Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 27 (5.7.1934)
- Date
- 1934-07-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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'eitung" ein digcn Festen nur cur lyngsantreg müct nichl. nknt snncrt, für der- 50 Pfennig können die V. ober, ng'',^ ^or\;.n toVtederverd den Mit- *\tt werden itnal gleich. Lynagvgen- AuSgal-e t' nicht neu. Jahren aus ist worden: nn Gesamtden Gipsern io bringen?as anders;e mancher Pirtschaitsbie-weilen Gemcindeschast von tr die Get vielmehr schütze vcrzu leisten, i? Und ist zuweilen n manchen eitercs als ge der ber die Derraus allein "seiner itragen t: dadurch die Cpfet) ober' nich^. pclung de/ tten, durch euch das mn t l i ch e einer G e - prüfen, ist prozentual cht gleiches christlichen ndeslirche: t, daß die eil ist der :d die Begeregelt, de würde Einflusses )cm wegen nicht er* veckmäßig. eiten, insidig unter in Ein- Hilfe her Nachrband ge- >ie Mistel : die Bertsiührnng damit die i. 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Und wenn Buber in heutiger Zeit zu der jüdischen Jugend spricht, so darf er mit dem vollen Anspruch anstretcn, gehört zu werden. Tenn Mahnung und Forderung ift sein Wort: Mahnung zur Erkenntnis der eigenen Lage, Fordcrung aus dieser Erkenntnis heraus den Weg zur Erneuerung zu gehen, den Bund der Bünde zn schließen, das gemeinsame Wirken aller „Realgesinnten" zn fördern. „Wehe dem Jahrhundert, das dich von sich 'stieß.'", wehe denen, die diesen Antwort heischenden Ruf Bnbers nicht hören wollen und sich den gemeinsamen Aufgaben entziehen. In normalen gesicherten Zeiten, so sagte Bnber, ist der fertige Mensch md)t mehr innerlich bildsam. In Zeiten der Bedrohung der Gemeinschaft aber wirkt die Erschütterung der Krise. Es kann da einer Gemeinschaft etwas widerfahren, das ihre innere Beschaffenheit verändert. Tann ist „Erwachsenenbildung" — Bildung an Erwachsenen und an Erwachsenden — in großer Tiefe möglich. Abhängig ist alles aber von dem Grad der Erschütternng: erst wenn die Menschen mit ihrem ganzen Leben auf die Frage der Krise — Erneuerung ober Untergang heißt sic unweigerlich — Antwort geben, kann Erneuerung kommen. Ter Mensch muß in der Krise gewandelt werden; diese iuucre Krise, die der äußeren entspricht, zeigt seine Erncueriuigsbedürstigkeit an. „Erwachsenenbildung" ist nur ein Terminus für die ändernde Einwirkung auf die Gemeinschaft. Um der Erneuerung der Gemeinschaft willen, deren Gemeinschastscharakter selbst heute fragwürdig geworden ist, ist eine tiefgehende Acnderung der Menschen nötig. Der Mensch wird in das Feuer der Situation hineingehalten, dort, wo es so brennt, wie kein persönliches Schicksal, lein persönliches Leid brennen kann. Neu erneuerte Menschen, die ganz standhaktcn können, -werden den neuen Gemeinschaftskreis schließen: Judentum im deutschen Land. . Heute erst ist die Stunde der plastischen Bildsamkeit gekommen. In jenen Tagen des Jahres 0933 brach wohl gcschichtsmäßig etwas ein, aber cs brach nicht durch. Im Grunde blieb diese Zeit negativ, man wurde nicht in jenen furchtbarsten Tiefen aufgerührt. Wenn heute Menschen gehen und andere hier bleiben, so sind beide nur dann wichtig, wenn sic in echter Weise mit der Gemeinschaft verbunden sind. Es kommt stets darauf an, wie man nach Palästina geht und wie man hierblcibt. Tie Dualität der Entscheidung liegt heute bei der bleibenden und vergehenden G e - m c i n s ch a f t; die dcutsch-jüdische Gemeinschaft ist mehr als eine Summe der Menschen, sie ist die Person der Personen. Keine Statistik der Welt kann ausmachcn, ob das deutsche Judentum bleibt oder untergeht, aber eine Entscheidung zum Leben kann uns erhalten. Tie echte Erwachsenenbildung ist wirkliche Eemeinschastsbildung. Die Kraft der Bünde, deren Wesen etwas Gemeinschastsgestaltiges hat, liegt in ihrer Abgeschlossenheit. Im Bund sind gleichstreb!ge Menschen, die Erwachsenenbildung meint die große Gemeinschaft verschiedenstrebiger Menschen, die aber lebcnsmäßig miteinander verbunden sind. Tie Gleichverwurzelten und Ungleichgcsinutcn haben hier miteinander zu tun. Im harten Kampfe, wo ein Mensch an einen anderen gleichen Ursprungs gerät, welcher es anders meint, entsteht Gemeinschaft, wenn die beiden sich gegenseitig öffnen. Tie echten Bünde fördern das Werk der Gcrncinschast, aber sie wirken nicht über ihre Grenzen hinaus. Der Bund der Bünde ist die große Gemeinschaft. .Die Bünde müssenzuein-- ander kommen, die Menschen der Nealgesinnung nicht die einer Fiktiv ge sinnung — sind wahrfyift miteinander verbunden, und sie müssen eine Querfront bilden über alle Parteien, die Front der Wahrheit gegen die Lüge. Das kann bei einer so bedrohten Gemeinschaft wie der.unsrigcn nicht möglich sein! Wirkliche Gemeinschaft ist nicht in Tendenzen und Programme einzufangen. Ueber alle Weltanschauungen steht die alle meinende Welt! Das Walten der Tendenzen nebeneinander ist daS eigentliche Verhängnis in den Zeiten der Bedrohtheit, nicht das Aeußere! Die Gnade der Bedrohung ist es, das; wir dies spüren. Bon dem Ewigkcitsgehalt ' unserer jüdischen Gemeinschaft kann es kommen, daß alle jüdische Nealgesinnung aller jüdischen Gesinnungskreise dasselbe meinen. Die Erwachsenenbildung meint keine Neutralität, sondern sie meint Solidarität, gemeinsames Tragen der gemeinsamen Verantwortung. Es gilt: miteinander standhalten — dann miteinander den Segen erwarten! Ernst Simon, der sich für ein Jahr der Mittelstclle für jüdische Erwachsenenbildung zur Verfügung gestellt hat, sprach dann über..Das Bil» dungproblcm der jüdischen Jugend in Tentschland". Tas Wort des Baccalaureus: „Ties ist der Jugend edelster Beruf! Tie Welt sie war nicht, elst ich sie erschuf", war ihm Ausgangspunkt für eine Betrachtung über die schöpferische Tätigkeit der Jugend. Eine Generation nach der anderen geht einen falschen Weg. der wirtliche Weg läßt sich nur durch Anknüpfung in die echte Tradition finden. Ter rettende Anschluß vollzieht sich für uns durch das Ergreifen eines BildnngsthPs. Ter Typ des jüdischen Gelehrten ist heute für uns schwer vorstellbar. Wir müssen andere Ausgangspunkte finden. Und hier tritt gleich die Frage der Beziehung zur allgemeinen deutschen Bildung und zur jüdischen Bildung an uns heran. Eine Trennung ist nicht möglich; die Mischung bleibt; aber „wir wollen Herren und nicht Knechte der Mischung bleiben" (Buber). Auch m Palästina — und diese Worte Simons, der lange in Palästina lebte und wieder dorthin znrückkehreu wird, sind besonders wichtig — besteht diese Mischung, und sie sott doch weiterbcstehcn. Das zentrale Gewicht der jüdischen Gedanken für die Bildung der jüdischen Menschen in Tentschland kommt Von dem Wissen, daß Israel bleibt, und Von dem Willen, nicht dasselbe Schicksal zu erleiden wie das spanische Judentum. Tas jüdische Wissen ift der eigentlich zeugende Kern, Von dem sich die jüdische Bildung ausbaut. Bier Ansatzpunkte gibt es für unsere Arbeit: zuerst Hebräisch. Wir lernen es meistens falsch, als „Kellnersprache", nicht aber als heilige Sprache, als Kultnrsprache. Wer nicht das wahre Hebräisch kennt, wird keinen Anteil an der jüdischen Kultur haben. Tann die Bibel: sie wird sich uns erschließen, wenn wir richtig hebräisch lernen. Der Tenach, die hebräische Bibel, muß wieder erobert werden; aber es darf auch nicht zu einer Mode werden. Ter dritte Ansatzpunkt ist die jüdische Geschichte. Wir müssen sie betrachten, „als wenn wir selbst aus Aegypten gezogen wären", sie Verlaugt uns als Fortsetzer ihres wahren Geistes. D i e Gegenwartskunde schließlich ist ein neues Gebiet. Bisher hatten wir keine jüdische Gegenwart, jetzt können wir auch hier wieder real sprechen. — So nähern wir uns doch wieder dein Typ des Talmud Ehacham, des alten jüdisck-en Gelehrten. Nicht Ressentiments sollen uns zerfressen, sondern unsere Stärke sollen wir dort suchen, wo der Grund unseres Taseins liegt. Wenn sich jüdische Jugend wirklich zu jüdischer Bildung durchbilden läßt, wird die Stunde des Zivanges zur Stunde der Mizwah werden. In abschließenden Worten wies Friedrich Brodnitz noch einmal daraus hin, wie stark die Reden Bnbers und Simons das Zentrum unseres deutsch-jüdischen Seins berühren, und das; die Forderungen, die sie aufstellen, ’ Antwort erfordern, — oder diejenigen, die sich dieser Verpflichtung entziehen, werden nicht teilhaben an der neuen jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, werden ein abgesplitterter Teil im wahrhaft bildungsbcrciten. deutschen Judentum sein. F. Ar.! MOU §mi Aktionskomitee hielt: schon gebrochen in seiner Lebenskraft und doch noch beschwörend und gewaltig Wahrheit und Irrtum verteilend in dieser Schicksalsfrage der zionistischen Bewegung. Am 3. Juli jährtc sich zum dreißigsten Male der ^vdestag Theodor Herzls. Aber es bedarf kaum einer solchen runden Zahl, um immer wieder ein- "s'-l. und ganz besonders in dieser Zeit, die Gestalt dicsts großen jüdischen Führers vor unfern geistigen Augen erstehen zu lassen und mit ihm zu rechten: ergrissen, ringend, kritisch. Tie Ncuhcrausgabe des ersten Bandes der Ge- .'Unmelten Zionistischen Schriften in dritter Ansage (Jüdischer Verlag, Berlin) gibt hierzu besondere Gelegenheit. In ihm finden wir neben all jenen bekannten Dokumenten au-s .Herzls Werden und Wirken — .Ludenstaat". Kongreßreden, Briese und Aufsätze — eine Anzahl bisher unveröfsent- Achter Beiträge, die das Bild abzurunLen geeignet l'ud. ohne freilich der umfangreichen Herzl-Literatur ^lentlich neue Züge hinznzufügen. Als wichtigster ncnansgcnommenen Abschnitte sei lediglich sie Ansprache „Palästina oder Uganda" erwähnt, die kurz vor seinem Tode.vor dem Zionistischen Alles ist in diesem vorzüglich ausgestatteten, 500 Seiten starken Band zusammengetragen, was die einzelnen Etappen des Kampfes Theodor Herzls für den Zionismus ausmacht: die Konzeption der Idee, die innere Propaganda bei den schon gewonnenen Mitkämpfern, die Auseinandersetzung mit den Gegnern und viele kluge und oft erstaunlich aktuelle Bemerkungen über dazwischen liegende jüdisch-politische Fragen. Man liest die Schriften und Reden des glänzenden Stilisten nie ohne ästhetisches Vergnügen, man wird häufig gepackt von der stahlharten Energie und der entwaffnenden Redlichkeit dieses Durchsetzungswillens: aber das Feuer, das einstmal darin brannte, reicht kaum mehr aus, um zu zünden. Weil Herzl rn erster und letzter Linie Politiker war, und weil nun ab und zu ein Funke jüdischer Geistigkeit, genährt aus tieferen Quellen als denen des Trohes, des Ressentiinents und eines begeisterten Gründerelans in ihm ausglomm, ist er schnell veraltet. Politik ist qn den Tag. gebunden und..,..geht mjt..ihm dahin. Herzl ist zu jung, erst vierundvierzigjahrig. gestorbcn. Vielleicht wäre dem uusgeschlvsienen, begabten, entbrannten Manne noch ein segensreicher Weg in die Tiefe des Judentums beschicken gewesen. So ging er, noch ganz im Zeichen der Organisation und der Propapanda: geadelt durch ein großes und edles Wollen — gewiß; aber noch weit von seiner menschlichen Vollendung und von der Sicht des eigentlichen Zieles, zu dem er aufgebrochen war. Es wäre gut vorstellbar, daß diese Tage nach Jahrzehnten fruchtbarer Verinnerlichung und Vergeistigung der zionistischen Ideologie, die sich mit Notwendigkeit teilweise neben, ja gegen Herzl stellte, einer großen Herzl-Ncnaissance den Weg bahnten. Wir würden, ganz abgesehen von unserm grundsätzlich andern Blickpunkt in oer Judenfräge. in solcher Entwicklung keine heilsame Wendung sehen. Herzl öffnete mit einer genialen Eingebung da? Tor zu einer neuen Welt für jüdische Menscheu. Aber er blieb am Eingang stehen und andere gingen hindurch und sorgten, daß es eine jüdis ch e Welt würde. Herzl trat ans mit dem naiven, fast könne man sagen, primitiven Anspruch, die Judenfräge lösen zu können. Palästina ist eine, wenn auch begrenzte. Wirklichkeit geworden, und die Judenfräge ift so ungelöst wie je. Aber seit Herzl seinen Anspruch verkündete, ringen Menschen diesseits und jenseits in einer neuen Art um das große Rätsel der jüdischen Eriitenz in der Welt. Und dafür, daß Herzl solchen Aufruhr schuf, haben auch nur. die wir jenseits seiner Lehre stehen, ihm zn danken.!Ua Reidunaim-Jungmann. WM MWh Mtats In AM« Einzclcrgebnissc der großen Volts-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1933 werden namentlich in vielen Kreisen des deutschen Judentums mit Interesse erwartet. Tenn die ermittelten Ziffern dürsten bis zu einem gewissen Grade geeignet sein, Veränderungen in der zahlenmäßigen und räumlichen Verteilung wie in der Wirtschaftlichen und sozialen Schichtung der Juden in Deutschland gegenüber dem Stand vom 16. Juni 1 925. dem Tag der vorletzten gleichartigen Erhebung. anfzuzeigen. Ter Vergleich der Resultate beider Zählungen wird die weitgreisende Um- .gestaltuug..seit., dem. Beginndo8-vorigen- Jahre? einigermaßen erkennen lasten. Das badische Statistische Landesamt in Karlsruhe übergibt jetzt der Oefsentlichkcit eiue Arbeit über „Die Wohnbevölkerung in Baden und ihre Religionszugehörigkeit nach der Volkszählung vom 16. Juni 1P30*. Tic Angaben, soweit sie den jüdischen Bevölkernngs- teil betreffen, seien hier kurz zusammengestellt. Bon den 2 412 931 Personen in Baden, die Angaben über ihre Religionszugehörigkeit gemacht haben, haben sich 20 617 d. h. 0,9 v. H. als Jsracliten bezeichnet. Tie wichtigeren Religionsgemeinschaften sind in Einzeldarstellungen, die dem uw.-' fangreichen Tabcllenwcrk vorangeschickt werden, näher behandelt. Aus dem Abschnitt über „Tie Israeliten" ist als bemerkenswert hervorzuheben, daß ein Vergleich der Ergebnisse der beiden letzten Volkszählungen einen Rückgang der Zahl der badischen Inden um 3447. d. h. 14.3 v. H. ergibt. Ter Rückgang verteilt sich auf 32 Amtsbezirke, während in fünf Amtsbezirken eine unerhebliche Zunahme seit 1925 zu verzeichnen ist. Am stärksten ist der Rückgang in Mannheim (563). Heidelberg (310), Karlsruhe (267), Freiburg (261). Pforzheim (116) sonne hi den Landgemeinden Gailingen (61). Königsbach (60). Sulzburg (36). Im Jahre 1925 gab es noch fünf Gemeinden, in denen der prozentuale Anteil der Israeliten höher war als 10 v. H. Heute sind es nur noch die beiden Laudgemeiudeu Gailingen und Schmieheim. In der vorliegenden Veröffentlichung wird dazu bemerkt: ,.Tie Ursachen des zahlenmäßigen R'ückgangs der Israeliten in unserem Land dürfte einmal in der starten Abwanderung der Israeliten nach außerhalb von Baden, in der erhöhten Sterblichkeit und in der außerordentlich geringen Gebnrtenzahl liegen. Erwähnt sei. das; die Gesamtzahl der Stervesälle von Juden in den letzten 10 Jahren um 1144. d. s. rund rin Drittel, höher war als die Zahl der Geburten." Tie Verteilung der Juden auf das Land Baden sieht nunmehr folgendermaßen ans: Mit Ausnahme von drei Amtsbezirke» sind in allen Amtsbezirken Badens Juden ansässig. Tie Höchstzahl (6725) enifällt ans den Amtsbezirk Mannheim. Es folgen die Amtslx'zirke Karlsruhe. Freibnrg. Heidelberg. Konstanz. Pforzheim. Bruchsal n. a. In 15 Gemeinden des Landes Baden ülvrschreitet der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung 4 v. H. Tie Höchstziffcr entfällt auf die Gemeinde Gailingen (19,9). Tie entsprechenden Zahlen lauten für Mannheim 2.3. für Karlsruhe 2,0. für .Heidelberg 1.» und für Pforzheim 1 V.H. E. 4L L. •San Seins® ftu&n vtmSM ®Sßß teBSötes? AM Seit über einem Jahr arbeiten alle jüdischen Umschichtnngs-, Wirtfchafts- und Arbeitsvermitt. lungsstellen fieberhaft, um den Strom der Suchenden in Lehrstellen, .Kurse und neue Berufe einzulenken. Jedes Jahr zic Ostern wird sich dieser Ansturm jetzt wiederholen wegen der Beschränkung der Berufsmöglichkeit, und immer wird die Llusarbeitung aller Bewerber lange Zeit erfordern, und doch noch ein nicht unbedentcn'der Rückstand verbleiben; denn.ein Bevölkerung-Steil von etlva 500 000 Menschen läßt sich nicht in wenigen Jahren sozial und beruflich umstellen. Es hat daher auch nicht an Klagen und Kritik der Ungeduldigen aber auch der.Fachleute gefehlt, deren Berechtigung — wenigstens zn einem Teil — nicht bestritten werden karin. Aber es muß auch einmal klar ausgesprochen rvcrdcn, das; hier Fehler der grrmdsätzlichen Einstellung vorliegen, die mehr eine Schuld des Einzelnen als der Dienststellen sind und rnehr zn Lasten der einzelnen Leiter der lim» schichtnngSstellcn als der Organisation und praktischen Arbeit verbucht werden müssen. Denn trotz aller Reden und Schriften über die Umschichtung ift dem Einzelnen nicht genügend zum Bewußtsein gebracht rvorden, was er s e l b ft für s i ch bei diesem Prozeß zu tun hat. Wer ständig mit den Ratsuchenden umgeht, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich die Dtehrzahl von ihnen als Objekt fühlt, überhaupt noch keine innere Klarheit zu gewinnen versucht hat und alles Heil von der amtlichen Beratung erwartet. Hier ist die Quelle so vieler vergeblicher Versuche. Mißerfolge und Unzufriedenheiten - Diesen Uebelstand sollen die nachfolgenden Ausführungen abzustellen versuchen. Bevor der erste Schritt zum Berufswechsel getan wicd, muß man sich selbst eine große Anzahl Fragen vorlegen und ihre Bcantioortung ivenigstcns redlich versuchen. „Weißt du gertaiOfo lautet die erste Frage, „in welcher Situation du zurzeit bist?" Und die zweite Frage: „Weißt du schon ungefähr, was du willst?" — Wer sich mit diesen Fragen selbst nicht vorher beschäftigt hat, der kann nicht erwarten, daß ein Berufsberater in drei bis vier Stunden die richtige Lösung findet. Jedes Dtenschenfchicksal hat individuelle Züge, die man wahrheitsgetreu einer Amtsstelle mitteilen muß. Beginnen wir mit der Klärung der eigenen Silriativn! Willst du dich umschichten oder nur einen Berufswechsel vornehmen? Beides ist keineswegs dasselbe! Berufswechsel ist Aeußercs, Materielles und bewirkt bestenfalls die Möglichkeit zur Eingliederung in den Arbeitsprozeß und damit die Aussicht auf — zunächst sehr bescheidene — Existenz. Um so eher aber und besser wird diese Eingliederung erfolgen, je mehr du innerlich und ideell zu deinem neuen Beruf stehst, d.-h. dich seelisch, sozial, kulturell dem Niveau dieses Berufes anpaßt. Das ist Umschichtung! Nur sie führt zum Erfolg! Es ist nicht überflüssig, auf diese Tatsache hinzuweisen. Es kommen nicht wenige.in die Sprech- . stünde, denen'diese' Erkenntnis sehr'rieit und'auch' dnrchhalten zu können; vielleicht kann ich später ui meinen alten Beruf zurück." So oder ähnlich.sprachen sie. Hierauf gibt es nur eine Antwort: „Du 'kannst niemals mehr zurück! Abgesehen von den äußeren Hindernissen werden die inneren ständig größer. Du bist aus deinem Beruf heraus. Er ändert sich und entfernt sich immer mehr von dir! Tu wirst ihm in Jahren ebenso fremd gegenübcrstehen. wie du heute vor einem neuen Beruf stehst. Tenn auch die Berufe verändern zurzeit grundlegend ihre Struktur. Aber selbst, wenn all' dies nicht wäre, so darfst du nicht zurück wollen, es sei denn, daß du ein besonders Erwählter deines alten Berufes bist: denn dieser Wunsch nach rückwärts raubt dir die unbefangene Einstellung nach vorwärts! Tas ist deine Situation, die du mit so vielen gemeinsam hast. Sie heißt Notwendigkeit'" Hier schließt eine andere Frage an, nämlich die nach der Notwendigkeit. Ich habe nicht wenige Fülle bearbeitet, in denen Leute ihre festen Stellen oder noch auskömmlichen Existenzen aufgeben wollten, um sich vorbeugend einem zeitgemäßen handarbeitenden Berns zuznwenden. Hier kann nur Älahnung zur Ruhe und Besonnenheit am Platze sein. Es muß vorsichtig erwogen werden, ob der Wechsel nicht etwa ein Sprung ins Nichts ist. Grundsätzlich sollte man in diesen Fällen zu dem Schluß gelangen: zunächst Stellung oder Existenz behalten und aus dieser sicheren Position heraus vorsichtig prüfen und vvrberciteu. Es muß aber auch einmal deutlich ausgesprochen werden, daß es Unrecht ift, wenn ein noch Festangestellter die öffentlichen jüdischen Dienststellen in Anspruch nimmt, womöglich Lehrzuschüsse bcansprucht und so die Fürsorge und Mittel verbraucht. die für die an erster Stelle bestimmt sind, deren Notlage sofort beseitigt werden muß. Wer noch in einer verhältnismäßig günstigen Lage ist, der gehe privat zum Wirtschaftsberater und Psychotechniker und lasse sich dort seine Projekte und Eignungen überprüfen. Jeder einzelne ist für das Gelingen des gesamten Umschichtungs- Werkes verantwortlich, das um so reibungsloser und erfolgreicher arbeiten kann, je weniger es grundlos überlastet wird. Und von dem glatten Verlauf in der Gegenwart haben die Ratsuchenden der kommenden Tage Vorteil. (Forts, folgt.) §1c1Ivd°trete^ Dr. Margarete U<JeIbci'!i Beido in Berlin. Für Rücksendung unvcrlan':!'' Maauskriplc ist Freiumschlag beizulügen. Leiter -> Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den In halt der Anzeigen: Friedrich Nathan. Bcrl ir> t>A. II. Vj. 50 000. Verlag: Centralvercin!>>" Staatsbürger jüdischen Glaubens c. V.. Berlin \\ IA. Emscr Str. 42. Tel.-Adr.: ..Centralglauhcn NerUn Fernspr. J 2 Oliva 81-51—15. Postscheck-: Berlin Druck der Buch- und Tiefdruck-Gesellschaft in. h. II., Berlin SW. |!l