talmud und Midrasch wurden im Tempel zu Jerusalem die siebzig Opfer des Hüttensestes für alle siebzig Völker der Erde dargebracht, aus denen nach damaliger Anschauung die ganze Menschheit bestand. Ter mcssianische Charakter der jüdischen Feste und überhaupt der jüdischen Religion, die von der Zukunft her der Gegenwart die Aufgabe stellt und die Verantwortung auserlegt, tritt deutlich zutage. Aber alle diese Gedanken erhalten ihr besonderes Gepräge durch die Beziehung aus die Geschichte Israels. Tie Bibel knüpft das Fest an die Erinnerung, daß Gott während der Wüstenwanderung Israel in Hütten hat wohnen lassen. Nicht ein einzelnes geschichtliches Ereignis wie am Pessach- oder' am Diese Nummer umfasst 16 Seiten Sic enthält n. a.: Hauptblatt: Trcitsch!(cs Stellung zur Judenfrage — Bolschewismus und Judentum 2. Beiblatt: Porlrälcusstellung im Berliner Jüdischen Museum — Jan und Ruth von Max Spanier — Schachcckc — Blick in die Zeitschriften 2. Beiblatt: Der Prophet Elia — Das Fest des IVasserschöpfcns im alten Palästina von Dr. Meitlis — Das Ghetto von Jerusalem' von Gabriele Tergit — Neue jüdische Musik von Ludwig Allmann — Das neue- Buch. 3. Beiblatt: Des Blatt der deutschen Jüdin — Wirtschaft der IVochc Wochenseste, sondern ein Jahrzehnte, währender Zustand soll an wenigen bestimmten Tagen des Jahres symbolisch festgehalten werden. Es ist der Gedanke der Sicherheit, die das Bewußtsein des Eeborgenseins bei Gott allen feindlichen Gewalten der Natur und des Geschicks gegenüber gewährt. „Er birgt am Unglückstage mich in seiner Hütte, hüllt mich in die Hülle seines Zelts, hebt mich aus Felsen empor", singt der Dichter des 27. Psalms, und in klassischer Form prägt der 91. Psalm, dessen Schönheit keine Uebersctzung voll wiederzugeben vermag, dieses Empfinden aus. Wortlos spricht zu uns das Symbol. Und wie.am Neujahrsfeste nicht die Frage, wie es uns in dem neuen Zeitabschnitt ergehen wird, sondern die Sorge, wie wir die Geschehnisse ansassen und erfassen, welchen Sinn wir in die scheinbare Sinnlosigkeit des Lebens legen sollen und wollen, in den Mittelpunkt gestellt wird, wie dort nicht Schicksal, sondern Ausgabe den Inhalt des Denkens bestimmen soll, so weist nun gegen Ende der Festzeit, wenn die Herbst- und Winterstürme nahen, die Hütte darauf hin, daß dieses Ge-' borgensein bei Gott den Menschen in hohem' Grade unabhängig macht vom Schicksal, weil' dieses Bewußtsein allein uns frei macht von aller Schicksalsfurcht. Tragen wir ewige Werte in uns, die in dem Gottcsbewußtsein wurzeln, so kann uns auch widriges Schicksal wohl hart treffen, aber nicht seelisch vernichten, es findet uns vielmehr in jedem Augenblick bereit. Dieses Bewußtsein des Ge-, borgenseins bei Gott macht frei von Todes-, furcht. Wir wissen, daß wir sterben, müssen; aber für den hat der Tod seine Schrecken verloren, der sich bei Gott geborgen.weiß, dem darum der Tod nicht das Ende bedeutet. Und schließlich, macht dies Bewußtsein frei von Menschenfurcht und gibt Sicherheit und Stetigkeit der Haltung und des Handelns. Wir Juden hatten uns an den Gedanken gewöhnt, daß die Ideen des 18. und 19. Jahrhunderts dauernd zur Herrschaft gelangt, die Scheidung und unterschiedliche Bewertung der Menschen nach ihrer Religion oder nach ihrer Abstammung, wie frühere Jahrhunderte sie kannten, endgültig überwunden sei. Wir haben wohl seit Jahrzehnten das dumpfe Grollen feindlicher Kräfte vernommen, und wer sorgfältig die politische sind wirtschaftliche Entwicklung und die allmähliche Veränderung der Anschauungen verfolgt hat, war sich darüber klar, daß namentlich seit Ausbruch des Krieges die Herrschaft jener Ideen schwer erschüttert war. Aber was uns getroffen hat, ist dennoch überraschend über uns gekommen, lieber die ungeheure Wucht und Schwere dieser Unglückszeit sich selbst und andere hinwegzutäuschen. wäre geradezu verbrecherisch. Der angebliche Optimismus, der tatsächlich nichts anderes ist als Angst vor der Wirklichkeit, ist gefährlich, weil er die klare Erkenntnis der Wirklichkeit verschließt und die Kräfte erschlaffen läßt. Aber ebenso verderblich istm Zaghaftigkeit und Verzweiflung, jener meuschlich wohl verständliche, aber darum nicht minder verfehlte Pessimismus, der nur unter dem Eindruck des Augenblicks sein Urteil bildet, statt die Gegenwart in den Ablauf der Geschichte und ihre Betrachtung unter ewigen Aspekt zu stellen. In der Wüste war Israel' in Hütten geborgen, die Gefahren und Leiden der Wüstenwanderung sind ihn: nicht erspart geblieben, aber es vermochte sie zu überdauern. Die Wüstenwaudcrung hat nicht nur jene vierzig Jahre gedauert. Unendlich viel Schweres und Leidvolles weist die Geschichte des Judentums und der sehr bedeutsame Aus- -c F ''; ** Vv . - . KK.KF; WchTK 7?-FF ,V; Jiidischer Bauer riiot. Herbert Sonnn’frM schnitt aus dieser, die Geschichte des deutschen Judentums auf. Die Hütte versinnbildlicht den Schutz Gottes, erzählt von dem großen Wunder, daß allen Gewalten zum Trotz das Judentum sich erhalten hat. Wem die Weltgeschichte nicht sinnloses Geschehen, dem muß die Standhaftigkeit und Widerstandskraft vergangener Geschlechter in der schweren Prüfung der Gegenwart Trost und Mahnung sein, und ihn zur Selbstbesinnung und festen Verwurzelung im Judentum und seinen religiösen und sittlichen Ewigkeitswerten als der Ouelle der eigenen Kraft führen und die Zuversicht auf einstige Verwirklichung dieser Ideen stärken. Und ein anderes wird noch gefordert, worauf der Feststrauß symbolisch hindeutet. Ein talmudisches Wort knüpft die einstige Erlösung Israels an die Voraussetzung der Einigkeit, des Zusammenschlusses zu einem Bunde. Das bedeutet keineswegs Uniformierung der Anschauungen. Unterbindung der Kritik, Aushörcn aller Meinungsverschiedenheiten und geistiger Kämpfe; denn das gäbe nur Friedhofsstille und Tod. Vielmehr bedeutet es den Zusammenktang, die Anftösung aller Dissonanzen in Harmonie. Aber es ist die Forderung, die nicht eindringlich genug immer wieder erhoben werden kann, die Meinungsverschiedenheiten ■ ohne Gehässigkeit, in dem Geist der Einhen anszutragen. Stehen wir fest auf den: uralten Grunde, wissen wir uns geeint -- gleichem Ziel, dann werden wir auch diesschwere Prüfung überdauern. KW O o Das MT§R Im MhafTMMscheN PrsZstz „Kein Opfer eines Bauernfängers hat sich jemals so leicht und bereitwillig täuschen lassen", heißt es in dem jetzt veröffentlichten Urteil.des südafrikanischen Prozesses um die bekannten anti-, semitischen Dokumenten-Fälschungen, der in ton letzten Monaten nicht nur in Südafrika Aussehen' erregt hat. Es handelt sich bekanntlich (vgl. (E.-V.-Ztg. Nr. 34 vom 23. August) um folgende Vorgänge: Angeblich aus einer Synagoge von Port- Elizabeth in Südafrika war ein „Dokument der Weisen von Zion" gestohlen worden, das vom „Rapport", dem bisherigen Organ der- „Grau- Hemden-Bewegung". als.antisemitisches Pamphlet aufgemacht und verbreitet wurde. Daraus hatte der Rabbiner der Cyuagoge gegen die Verbreiter des Pamphletes einen Prozeß angestrengt. Das vor etwa vier Wochen gefällte Urteil lautete' aus 1000 Pfund Geldstrafe gegen den Angeklagien ,H. V. Inch, 750 Pfund gegen Johannes von Moltke, 25 Pfund gegen D. H. Olivers, den Chefrcdakteur des „Rapport", der bekanntlich sofort danach ein öffentliches Geständnis abgelegt hat. daß er sein Blatt dazu benutzt habe, „die Saat der Verleumdung unter den Richtjudcn zu säen". - Die Urteilsbegründung, die 130 Seiten umfaßt, beginnt mit der Feststellung, cs könne nicht der geringste Zweifel darüber bestehen, daß die - Angaben des Angeklagten Inch über die - Herkunft -der angebliche!: Dokumente erfunden sind: „Nach Anhörung sämtlicher Zeugen sowie nach sorgsältigem Studium des Inhalts des Dokuments sind wir - zu folgender Schlußfolgerung gelangt: Sowohl das angeblich aus der Western Rvad Synagoge stammende Dokument als auch die beiden Dokumente, von denen Inch behauptete, er habe sie aus der Emanuel Hall bekommen, sind von derselben Person oder denselben Personen zusauunengestellt. Ter Ausbau der Dokumente, die in ihnen gebrauchte Phraseologie und die zum Ausdruck gebrachten Ansichten lasse:: keinen Zwei, sel darüber zu. daß sie von einer' Person oder von Personen versaßt wurden, die glauben oder zu glauben vorgebcn, daß die Juden in Europa, in' Südafrika und auf der ganzen Welt sich zu -den:' Zwecke Organisiert haben, die christliche Religion zu stürzen. Die Erauhemdeu-Bcwegung in Port Elizabeth ist . eine Gesellschaft. . die zugegcbenermaßen judcnseindliche Ziele verfolgt. Sie verfügt über einen „Geheimdienst", wie er von Inch und von Moltke genannt wurde, sie haben eine' Leibgarde, und sowohl Inch als auch von Mclltkc Haber: sich damit gebrüstet, durch Diebstahl in den Besitz von Briefen von Privatpersonen und des Jcwish -Board vf -Depnties in' Kapstadt gelangt zu sein. Ihr Wunsch ist es,'die Juden aus Südafrika zu vertreiben. Die jüdische'Religion wird verhöhnt, und den Juden werden fälschlich gotteslästerliche und schreckliche Lehren zugcschrieben. Mit anderen Worten: die drei Dokmncnte tragen unverkennbar den Stempel des Ursprungs aus gleicher Quelle, sie schildern die Jirden vom Standpunkt der Führer der Grauheiudcn. Wir sind überzeugt, daß diese „Dokumente" das untrügliche Zeichen ihrer Zusammenstellung durch ein Mitglied oder durch Mitglieder, der Grau- Hcmden-Bewegung tragen, und daß sic leicht von Inch und von LULoItlc oder von einem der beiden verfaßt werden konnten." . Das Urteil beschäftigt sich sodann mit der Persönlichkeit und der Glaubwürdigkeit des auf Antrag der .Angeklagten vor geladenen Zeugen Captain Bcamish, der u. a. erklärte, er sei es gewesen, der in den Anfängen der nationalen Bewegung in Deutschland die führenden Persönlichkeiten dieser Bewegung zu ihrem radikal-antisemitischen Stand- Punkt gebracht habe .Er war außerstande, auch nur die Spur eines wesentlichen BclvciscL zur Stühe seiner Behauptungen zu erbringen." Es wird nun gezeigt, wie dieser Kronzeuge der Angeklagten blindlings alle Behauptungen der Augeklagten als Tatsache hingenommcn hat, ohne auch nur zu versuchen, sic zu überprüfen. An einer späteren Stelle der Urteilsbegründung wird betont, daß die Angeklagten zu dieser plnnch-en Fälschung offenbar :n der Ueberzeugimg gegrittei: haben, das; niemand sie vor Gericht : ver de belanget: können: „Es könnte auf den ersten Blick als nnlvahrscheinlich angesehen werden, daß ein Mensch von normalem Verstand so töricht sein könnte, ein so leicht anfzndeckendes Kv'.nplotk anznzcttclu; denn selbst die verrücktesten Verschwörer tressen in der Regel Maßnahmen, um die Aufdeckung zu verhüten. Aber in diesen: Falle läßt sich die Handlungsweise des Urhebers oder der Urheber der Verschwörung leicht erklären: rnan hatte niemals gedacht. daß die von Inch ersnndene Geschichte, mit der er ausklären wallte, wie er in den Besitz der drei Schriftstücke gekommen sei. von ciixm Gericht geprüft werden würde." Rach der Feststellung, daß auch der AngeAägt-? von Moltke, wenigstens einige Zeit, nachden: er mit Inch in Verbindung getreten war, in der Sache der Dokumente" nicht guten Glaubens gen'ese:: sein kann, wird erklärt: „Ten Angel tagten iit ci nicht gelungen, auch nur die Spur eines Beweises für das Bestehen einer sogenannten indischen Weltverschwornng zu erbringen." Bon großer Bedeutung ist der Teil des Urteils, in dem auf Grund der Zeugenaussage des Brötzdeuten der Jcwish Agency Rahnm Svkvlvw die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion", mit denen die ..Dokumente" aus Bert Elizabeth in Zusammenhang gebrach! worden noaren. und die in den: mißlungenen Berte'diauugsuersui'! der Angeklagten eine große Bolle spielten als Fälschnua

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