Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 21 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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s Berlin, 25. Mai 1934 XIII. Jahrgang t Nr.2Vf m IfVOMHS lÜ'NM V WUUUUU 0 Die Erhaltung, Erneuerung und de/Schuß von Volk und Volkstum als Wurzelgrund allen staatlichen Seins sind Zentralbegriffe' des deutschen Nationalsozialismus, der „nie und nimmer einzig von der Staatslehre und vom Ltaatsrecht her befriedigend zu verstehen ist", wie der bekannte Volkstumssorscher Max Die Nächste RNKmer der L.-V.-Zeitung enthält eins Beilage Zum YSSjährigSN Bestehen öer ..Stjitagogc. Worms Hildebert Böhm in seiner akademischen Antrittsvorlesung über „Volkstheorie als politische Wissenschaft" treffend sestgestellt hat. Währendder demokratische Nationalstaat einer vergangenen Epoche sein politisches Handeln entscheidend und in erster Linie von /»inen eigenen staatlichen Interessenbestimmen ließ und bei einer Kollusion dieser Interessen mit denen jenseits seiner'Grenzen wohnender Volksgruppen, unbedenklich seine eigenen Interessen voransetzte, hat der nationalsozialistische Staat als Ergebnis seiner geistigen Entwicklung'den Schutz dieser Volksgruppen gegen Entnationalisierung und iremdvölkische Vergewaltigung bewußt in den Kreis seiner politischen Zielsetzung einbezogen. Tie Konsequenz und innere Berechtigung dieser Entwicklung ist auch von uns nicht verkannt worden. In einer Betrachtung „Volksbürger oder nationale Minderheit" wurde i.n diesen Blättern am 7. Februar 1930 u. a. ausgeführt: „Tie staatliche Einheit der Deutschen im Reich ist heute nicht ernstlich bedroht, wohl aber stehen in ganz Mittel-, Süi>> und Osteuropa Millionen' deutscher Volksgruppen im schwersten Kampf umdie Erhaltung ihres Vollstums. Das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, der Verantwortung für diese versprengten und gefährdeten Glieder des derltsehen Volkes, die Echicksalsgemeuischaft der großdeutscheu Ration, die von den Berger: Siebenbürgen? bis zur Eider, von der Etsch bis an die Biemel, alles, was deutsch denkt, spricht und fühlt, umfaßt, ist eine der neuen, aus den: Ehaos der Nachkriegszeit gcboreireu Ideen des deutschen Voltes, die vor allem seine akademische und' bündische Jugend in ihren Bann zieht." In diesem Kamps um das Wachsen und Werden einer neuen gesamtdeutschen Solidarität spielten die Organisationen eine be-- sondere Nolle, die, wie der Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA) in systematischer Kultur- und Bildnngsarbeit das Volkstum der auslandsdeutschen Gruppen gegen die Gefahren sremdnationaler Assimilation und Entdeutschung schützen wollten. Dieser seit Jahrzehnten bestehende, ausgezeichnet durchvrganisierte Schutzbund leistet aus allen.Gebieten völkischer Kultur, namentlich in Schule und Volksbildung, hervorragende Arbeit. Es ist nur natürlich, daß er nun auch zu einem hervorragenden Faktor nationalsozialistischen Volkstums und Kulturpolitik geworden ist.. In welch, noch vor wenigen Jahren ungeahnter Weise der Volkstumsgedanke sich im deutschen Volk dnrchgesetzt hat, bewies Der Verlauf der traditionell zu Pfingsten stattgezündenen Iahrestagnng des VDA, die diesmal im Hinblick auf die bevorstehende Saar- Lntscherdung als S a a r t a g u n g am 20. und 21. Mai in Mainz und Trier abgehalten ^urde. Es war nicht mehr, wie früher, die Tagung eines privaten Vereins, der behörd- "che Förderung erfährt, sondern die eindrucksbolle Repräsentation einer von don höchster; Reichs- und Staatsstellen anerkannten und nach jeder Richtung hin unterstützten Institution. . Mit dem Vizekanzler, dem Reichsinnenminister und dem Reichssportführer nahmen zahlreiche hohe Funktionäre des Reichs und der Länder an der diesjährigen Tagung teil, die durch grundsätzliche Erklärungen des Reichsinnenininisters Tr. Frick und des Vizekanzlers von Papen ihre besondere Bedeutung erhielt. Beide Redner setzten sieh mit besonderem Nachdruck mit dem wiederholt im Ausland erhobenen Vorwurf auseinander, die anslandsdeutsehen Volksgruppen seien Träger.des Pangermanismus und einer imperialistischen deutschen Neichspolitik. Sowohl Dr. Frick als auch Dr. Steinacher. der Führer des VDA hoben mit Nachdruck hervor, daß die Aufgaben des VDA. weitab von politischen oder gar inachtpolitischen Bestrebungen, lediglich in der Erhaltung deutschen Volkstums und deutscher Sprache und der Pflege der Kulturbeziehungen zum Auslandsdeutschturn beständen; es ginge nicht um die Macht, sondern um Recht, nicht um Landesgrenzen oder Staatspolitik, sondern' um das natürliche Recht eines jeden Volkes, über staatliche Grenzen hinweg sein Volkstum zu pflegen und zu betreuen. „Tic deutsche ReichSregienmg Rdolf Hitlers, - erklärte der Reichsimienmimster, ist die erste in der deutschen Geschichte, die alödie alleinige Grundlage des gesamten Staatsleben? das deut- ' sche Volk betrachtet. Zum ersten Male haben wir einen Staat. der ausschließlich ans den: Volksgedanken ansgebant ist. Dieser Volksgedanke ■ pflegt nicht nur die Liebe znm eigenen Volkstum, sondern achtet auch das fremde Volkstnin. In klassischer Weise hat Reichskanzler Adolf Hitler diese grundsätzliche Auffassung in seiner . großen Rede am 17. Mac lllßß vor dein deutschen Reichstag herausgearbeitel, als er erklärte: •a'/'aiA<A/N ctzseJv'S 0/i/Vvü-?.,v0vv’ MÄ Der Brief eines Freundes flattert auf den Tisch und macht einen den ganzen Tag traurig. Der ihn schrieb, war Jurist und ist aus Laufbahn und Lebensweg geworfen, hat aber. durch glückliche Umstände irgendwo am Balkan eine Stellung gefunden. So schreibt er: ,>Die Arbeit hier ist stumpfsinnig und nur durch die Hoffnung auf die Zukunft ertragbar, das Leben sehr einsam und trist, der Kampf um die Sprache schwer." Und aus jedem weiteren Wort spürt man die Sehnsucht und die furchtbare Verlassenheit in der Welt und wie nur der Stolz ihn hindert, seinen Kummer noch weiter hinanszuschreien.. Viele solche Briese hat man in der letzten Zeit jju Gesicht bekommen, aus allen Teilen der Erde, wohin nur deutsche Juden im letzten Jahre gegangen sind. Gewiß, man muß es sich immer wiederholen, daß dies gar nicht so sehr viel sind, wiö es uns manchmal scheinen wollte, daß die überwiegende Mehrzahl hier geblieben ist und bleiben wird — und dennoch ist (mit Ausnahme der ganz wenigen, denen niemand eine Träne nachweinen wird) beinahe jeder deutsche Jude da draußen einer, dessen Schicksal uns ganz persönlich betrisst. Und manchmal, wenn man einen Brief wie diesen bekommen hat, denkt man, ob man denn nicht helfen könne. Kann man? Die Fülle der Ausgaben, -die das Leben heute den deutschen Juden, jedem Einzelnen wie den Organisationen, Verbänden und Gemeinden stellt, scheint manchmal überwältigend. Wer aber weiß, was seit dem 1. April 1933 alles geschasst wurde, zweifelt nicht daran, daß sie alle erkannt und, soweit es in der Hand der Juden liegt, gelöst werden. Und größer noch als der.Berg der Aufgaben sollte der Wille sein, mit aller Kraft am Neuaufbau mitzuarbeiten. Auch der-Wille ist da;'so oft hört man auch von denen, die heute noch nirgends organisiert sind oder helfen/ daß sie so gern irgendetwas tun möchten, nur nicht wissen, was, und sich zur sozialen und kulturellen Arbeit nicht für geeignet halten. Hier ist die Arbeit, die sie alle leisten können: die Brücke zu den deutschen Juden im Ausland aufrecht- Zuerhalten. Niemand sollte fragen dürfen,.ob das denn so wichtig sei in einer Zeit, die'auch hier im Lande schon, eine Rationierung aller und vor allem der finanziellen Mittel erfordert. Ein Blick aus die 'Welt um uns herum sollte ihn belehren: auch Deutschland kämpft schwer, und doch hat der Vvlksbund für das Deutschtum im Ausland jede Unterstützung, die er braucht. Und wir sollten tatenlos zusehen, wie die Abgewanderten, ausgewachsen und-herangebildet in unserem Kulturkreis, uns durch die äußeren Ereignisse verlorenochen^ Dies zu verhindern, ist für uns'eine der wesentlichsten Fragen. Sowohl wegen derer da draußen, weil wir keinen von ihnen Entbehren können und jeder zu uns gehört, weil erst aus Geist und Willen der Fünfhundertfünfundsechzigtausend, die wir zu Beginn des. vorigen Jahreswaren, deutsches Judentum entsteht. .Denn cs ist ja, Gott sei Dank, so,-daß es keinen „Typ des deutschen Inden" gibt,.sondern daß ans der von uns allen geformten Gesamtheit, zu der der Unpromiucuteste ebenso gehört wie die erlauchtesten Geister, das charakteristische Bild entsteht. Und da sollten wir aus einige Zehntausend einfach verzichten tonnen? Noch mehr aber unseretwegen. weil wir am neugeformten Bild des deutschen Juden, das nach der großen Wandlung entstehen wird, in der sich unsere Gemeinschaft heute befindet, auch alle jene Mitarbeiten lassen wollen, die in der Welt sehen, was gut an uns war-und was schlecht, was sich als brauchbar erwies und was nur befremdet. Darum noch einmal: sie dürfen uns nicht verlorengehen, die heute da draußen sind. Wir müssen ihnen Helsen, deutsche Juden und uns in Gemeinschaft verbunden zu bleiben. Freilich, wo da in der Welt heute einer materielle Not leidet, und mag es noch so furchtbar sein, können wir nicht helfen. Könnten es selbst dann nicht, wenn die gesetzlichen Vorschriften es uns erlaubten, ihm Geld zu senden — denn jeder Pfennig wird hier schon für Stützung und Neuausbau jüdischer Existenzen gebraucht. Da aber, wo die Not über das Materielle hinausgeht, wo es eine geistige Not ist, -können, wollen und müssen wir helfen. Einer schrieb neulich von irgendwo her: „Schickt mir Bücher, ganz egal, was es ist. Kaufen kann ich mir keine, und wenn'ich nicht bald mal wieder etwas Deutsches zu lesen bekomme, werde ich verrückt." Und dann war zu lesen, daß in Paris eine deutsche Leihbibliothek eröffnet wurde; an jedem Ort der Welt wird das aber nicht möglich sein. Wer von uns könnte diesen Menschen, die nach deutscher Literatur, nach deutschem Kulturgut Sehnsucht haben, nicht einige Bücher senden? Alles, was hier ein einzelner für einen draußen tut, soll Ausdruck des Willens der Gesamtheit sein, ihn nicht zu-vergessen.' Vielleicht kann so eine ganz feste Gemeinschaft geschaffen werden, die alle deutschen Juden in der Welt an uns kettet. Noch gehören sie zu unS, noch ist die Sehnsucht groß; wenn wir bald ans Werk gehen, können wir uns davor bewahren, sie zu verlieren. Das Deutschtum im Ausland ist durch die Bemühungen des VvlksbundS eng zusammengeschlossen worden, warum sollte uns diese längst nicht so schwie- -rige Aufgabe nicht gelingen? Ter Erfolg wird jeden Preis und jeden Einsatz lohnen. . Tu UL Tarnt er. . Selbstporträt des Künstlers vor der Kupferplatte Zu dem Aufsatz im zweiten Beiblatt dieser Nummer EEnnnnnnnncnnnscjCcnnnncnnnnLjSis „Wem: ich in diesem Augenblick bewusst als deutscher Nationalsozialist spreche, so möchte iri) namens der nationalen Regierung und der gesausten nationalen Erhevnmz - bel'undeii. daß gerade uns in diesen: jimgeu Deutschland das tiefe Verständnis beseelt für die gleichen Gefühle und Gesinnungen sonne für die begründeten L-ebewA::: spräche anderer Völler. — Indem wir in grenzenloser Liebe und Treue an unserem eigene,: Volkstum hängen. respektieren wir die nationale,: R'echte auch der anderen Völler ans dieser selben Gesinnung heraus und möchten aus lies innerstem Herzen n:it ihnen in Frieden und Freundschaft leben. Wir leime,: daher auch i,id)t den Begras de-? Germanisieren?. Die geistige Mentalität ' des vergangenen Jahrhunderts, aus der heran? mm: glaubte. vielleicht au-? Polen und J,-an- ' zosen Deutsche zu nind]rn, ist un-s genau jo frcind. wie wir uns leidenschaftlich gegen jeden ' uii,gelehrten Versuch wenden! Wir sehen die europäischen Rationen nn: uns als gegebene; Tatsachen, Franzosen,' Polen und.andme uuo unsere Rachbarvolter und mir nvisseu, daß lein geschichtlich denkbarer Vorgang diese Wirklichkeit ändern könnte." Klar und eindeutig geht aus diesen Worten ..hervor, daß das in: Deutschen Reich vereinigte Volk m:d seine Staatsführnng fid) jeder imperia-- listischen Politik enthalten wollen, daß sie mit ' den Nachbarn in Frieden und Fremidschaü zu. leben wünschen. Wenn es irgendeine Beweinschast zwischen den, Reich und dein VDA gib!, dam: ist es die Gleichheit und Uebere.instinunung in diesen Fragen. Wir wissen, daß die gewaltigen Kräfte der nationalen Erhebung und Erneuerung, die im Siege der nationalsozialistische» Bewegung ihren Triumph gefeiert haben, in ihren geistigen und seelische:: Auswirknugeu das ganze deutsche Volk durchströmen. Nicht nur die Teutschen au den . Reiclstgrenzen. selbst die Brenschen deutschen Blute-? in den Urwäldern Brasilien? und m den ehemaligen deutschen Kolonien Afrika? erleben zu innerst die große Kraft der deutschen Erhebung. Das Dem sche Volt erweist sich wieder als ' eine, ans der Geineiuschast dr? Blute? und des inneren Erleben? begründete Einheit. Wir wissen, daß unsere B-oltsgenossen jenseits der Grenzen unter besonderen Leben?-- und Staatsgcsetzen stehen, und daß sie in übenoältll . gender Bühchmt Bürger von Staaten sind, die unter der Herrschast anderer Böller stehen. Das legt unseren B-oltsgenossen draußen in der Welt, ebenso wie uns Deutschen im Reiche besondere Verpflichtungei: ans. Tie Deutsche,: jenseit? der Grenzen sollen nicht Hindernisse, sondern die ) Brücken .zwischen den Böllern ihrer Herbergsstaateu und den: deutschen Volkstmn sein. Wem: überall in der Welt die Achtung vor .fremden, und die Liebe zun: eigenen Voltstum j siegen --- dam: kann die treue Auhänglichleit und ' Liebe .zum .deutschen Vollstmu kein Hindernis fein, mich die selbstverständliche,: Bürgerpflichten Bcc ■ vodeegende -Nzimsuzc? enthält u. a.: Hauptblatt: Die neuen Bestimmungen Uber die Reichsfluchisteuer, von Rud, Cröupner. 1. Beiblatt: U mschichtungslager Niederschönhausen, von Hilde Marx — Das Kammergericht über „Jüdische frühere Anwälte als Vermögens!^} leger" 2, Beiblatt: E. M. Lilien, von Max Osborn — Auf den Spuren der Königin von Saba — Erziehung, Eltern, Schule — p.'<r!schu}t der Woche