Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 20 (17.5.1934)
- Date
- 1934-05-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kp. II iCp \ ‘ /v . ^U)J : „V/as ihr wollt“ Junker Bleichenwang (Julius Kuthan), Narr (Fritx Wfstetig Maria (Lette Stein), Junker Tobias (Fritz Lion) {l!tli!{ll!IIl!;i!l!!!!I!!!l1!!I!(!il!l!II!!!H!!Iinitl!lllIIIi!!l!liIll!!nilll!l!ll!i!l!Sri!!!!!;!iUI!lll!ll!l1!!ISS!ll1lliinni I Vor dem Bahnhof Gesundbrunnen, oben im f Porten troffen wir einen Herrn mit drei kleinen f Jungen. Ter Herr hat eisgraues Haar, fast hohle | Öligen, ober er lacht und marschiert mit seinen | Löhnen drauflos, als wenn er selbst noch ein Junge jj nnirc. 3ic müssen, obwohl ihre Anzüge den pro- 1 »rftcn Eindruck mack-en, schon einen langen Weg l mi M hinter sich haben. Ihre Schuhe sind beftanbt. Wie sie näher kommen, erkennen wir einf JjnDer. Wir haben uns vor zwei Jahren das letztef mal flcfprndicn. Inzwischen ist der Mann grau ^worden. Er ist erst Anfang Dreißig. Arzt. Als ß jr uh die Front kommen sollte, war der Krieg ' vorbei. ..lind darum habe ich keine Kassenpraxis '' mehr", sagte er. Ich frage nach der Privatpraxis. -ehr flau. Hier in dieser Gegend . . Aber r moven lel>en Sie? Er gesteht, zuerst zögernd, daß : r auch seine Frau irgendeine Arbeit macht. Gelegentlich gebe es sogar Adressen zu schreiben. „Wenn c? uns gelingt, zusammen 12g NM über unsere Miete hinaus zu verdienen, dann können wir zur -,?tot iatt werden. In ,bcn leßten zehn Aronaten ist e? nicht immer gelungen." Ein Arzt, denke ich. mit $ I grau und drei Kindern . . . 120 NM monatlich :uußer der Miete . . . „Das alles hat aber doch ‘ /. den Vorteil, daß ich mich mehr um meine Jungen - kümmern kann. Wir kommen el>en aus dem Park ' von Aiederschönhauscn. Wir machen jeden Morgen solch einen Ausflug." Aber wenn inzwischen ein ‘Mictit kommt? „Meinen Sie?" Er lacht, etwas p künstlich. Offenbar trägt er sein Päckchen doch; schwerer, als er zugeben würde. Es ist auch ein Iausnahmsweise schweres Päckckzen. „Nein", sagt er, ..ich bin kein Ausnahmefall. Ter jübifcljc Arzt, der f immer noch anständig leben kann, der ist eher der s Ausnahinesall. Es hat doch keinen Ztvcck, sich Illusionen zu machen!" i später fällt mir auf, daß der kühle, sachliche, misentinientale Ton fast noch bezeichnender war als l der chihalt unsürcs alltäglichen Gesprächs. Man s weis; ja doch, wieviele jübifdjo Aerzte so aus" oeschlltet worden sind, wenn man sich auch beim Ipcn von Statistiken das Schicksal, den Hunger, die Not hinter den Ziffern nicht immer gleich vor Augen ruft. Von den Ausgeschalteten sind gewiß ir-uiclp ausgewandert. Hoffentlich nicht, um andersi 70 zu verhungern. Manck)e haben gewiß noch Erdnüsse. Wie lange lverden sie ansreichen? Tie frriftrn haben nicht die Möglichkeit, ansznwandcrn,! Hc wenigsten haben in der Privatpraxis die s lmilniziiiöglichleit. Die wenigsten können umsatteln, i Ncin. unser Arzt vom Gesundbrunnen ist keine Auss uchne. TieAussck)altung hat logischerweise die Prole- \ ‘ tariürvmni zur Folge. Und wenn diese schneller oder i. biegsamer. aber unweigerlich verelendenden deut.;■ scheu Fuden trotzdem Haltung bewahren, sich durch. pv schleppen, durchhungern, dnrchquälen, ohne wegl Ailmifen, ohne etwas Verzweifeltes zu tun, trotz, i dem ihnen das Messer an der Kehle sitzt, wenn sie l ihre Not nicht nach außen tragen und aller Welt j bordeklainieren. so sollte das doch keinen sehenden, l > deulenden Mensckgen veranlassen, zu meinen, es - > ginge der Berliner jüdischen Intelligenz so glän» Zend Es gibt allerdings noch fast 170 000 Juden m Berlin, es fahren allerdings auch noch manche davon tn eigenen Autos, aber das Gros, der ehemalige Mittelstand, vor allem die jüdische Intelligenz, ist unbestreitbar proletarisiert. Ter jüdische Arzt, der lauin einen Teil dessen verdient, was er eigentlich braucht, ist keine Ausnahme. Und doch wird er beneidet. Mit Recht. Den ansgeschalteteu Anwälten geht es schlimmer. Ein ausgeschalteter Arzt kann privatim immer noch Praktizieren, ein ausgeschalteter Amvalt. nicht. Was tut ein Nechtsimwalt. dem das Recht, Rechtsanwalt zu sein, genommen ist? Man hat in den Zeitungen gelesen und im Radio gehört, wieviele jüdische Anwälte ausgeschaltet worden sind. Haben wir uns überlegt, was aus ihnen geworden sein könnte oder werde,: soll? Es gibt nach den Statistiken immer noch Hunderte jüdischer Anwälte in Berlin. Wir sind durch die Gerichte gegangen, wir waren in Moabit und Eharlottenbnrg, wir haben mit Anwälten gesprochen, die noch amtieren dürfen, und mit solchen, die nicht uuchr den Titel führen dürfen, wir sprachen mit Juristen, deren maßgebliche und bekannte Eigenschaft ihr rhetorisches Talent war, und wenn wir auf unsere Frage zu sprechen kamen, so schwiegen sie, und das war erschütternder und deutlicher geantwortet als in -Worten und Statistiken. Diese Fälle. Gott weiß Kurt Leuner, der Bühnenbildner von „Was Ihr wollt" Fot. Herbert Sonnenfeld, Berlin Me lnele, gleichen denen der Aerzte bis auf .eine Kleinigkeit, nämlich bis auf die Hofsmmgslosigkcit. Und doch machen auch diese jüdischeu Menschen nicht viel von sich her, auch sie spielen ihre Rollen in der großen Tragödie des deutschen Judentums mit geradezu heroischem Anstand und Würde. Auf einigen Parkbänken im Zentrum kann man tat schönem Wetter eine ganze Anzahl jüdischer Lehrer treffen, die seit dem Umschwung ohne Arbeit sind. Was tun sie? Man bringt es nicht fertig, sie zu fragen. Man kennt sie und ihresgleichen nur .... vom Sehen, eines Tages im vorigen Jahre tauchte dieses und jenes Gesicht in der jüdischen Bibliothek oder in der Staatsbibliothek zum erstenmal aus, dann sah man es täglich. Mancher kain nach Wochen nicht mehr wieder. Alan dachte sich vielleicht, der Rotblonde, der immer da drüben saß, hat also wieder Arbeit gesunden', mm weiß man, daß er nur müde geworden war, immer mehr zu lesen, immer weiter zu studieren, ins Leere hinein, ohne Aussicht . . . Alan weiß ja selbst, wie mühselig es ist, nicht müde zu werden. Dabei hai's ein Schriftsteller oder Zeitungsmann doch anscheinend so gut. Er singet, wie der Vogel singt, und was eine Zeitung nicht druckt, nimmt die andere, nicht wahr? Aber von einem Juden? Fast alle jüdischen Autoren verdienen an dentsck^n Zeitungen so gnt wie gar nichts. Die jüdische:: Zeitnngen wiederum können nach ihrer Anzahl, ihren Raum-, Auslage- und Jntercssenverhältnissen kaum einen Bruchteil dessen ansgleichen, was früher zehnmal so viele Zeitnngen mit hundertmal so hohen Auflagen bei zehnmal so häufigem Erscheinen und dreimal so hohen Honoraren von jüdischen Schriftstellern drucken konnten. Wovon leben also die jüdischen Sehriststeller, Journalisten und Redakteure, die (ich glaube: fast ohne Ausnahme) ans ihren Stellungen ausgeschaltct sind? Alan muß sehen, wie sie leben, und nran wird die F^age: wovon? henmterschlncken. Man nmß wissen, daß Journalisten von Rang und Ruf heute nicht mehr in der Luge sind, die Zeitungen auch nur zu abonnieren, die sie selbst mit hochgebracht lüttem Man muß im Westen in den zwei oder drei Gasäs sie die eine Tasse Kaffee trinken sehen, mit der sie sich das Recht mitlansen. Zeitungen zu lesen. Man muß sie Pfeife rauchen, oder gar nicht ramhen sehen, weil sie nicht mehr in der Lage sind, Zigaretten zu kaufen; nicht mehr ins Kino oder gar Theater zu gehen, wird ihnen schon ebenso selbstverständlich wie der Verzicht ans die Sommerreisc und Gott weiß was noch. Gerade in diesem Stand marschiert die Verelendung mit Siebennieilenstiefeln vorwärts, aber auch diese boitiTcIjoix Juden sind stolz genug, ihr Geschick so zu tragen, daß weder Mitleid noch Verachtung erweckt werden könnten. - Unweit von der Halenseer Brücke befindet sich ein Unternehmen, das auch von Nichtariern Adressen schreiben läßt. Wenn man tausend Adressen schreibt. bekommt mm: so viel, daß mau einen Tag davon leben kann (nach dem offiziellen Lctanshaltungsindex), Aber bei zehnstündiger Artait schasst man meist nur siebenhundert Adressen. Immerhin ist das Unternehmen mit seinen uichtarisctan Gcle>genheitsarbeitern nicht nnznfrieden. ES seien intelligente Leirte, sagt man mir, Schriftsteller, Schauspieler, Akademiker. Sie arbeiten sauber, rasch und still. -Halensee. wir sind schon bald im Grnnewald, wo es noch ebenso viele reiche Juden geben mag. wie es schon hier und anderswo Villen ehemals reicher Inden zu verkaufen gibt. Berlin hat ja noch 170 000 Juden, loie könnte es tat nicht auch noch reiche geben! Das Bedauerliche ist nur, tatst die Gesamtzahl sinkt und die Armut wächst. Wir wollten mit den Stichproben aus dem Leben der Berliner Juden keine larmoyante Reportage machen, um all das Mitleid hervorziiloeten, das die Bemitleidenswertesten gerade am stolzesten ablelinen werden. Wir glauben auch nicht, daß ein schwererer Kamps ums Dasein allein schon ein Unglück sein nmß. der Mensch lebt nirirt vom Brot allein. Aber wir glauben allerdings, daß cs not tut, bitter not tut. zu wissen, welchen Kampf, auch in Berlin, die jüdische Intelligenz jetzt lämpst, sauber, anständig und still. DseMse Gsmsr«d«ssHS<K» vsrschsbsrr Die Repräsentanlonversammlung der Berliner JüdisckM Gemeinde hat in ihrer Sitzung nun: 8. Mai beschlossen, entsprechend dem Antrag des Gemeindevorstandes die Legislaturperiode voir Repräsentanz und Borstand um zwei Jahre zu verlängern, lieber den Verlauf der Sitzung erhalten wir ein vffizelles Gommuniguä, dem wir folgendes entnehmen: ... . . Hierauf folgt die Beratung der Vorstands- Vorlage. in der beantragt loird, die Amtszeit der in der Wahl vom 30. November 1930 gewählten Repräsentanten bis zum 31. Dezeintar 1936 zu verlängern. Tie in: Amte befindlichen Gemeindevorsteher sollen solainze in ihren Aemtern verbleiben. bis die Amtseinführung der neu zu wühlenden Repräsentanten erfolgt sein wird. Verbunden mit der Beratung ivird ein Antrag AuFührrmg im SerÜnsr |; Zum zweiten Male bringt der Kulturbund s ^halespeare: nach der düsteren Tragik des! ^Lihogo" die heitere Beschwingtheit von „Was s; Hr wollt". Grundsätzliches zur Wahl des Glückes zu sagen, erscheint aus diesem Anlaß i uberilüssjg. nachdem die leitenden Instanzen \ fcc* Kulturbundes die Zusicherung gegeben!• ^aben.chei der, Gestaltung des Spielplanes in j pennst die deutsch-jüdische Note stärker als!' öüii?r betonen zu wollen. Halten wir uns; un die Welt Shakespeares, die sich in dem i ^verweltlichen, nun weit über dreihundert! , alten Lustspiel in ihrer blühendsten [ --nmnigfaltigkeit vor uns austut, in der dich- | mischen Grazie wie dem tollen Faschingsi Wermut, dem spielerischen Ernst wie der i vechen,^ runden, handfesten Komchk. Heinrich! -^ine sah das Wesen der Shakespeareschen! ämwdie in der bunten Schmetterlingslaune, ,! ^omit sie von Blume zu Blume dahingaumw. selten den Boden der Wirklichkeit berühi ^nd. Ein solches Gaukelspiel der freien,! Awiischl-Nd ^oune, die den Vorgängen und | 'ÜMren ihre Grdenschwere nimmt und auch s ä- Unwahrscheinlichste durch die mühelos - 6chaltende Phantasie des Dichters einer höhe- \ 3 Wahrheit zuführt, ist Shakespeares „Was I vft gespielt, aber immer wieder 3 st^üsstein für die Kräfte, die das Theater pwr und neuer Zeit in den Dienst einer; omantisch-heiteren Phantastik zu stellen hat. l Tie Kulturbundbühne hat diese Probe —; (Ant alles nur in allem — aus das gkück- ' bestanden; ja es war. in dem Zusammwwken von Bühnenbild, Regie und auipielerischem Ensemble, die beste Aufp'nug, die uns ihr Sprechrepcrtoire bisher ooten hat. In der verengenden Perspektive J5011 u r t Leuner mit künstlerischem *ac^ gestellten szenischen Bilder gab es rwar keine Gelegenheit zur Entfaltung von dekorativem Pomp; dafür setzte sich eine intimere Wirkung in dem zarten Helldunkel der Beleuchtung und in dem vornehm abgetönten, kontrastierenden Farbenspiel der Kostüme erfolgreich durch. Dieser Wirkung kam auch die sorgsame und saubere Regie Fritz I e sine r s entgegen, der die beiden Spielelemente des Stückes, das Sentimentale und das Burleske, zu einer ordnenden, sinnvollen Einheit band, ohne durch eine breit ausladende, überbetonte Pathetik den enggezogenen Rahmen, in dem sich die gefühlvollen und die humoristischen Vorgänge abspielten, mutwillig zu sprengen. In der Darstellung schien allerdings die sentimentale Note zu zaghaft und zu gedämpft anzuklingen: E r n st L e n a r t als Herzog war zwar, Shakespeares Weisung gemäß, „von Gestalt und Gaben der Natur ein feiner Mann"; aber die Flammenseuszer der Liebe, von denen Viola spricht, wurden zu leisen Atemzügen eines weichen Dcelancholikers herabgedämpst, die das stolze Herz der Gräfin nicht mit Unrecht unberührt ließen. Auch Gräfin Olivia selbst fand in der ungemein sympathischen Erscheinung von Ruth Reimer eine so diskret zurückhaltende Vertreterin, daß man ihr die spontane Eutschlußsahigkeit in dem anmutig zwischen Ernst und Scherz tändelnden Spiel Viola —Sebastian kaum zugetraut hätte. Viola, die eigentlich tragende Rolle des Stückes, war Mira Rosowsky, die sich bereits als Hedwig in der „Wildente" durch eine früh gereifte schauspielerische Begabung in den Vordergrund gespielt hatte. Sie tat den Schritt aus dem düsteren Wirklichkeitsbereich Ibsens in die helle und reine Phantasiewelt Shakespeares mit einer intuitiven Sicherheit, aus der ihr Spiel kluge Herzenswärme und eine bewegliche, nur manchmal zu neckisch bewußte Mun- 6>rkeit bezog. Voll offener, freier, jugendlichsiegreicher Männlichkeit Klaus Brill als Violas Zwillingsüruder Sebastian; voll Kraft und ehrlichem Selbstgefühl der Antonio von '.Ken. SPLNitzr.. Die komischen Figuren des Lustspiels wurden in ihrer unverwüstlichen Lebendigkeit vollausgeschöpft. Fritz Misten hob die Gestalt des Narren beherzt über die Clownerien des niederen Spaßmachers zu einem lustigen Philosophen der Narrheit empor, hütete sich vor scherzhaften Improvisationen und befolgte mit dieser klugen Selbstbeschräukung Hamlets Gebot an die Schauspieler, daß der Narr nie mehr sagen solle, als in seiner Nolle steht. Der Malvolio von Hermann Heuser: ganz würdevolle Grandezza, ganz törichte Selbstbespiegelung des eitleir Prahlers, der dem erstbester:, gegen ihn gesponnenen Intrigenspiel arglos in die Schlinge läuft. Lotte Stein als Kammermädchen Maria, die Anstifterin der heiteren Intrige, von breitem, vollsastigem, ergötzlichen Humor. Als ihre beiden drastischen Eomplicerk, Junker Tobias und Junker Christoph von Bleichenwang, Fritz Lion, ein zechsroher, liederlicher Kumpan aus Falstaffs Geschlecht, ur:d Ii:- l i u s K u t h a n , ein alberner Trottel, dem die Dummheit im Geblüt sitzt. Langanhaltender Beifall, der mehrfach sogar bei offener Szene eiusetzte und sich am Schluß in vielen Hervorrufen kundgab, bestätigte die unmittelbare Wirkung des Stückes (dessen weitmaschiges Gefüge durch eine szenische Bearbeitung von Julius B a b und Elisabeth Levy geschickt und ohne Gewaltsamkeit zusammengezogen wurde) sowie der gerundeten Gesamtansführung. Dr. Hugo Lnchmanski. * Der Kulturbund bringt Ehnkespenres Lustspiel mit der Lchinrspielmnsik Engelbert Hninperdinks, der einzelnen Austritten eine diskrete Untermalung in melodramatischer Form gibt und teilweise die Szenen mit einer stimmnngsgesättigten,. trotz des kleinen Orchesterapparates (nur Streicher und Harfe) klangvollen Musil verlnudet. In Hnmper' dinks Ntelvdien klingen vor allem die zarten, sehn- ' süchtigen Stimmungen des Stückes ans, Shakespeares ■ burlesker Humor dagegen ist zu einer anmutigen , Heiterkeit gedämpft.. Die, Instrumentalisier:- unter Leitung von Wilhelm Altmann boten eine saubere und beschwingte Aufführung', der Schauspieler Fritz Misten der einige Lieder wiederzugeben hatte, bewies auch bei den komplizicrtercn Phrasen der Schwesternkunst ein sicheres Gedächtnis. Die Erstausführung von „Was Ihr wollt" wurde als F-cftabcnV zugunsten veö Zentralansschnstcs für .Hilfe unv Aufbau gestaltet. Rabbiner Dr. Baeck hielt eine eindrucksvolle Ansprache, die wir in ihrem lveserlllichen Inhalt bereits als Leitaufsatz der voriger: Nummer uuedergegebeu haben. Das Publikum, das zu dieser Festvorstelluug mit der der Zeit angepaßten Würde erschienen war, dankte den: verehrter: Führer für die geistigen Richtlinien, die er mit diesem Merhesprnch dem Abend gab. Der überaus grtte Bestich, bestimint nicht aus Sensationslust, deshalb nennen lvir auch nicht die Namen der. Anwesenden, sondern ans dem Derantlvortnngsbewnßtsein, dem Aufbauwerk der jüdischen Gemeinschaft zr: dienen — hat dem Zentralausschuß sicherlich uibev den ein maligen materieller: Erfolg llirurus die ideelle und daueri:de Freundschaft der Kreise gewonnen, derer: er unbedingt bedarf, wein: sein großes Werk zum Wohle der deuischeu Judenheit gelingen soll. Dr. M. E.. SüN FschWcM Ein Leser schreibt uns zur Psychologie des Publikrrmo: ' Die beste Inszenierung braucht, um zur richtigen Wirkung zu gelangen, ein entspreckHndcs Publikum. Erst werrn der Furr'e, der über'die Rampe springt, im Parkett zündet, ist der große Theaterabend da. Solch ein gutes Publikum ist nicht häufig. Man sollte es, so hat man gesagt, ebenso ans Gastspielreisen schicken, wie eine gute Schanspreltrnppe. Wer die ersten beiden Aufführungen von „Was ihr wollt" im Berliner Kulturbund miterlebte. konnte interessante Beobachtungen zur; Psychologie