Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 33 (16.8.1934)
- Date
- 1934-08-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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der innen 'n£^uchn i0rS22 :i rs -e cusboin ff 44-/ E^r. 33 Vjo jV_ u h Beiblatt srv Heinx Condell 4 ♦ GM MZNZ tzivker den LEffsn Dss DsrLmsr THSQksrs — Ein Taa im Kutturbulid— Wdische Kunst, Zudrschs Arbsit — Von Der Rsgiesttzrrng zur Erstaufführung jüdische Dasselbe nochmal — dal Scgno bis Coda — ein?. Zwei:* gilt Taktstock wirbelt durch die Luft, und ein 2ch;end Bläser legt sich mit voller Lungcnkraft ins Zmg- Verwundert schaut und hört der Vormitlaaöbesucher des Berliner Theaters zu. Im Foyer -.sSläserprobe. Für die nächste Opernausführung, die m ein paar Wochen stattfindcn wird. Warum eher hier draußen und nicht im Orchester vor der jjiljnc? Ganz einfach: dort proben die Streicher.- ^irt:ncr wieder dieselbe Stelle, bis jeder Akzent skt. Währenddessen, in bewundernswerter Ruhe, ar. freiten die Schauspieler auf der Bühne. Sie lassen sch nicht stören durch die Musik, die gar nicht zu ihrem 2tiicf gehört. Sie haben Probe für das Luststiel. das in ein paar Tagen zur Aufführung komwen soll. Zci\e und eindringlich bespricht Spielleite: Tr. Jeßner mit den Hauptdarstellern die letz, icn Mianeen. Condell. der Bühnenbildner, geht leise üfrer die Szene, vergleicht Pläne, notiert Zahlen. Irgendwo auf dem Schnürboden klettern die Büh» nciierbeiter herum. irrster Stockaus einem Zimmer schallt Choroestng. Ans dem nächsten Klavierspie!, eine Tenorstüinne fällt ein. der Korrepetitor unterbricht und verbessert. Z,vetter Stoa: hier in einem Zimmer Sängerinnen und Korrepetitor, dort Geige und Klavier - Konzertprobe. Und im. Znnmer des Intendanten litzen um Dr. Singer ein paar Herren uns halten Regiesitznng ab — schon wieder für das wchäe Stüch das dem Schauspiel und der Oper folgen wird! Kaum ein Kunstinstitut der Welt muß mit einer derartigen Intensität. einer solchen Anspannung der ciißersien Kräfte, mit einem solchen Berantwortnngcbeivußtsein an die Arbeit gehen wie der Kiiüurbund deutscher Juden in Berlin. Ter Bog von der ersten Planung bis zum vollendeten Beck, von der Regiebesprcchung bis zur Erstaus. schrung. ist mit unendlicher Blühe und Kleinarbeit gerhaftert. lsines Tages tritt Julius Bab. der Dramaturg, in das Ziiumer des Intendanten Dr. Kurt Sin. g-c mir einem Manuskript in der Hand. „Ich chme dieses Stück vor!" Zunächst folgen sinan- Besprechungen. eine ungefähre Kalkulation der -Anettnng. Klärung der Besetzungssragen. Bühr-.nbildner Condell legt, nach Rücksprache mit dein 5frer>pielleiler Dr. Zehner, dem Intendanten die . Dkecationsstizzen vor. Wieder folgen Kalküle., timen. Diploiuingenieur Svntheimer. der techrusche Leiter — als einziger Jude in ganz Deutsch, ilnid zu diesem verautwortuugsvollcn Posten zugcinncn! - übersetzt das Bild des Malers ins Bau. üchniche. ä-izwischen sind die Verhandlungen mit dem Tihucnverlag eingeleitet worden. In der ersten -Kfgiciitzuiig wird der Prvbeubegin,, und die mt* rniue Ausiührungs.zeit besprochen. Run legt der -t'iihncnbildner ein Modell der Dekoration vor — £!I1 kleines Wunderwerk, das immer wieder hellste Bühnenarbeiter beim Dekorationswechsel 4 Chorprobe bei Kapellmeister Sander Begeisterung auSlost: wie auf einer win- Zigcn Puppenbühne. aus Pappe, Papier urrd Farbe gebastelt, erfennt man genau in den richtigen Verhältnissen jedes Versatzstück, jede Ncquisitc, die später aus der Bühne zu sehen sein wird. Und während auf der Bühne die ersten Arrangierprobcn stattsinden, beginnt in den Werkstatten der Bau der Dekoration. Die Kostüme werden in Auftrag gegeben. Akt für Akt wird durchge- Probt, der Requisiteur kümmert sich um dieBeschaf. fenlfreit oll der kleinen Tinge, die so nebensächlich scheinen, und deren Fehlen doch im entscheidenden Augenblick das ganze Stück „umwerfen" würde... Nun erscheint auch der In. tendant auf den Proben. Die üblichen „Kröche" — für den abergläubischen Schauspieler eine sstotwcndigkeit — finden programmgemäß statt. Tie technische Probe des Stückes rollt ab: nur die Dekoration spiert. die Scheinwerfer sind Hauptdarsteller, es ist die Stunde des Bühnenarbeiters, des Beleuchters, des Jnspizicnten. Tie letzten drei -Hauptproben werden angcsetzt. Ter Friseur erscheint mit Bärten. Perücken. Schminktöpsen. der Schneider mit den Kostümen. Und dann ist endlich Generalprobe. Ihr typisches Bild: die ersten Parkettrcihen leer. In der siebenten Reihe die Regiebrückc mit dem Telephon zur Bühne. Bon der achten Reihe an drängt sich Publiknin: alle Angestellten und Mitarber, tcr des Kulturbundes, jeder ist mit Zwei Angehörigen erschieneu — denn der Regisseur muß nicht nur das Spiel, sondern auch die Wirkung auf den Zuschauer beobachten. Kommt hier das Lachen, das man erwartet tritt dort daS gespanute atem. lose Schweigen ein? Oft gibt cs bittere Enttäuschungen — Dekorationspt Regieprobe Fntx Jessner Käthe Foerder Lilly Kann Ernst Lenart Futo-Dirnst Arno Kilcolcr 6 Schauspielbesprechung bei Dr. Singer (von links nach rechts): Julius Bab, Dramaturg; Dipl.-Ing. Sontheimcr, Techn. Leiter; Dr. V/erner Levie, Verw.-Dir.; Intendant Dr. Kurt Singer; Heinz Condell, Ausstatt.-Chef; Dr. Leonard, Vortr.- u. Konzert-Inspizient; Kurt Baumann, Regisseur ßnfonitfenjert Im JDcriiner KnlMröund WMlS IS AM! m M.§M -sc Kulrurdund bring: dreien Monat anläßlich -ec- Atilebens des Herrn Reichspräsidemen einen ^c-hovenabend an Sielte der vorgesehenen heiteren Bch.iieeinnsil Beethovens „Eroica" wrrd dem s-nnier^ile in doppelter Hinsicht gerecht, einmal im Tranernracich die weihevollste Toten. ^n>!'ck per gesanuen Literatur überhaupt enthält. elle.'n aber, weil sie als E-arrzes dem feiernden ^<denten an einen grosten Menschen gilt — .,,-mnper koste^ginre il souvenira dun ~.r>'‘!!d,uonio“ — und Beethoven die attuelle Bezu fernem Zeitgenossen Rapolevn. dem er Sinsome ursprünglich widmete, zu einenr zeit- Überdauernden inusikal'schei! Dokument des Helden- B"'? schlechtli-.n weitete. Voraus geht seine erste ^>n'^w!e ein Werk — um mit Richard Wagners tollender Bezeichnung zu reden — eines ..naiven" 'lucdrucks. so wie die „Eroica" „sentimentalischen" Grcrakter hatdort noch die Tradition des heiteren, bespielten Rokoko, hier die impulsive Aufwallung, ausdrucksstarke Akzent. das gesangreiche ^prdÄSivo auch in den schnellen Sätzen Michael brachte manches schön heraus, in der -Kroica" das Thema des Trauermarschcs. den fallen, echt klassisch gefahren Beginn des vierten ^^es in der Ersten Sinfonie das Menuett das 9:*r bei Beethoven schon zum Sckrerzo wird rnit fnnem Hmhauen der Synkopen auf eigentlich unvetontc^ Taktieile dem echt Becthovenschen „nun gerade' Unau?-geglick)enhesten im Zu sa in menspiel fued durch c>ie schnelle Programmumstellung erklärt. Spiel der Holzbläser' das fid>cr<?r und in der Intonation sauberer geworden ist. wird nun orrf erne ausdrucksvolle, dynamisch schattierende Kontihinzuarbeiten haben, besonders im ersten >.Ero:ca"-§atz. L- A—nn. Eloini ^üS Kulturbundorchester Rhein-Main, das be- "ns jn vielen Städten des Nheirr-Marn-GebreteS bestem Erfolg konzertierte, bestritt kürzlich in sein erstes Konzert. Hans Wilhelm S teinder Stabführende, den man bereits in den ^2rn'.uerrnusika!>enden des letzten Winters als hcr- '.nrragenden Pianisten kennen und schätzen gelernt zeigte sich nun auch in seiner ..ureigenstell' ^gensckpft von der besten Seite. Erstaunlich. wclck)e ^-l"gplin und musikalische Reise diesem noch so jungen Klangkörper innewvhilt! Was Herr Rabbiner Tr. S. Lev i zu Begillil der Veranstaltung als deren Sinn und Zrveck bezeichnete. hier lvlirde es ivahr: ein Musizieren, das Höhe auf der iiinsiktechnischen Seite und zugleich Tiefe in der musikaliscl)en Gestaltung und Erfassung des Letzten bedeutete. Steinberg ist sürivahr ein genialer Auöoeiitcr der Partitur, ein Dirigent grosten Formats. Arnold Lchönbergs ..Verklärte Rächt" darf wohl als das beste des Akxerlds bezeichnet werden. Daneben erfuhren Lchilberts Fünfte und Beethovens Erste eine ausgezeichnete Wiedergabe. m—I. Mldrnde Kuni! In Stcslnu Ter Kulturkreis (Gerueinschast der Freunde jüdischer Kultur) Breslau will alle geistigen und künstlerischen Gebiete des jüdischen Kulturlebens in Breslau und Schlesien gleichmästig betreuen und seine Arbeit weitgehend ansbaueu. Seine Abteilung für bildende Kunst hat einer, bcgrüsteuswerteir Böeg der Verbindung zwischen Künstler und Publikum gesunden. Sic veranstaltet irr den Geschäftsräumen des Kulturkreises (Kaiscr^Wil- Helm-Straße 40) ständig wechselnde Ausstellungen der Breslauer jüdischen Krinstlerschast. So haben wir augenblicklich Gelegenheit, eine kleine aber erlesene Ausrvahl von Werken von Margot Abraham. I. A s ch heim. - Willi Braun Paula G r ü n s c l d. Joseph Herold. Z. Kon und Kurt Leun er zu betrachten, deren Würdigung im einzelnen Vorbehalten bleibt. Ter Knltnrkrci's will damit neben der Ausstellungs- Möglichkeit den Künstlern die dringend nötige Ab-. sotzmöglichkeit bieten. Er vermittelt gern Kanrwünsche zrvischen Interessenten und Künstler und empfiehlt vor allem den Weg dcS Tausches von Gegenständen des täglichen Bedarfs gegen Kirnstwerke Es ist sehr zu begrüßen, daß die Emrrchtung bereits einigen Künstlern den Verkauf von Werken ermöglicht hat. Ter Kultnrkrers Breslau hat zwecks Erlananng eines Merkzeichens ein P rer da ns-' schreiben erlassen, zu defscu Teilnahme samticke jüdischen Graphiker Breslaus anfgeforder-lwurden. Das Preisgericht (Rlax Crlberberg. Archstekt Hadda und Kunstmaler I. Aschherm) erkannte den 1. Preis dein Graphiker Arthur Schwarz für das Zeichen zu. das dazu dienen wird die Ankündigungen sämtlicher unter der Förderung des Kulturkreises stattfrudender Veranstaltungen zu kennzeichnen. Lcd-rv. Die Jüdische Chorvcreinigung. Berlin, hat ihre Proben beaonnen. Jin Lause des Winters gelanaen zur Anfsührnng ..Samson" von Händel und „Tie Jerstörnng Jerusalems" von Hitler. Außerdem fiudet ein Konzert, das cusschliestlich jüdischer Musik gewidmet sein soll, statt. Atcldnngen vor Beginn der Proben Dienstags und Donnerstags lü'-l- Uhr in der Dpnagoge Prmzregentensrraste W TD oder schriftlich beim Dirigenten rlev Kopf. Berlii^Wilmerc-docs. Landhansstraste 41. Die Jüdische Orchcstcrvereinigung. Berlin, wird im Februar ltütä ein Drchesterlonzert veranstalten und in den Oratorimnsaus'iihrnngen der Jüdischen Chorvereinignng den ^Orchesterpart übernehmen. B>c,düngen nur guter Streicher und Bläser an den Dirigenten Leo Kopf. Berliir.-Wilmersdvrf. Landhansstraßc -11. Der Humorist R. Goldeck ans Herne i. BK hatte, wie der „Rieuwe Hengetosche Courant" schreibt, als Conförencier bei seine,n Auftreten in Holland viel Erfolg. M KM VSN Reulich hörte ich einen Vortrag ^.über jüdische Fainilienfvrschung". Das Thema ist aktuell und diese Wissenschaft ist neu. Ich lernte, daß es sehr viel leichter ist. Urgroßväter in die Welt zu setzen — als Kinder. Der Rledner. Tr. Ernst Holländer, ist sogar bereit, hierbei als eine Art rückwärts gerichteter Geburtshelfer zu fungieren. In, Verlaufe seines interessanten Vortrages machte er eine Bcinerkung. für die ich zufällig am nächsten Tage den Ve,ve:5 der Richtigkeit erbringen konnte. Er führte ans. daß in der Vergangenheit bet den Juden die Berufe keineswegs so scharf getrennt waren wie in der heutigen Zeit. Ein Kaufmann konnte Rabbiner sein, und ein Rabbiner sich sehr wohl mit lnufinännifchen Dingen befassen. Vlein Urgroßvater väterlicherseits stammt aus Greisenberg in Ponunern. auslveislich hatte er ein Kommissions, and Fonragegeschäft. Rlein Vater behauptete einmal halb im Scherz, er rnnsse aus einer tllabbinerfaniilie stannnen; denn logisches Denken lerne rnan nicht, das bringe man mit auf die Welt. Ich bin bei meinem Freund R„ die Familie stamnck ans Süddcutschland. Ich durchblattere ältere Jahrgänge der ..Frankfurter Zeitmig". . Ich hin bei dem Jahre 1SS5 cmgelangt. Die Wellen des Antisemitismus gingen damals recht hoch, dem ehemaligen Llmtsrichter Kronecker wird borgervorsen. daß er als ..Richtaricr" kein Recht habe, gegen Stöcker zu polemisieren, da holt die ..Frankfurter Zeitung" am W. Juli zum Gegenhieb aus und zitiert die ..Volkszeitung", daß dann auch der Raine des Landgerichtspräsidenten und Landtagsabgeordneten Sitnon zu Zastrorv, der auf der Lifte der Ehrenerklärung <für Stöcker) ste!>e. wertlos sei. ..denn er ist der Sohn des hvchgelahrtcn Rabbi Simon aus Greifenberg". Dieser ..hochgelahrte Rabbi Simon" kann aber niemand anders sein, als mein Urgroßvater, der F-ouragehändler Simon Jonas, der später seinen k'l'ainen in Jonas Simon umstellte, wie das vielfach Sitte ,var. Ein anderer Jude namens Simon lebte Ansgangs des 1>\ Jahrhunderts meines Wissens nicht in Greisenberg. l)r. I. Summ. <?in Fund auf dem Judenfriedhof in Nour. Bei den Ansgrabnng-carbeitcn ans dein ausznkassenden und nach einer anderen Stelle zu verlegenden alten Judcnsriedho' in Ronr ivnrden tausende alter hebräischer Bibeln, von denen viele ans der Zeit der Erfindung des Buchdrucks stammen, gefunden. Ans Bitte der jüdischen Behörden hat RKnisterprändent Mussolini die sofortige Wiederbestatning der Bibeln erlaubt. Ans diesem Anlaß wird eine feierliche Zeremonie siattsinden. Nur einige Ereinpla-re von besonderem Seltenheitsivert sollen ausbewahrt werden. Strasse und Feld (F'm Mann hotte ein Feld, und war damit beschäftigt, es von den Steinen zu säubern-, er hob sie einzeln heraus und warf sie auf die Straße. Ta kaur einer vorbei, der zu den Frommen zählte, und sprach: ..Törichter Mensch! Was wirfst du Steine aus einem Bezirk, der dir nicht gehört, in einen Bezirk, der dir gehört?" Der Getadelte spottete über diese Rede. Es begab sich aber danach, daß die kstot ihn zwang, sein Feld zu verkaufen; er mußte die Straße durchqueren und stolperte über die Steine, die er selber dorthin geworfen hatte. Run sagte er: „Wie richtig hat doch damals der Fromme gesprochen: von einem Platze, der nicht dein eigen ist. schleuderst du Steine auf den Platz, der dein eigen ist!" Kach dem Talmud übersetzt von Rakel Bin Gorion