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Central-Verein-Zeitung · 1934-05-17 · 20 (17.5.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
20 (17.5.1934)
Date
1934-05-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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19. 5.1331 ■ Berlin, 17.-Mai 1934 - , XIII. Jahrgang / Nr. 20 3,rs3s 2® {PfonnJs / A- In dieser Nummer beginnt die Aufsatzreihe Geschichte der Juden in Deutschland r | u(> öw ®Jy li o o o A. H. Ost nach jenem dunklen 1. April 1933 haben wir deutschen Juden uns gefragt, was Nc Zeit aus uns gemacht hat; vb wir uns der Ehre und Würde einer reichen Ueber- Iicjcntnc] gemäß, ob wir uns dem Erbe einer großen Vergangenheit entsprechend verhielten; ob die Krise unseres Daseins auch uns zur Rückkehr „zu unseren Ursprüngen" veranlaßt hat; zu jenen Ursprüngen, die zugleich die Ursprünge eines reinen Gotteselaiibeiis und einer echten Sittlichkeit für den größten Teil der Kulturmenschheit genwrden sind. Und wir fanden: was Spreu unter uns war, hatte schon zu Beginn dieser Epoche der Sturmwind der deutschen Geschichte fortgeweht; es waren wenige. Mose aber.stiez zu Gott hinauf. Da ries ihm der Ewige vom Berge herab zu und sprach: so sollst du sprechen zum-Hause Jakobs und ankimdigen den Löhnen Israels: Ihr-habt selbst cg'chon, was ich den Aegyptern angetan und nie ich euch auf. Adlersflngeln getragen und ach zu mir herbeigesiihrt habe. Wenn ihr nun ous mein Gebot recht hören und die von mir kjiimmtc Vrdnung eInhalten wollt, so sollt ihr unter allen Völkern mein Eigentum sein; 'denn mir gehört die-ganze Erde.' -Und ihr sollt mir cin Königreich von Priestern-und ein-heiliges Volk werden! Das find die Worte, die du den Israeliten sagen sollst. Da ging INose hin, rief die Nettesten des Volks zusammen und trug ibncn alle diese Worte vor, die ihm der Ewige anbcsoblcn hatte. Das ganze Volk aber erwiderte einstimmig: Alles, was der Ewige befohlen bat, wollen wir tun! ... Nun redete Gott alle diese Worte und sprach: Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich <w5 Acgvptcn, aus dem Sklavenhaus, wcggeführt bot: Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir. 2. Du sollst dir kein Bild verfertigen, stoch irgendein Abbild, von etwas, das im hiuuncl droben oder auf der Erde drunten oder im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich vor solchen nicht niederwersen und sie nicht verehren; denn ich, der Ewige, dein Gott, bin ein eifervoller Gott, der die Schuld der Väter beimsucht an den Rindern, an den Enkeln und Urenkeln derer, die mich hassen, aber Gnade erweist dem tausendsten Geschlecht derer, die mich lieben und meine Gebote halten. 3. Dn sollst den Namen des Ewigen, deines Lottes, nicht freventlich aussprechen; denn der Ewige läßt den nicht ungestraft, der seinen Namen freventlich ausspricht. h Denke an den Sabbat, daß du ihn heilig bältst. Sechs Tage lang magst du arbeiten und stll dein Geschäft verrichten. Aber der siebente Eag ist ein Sabbat zu Ehren des Ewigen, deines Gottes; da darfst du gar kein Geschäft verachten, weder du selbst noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Sklave, noch deine Sklavin, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, jLcr sich in deinen Toren aushält, denn in sechs ^gen hat der Ewige den Himmel und die Erde, das lUeer und alles, was in. ihnen ist, gemacht; Kerauf ruhte er am siebenten Tag. Daher hat "rEwiqe den Sabbaitag gesegnet und für heilig erklärt. 5. Ehrsürchte deinen Vater und deine HG damit du lange lebest auf dem Boden, '-ch dir der Ewige, dein Gott, zu eigen geben c>- Du. sollst nicht töten. "■ Du sollst nicht ehebrechen. 8. Du sollst nicht stehlen. % Du sollst gegen deinen Nächsten-nicht als.. Plscher Zeuge ausfagen. to. Du sollst nicht deines Nächsten Haus be-; cJ%cn. Du sollst nicht deines Nächsten Weib' begehren, noch seinen Sklaven, noch seine m'hvin, noch sein Rind, noch seinen Esel, noch etwas, was-deinem Wachsten gehört, Wer sich nicht einfügen wollte in die neue Ordnung, ist gegangen, eS waren wenige. Ein. größerer Kreis von Menschen, achtens- und ehrenwerte junge Menschen vor allem, die auf freie Zukunftsmöglichkeiten nicht verzichten wollten, sind ausgewandert. Sie haben alle gesetzlichen Vorschriften befolgt und allen staatsbürgerlichen Verpflichtungen Genüge getan, die bei Auswanderungen zu berücksichtigen sind. Wer von uns verblieb — das war die überwältigende Mehrzahl —, bekundete' damit den Entschluß, im neuen Deutschland im für uns Juden engeren Lebens- und Nechtsraum, in Bescheidenheit, ja sogar in Dürftigkeit sein Leben fortzuführen und durch die Unantastbarkeit seiner Existenzsührung eine neue Wertung seitens der nichtjüdischen Mitbürger herbeizuführen. Den neuen Gesetzen des Staates — Staatsgesetz ist Neligionsgesetz —■ haben die von ihnen Betroffenen sich ge-, beugt. Tausende hoffnungsvoller Existenzen,, in mühsamem Fleiß, in ehrlicher Geistesarbeit teilweise in Jahrzehnten aufgebaut, hatten aufgehört. Die Sorge, um diese Menschen nahm die jüdische Gemeinschaft neben der Erfüllung ihrer allgemeinen Verpflichtungen auf sich. Sie tut,-was irgend, möglich ist, und es ist jedes einzelnen '.größter. Schmerz, daß seine geschwächte.Kraft.es ihm nicht gestattet, diese Verpflichtungen in dem Umfange zu erfüllen, wie es sein Herz gebietet. Jeder opfert aus seinem - beengten Vermögen, nicht nur um einer religiösen Pflicht zu genügen, sondern vor allem, nur im deutschen Judentum die Cchicksalseinheit Zwischen denen, die die Zeit schon hart getroffen, und jenen, denen sie noch Lebens- Möglichkeiten ließ, zu bekunden. Der „unbekannte Jude", von dem an dieser Stelle vor wenigen Wochen gesprochen wurde, ist das Symbol dieser Menschen, denen der Aus-' stieg gesperrt, die aber aus ihrer Lebenskraft das Dafein bejahen. Aus die Aprilgesetze folgten die für Presse, Film, Theater. Anstalten, deren Ruhm die Welt kennt, verzichten auf die Weiterarbeit von Juden. An den Stätten des deutschen Kulturlebens kann gegen den Willen der hierfür bestimmten Organe oder unbemerkt kein Jude mehr Mitwirken; der nationalsozialistische Wille hat auch hier seine gesetzlichen Formen geschaffen, die wir Juden anerkennen müssen. Tie jüdische Gemeinschaft hat auch diese Menschen nicht der Verelendung verfallen lassen. Neue Opfer, wurden gebracht, und Einrichtungen wurden geschaffen, in denen wir die uns wesensverwandten Erscheinungsformen der deutschen Kultur durch Juden pflegen lassen konnten. Die jüdische Presse, von Inden Jih- Juden geschrieben, lanG-ch sich aus her Basis--grundsätzlicher Anerkennung von Staat und Gesetz von Kritic an Außenerscheinungen sernhalten und sich dem geschichtlichen Werk der seelischen und moralischen Erneuerung und Festigung der jüdischen Ge¬ MM ÄMMchEN; IWÄMSßCEW 'Bebe H§S MiMMSVS „GsgsN MssMSchSD tmb KÄMMST" um 11. TÄ tot WeMASv SpOÄMßM Nach dem Bericht des v. 6.:... „W enn hat mit seinem Instinkt diese Gefahren selbst noch einTeil desAuslandes uns mit gesehen. Wenn beispielsweise die Juden dem anonymen Boykott begegnet und deutsche glauben, daß der unblutige Verlaus der deut- Waren nicht abnehmen will, so wissen wir sehen Revolution ihnen das Recht gebe, in sehr wohl, daß das aus unsere jüdischen altgewohnter Frechheit und Arroganz wieder Mitbürger zurückzu füh ren ist. Ich das deutsche Volk zu reizen und zu provokann aber nicht, iveil die Juden im Ausland zieren, so sollen sie unsere Geduld nicht allzu uns boykottieren, im Innern die Judengesetzsehr auf die Probe stellen. Wir haben die gebung zurückziehen, sondern wir müssen diese Juden geschont. Wenn sie aber meinen, sic Krise eben durch stehen. Die Inden könnten deshalb wieder auf deutsche Bühnen meinen vielleicht, ihren jüdischen Mitbürgern - treten, um dem deutschen Volke Kunst darzuin Deutschland damit Zeinen Dienst zu tun. bieten, wenn sie meinen, sie könnten, wieder Sie tun das Schlimmste, was sie überhaupt in den Redaktionsstuben nuftanchen, nur tun können, denn sie sollen mcht glauben, deutsche Zeitungen zu schreiben, wenn sie wic-- wenn sie in der Tat den Boykott so weit trieder über den Kurfürstendamm flanieren, als ben, daß er wirklich eine ernstliche Bedrohung wenn gar nichts geschehen wäre, so mögen unserer wirtschaftlichen Situation darstellen ihnen diese Worte als letzte Warnung dienen, würde, daß wir deshalb die Juden Sie haben sich in Deutschland so.auhmfrei aus gehen ließen. (Stürmischer führen,-'wie sich das für Gäste gehört. Beifall.) Haß und Wut und Ver- Wenn sie meinen, daß ihre jüdischen Glanzweif lung des deutschen Volkes Lens- und Rassegenossen in der Welt sie hcrwürden sich dann zuerst an die halauspauken könnten, so mögen sie davon überten, die im Lande greisL ar sind."...- zeugt sein, das, was die Welt in bezug aus . . . „Wir glauben, daß das Volk reif ist, die Judenfrage uns antun könnte, das hat sie jeder Gefahr ins Auge zu schauen. Die Regetan, das haben wir in Kauf genommen. Die gierung sagt die Wahrheit, sie handelt nach Judenschast kann davon überzeugt sein, wir der Wahrheit. Sie ruft das ganze Volk aus, lassen sie in Ruhe, wenn sie still und bescheiden mit aller Kraft der Negierung zu Helsen, um sich in ihre vier Wände zurückzieht, wenn sie die schwere Gefahr zu überwinden und das nicht provoziert, und wenn sie nicht vor das Schicksal zu meistern, das uns für unser Land deutsche Volk tritt mit dem Anspruch, für und unser Volk auferlegt worden .ist. Gevollwertig und gleichwertig angesahren sind nicht nur auf wirtschaftlichem und sehen zu werden. Tutdie Judenschaft-das politischem Gebiete zu bemerken, sondern auch nicht, so muß sie die notwendig eintretenden aus kulturpolitischem Gebiet. DaS Volk selbst Folgen sich selbst zuschreibcn." Die Pressestelle der Rerchsvertteirmg der deutschen Inden keil! mit: Die - Reich282rtrerimg der deutschen Inden hak zu den Ausführungen» die der Reichsmlm^er für' Vortsaufclärung und Propsgünds» Herr Dr. Goebbels, in einer BetfcsatnCung im Sportpalast zu Derün am 11. Mai d. I. über die Inden gemach! hat, in einem eingehenden Schreiben an den Herrn Minister Stellung genommen. . . meinschaft in Deutschland und ihrer neuert Einordnung widmen. Verschwindend kleine Kreise von Außenseitern — wo gäbe es sie nichts —, asoziale Elemente. und ajüdische Elemente sind vorhanden; ivir zählen sie ans, damit es nicht heißt, wir verschwiegen sie. Gewiß sind immer noch Menschen im deutschen Judentum einsichtslos, verstäudnisfern gegenüber der Zeit und ihren Forderungen. Aber sie zählen, nicht mit, sie machen höchstens durch den Kontrast Haltung und Würde der überwältigenden Mehrzahl deutlicher. Der Abschluß der Welt gegen uns führte uns deutsche Juden enger zueinander. Wir lernten die Menschen unserer Gemeinschaft, aber vor allem auch die Grundlagen dieser Gemeinschaft näher kennen. Was manchen, die sich dem Judentum fern glaubten, vor Jahresfrist vielleicht nur als Modespiel, als Entdeckungsfahrt in unbekannte geistige Gefilde erschienen sein mag, das zog von Lehrstunde zu Lehrstunde, von Tag zu Tag. von Vortrag zu Vortrag die Mcmschen immer stärker in ihren Bann. Und sie fühlten erschüttert aus der großen und erhabenen Ueberlieserung der Propheten!- und Psalunvorte die große Rätsel-- frage unserer Gemeinschaft fid) Wicen, weshalb es nach zweitausend Zainen Mer,.Ken,an; noch Inden ans der Welt gibt, die nach Haltung, im Rechtlichen, Geistigen und Sittlichen, vollwertige Menschen sind. - Sie lernten verstehen, welche gemeinschaftsbildende Kraft in dem -schlichten Satz der Schöpfungsgeschichte steht: „Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde." Und so zu ihrem Gott zurückgekehrt, begriffen sie auch, was der deutsche Dichter meint, wenn er sagt: „Wie der Mensch, so sein Gatt, darum ward Gott so oft ziun Spott." In die Unordnung ihrer persönlichen Werteordnungen, in denen sich bisher jeder einzelne nach seinem persönlichen Geschmack, nach seiner Beguemlichleit Maßstab und Ziel schuf, brachte die ewige große Werteordnung mit Gatt als der jedem menschlichen Maßstab und jeder menschlichen Anbequcmung entzogenen Spitze jeder Wertbestimmung die große Klarheit und Sicherheit; Gatt, der die Erde geschaffen hat, ans der alle Menschen Gäste Gottes sind. Ter Berg des Herrn, der nach der großen messianischeu Verheißung unseres Glaubens einmal ain Ende der Tage aufgerichtet sein soll, wird für ' alle Menschen dastehen, kann allen Menschen Zielpunkt werden. Denn das gleiche Streben zur Voltendnng des göttlichen Wollens macht sie g l c i ch lv c r 1 i g vor Galt. . . Diese. Gedanken drangen in uns ein: Wie geistige Blutsverwandtschaft über die Jahrhunderte hin, machten sie sieh uns und Die vovltegczide Nvumzzzc? umfasst 20 Seilen und enthält u. a.r Hauptblatt: Geschichte als Trost, von Rabbiner Dr, Eschelbacher — Ein Jahr Hilfe und Aufbau, von E riedrieh Horcher dt — Kaiser, Papst und Blulbescluildigung 1. Beiblatt: Vom Gesundbrunnen bis zur Haiemeer Brüche — Was Ihr wollt, von Dr. Hugo Lachmans!(i — Schachccl[c — Erziehung zu neuer Berufsgesinnung, von Dr. Arthur Calliner 2. Beiblatt: Das Blatt der deutschen Jüdin Emanucl Reicher, von Fritz Engel und Elly Reicher — Kindcrblatl 3. Beiblatt: Gesetz und Recht — Wirtschaft der Woche — Seite der Jugend 4. Beiblatt: Juden in Deutschland zur Römerzeit, von Dr. Adolf Kober -— Die letzten Tcgc von Bethar, von Richard lbilde — Hier schreiben unsere Leser — Das neue Buch 1

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