Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 31 (2.8.1934)
- Date
- 1934-08-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2278044-2278075--08727-2289773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
“•* L 1S3-i £ / inon? . . , da, -^nrc&nis- $ar, ' ->. '-n nraeli. 1 taicrfo!;:clö&cr* - '"-^platz K'U'.g teils ''l".d?:'.er -'>e blarten :s::e", und 'e:n dürfe. -n dem u nn d!" ^e'üünnen n der £°. ücht ein- :t, wurde °d:rts er. den je. Weimar itndt er. wr Eig. tun!.! der - Vslege, nwuti'ch ganze Heu und deutscher Goethes lanbcn-:- dnnq zu Gedicht ist eben »begrab« nes an, t feiner gehört.!! Brief ese ihm Siebs l: „5ec- :fe den er iit hlands STJU i ehr, r.b* 3»e die iriifc 'A* rät & . .. Serlra» 2. August 1934, XIII. Jahrgang / Nr. 31 Preis 2© Pfen <s y v g b MMWWA 0jyJlL A. H. . In diesen Tagen vor Zwanzig Jahren zog mit dem ersten Aufgebot des deutschen -Heeres auch die junge Mannschaft des deutschen Judentums ins Feld. Der Jahrgang 1914, die zwanzigjährigen deutschen Juden, heute altersgleich jenen Brüdern und Jätern, die damals am deutschen Schicksal mitschnnedeten, kann kein persönliches Erleben in den Erinnerungskreis jener Tage einbeziehen. Wer immer aus unserer Gemcinschast den August 1914 mitkämpsend oder geistig bewußt erlebt hat, muß davon den Jüngeren berichten. Die Ueberlieserung» einer Zeit darf bei uns nicht aufhören, in der die Idee unseres jüdischen Seins in Deutschland als glcichgewcrtete und gleichberechtigte Menschen mit der Wirklichkeit sich deckte. Es mag schwierig sein, geschichtliche Ueberlieferung nicht nur als Wissensstoff weiterzuführen, sondern als verpflichtenden Vorgang zu pflegen, wenn aktive Atitgcstaltung der Gegenwart nicht zulässig ist. Unsere Zwanzigjährigen, die in schwerem Ringen um ihre Lebensmöglichkeit auf dem Boden stehen, für dessen Ehre und Unberührtheit die Generation rer ihnen gekämpft hat, zu sterben bereit war und auch gestorben ist, werden leicht versucht sein, den Wert der großen Zeit der Väter an den Ergebnissen für die .Kinder zu messen; und sie meinen dabei gewiß nicht die Vergünstigungen für die Kinder von Kriegsgefallenen, sondern die Lage des deutschen Judentums überhaupt. Man wird aber niemals der Vergangenheit gerecht, wenn man sie nur an ihrem Eegenwartswert mißt. Geschichtliche Vorgänge sind nach dem Platz zu bewerten, au den sie innerhalb eines bestimmten Geschichtsverlaufes eingeordnet werden müssen. Der August 1914 ist einer der Höhepunkte unserer tausendjährigen Geschichte auf deutscher Erde. In ihm trafen zusammen, was uns letztes staatsbürgerliches Ziel ist: das Recht, das wir besaßen, entsprach unserer Bewertung als Bürger durch die Umwelt, und wir verhielten uns aus innerem Gefühl und freier Liebe zu Deutschland so, wie Gleichberechtigung und Gleichbewertung es von uns fordern konnten. Der letzte Zusammenklang von Deutschtum und Judentum war erreicht. Die Idee eines Jahrhunderts hatte sich bewahrt und war erfüllt. Wenn wir uns heute von der Wirklichkeit dieser Idee entfernter denn je fühlen, so müssen wir wissen: die Stärke einer Idee mißt sich nach dem Augenblicke — wirklich meist nur Augenblicke! —, der ihre h ö ch st e Vorstellung zur Wirklichkeit verdichtet. Eine Geweinschaft mit solcher Jdeenprobe hat Bestand und Zukunftswillen, und sie zieht die Entschlossenheit, Gegenwart jeder Art zu durch? wessen, aus der Erinnerung an die Augenblicke ihrer vollkommenen Daseinsgestaltung und für den Tag von deren Wiederkehr. Für diesen Tag, an dem die heute getrennten Geschichtslinien des deutschen Volkes und der deutschen Juden wieder zusammenlauscn werden, muß die Erinnerung an das Ans dem Inhalt: Hauptblatt: Hans Joachim Schoeps, Wir deutschen Juden, von Dr. Werner Rosen- . 7, Beiblatt: Ferien rings um Berlin, von L—r. — Walther Hermann — Wirtschaft der Woche: Vom Wesen des deutschen Aussenhandels, von K H. , 2. Beiblatt: Custav Sieinbomer, Politische Kulturlehre, von Df. Ludwig Fcuchlwanger. Beilege: Erziehung, Eltern, Schule: Das ' einzige Kind, von Professor L. F. Meyer, Berlin. deutsche Judentum und die deutsche Geschichte von 1914 wachgehalten werden, um, die innere Verflechtung nicht zu lösen. Jede Generation muß so empfinden, als ob ihre Väter die Kämpfer von 1914 gewesen seien. Wir wollen nicht immer davon reden, aber immer daran denken, was damals geschah und w i e es geschah. Der Ernst dieser Tage wird gesteigert durch die Sorgen um den Mann, der als Generalfeldmarschall des Weltkrieges auch vom Kämpfen und Sterben der deutschen Juden weiß. Wir vereinen uns an diesen Erinnerungstagen im Wunsche für die Genesung des verehrten greisen Feldherrn und Neichsoberhauptes. In diesen Tagen der Erinnerung, die noch vertieft wird durch die Spannung der Politischen Atmosphäre Europas, dürfen wir von den deutschen Juden sprechen, die in selbstverständlicher Pflichterfüllung hinauszogen im Gleichklang von Herzschlag und Schritt mit ihren Kameraden im feldgrauen Nock, der alle Unterschiede auslöschte und den unterschiedslos die Kugel zerfetzte, das Blut färbte. Die vielen Zehntausende, die auszogen, die Zwölftausend, die gestorben sind, setzten ihr Leben nicht für Sonderwünsche ein. Sie kämpften und starben, um ihrem unterschiedslosen Einssein^. mit Deutschland« um dein Einssein des gesamten deutschen Judentums mit Deutschland den letzten Ausdruck zu geben. Der Deutsche, der 1914 ins Feld zog, auch der deutsche Jude, war trotz der vielen Parteien, die. es gab, ein unpolitischer Mensch. Die Parole „keine Parteien mehr/ nur noch Deutsche" verstand jeder, auch der deutsche. Jude, für den sie gleichfalls galt. Wenn er Sonderwünsche hatte, wenn der Ausruf der Führung der deutschen Juden mehr als nur Pflichterfüllung verlangte, dann geschah es nicht um des Dankes willen, aber doch in der Hoffnung, daß dieser Geist von 1914 niemals auslöschen möge. Geschehenes ist nicht anslöschbar. 1914 gehörten wir der deutschen Geschichte. 1914 gehört der Geschichte des deutschen Judentums. Die Sicherheit des EmpfiurJl)as jüdische Schulkind“ > tat da* Motto, unter dem der Zentralausschu** der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau im August die Werbung für seine blaue Beitragskarte betreibt nnnnnEannncnEnaancnnEnnannnBana dens für Deutschland ist geblieben, wenn! auch die Gesichertheit unserer Lebens¬ und Denkformen in Deutschland erschüttert worden ist. Die Menschen, die 1914 erlebten, können den Jüngeren die Sicherheit des Empfindens für ihre geschichtliche Ausrichtung vorweisen. Der Jahrgang 1914 und die Jüngeren bauen mit ihnen am neuen deutschen Judentum, das auf den deutschen Erfahrungen von 1914 und 1933 und der bewußten und wiedcrgelcbten jüdischen Geschichte ruhen wird. Ms KsiHSVsrLesZWNg öse tzsMchsN A WM 2» '§MDWst Im Angesichte Des 2. August, an Dem vor zwanzig Jahren ungeheueres Geschehen unser Vaterland unD die Welt erfaßte, sind wir dessen gewLsz, da^ alle deutschen Inden in ernster Andacht nnd Einkehr dieses Tages ge^enLSN werden. ■ LaseL WS / isfisssfloca L§r Ikerrisr" Unter dieser Ueberschrift beschäftigt sich die „Frankfurter Zeitung" in einem Leitartikel nüt der auch von uns gemeldeten Entscheidung eines Arbeitsgerichts, in welcher nichtarische Firmen in einem praktisch beträchtlichen Umfange für tariffrei erklärt worden sind. Wir hatten in liebereinstnnmung mit dem „Nationalsozialistischen Wirtschaftsdienst" ans ihre Unhaltbarkeit hingewiesen. Dieser Auffassung schließen sich auch die „Deutsche Volkswirtschaft" und die „Frankfurter Zeitung" selbst an. Eie schreibt dann n. a. weiter: „Würde man diese Entscheidung zum Grundsatz erheben, so würden sich unmögliche Konsequenzen ergeben, und zwar nicht etwa für die nichtarischen Unternehmer oder Firmen als solche, sondern vor allem für die in ihnen Veschästigten, insofern sie zunächst in beträchtlichem Umsang geringeren gesetzlichen Schutz genössen als die Gefolgschaften arischer Firmen." Weiter unten sagt die Zeitung dann: „Alle diese Einwände erscheinen dem Sinne des neuen Arbeitsgesetzes nach völlig zutreffend. Und man kann hinzufügen, daß die nichtarischen Unternehmer oder Firmen selbst sicherlich das allergrößte Interesse daran haben, daß solche arbeitsrechtlichen Anssassungen nicht Schule machen. Wie der nichtarische Unternehmer wünschen muß — und nach vielfachen Veknndungen von autoritativer Stelle auch hoffen darf —, in der Wirtsck)aft frei tätig sein zu können und allen anderen Wirtschaftenden gleichgestellt zu sein, so wird er es auch nicht wollen, daß ihm wegen einer Rechtsnnklarheit, noch dazu im Verhältnis zu der Gefolgschaft seines Betriebes, Pflichten erspart bleiben, die alle anderen zu tragen haben." Und an späterer Stelle fährt das Blatt fort: „Wie dem auch sei, diese und andere Schwierig, feiten haben offenbar eine gemeinsame Quelle, nämlich die. daß die Gleichstellung von Ariern und Nichtariern im Bereiche der Wirtschaft vielfach auf beträchtliche Hemmungen und Widerstände stoßt. Ter grnndsäh'liche Ausschluß aller Nichtarier von der Deutschen Arbeitsfront hat zum Beispiel in ■ dem oben geschilderten Urteil zu ganz unvermuteten Konsequenzen geführt. Daß er auch für die Nichtarier selbst in so' mancher Hinsicht bedrückend und auch materiell folgenreich sein kann, braucht kaum besonders hervorgehoben zu werden. Es ist doch so, daß die . - Deutsche Arbeitsfront sich das Ziel gesetzt hat. alle schaffenden Teutschstämmigen in ihren Reihen zu ‘ organisieren, wobei der soziale und ökonomische Schutz, welcher aus solcher Mitgliedschaft erwächst, keineswegs gering veranschlagt werden darf. Von d"n Schaffenden in Deutschland bleibt einzig d'.e <§Jmue der Nichtarier von der Mitgliedschaft arundsäßlich ausgeschlossen Wie aber könnte , cs diesen Ausgeschlossenen auf die Dauer möglich sein, gleich den anderen zu wirtschaften, ohne daß irgendeine Stelle geschaffen würde, die sich nun auch ihrer annehme?" „Dies ist nur ein Beispiel, und vielleicht nicht einmal eines der Prob leine, die am dringendsten neuer artoritativcr Ordnung bedürfen. Wenn immer wieder hervorgehoben wird, daß die Grenzen der Arier-Gesetzgebung von der Rcichsregierung selbst gezogen worden seien, wenn sich erst kürzlich auch das Reichsgericht auf jenes bekannte Rundschreiben des Reichsministers des Innern berufen l)at, in welchem vor der Ausdehnung der Arier-Gesetzgebung auf Gebiete gewarnt wird, für die sie nicht bestimmt 'ist — so muß man dabei heute weniger an den Text von Gesetzen als an Unterschiede denken, die im praktischeu Leben gemacht werden. Der nichtarische Firmeninhaber fjnt heute unbestritten die gleiche Aufgabe wie der arische: seinen Teil zum Austrieb des Wirtschaftslebens und zum Kampf gegen die Arbeitslosigkeit beizntragen. Um produzieren, um Angestellte und Arbeiter beschäftigen zu können, muß er verkaufen. Wohin soll es also führen, wenn von so manchen Stellen lokal inuner erneut Aufrufe und Aufforderungen an alle ergehen, die arischer Abstammung sind, jüdische Firmen und jüdische Geschäfte zu meiden? Tie Formen, die dafür gefunden werden, durchlaufen alle Grade der Deutlichkeit, von der kommentarlosen Beröfsentlichung langer „Judenlisten" an, in denen alle nichtarischen Firmen der Gegend ansgesührt werden, bis zu der Drohung, daß die Namen all derer, die bei Inden kauften oder bei ihnen larisen ließen, künftig veröffentlicht würden. Soeben erst ist. wie berichtet, bei einer großen Tagung die Forniulierung gewählt worden, wer bei einem Juden kaufe, einen jüdischen Arzt oder einen jüdischen Anwalt zu Rate ziehe, beschmutze die deutsche Ehre." „Sieht nran ganz davon ab, daß die Folgen solcher Einstellung für die deutsche Wirtschaft schwerlich günstig sein können, so bleibt auch noch das Problem, daß die Nichtarier in Tentsch!an>d ja nach dem Willen der Neichsregicrung nicht vernichtet werden sollen, sondern daß ihnen wie allen anderen Menschen die Aufgabe bleibt: zu leben und zu arbeiten. Das wird lokal, wie es scheint, teilweise verkannt. Nachdem man.mm die deuischen Nichtarier von allen Berufen ausgeschlossen hat, denen der Staat besondere Bedeutung für den politischen und weltanschaulichen Ausbau beilegt, müßte einnal die Zeit kommen, in der den Nichtariern, cm Wirkungsbereich gesichert wird, in welchem sie m hrer Betätigung frei sind und in dem sie auch nach der Anschauung des Volkes nicht als ..Feinde" hingestellt werden. Ties dürfte auch dem Willen der Reichsregierung entsprechen, denn es ist nicht anzunehmen, daß sie nur an eine „gesetzliche" Erlaubnis ohne praktische Möglichkeiten gedacht habe, als sie bei Aerzten und Rechtsanwälten eine Reihe von Ausnahmen für Nichtarier znließ, und als sie durch das bekannte Schreiben des Reichsinnemninisters Dr. Frick einer Ausdehnung der Ariergesetzgebung ans die freie Wirtschaft widersprach. Man wird sich. ferner erinnern, daß vor nicht langer Zeit, nämlich bei Gelegenheit der '„Frühjahrsosfensive des Deut, scheu Handwerks. Gewerbes und Einzelhandels", jede antijüdische Boykottpropaganda ausdrücklich untersagt wurde. Allein die gleichen Stimmungen und mit ihnen die gleichen Schwierigkeiten tauchen hier und dort immer erneut aus. Diesen Strömnngen begegnen könnte nur eine autoritative Grenzziehung. eine Grenzziehung, welche die Gewohnheiten des praktischen Lebens ausdrücklich mit den Schranken der Ariergesetzgebung in Uebereinstimmung brächte." r In der „N.S.Z.Mheinfront", Kaiserslautern, vom 25. Juli lesen wir unter dieser Ueberschrift u. a.: ' . Verständlich erscheint es dein . wahren Kenner nationalsozialistischen Denkens/ daß man nach der Machtübernahme nicht gleich dazu.überging, den Inden ans dein Wirtschaftsleben zu. beseitigen, nne viele es erwartet haben mochten/ Man kannte an verantwortlicher Stelle die .Schwierigkeiten gewaltsamen Eingreifens.' Eine radikale Bereinigung wäre gleichbedeutend mit einer Enteignring aller jüdischen Unternehnien gewesen. -Innenpolitisch gesehen hätte das nichts anderes dedeutet, denn das Entstehen eines ungeheuren Tiircheiirander, dessen Hauptleidtragende die Arbeiter^ und Angestellte der jüdischen Unternehmer gewesen wären Außenpolitisch hätte ein derartiges Vorgehen das geivaltsame schlagartige Zerreißen sämtlicher Wirtschastsverbindungen mit jenen Völkern, bei denen jüdisches Kapital imb jüdische Denkungsart zum großen Teil iirrmer noch herrschend pnd, zrir Folge gehabt. Der Nationalsozialismus griff also mir dort mit eisernen Verboten zu, wo e§ die Sicherheit des Staates in seinem Aufbau deutschen Derikens und Hairdelns erforderte, um ciidlich einmal in Deutschland eine einheitliche Auffassung über alle Fragen völkischer Eristenzbercchtigung der deutschen Nation zu gewährleisten. . . . Jedes Volk hat nur so viele Juden, wie es deren Eristenz sichert! Der Nationalsozialist ist zu stolz und volksbewnßt. daß er zu Juden geht, ein Geschäft zu tätigen, wenn er rveiß, daß er genau dasselbe bei seinem deutschen Volksgenossen