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Central-Verein-Zeitung · 1934-05-31 · 900 Jahre Synagoge Worms 1904-1934 (31.5.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
900 Jahre Synagoge Worms 1904-1934 (31.5.1934)
Date
1934-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mot 1934 ' i, lN 8 ratz Vn lan. ihrer " Zcherg m denr '.Deutsch.! l n l i ch. N'sl^tBO nch Flucht. 1 ^n?land n AinViUc v i s e n. cchN nur nlsu iu MNUUsil-N. fiudlicheu ächt an. ich unbe- Kciclvr-ftcllc cfv'rricij-?- ^fiiC'fnnb en lauen, Tnn Pericnswerle ipifrr icht einer mit irrr* erfmber» Gr. 004 von potelciut» eben der für drei geitebbiOnriten mmlüieu irrt schilt raeüetü. Oi'onriteu 'fimn-ur!) G r. j.j 11 Wo Iv/vii' Bezirken betriebe ib nirit nt!0:U rlmaffiii t beiden lschaftsiningen ten als r suchen s stiebt l iiTimitb;; ic 'ber';: 'ündich | U"‘iier. 1 >ic bei; lassen, i cfjaftö*;; :ungcn; aifung , cf) t i I n von der ebeiie-' Für-' d N S )glich-' rqnnsr Ü:,-el' ^tU •n :it, scheu-' i der AeWi. , . ' Gonderberlage der C.M..Zeicung v^r. 22 vom ZI. Mai J9Z4 Raschiftuhl RLSr'eeung von Henriette Mannheimer RabbL-Iehuda-Hachasid - Mauer Pinselzeichnung, von Henriette Mannheimer Dt'e Wormser Synagoge im Wandel der Zeiten Das Haus' der - Versammlung . geltehier als -Haus' des , Schicksals, unseres Schicksals. Neun Jahrhunderte zogen daran vorüber, aus ihren Zeichen wollen wir lesen in aller Ehrfurcht vor dem. Heiligtum; denn „ich liebe die Stätte deiner Woh, mittet". Ein Würfel, darüber die Pyramide des Walmdachs^in diesen einfachen Gemäßen steht das Gotteshaus der Wormser Juden vor dem Beschauer. Erscheint, als habe diese Form uranfänglich bestanden. Die Baugeschichte weiß'es anders. Sie entnimmt einer Inschrift das Jahr '1034 als Baubeginn; ober von diesem ersten Synagogengebäude wisset: wir außer der Jahreszahl nur,, daß seine Pracht zu einer der Legenden wurde, die als unsichtbares Zierwerk, das ehrwürdige. Haus umranken. - . Der Bau von 1034 ging offenbar einem, anderen voran, von dessen Werden uns die Steine sichere Kunde geben. Hätten wir feinen anderen Weg, wir könnten 'sie aus dem Vergleich wit dem Tom und dem St. Andreas-Kloster zu 'Worms gewinnen. deren Ornamentik sich mitdem -architektonischen Schmuck der alten, gesicherten Formbestandteile der Wormser- - Synagoge nah verwandt zeigt. Die'Bougeschichte leitct'däraus die Entstehungszeit die Jahre zwischen 1170 und 1200 ab. Tie architektonische Verwandtschaft' zwischen Tom und- Cpnagoge weist über das Stilgeschichtliche hinaus ins Sinnbildliche.. Um jene Zeit gelangte die Angleichnng der deutschen Inden an ihre Umwell aus emc.Höhe. Die.beiden romauischeu Kapitelle, die noch heut die Deckenwölbungen' der Wmmser Spnagoge tragen, besißen gleichzeitig ein Gegensinn in den Versen des jüdischen Minnesängers Süßtind von Tr im borg, der die Sehnsucht nach dem Aufgehen'imm'mgcbcnden Volkstum also knudtat:' - - - „tvedankcn niemand kann verwehren den-Toren noch - den Weisen. - . ' Gedanken schlüpfen durch den Stern, den. -- Stahlmnd durch EisenA ' ' ' Domals durften die Juden Waffen führen'und dpn. Jwcikampf annchmen. Lei einer.Belagerung der Stadl Worms käinpsten sie gleich den-Ehristeu, und - bie Rabbinen erlaubten das Waffentragcn zur Verteidigung auch am Sabbat. . , - ' . . Die Kreuzfahrer, die 1196 in das Haus des friedsamen Wormser Talmudisten Elcasär bcn Jchüda brangcit. seine Frau und Kinder töteten,-der «schmerz. - ber au2 Süßkind von Trimbergs späten, Vcrseit spricht, zeigen an, daß jene Angleichnng eben doch nür '.Gedanke" blieb. Er fand in der Selbstverständlichkeit bcr llebcrnähmc künstlerischer Formen in,den Ban der Wormser Synagoge seinen Niederschlag. Eine Inschrift feiert die Arbeit des Steinmetzen; das klingt nach froher Aufgeschlossenheit; aber nur zu bald verhütt das deutsche Judentum wieder iw die Glciehkpcktigteit gegenüber der umgebenden Formcnwelt Wer wollte darüber rechten, der die Märtyrcrchrom. - jener Veiten anfblättert! „.Und es kommt ein gerechtes. Volk, das.den Glauben wahrt." Diese Worte-entstammen einem der Nachwelt mittelbar überlieferten Anagramm,/das nach der. geheimnisvollen Bauhüttenweise Kunde von ^nr Beginn des Wormser Synagogenbaus gibt; das . >^hrKi7,z ist daraus abzulesen. Ter Männcrsynagöge - Qi‘-' den: altcstcit Tctl folgte bald-—-nach -einer.Inschrift" l213 —die Frauensynagoge.' Die - Spätromantik bemächtigt sich im " Gleichgang mit dem Dombau auch der Wormser Synagoge, ' und ' gegen Ende 1 be-$ ,13. Jahrhunderts nehmen' die Fenster der Mannerschule die Form' des Spitzbogens an. . .! . .' . ■ Bon dieser-Zeit ab verfällt ,der Synagogenbau einer Verweltlichung der Formen. um sich erst im 16. Jahrhundert durch Emporkdmmen des Symbolgedankens in-der Raumgestaltung („All'erheiligstes") zu erneuern. Nach der zweiten Vertreibung der Wormser Juden {1615) gedieh die Wiederherstellung , des 'großenteils. zerstörten Gotteshauses zum timfassenden Umbau. Erst jetzt wurde, an die Münnersynagoge die Jeschiwa (Lernhalle) angesetzt, die Raschikapelle. Deren Entstehungsjahr 1624 verweist die mit ihr verbundenen -Erzählungen-von Nascht, der auf dein in die Apsis hinetngcbauten, von Pilastern umrahmten Stuhl gesessen habe, in das Reich'der frommen Mar. Dennoch entbehrt die «wohl erst im 18. Jahrhundert entstandene Raschi-Lcgeüde nicht der,tiefinnerlichen Bcrechtigtmg.' Bei der' zweiten Judenvertreibung' wurde auch.die.an. der Stelle des Wormser Gemeindespitals gelegene Jeschiwa zerstört. Für sie wurde die Raschi-'Käpelle ' errichtet, und.nichts' verbietet die Annahme, das Wormser Studium und Wirken Raschis mit jener ersten Jeschiwa zu verbinden. ' Der schlichte Lerner tind Lehrer'Rabbi Schelomo bcn Jsak, genannt Raschi (1040 bis 11 Oö), behandelte als letzten Gegenstand ' seiner 'Erklärungen die . lcvitische Reinheit. 'Man hat dariti 'ein Sinnbild für sein von vielen volkstümlichen Sagen umranktes Leben geschert. „Tnreh diey ist das Zeitalter nieyl verwaist,-und, solcher, die dir gleichen, möge cs viele in Israel geben!". Mit diesen Briesrvorten hat J'sah Halcvy aus Worms dem Raschi die Verehrung feiner Zeitgenossen dargebracht, und keine geschichtliche Richtigstellung' wird die geistige Ver- - bundenheit der geweihten Wormser Stätten mit dem Rabbi verwischen können, dessen Erklärung zti den Fünfbüchern das erste Buch war, das 1475 in hebräischer Sprachegedruckt wtirde. Die Volkstümlichkeit dieser Gestalt ist nicht mrr in dem-Ruf des Gelehrten begründet; auch das Leben der alten Rabbinen trug dazu bei. ihre Erscheinungen dem Herzen'des einfachen Mannes der Gemeinde nahezubringen. Sie durften sich ihr Wirken nicht bezahlen lassen;' es war im wahrsten Sinn , ein Ehrenamt. Raschi gewann seinen Lebensunterhalt zu-Troyes, seiner Heimat, durch Landwirtschaft und Weinbau. Raschi Rapelle. .. . pinsejzci'chvung von. Henriette Mannk>etmce Die Reichsvertretung der deutschen "juden richtet andenVorftand der^sraelirischenReligronsgentemde Worms folgendes Sct)reiben: . . An der seltenen Feier, weläie die Israelitische Reli- -gio'nsgemeinde Worms begeht, als einem Dag der Gewiß- , , heit in ernster Zeit, nehmen wir mit unseren aufrichtigen herzlichen Wünschen teil. Von einem gcschichtlicheit Platz und einer geschichtlichen ' Aufgabe spricht diese Feier, von einem Platze, den die Verbundenheit mit einem Boden und die Verbundenheit mit einem Geist zu einem Eigenttim haben werden lassen, .von einer Aufgabe, die. durch eine bedeutungsvolle Vcrgaitgenheit zur Gegenwart und zur Zukunft hingeführt, ihr verpflichtendes, bleibendes!>,'echl ertoiefen hal. Möge es unserer Gemeinde in Worms noch langchin — so Gott es will, in guten, anfbatienden Tagen — bcschieden bleiben, aus ihrem Platze und in ihrer Aufgabe 'ztt stehen! Der Central Worein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens c. IX sende.? folgendes G!ückwunjchjchreiben: Zimt'OOOjährigen Bestehen der Wormser Synagoge spricht der Eeutral-Verein dei.'tscher Staats, biirger jüdisclienGlaubens derJüdischenGemeinde zu Worms feine' herzlichstem Glückwünsche aus. Stärker als Pergamente tind Bücher legk dieses Gebäude Zettgnis von jüdischer Geschichte in Deutschlattd ab. Die Verwurzelttttg der deut» scheu Jndenhcit in der deutschen Heimat findet in , ihm symbolhaften Ausdruck. * Synagogen sind Stätten jüdischen Lebens, und tonnten die Wände des Hauses reden^ sic würden viel zu berichten habeit von deit tvechsclvollen Schicksalen der Ge-- ntcindc. Es mag Zeiten gegeben haben, in denen das Kans, dessen Jubiläum wir feiern, aoeniger von Andächtigen angestillt lvar, in denen ntan; ihm tutd dem Judentum den Rticken gekehrt hat. Hettte erleben wir es, daß si«h die Stät," jüdischer Andacht, jüdischer tveistigkert una jüdischer Arbeit mit ne'nem Leben fülleit. Möen hierbei auch die Wormser (vemcrnde etttsprechei ihrer jahrhundertealtett Tradition stets ein lemZ. tcndes Beispiel bleiben für blühendes jüdische- Lcben auf deutschem Loden.

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