Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 29 (19.7.1934)
- Date
- 1934-07-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Donau und die Theiß schwimmen viele der besten Schwimmer Europas und Amerikas* hinunter, bei den internationalen Fußball- Batches wird der stürmischste Stürmer jeweils ein Ungar sein, und in Genf karikiert, was da abrüstet und spazicrengcht, der ungarische Jude Derso. In den großen amerikairischen und französischen filmen heißt immer irgendein genialer Aufnahmeleiter oder Architekt mit dem Vornamen Ladislaus, und seine Freunde nennen ihn Laci; das „A" ist dann nicht mehr ein simpler Vokal, sondern ein gesummtes Heimweh nach Budapest. In allen Großstädten der Welt leben, schaffen, und schaffen gut und talentiert, die Lacis mit der Budapest-Sehnsucht im gutturalen Ji\ Sie tragen an ihren Füßen die Schuhe, die ihnen die Mode vorschreibt, und in ihrem Herzen eine unverbrüchliche Treue und Liebe ,u ihrer Heimat, die ihnen niemand vorschreibt. Der Baron Hatvany sehnte sich fast tot in der Emigration. Nach Jahren kehrte er nach Budapest zurück, auf alle Konseguenzen gefaßt. Ter ungarische Jude Baron Ludwig Hatvany oder der jüdische Ungar Baron Ludwig Hatvany? Baron Berthold Hatvany hat auf feinem Gut eine Umschichtungsschule für die Heranbildung jüdischer Landwirte geschaffen. Aber der Zionismus, die Idee des Ungarn Theodor Herzl, gedieh auf dem fruckstbaren ungarischen Boden nicht so gut wie der Weizen, das Korn und der Ums. Am Freitag abend teilt das Familienhaupt an dem weißgedeckten Tisch das köstliche ungarische Brot aus und streicht segnend über die goldene Nindc. Die sechsundachtzig, jährige Großmutter, die ängstlich darüber wacht, daß kein Gebet, kein Lied bei dem Freitagabendritus vergessen wird und die Lichter zur rechten Zeit angezündet werden, kann es nicht fassen, daß der Gast aus Deutschland nicht ungarisch sprechen kann. Er ist kein ganzer Mensch in ihren Augen. Seltsamer Zusammenhang tiefer jüdischer Frömmigkeit mit naiver Gläubigkeit an die alleinseligmachende Kraft des Ungartums. Tann aber wieder scheint es,"als ob das eigene Land dem Propheten nichts gälte. Uraussührungen von Molnar-Stücken fanden zum größten Teil im Wiener Burgtheater statt. Aus der Bühne floß dann richtiger Champagner, und Molnars weißer Mvnokellops war nur eine kleine kokette Erinnerung an „acht ungarischäs Tempäramänt". So wie die vielen andern draußen in New-Iork, Paris, London und Berlin, die dichten, zeichnen, komponieren und mit den Angen strahlen, wenn sie von „Fischpaprika" sprechen. Cie photographieren die Brückenbögen über der Themse, und Matejko zanbert die entzückendsten Mädchenbeine aus Pariser Plakatwände. Man muß sich „Liliom" ansehen oder „Die Buben aus der Paulgasse" lesen, um nicht manchmal zu vermuten, daß nur die Großmutter von sechsundachtzig Jahren bte- Anhänglichkeit an Ungarn in Wirklichkeit überseht. Der Zigeunerprimas in Phantasieuniform und mit zurückgeworfenen schwarzen Locken im Earlton in den Ehamps Elysäes reicht nicht aus. Budapest und die Puszta, die Kettenbrücke und die Donau sind in weiter, weiter Ferne. Der Geigenbogen legt sich weich auf die matte G-Sait'c. tief streicht er darüber und langsam fließen die grünen Wellen durch das flache Land. Von dem stillen Schafhirten, der unter einer krummbeinigen Akazie sitzt, darf man nichts erzählen. ml Dreckte sonst vielleicht aus seiner einfachen Versonnenheit auf und spränge aus Verwirrung mitten aus die Bühne einer Csardasvperette. Nur die G-Saitesoll leise schwingen. Vre grauen und braunen Schafe drücken-ihre holprigen Rücken aneinander. Holprig ist die ■ ^andstraße, die zum nächsten Dorf führt. Der ^onau-Land ist hell imd weiß, auf einer kurzen dp. oc.e erhebt sich das rechte Itfcr -zu einer uemeu Anhöhe. Oben steht eine Hütte aus stammen und Brettern, davor steht auf dem Sandboden ein Herd. Hier kocht ein Fischer r^nnroter Suppe kleine Donaufische. Hier ißt, schläft, wohnt, hier lebt der Fischer mit seiner ^rau, die er sich aus der russischen Kriegsgefangenschaft mitgebracht hat. An zu- Mllige Gäste verkauft er steuerfreien gepaschten Wein. Rund um ihn herum gackern Hühner, der Hund hat merkwürdig aussehende'Junge zur Welt gebracht. Auf der Donau schwimmt langsam ein schwarzer Schlepper gegen Buda- Pest. Die weiten, bischöflichen Wälder fangen Jlc jfefeten Sonnenstrahlen aus. Weit unten streckt die Donau einen Arm aus, um eine deine Stadt zu umfassen. Mit Kirchturm- Nutzen und Rathaus, Bürgermeister und einem neuen Denkmal. Es ist an die Mündung des Tonanarmcs gebaut. Eine runde Wendeltreppe führt auf eine Aussichtswarte. Hier ist die ungarische Flagge auf Halbmast gehißt. Der Fahnenmast endet in einer Schwurhand. Vergoldet blitzt sie auf, wenn die Sonne sie streift. Ein Schwur dem ersehnten Großungarn. .Jahrelang hat die Stadtgemeinde gespart, um dieses Denkmal errichten zu können. Es ist einem ungarischen General gewidmet. Bei seiner Eimveihimg hielt der Bürgermeister eine Rede und unter den geladenen Gästen befanden sich die einflußreichen^ jüdischen Kaufleute der Stadt. Nachher stiegen sie auf die Nussichtswarte. „Weit können wir in unser schönes Land schauen", sagte der jüdische Kaufhausbesitzer mit dem schlohweißen Schopf zum Bürgermeister, „und gut, daß wir die hohen Platanen am User nicht fällen ließen." Zögernd nickte der Bürgermeister. Lange Kämpfe waren um die Platanen geführt worden. Wie ein Löwe hatte der schlohweiße Kopf die Bäume verteidigt. Die Bäume, die die Urväter in den Boden gepflanzt hatten, der das Eigentum der Gemeinde ist, der vom Bürger- Meister verwaltet wird und der doch eigentlich inneres Besitztum des Mannes mit weißem Haar ist. Mit derselben Energie und Zähigkeit, mit der er seiner Tochter den Ucbertritt in die christliche Kirche verbot, hat er in dem Platanenkrieg gesiegt. Am Kirchweihtag steht er dann im Eingang seines- Geschäftes und reicht den Bäuerinnen die Hand. Sie sagen Du zu ihm und er sagt Du zu ihnen und zusammen suchen sie den Stoff für das Brautkleid aus. Er weiß noch genau, was die Mutter der Braut an ihrem Hochzeitstage getragen hat, und ebenso, wie er sich vor zwanzig Jahren an ihrem Hochzeitssest den Magen verdorben hat, wird er es diesmal wieder tun. Tenn dabei muß er für jeden Fall sein. Was wäre eine Bauernhochzeit ohne ihn, wie gekränkt wäre die Gesellschaft, die Feste zu feiern versteht, wie sonst wohl noch kaum irgendwo in der Welt. Monatelang wird gerüstet, wochenlang gebacken und gebraten und tagelang wird gefeiert. Das ganze Dorf ist geladen, das ganze Dorf wird satt und trunken. Großzügigkeit, Kavali'ertum, Ritterlichkeit und göttlicher Leichtsinn ist nicht ein Privileg der Gentry. Ein Zigeuner^ der es zu einem eigenen Haus, zu Feld, Kuy und Ziege und Wiese gebracht hatte, verfeierte während der dreitägigen Hochzeit seiner Tochter Haus, Feld, Kuh, Ziege und Wiese. - Jetzt schläft die Familie wieder in einem Zelt. Für drei.Tage Freude Verzicht auf die irdischen Güter. Welche Erhabenheit über die irdischen Güter. Schneller fährt der Geigenbogen, höher greift der linke Mittelfinger, ein Sprung zurück, zwei Sprünge vor, immer näher zum Steg. Der Zeigefinger drängt nach vorn, das Handgelenk begrünt zu zittern, nach oben aus der dünnsten Saite jagt der kleine - Finger, immer heller werden die Töne, und immer heller werden die Lichter, die sich in der Donau fangen. Ein endgültiges Jubeln verkündet Budapest. Ter üebe Gott stiftete einen breiten Silberfluß, ein linkes Hügelufer mit grünen Bäumen, einen weiten ansgesternten Schimmerhimmel, die Habsburger eine Schloßbnrg und eine Zitadelle, die Ungarn einen prachtvollen Korso am Flachufer. Scheinwerfer gegen die Burg und die Zitadelle, ein mächtiges Parlament und große Hotels, und eine Fee stiftete die Kettenbrücke. Sie wollte Harfe spielen über dem Silbcrilnß. Riescnharfeusaiten tragen nun die Fahrbahn der Brücke, die Buda mit Pest verbindet, die die Hügel mit Schloß und Zitadelle und mit. den "grünen Bäumen eiylädt, hinüber zu lomn'.en ans das flache Ufer. Der Gellertberg schmückt sein Haupt mit dem blitzenden, glätten Reisen, der Zitadelle. >Lie zeichnet scharfe, grelle, langgezogene Horizontalen in den dunklen Himmele Weiter unten gleißen die Pcrlenschnüre, viele Mal um den Hals gelegt, rechts blitzen einzelne Diamanten. Ter eitle Gellertberg, betörender Gellertberg. Ucber die Elisabethbrücke - fährt eine Straßenbahn mit roter Neonschrift. Ein Rubin verschwindet zwischen schwarzen Nachtbänmen. Vom der Margarethen-Insel wehen seidige Lichtschleier zum Koloß des Parlaments herüber. Wohlwollend verhüllen sie die ungelenken Einzelheiten einer unwahrhaftig wirkenden Neugotik. Daun reihen sich die Terrassen der Korsokasfecs an. In dem grellen Scheinwerferlicht wirken sie südländisch-revicramäßig. Hier sitzen die elegantesten, die schönsten Frauen. Funkelnde Großstadt vor einer Älärchcnkulisse. Der großstädtische Schliss Budapests bricht sich in internationalen Facetten, man hat das Gefühl, als ob ans jeder Großstadt der Welt etwas hcrgcholt worden wäre, um zu vervollständigen, zu verbessern. Das Beste, eigentlich, ist gerade gut genug. Wahrscheinlich beruht es auf dem Kontakt der vielen Ungarn und^ ungarischen Juden, die im Ausland studierten, im Ausland blieben, im Ausland berühuck wurden. Ihr Glanz spiegelt sich immer wieder in Budapest wider. Aus der großen jüdischen Gemeinde Budapests'—-sieist - die zlveitgrößte Europas — kommen so viele berühmte ungarisdie Juden, daß jemand einmal behauptete, er kenne einen, der deswegen berühmt sei, weil er nicht berühmt sei. Die Budapester Juden blicken auf eine jahrhundertelange, reichlich bewegte und bunte Vergangenheit zurück. Zur Zeit der Kreuzzüge siedelten sich viele Flüchtlinge aus Deutschland in Alt-Dfen an. Unter der türkisck)en Herrschaft, die von 1511 bis 1636 dauerte, lebten vier bis fünf Generationen in verhältnismäßiger Ruhe. Erst bei der Erstürmung der -Ltadt durch die kaiserlick)en Truppen' trat eine Wendung ein, die ganze züdifche Gemeinde wurde niedergemetzclk. In Pest durften sickz länger als ein Jahrhundert überhallpt keine Juden niederlassen, dagegen konnten in Ofen unter dem Regime der Barone Zichy bis 1735 die Juden ohne wesentlick)e Behelligung ihr Dasein führen. Dann verlangten die 'Pester Stadtvätcr die Vertreibung „aller Ketzer und Juden". Erst dreißig Jahre später konnten die Juden wieder die Märkte' besuchen. Als Alt-Osen in den Lefitz der Habsburger zurückgelangte, blieben die Juden'im Genüsse der Privilegien, die sie von den Zichys erlangt hatten, dagegen dauerte der Truck aus der anderen Seite der Donau immer noch an, bis :ns 19. Jahrhundert hinein. Nock) un Jahre 1b48 hatten die Juden dort eine Plünderung auszustehen, obwohl sie an den ungarischen Freiheitskämpfen lebhaft Anteil genommen hatten^ Die Emanzipation ließ dann die jüdische Gemeinde zu beiden Seiten der Donaic in Ösen (Buda) und in Pest schnell ausblühen. Ei na Zeit neuer Drangsal brachten für viele Juden die ersten Jahre nach der Niederwersung^dev Räterepublik. Sie wurden aus allen Stellungen verdrängt, der Numerus clausus wurde in den Hochschulen eingeführt. So erlebten die Juden Ungarns gute und schlechte Zeiten. Ihre Geschichte lief, uüc anderswo, in aus- und absteigenden Linien. Und sie blieben, wie anderswo, dem Lande ihrer Geburt trotz aller Bedrängnis treu. Vor wenigen Wochen feierte Herr Goldberger sein hnndertundfünfzigjähriges Geschästsjnbiläum in Budapest. In diesem Jahre, 1934, bekam er für seine Verdienste um die ungarische Wirtschaft eine offizielle staatliche Anerkennung. T:e Zeitungen räumten dem Ereignis wohlwollend lange Spalten ein. Die Linien der jüdischen Geschichte gehen auf und ab. Die ungarischen Juden schöpfen ihre Kraft, dem Wechsel dieser Bewegung staudznhaltcn, aus den zwei mächtigen Wurzeln ihres Daseins, aus der lebendigen jüdisch-- religiösen Tradition und der Verbundenheit: mit der ungarischen Sprack)e, dem ungarischen Wesen, der Liebe zu Ungarn. Diese religiösa Fundierung ihres Lebens' gibt ihnen die Sicherheit und den Optimismus, immer wieder äniszusteigen und sich zu behaupten. Im leichten, schäbigen Sommeranzng kanr der Sohn des Kantors van Tcbreezin in den Hörsaal der Wiener Technischen Hochschule. Er' hatte keinen Winterrock, es war inr schneeigen November. Vor seiner Abreise aus Ungarn hatte der Vater den Trödler konnnen lassen. Aber die -siöcke, die der Trödler feilbot, waren dem Sohn zu klein. Dann wollta der Vater seinen eigenen Winterrock dem Sohne mitgeben. Das wollte der Sohn um keinen Preis. Dann segnete der Vater deir Sohn. „Ich hülle mich in den Segen ein. ich werde keinen Schnupfen bekommen", sagte dev Sohn und senkte seine langen, seidigen Wimpern über die Kindcraugcn. Welcher Nordpolkälte könnte ein väterlicher Segen nicht trotzen? Das war vor vierzehn Jahren. Aber cs ist auch heute eine wahre Geschicksie. Der Tempel in der Budapester Tabakaasse ist ein großer, stattlicher Vau.- Eine-große, fromme Gemeinde holt sich hier ihren Segen. Er schützt sie vor dem Erfrieren. G.H. Kedem Taschenwörterbuch. Hebräisch -Deutsch. Herausge^eben von Ephrain? Vrärrdo, Berlin, 1934. Für jeden, der sich mit der neueren hebräischen TagesliteriUnr beschäftigt, war der Mangel an einem geeigneten Lexikon stark fühlbar. Tie vorhandenen Aachschlagaverke, die das gesprochene Hebräisch berücksichtigten, sind vor längerer Zeit erschienen und von der Entwicklimg der Cpraä^e in vielern überholt. Diesem Mangel sucht das neue Hebräisch-Tcutsche Tasctxliwvrterbuch von Ephraim Aräudo abzuhclscn. Der Verfasser ist uns als Heraiisgcbcr und llcberseher belaniit und sein Lexikvil legt Zeugiiis ab für eine Aerciiiigung traditionellen jüdischen Geistesgntcs mit den Ncuerscheiiiungeii des Tages. Es soll noch gesagt werden, das; Bräirdo fein Ceiteiistück zu dem deiltsch-hebräischen Taschenwörterbuch des gleichen Berlages geben will, und das; fein Wörterbuch von jenem „in Aufbau. Geist und Absicht" unterschieden ist. F. Ar. Von dem er nicht loskommt, noch im Christentum. zu dem er nicht hinfindet. Hier ist das Problem des edlen, gutwilligen Atcnschen geformt, dessen Tragik es ist. daß er keine Statte unter den Alenschen findet, weil er seelisch nirgends verwurzelt ist. Deshalb sucht er freiwillig die Selbstvernichtung . durch den Scheiterhaufen, von dem er seine einstigen Glaubensgenossen gerettet hat. Während hier der Jude selbst die tragische Hauptperson ist, wird in dem „Weg nach Jlok" durch die Trayik des Judenschicksals die Tragik in der historischen Gestalt des päpstlichen Legaten Capistrano ausgelöst, der 1453 das Breslauer Ghetto zerstörte, die Juden verbrannte und austrieb. Als der harte, ehrgeizige Fanatiker aber erkennt, daß sein Urteilsspruch gegen die schuldlos von einem hysterischen J'ndenmädchen der Hostienschändung und des Ritualmordes beschuldigten Inden falsch war, erkennt er zugleich, daß auch sein eifernder Kampf für Weltverneinung und Lebensvernichtung falsch ist. Nach schwerer Krise gesundet er zum bciahenden Mann der Tat, der Europa ^von dem Türkeneinbruch befreit und schließlich als einfacher Mönch in dem abgelegenen Valkankloster Jlok sich von sich selbst bereit — wie einst in Breslau der einfache Jude Ephraim, dessen fruchtlose Folterung und freiwilliges Selbstopfer die Wandlung de» ^irchensürsten verursachte. Diese beiden Bücher, besonders aber den "Weg nach Jlok" mit der klassischen, durch tausend historische Einzelheiten ergreifenden Erstellung einer Judenverfolgung, sollte leder Jude lesen. Er wird nicht nur zwer Kilnstwerke hohen Ranges kennenlernen, sondern viel Tiefgründiges uiid Aufwühlendes über^das jüdische Schicksal erfahren . . . und dem nichtjüdischen Dichter danken, der dies Schicksal aus einsühlender Kenntiiis und Erkeriiitnis formte. _ K. P. Nur die Kraft einer ganz bedeutenden Persönlichkeit wie die eines Haus Wilhelm Steinb e r g vermochte die großartige künstlerische Tat zu begehen, in sechs Wock>en ein Orchester, aus jüdischeu Atusikern aller Gegenden Delltsdsiands zusammengesetzt, herauszustelleu. WaS er in der kurzen Zeit schaffte, ist ebenso bewunderungswürdig wie der Wille jedes einzelnen Orchcstecmitgliedes. sich z» einer so großen Aufgabe in diesen wenigen Tagen erziehen zu lassen. Erstmalig wurde das Orchester des iZrulturbundes Rhein—N-ain dem Dublikum des Kulturbundes Mein—Ruhr in Köln in einem Cinfoniekonzert vorgcstellt. Ter eigentlich von der Oper herkommende Kölner Hans Wilhelm Ltemberg intereffierte besonders als Dirigent auf dem Konzertvodium wo er, wie nicht anders zu erwarten war, auch größten Anforderungen gerecht wurde. Atrt welcher Natürlichkeit und Freiheit gestaltete er Schuberts 5. Cinfonie in 8-äur! Wie zugänglich ist er sowohl der weichen Linie Wiener Atelodik als auch der Betonung straffer Nhpthnien. Durch besonders flihige Holzbläser unterstützt, weiß er Glanz und Farbe ailfziitragen, selbst die grazilsten Triolen bis ins Feinste zu riüancieren und ihnen beschwingten Ausdruck zu verleihen. Hans Bassermann, der Solist des Abends, spielte das Diolinkonzert von Mendelssohn mit sicherem technischen Können. Allcrdinas fehlt ihm die Süße des Tones, die den romantischen Charakter des W-rkes unterstreichen müßte. Köstlich die friJtaUklare, filigran-zarte, mit grellen Lichtefsektcn durchsetzte Lrchesterbegleitimg im dritten Satz. Ter Küiistler durste sich mit einem Satz ans einer Negcr-Cvnate für den reichen Beifall bedanken. Zuni Schliiß Beethovens 1. Cinfonie. Das war ein Ätiisizicren aus dc;n Bollen, das war Zugend und Leben. Btarkigc Kraft, sinnende Beschaulich, fett, federnde Leichtigkeit, übcrspnidelnde Laune, alles wiißte Steiiibcrg mit seinen 85 Getreuen zii geben. Da war keine leere Stelle, so daß das Publikum mit eiiiem bis heute in diesem Kreis noch nicht erlebten Beifall reagierte. Es kann den Leitern des Kulturbundes Rhein- Ruhr. die seit Monaten die Berhandlungen für Cchasfiiiig einer künstlerischen Ziiteresscngemeinschaft mit dem Frankfurter Kulturbund führten, nicht genug gedankt werden, daß sie mit biefent Konzert dem Gesamtprogrcnnm einen Höhepunkt gaben, der in Köln unb allen Anschlußstädten des Aiindes begeisterte Znstininiung fand. Das Konzert wurde arrch in ‘äadjeri, Essen, Krefeld und Wuppertal gegeben. Tie Wiedergabe der „Verklärten Nacht" für Streichorchester von Arnold Schonbcrg — entstanden aus einem Streichscxtett (op. 4). dein Richard Tehmels Text Weib uiid Welt zugrunde liegt — war ein weiterer Beweis für das starke Können Hans Wilhelm Stein bergs. das sich auch auf sein Orchester übertrug. Als Stabführcr mit Temperament legt er einerseits die Steigerungen des romantischen, mit dem Ausdruck und der Aufgewühltheit eines im Tristan-Stil geschriebciien klangsinnlichen Werkes groß an und fesselt anderseits durch Zartheit und Wärme. Tiesmal, im zweiten Konzert des Frankfurter Orchcsters, spielte Ernst Drucker, Köln, das Biolinkonzert von Blondelssohn mit edlem Ton und tiefer Einfühlung. 9luv hüte sich der begabte junge Geiger vor dem Ilebereilen des Zeitniaßes! Mit der Jupitersinfonie . von Mozart verabschiedeten sich Dirigent und Orchester unter langanhaltendcm Beisall des Publikums, •—PX — Elsen In einem wohlgelungenen Abend, dessen Programin sich bei weitem ails dem soiist üblichen Rahmen erhob, sang Hanna Löwen. Köln, mit voller, schöner Altstimme Arien, Schiibert-Liedor und russische Bolksioeiseu mit gleicher Bravour. Gcnia $ut§. Düsseldorf, zeigte in jiddischen und russischen Liedern eine charmaiite Bortragsart, ivio man sie selten findet. Käte Frohsinn, Essen, brachte Operetten- und Tonfilmschlager stimmlick) ausgezeichnet zu Gehör und hatte mit bestens vorgetrageneri drastischen Chansons viel Erfolge Werner Schüler, Essen, und Dr. K a l i s k' < Düsseldorf, begleiteten. L. R. Lod;!g ■ Kürzlich fanb im Thcatersaal des Kristall- Palastes die Uraufführung der aktuellen Revue „Jv>< seph und seine Brüder" von Tr. Sally Rabinow i tz statt. Die Ausführiing, von Berlifskünstleril imd Dilettanten getragen, zeigte zum Teil beachtliehe Einzelleistnngen. Besonderes Lob verdienen Erwin I a f f <5 (Joseph). Paul Niederland. der die Tenorpartie des Psalms sang, und Dr. Perl s. Frau Löwenberg.Peiser sang biblische Licder, Alfred K i n k u l k i n spielte einige Cellostücke. Aiich Else M a r k u s e, Doris Wilamowska und Walter Lewe ns boten ihr Bestes. Kapellmeister Alfred Simon, der die musikalische Einrichtung besorgte, zeigte mit seinem größtenteils aus Dilettanten bestehenden jüdischen Orchester dnrckpnS konzertreife Leistungen. Dr. G. L. Der- Bariton Ernst Wolfs, früher Kapellmeister im Frankfurter Opernhaus, sang kürzlich in einem Orchcsterkonzert des Londoner Rundfunks. Auf Grund des großen Erfolges, den er bei diesem Konzert erzielte, wurde er für die konuncnde Saison für verschiedene Konzerte in London engagiert, erneut bei einem Rodio-Orchcsterkonzcrt unter Leitung Vvn .Stanford Robinson mitzuwirken.