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Seite der Jugend · 1934-08-16 · 14 (16.8.1934) · page 1

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Journal
Seite der Jugend
Volume
1934
Issue
14 (16.8.1934)
Date
1934-08-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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3. Beiblatt derC-V.-Zfg. Rümmer 33 Nummer 14 16. August 1934 BLÄTTER DES BUNDES DEUTSCH -JÜDISCHER JUGEND - BEILAGE DER C.V-ZEITUNG '§ piFDgpBl p ,Per Sand war vnd lat ein Schichsal fZr alle, die er ergriff" (Aus einem zeitgenössischen Werke.) Geschichte wird gelebt, von den grossen Einzelnen, die sie machen, aber nicht weniger von den vielen Namenlosen, die sie erleiden. Was sich als welthistorische Wendung dramatisch vollzieht, widerfährt freudig oder schmerzlich dem Individuum als ein persönliches Schicksal. Vom Menschen, der leben will, ist eine Haltung gefordert, in der er zu eich selbst kommt. So formt sich in Zeitgenossen aus der vielfachen Gemeinsamkeit dessen, was sie erlebten, ein zeitlich Ndues, ein Menschliches: ihr Lebensstil. Die „Seite der Jugend hat den unbekannten Menschen der jungen jüdischen Generation in Deutschland Gelegenheit gegeben, ihre Gedanken zu diesem Gegenstände zu äussern. Zahlreiche Arbeiten sind eingegangen. Gemeinsam ist ihnen allen die Tiefe des Verantwortungsgefühls und des suchenden Willens zum Neuen, in dein sie geschrieben wurden. Gemeinsam ist ihnen aber auch der Mangel 2n Konkretheit, der sie alle durchzieht. Es ist, als hätte die Gegenwart durch die Fülle dessen, was sie von den^ jungen jüdischen Menschen begehrt, ihnen nicht Zeit gelassen zu ausreichender Besinnung. Noch fordern sie nicht mehr — doch auch nicht weniger —, als die Neuformung ihres jüdischen Lebens. Von Symbolen, von Feiern und Liedern sprechen sie kaum. Es ist der ganze Mensch und die Ganzheit seines Denkens und Handelns, auf die es ihnen ankommt. Kaum eine Frage, dass sie fast alle im „Bunde“ ihre Möglichkeit sehen. Denn sie suchen die Gemeinschaft. Die kurzen Monate seit der Gründung des „Bundes“ haben es zur Ausbildung einer hündischen Tradition noch nicht kommen lassen. Alles ist am Anfang, wie denn die deutschen Juden alle am Anfang eines neuen Weges stehen. Aber die Hoffnung ist gross, es scheint, als läge die Hand Gottes auf dem deutschen Judentum, so dass sich gerade hier trotz oder wegen seiner Not Klärung und Erneuerung vollziehen nach langer Erstarrung. Junge jüdische Menschen sind um ihren Lebensstil kämpfend bemüht, — um den Ausdruck des nxien Lebensgefühls, zu dem sie sich aus der Schwere der Zeit emporgerungen haben. So sehr man vermuten könnte, das die Sehnsucht nach dem Geborgensein in der Gemeinschaft und die Radikalität des jugendlichen Aufschwungs nach romantischer Symbolik drängen — davon will die neue Generation des deutschen Judentums nur wenig wissen. Ihr Weg, der Weg des ..Bundes“ und jedes einzelnen in ihm, ist ein Weg des Bewusstseins: jetzt und hier leben wir, und wenn wir bestehen wollen, so müssen wir dieses unser Leben sinnvoll machen. In dieser Geisteshaltung der Suche sind alle eingegangenen Arbeiten, von denen wir jetzt einen Ausschnitt bringen wollen, geschrieben worden. Es ist die Geisteshaltung der neuen jüdischen Jugend, die s;cb selbst gewinnt. * Es schreibt zunächst ein Jüngerer, W. L., der von einer anderen Seite kommt und dem .Bunde“ noch fernsteht. Er sucht im Bund das bestimmende Erlebnis, um darin geformt zu werden. Und so hat das, was ain hündischen Leben Form ist, für ihn noch die besondere Bedeutung, die ihr die frühere Jugendbewegung beilegte, obwohl er sich den neuen Dingen leitnah verpflichtet fühlt. EsrEesbiesös csond •'©emoürosdtoaft :h$n £vü@B1£c dem weil sie auch nicht beachten, dass Lebensstil nur Ergebnis einer langen Entwicklung und nicht äusserliche Erfüllung bestimmter Programmpunkte und Vorschriften sein kann. Für uns junge jüdische Menschen, die wir einen Teil unserer Jugend bereits früher gestaltet hatten, bedeutet die Gewinnung eines neuen Lebensstils die Umgestaltung vieler Begriffe und Lebensformen, die zu verurteilen wir durchaus nicht bereit sind, obgleich uns ihr Weiterbestand mit den Gegenwartsaufgaben nicht vereinbar erscheint. Die Gewinnung eines neuen Lebensstils bedeutet daher den unbedingten Willen zu diesem, und dieser opferbereite Wille mag jdenen vorgehalten werden, die allzu rasch Vorwürfe bei der Hand haben, wenn bisher geübte Gewohnheiten zeitweilig noch immer auftauchen. Dieser Lebensstil besteht zunächst im gemeinsamen Erleben und dessen Gestaltung. Auf sonntäglichen Fahrten, Arbeits- und Feiertagsabenden bilden wir eine Gemeinschaft heran, die gewillt ist, eigenes Erleben gemeinsam zu gestalten. Ein solcher Lebensstil muss keinen äusseren Ausdruck finden, denn unsere Arbeit soll nicht nach aussen, sondern nach innen gerichtet sein. Der Ring als das Symbol unseres Bundes mag diesem Lebensstil Ausdruck geben, aber viel wichtiger als ein nach aussen wirkendes Symbol, das leicht zur Aeusserlichkeit wird, ist die innere Verbundenheit, die allein Massstab für die wahre Gemeinschaft sein kann. Es sind mannigfache Schwierigkeiten, die sich uns jungen Menschen hierbei entgegenstellen. Dem Einsamen wird die Gruppe schnell zur Heimat werden, der lebensfrohe junge Mensch, der sein Leben bisher, unbeschwert von schicksalsverbundenen Einflüssen, frei gestaltet hat, wird viel schwerer in der Lage sein, das anfängliche Opfer der Aufgabe freier Individualität zu bringen. Und dem bisher ohne religiöse Bindungen lebenden Menschen wird die Zwiespältigkeit zwischen seiner bisherigen Lebenseinstellung und der "dem wahrhaft jüdischen Menschen eigenen Religiosität zu scheinbar unlöslicher Problematik werden. Hinzu kommt, dass der im Beruf oder kurz davor stehende junge Mensch, naturgemäss zu nüchternem Denken gezwungen, die uns auferlegten wirtschaftlichen Beschränkungen, deren Wirkungen er spürt oder erst spüren wird, nicht vereinbaren kann mit der notwendigerweise auf Abwarten eingestellten Haltung des Bundes, zu dem ihn alsdann lediglich seine weltanschaulich antizionistische Einstellung führt. Hier liegen kurz angedeutet für uns jüdische junge Menschen die Probleme unserer Bundeszugehörigkeit, und auf dieser Basis entwickelt sich in Erkenntnis der Schwierigkeiten und in Bereitschaft zur Neufonnung unser neuer Lebensstil. Er kann und wird nicht auf Aeusseres gerichtet sein, er kann und wird nicht seinen Ausdruck finden in der gemeinsamen Kluft, im Abzeichen oder in den Liedern, nicht in Aufmärschen oder in regelmässigen religiösen Feierstunden. Er wird und muss nach innen gerichtet sein und den Menschen in seinem Koni erfassen, ihn von früher nur allzu häufigen Verflachungen befreien und vertiefen, ihn empfänglich und aufnahmebereit für vieles machen, was bisher nicht in den engeren Kreis seines Lebens getreten war. Die Erarbeitung dieser Lebensform allein, die wir uns zur Aufgabe gemacht haben, wird Gewähr dafür geben, dass wir verantwortungsbewusst nach innen und nach aussen an der Gestaltung ihres Schicksals mitwirken werden; denn wir erkennen die Besonderheit unserer Lage und sind bereit, in äusseren Dingen auf vieles zu verzichten, wenn es die Verantwortung gegenüber der Gesamtheit erforderlich macht. Dieser Verzicht in Aeusserem bedeutet kein Ausweichen und kein Verkriechen, er ist getragen von tiefster Verantwortung, und er wird neben dem äusseren auch den inneren Menschen neu formen, der bereit ist, die sich ihm bietenden Schwierigkeiten zu überwinden und an dieser Neuformung für sich und für andere mitzuarbeiten. Jede Epoche der Geschichte hat ihren bestimmten, eigenen Lebensstil. Immer baut sich ' das Leben der Menschen auf den Eigenarten . der Zeit auf. Wir unterscheiden verschiedene Perioden und die verschiedenen Lebensweisen dieser Perioden, die immer aus den gegebenen Umständen heraus geboren werden. Wiederum ist jetzt eine Epoche abgeschlossen, wiederum muss ein neuer Lebensstil gefunden werden. Eine Welt von Auffassungen und Vorstellungen um uns ist zusammengebrochen, wir bauen eine neue. Der junge jüdische Mensch der Gegenwart baut an seinem Lebensstil. Die Voraussetzungen, die hierfür gegeben sind, liegen klar. Der Mensch erkämpft sich das, was er nicht besitzt, was er aber besitzen sollte. Wir werden in Deutschland leben. Wir werden als Juden in Deutschland leben. Juden, das heisst, wir müssen richtige Juden sein, wir müssen wissen, was es heisst: „Iwri onauchi“ — „Ein Jude bin ich!“ Wir müssen nach den Gesetzen und Lehren des Judentums unser Leben als ein positiv jüdisches aufbauen. Denn das bildet die Grundla?e der neuen Lebensform, die wir jungen jüdischen Menschen schaffen, ausprägen und leben müssen. Das neue Leben würdig und geistnah zu gestalten, ist unsere Kulturaufgabe vor der Geschichte, die einst darüber urteilen wird, ob Wir unserem Schicksal gewachsen waren. Es ist klar, dass dieser neue Lebensstil des jüdischen Menschen von der kommenden Generation gelebt werden muss; denn wir können uicht von der vorigen Generation, die ein ganz anderes Leben führte, verlangen, dass sie sich Völlig nnd von innen heraus umstellt. Die Entwicklung und Vertiefung des neuen Lebensstils ist eine Frage der Erziehung. Wer sind die Faktoren, die diese Erziehung zu leisten haben? Es sind drei, nämlich: Schule, Elternhaus, Bund, und der Bund ist es, der immer stärkeren Anteil daran gewinnt. Der Grund hierfür liegt in dem Erlebnis der Gemeinschaft, das grosse erzieherische Wirkung übt. Es ist zum Beispiel sicherlich für jeden eine bleibende Erinnerung, wenn er an einem Lagerfeuer teilnimmt. Um Mitternacht wird ein gewaltiger Holzstoss entzündet. Lieder werden gesungen, packende Worte gesprochen. Der Rauch bläst einem ins Gesicht. Mond, Sterne am Firmament. Ein Lagerfeuer mitten in tiefer Nacht. Das ist ein unauslöschliches Erlebnis. Dieses und ähnliches schweisst zur Gemeinschaft. Die Gemeinschaft feiert die jüdischen Feste, gedenkt der grossen Taten der Vorfahren. Die gemeinsame Fahrt lehrt die Heimat lieben. Der junge Mensch wird selbständig. Er lernt es, selbständig zu leben, auf sich selbst zu achten, sich zu beherrschen. Er tobt sich aus auf der Fahrt und lernt es, mit den Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden. Zeichen und Symbole sind die äusseren Wahrzeichen der Gemeinschaft. Das Jugenderlebnis gibt dem Menschen einen dauernden Wert mit auf den Lebensweg. Aus dieser Jugendgemeinschaft des Bundes erwächst die Lebensgemeinschaft. Ohne Gemeinschaft ist unser Leben unmöglich. Wir alle arbeiten in dieser Gemeinschaft, die unsere Lebensform ist, am Wiederaufbau des deutschen Judentums, und unser Ziel ist es, den neuen deutschjüdischen Menschen zu schaffen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir die Aufgabe der Zeit verstanden und unseren Lebensstil gefunden. Ganz anders sieht die Fragen der persönlichen Lebensgestaltung der AeHere .ni Bund, der eich bemüht, sein schon in der Privatheit aufgebautes und begonnernsLebenmdieGememscliaft einzu- %en. Er muss notwendig nach dem letzten Sinn semer Arbeit im Bunde fragen. Hierzu schreibt Lothar RoscnsticI (Berlin): Lolboi^ im Brf ^Vir jungen jüdischen Menschen sind oft erst 'pät in die Jugendbünde hineingekommen. Spät im Hinblick auf unser Alter, spät auch im Hin- Üick auf den Ablauf des Zeitgeschehens, das uns erst durch seine jüngste Entwicklung zu einer jüdischen Gemeinschaft führte, an deren Fort- ^ntwicklung wir beute massgebend beteiligt ^nd. War es nun ein bestimmtes Ziel, das uns ’n den Bund führte, oder war es nur der uneUaierbare Drang, in einer Gemeinschaft gek°r.?en zu sein, wo wir die uns von aussen '0rsagte Gleichberechtigung empfinden können? (‘s das gemeinsame Schicksal, das die jungen •‘■tuschen zusammengeführt hat, oder ist es das ^«einsame Ziel, das das Band zwischen den fischen des Bundes herstellt? Diese Frage ‘Uhrt tief hinein in die Problematik der Bundesidee und es heisst die Idee nicht herabsetzen, wenn wir feststellen, dass sie noch ungelöst ist. Es ist deutlich, dass eine geistige Zielsetzung allein hier nicht genügt. Auch Erziehungsarbeit muss verrichtet werden, damit diese Frage zur Auflösung kommen kann. Sie erfordert die Entwicklung des Menschen, ja teilweise die Umbildung°des jungen Menschen zu einem neuen bewusst geformten Lebensstil. Es ist häufig in allgemeinen Richtlinien und Programmen üest- „eiegt worden, wie dieser neue Lebensstil aussehen soll und wie seine Verwirklichung zu erreichen ist. Solche programmatischen Erklärungen schweben jedoch in der Luft nicht nur weil sie, wie anfangs geschildert, den jungen Menschen schlechthin trotz der Vielfältigkeit dieses Begriffes erfassen wollen, son- Ein Schicksal ist nicht überwunden, solange man es erträgt, ohne es wissend und wollend auf sich zu nehmen. Die jungen Menschen der Zeit lassen sich von der Schwere dessen, das sie zu tragen haben, nicht erdrücken. Sie kennen die Wirklichkeit und bejahen sie als ihr Geschick. Das macht sie stark in der Ungesicbertheit ihrer äusseren und inneren Existenz. So konnte Anni Jacobsohn (Berlin) schreiben: SfesjüM'üqj dasreh Lebensstil bedeutet diejenige Haltung, die ein Mensch gefunden hat, um nach ihr sein Leben aufzubauen. Lebensstil bedeutet „Stil, Form. Haltung, Einstellung, Gesinnung“, kurz das, was den Menschen in seiner Totalität kennzeichnet und ausmacht. Nicht von Versuchen soll hier die Rede sein, wie es in der vorigen Nummer der „Seite der Jugend“ zum Thema gestellt wurde, nicht von Liedern, Fahrten und Feiern, sondern von unserem Willen. Versuche machen unsicher, Versuche sind Experimente, deren Ausgang noch unübersehbar ist. Und gerade das soll bei uns, im Bund Deutsch-Jüdischer Jugend vermieden werden! Wir wollen keine Versuche, wir wollen das Leben. Wir wissen, dass wir diejenigen Menschen, die in unserem Bunde sind, positiv beeinflussen müssen, denn wir sind ja von dem Willen beseelt, Erziehungsarbeit zu leisten, Erziehungsarbeit, um unsere Menschen zu aufrechten und wahren, freudigen und lebensfähigen und damit auch zu religiösen Juden zu erziehen. Haben wir dieses Ziel vor Augen, dann ist es ja nur eine Frage der Methodik, welchen Weg wir einschlagen wollen, um das Ziel zu erreichen, sie mag den formverhafteten Weg der „Bündischen“ gehen oder in der Aelterenarbeit sich versuchen. Aber nicht von Methodik, auch nicht von Gruppenführerarbeit ist hier die Rede, sondern vom Lebensstil des jungen jüdischen Menschen. Dieser Lebensstil nun versucht mit allem, was mitgenommen, was mitgeschleppt und an uns hängen geblieben ist, zu brechen, um ein Leben aufzubauen, das sich neu, frisch und unbeeindruckt, neue Bindungen schafft. Wir wollen nicht übernehmen, wir wollen arbeiten, wir wollen lernen, wir wollen erleben, um dann zu bejahen. Wir sind „bereit“, wir sind fähig, aufzunehmen, durchzuhallen, wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, wir sind jung und bewusst nicht „stillos“. Unser Lebensstil ist anders als der der Aelteren. Wir wollen gebunden, aber gebunden durch unseren Willen sein, wir wollen religiös leben, d. h. die Religion soll die Grundeinstellung für alle unsere Handlungen bieten. Wir wollen nicht, um es noch einmal zu sagen, Juden heissen, weil wir als Juden geboren sind und uns mit einem „Nichteigenen Weiers arierschicksal“ zufriedengeben müssen, sondern wir wollen in unserem Judentum die Willensentscheidung finden, die das Volk Israel am Berge Sinai traf. Wir wollen vor die Frage gestellt sein: bist du bereit, dieses Judentum, diese Religion anzunehmen? Und wir, die wir diese Frage zu beantworten haben, wir wollen die Antwort nicht aus Bequemlichkeit finden, sondern uns bemühen, sie aus der Tiefe unseres Mensch-Seins zu lösen. Wir ringen um unser Judentum, um dann neu aufbauen zu können. Ist dieses Ringen, diese Entscheidung und diese Art des Suchens kein Lebensstil? Ich wage zu behaupten, es ist einer, denn er schliesst di« Verantwortung, die Entscheidung, er schliesst noch.mehr in sich ein: die bewusste Uebernahme einer Verpflichtung zum Leben. Das ist der Lebensstil des jungen jüdischen Menschen, der ringend um seine Religion, ringend um eine Grundeinstellung, suchend und lernend, ungebunden dennoch zur Bindung zurückkehrt; der im Bund, in der Gemeinschaft mit anderen, versucht, Lebensnahe und Lebensaufgabe in ihrer Tragweite zu erfassen und immer in allen seinen Handlungen, sich dessen bewusst ist: „Du bist Jude“. Wenn ich darum im Anfang schrieb, wir wollen brechen mit dem, was an uns hängen geblieben ist, so bedeutet dieses nicht das Brechen mit der Tradition, sondern es ist die bewusste Ablehnung einer grundsätzlich beharrenden Haltung. Wir sind jung, wir wollen lernen, um zu bejahen, wir wollen fragen, ehe wfe antworten, wir wollen suchen, ehe wir entscheiden. Lebensstil? Ja! Stil, weil wir jung sind, und weil wir den Willen haben, ein Leben der Verantwortung und des „Bewusstseins“ zu leben. Was ist unser Lebensstil? Er liegt, glaube ich, darin, so zu leben, dass wir innerlich keine „Zweiheit“, sondern eine Einheit sind. Nicht hier Religion und dort Leben, nicht hier Beruf und dort Bund, sondern Religion u n d -Leben, Religion, Leben und Beruf, das alles soll dem Menschen die eine grosse Aufgabe sein, die Aufgabe, die in einem Wort unseres Glaubens zu tiefster Bedeutung gesammelt ist: Heilig sollst du sein, denn heilig bin ich, der Ewige, dein Gott! Diese Uebersehau gibt ein eindrückliches, wenngleich höchst unvollkommenes Bild von dem, was die neue Generation über die Gestaltung ihres Lebens zu sagen hat. Die Zeit des Werdens, in der wir leben, ist im tiefsten Sinne dem Wesensrhythnuis des jungen Menschen gemäss. Und alles, was sich darüber sagen lässt, ist in dem einen Worte zusmmtiengei. rangt das wir grüssend aussprechen, wenn wir uns begegnen: Bereitschaft — Bereitschaft zum Einsatz und zum Leben.

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