Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1934-06-28 · 26 (28.6.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
26 (28.6.1934)
Date
1934-06-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2277379-2278044-2278070--08662-2289698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

U/ Milgeteilt von Br. MARK V/ISCHNITZER rlt am /•red •}lcclji% emfictt >n 33c* i ir?crtT br-m r nie» : beut- Md nc dnnng Stolz ihnrn tzmdanr^cn. ästvcrdb/ n bie , nir* jinit Tn-5 beton nnnot n für )nfür, .Der t'iichnbf t i, mit ■yr nntet« Oinr. idem kraft ic^t fünf ift o ft L o m <3 r£ ■ Auswcrndererbriefe haben unschätzbaren unterrichtenden Wert. Vermitteln sie doch aueigener Anschauung und Erfahrung gewonnene Kenntnisse, über Land und Leute, ^npaffungsinöglichkeiten und -schwierigkciten. .Keinerlei wissenschaftlich objektives Material vermag dein Auswanderung-duftigen den Bericht eines ichn nach dein Zielland. Borangegangen zu ersehen, da er doch vor allem bert Kontakt mit dem unmittelbaren Pioniercrlcbnis, die srischen Fußspuren sticht, denen cr mit cinigein Vertrauen folgen kann. Eine besonders wichtige Voraussetzung für die Bereitschaft, fremde Erfahrungen und Erkenntnisse auszunehmen, ist die Möglichkeit der Einfügung und der Identifizierung. Daher sind Mitteilungen von Angehörigen der gleichen Berufs- und Bildungsschicht besonders willloininen. Tic Briefe, die wir nachstehend veröffentlichen. natürlich unter Ausschaltung rein privalcr Tinge, sind an den Hilssverein der deutjc!ien Hilden oder an Familienangehörige und Ftcuude gerichtet gewesen. Die Briefschreiber bitten wiederholt um Verbreitung ihrer Mittcilungen. sei es zur Warnung, sei es zur Ermutigung von Auswandernden, und so handeln wir auch in ihrem Sinne, noenn wir sie * an die breitere Desfentlichkeit lveitergeben. Süde’S.h'BlkcB .Kapstadt, Februar 1934. . Ich muß Ihnen sagen, daß etwa 75 Prozent aller Stellungen, in denen man bisher de» grünten Teil der Leute wohl untergebracht hat, alle-:» Iusatzstelluugen sind, d. h. cs sind Stellungen, die sonst nicht ausgesüllt waren. Nun gibt es noch eine andere Möalichleit, und das ist noch die einzige Ehanec, die bleibt, und zwar aufs Land zu geben. Tiefe Landstellungen sind eigentlich am an/ichtörcichsten, denn man kommt dort noch am teeitesten, d. h. unter einer Bedingung, linb die ist, ecniz von vorn ansaugeu. Man muß also einen strich unter sein bisheriges Leben machen imt> alles ijintcr sieh lassen, was inan vorher als selbstverständlich angesehen hat. Tenn ans diesen Land- 1 stellnngen ist man gänzlich ans sich angetviesen. i Mcisteus^ sind die Farmen mit einem „Landfröre", d. h. mit einem Berkauslager, oder es gibt i; mittlere Farmen, tvo fünf bis sechs Weiße Wirt- * ' t scharten und man im Umkreis von vier bis fünf ■ Stunden außer Farbigen keine Menschenseele sieht, s Man fühlt sich dort itidjt so leicht wohl. Man i erlernt selbstverständlich dort die Laudesspraehe Afrikas und gibt lein Geld aus, weil man dazu keine Gelegenheit hat. Meistens werden diese f j Stellungen sogar sehr gut bezahlt, d. h. etwa fünf ' ' Psiind bei freier Statioir und Verpflegung. Ta-! . gegen verdient man bei Stadtsielluugen im Durchi schnitt fünf bis sieben Pfund. Bethal, März 1931. ....... Ich habe mich mtt dem siidischen Komitee in Iohannisburg in Verbindung gesetzt, tzs wurden ein Herr, früher Einkäufer im Warcutzrns. und ich auf verschiedene Farmen geschielt, nm ein Jahr das Farmen hier zu erlernen. Mail versprach uns, nach einem Jahr will das Komitee i!ii3 beiden zu einer Farm verhelfen. Wir sind beide etwa neun englische Metten voneinander ent» fernt und haben uns bis jetzt noch nicht gesehen. Wh bin zu faul, um neun Meilen zu reiten am Sonntag, denn ich sitze die ganze Woche auf einem Pierd. Hosseutlich hält das Komitee Wort, dann wird auch ’ alles wieder besser für uns beide. Arbeiten können nur und tun wir auch. Nun will ich Ihnen die Farm schildern, auf der ich mich befinde. Tie Farne ist etwa 2.500 engl. Morgen grvft. unterm Pflug sind etwa 1250 Morgen. Die übrigen 1250 finb Weideplätze für die Ochsen. Wir beben hier ehern (500 Ochsen und acht Milchkühe, die gerade soviel Milch geben, wie die Farm bc> Eri, Butter kaufen wir in der Stadt. Wir haben aus den 1250 Morgen nur Mais gepflanzt. Im Wai ifl Ernte. Hier auf dieser Farm ist kein Eartcn, kein Nichts. Hühner und Enten haben wir viele. (v* wird fein Huhn und lein Ei verlauft, llltes zmn eigenen Bedarf. , Das erste, was ich habe lernen müssem ivar Fiten. Ich sitze von morgens bis abends au' dem Eanl und paffe aus, daß' die Kaisern ihre Arbeit ans dem Feld richtig machen. Momentan fahren üur Hen ein. für die Ochsen im Winter. Es ist auch noch ein Bur hier als Inspektor, der nwhnt eine Meile von uns entfernt. Das Essen ist ka auf Er Farm. Aber das Haus und die Ungeziefer darin sind furchtbar. Meine Mitbewohner sind Panse, Natten und Millionen Flöhe. Meine lieben K st' etwas von Flöhen kann man. sich gar nicht borstellen. Ich wünschte, ich könnte so springen wie meine Flöhe. Es müssen Sandslöhe sein. In Er Scheune, wo der Mais drinnen ist, wimmelt von Natten und Flöhen. Die Kaffern, wenn fic!n der Scheune arbeiten, kratzen sich immer und lagen nur: hier ist es nicht gut. Sonst ist hier alles Zubers geworden im Lande. In Johannesburg tzohen viele Wolkenkratzer, und es werden noch b'.ole gebaut. Diejenigen, die jetzt jung rauskamen, Worden alle nochmal ihr Glück machen, obwohl sie tztzt für tvenig Geld arbeiten müssen. Solche arme Schlucker, wie ich, können froh sein, wenn wir uns ernähren. Ter alte Gott lebt noch, und so wird schon alles werden/ Johannesburg, März 193-1. . . wenn auch das hiesige Komitee nicht Msin mit einer Niesenstcllimg aufwarten kann, so uw doch die Möglichkeiten hier im Vergleich Z" Ppe Town wie 20 :1. Gewiß sind auch hier schon ^uc Unzahl von Leuten untergekommen nnd^da» 'wmutee kann auch nur ab und zu einmal eine Steh ’ln!t auf dem Lande vermitteln. »Iber Johanne-.";!ra 'st eine Stadl von fast 400000 Eiilwohnern. 1 lU,b|Ü 'vachsend. zurzeit in einem Bausieber, außerordentlich stark industrialisiert,- mit einer großen Bohl großer und ausgezeichneter' Geschäfte. Sitz aller Minenverwaltungen, Hauptsitz des gesamten Engroshandels, daß cs immer Möglichkeiten hier gibt, unterznkommen. . Daher sind auch hier bei weitem nicht soviel iinbesehäftigte Enrwanderer als in Eape Town, vielleicht 20, nnd von diese»: ist auch nur ein sehr kleiner Teil länger als zwei Monate ohne Arbeit. Es sind alle Anzeichen vorhanden, daß die Dinge stark aufwärts gehen und man erwartet für Juni—Juli einen allgemeinen Tzbooni", einen echten, keinen künstlichen. Aus eigener Anschauung kann ich Ihnen sagen, daß Leut« mit Bernseii, die irgend etwas mit der Hand zu tun haben, wie Dekorateure, Ingenieure mit praktischen Kenntuissen. Handwerker jeder Art, Friseure, Bäcker. Zuschneider für Wäsche oder Kleidung, Schneiderinnen — draesmrdcar —, Hutmacherinnen iisw. leicht Stellung finden. Bei Dekorateuren kann man sagen, daß sie sofort Unterkommen finden, da der von immigrierten Dekorateuren — windowdresser — eingesührte, bis iefft hier unbekannte moderne Stil Schule gemacht hat. Ein Freund voi» mir. Nadioingenietir, hat in einem Kino eine sehr gute Stellung als Borsührer belominen — es gibt hier »ichrere Kinos mit einem Fassungsvermögen von 2000 Personen —, ein anderer Ingenieur als' Installateur. Boi» Tirectrieen oder Zeichnerinnen wird allgemein verlangt, daß sie auch zuschneiden, sie können aber dann auch mit einem Ansangsgehalt Vvu 20 bis 25 Pfund rechnen. Eine einigermaßen gute milliner — Hutmacherin —, die hier außerordentlich gesucht finb — keine Zeitung ohne inehrere Angebote —, kann zu Anfang mit 10 bis 12 Pfund rechnen. Selbstverständlich ist: je jünger einer ist, desto leichter hat er es, besonders für Stellungen aus dem Land/ Kapstadt, April 1934. ' „Nun bin irf) seit 6 Wochen im Lande. Alle Arteii von Handwerkern, sei es in der Konfektion, Putzinacherei, Automechaniker, Friseure, Photographen u. v. a. werden täglich verlangt iind können gut bezahlte Stellungen bekommen, wenn sie auf it)rem Gebiet etwas leisten . . . Ingenieure, besonders für den Bergbau in erster Linie, dann für Elektriziiäts. und, Wasserversorgung iind für die Eisenbahnen sind stets zli sehr guten Bedingungen gesucht, wenn sie Praris auszuweisen haben. Nichts ist hier so wichtig. welcher Berns es auch sein mag, als der Nachweis einer in der Praris erworbenen Kenntnis, denn die hiesigen Arbeitskräfte sind so unzulänglich, daß europäische bevorzugt iverdcn. Deutsche werden gerne genommen, weit sie den Auf haben, besonders gewissenhaft und ausdauernd zn arbeiten. Es liegt ai» uns, diesen guten Leumund zu erhalten. Auch ich habe ihm zi» einem giiten Teil meinen sott (Arbeitsplatz) ZF verdanke,: und konnte eineni' anderen zu einer Stellung,-aus den gleichen Gründen verhelfen/ Vurkaa-X»tal. Mai 1934. . Es ist hier ein rein englischer Platz. Ein Komitee editiert nicht. Wir sind hier kaum ein halbes Dutzend Deutsche, die aber alle Stellung habe»». Trotzdem ist nicht zu raten, aufs Geratewohl jemanden nach hier zu schicken, weil es hier besonders schiver ist, unterzukomnicii und sich nicmand um einen kümmert . . . Ich begann ir» einer wchtallwareiisabrik, die ja meiner Branche Verivandt ist und bekam heute eine nengegründete Abteilung überiviesen. so daß ick) nunmehr fest im Sattel sitze. Sie werden es daher verstehen können, wenn iri) keinen sehnlicheren Wunsch habe, als meiiic Frau und Kinder nach langen Monaten hier wiederzusehen, nm mir ein neues 'Hein: aufbarien zu lönncii. Rio de Janeiro, Eiide März 1931. „Ein großer Teil der hier hergekommenen dentschen Juden hat sieh in den Wirtschaftsprozeß soweit eingeglicdert. Bor allen Dingen finb Fach- Arbeiter uutergelommen und in der Lage, bei beseheidenen Ansprüchen vorerst ihren Lebensunterhalt hier verdiencii zu können. Die kaufniäunisehen Hilfskräfte sind schwieriger unterzubringen, einesteils ivohl, weil die Erlernimg der portn- ' niefifdicu Sprache eine gewisse Zeit und Ansdaner voraussetzt, audernteils, weil in früher Jugendzeit allzu wenig Gewicht ans das Beherrscheu anderer Sprachen gelegt ivnrde. Immer wieder rverden Klagen laiit, die auf eine bessere - Erfassung und Negelung des Stellennachiveises auch in anderen Bezirken als in etiva der Hauptstadt Nio oder St. Paulo bedacht sein wollen. Persviilich geht meine Ansicht dahin, daß in Städten wie Bahia, Pernambuco. Porto Allcgre „sw das heißt den au der Ostküste gelcgeiien Hau'pthaudets- »md Waremiinschlagsplätzen, noch viel mehr Kräste unterzubringen seien/ Nio de Janeiro, Aiitte Januar 1934 Hier angekomiiieu, habe ich die Orgauisation'ausgesucht, um mich vorzilsteUen. aber. >vie Lr Lester mir sagte, ist es für Kaufleute, bic Dlinc Mittel hierherkommen, sehr schwer. Hand- ' werter sind nach wie vor besser unterzubringen. ' Maler die sich ans die neue Spritzmalerer verstehe»' Elektromonteure und Nadlofachleute, die ■VoU-ate reparieren können. Autoschlosser usw. find immer gesucht und finden leichtPlrbeit. Kaiis- Tente müssen ein Jahr mindestens damrt zubrinaen die Sprache des Landes zrr lernen, um nack b r einen Pollen antreten zu können. Das Loben ist soweit billig: mit 80 bis 100 Mark kann man den Akonat leben. Llsurrcion (Paraguast), Mar 1934. Das Klima ist erträglich. Meine Frau;rf ~V rwirc alt und ich 65 Jahre, und wir sind £ P« alt dittbon Mein- Frcnw°° Kni Wert mit SHtjrum«tttimiä. (.n«n 6«3- Swiifd (er bchastcl. und ich mußte nachts vict Iiulten hier ist alles weg. B,S ,cht hatten n-ir »ch keine ärztliche Hi»° notig, vier sind zwei -'lerzte „nd ei» Zahnarzt Der yne Arzt hat auch l/Lazarett, iind eine Apo heke dadci. natürlich nicht l° Ü»°tz wie diese dnibcii I»'d. Der -ine Arzt, welcher noch nicht lange da ist, ist .Jude,, ein junger Mann.von-28 bis 30 Jahren.. .Gepflanzt wird hier viel Notwein, auch Weißwein, ipiaiS, viel Bohnen und Banaiien. An Baumfrüchten gibt^ cs hier viel Orangen, Ntan-darinen, viel Bananen, Pfirsiche, Zitronen, Feigen, Pflaumen und Grapefruit usw. Auch ist Biest- und Pferdezucht stier. Es ist ziemliches Weideland da. Eine Fruel)tsäftefabrik, Papierfabrik, Zigarren- und . Zigaretten- - sabrik iväre auch gut. Ersteres ist hier teuer, weil im ganzen Lande keine besteht, uub Holz hat man hiec in Hülle und iFülle, das fast nichts kostet. Das Leben ist hier sehr billig." Buenos 2ttreS, Mitte Mai 1934. „Zunächst danke ich Ihne»» nochmals für die Iliitcrstützung, die Sie mir mib meiner Frau gewäl)rt haben, sehr Herzlid). — Ich bin trotz großer Beziehungen noc!) nicht untergekommen. Aber die Leute hier, auch der sehr rührige Hilfs- Verein geben sich alle erdenkliche Mühe, midj in irgend ein.kaiismännlschcs Unternehmen, wenigstens bei klciiicm Gehalt, stereinzubringen. Mein« Frau hat seit ein paar Tagen eine provisorische Besehäftignng in 'einem Büro. — Für gut ausgebildete Ingenieure sollen draußen in» Lande iivch Aussichten sein. —. Englische, französische, spanische Kenntnisse sind äilßerst wichtig; die Gehälter der Angestellten siitd germg, -denn es sterrselit midi hicr-cineziemliche Arbeitslosigkeit. — Ter Lebensstandard wird uiigesähr der gleiche mic in Deutschland sein. Das Leber» als solcltes — bis nuf-Wohnen — ist sehr billig, aber das gleicht sich eben wieder gegenüber Berlin durch Wohnen und Kleidung aus. denn ans Kleiduirg tvird liier »reit mehr Wert gelegt als drüben. -— Neberstanpt ist das Lebe!» hier in vielen» anders als drüben, mid das Eingeioöhnen isi uicl>t fn ein fach. Aber, wir sind gern hier, bereuen die Neist' nicht und hoffen bestimmt, dank der guten Bezielumgen hier (ohne die nichts z»r machen ist) unser Auslommeu. zu finden." E- U y y vy Uü y \dd]j \j Ü- 1>1>U ü-ü- SS O US;V b-vi-üms iR ms tswmm Wir haben in diesen Blättern öfter darauf stingewreseii, daß unter dem Einfluß der nationalen Nevolution der Begriff der Witzensehaft ebenfalls eine grundlegende Wandlung erfahren hat. Dom Begriff der „Poraiisseiuiugslose»»" Wisienschast, wie er den» liberalen Zeitalter in der Vergangenheit geläufig war. stellte Professor Alfred Baeumler, der Staaisphilosoph des Naiivnalsvzialismns, den Begriff einer „politischeii" Wissenschaft entgegen, einer Wissenschaft, die. im Bollsorganisnuis fcstverwurzelt. sich ' mit dem Willen i»nd der Tendenz des Staates in lieber» einstinimung befindet. Man löimtc es auch so aiisdrücken: die T»ina,nil des nationalsozialistischen Staates zwingt die Wissei»s»hast, ans der Statik einer „imiktiven" Betrachtung heranszntreleii nnd den Standort des llnbeteiligtseins am Politischen endgültig zu verlassen. Inzwische»» bemüht man sich von verschiedenen Seiten her nm eine Klarstellung des Begriffs der neuen, auf Blut und Scttolle abgesteUteii Wissenschaft. In jeiie Olichtlmg zielt ein 5'liifsatz: „Volksgebiindene Witzelischaft /, bei» Lndivig L andgrebe in der Zeitschrift „Deutsches Volkütnm" (16. Jahrgang, 9. Heft) veröfse>»tlieht hat. Es war, sagt La»»dgrebe, dentlieh geworde»», daß die soge»»am»re Voranssetzm»gslosigke»t des pvsttivististhe!» Zeitalters nur eine Voraussctz»»ngsblindhcit wart seine verstedte Vvra»»4setznug war der Gedanke des Fortschrittes der Mei»schheit, den» alle Witzenschaft zu dienen habe. Dieser Auffassung der Wissensel)aft, die mehr ihre technisch.praktische Seite in dc»r Vvrdergr»u»d stellte, ihre Tier»liehke»t zum Fortschritt, stand diejenige gege»»über, die in Ii»m»anistischem Geiste ihre»» Wert im rein theoretische»» T»»»» »u»d feiner bildende!» Wirkung sah, d»»rch die das universal gebildete Iudividmmr sich z»»r Persö»»lichkeit entfalte»», sich zu,»» l>Nilrokosn»os, zur Spiegelu»»g des 1Iniversuu»s nr»d des allgemeii» IÜJcj»fcblidjcit ansbilden sollte. Beide Ausfassnugen ivaren damit und je in versch»ede»»cr Weise — bezogen auf 'die Idee der 3N o n s eh heit. Die dcirtsche Nevolution — fährt Landgrebe fort- — hat der Selbstbesinnung der Wissensehait eine ue»»e Aufgabe gestellt. Wie sie alle Lebe»»sbereiche erfaßt und sede Autonomie irgendei»»es K»iltirrgebjetes ablehnt, so will sie auch der Wissensdmst denjenigen Bez»ig?bm»kt gebe»», der ihren neuen Ausbau, ihre echte Gtieder»mg »rud den neun» Geist bringt, ans dem heraus ihre Krise und das Ehaos überrmmdeu »verdei» soll, in dem sie firi) sowohl in ihrer Forschung als in il)rn»r Lehrbetrieb befindet. War es nach hu>»»anisti»'cher Auffassung die freie Persönlichkeit, die das S»ibjekt der Wisscirschast ausmachte, und war ihr Bcz»igspm»kt die Ateusehheii. so soll es nun das Bolk feil». Der Arlstrag, den die Wissensd)ast hat. soll ihr vom Volke kommen. Sie soll mit ihrer F»»nktion in das Volk cingeordnct iverden und ihr»» dienen. DieS soll der höchste Eesid)tspm»kt ihres Wirkens sei»». Zu derselben Ansicht gelangt der Neid)Sprctzechef der NSDAP, Dr. Otto D i e t r i ä). in einem Aufsatz „Die Wissenschaft im Nationalsoziatismris" („Ständisches Leben", 4. Iahrgairg, 4. Heit). Wissenschaft, erklärt Dr. Dietrich, ist >»id)t Selbstzweck, and) sie ist Dienst an der Nation und muß >4—- wenn sie ihre Aufgabe erfüllen ivill — mit beiden Füßen in» Wlirzelbodei» ihres Volkes stehe»». Der weltanschauliche Wurzellwdcn des beutfdien Volkes aber ist hcrite der Nationalsvzialismns. lind darum erwartet der natioiralsozialistisehe Staat von der deutschen Wissenschaft und Geistes. Welt »»ich» nur ein L»ppe»»bekeiu»ti»is, sorrdern arich ein Herzeirs- -und Lehrbekenntnis zu ihm, auf daß sie Pfl»»gschar sei zu geistiger Ackerarbeit. Wer diese Arifgabe zu erfüllen ivillenS ist ltnb sich zu ihr berufeu fühlt, der ist willkommei» int neuen Deutschland. Wer das nicht vermag, für den sind — wie Dr. Dietrich absistließend bemerkt — die Katheder des iiationalsvzialistisehen Deiltschland itid)t bestimmt. Mit der aktlrellen Frage nach dein Wert der wissensehaftlichen 'Arbeit für die Volksgerneinschaft befaßt sich ein tiefeindringender Beitrag '„Vom i Nutzen der Wissensd)ast" in der „Frankfurter Zeitung" (Nr. 252). In dieser soziologischen Be- „ trachtung über die gegenwärtige Krise der Wissen- - schüft wird nachdrücklich darauf Hingewiesen. daß die innere Erschüttcr»u»g des ganze»» bisherigen . wissenschaftlichen Shsiems die Fragestellung notivendia machte, ob es die Hauptaufgabe der Wissen-' schüft sei, exalte Forschung zu betreiben, wenn auch in Aufteilung in Spezialfächer, oder aber ob sie sich vor allem der charakterlickien Erziehung der studentischen Jugend zuzMvendcn und nur diejenige wissenschaftliche Arbeit z»» Pflegen habe, die der Jugend und der Idee in erster Linie diene? Unter Abkehl»ung des Gedankens ei»»er Planung der wissenschaftlichen Arbeit — wie ihn Professor - Kirfchmer. Rektor der technischen Hochsch»>le in Dresden, vor der Kaiser-Wilhelm-Eesellsehaft in Berlin entwickelt hat — kommt der Niitarbeiter der. „Frankfurter Zeitung" zw nachstehendem Fazit seiner Ansd)a»ningei»: „Die Leistnng ist das allein entscheidende Kriterium auch i»» der wissen? '' .schriftlichen Arbeit. Damit wenden, sidj die staatsichen Stellen gegen die 'Alleinbeivertiiug charcillersicher und weltansehaulieher Eigumig in der Wissensdtast. Es bleibt die- N'otwendigkeik, die Kriterien zur Beivertnng dec Le»stn»»g' sestznstellen. Tie ibrclülie Neuorientierung -ist der Boden, ans dir alle Ge»väct,se des wissenschaftlichen Lebens neu erblühen könnten und aus dem die Universität wieder eine Universitas des Lebens werden mag. Innerhalb dieser Universitas »vird die Autonomie des geistigen Lebens und das unbehinderte Werijt witzenseEsttlieher Kritik erhalten irerden müsien Ul»d die Beivertnng weder nach der greifbare!» Niitzlichkeit »»och nach ct)avnftovtichcn Bconientei» nüein vollzöge»» werden dürfe»,. Die Nelativität des Nntze»»s wird in der Beivertung der Leistung immer berücksichtigt werden müsse!». Die große Leistu»»g selbst »oird stets die A»»io»»»n.»»ie »nid Freiheit des geistigen Lchnssens zur Boranssetznug haben/ Rese m der C&nU Da die Büttel der erste,» von der Sclii»'eizer Indenheit z»>gi,!»ste»i deutscher Inden eingeleiteien Sammlung, die i»» erster Beihe für die Unterstützung ans Deutschland ansgeivanderler Inden bestimmt war. wie »vir kürzlich berichteten, erschöpft sind, fordert der Schtveizer Israelitische Geincnndc'bimd zu einer neuen Sammlung ans. deren Erträgnis zum Teil im La»,de selbst, zum Teil in» Einvernehmen mit dem Zentralanssclmß der de»itschen I»iden für Hilfe und Ausbau verwendet iverden soll. ÄWtel DW iSS, StelÄ C'/oOSÜ/i An» 19. Inn, starb ganz plötzlich in» 77. Lebensjahr« Ko>i»inerzienrat Mar PinliiS in Illen stad: (Oberschlesien). Mar Pinkus zählte durch sein Wirken im Wirtsehasts- und .chilturleban zu den markantesten Persönlichfeiten Schlesiens. In Neustadt am 3. Dezember 18.57 geboren, besuchte er in jungen Jahren die Webseh»,le in Lvon, bereiste dann Enaland nnd Nordamerika, um. das dortige Wirticha'Gleben kennenzuleriwn, nnd trat darauf als Lehrling in die oätc»iid)c Fi»nna, die damais schon bedeiüende Leinen- und Damastweberei S. Fränlel in Neustadt. ein. Wie seine Vorgänger in der Leitung) der Firma stelllo Allar Pinlus vielen Gremien seine Nllitarbeit zur Verfügung, unter anderem war er seit lllnn Nllitglied nnd seit 1923 ste!Ivertretei»der Vorsitzender der Haiidelstannner Oppeln, Mitglied des Deutsch:»» Industrie- und Hmdelstages und E!)reim»itglied des Verbandes sd)lesischer Ter!il»nd»,strietter. 1911 irmrde er Kvn»n»erzienrat. In den kommunaleu Körperselicistel» [einer beinint ivar er führend tätzg und Protektor oder Ehrenmitglied vieler anderer Korporationen. Allit reger Anteilnahme verfolgte er das jüdische Leben, seiner Vaterstadt, war seit 1920 Vorsitzender der Lpnagogeugemeinde und war auch Ncitbegründer nnd Vorstandsmitglied des Iiidischn Musemnsvereins in Breslau. Der Stadt schenkte er ein großes Krankenhaus, das er »aus eigene Kosten hatte erbauen lassen, und folgte darin der Vorbild. l»d)e,i sozialen (vennmmg. die sich in seiner Famitie durch viele Ltistuugen ausgedrüikt hatte. Durch den Mann seiner einzigen Schwester, bei» berühmten Forscher und Nobelpreisträger Paul Ehrlich, hatte er Fühlung mit der geistigen 'Welt, für die er sell>er mit der Lchafsung seiner Sehkesierbücherci ein einzigartiges Werk vollbracht hat. Enge Frenndsd)ast verband ihn mit Hermarm Stohr und Gerhart -Hauptmaun. Die „Eentral-Verein-Zeitung" hat in einem aussührlichen Aussatz (Nr. 10 vom 8. März 19-34) die Persönlichkeit und da? kulturelle Lebeuswerk des Verstorbenen, der lange Jahre Mitglied des Eentral-Vereins war nnd die Shntheie von Dentschtnm nnd Indentmu in seiner Pierson vereinigte, gewürdigt. Ää»x Pinkus' Beerdigung fand in aller Stille ..ffnft. Bezirksrabbiuer Tr. Feinberg (Groß- Strehlitz) »vürdigte die Mrshnlichkeit des Bewstorlvneii, und and) Gerhart Hauptmann sprach am . Grabe seines Freundes. Kurt 8c'.nvenn (Breslau). Uufcre »Borrmec Lehr, finden in der heutigen Äu-.- gübe cutc Neilaae des Vortrupp. Verlaus. Beilin 85V 29. Hasenheide 54. ^Ct Hauptschrlfttoitei ür. Alfred B 1 r ■ o b b r 8 Stellvertreter ür. U a r g a r e t e E d e 1 b e 1 m. Beide io ßertla. Fflr Rücksendung anverlangter Manuskripte Ist Freiumschlag betzufUgen. Leiter der Anzeigen-Abtcilung und verantwortlich för den Inhalt der Anzeigen; Friedrich Nathan, Berlin. DA. I. Vj. 55 000. Verlag; Centralverein deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens e. V., Berlin V/ 15. Emscr Str. -<2. Tel.-Adr.: „Centralglauben Berlin." Fcrnspr. J 2Oliva 8141—15. Postscheck: Berlin 804 72. Druck der Buch- und TicMnick-Oeselt-schaft m. b. H., Berito SW. 10. j

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.