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Central-Verein-Zeitung · 1934-06-21 · 25 (21.6.1934) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
25 (21.6.1934)
Date
1934-06-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I r! i' i üßEüß §/©3<B!jß3(B[Js4 Dm Ir. M» SM -MH ' Der Heidelberger Privatdozsnt Andreas Duhm versucht in einer Derösfentlichirng in Broschürenform „Ter Kampf um die deutsche Kirche" (Eine Kirchengeschichtc des Jahres 1933/34. Leopold Klotz Verlag. Gotha, bisher liegen sechs Hefte vor) eine Art Kirchengeschichte des Jahres 1933/34 zu geben. Er ist sich dabei der Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens wohl bewußt. Euunal schränkt er das vorgelegte Urteil durch den Himveis ein. das; er nur von den ihn, erreichbaren Berichten ansgehen könne. Andererseits übersieht er nicht, daß alle von ihm angeschnittenen Probleme, wie die Frage des Bischofsamtes, die Gestaltung der Reichskirche, die Eingliederung des evangelischen Jugendwerks „sw. noch so stark im Fluß sind, daß sich ein abgerimdctes Bild in diesein Zeitpunkt schlecht geben laßt. Duhm sucht sich dadurch zu Helsen, daß er zu. nächst einen reinen Tatsachenbericht gibt, sodann die ausschlaggebenden Urkunden, Erlasse usw. im Wortlaut folgen läßt, um schließlich, in, „möglichst wissenschaftlicher Sachlichkeit" zu dem vorgelegten Material Stellung zu nehmen. Nach seiner Auf. sassung geht der Streit um die Losung: Bekenntnislirche oder Bolkskirche, alte oder junge Kirche. Ten Gläubigen gegenüber, die meinen, sich nur auf die Bibel und Luthers Schriften berufen zu dürfen, gibt er zu bedenken, „daß Gott gerade aus der gegenwärtigen Wirklichkeit heran? dem Menschen mit neuem Gebot nahctreten, sein Witte also mit den Slaatserfordernissen zusammeufallen kann." So gescheu, handele es sich bei den derzeitigen kirchlichen Maßnahmen keineswegs um rein äußerliche Gleichschaltuug mit den Erfordernissen des politischen Leben?, sondern in der Nenmerdnng des Volkes sei für tiefer Lauschende gleichzeitig Gottes Stinuuc vernehmbar. Tie Kirchen sind vor die Entscheidung gestellt, ob sie dem Nenandrängenden. das sic selbst nicht wachrnser; konnten, Raum in ihrem Bereich geben wollen oder nicht. Uns interessiert hier vor allem Tnhms Stellungnahme zur I n d e n s r a g e. Trotz mancher nngerecht'ertigtcr Verallgemeinerungen läßt seine Tarstellung ein gewisses Verständnis für die jüdische Situation nicht vermissen. Er ist ein viel zu guter Kenner des Gcschichtsverlanfs, als daß er nicht überraschende Parallelen zwischen jüdischem und benschen; Schicksal sehen würde. Ihm imponiert die würdige, ans unbewußten religiösen Tiefen gespeiste, ansrechte. Haltung, mit der die geistigen Wortführer des deutschen Jndcntnrns ans das' Geschehen der Zeit zu antworten wisse». Er weiß die Leistung des „Kulturbundes deutscher Inden" als Symptom eines ungebrochenen Lebenswillens richtig einzuschätzen. In dein inuner weiter um sich greifenden jüdischen Schnlwerl sieht er die beachtlichen Ansätze zu einer eigenständigen Erziehung, die durch Zentrierung ans bewußt jüdische Gehalte die belle Gewähr für eine fruchtbare Auseinandersetzung mit der Umwelt bietet. Duhm kennt uatürlieh die Tragweite des Ausglicderuugsprozcsfes, wie er heute am deutschen Judentum vollzogen wird. Er glaubt aber die Gedanken christlicher Liebessürsorge. die nach seiner Ansicht leicht in deutsche Sentimentalität Umschlagen können, um der Regeneration der deutschen Nation willen, zuri'ickßellei; zu müssen. Zn solcher Zurückhaltung kann lich die Kirche uin so eher bekennen, als diese Zeit dazu angetan sei, auch dem Judentum einen Gewinn an ehrlicher Bnßgesinnung und innerlicher Wiederbesimmng auf die oft vergessenen Werte der eigenen Art und Gesinnung einzubringen. —- Bei Besprechung der Lage der katholischen Kirche im neuen Deutschland sagt D u h m: „Tie Verlegenheit gegenüber dem Katholizismus wäre behoben in dem 'Augenblick, wo sich von der Weltlirche eine Nationalkirchc lösen ließe, die von ihr getrennt behandelt werden könnte." Für die Verwirklichung dieses Gedankens wirbt die in der Hanseatischen Bcrlangsanstalt. Hamburg,, erschienene '2d)ri|t von Konrad Hentrich: „Nationalkaiholizismus." Ter Verfasser gesteht, das; für seine Einstellung zur katholischen Kirche die Erbchrnngen ausschlaggebend waren;, die er mit dem sranzösischcn Katholizismus machte. Auf Grund eines sorgfältig autzgewähltcir Materials versucht er zu beweisei;, daß in Frankreich das Nationale immer den Borrang vor dein Konfessionellen gehabt habe. Tas Wort des Pariser Erzbischofs: „Ich bin ol- Franzose geboren und dann erst katholisch getnuft," sei kennzeichnend für die religiöse Ein- Kellnng des ganzen Landes. Tie Konflikte, die sich leicht aus dem internationalen Eharaktcr des Katholizismus ergeben könnten, seien dort glücklich vermieden worden. Für den französischen Klerus sei dienst an der Nation stets Dienst an Gott, und Ticnst an Gott stets an der Nation gewesen.- Barum sei es in Frankreich eine Selbstverständlichlkit. daß in den Kirchen die Fahne der Nation gezeigt wird, wie es für die Einheit von Staat und Religion spreche, daß der Vatikan dem Drängen ber sranzösischcn Gläubigen habe nachgeben und die sil? Ketzerin gestorbene Johanna d'Arc zur Nationalheiligen habe erklären müssen. Alle diese Beispiele werden angeführt, um dem deutschen Katholiken den Weg ins neue Reich zu Zeigen. Was Nom für Frankreich richtig Jude, könne cs nicht an Deutschland tadeln. Es i|t die Hebcrzeugung des Verfassers, daß die national gegebene Veranlagung des Menschen in Zukunft auch ^ber seine Religion entscheiden wird. Daraus ergibt sich ihm die Forderung, daß die verschiedenen Religionsgemeinschaften ein und desselben blutsmäßig gebundenen Volkes sich näherstchen müssen, die Angehörigen desselben Religionsbekenntnisses in den verschiedenen Völkern. Wenn der zu solcher Verständigung bisher in Deutschland durch den Streit um Martin Luther verbaut war, so müsie heute auch da8 Verständnis das Katholiken silr diesen Bahnbrecher deutschen Wesens lebendig sein. So wird zum Schluß das Zukunftsbild der deutschen Einheit im Religiösen .misgomalt, in dem die bisher getrennten Konfessionen um des Nationalen willen zusammen gehen worden. Wir können nicht beurteilen, inwieweit sich dieser Ausblick, der sich übrigens auch bei dem Protestanten Tnhm in ähnlicher Fvrin findet, verwirklichen läßt. Wir stellen mir im Dvrübergehen fest, daß Konrad Hentrich bei seinem Entwurf der zukünftigen religiösen Gestaltung in Deutschland der Inden und des Judentums mit keinem Wort gedacht hat. V- Die Versuche, aus der Weite des Christentums eine deutsche Religion heranszukristallisieren, sind älter als das Jahr 193,';. Diesem Ziel hat vor allein Artur Bonn tz zugestrebt, dessen Buch: „Germanisierung dos Christentums" bereits 1806 erschienen ist. Seitdem sind immer wieder neue Ansätze in dieser Richtung gemacht worden, die natürlich im Verfolg der Wandlung des deutschen Schicksals im vergangenen Jahr neuen Auftrieb bekommen haben. Aus der Fülle der Neuerscheinungen ans diesem Gebiet sei hier eine mehr zufällige Audwahl geboten: In der von Professor Dr. Hanns von Lengerken (im Brehm-Aerlag, Berlin) erscheinenden Schriftenreihe „Bull und Wissen" bringt Dr. M n r - tin Herpel eine gemeinverständliche Abhandlung: „G c r m a n i s ch e Religio u." Es iverden Darstellungen und Abbildungen ber „Heiligen Stätten" und der „Heiligen Zeichen", — insbesonderc ans den Knltdenkmälern des Teutoburger Waldes -- geboten, um so ein inöglichsl nnschanliches Bild der germanischen Gottesvorstellung zu vermitteln. Mit Entschiedenheit wird gegen das „Greuelmärcheu der Geschichte" Stellung genommen, als seien die Germanen keine Kulturmenschen, sonden; Barbaren gewesen. „Die jüdische Seelennrt. die den Menschen klein und.gering inacht und nichts Großes anerkennt, Hatto unser deutsches Wesen vorbildet." Nun sei aber der böse Traum au-sgetränmt und vorurteilsfreie Geschichtsforschung stelle wieder die Reinheit des germanischen Glaubensiebei;? her. Das Ergebnis dieser Wiederbesinnung. in deren Dienst , sich das Büchlein stellen lvill, zeige, daß in frühester Zeit bereits „Heiliger Geist" in Germanien am Werk war. Konkrete Vorschläge zur stärkeren Durchsetzung des Christentums mit germanischem Religvnsgut inacht H ermann Gebhardt in seinem (bei Ferdinand Hirt, Breslau) erschienenen Werk: „Tas Buch von der d e u t s ch - v ü l k i s ch - ch r i st - lichen Religion." Nach einen; großzügigen Ucbcrblick über die Knlturreligionei; der Walt ivird der Versuch einer Systoumtisiernng des menfcfjfidjcn Glaubensgutes unternommen. Es werden zivoi Artei; vor; religiösem Verhalten unterschiede!;: die anehr metaphysisch orientierten Abhängigkcittzreligioneu und die ethisch betonten Bollkvn;n;ei;heitsreligioneir. Zur ersten Kategorie ivird merkwürdigeriveise die jüdische gerechnet, zur letzte;;, die als aktiv ui;d heroisch gekeunzeichnet wird, die reine Religion Jesu. Was innerhalb des überlieferten Christentmntz dieser Auffassung zu widersprechen scheint, ivird als entbehrlicher Zusatz der jüdischen Rcligionsrnterpretalion des Apostels Paulus gekeunzeichnet. Gleichzeitig wird der Nachweis geführt, daß die Grundlagen der gernmnischen Relrgivn eure rassisch bedingte Aehnlichkert mit den Prinzipien der Die Vortragsreihe des ReichsausschusseZ jüdischer Jugendverbände sollte der älteren Generation im Rahmen der Freien Jüdischen Volkshochschule einen Eindruck von Zweck und Ziel der Jugendarbeit vernritteln. Diese Absicht der Veranstalter ist sehlgeschlagen. Denn auch der dritte und letzte Abend der Vortragsreihe zeigte das gleiche Bild wie die vorangehenden: junge Nienschen füllten den Saal, mir wenige ältere waren zivischen ihnen. Das Flnidmn dieser Zuhörerschaft sprang auf die Redner über. Aus einer repräsentativen Selbstdarstellung wurde kämpferische Diskussion. Mitten hinein in die alle bewegende Wirklichkeit griffen die Ausführungen von Georg Pape. Mitglied der Bundcslcitung des Habonim. über 'Jüdische Jugend und Beruf". Die Geschichte der Judenhcit ist anfznlöstn in eine Folge von Generationen junger Menschen, die den veränderten Bedingnngen der Umwelt durch ihre Berufsivahl zu entsprechen suchen. Tahei.vollzieht. sich alle Geschichte am persönlichen ^chrckial zahlloser Einzelinenschen und ihre Berufswahl ist vom gesamten Prozeß der Ge-neinschaftsgeschichte nicht zu treu- ' neu Die ausgezeichneten Ergebnisse über die so- Kale'Laae ihrer Exmwinschaft inuß die jüdische Tugend von heute bei ihrer Berufswahl in Rech- 2 [teilen. Sie ist. als Jugend, noch berufslos und daher, auch psychologisch leicht in andere so- 5iale Sphären umschichtbar. Ihre Ungebundenhett Glaubt ihr ein Handeln auf weite Sicht und jte muß sich bewußt sein, daß von ihrer Entscheidung in beruflichen Dingen das ZukunftLschicksal des Judentums letztlich abhüugt. Der Sozialarbeit der jüdischen Jugend war Referat von Dr. Bruno Sommerfeld, dem Geschäftsführer des Reichsausschusses gew;d- ,net Das Schwergewicht der sozialen Jugendärbeit ttege heute nicht mehr im Rcichsansschuß. Wildern in den Bünden selbst. I,; den palästinoirischen Gruppen ist sie nicht Selbstzweck, son- ' kern sv iäle u;;d Pädagogllche Vorbereitung auf die 6-miaration nach dem Heiligen Lande. Die sozialen ^raanisationcn ' ber deutsch-jüdischen Jugend da- X ' oand und Handwerk" und das ^ozmlaint de? Bundes, treiben positive Arrfbauarbeit für eine reinen Jesns-Religion haben, deren Stifter seiner Herkunft Mid Geistigkeit nach als dem Judentum nicht zugehörig gezeichnet wird. AIS Ergebnis dieser beiden verwandten Neligionsströme wird die Gründung der dciitsch-völkisch-christlichen Religion angesehen, die unter Ausschaltung aller jüdisch-bedingten Vorstellungen von Gott und dem Menschen/ die Heilighaltnng der dentschen Rasse, die Borwerfnng aller Mindcrwertigkcitsgesühle, die aus einen; übertriebenen Sündenbewußtsein leich entstehen können, und die Erziehung zu einem tapferen und heroischen Leben anempfichlt. Der jüdische Leser des Buches sieht sich überraschendcrweise vor eine neue Sitnalion gestellt, Tie christliche Kritik hatte sich in den letzten Jahren vor allen; gegen den erd,zu gewandten. aktivistischei; Charakler der jüdischen Religion gerichtet. Nun wird die gerade entgegengesetzte Haltung an ihr getadelt. Ein Beweis mehr dafür, wie schiver es ist, den Wesensgehalt des Judentums eindeutig von außen her zu bestimmen. Eine neue Verlnüpfiing des Christentum? mit de;; Rcalitätei; des Zeitgeschehens sucht der Professor der Philosophie i. R. Dr. Hermann Schwarz in seinem (bei Junker & Düimhanpt, Berlin 1934) erschienenen Büchlein: „ Christen - tun;, N a t i o n a l s v z i a l i S m n s n i; d Deutsche Glaube;; tz b e iv e g n i; g " , durch Widererwecknng der denlschen Mystik in Verbindung mit der Geistesbaltung des deutschen Ideal!?-, ums zu erreiche!;. Getadelt wird an der überlieferte» Religion der Glaube an einen Persönlichen Gott Tas wird als jüdische Irrlehre, heransgeivachsen ans dem Anspruch der Inden, das anserivählte, unter der besonderen Führung Gottes stehende Volk zu sein, gebrandinarlt. Die Großtat Jesu wird in der Erkenntnis der Gnade Gottes ai; Stelle des „entsetzlichen Jhozvrnes" gesehen. Ans der Spannung von göttlichem Zorn und göttlicher Gnade wird die christliche Lehre voi; der Sündenvergelnuig hergeleitet, die das Dasein eines persönlichen Gottes erforderlich mache. Als beengend wird am Neiieir Testament anßerden; die Tatsache empfunden, daß sich die Liebe dort offenbar nur ans den Mitmenschen erstrecke, während das Berhältnis zu den große,; Problemen des Staates, de? Volkstums, der Kultur kaum Gegenstand besonderer Erörterungen ist. Mit Recht ivird eine rein innerweltliche Betrachtungsrveise dieser Gebiete abgelehnt. Der Anschluß an de;; breiten Strom christlichen Glaubenslebens nllrd über die überpersönliehe Gotteslehre Bieister Elkehardt's. deren Nachwirkung auch in; Geistesleben der klassischen dentscheu Philosophen anfgespnrt wird, gefunden. An Stelle der Lehre vom „lieben Gott", die einer logischei;, ethische;; und rassischen Kritik nicht sta;;dhalten könne, tritt nun der Gott, der im „Fünklein" der Seele inuner neu geboren wird, und die überperswllichen Gehalte von Staat. Recht. Gesetz, Vaterland nntnmschließt. Zusanunengehalten aber iverden die einzelnen GecsteSgebiote durch daS B l u t c r l e b n i S . das aus dem Volke gleicher Art einen „beseelten Bund", eine „göttliche Ganzheit" macht. So ivird im Nationalsozialsmns das Nachlebei; der deiltschen Ntyitik eines Ekkehnrdt entdeckt. „Nini schasst sich, immer neu sich erzeugend, in jeder deiltschen Seele das Lebe>; unserer Ganzheit. Volkheit wird als ein dhuanüscher Gottetzstram in jedem von uns existent. Seine silbstanzhafte Einheit wird altdnrchivebende Ptitte und ergreift das gmize Geistesleben deS Volkes." Die Urteile dieses Büchleins über das Judelitii»; sind >;atürlich nicht die nnserir. Ta aber, ivte Schwarz selbst sagt, mit der Jnfragestclliing des alttestanientlichc'!; Gottes das Neiie Testaineiit mit getroffen ist, so dürfen wir die Anseinanderseh,ii;g mit den vorgctragenc;; Ideen der christlichei; Theologie überlassen. Znkirnft in Teutscliland. Ihr Ansgabenfeld ist die Soziatpädngogik, die Berustzmuschiehtling. die Lehrstellenbeschassnng. die Bereitstellung von Heimen und Wanderherbergci; für die Jugend. Sonunerseid rügte scharf die Verständnislosigleit und das fehlende Svlidaritatsgesühl mancher jüdischer Arbeitgeber, die sich iücht entschließen können. Lehrlingsplätze in ihren Betrieben an jüdische Nienschen zu vergeben. Auch an üsscntlichen Stellen des Jndcntuins fehlt es bcdancrlicherivcise n;itnilter noch an Vcrstäi;dnis für die Not der Jugend. Die deutsch-jüdische Sozialarbeit kam; nur von Nterischen getragen werden, deren Sozialgesinnnng die Zulnnst des dentschen Judentums auch ethisch bejaht. Als letzter Redner sprach Fritz Schwarzschild, Vorsitzender des Ausschusses für Berufs- Umschichtung im Rcichsansschuß. über ..Jüdische Jugend und jüdische Oeffcntlichkeit". Erst jetzt, seit 1933, ist eine jüdische Oefsentlichkeit in Bildui;g bcgrissen, in der weltanschauliche Kämpfe mit den; Anspruch auf totale Lebensgestaltung zun; Austrag kommen. Hier muß der Wille der Jugend, die sich eins >veis; in der Ablelunmg der jüdischbürgerlichen Welt, eine. cillscheidendo Stimme erhalten. Der Vorstoß, wie er mit dieser Vortrags- ' reihe begann, darf nicht einmalig bleiben. Nicht mit adnunistrativcr Arbeit alle;;; darf sich der Reichsa ns schuß befassen. Ji; einer Zeitschrift muß er das Gemeinsame im rveltanschanlicheu Kampf der jüdischen Jugend schildern und die Jugend zu gemeinsamer; Altioiwu; ans geistigen; und jüdischpolitischem Gebiet führen. Eii; großer jüdischer Jngendtag wird das Forum fern, auf dem die jüdische Jugend^ ihre Forderungen der jüdischen Oefsentlichkeit präsentiert, denn sie ist die Generation nicht der Liquidation, sondern der Renais- . sance eines sinnvoll gestalteten jüdischen Lebens. Ki. Nachdem diese Vortragsreihe einen starken Widerhall ii; der jüdischen Jugend fand, wird der jüdischen Jugend in geiiccinsaliien Äortragsveranstaltungen Gelegenheit gegeben, sich über die Arbeit wichtiger Jnstnutioirci; oder Persviclichleiten zu insornucrcn. Die erste derartige Berairstaltung wird am . Donnerstag, 28. d. Ab, abends 20 Uhr. im LogenhauS, Kleiststraße, staltfindcn. Prof. Martin Ander spricht über die jüdische Situation nnd^die Erwallycnenbildung: anschließend Dr. Ernst Simon. Eiiltritt frei für alle 'Angehörigen der in; ReichSany- Idjuf; znsarnmengeschlvssenei, Jugendbünde. WZ HM MMWÄA m KM.WKW.EM Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft z,;r Förderung der Wisieufchaflen legt soelvu aus der Feder ihres Präsidenten. (Heheimrat Planck, den Tätigkeitsbericht für da? verflossene Jahr (April 1933 bis 1934) vor. Der Inhalt dieses Berichts ist auch für ünS Juden von beträchtlichem Interesse. Zunächst gedenkt Geheimrat P l a n ck der besonders schweren Verluste, die „die Gesellschaft und mit ihr die gesamte deutsche Forschung" in der genannten Zeit erlitten hat. In der Reihe der Toten lvird neben Professor C o r r c u S , Professor Bairr und Professor lauster auch Professor Ha b e r genannt. Planck schreibt: „Fritz Haber, der langjährige Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für physikalische Chemie und Elektrochemie, starb nach einem au wissenschaftlichen Erfolgen überreichen Leben ans einer Erholungsreise in der Schweiz am 29. Januar 1934. Schoic im Frühjahr des Jahres 1933 hatte er sein Amt als Institutsdirektor ans eigenem Entschluß niedergelegt." Tann, schreibt Professor Planck von diesen vier verstorbeneu Gelehrteii: „Diese großen Forscher iverden in der deutsche,; Wissenschaft iveiterleben, gehöre» sie doch Zn de;; wenigen Ntenschen, die ka>n>; zu ersetze;, sind." Tie Berändernngen. die im Verlauf deS Be-> richtsjahres in den einzelne,; Jnslitnlen eiiyzetreleii sind, sind recht bedcntend. An; stärksten treten sie vielleicht gerade ii; dem von Professor Haber geleitete,; Institut zutage. Tenn hier sind nach dein Rücktritt Habers in; April 1933 auch die beiden bisherigen Abteilungsleiter. Professor Freundlich und P;vsessor Polanyi. ansgeschieden. Prof. Dr. L^rbert F r c n n d 1 i ch , der stellvertretender Direktor nmr. hat eine Gchlyrosessnr an; llniversity Eollege in London angenoimnen. Professor P o 1 a n v i ivnrde ordentlicher öffentlicher Professor an der Ilniversität 3Ranck)cster. Weitere bedeutsame Aendernngen iverden vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Fascrstoffchemie berichtet. Hier ist am 10. Oktober 193:; Professor Dr. R. O. -Herzog, der Gründer und langjährige Direktor des Jvstitnls, in den Ruhestand getreten. Der Bericht fährt fort: „Durch die großen N'irlschastlichen Schivierigfeiteii. ivelche die Arbeitc'll des Instituts m dei; letzten Jahren stark behindert haben, wurde die Gesellschaft genötigt, die Arbeiten des Jnftilnts vorläufig zinn Abschluß zu bringen und es auf nnbestinuille Zeit zum 31. März 1934 zu schließen. Die ,vissei;schaftlichen Arbeiten wilrden bereits am 31. Dezember 1933 zun; Abschluß gebracht. Die nwisten der ivissenschaftlichen Angestellten konnten eine Anstellung in. der Industrie finden." Noch im Borjahr hatte Geheimrat Pliurck voi; den zahlreichen bedeutsamen Arbeiter; dieses Instituts bericlsten kcnuien. Er schrieb damals: „Im Kaiser-Wilhelin-Jnstitut für Faserstvffckienue war das abgelanfenc Jahr in; Hinblick auf die wirtschaftlich bedingtea 'Möglichfeiten relativ reich an rein ivisfenschastlici,en Ergebnisseri. Teils konnten, seit langer Zeit bearbeitete Gebiete zu einen; geivissen Abschluß gebracht werden . . . teils koiuitcn stnsenroeise Fortschritte erreicht werden . . . In technischer Hinsicht habe,; die Ilntersnchnnge;; ans dem Kunstseidegebiet zu neuen Lösn>,gen und neuen Problemen gesnhit. die praktisch ivichtige Fortschritte erhvffei; lassen. Auch ans anderen Gebieterc wurden technische Untersilchniigen — znineist mit Hilic der Unterstützung der Industrie — ansgeführt." Ter Direktor detz Kaiser-Wilhelm-Jiistituts für Lc'dersvrsehnng in Dresden, Professor Dr. Ntar Berg n; a i; n. legte fein Amt zmu 31. Niärz 1934 nieder. Professor Bergrnann hielt Ende 1933 in Englaild und in Arnerika zahlreiche ivisscnschaftliche Borträge. „Alle wissenschaftlichen und organisatorischen Arbeite!; in; Interesse der dentschci; Landloirtschaft und der gerbereitechnischcn Wissenschaft wurden", so heißt cs in dem Bericht, „mit Nachdruck gefördert." Auch aus den; Kaiser-Wilhclnr-Jnsiitnt für Biologie sind verschiedene wisfenschaftliche Ntitarbciter ansgeschieden. So nah»; Dr. Kurt Stern einen Ruf an die Niriversität Rochester an, ^während Professor Dr. Viktor Jollos einer Bernfni;g an das Genetische Institut der Universität Wisconsiu iu Ntadison Folge leistete. Ter Direktor des Kaiscr-Wilheliu-Jnstitnts für Biochemie, Professor Tr. Karl 3t e n b e r g , der von der englischen Universität St. Audreivs- Edirrburgh zum De. jur. b.e. ernaiull ivnrde. ist ans seinem Posten verblieben. Dagegen schied der Assistent Dr. Ernst S i m o n ans dem Jn> stitnt ans. Ebciifalls verblieb ans seinen; Posten der Direktor deS Käiser-Wilhelin-Jiistituts für Zell- Physiologie, Professor Dr. Otto H. Warbirrg. der soeben zum auswärtigen Mitglied der Royal Society of London gervählt wurde. M-z. Unsere Berliner Leser finden in der heutigen Ausgabe eine Beilageder Firma Siegbert Levy, Berlin W9, Potsdamer Straße 6. 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