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Central-Verein-Zeitung · 1934-07-26 · 30 (26.7.1934) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
30 (26.7.1934)
Date
1934-07-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Daldspaziergängen macht ein Hansel- und Gretel- Spiel den weiten Weg oft erstaunlich kurz. Es ist auffallend und sehr erfreulich, zu beobachten, wie lieb und wie nahe unseren Sechs- bis Zwölfjährigen in letzter Zeit die Geschehnisse der Bibel gerückt sind. Wenn ich mit ihnen in einer Abendstunde die Bilder der Doreschen Bibel betrachte, überbieten sie sich in Geschichtenerzählen und alles drängt nach der Darstellung. Das Auffinden des kleinen Moses, die Königin Esther, Zoses und seine Brüder ergeben die liebste und schönste Fcstfeier, weil sie das Kind aktiv sein läßt. Ein Schaukelpferd wurde eine ganze Straße entlang zu uns geschleift, um den bösen Hamann daraus zu verspotten. Das laute Kind muß einmal einen unsichtbaren Geist spielen und ganz leise werden, das schüchterne wird ein anderes Mal eine Königin darstellen. Und wenn man ihm gar eine Krone und einen Schleier um den Kopf tut, dann sagt es in andächtiger Verzückung: „Aber jetzt bin ich ja wirklich die Königin Esther". Wo wir all die Herrlichkeiten zum Märchen, spiel herhaben? Seit vielen Zähren gibtts bei uns eine „Verkleidetrnhe"; in die kommt alles hinein, was wir einmal brauchen könnten, und manche Mutter spendet uns gern etwas aus ihren eigenen Schätzen. Max stand kürzlich vor all den Herrlichkeiten und rief mir zu: „Oma! Du mußt ■ furchtbar reich sein!" — Viel ließe sich über den pädagogischen Wert solchen Spiels sagen: über die Schulung zur Beobachtung, über das fprach-erzieherische Moment, über Anregung und Abdämpfung der Phantasie, über Vewegungsfreiheit und Körperbeherrschung, besonders, wenn wir den zweiten Weg zur Darstellung wählen, dem Kinde Gelegenheit zu geben. Selbsterlebtes nachzubildcn. Dabei kommt allerlei reizendes zutage. Als' wir einmal den Morgen auf einem Bauernhof spielten, schlug ein Mädel mit den Armen — seinen Flügeln — um sich, trippelte als Hühnchen lebhaft hin und her und plötzlich rief es: „Ich glaube, ich muß ein Ei legen". Max hatte recht. Man ist furchtbar reich, wenn man mit Kindern Märchen spielt. Ueberheblichkeit Die Ueberheblichkeit entspringt immer einem Gefühl der Schwäche. Es haftet ihr etwas zu Betontes und Aufdringliches an. Diese Unnatürlichtcit. dieses, sich aufs hohe Roß setzen, und sich bei jedem Wort und jeder Geste, „in die Brust werfen", ist es, was den Ucberheblichen so unbeliebt macht. Er rvirkt aufreizend. Der zurückhaltend bescheidene Mensch wird durch den Heberheblichen in eine Art von Wutzustaud versetzt, die in Haß ausarten kann, Man darf die Geste der Ueberheblichkeit nicht verwechseln mit Sicherheit und Stärke. Sicher und bewußt ist der Ueberlegene, — laut, unsicher, und darum stets „unterlegen" — der Ueberhebliche. Sie kann anmaßend und lächerlich wirken, die Ueberheblichkeit. und es ist ihre besondere Tragik, daß sie sich in eine Rüstung von Unverletzbarkeit und Würde hüllen muß, nur um ihren schwachen Standpunkt zu verteidigen. Der Mensch mit Minderwertigkeitskomplexen, der unsichere und an sich selbst zweifelnde Charakter wird zur Ueberheb- Frau Jacob Elhan!l!I!l!llliIIIIII!!!!lll!l!!!!!II!!lll!ll!ll!l!l!!lll!IIIIII!ll!lllllllll!!l!!ll!l!l!lll!! lichkeit wie zu einer Waffe greifen. Das Groteske an der Wirkung der Ueberheblichkeit ist es, daß ihre eigentliche Ursache, die Schwache, von den Menschen meist nicht bemerkt wird, und man den Ucberheblichen für einen „Eingebildeten und Gefährlichen" Menschen hält. Zn Wahrheit aber kann man jeden dieser „Ueberheblichkeitsriesen" bald aufs Glatteis führen, ihn unsicher machen, und ihn zur Besinnung bringen. Wir müssen heute der Ueberheblichkeit zu Leibe gehen. Tenn sie ist eine verletzende, taktlose und ungute Eigenschaft, die nur Schaden anrichtet und sich negativ auswirkt. Gerade weil wir alle mit bewußter Cvlidarität handeln sollen, da das Leben uns zwingt zusannnenzustehen und uns gegenseitig zu helfen, ist es falsch, wenn der eine Mensch, durch seine überhebliche Art und sein arrogantes und anmaßendes Wesen sich über den andern „erhebt". Wer von sich aus führt und die Kraft zur natürlichen Uebcrlcgenheit hat, wird dies ohne überbetonte Schärfe und jenes dick aufgetragene sich Auf spielen tun, die der Ueberheblichkeit eigen ist. Es wäre falsch in dieser Zeit Menschen zu „Schüchternheit" und übergroßer Bescheidenheit zu erziehen. Za, man würde uns allen Mut und Ansporn zum Erfolg nehmen, mit dem Rat: sei unsichtbar und bescheiden wie das Veilchen im Verborgenen . . . Ohne eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe und Schwierigkeilen geht es nun einmal nicht. Es besteht ein großer Unterschied zwischen der scharfen, anmaßenden Ueberheblichkeit und der rührigen, überlegenen Sicherheit. Ueberheblichkeit verbittert den andern. Sie ist eine der gefährlichsten Taktlosigleiten . . . und was das Schlimmste an ihr ist . . 4 sie ist eine große Dummheit. Ruth , Der Wehstuhl im Haus Nicht umsonst ist es gerade der Webstuhl, in dem zu allen Zeiten die Frauenarbeit verherrlicht wird. Alle weiblichen Tugenden sind für diesen Berus erforderlich. Die langwierigen Vorbereitungen, bevor die eigentliche Arbeit, das Weben beginnt, verlangen nicht nur Geschicklichkeit und Fleiß, sondern vor allem eine nie erlahmende Geduld. Ein kleiner Fehler im Entwurf genügt, um die Arbeit zu entwerten, und man muß sich Zeit nehmen, sehr viel Zeit! Tann aber, wenn aus der Anzahl von Fäden etwas Schönes und Brauchbares entstanden ist, etwas ■ für die Kleidung oder den Wohnraum, ist der Lohn groß und anhaltend; denn handgewebte Stücke haben unbegrenzte Tauer und Haltbarkeit. Irrtümlich denkt sich jeder Laie in Verbindung mit dem Handwebstuhl irgendeine Volkskunst, dessen Produkte nur in einem bestimmten Nahmen zur Geltung kommen. Tie Handweberin jedoch die mit dem Modischen Schritt hält oder es sogar durch selbständige Entwürfe bereichert, weift auf die zahlreichen Möglichkeiten, die dieser Beruf neben seiner Unabhängigkeit in sich birgt. Da entstehen nicht nur weiche und farbig reizvolle Schals, nicht nur Teppiche, Decken, Kissen, wie sie in das moderne Conchzimmer hineingehören, ein aparter Schottenstoff für das Frühjahrskomplet, Leinen zu einem sommerlichen Kostüm zeigen die Aktualität, nach der man sich immer bei handwerklichen Erzeugnissen sehnt! Man sieht, nicht nur eine Anstellung in einer mechanischen Weberei, die am Handwebstuhl jedes neue Muster ausprobieren läßt, ist notwendig, um sich als Handweberin durchzusetzen. Sobald sie ihre Entwürfe nicht als Gegensatz, sondern zur Ergänzung und Befruchtung der Mode verwenden lernt, wird sie sich einen Kundenkreis schassen können. Gerade das Einheitszimmer oder die Kleinwohnung, wie sie für die meisten nur noch in Betracht kommen, verlangen eine genaue Uebereinstimmnng vou Möbel und Hausgerät und eine besondere Anpassung an die Menschen, die sich mit geringem Platz und auf wenige Dinge beschränken wollen. Handgewebte Möbelstoffe, Vorhänge, Teppiche, passend in der Farbe zur Tapete, sind eine einmalige, aber lohnende Anschaffung. Zum hauptsächlichen Inventar der Handweberin gehören neben dem Webstuhl, den Schiffchen, von denen man nie genug haben kann, ein Scherrahmen zum Kette scheren und ein Spulrad zum Ausspulen. Sieht man eine fertige Kissenplatte vor sich, so kann man sich kaum den langen und mühevollen Arbeitsweg vorstellen, und noch weniger die Beherrschung und Kenntnis des Websluhls mit seiner für den Laien ungemein komplizierten Konstruktion. Da sind allein drei Bämne, mit denen sich die Handweberin anfreunden muß. Der Kettbaum, auf dem die Kette gewickelt ist, der Brustbaum, über den der gewebte Stoff vorbei zum Warenbaum läuft,, um den sich dann der gewebte Stofs wickelt. Die Schäfte, die die jeweilige Bindung bestimmen, werden durch Tritte in Bewegung gefetzt. Mit zwei Schäften kann man nur die Leinwandbindung weben, mit der sich jedoch genug Hübsches arbeiten läßt. Zu allen anderen Bindungen, wie Köper und Rips, gehören mindestens drei oder vier Schäfte. Das Sitzen am Webstuhl darf man sich nicht sehr ruhig vorstellen. Hat die Handweberin ein Stück von etwa zwei Meter Breite vor sich, so muß sie sich dauernd hin und her bewegen, um alles zu übersehen und das Webstück genau zu kontrollieren. Der Entwurf erfordert genaue Kenntnis des Materials, dessen Stärke die Dichte des Gewebes und die Fadenzahl bestimmt. Selbst für ein gröberes Gewebe werden bei 60 Zentimeter Breite etwa 180 Fäden : Erbbegräbnis zu „ Weimar /In unserer Zeit,, da man..sich bemüht, allen . gegen Uebernahme eines jährlichen Canons , Spuren altjüdischer Vergangenheit in Deutschland Weitere Auszeichnungen besagen, daß am 15 nachzugehen,-wird es vielleicht eine breitere Oessent- - bruar 1789 der Hofsaktor Jacob Elkan diesen dn lichkeit tntercfficren, zu hören, daß sich in Weimar mals nuL von einer Planke umgebenen Begräbnis noch heute'ein jüdischer Familienfriedhof-befindet, platz mit Ausnahme des daran befindlichen gw der aus dem 18. Jahrhundert stammt. Es ist dies. tens. zum gemeinschaftlichen Bcgräbnisplaß die- Ellan-sche Erbbegrübnisstätte in die wenigen damals in Weimar lebenden iVtaen der Wilhelmsallee zu Weimar. tischen Familien überließ. Ter Platz ist sp^ Die Familie Elkan war .schon Mitte des ' auf die Erben des Jacob Elkan eigentümlich übe" 18. . Jahrhunderts in Weimar ansässig, und der - gegangen und auch im Kataster'auf deren Hofsaktor-Jacob-Elkan war der erste Israelit, eingetragen worden. Eine Urkunde vom u.'M , der. die Vergünstigung .erhalten hatte, sich, dort 1823„ von einem Sohn Jacob Elknns simmm-d niederzulassm. Rach einem mir vorliegenden alten - berichtet, daß der ursprüngliche Begrül'niLpllw Familiendoknment hatte im Jahre 1774 der Ge- . schon so voll war, daß bereits zur Beerdigung'teils Heime Kanzleidiener Joh. Heinr. Witzel von der von Personen ans der Familie, teils verschiedener Herzogin Amalie ein Stück unbebauten Landes Glaubensgenossen, von des Hoffaktor Elknns Carlen hinter dem fürstlichen Schloß in der jetzigen Wil- „ein Stück dazu genommen werden mußte" unS Helmsallee erworben behufs Anlegung eines verfügt, daß dies auch weiter der Fall sein dime Gartens, und davon Jacob Elkan einen Teil zwecks : unter der Bedingung, daß „alle diejenigen, denn! Anlegung eines Begräbnisplatzes für seine Familie . Kraft dieser das Recht einer Grabstätte darinnen ° überlassen. Es heißt wörtlich in der Urkunde: - eingeräumt worden ist. nicht willkürlich in dem .desgleichen dem Hast und Schutzjuden Jacob Garten begraben werden dürfen, sondern an die Elkan Hierselbst ein Stück von den an den Geheimen Reihe der schon vorhandenen Gräber angeschlossen Kanzleidiener Joh. Heinr. Witzel abgegebenen Fleck werden müssen", bei Verlust des Rechts an der 'ie. imb zwar oberhalb dessen zu einem Begräbuisplatz gräbnisstätte, falls diese Bestimmung nicht ein. gehalten würde. Soviel mir bekannt ist, wurde bis zu der gegen Ende des 19. Jahrhunderts folgenden Auslassung de8 Friedhofs von den je. wciligen Eigentümern des Friedhofs, auf An. suchen israelitischer Glaubensgenossen in Weimar gestattet, dort Angehörige zu begraben. Von einer Mauer umschlossen, der Stadt erheblich näher gerückt, wie zur Zeit feiner Cvt. stehnng, liegt heute der Faiuilieubegräbnisplah der ElkauS da. Ri an che Gräber sind noch in Pflege, die meisten aber verfallen, in eine sehr romantisch wirkende grüne Wildnis eingebettet. Tie ga^e Begräbnisstätte aber erzählt von dem Bestehen und Vergehen eines Geschlechts angesehener deutscher Juden, die das Glück hatten, schon zur Zeit Goethes in Weimar zu leben und fast als einzige Glaubensgenossen mit dem Dichterfürsten in Verbindung zu treten. „Ter tät'ge Jude", der in Goethes Gedicht „Auf Riedings Tod" (1782) erwähnt wird, ist eben jener Jacob Elkan, der Schöpfer dieses Erbbegrnb« nisplatzes und nachmaliger Begründer eines an« gesehenen Bankhauses. Er ruht dort mit seiner Gattin und all seinen Nachkommen, zu denen auch der Vater der Johanna Veit gcb. Elkan gehört, der „artigen Jüdin", wie Goethe sie in einem Brief an Zelter im Jahre 1827 nennt, nachdem diese ihnr in Weimar einen Besuch abgestattet hatte. (Sieh» „C.-V.-Zeitung" Nr. 16 vom 19. April 1934: „Be, such bei Goethe".) Der Volksmund nennt die Begräbnisstätte den „alten Judeufriedhof", ein Ehrentitel, denn er ist ein Denkmal vom Jahrhunderte alten Bestehen einer jüdischen Familie im Herzen Deutschlands und der Anhänglichkeit der Weimarer Juden an Grab dmt Jacob Elkan ihren Boden und ihre Heimat. Emmy Levyn li!!!lllll!!!!ll!!lllll!llll!i!i!!lllllllllll!!llll!l!ll!!l!l!!lillll!!l!l!!il!lilll!l!lll!!illl!llll!llll!!!lll!!ll!il!ll!!!!ll!!ll!l!!!!!i!!!!ll!!!!!ll!!!!il!!illll!l!l!!ll!!!!!l!!!l!l gebraucht. Weiß man. wa8 e8 bedeutet, jeden Faden einzeln in die Litzen und durch den Kamm zu ziehen? Ahnt man.etwas von der Ausdauer der Handweberin, bie. bei dem feinen Gewebe einer . Tischdecke auf einen Zentimeter etwa 16 Fäden rechnet,, so daß bei ganzer Breite 4000 Fäden eingezogen werden müssen? — Eine geübte Handweberin schafftvielleicht 400 Fäden in der Stunde; aber an die Hand, vor allem aber an das Auge stellt diese Arbeit die größten Anforderungen. Erst nach dieser Vorarbeit, der Phot.: Sonnenfeld noch das Auffpulen und Kettescheren vorangeht, beginnt das Weben selbst, bei dem sich die Hand« Weberin für alle Mühe entschädigt fühlt. Zur Nacharbeit gehört das Säubern, das Verstopfen der Fäden, das Knüpfen der Fransen. Ist bie Handweberin auch im Nähen geschickt, so macht sie ihre Kissen und Strandtaschen, ihre Buchhüllen und Decken gebrauchsfertig und wird damit besiere Preise erzielen und ihren Kundenkreis vcrgrößern. Zleta Samson ßt fi h i l < t\ i! 4s? A A r' \h Mnl!& *) BEG,NN MONTAG, DEN 30. JULI uipg Mi igijiüNK SEIDENSTOFFE, WOLL- UND WASCHSTOFFE KLEIDUNG - LEIBWÄSCHE -TRIKOTAGEN I MI 1)iW ein l j M ' & laß) l! _ J dH bl «.BERUNX2,- SIANDAUER STRASSE- KONIGSTRASSE

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