Kinderblatt
- Journal
- Kinderblatt
- Volume
- 1934
- Issue
- 4 (17.5.1934)
- Date
- 1934-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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M £ S •? a c/e »y Immer dichter kam die grosse rote Kugel an den Berg heran sah. da merkte er. daß auch sie ganz rotlenchtend waren, Er kam sich mit einem Mal ganz klein vor. gar nicht wie ein Junge von acht Jahren, der allein so weit heransgesahren ist, nein eher wie einer dieser kleinen winzigen Käser da unten aut der Erde. Er dachte daran daß heute morgen in der -Kcligwnsstunde der Lehrer von einem andern Berg erzählt hatte, wo einmal vor vielen tausend Jahren Gott dem Moses erschienen war und ihm die Zehn Gebote gab. iiach derieii alle guten Menschen noch heute leben. Wie er noch in die strahlende Helligkeit schaute, da wußte er mit einem Ma! gar nicht genau, ob es nicht dieser Berg sein könnte, und jetzt eben wieder daß Gott in aller seiner Herrlichkeit sich zeigte? Allmählich verblaßten die Farben, es wurde dunkler, und der kleine 00 ao tappte ein wenig verwirrt und öonoinmen oon bannen. Aber er war so unendlich froh und glücklich über dieses Erlebnis, daß er an gar nichts anderes mehr denken konnte. Er hatte noch mentalein seinem Leben etwas schöneres gesehen!-Eigentlich war es nur ein Zufall, daß er die Straßenbahnhaltestelle wieder raub, und der Schaffner, der ge-- rade abfahren wollte. sagte:,.Da haste aber Glück, mein Junge, nach nenne fährt keine mehr hier raus!" Ihr könnt euch denken, wie Gabs Mutter sich geängstigt hatte: denn sie wußte ja gar nicht, wo der Junge geblieben war. Tie anderen Kinder hatten ihr erzählt, er sei mit der Bahn weggefahren. Aber als Gab endlich nach Hanse kam, noch ganz voll von seinem wunderbaren Erlebnis. und die Augen so strahlend, als sei noch die ganze Sonne darin, da konnte sie gar nicht mit ihm schnupfen. Später, als er gevadet unter seiner Decke lag. da fragte er noch einmal- ..Glaubst du. Mutti, daß dort am Berg heute wirklich der liebe Gott war?" — „Ja", sagte seine Als Gob endlich nach Hause kam Mutter, „das glaube ich ganz bestimmt. Gott ist überall, wir müssen ihn nur finden, und darum bist du heute so sehr, sehr froh, weil du Gott gesunden hast. — Und nun schlaf gilt, lieber Kerl." <^0<K><X><>0<><>0<>0<>00<x><><><X><><>0<><><>0<> o<x><xxxx><x><x><>o<><><><xx><x>^ 0<X>O<><><>ChC*X><>^^ OOOOOOO C vm$w MrtWrM Einen Briefwechsel wünscht sich: ' EElNZ Bach. München. Lbermaierslrnße 1, am liebsten mit einem 13 bis 14 Jahre alten Knaben, der am Meer wohnt, Helmut Bür, Nürnbrecht (Nhld). Neg-Bez. Köln (Rhein). mit einein gleichaltrigen dreizehnjährigen Jungen auf Teutsch oder Französisch Erna R. (Dortmund), zwölf Jahre alt, schreibt: Lieber C-D.! Ich schicke Trr hier aus Worms, wo ich zurzeit bei Meiner Cousine bin, viele Gruße. Ich habe mir hier schon viele schone und interessante Sachen angesehen. Besonders gut hat nur die schöne Rascht-Kapelle mtd die Synagoge gefallen. Bringe doch einmal ein Bild von diesen jüdischen Sehenstvürdigkeiten in dem „Kinderblatt", damit alle Kinder sie sehen tonnen. Hugo F. ((Slogan), zehn Jahre alt, schreibt: Lieber C.-B.! Wir sind drei jüdische Freunde, die alle schrecklich gern photographieren. Dürfen wir Dir'mal ein Bildchen schicken? Vielleicht forderst Tu die anderen Kinder auch dazu auf und verösscntlichst daun das schönste Bild in Teittem „Kinderblatt". Das wäre aber sein! Ter zehnjährige Hans Hermann Lindner. der vor etwa einem Jahr mit seinen Eltern nach Palästina gegangen ist schrieb im April 193-1 an seine in Berlin wohnende Tante: ‘ „Liebe Tante Bie. Ich danke dir sehr für den August,n.. Neulich sah ich hunderte Störche. Sie kamen von hier und von Aegypten und flogen nach Deutschland. Es war etn schöner Altblick. Wir (bn3 bin ich und lulti) fahren jetzt «denn letzt ist Ferien) itach Tel-Aviv zu Bati (denn Bau wohnt m Tel-Aviv und arbeitet einen Monat auf Probe dorl). Weil die Störche hier wegstogen, habe ich eilt Gedicht gemacht, das heißt: Jetzt fliegen dlo Störche fort von hier Ins ferne Hennatland zu Dir. Es ztehl sie fort von Südcit Hut. sie wollett wieder nach Berlin! Jetzt Zehen sie den grauen Ranch. Tort ist Berlin und Pankviv auch! Tort NlederschSnhalisen. dort Nvsenthal. Da sehn sie Wälder aus einemnial. Und lueim einen Storch du siehst bei Dir. Co denk, es ist ein Eriiß voii mir! Herzlichen Gruß a/wv m'VmncKnmw' Pctcr N. (Düsseldorf) fragt: Jii der Bibel siitder sich so oft das Längenmaß ,.amma“. Kann uralt es mit einem von unseren heutigen Blaßen vcrgleichcit um ungefähr z» tvissen was damals damit gememt war? Antwort: Tie „aninia" entspricht ungefähr der alten demschen Elle. Wörtlich heißt „amma" Arin. Dieses Blaß wird in Spannen, hebräisch: scrot; jede Spanne m Fäuste, hebräisch, tefaeli, tmö die Faust in Finger, hebräisch: c?.ba. eingcteitt Eine .,amma" besteht im Gaiizen aus: 12 sc-rat. Ein so rot hat 3 tefach und ein tefach 4 ezba. Erna E. (Guben) fragt: Ich ntöchte gern etwas aber den jüdischen Dichter Beer-Hosmanii ivisscn. vor allen Dingen, welches seine Hauptiverle sind. * Antwort: Der Dichter Aichard Beer-Hofmann wurde 1 -SdG tu Süßten geboren, ivo er auch jetzt mal) lebt Seine Haupt »verte sind: der l)'vix'lleiibaiid ..Die Berlasseue". die Erzählung ..Der Tod Georgs", das Drama ..Der Graf von Eharolais" und die Dramen .Iaalobs Traum"" und ..Der junge David"". Eins seiner schönsten G-'d'N>'e ist das .-.Schlaflied für Blirjam" Herbert G. (Mürrstcr, SLcstfalcn) fragt: Blem Ftciuw Gevrg aus 3leivat)urk hat mir geschrieben, daß ui Ainerita viele Di st ritte iiud Städte nach jüdischen Blänuern benannt sind. Rtm möchte ich gern wissen, ob das stimmt? knifkchröi I'L'IOU und,! kn i 1 ('i S.B .5 *?¥ "\ »utltvoct: D-.ka F.cund ha! Tic ganz richtig beeichict. In Amerika s-.n.d tattachlich vieke Städte lind Gegenden nach großen indischen Persönlichkeiten benannt. So hat im Staate Fto'.ida der Distrikt Levy seinen Rauten nach Daoch Levy Pntee. der 18!Ö den 'Anschluß Floridas an die Bereinigten Staaten durchsetze. De: größte Distrikt im Staate oöeorgia. der Bezirk Einaitutt trägt den Bauten von David Emannek. Dieser war der erste Jude, der die Stelle eines Gouverneurs in den Bereinigten Staaten bekleidete. Aaronsvrirg im Distrikt Centre im Staate Prunsylvattia tvtirde 174«) van Aaron Levy begründet. Außer diesen, gibt es noch eme große Anzahl. Hansi St. (Beniin-Fricdcnau) fragt: Ich ntöchte gern wissen, wann die ersten Juden nach Berlin kanten. Antwort: Tie erste urkundliche Erivähnung von Juden m Berlin stammt vom 24. Oktober 1293. Tie älteste nachweisbare Judensiedlung m Berlin befand sich ans dem sogenannten großen Judenhof.' in dcr Nähe der heurigen Jüdenstraße. Lotte Späcth (Dresden) fragt: Konntest Tu mir vielleicht sagen, ob mir jemand jüdische Lieder mit Blelvdie senden kann? Ich brauche sie nämlich für den Mädelschor des Bundes deutsch-jüdischer Jugend. Ortsgruppe Dresden. Atich finde ich. daß Tu in einer der nächsten Nummern die Anregung für Bildung von Ehörerr innerhalb der verschiedenen Gruppen geben 'konntest. Atttivort: Leider gibt es noch kein Liederbuch mit einer für uns geeigneten Zusamrnenstellnng jüdischer Lieder. Unsere Kolberacr Kameraden haben ein Buch znfammengeslittt. das neben vielen deutschen auch eine Anzahl hebräisikr Lieder init Terr und Melodie» enthält. Es kostet 40 Pfennig und ist tut Bund (Berlin C 2, Burgslraße 30) erhältlich. Wir uvröeiijn einer der nächsten ..Seiten, dcr Ingeitd" einmal ettvas über das Singen in deit Gruppen schreiben. Wfeffp ßppß Es gibt viele schöne und Liese Legenden im jüdischen Schcisitum, die durch viele Jahrhunderte hindurch immer wieder erzählt und gesammelt worden sind. Zn ihnen gehört auch die Legende von Mose mit dem Böckchen. Als Mose die Herden Jitrvs am Rande der Wüste hütete, lief eines Tages ein kleines Böckchen davon. Mose eilte hinterdrein, aber das Böckchen war nicht einzuholen. Es lies in munteren Sprüngen, und die schwierige Jagd ging über Sand mtd Stein. Da ergrimmte Mose und dachte: ..Warte, wenn ich dich bekomme, dann sollst du deine Flucht büßen." In diesem Augenblick stand das Böckchen still, Mose schlich vorsichtig im Bo^cn heran, um es >o zrr faßen. Ta aber fcih tx. bau ans bem t>>c)tcm ein klares Wasser sprang, und da?- Bvckclten trank tu durstigen Zügen. Da bewtzwtchttgle üch Mose? Gemüt. und er sagte zun, Böckchen: „Hätte ich gleich gewußt daß dich der Durst von der Herde wrttrieb. io hätte ich mtd) nicht erzürnt, denn ich rveiß wohl, wie der Durst brennt." Und er stand still und wartete, bis das Böckchen seinen Durst ge!ösck)t hatte. Dann nahm er es aus den Arm und trug es behutsam zur Herde zurück. Als der Herr das sah, sprach er: „Fürwahr, dieser Mann kennt die Seele seiner Tiere, und Zorn und Erbarmen ist gleichermaßen in ihm. Ich will ihm meine Herde zu weiden geben, mein Volk Israel!" Der Sturm saust uitö braust. Oh Welt, ivie dunkel du drei lischt'ist. Motiv mtd Sterne den Himmel nicht erhellen. Zirm Sturm sich Donner und Blitz gesellen ' Tie Lust ist schwer und schivül. Es ist ein sonder Gefühl, Das das Herz bedrücket. Es folget Schlag auf Schlag. Ob's Gewitter nie anshören mag? Des Donners mächtige Stimme in den Felsen Widerhalls Ter Sturm an den Fenstern rüttelt mit aller Gewalt. Oh, ist das eine unheimliche Nacht! Jedes, jedes so müde Auge rvacht. Oh Gewitter, weiche zurück. Pom Blitz getroffen die Bäume fallen. Kein Vogel seine süß'n Tone läßt erschallen. Das Gotvitter Rehe und Hirsche aufscheucht. Des Blitzes Licht im Dunkel grell aufleucht'. Bald hat sich der wilde Sturm ansgetobt. Am Himntel wird leuchten das Morgenrot. Oh Sonne, erhelle die Welt! -i Sicher habt ihr euch ja nun die Leuchter für den Sabbatabend selbst gebastelt und freut euch jetzt am Lichterglanz. Wie nett wäre es nun, wenn ihr atich eine hübsche Bar che sdecke hättet. Ich zeige euch heute, wie man sie mit einfachen Mitteln arbeiten kann. Die Abbildung zeigt euch die Decke. Ihr kaust 200 Gramm blaue und 30 Gramm gelbe Wolle, und dann kann die Häkelei losgehen. Ihr häkelt ztierst eine Reihe Ln ftmäschert, ungefähr 60 Zentimeter lang, es folgen nun nur noch Stäbchenreihen. Die Stäbchenhäkelei setzt ihr dann solange fort, bis ihr eine Breite von ungefähr 50 Zentimetern erreicht habt. Dann hui« häkelt ihr den ganzen Rand mit Pikots aus gelber Wolle. Könnt ihr es noch nicht selber, so zeigt euch eure Mutter oder Lehrerin das sicher gern. Jetzt kommt zum Schluß das Mögen Dovid: Ihr häkelt sechs schmale gelbe Streifen 3 Zentimeter breit und 24 Zentimeter laug. Ihr könnt die Streifen entweder aus Stäbchen oder ans^ festen Maschen häkeln. Ans diesen Streifen müßt ihr zwei gleichseitige Dreiecke zusammensügen, die ihr dann zu einem Mögen Dovid zusammensetzt und ans die Decke aufnäht. Selbstverständlich könnt ihr die Decke auch ans Seidengarn oder Perlgarn häkeln. Solltet ihr aber fein solches Material haben, so sucht euch in Mutters Flickenkasten einen hübschen Stoffrest aus, den ihr umsäumt und mit Pikots umhäkelt. Das Mögen Dovid könnt iyr dann aus andersfarbigem Stofs zusammensetzeu und aufnähen. Annie Abraham; i ■i &