Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 30 (26.7.1934)
- Date
- 1934-07-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Lender. Wessely unö Malrnori haben schon mehr ein „Zeitgestcht" crlö ein „jüdisches Antlitz", die gleiche Beolxichtnng kann man nachher bei Johann Jaeoby machen., dereine ferne Aehnlrchkeit vmit Uhland Hai, eine' achtnndvierzigcr .Physiognomie. Ta sind die jüdischen grauen Henriette Herz, Nahe! Löwin. die Tragödin Rachel nnd eine Miniatur der Gräfin Vaudrssin. geb. Kaskel, von Fiorino. Da ist. Heine, .Grimms Jngendbildnis nnd eine Zeichnung der Matrahengrnft. Ta ist sein Onlel Salomon Heine und des Dichters Lchvestcr, da sein Widerpart Börne, ein Stich nach dem Gemälde von Oppen, heim, mit seinem Grabe aus dem Päre Lachaise und einem symbolischen Ornament, das ihn als Mittler zwischen Deutschland lind Frankreich, zwischen Voltaire. Rousseau, Lannnenais, Büranger nnd Lessing, Herder, Schiller, Jean Paul ivürdigt. Ta ist Tisranli, Moiitcsiore, nnd da Isaak Daniel Jtzig, der Stifter der jüdischen Freischule zu Der« Iin, von keinen! Geringeren als von Anton Grass gemalt. Ta und Mcyerbeer und Rothschild, da die Politiker' Riester, Bamberger, LaSker, Stahl (mit der Widmung: „Autorität, nicht Majorität!"),' da üatl Is§l Professor Karl Ivel, der bekannte DcrKer Philosoph, isl Anfang der Woche plötzlich gestorben.' Er isi 76 Jahre alt geworden. Obwohl Karl Joel alles mögliche, nur kein Popularphilosoph war, ist sein Paine doch säst populär geworden: durch die Diese seiner Wirksamkeit, durch die Menge seiner Schüler und vor allem durch die menschliche Sympathie, die von ihm ausstrvlnte. Tenn er war ein überaus geist- und gernüicwoller Mann, allem Guten nnd Schönen gleichermaßen anfgetan. Spezialist und dennoch aller Cliquenwirtschist nnd Fachsimpelci sern und fremd, und sein -Hans, in dem seine greise Mutter und zulebt feine Schwester walteten, sah unzählige, junge und alte Freunde aus allen Gebieten des geistigen und künstlerischen Lebens. Natürlich war Joel ein Familienmensch. und auch als solcher machte er der alten Rabbinersamilie, der er entstammte, alle Ehre. (Tein Vater war Rabbiner in Hirschberg, sein Onkel in Vreslau.) Joel selbst hat mehr als ein Menschenalter an der Vasler Universität Philosophie doziert, und seine Vorlesungen waren mit die größten Anziehungspunkte dieser alten Statte des Humanismus. Von Joels Arbeiten ist vor allem eine zu nennen, die ./Wandlungen der Weltanschauung", mit dem Untertitel: „Eine Philosophiegeschichte als Geschichtsphilosophie", die seit einigen Jahren , in Lieferungen erscheint und von der unseres Wissens nur die letzte Lieserung noch anssteht. -Hosfcnilich hat Joel, dessen Gesundheit schon seit längerem geschwächt war. so daß er seinen 70. Geburtstag im Frühiahr nicht in Basel feiern konnte, dieses Werk noch vollendet. Man hat gelegentlich geäußert,.die „Wandlungen der Weltanschauung" lvwegten sich in überkoimnenen Tenkglcisen, aber man wird dem gar nicht origiualitätssüchtigen' Autor eher gerecht, wenn man seine Traditionstreiie. die ihn überhaupt kennzeichnet, als einen Vorzug annimmt nnd seine Originalität sucht, wo sie zu finden isi. in der Feinheit der einzelnen Gedanken, in der Eigenheit der E>e. sichtspnnlle. in der noblen und bildreichen Sprache. Gewiß isi Hegels Einfluß auch aus diesen jüdischen Tcnkcr unverlennbar. Schon der materiale Ausgangspunkt, der China, Indien, den kleinasiatischen Knltnr'lreiü nnd Aegypten als Einheit Btmfec M&enfa mik Rosa Valetti im Kulturbund Tie sommerliche llntcrhaltungssinsem der Kulturbnndbühuo fand mit einem „Lunten Abends von R o s a V a I c 11 i eine vergnügliche Fortsetzung. Waren dein beliebten Gast m dem gestörten Familienidyll von „Weekend" durch die an und für sich nur schmächtige, wenig aktive Molle der alternden Schauspielerin gennsse Grenzen gesetzt, so tonnte die Laletti sich diesmal in der Vielseitigkeit ihres' Könnens beinahe schrankenlos entfalten, als Mezitatorin wie als Chansonette, in einem intimen häuslichen Tno wie in einem breiter ansladenden, schrvankartigen Zirkllsstetch. Für ihre Kunst als realistische, in die Höhen oder vielmehr in die .Tresen des^ Daseins verstrickte Vtenscheudarstellerin größeren Formats müssen wir uns freilich noch immer in der Hoffnung wiegen, daß sie im Laufe ihres Gastspiels vor bedeutfaruere Aufgaben gestellt werden, in das Reich der Mütter hiuadsteigen und etwa Shaws brutale Frau Warren oder Gerhart Hauptmaruis prachtvoll-naive Mutter Wvlffcn auf der Bühne verkörpern werde. Was sie unö an diesem Abend bot. war ein wehr oder minder kurzweiliges Quodlibet, daS geschickt auf Crescendo-Wirkung abgestellt war. Die^EiuIeitnng „Ein Abend zu Hanse" vonFritrRa g l war nur eine dialogisch gedehnte Solvszene dev Komödiantin, die das Theatervlnt aud) in ihrem Haufe nicht zur Ruhe kommen läßt: ihren wirksam heransgeschlen'- derten Pointen hatte FritzLion als Partner eigentlich nur das Stichwort zu geben. Der darauf folgende rezitatvrische Teil des Programms brachte Gedichte von Erich Kästner und Mascha Kale'ko: das sonst nur schwer Zn zähmende Temperament der Künstlerin schlug hier Töne zarter Verhaltenheit an, die nm das Thema der unverstandenen Frau mit lauteren oder leiseren Ironien hcrumspielten. Stärker ging Frau Laletti dann in den beiden Chansons von W. C r o n e r (Tert von K. Zunz, Raphael Samson Hirsch. Alnahcmi Geiger, ein Rabbiner auS Polen, der wie ein russischer Pope aus sieht und oiellercht von dem noch unfreien l jüdischen Künstler, der auf keiner Akademie' mrk- 'gebildet wurde/ so "zurechtstllisiert wlwdej .dä er keine andere Vorlage kannte — „nnd lucr ist dieser Offizier zu Pferde?" „Da8 ist Berko Jvselowicz, ein polnischer Freiheitskämpfer, der später in der Politik noch eine Nolle spielte." Schließlich Photos von Hcrzl und Rordan nnd eine Zeichnung Bialiks von Max Liebcrmann. Und Fräulein Stein zeigt mir noch die praktische Hängevorrichtung. Drähte, die m einer Leiste verschiebbar sind und eine beliebig weite und belicbig niedrige Placierung der Bilder ermöglichen. Ich stelle mir-vor, wie die Blätter in den Wechselrahmeu ans den beigefarbenen Wänden wirken werden, diese jüdische Welt, die zugleich ein Stück europäischer Weltnnd Kulturgeschichte isi. „Ans Wiedersehen zur Eröffnung." — „Wann also?" — „Mitte August." ' L. AV-n. saßt und als Grundstufe dem nachfolgenden Hellenentiim gegeuübcrstellt, ist hegelianisch, und nicht minder ist cs der zwischen „Bindung" und „Lösung" taktierende Rhythmus, worin die weitere, europäische Geistesgeschichte gesehen und dargcstellt wird. Und doch ist daS alles in einer über Hegels System hinaus nnd weit vor Hegel znrückgrcisendeu Weise vertieft und gewandelt. Joels Idee des Gegensatzes als deö tiefsten .WescmncrkmalS des Lebens ist romantisch und ist von der Romantik vorgebildet; Lösung und Bindung sind die stofflichseelischen Wesenheiten, die den Zeitraum von je drei Generationen zusammenschlicsien. zu einer inneren Einheit und die je zwei einander folgende Jahrhunderte in gegensätzlicher Spannung aneinanderfesseln. Insgesamt gibt Joel mit dieser Arbeit nicht nur ein bedeutendes Werk in einer Darstcllnngöweise. wie sie Philosophieprvfesforen gemeinhin nicht eigen ist. sondern vielleicht den letzten großen Versuch überhaupt. „Geschichte durch Geschichte zu überwinden". Und cs muß erlaubt sein, gerade diese seine allgemeinste und tiefste Zielsetzung als eine im besonderen und höchsten Sinne jüdische zu empfinden. — oll. Oscar Enoch gestorben In der vergangenen Woche starb in Hamburg nach schweren: Leiden im Alter von 73 Jahren der bekannte jüdische Verleger Oscar Enoch. Durch seine Tatkraft. Euergie nnd seinen weitschauenden Blick hat sich der Verstorbene innerhalb des dentfchen Verlagswesens großes Ansehen ertvorben. Ans den kleinsten Anfängen brachte er seine Unternehmen zu immer größerem Erfolg. 1875 übernahm Enoch aus Privathänden eine Trnkkerci. die schnell wuchs, so daß er ihr nach kurzer Zeit eine Buch- und Zeitschristcngrvßhandlung angliedern konnte. 1913 gründete er den Verlag Gebrüder ^Enoch und verselbständigte die DnchgroßhEmunter der Firma OScar Enoch. _ . ^er Verlag Gebrüder Enoch. hat dann eme. Reihe . beachtlicher belletristischer, fdTjSuacifttopv Werke veröffentlicht. Engen Konnex hatte Q-car Enoch ferner mit dem englischsprachigcn Albatrvs - Verlag geschaffen, der — um e» besonders zu erwähnen — u. a. 'Werke von^our^ Gvlding (z. B. „Magnolia Street"), Suwlair Leivis. Ludivig Lennnsohn, Edna p-eiDer und P. PÜ Bloomfield heransgab. L. Ma. MorLtz TKNhslMST Erinnerung an einen Philantropcn. In einer Zeit, in der die Worte Hilfe und Aufbai?die Richtung' unseres gesamten Tuns anzeigen, und in der' leine Mittel ansrcichcn, mn fpurbar die vorhandene R'ot zu mindern, sei un einen llienschcn erinnert, der in vergangener Zen Emriehtnngen gescl>asien hat, die Armen und HllG' bedürftigen helfen sollten. Vor dem Weltkriege, m einer ruhigen und glanzvollen Epoche - auch für große Teile, des deutschen Judentums — haben Moritz V^anheuner nnd seine Frau Bertha eme Reihe von Anstalten errichten lassen und eine große Zahl von Stiftungen gegründet. Allen voran steht das Altersheim der Jüdischen Gemeinde in der Schönhauser Allee. Ihm galt auch zu seinen Lebzeiten seine größte Sorge. Das Gebäude iir der Oranienburger Straße Rr. 31, in dem heute die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe untergebracht ist und das ganz früher als KranlenhauS diente, ist ebenfalls eine Stiftung von Moritz nnd Bertha Manheimer. Allen sichtbar' ist ihr Raine an der Vorderfront des Hauses angebracht. Vieles, insbesondere die Stiftungen sind der Inflation zum Opfer gefallen, aber die von ihm errichteten Anstalten erweisen, unberührt von Koiijnnltnrschivanlungen nnd gesellschaftliehen Veränderungen. Tausenden von Rtenschen ihren Dienst. Zahlreich sind die Stiftungen und Zliivendnngen. d:e von ihin gemacht wurden und in alleii sicherte er sich ein RtitbestimmlingS. recht, um auch darüber ivachen zu tonnen, daß die Anstalten Mid Stiftungen in seinem Sinne verwaltet iverden. Ost bestimmte er Rachsolger für diese Aemter. nnd einer der am häufigsten hierzu berufenen Rtänner ist unser unvergeßlicher,Führer Engen Fnch's. Moritz Mauheiiner war ein Vorbild jüdischer HilfStäiig'eit. und er ist auch ein Beispiel für die weitreichende helfende Hand des Inden, der Elend nnd Rot liiiderte. wo er eö sah, ohne sich dabei ans seine jüdische Gemeinschaft zu beschränken. Moritz Mauheiiner hat ebenso nainhafte Stiftungen der Stadt Berlin niid anderen nichtjüdischcn Körperschaften vermacht. Für ihn gab eS keine Grenze, wenn eS notleidenden Menschen zu helfen galt, insbesondere aber keine Grenze zivischen JudenJrnd Riehtjuden. Sein Rame wird nicht in Vergessenheit geraten, solange die von ihm errichteten Anstalten noch stehen nnd die von ihrem Stifter zu gedachten Aufgaben erfüllen. 29 i r sollen uns aber jetzt wieder an solche Rtensehen erinnern, weil sie als Beispiel für Opferüercitschnft in guter Zeit in schlechteren Zeiten erst recht ein Vorbild sind. Die Künstlerhrlfe der Jüdischen Gerncinde Berlin (Abt. 'Bildciide Künstler'' bringt soeben einen Kn n stk n I e n t» e t sür das kourinende Jahr 56'.>5 heraus: er erscheint im Kunstverlag Dr. Herbert Lorivenslein, 'Berlin 80 16, Koprnieker Straße 76. Dr. Atar Osbvrn, Professor Franz Landeberger und Erna Stein. Kustos am Jüdischen Atnsenm Berlin, haben den Bildern kurze erklärende Terte beigegeben. Blar Liebermann schrieb das Geleitivort. Der Reinertrag des Kalenders sliesit der Künstlerhllse zu. Rosa Vakctti gibt am Sonntag. nnd Montag, 30. Jicli. ‘JO Uhr 30 Minuten, in Breslau unter'Förderung des K u 11 u v t r c t f c S Brcsla u Gastspiele iiit Kammermnsitsaal. 'SCIiÄ€l*l€Ei Schachaufgabe 91r» U von Justizrat M. Hösleitt (Bamberg) 23Jatt in drei Zügen ■Wciüs: KirB, Dh6, Ln7. SbS, Sg5, Bc4 d2. fl», h3 (g) Schwarz: Koö, Lc5. Baü, c6, d7, h5 \,6j Lösung der Aufgabe Ar. 12: 1. KcS—1)7, . c5—c4 2. KbTXbÜ, d—c3 4. :i7—;tSD. c2—clD .5. DaSXhSf Kc5—f( (falls Ko.")—(16. 6. DhR—f6 matt) 6. DhS—hi»t Kf4—f3 (auf KM—c3 folgt 7. Dhö—gTf nehst Matt i® nächsten Zuge) 7. DhGXcl, SbS Xd Nun ist Weiß im Btehrbesit; von zivei Lauern, der Gewinn ist aber md)t leicht. 5. <>1-05, Sei—c2 - ' 9. Kb6—('*>, (auf 9. e5—e6 würde Schwarz nach 8o2—ft den Springer gegen den e-Bauern opfern und in die rettende Ecke nach hS gelangen.) 9. . . .. S(>2—f t 1U. Kc5—(IG, Sfl—h5 (oder: Kf3—«2. U. h2—h3, Kg2—g3; 12. er»—pG, Sf tXo6; 15. K.l6Xc6, lvg.’J—li,t; 11. KeÖ-IG, Kill—hf»; 15. KfG—g7 tmd gowiiuit) 11. Ii2—li l, Kf3—M 32. Lfö—g6, Shf.—«7 13.!> 1-1,5. Kf l—g5 1 l. Kd6—o7, Kg5—u6 15. Ke7—16 und gewinnt. Lösung der 'Aufgabe 21r. 13: 1. Td-1—hl, (drohend 2. Sb5—dl matt) ' LghXh-l, 2. Sl)5Xd6 matt I.g.'l—o5, 2. Sei—e3 matt TaS—c>5, 2. SelXdG matt Sfo—e6, 2. Df7—h7 matt Lg3—ft, 2. ThlXM matt TeS—cl, 2. Thl—hü matt Richtige Lösungen von Nr. 12 sandten ein: Kall Bechhöser (Nürnberg). Sanitätsrat Tr. S. Tvwle (Berlin!, Arthur Jacob (Königshofen). Tr. Hermenn Löb (Bochum). Kurt Player (>Nieder-Jngelheim), Ir. Hans Schlesinger (Rlannheim). Lothar Schönthnl (Nürnberg). Tierarzt M. Kvschminsti (Landsberg). Ohne schwarzen 81,8 führt auch 5. 7b3—<!5-i- \\v:i Gewinn sür Weiß, was mehrere Löser angegeben haben. * Nichtige Lösungen von Nr. 13 sandten ein: Artlinr Jacob (Krintgshosen). A. Barvnvwih. Georg K. Jsrarl, Sanitütsrat Tr. Domle (Berlin). Julius Gvtb heimer ('München). G. Giunbel. Tr. G. Löwensieiu (Stnllgarti. Tierarzt Rt. Kvschminsfi (Landsberg), Btichael Levh (Krescidl, H. Liiidner (Burgtunsüt.iel'. Dr. Hermann Löb (BochnmY A. Löwenslein (Grevenbroich!, Erich Rilbensohn (Hildesheim), Lothar Schvnthat ^Nürnberg-, Willy Plichaelis iBerlin'i, Hermann Cternan (Hanau), Ernst Straus (Edentoben), Georg Lange (Berlin). Schwarz) und I. Thal ins Zeug; besonders in dem Thalschcn „Komödiantenlicd" hob ihre Kunst, die das Uebermaß mit feinstem Ctilcmpsinden zu meiden weiß, einen qrellen melodramatischen Borpang fast ins tragisch-menschliche Bereiä) empor. Als sogenannter Clou des Abends loar offenbar der Einakter „Leairice Ballav a c i n i" von S. I o a ch i ist gedacht: ein anspruchsloser, grotesk ansgetriebener Schwank ans dem Manegemilien, in dem sich die Phantasie des Autors, nachdem sie um Neuartigkeit von Sittlationen nnd Figuren nicht sonderlich bemüht war, vorzeitig leerlanft. Aber das Ganze wurde (unter der Regie von Ernst Raden) mit Schmiß und Verve nnd einem betonten Zug ins Burleske heruntergespielt. Rosa Laletti, die -auch liier die Szene beherrschte, fand sich als besorgte und verschmierte Besitzerin eines Wanderzirkus mit guirliger Beweglichkeit aus höchst amüsante Weise in den unvorhergesehenen Verlegenheiten zurecht, in die sie durch das plötzliche Erscheinen des in bielerleiSchlvänken traditonell erprobten reichen amerikanischen Verwandten hineingerät. Ter amerikanische Vetter 'selbst fand in dem bewährten Fritz Lion einen Darsteller von breitem nnd behäbigem Humor. Ans dem Clown Casparelli, der die Maske eines Literaturprofessors anzitnehmen hat,-schuf Max K v n r n s k: eine nicht nnoriginelle Figur von marivnettenhafter Komik. Auch die übrigen Mitwirkenden — Ludwig Roth, Ruth A n s e l m, E r n st L e n a r t, E r n st Raden — steuerten dazu bei, daß die von Frau Laletti angeregte heitere Stimmung bis zum Schluß vorhielt. H. l. Aus der wissenschaftlichen Wett Geheimrat Behrendt Pick, der seit 41 Jahren die umfangreiche Münzsammlung deS Herzogs von Gotha, eine der bedeutendsten in Deutschland, und seit lS28 auch die wissenschaftlich hervorragende dortige Bibliothek leitete, ist am l.Jnli seines hohen Alters und geschwächten GestmdtzcitSzustaudcL wegen in den Ruhestand getreten. Pick hat in Berlin unter Mo mm sen und Droh sc n alle Geschichte und Archäologie studiert und sich als junger Student am Berliner Münzkabinett der Rtimismatik gewidmet. Er^ wurde von Berlin aus den: König von Griechenland empfohlen, dessen Rtünzsarumlung cr in Athen mit großem Verständnis zur Aufstellung brachte. Von dort ging er auf Beranlassung der Berliner Akadeinie der Wissenschaften nach Winterthur in der Schweiz, die eines der bedeutendsten facyivissenschaftlichen Werke „das Coqnm Nimiorum" unter Leitung von I nt h o f - B l u m c r vorbereitete. Reben seiner Mitarbeit au diesem Ltzerk las Pick als Privatdozent an der Winterthur benachbarten klniverfität Zürich historische Hilsswissenschaften und iviirde bereits 1K',)i als laitm Dreißigjähriger zum außerordentlichen Professor ernannt. 1^03 erhielt er einen Ruf nach Gotha an das herzogliche Münzkabinett und ivenige Jahre später als außerordentlicher Professor ait die Thüringer LnndeSmrivcrsität Jena, die ihm schon 1011 eine ordentliche Professur übertrug, voit der er erst 1931 wegen Arbeitsüberlastnng znrückgetreten ist. Ml. 8. Ernst Kahn, der ehemalige Dozent an der rrraiiksiirter 1lntver>ität, ist in eine dreiköpfige Kommis,ion berufen worden, die unter Führung von Sir Raymond ttnwin für die amerikanische Regierung die WohnnngSpolitik in den Vereinigten Staaten zu begutachten hat. Jüdischer Kindergarten Braune, blonde, schwarze Köpfchen . . Blanko Augen! — Helles Singen! — Schlanke Beine, schmale Aermchen, Die im Spiel sich lustig schwingen. * Allo sind sie unbeschwert — Keines weiss vom Ernst der Zeit — Wenn eins weint, dann schluchzt es nur Um ein l'lücht'ges Kinderleid. *• Kleino Blumen . . aus der Sonne, Die euch eures Gartens Tage geben, Wachs euch Mut und Kraft und Zuversicht Für ein ganzes, langes, schweres Leben. Llae Lcsvinncck, Königsberg L £*r, Glückwunsch für Leo Lenner Am 20. Juli feiert Lev L c v n r r in Brecbuc seinen 00. Geburtstag. Er ist besonders als Lyriker hervvrgetreten? In seinen Gedirhlen. 0.2 teils in Bnchforin. teils in zahlreichen Zei:ic!>ri>- ten des Jii- und Aiislandes erschienen sind, kounnt seine ivahrhafte Frömmigkeit, seine heiße Liede znin Vaterlande und seine glühende, fast sinu? lingShafte Begeisternng sür alles Seliöne nnd Edle zu soruivollendetem Ausdruck. Auch in zah!rcichr>k Prosaanssätzen hat er sich mit gleicher Leiöncschastlichteit zu feinem Jridentiim und zu [einem, dentsthen Vaterlande betännt. DaS neue Lebelisjahrzehnt möge ihm an crc Seite seiner tapferen, levensbejahcndea Frau noch viel 3renbe mit eigenen Sctiasfen bringeii. Leörr ßssiiiaMthal In einem Aussatz „Ter Dichter und Hosinamnthal" („Die Literatur", Beilage Zur „Kolnischril Zeitung", Rr. l-l) gibt Egon B i e 11 a eine fein» sinnige Würdigung des großen deutschen Tichlc'rs. die um so bemerkenswerter ist, als HvfnlaiinslhK neuerdings euch unter dem Gesichtspunkt seiner iubijcljen Abstammung abträglich gewertet wurde. . Tas Mlihsaine nnd wenig begriffene' Aint^dc-Z Dichters, sagt Vietta, ist vom nenen deutschen «tmn in seinen lorporativen Organismus ciligeglitdcrt worden: auch der Dielst er soll seinem Volk vcrannvortliest sein. Viel zu ivenig ist in der lebhasten Pst örternlig dieses Problems der Rame Hugo von m* mmmsthal erwähnt worden. Er war einer der eriten, welche die Verautwortimg des Künstlers vor der Antion als AnfgaK' gesehen, und er hat ihr in ß'mcr unvergleichlich formschönen nnd begrisfsklarcn Pro>a Worte ^gegeben. Wir verdanken ihm jene Rede ndcl: de^s „Schrifttum als geistiger Naum der Ration, dw er It)2g im auditorium maxiimmi der -Iwin« fjicnec Universität gehalten hat. Sie ist jetzt - mir Red)t — in einer Sonderausgabe wieder aufgelegt worden (S. Fischer). Sie bildet das glühende kenntnis zur Einheit aller geistigen Kräfte unserc^ VolkS, aber ein Bekenntnis, betü die ProblcmaM. tue Schwere foldjcr Zielsetzung würdigt — und fje großangclgte Rede schließt mit dem ]n>on die kommende Sinnwerdnng vorwegninuilr. „Ter Prozeß, von dem ich rede, ist nichts anderer als eine konservative Revolution von einem um« sang, wie die europäische Geschichte ihn nicht keimt, Ihr Ziel ist Form, eine deutsche Wirklichkeit, an der die ganze Ration teilncljiuen könnte."