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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-16 · 33 (16.8.1934) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
33 (16.8.1934)
Date
1934-08-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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U? Chic* n dein c“ CtllfJi rn Vxliiti etxQf, er. ■.ji^sncQit -O-n Set.!!, Rechte n:’CC' fin tvLjrortbm rr Nch tu wc pjjf, RO£*?fttßtcn pciaxtSnii. f } .i sum Gedenken SN Lss erste Auftreten des jüdischen Zrrigisnssvstenrstikrrs Sslsmov Ludwig Strrnhrim Vrrn'Dr. phii. tzsns Genau hundert Jahre sind eS jetzt her. daß in der „Evangelischen Kirchensitzung", dem von ihrem Wortführer S. W. Hengstenberg herauZgegebenen ^rgan der protestantischen Orthodoxie, ein in vieler Einsicht seltsamer Aufsatz erschien, der den xitel führte: „Schreiben an Herrn Professor H. Elfter in Beziehung ans dessen Allgemeine Be« trechtnngen über den Begriff und Verlauf'der christlichen Philosophie" und der aus Besorgnis um die „Lächerlichkeit unberufener Einmischung" qrgem'ibcr diesem seiner Zeit rühmlich bekannten 'Wlosophichistoriker anonym gehalten war. Die. Hr sowohl durch seine Schärfe wie durch die Nadi. küität seines Standpunktes auffallende Aufsatz, der i„ diesen Blättern ganz offenkundig nicht zu Hmise schien, verdiente wohl kaum eine Erwähmmg hundert Jahre xost kcrntum, wenn durch ihn nicht eine Entscheidung gefallen wäre — zwar richt über das verhandelte Thema: Wa8 ist es im die Offenbarung — das erst am Ende der Tage entschieden feilt wird, wohl aber über das Leben dessen, der hier einem inneren Zwange solgend, das LBrt ergriffen hatte. Ter in den besten Cannes jahrein stehende praktische Arzt in Altona, Snlrnum Ludwig Steinheim, der seine Anhänglich- Icii :t:i ten alten Bäterglanben bereits durch die Veri'ft'entlichuug einer wnnderschvnen, tief innerlich arpsundeuen Gedichtsammlung „Sinai" (1S1H) liZesängc, welche saug Obadia ben Amos im Laude b,uus bekundet hatte, war nunmehr entschieden, die resllichcu w! Jahre seines Lebens in den Dienst der Beneidigung und des Kampfes für die Bein. Init und die Wahrheit der jüdischen Ossenbarnngslehre zu stellen. Bon 1805 bis 186.1 erschienen neben feinem geivichtigeu, längst nicht genügend Würdigten und für die heutige jüdische Theologie wieder sehr bedeutsam gewordenen systeinatischen Hauptwerk der vicrbändigeu „Offenbarung noch dem Lehrbegriss der Synagoge" weit über 80 rerftreute, meist kaum mehr auffindbare Schriften tb.cologi leben. Philosophischen, kritischen und relichWvolßnchen Inhalts: hinzu kommen — abgesehen mm den sach'.uediziuischen Abhandlinigcn. die seinerzeit in dein Kamps zwischen Miasimtikeru und Eontagiastcn ein geivisses Aussehen erregten, air die 00 Schriften mrd Abhandlungen biß,er mrbegreislicherweise immer noch nnverußntliäiten Nachlasses. )n der hier gebotenen Kürze sei hier eine lmrre Darstellung der zentralen Positionen in Ärcheiurs Lehrsystem zu geben versucht: Tic?e.'c:nik gegen den christlichen Philosophen int eren geirauntcn Aussatz läuft ans den Nachweis linii'.i-?. das; „das Heidentum dem natürlichen l'.'ßnlcheu adäquat ist. weil es mit der Philoirrhtc, der freien ans der Bcrnnrrft geschöpften lßlenntuis. ähirlich. gleich, ja eins und dasselbe ist." (S. 759.) Steinheims ganzes Mißtrauen gegen die Philosophie und gegen die irr derr Jchtemen des spekulativen Idealismus zur Macht ciionunenc Glcichsetzung von Philosophie und Biologie — mithin tut man Stcinheim das grchte Unrecht an. wenn man ihn einen jüdischen Lbilolovhen oder gar Neligiousphilosophen nennt — kounut rir diesem Erstlingsarrfsatz schon zu Herein. Ausdruck: „Mit dem Hand in -Hand gehen der Philosophie mit der Offenbarung hat es eine gen; eigene Bewnudnis. Ich fürchte, sie vertragen An aus die Länge nicht sonderlich miteiuairder, r-i'.d cs wird damit cirdcn, das; plötzlich der eine Ar beiden Wandelnden unter unseren Händen Grschwindet und daß entweder die Philosophie den der Offenbarung oder diese von jener verfchlungeir werde." (S. 718.) Wir wissen heute sehr ncMnu, daß Steinheim diese Gefahr richtig gesehen 'tat. Und es ist sehr wohl zu verstehen, wenn Stein- ^i:n gleichsam ein jüdischer Pier.re Bayle — imner wieder ans seine Ausgangssrage znrückgeleimuen ist und. rveun er etwa im Borwort Üiuer zwölf Jahre späteren Schrift „Die Politik mch dem Begriff dec Offenbarung als Theottatie" kl?ii) über ferne Arbeit sagt: „Ter Zweck, Elchen der Bersaffer jenes Aussatzes iu der ..i-vangelischen Kircheuzeitung" beständig im Auge ^-halten riud dcir er besonders in seiner Schrrft -^ic Osienbarrmg nach dein Lehrbcgri'f der ^üi'.agoge" mit allen ihnr zu Gebote ftehendenAtit. “■k nU erreichen gesucht hat, ist der der S che ide - Hnl st. ivar bcrrrüht. die beiden disparaten, A'-uatürlich verbuirdenen Elemente, das Philo- Tourjeui und die Offenbarung, wiederum von ein- '^der zu trennen und jedes an seinen gehörigen -'t zu stellen Er hat unablässig auf jene urrendliche Kluft hingewicsen. die sich zwischen jenen l'cidcn Eedaukcnwefcn befindet, urid ans die Ber- Arung und Verwirrung aufmerksam gemacht, die ^'.-5 jener gemischten Verbindung entstanden sind in ihr fortwuchern." (S. XIX.) Ter Offenaarung aber weist Steinheim in dem Aufsatz, an An wir rmsere heutige Erörterung anknüpsen. ^n Ort der unbedingten Souveränität und Abislutheit gegenüber der Vernunft zu, indem er als nzr Wesen „die Mitteilung einer uns bis dahin ^bekannten. durch kein Nachdenken allein erkenn- AA'.'. Tatsache" bestimmt, ihren Zweck aber darin '-"'nnt, daß „unsere ganze Denkweise, unser Mschim Schmps ganzer innerer Mensch neu geboren werden soll, rm Erkennen und im Willen zugleich". (S. 751.) So ist für Steinheim. die Offenbarung eine spezifische, von jedweder anderen verschiedene Lehre. Sie beantwortet uns die Frage nach dem Ursprung, dem Urgrund der Welt und dem Verhalten des Geistes zum Stoff anders, als die Spekulation es tut, indem sie die Grund-Axiome der denkenden Vernnnst geradehin verneint und dafür neue geltend macht. Die Axiomata: Aus Nichts wird Nichts und keine Wirkung ohne adäquate Ursache hebt sie auf durch die Lehre von der Schöpfung aus Nichts, in welcher sowohl die physische Lehre von der Endlichkeit und der Schöpfung des Weltstoffes als auch die ethische von der Freiheit des Geistes gegeben ist. Durch die Verwerfung der Ewigkeit der Materie erscheint der Schöpfer als ein vollkommen freitätiger Geist und in ihm der Grund aller sittlich-geistigen Freiheit. die Grundlage der moralischen Weltordnnng neben und über der Physischen. Das unbegreif-- liche aber ebenso wirkliche Freiheitshewußtsein in uns bestätigt sich in dem Axiom: Alles aus Nichts, das mit vernichtender Kraft dem Erfahrungssatz: Aus Nichts ivird Nichts cnigegcnsteht und uns eben durch jenes' unbegreifliche Freiheitsbewußt, sein zur Ziistimmiing zwingt. Sv baut Steinheim den berühmten Kantischen Satz, daß man das Wissen ausgeben müsse, um zum Glauben Platz zu bekommen, in Richtung einer eigentümlichen und originellen theologischen Erkenntnistheorie zur Stützung des jüdischen Offenbarungsglaudens aus. Steinheims Lehrmeinung geht darauf hinaus, daß die Tatsache der Offenbarung, obwohl unbepreislich, gerade darum und darin wahr sei. daß sie von der konstruierenden Vernunft nicht aufgefunden, wohl aber von der kritischen Vernunft erkannt werden kann, die sich in freiwilliger Selbstbegrenzung unter den Glauben gefangen gibt. Er will die Tatsache selbst, welche Öen Ausgangspunkt der Vernunft bildet, als eine sich der Vernunft anfdringende. von ihr zn glaubende, Nachweisen. Diese Tatsache ist die Offenbarung: ihr Hauptpriuzip, daß Gott in höchster Freiheit die Welt ans Nichts erschaffen hat, den Grundsatz von der Schöpfung aus Nichts, durch welche sich die mosaische Lehre von allen Philosophemen der alten Welt auvzeichnet, nimmt er zum Ausgangspunkt der Glaubenslehren der Synagoge, zum Kern der ganzen Ofsenbarungslehre. Die Schöpfung aus Nichts und den einigeinzigen Gott folgert er aus dem Beivußtsein der Freiheit: die nach Steinheim unbegreifliche Freiheit des Willens definiert er als „das Vermögen, die Kette von Ursachen und Wirkungen durch den bloßen Willen zu zerreißen und sich selbst als neue und erste Ursache einer neuen Wirkung zu setzen". . . . Und sein ganzes Klaubenssystem saßt er schließlich in einen trinitarifch gebauten dogmatischen Lehrsatz zusammen: „In der dreifachen Leyrbestiinmung:^ Einheit der Person. Schöpfung aus Nichts/.F-reiheit der Tat. so innig miteinauder verbunden, daß ein Lehrpnnkt nicht herausgenommeu werden kann, ohne daß das Ganze zusammenbreche. in dieser voahren Trinität des einen Lehrbegriffes der Offenbarung ist ihr Grundbegriff ausgesprochen." (Offenbarungslehre Bd. III S. 09.) Bei Steinheims ctftcm öffentlichen Auftreten vor genau hundert Jahren war die geistige Bewegtheit und Ausgewühltheit der ersten Jahrzehnte des neuen Jahrhunderts infolge geistiger Uebersütterung bereits in eine schlaffe Entspanmmg üdergegangen. Sein vornehmster, inuerjüdischer Widersacher Moses ONendelsohn lag schon 50 Jahre unter der Erde, die religiös interessierte, auf die Geistcserrmlgenschasteu der Aufklärung stolze Judenheit aber dachte noch ganz in seinen Bahnen, unberührt von den Ereignissen, die indessen in der Philosophie unb im allgemeinen Geistesleben der Nation geschehen waren, während die noch junge, gerade erst aufblühende „Wissenschaft vom Judentum", allen genuintheologischen Fragen abhold, sich ganz auf das posttivistifch-historische Tatsacheninteresse konzen- ' tricrte. Kein Wunder, daß Steinheims Gedankengänge obivohl sie durchaus ev o cha l e n Charakter trugen, auf nur wenig Resonanz stießen, die in den folgenden immer positivistischer orientierten Jahrzehnten noch geringer wurde, und somit sein Äuslreteu eben nicht Epoche machte, sondern nur Episode blieb. ES ist die Tragik SteinheimS gewesen, zwanzig Jahre zu spät, und damit ohne geschichtliche Legitimation seine Problemstellnngen in die Zeitsituation hineingewvrfen zu haben, und 100 Jahre zu früh, um «uf daS Judentum, das im Laufe seiner Geschichte immer mit 50 bis 100 Jahren Verspätung auf geistige Geschehnisse reagiert hat, Wirkung und Einfluß zu 'gewinnen. Darum ist es auch noch gar nicht ansgemacht, ob die Zeit seiner Wirkung nicht jetzt e'-st kommt, gerade heute, da die opti- - mistische Ueberbewertung der Vernunft, wie sie die Juden seit 100 Jahren auf allen Gebieten pflegten, so entscheidend Schiffbruch gelitten hat und aerade aus dem Gebiet der jüdischen Theologie wenig Neigung mehr bestehen dürste. auch weiterhin noch die „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" zu deduzieren.^ Gerade für die jüdische Theologie scheint heute aber die Zeit gekornmen. wieder an die strenge supranalturale Ofsenbarungslehre Salomon Ludwig Steinheims anzuknüpfen, der — dem Protestanten Kierkegaard vergleichbar — ein einsamer Kämpfer, die Souveränität des Sinaierbes gegen allen Na- Lionalisnms und alle spekulative Philosophie heranSgehoben und bewahrt hat. Denn aus den Lehren dieses Israeliten ohne Falsch, der über das Eottesvolk vom Sinai das schöne Wort gesagt hat, daß Herrlichkeit Gottes erscheint", lasten sich für die Grundlegung einer jüdischen Theologie von heute Einsichten von außerordentlicher Tragweite gewinnen. Es ist im Grunde nur nötig, die erkonntmstheoretische Dialektik Steinheims in eine existentelle zu verwandeln, seine Antinomienlehre von Offenbarung und Vernunft eine Schicht tiefer zu verwurzeln als in der theoretischen Erkenntnis, nämlich im Se i n d c s A b s a I l s, daß der Vtensch je schon immer von Gott und somit auch von seinem Ursprung abgefallcn, darum aber seine Vernunft trügerisch geworden ist, und ihres inneren Widerspruches wegen Belehrung mm außen braucht. Tann enthüllt ihr die Offenbarimg die Wahrheit in ihrer eigensten Möglichkeit, die sie freudig ergreift: irr Freiheit Geschöpf der einen GotteS fein zu können. Damit ist auch die Steinheimfche ' Erkenntnislehre (Widerspruch des Denkproduktes und Einheit des wahrhaft Seienden) durch Verankerung in einer tieferen Existenz« schicht gerechtfertigt. Wir aber haben den Anfang und das Ende jüdischer Theologie gefunden: Die Bestimmung der Schöpfung, erweitert um die des vom Menschen selbstverschuldeten Abfall (dies der auS dem jüdischen Geschichtsverständnis erwachsende Gegensatz gegen daS christliche Erbsündendogma), so daß die Antinomie von Offenbarung und Vernunft eine wahrhaft existenzielle wird, d e S Rtenschen, der aus dem Frevel des selstschöpserischeu Abfalls durch die Freiheit zinn Hören auf die Offenbarung die Gesäjöpflichleit deS Ursprungs U'iedergewinnt. Zugleich sind aber auch die Einseitigkciten der Steinheimfchen Erkenutnistheorie vermieden, die in ihrer Ileberspitzung auf eine diktatoriscl)e Vergelvaltigung der Wirklichkeit hinauSlanfen. und die konkrete religiöse Problematik des Judentums von heute ist gewonnen worden: Die Offenbarung nach jüdischer Lehre als die Freiheit des Mens ch e n z u r Gottesfurcht i n der i n n e r z oi t li ch c n Rückkehr in die E x i st e n z i a l s i t u a t i o n der Schöpfung i m A nfan g. — Al wQEfflüa<£&üam(dlbL/°u<!5!bä&na Wir haben in der vorigen Nummer der „C.-V.- Zeitnng" von den Ausschreitungen gegen die jüdrfck)e Bevölkerung irr der algerischen Stadt Eonstautinc berichtet. Die ..Europn-Preß" hatte seinerzeit die Zahl der Verletzten bei den Zusammenstößen mit zwanzig augegeben. Demgegenüber wird in einem Eommumquö des französischen Jnnenmrnistcriums von 27 Toten gesproeyen. unter denen sich 20 Inden besmden sollen. Die Zahl der Verwundeten soll sich nach den offiziellen Belichten ans 70 oder mehr belaufen. Die länfenden Meldungen bcrichten von rohen Geioaltsakten gegen Biänner, Frauen und Kinder. Die Ursache der Unruhen, die nach den ersten Nteldungeri ans einen aktuellen Vorfall zurückgcführt rvurde, wird in allen Blättern je nach deren verschiedener Pancieinstellimg verschieden angegeben. Die einen führen die Unruhen auf den religiösen Fanatismus der 0Noha:nmcdaner, die anderen auf die wirtschaftliche Not und wieder andere auf die angebliche Herausforderung der Jndengemeinde. die den Sablxtteingnng in kostbaren Gewändern zu feiern pflegen nnd damit die ärmeren Teile der mohammedanischen Bevölkerung reizte, zurück. Wieder andere Blatter sehen die Ursache in politischer Propaganda. Jedenfalls scheinen die Ausschreitungen, die in Nordafrika mit gewisser 0tcgelmäßigkeit wiederkehren, auch diesmal'von langer Hand vorbereitet gewesen zn sein. Der Generalgonvernenr von Algerien, Jnles Garbe, hatte sich im Flngzcng persönlich nach Gonstantine begeben, um dort mit den Behörden die notwendigen Blaßnahmen zu besprechen. In dem von dem Generalgouverncur aus Gonstantine an das französische Innenministerium gesandten Bericht wird mitgeteilt, daß der Führer der Mohammcdtiner dem Gonvernenr eine Erklärung abgegeben habe, in der die fci]ävfffc Mißbilligung der Ausschreitungen zniii Ausdruck gebracht und versichert wird, d-aß seitens der Binfelmanen alles geschehen werde, um die Wiederkehr foIdjcr Ereignisse zn verhüten. Der Generalgonvornenr nahm die Erklärung entgegen nnd forderte onergiscki. das; diesen Worten auch entsprecliende Taten folgen sotten. Einer Abordiumg der indischen Gemeinde hat der Generalgouvernenr versichert, daß alle Sclnltdigeii immtdjfidjUiii) zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Bon den Führern der J»de,islchast verlange er. daß sie Maßnahmen zur Beruhigung der Bevötternng treffen. Zi^-m Setitiiß erklärte der Generalgrnvernenr. er sei überzeugt, daß beide Parteien die seierlicli eingegangenen Verpflichtungen einhalreu werden. Königin Wilhelmine von Holland hat anläßlich des vierzigjährigen Jnbilanms des Verbandes der jüdischen Religivnslehrer Hollands den Sekretär dieser Bereinigung. Bl. N.'endels. der dieses Amt feit der Gründung betlcidet. znm Ritter des Ordens Oranien-N'astau ernannt. Rä'ndels hat anct, aus dom Gebiet der jüdischen Jonrnotistik einen guten Namen. In den ivissenschaftlichen Kreisen Italiens wurde der 90. Geburtstag Senator Jgnazio Gnidis gefeiert. des bedecitendsten italieuischeir Forschers eti,f dem Gebiet der hebräischen Sprache und der nrntn tischen Sprachen im allgnueinen. Der Jubilar, der Ehrenmitglied der P;il<'stine Orientul Society iß. hatte in den Jahren 187ß—1919 den Lehrstuhl für hebräische Spraclie und Literatur an der Universität •Kom innc und hat zahlreiche ivissenschastticho Arbeiten verössentlicht. Unter den Glückiounschtelegrammen. die Senator Gnigi erhalten hat. besiuden sich solche von den bervorraaendißen Semitologen aller Länder. Besonders tierzlici, iß das Glückionieli telegramm seines 'Nachfolgers an der Universitär Rom. des eheinaligen Oberrabbiners von Florenz. Professor Umberto Eassnto, gehalten. DeMche Stmatsi&ee In einem Aufsatz ..Bodenständigkeit und Weltpolitl" (Nationalsozialistische Monatshefte. 5.Jahrgang, 51. Hefts umreißt Otto W e der- K r o h s e mittels eines interesfanteir Bergleiches das Wachstnmsgesetz deS uenen deutschen Staates. Jeder organisch gewachsene Staat — so führt er ans — srt-afft sich im Laufe seines Wachstums bleibende und gültige Gesetze. So gilt für Frankreich das Gesetz des romairrschen Ramus, der Abriegelung gegenüber allem Nichtromanischen. das Gesetz der Mittelmeerbrücke und endlich das Gesetz seiner anspruchsvollen Zivilisation. So gilt für England das Gesetz der Nleerengenfreiheit. das Gesetz der Elastizität zwischen Nlntterland und Dominions nnd überhl>upt im weitesten Sinne das Prinzip des <Hvii1e el inipern. Für Deutschland sind die Gesetzlichkeiten weniger scharf entwickelt, aber so sehr wir auch noch ein junges Volk sein mögen, sie heben sich'doch schon ab: es gilt das Gesetz des Volkes, das sein Gesicht nach Osten zu nehmen hat. cs gilt das Gesetz des Staates, der sich beivnßt bleiben muß. das; er den kontinentalvvlitischen Grundkern seiner Eristenz nie preisgeben darf. Es gilt endlich das Gesetz des Reiches, das erst aus dem Zusammenklang zußschen nordischer Rasse, preußischer Aktivität und oberdeutscher Geistigkeit, das erst aus dem Zusammenfügen alter oberdeutscher Kßllturkandschasten. niedersächstschen Alutterbodeus und preußischem Kolvnisationsraiim lebendig wird, lebendig gleichermaßen durch seine bodenständige Zähigkeit wie durch seine weltpolitische Elastizität. AWSÄhRWg (SttZQilCZ In einem Aufsatz „Vom Verhängnis der Völker" („Deutsche Rundschau", Augusthest) redet Eugen Diesel einer Neuordnung der Dezic- Hungen der Völker Europas das Wort. Wir dürfen, sagt Diesel, nicht mehr aus dein primitiven Mechanismus von Volk zu Volk denken und ihn , ausschließlich nach den vermeintlichen Interessen' des einzelnen Dolles steuern; sondern wir müssen außer in der Nation auch in Europa zu denken und zu handeln beginnen. Es handelt sich hier um einen geistig-politischen Prozeß, dessen Verlauf genau so tatsächlich ist wie die Entivickl'.mg aller möglichen widersprechenden Gebilde zu den Großnationerl. Nur eine allmätitiche Bermirrderiing der minderwertigen politischen Vorgänge zugunsten größerer, einfacherer Probleme und Eutwicllnngeu kann überhaupt die europäische Krise bereinige!' helfen. Ein neuer nalioualenropäiseher Tvv von Politikern, die geschictit!ic!> und viinnilii'h ander-.- denken und die Lösung der Probleme a".f andere als die altenrvpäii'che, nur nationalißisch ausgerichlew Weise anstreben, wird zur Gettu'np, gelangen. SrsLMM LbsrOKs WÄsLNZse In einem Aufsatz ..Otto Wciuinger und das Problem deS Weibes" (..Geißeslnltnr". •!:’>. Jahrgang. Heft 1—3) huldigt F v i e d v i et; K ö h! e r Otto Weiningcr. was um io oemerleusiverler iß. als der Philosoph jüdischer Abstanummg umv. Ein Genie wie der junge Pjpct/ologe. sagt -Köl;ler. ist eine große Ansnahineerseheiuung. das Holz edel und selten, ans dem er geichniut :var. Btil vierzehn Jahren schon vertßste er nch in die Arbeiten KantS und empfing hier die Eingebmlg zu dem geistvollen, aber auch herben Haß atmenden Werl, das vor fast 00 Jahren die geiste-Kebendige Welt lies erregte und mit Zustii'u i mit Widerspruch erfüllte. Weininger-s ..Geßhlecht und bharalter" ist keine ephemere Erscheinung in der Fülle unserer pspehologißtzen Literatur. Der Vermüer vollzog mit seinem Buche ein Attentat auf die Stellung des Weibes innerhalb des Nieuschentnms wie keiner zuvor. Kauptschriftlpiter: Dr. Alfred Hirschborg; Stellvertreter Dr. Marproto E d o 1 - h o i rn. Beide in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Manuskripte ist Frciumschlag bclnuftigcn. Leiter der Anzcigcn-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: I< riedrich Nathan. Berlin. DA. II. Vj. 50 000. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens o. V., Berlin W 13, Emser Str. 42. Tel.- Adr.: ..Ccntralglauben Berlin.“ Fcrnspr. J. 2 Oliva 8141—43. Postscheck: Berlin 31)472. Druck der Buch, und Tiefdruck-Gesellschaft in. d. H., Berlin SW. 19. J / o i! n y u .Al u!! I fjl., -y -

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