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Central-Verein-Zeitung · 1934-06-28 · 26 (28.6.1934) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
26 (28.6.1934)
Date
1934-06-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Gerung ^er.dsx vßvater : tot, n..." Glättet!nb e{Ue n,mmcn .svlgende ■t einen ist- und bift zu tisch- 'st. ..ich gehen!' u stehst, wi, wie •ie Frau enn du I.. RIQfl -ge. die ina den w das re setzle es: die ß. aber ne daS ich dem :. nicht Sünde chlange hanina ll88L rstrage l Bor< r, daß rüctfcli ,'^Prvancnbe ibt^bic winde. t, Dr. •ciidjt- . Hillllfred - Lud- Hertvbcr, bcrftregie. Ziingßncr, artin uralt Fber- Dtax denttlich- 2" ldern isches jüdi-! auf vom ^gert. Zhilo - bei M-, )cken von von 923, resse vor- Len » KZÄ SW^WZWMMgW M SMA: .ZM FM ZMZ» , .' ' -Don den beiden großen Sammelwerken bin Gorions ist nun das eine, „Ter Born Judas", in einer Dünndruck-Ausgabe in einem Band er« schienen (bei schocken, Berlin). Ter Unterschied zwischen dieser und der sechsbändigen Insel - Ausgäbe ist folgender: in der einbändigen fehlt der für eine Bollsausgabe überflüssige wissenschaftliche Apparat, fehlen die verschiedenen Variationen über ein ohnehin in seiner charakteristischen Gestaltnng vertretenes Thema, fehlen viele aus der arabischen, indischen und hellenischen Literatur hernbergenonnnene Motive und ist schließlich auch die Anordnung mehr nach der Zeitfolge getroffen. Tie ganze Arbeit ist von Nahel und Emanuck hin (Serien mustergültig gemacht worden. Es sind insgesamt 330 Märchen und Legenden. Taö Buch ist fast 800 Seiten, stark, und wer es erst einmal im Bücherschrank hat (denn es ist ja eins von den Büchern, die man sich nicht borgen kann, sondern die man erwerben muß,-um sie zu bei'ihen). der nimmt es immer wieder heraus und liest und liest darin. Wie könnte es auch anders sein, da es nicht irgendein Buch irgendeines Autors, sondern geradezu der literarische Extrakt einer inehrtmlsendjährigen Vvlksgeschichte an8 den Ländern dreier Erdteile ist! Tie Bedeutung eines solchen Werkes übertrisst die aller anderen Werke, mit denen man es allenfalls vergleichen kann wie etwa die Märchen - Sammlungen der Brüder birimm. schon dadurch, daß es das Volksleben von Jahrtausenden umspannt. Mag man auch annehmen, das; beispielsweise die Märchen um den König Salomo erst Jahrhunderte nach seiner Regentschaft entstanden seien, mag man dem Legenden spinnenden und Märchen webenden (Seilte des jüdisehen Volkes selbst den viel zu respektvollen Abstand eines ganzen Jahrtausends von den umsponnenen Personen znbilligen, so hätten wir immer noch eines der ältesten Werke vor uns. Nun erlosch aber die mythenbildende Kraft des Judentums niemals, der phantastisch .üppige Märchenwald von Mischna und Talmud überwuchert noch den biblischen, die Mären und Legenden sprossen nicht minder bunt, fromm und sinnig, nicht minder toll, seltsam und anmutig im Mittelalter der Verfolgungen und in den Ländern des Exils. und als die Neuzeit anhub, mit Wissenschaft und Mystik, wuchs doch im Chassidismus zumindest der jüdische Mürchenwald weiter und weiter! Durch diesen Wald führt uns Micha Joseph bin Gorion auf einem schmalen, geraden Waldweg. Im Anfang begegnet uns unser erster Lehrer Moses, und wenn wir später mehrmals den hohen Rabbi Low treffen, der zu Prag den Golem schuf und dein Kaiser Marimilian die Erzväter zeigte, find wir noch längst nicht am Ende des Waldes. Und wenn wir am Ende des Buches sind, ist der Wald immer noch nicht zu Ende. Tenn es ist ein unendlicher .Wald, ein wirklicher Märchenzauberivald, aus dem man nie mehr hinausfinden kann, und wenn man me alten moosüberwachsenen Bäume fragt, er-!mrt fc™11 aiu^' tvarum man nie mehr aus diesem Wald herauskommen wird. Weil man nämlich se.ber em Stückchen Wald geworden ist, ein Grashälmchen vielleicht oder eine kleine Mooswurzel oder der Keim zu. einem Baum ... Wenn man diese Märchen zum ersten Male liest, erscheinen sie fast zu einfach geschrieben für ein Buch aus unseren Tagen. Tenn das Werk ist ja von bin Gorion nicht bloß gesammelt, sondern auch auf- und umgeschrieben worden, und es erschien im Kriege zuerst, also 'lange nach den Märchen von Oscar Wilde und Strindberg und den märchenlpstesten Märchenbüchern des Diederichs-Berlages. Wenn man es zum zweiten Male liest, merkt man bereits die Kunst gerade dieses Werkes (die übrigens in Nahel bin Gorions Uebertragung in ihrer ganzen schlichten Schönheit zur Geltung kommt). Diese schmucklose Art, die schillerndst-on Stoffe, die verführerischsten und zur Tichtung, Verdichtung, zur psychologischen 'Motivierung und romantischen Ausspmiumg reizendsten Stoffe der Weltliteratur ohne jede Zutat zu erzählen, dieser schlichte Verzicht auf jede Erweiterung oder Wendung dos Motivs kommt nicht vor fonbcru nach Oscar Wildeschen Feuerwerken, ist nicht Mangel, sondern Verzicht auf Reichtum, ist eine künstlerische Keuschheit, die erst aus der Ueberwinduug aller Roumntik erfolgen kann. Warum zerfiel die Knust der Romantiker Arnim. Brentano, Tieck? Weil sie vom Bolksliedsamnieln ansgegangen und weggegangen waren. M. I. bin Gorion ist kein deutscher Jude gewesen, wenn man ihn seiner Herkunft (er stammt aus Podolien) und seiner Sprache (feine eigentliche Muttersprache war Hebräisch) nach beurteilt. Um so aufschlußreicher ist sein Verhältnis zur deutschen Kultur für die Beurteilung der Wechsebvirkung von deutschem und jüdischem Geist. Er war bereits (unter seinem Vatersnamen Berdyczewsli) als hebräischer Schriftsteller berühmt, als er nach Tentschland kam. Er hatte mit den Büchern „Al Em ha-Terech" (am Scheidewege) und „Arachin" (Umwertung der Werte) den Rhythmus und die Ideen Nietzsches ins Hebräische hinübergetragen und mit chassidischen Idealen verflochten zu einer Zeit, da in Deutschland Nietzsche noch verkannt und versemt war und in anderen Ländern nur ein anderer Jude, Georg. Brandes, in großern Stil für Nietzsche warb; bin Gorion hat, von deutschem Gedankengut befruchtet, einen ähnlichen Einfluß auf die hebräische Literatur ausgeübt wie etwg. Carlyle auf die englische. Und obwohl es noch keine zwanzig Jahre her ist, daß „Ter Born Judas" zu erscheinen begann, haben doch bin Gorions jüdische Sammlungen auch auf das Schreiben und Denken und Erleben der deutschen Sprache ihren Einfluß bereits auszuüben begonnen. Begonnen, denn das sind keine Bücher des Tages, sie haben Zeit, sie sind Jahrhundertbücher. Leo Kirsch Schalom ■»: M ZW W §Ü§! In den letzten hundert Jahren haben die Juden der Menschheit unzählige gute Gedanken gegeben, dem Judentum leider keinen einzigen, der es. wieder hätte zusammenbringen und dadurch „unberührbar" machen können. Alan meinte dafür das freie Menschentum gewonnen zu haben, sagt Schalom Asch in seinen jetzt erscheinenden ..Briefen an die Juden": „Wir haben geglaubt, das; jeder Mensch bei seiner Geburt einen heiligen, starken Schutzengel mitbekommt, und noch wehr als jeder andere brauchte der einzelne .Jude einen solchen Engel zum Schutz seines Menschenrechts." Aber die Zeit des Individualismus ist tot, Eemeinschaft tut not, jüdische Gemeinschaft. Wir haben uns'in die jüdische Geschichte hineingekniet. n>n zu lernen, was jüdische Gemeinschaft ist, die k» jetzt nicht gibt und die uns so not tut, mehr als Brot not tut — und alles, was wir in den Büchern der Geschichte nicht gesunden haben, weil da nur Namen und Taten, tote Geschichte und ’iücljt das Leben Platz hat, alles das haben wir in dein neuen Roman „Ter Trost des Volkes" von Cchalom Asch werden. (Bibliothek zeitgenössischer Werke, Zürich). I irs ist ein historischer Roman. Es ist gleichgültig. wieweit er mit historischen Tatsachen übereinstimmt, da er im höheren Sinne wahr, nicht bloß historisch wahrscheinlich, sondern beifpielsmäßig ist. Er beginnt mit der Zeit nach den napoleouischen Kriegen, im Epilog wird die erste polnische Eisenbahn gebaut. Aber von den allgemeinen weltgeschichtlichen Sensationen leuchtet nur selten ein Feuerschimmer hinüber in das Leben der Kleinstadt an der Weichsel, wo die Juden Handwerker. Marktlrämer und Chnssidim had; zaristische Judeugesetze, polnische Aufstände, ber untergehende Feudalismus und der auf. gehende Kapitalismus, das alle steht tief im Hintergrund dieser Kleiubürgerwelt. . Im Vordergrund steht das Privatleben dieser Juden. Vor allem des „Psalmenjuden" Jechiel, besfen unendlich rührende Kindheitsgeschichte das Buch eröffnet, dessen geistiges Wachsen den iimereu, dessen Schicksale den äußeren Inhalt bilden. Diese Schicksale sind so romanhaft, das; man das Buch in einem Zuge zu Ende liest, und doch durchscheinend und symbolisch genug, daß man es mehrmals lesen kann und eigentlich soll. Den Inhalt können wir schon deshalb nicht nacherzählen, weil der Roman ein Schock verschiedener Personen in den Vordergrund des Geschehens vortreibt, von denen übrigens jede wirklich lebt, leidet, wirkt. Das Künstlerische ist gerade in dicsexn. Roman unverkennbar. Von Karl Emil Franzos' Ghetto- Konflikten bis zu Auskis Dybuk-Mythologie sind alle Stofselemeute jüdischer Darstellungskunst vertreten, und die vielfältige Materie ist durch eine manchmal geradezu raffinierte Kompositionstechnik bewältigt. Die Sprache ist von bestrickender Einfachheit, sie ist trotzdem geistigen und geistlichen Höhenflügen ins Philosophische und Kabbalistische so gut gewachsen wie der Reflektion der Natnrschilderungen von großartiger Pracht. (Die Uebersetznng läßt manchmal zu wünschen übrig, z. B. findet man da „Umgang" statt Prozession.) Alle diese Vorzüge des Buches find unserer Meimmg auf den „privaten" Anteil des AutorS zurückznführen; es mag seltsam erscheinen, wenn man bei einem weltbekannten Routinier wie Schalom Asch solche Feststellungen vornimmt, und doch.glauben wir an die Naivität dieses Buches: Schalom Asch hat nicht bloß viele Figuren und Szenen daraus selbst als Kind erlebt, meinen wir, sondern sich überhaupt das Ganze ganz vom Herzen geschrieben. So müssen wir es auch mit dem Herzen lesen. Was singen wir denn sonst mit der folgenden Schlußnotiz an: „Der Versasser dankt dem Herrn der Welt, daß Er ihn für würdig befunden hat, dieses Buch zu Ende zu bringen, in dem das Leben des „Psalmenjuden" beschrieben wird — Gott zur Ehre, den bedrückfcn Menschenherzen zum Tröste . .." Dieses alles zugegeben, wird man fragen, was das min aber uns deutsche Juden angelst., Da finden wir beispielsweise gegen Ende des Romans einen Konflikt der polnifchen mit der jüdischen Bevölkerung um ein jüdisches Kind, das getauft werden soll, Und §3 jjt daß sich mna H es um das gemeinschaftliche Element, um die Religion geht, selbst der Denunziant, der Dieb und der Schmuggler jeder Gefahr für die Gemeinschaft unterziehen, die sie sonst schon durch ihre Existenz negieren. Merkt - man, was uns das angeht? Allerdings darf man einwenden, daß eine Rot-Gemeinschaft noch nichts Rühmliches hat;, es muß eine Lebens- und Freudengemeinschaft sein. Aber weiter: diese jüdische Welt ist nicht nach dem Prinzip des Geldes, auch nicht der Wohlgeborenheit geschichtet, sondern nach dem Prinzip der Bildung, und Bildung ist hier nicht bloß Gedächtnis und Verstandes-Wendigkeit. nicht bloß talmndisches Wissen, sondern auch mystische Gcsühlsmacht, Willensstärke, Selbstbeherrschung, Eharakter, vor allem Güte. Da gilt der klotzig reiche Roßtäuscher Nielech nichts, der Rabbi Jechiel, der nichts hat und alles gibt, gilt alles, yjicrft man, was uns das nngeht? Diese Gemeinschaft kleinbürgerlicher, kleinstädtischer Inden aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde noch nach geistigen Grundsätzen bewußt gelebt und leidenschaftlich gehütet! Das Eigenartige daran ist nun aber das absolut Bürgerliche dieses Lebens. Die Religion dieser Handwerker, Markthändler und Ehassidim ist weder der reine: Talmudismus, der ja immer wieder so schnell zu erstarren und lebensfremd, dogmatisch, nichts als' wissenschaftlich zu werden pflegte, noch der hyperckstntische Chassidismus, der zum Aberglauben zu entarten Pflegte, sondern ein schlichtes, undogmatisches, vrthopraxes Judentum, das jedem jederzeit zugänglich und förderlich ist, das vom Chassidismus die Ver- Pslichtungen für den Rabbi und vom Talmndismns die Rechte für die Gemeinde beibehalten hat. Tie geistige Grundlage dafür findet der Rabbi Jechiel in den Psalmen, und so ist das ganze Buch eine wundervolle Fuge über das Thema der Psalmen. Vor Jahrtausenden schrieb der König David die Psalmen; es war das Thema einer grandiosen Fuge voller Harmonie, die in diesen kleinen östlichen Gemeinden gelebt wurde. Unser gemeinschastloses Leben ist eine schrille Disharmonie ohne Thema. Weiß mm; mm, was uns dieser Roman angeht? II. Stokrfu Marm: * Mm M EWÄ Maren hat über viele und vielartige Männer und Epochen geschrieben, über Scharnhorst und Lenin, über Renaissance und Gegenwart. In seinem neuen Buch (Onerido - Verlag, Amsterdam) _ beschwört er die größte und am meisten tragische Epoche dex jüdisehen Geschichte, und mehr noch als in den früheren Büchern steht das schmerzliche Erlebnis der eigenen Zeit im Hintergründe der beschriebenen Vergangenheit. Aus der theologischen und ans der historischen Situation, aber auch aus der geistigen und seelischen Haltung der Spanier und der Juden ersteht das furchtbare Schauspiel der Inquisition, das ebenso groß und erschütternd als (Oesamtbild ist wie durch die einzelnen Gestalten und geschichtlichen Anekdoten. Tie spanischen Inden sind fast eine Nation, sagt Aiarcn, und zugleich sind sie auch ein dritter Stand.' So leben sie zwischen Freiheit, Alacht, Bewunderung, Haß und dem Ghetto, dauernd im Wandel und dauernd in^Abenleuer begriffen. Sie haben eine große innere Sicherheit, die sie vor allen äußeren Drohungen beschützt, und die ihre geschichtliche Mission darstellt: ihre religiöse Genialität. Sie befähigt sie, ihr tiefstes Wesen außerhalb der irdischen Welt za entfalten: „Ueberatl auf der Welt za finden, nehmen sie von der Welt keine Notiz." Sie naharen die Taufe, wurden Zwangschristen, Marraaen, und blieben doch im tiefsten Herzen Inden. Vielleicht ist das Marrnmmtnm das großartigste Beispiel dieser Religiosität, der kein äußerer Zwang etwas anhaben kann. Deshalb ist die jüdische Geschichte immer Einsamkeit, Fremdartigkeit, Untergang und Reubegnm zugleich. Es ist ein großer Vorzug dieses Buches, dieses metaphysische Gesetz des Judentums in dieser einen großen Epoche anfgezeigt zri haben. Valerin Maren bewährt auch m diesem Buch seine große Einfühlungsgabe und seine sprachliche Darstellnngskrast. Leider hat er die Großartigkeit des Stvsses, seine weltgeschichtlichen und psychologischen Perspektiven, nicht völlig ansgenntzt und auch manches wertvolle Qnellenmaterial nicht beachtet. Daher kommt es, daß die große geschichtliche Kontur besser gelungen ist als der einzelne menschllche Vorgang und das Erlebnis der Tragödie. Ein Hinweis ans die Fortdauer des spanischen Judentums in Holland iväre ein Abschluß gewesen, den sich Niarcu leider ebenso entgehen lies; wie die Wiedergabe der einzelnen jüdischen Schicksale, wie sie uns durch die Jnquisilionsprvzesse überliefert sind. r. k. .M KM ist Mn." Ml GMWe« Der unermüdliche S. Fischer Verlag veröffentlicht in seiner Serie „Tie Bücherei der guten Erzählung" zivei Novellen von ^ieafried Trebitsch, der nicht nur das Privileg hat, sämtliche Werke G. B. Shaws ins Deutsche zu übersetzen, sondern seit Jahrzehnten zugleich das Privileg, sorgsam seelenzerlegende Geschichten in. der zarten Art der Wiener Schule zu schreiben. Diese beiden Novellen werden besonders Leser erfreuen, die magische Mo- Live lieben. Der führende, oder von Trebitßch geführte Held in jeder der beiden Geschichten entdeckt, daß er über magische Kräfte verfügt, die von ihm halb widerwillig, halb mit Lust angewandt werden, bis schließlich, von diesen iinheimlichen Mächten durch ein tragisches Erlebnis gehetzt, der eine wie der andere in einem natürlich-einfachen, ans UebersinnlicheS vcrzichtcriden Dasein Gluck und Erfüllung findet. Nach bem Wort, das der hundertzwanzigjährige Moses im Auftrag Gottes -spricht: „Die Rache ist mein", wurde die erste Geschichte und das erste Bändchen betitelt. Der körperlich und seelisch verkrüppelte kleine österreichische Beamte, der weiß, daß sein bloßer Wunsch, Nlitmenschen, die er haßt, weil sie ihn verachten, zil bestrafen, ja zum Tode;yi verurteilen vermag, muß erkennen daß Rache solcherart iiicht Werk des Menschen sein ' darf. Tenn diese Alacht läßt ihn. ähnlich »vie Dostojewskis Karamasow, zum geistigen Akörder werden — an der einzigen Frau, die er lieben könnte. Und fast zürn Mörder an der geliebten Frau -luird st.uch die Lauptgestalt dep puderen Novelle „Tas zweite Gesicht": ein österreichischer Offizier, der plötzlich erlebt, daß er aris der Hand beliebiger Aienschen deren Znümftsschicksal visionär zu leien imstande ist. In London nritzt er sinne Himmets oder Höllcngabe berufsmäßig ans; meist ist eS das Grausige, das Unheil, das er voransschant . . .. aber als er ans der einzigen Hand, die ihm nichts kündet, aris der Hand seiner eben geworbenen Frau, demioch zu sehen glaubt, daß sie mit dem erwarteten Kinde sterben inilsi, da verliert er, >ils das erivarteie Unglück z>i feinem Gluck nieljt eintrifft, die Gabe des ziveitcn Gesichts. Alit fast gänzlichem Verzicht auf Umweltschildcrnng, doch mit uinsv gründliclierer Darstellung der Jiinewvelt seiner Gestalten, maclit Trebiisch beide Alale das iinheimliche Gescheheii glaiibhast. Seine besviidere Technik ist es, dast das Wunderbare halb als Geheimnis verschleiert bleibt, halb als Krankhaftes enthüllt ivird. Sc "e Besonderheit ist feriier, daß die Lösung deine Alale dllrch die Erlösnna von Wiinderlraft bewirkt ivird; die Aernichtiiiig der veriiichlendeu Mächte bringt dem tragischen Träger der Handlung Heilung und Gesniidung. Es ist nicht Sache dieser seelenzergliedernden, gütigen Erzählkniist. eine moralische Forderung anszusprecheii. Dennoch iveht sie nutz ans beit beiden merkwürdigen Geschichten, entgegen, wenn auch nicht mit dem stürmischeu Donnerivort der Bibel, das Trebitschs Buch den Titel gab, sondern mit der miIberen Warnung: Der Mensch versuche die Götter nicht! lq>. NAntnm Die Broschüre dient dem Nnckstveis, daß die jüdische Religion den zoologischen Raiilrschntz ver- Inilgt, ivobei. unter diesem Begriff die Erhaltung der Tiergattnngen iH'rftmibcn ivird, während der Tierschiltz lediglich das Einzeltier vor Echädigiingen beivahren ivill. In der Nva-Geschichte findet Lichtenstädter für seine These eine Stütze, da hier ohne Rücksicht auf ihre „Schädlichkeit" oder „Unschädlichkeit" jede Tiergattung dem Rva zum Schlitz übernntivortet ivird. Im Gesetz vom Sabbatjahr (3. Buch Ai., Kap. 23) wird die Schonung des Erdbodens im )ic6eiiteu Jahr verlangt, und so das „ganze heilige Laild ein Naturschutzpark". Ulid wenn selbst bei dem so unwesentlich erscheinenden Gebot vom Vogelnest (3. Buch Al., Kap. 22) dem Frommen derselbe höchste Lohn verheißen wird wie beim Gebot der Elternliebe, so erkennt man, daß das Judentum eine sittliche Verpflichtung gegen die gaiize Natur gelehrt hat. Nur fortschreitende^ Entsernimg von der Natur konnte im Lause der Zeiten dieses wichtige Kapitel jüdischer Sittenlehre seiner Aktiialität berauben. Dariim verlangt der Verfasser, daß man es wieder zur Geltung bringe, und wenn es nur dadurch geschieht, daß Frauen es ablehneii, Federn von exotischen Vögeln als Schiimck zu verivenden, die von Aienschen planmäßig aiiSgervtlet iverden. ES ist ein kiiappes aber anregendes Buch, das gerade heute seineii Wert in sich trägt. Denn eS ist geeignet, das Verhältnis der jüdischen Religion zum Schutz der Natur uiid aller ihrer Geschöpfe — und dazu gehört nach dem Verfasser auch der „anthropologische Naturschiitz" — in rechtem Licht erscheinen zu lassen imb falscher Interpretation entgegenzuwirken. (Verlag I. Kaufmann, Frankfurt a. ^M.). Dr. Fritz Plotke. Germania Jmlaica. Im Verlag M. uiid H. Marcus. Breslau, erscheint demnächst „Germania Judaica*', Band 1 (Aachen—Zülpich), der die Ewschichte der Jiiden in Tentschland bis 1238, nach der alphabetischen Reihenfolge der Siedbmgsstellen geordnet, behandelt. Die erste Abteilung des Bandes 1, die die Orte „Aachen" bis „Lothringen" umfaßt, ist bereits vor .Jahren erschienen. Ter ziveiten Abteilung wird ein ziisammenfassender Artikel „Deutschland" von Professor Dr. JSmar El bogen vvrmisgehen. Während in bem Werk die Quellen einzelii behandelt iverden, ivird hier eine großzügige Darstellung gegeben, die einen lieberblick gibt über Siedlungsgeschichte, Rechtsstellung. Orgaiiisation der jüdischen Gemeinden, Besteuerung der Inden, wirtschaftliche Tätigkeit der Jiiden, Beziehungen zwischen Juden und Christen sowie kulturelle und religiöse Bestrebungen. l

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