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Central-Verein-Zeitung · 1934-05-03 · 18 (3.5.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
18 (3.5.1934)
Date
1934-05-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 3. Mai 1934 XIII. Jahrgang / Nr. 18 Press 2® Pfennig owo BLEUEI FUft BEU.TSCHTUH UH: JUBEHTUN [""" g a ra'u ul 'g /?T~ (li i(i g (!)!-•■ ifV«f /. : / I Vvi%f£ «'--m i^-r vVVv VvV * I. A. H. Echte Aussprache Mischer: Juden mrd Rsthtjuden T)til cS in Deutschland seit Der nationalen Revolution nur als juben» christliches Gespräch auf der Ebene theologisch-religiöser Auseinandersetzung gegeben. Das konnte nicht befriedigen, da der llmsang der religiösen Bereiche, mögen sic als Wert an sich und für die Partner das M in sich begriffen haben, an der Totalität unseres Gebens genressen, nur gering gewesen ist. Auf politischem rrnd kulturellem Gebiete gab es nur Monologe, weil hinter der Aussage der Nichtjuden Macht, hinter der unserigen Ohnmacht steht. Auf jener Seite enthielt die Airrede Feststellungen von vollzogenen oder zu vollziehenden Tatsachen, arrf der rurscrigen würdevolle Teutrrngsversuche, die billige Gesten vhrrmächtigen Protestes mieden. Tenn sollten etwa wir, da die Machtmrge im neuen Teutschland außer Frage steht, über den Einsatz der Macht u n 8 gegenüber diskutieren? Sollten wir, da der Parlamentarismus arrf den historischen Reguisitcnbodcn verparkt wurde, über uit f c r e Lage parlamentieren? Ter prägerrde Alle der Macht musste erst die Grundformen sendet haben, che Raum,frei nmrbc für die ,uaQe nach dem Inhalt, der allenfalls äußerlich an geordnet rverden, seine wesenhaste Ordnung jedocharrrr finderr. kann, wenn sie auf seine tiefere Struktur acht gibt. Mr solche Fragen jenseits der,Macht erörtert, gidt zu 'erkennen, daß er weiß. wie Macht Mar geschichtliche'T a t f a ch e n schaffen kann, wie aber erst die spätere Rückschau zeigt, ob daraus ucue geschichtliche W a h r h e i t e n wurden, und daß er Gespräche auf gleicher llbene will. Türfen wir annehinen, daß ein Aussatz ‘!!l .. Ä ö lti s ch e n Beobachter" vom April „Zum Problem der Dissimilation" auf dieser Ebene gemeint ist? rein Verfasser, Lutz Lenders, besitzt eine ungewöhnlich eingehende Kenntnis der jüdischen Problematik und Probleme, was schon Ai anderer Gelegenheit, so z. B. vor dcnr Frager Zionistenkongreß, ersichtlich gewwrdeu war. llendcrs'Sachknnde hat unmittelbar strenge Sachlichkeit seiner Darstellung irn Gcsvlge. Anr folgen ihm dorthin, uw Ideenvorgänge und -ergebnisse überprüft rverden können. II. Aws schreibt Lenders? "Wie bei vielen Gesellschaftsproblemen, gibt ks auch in per Iudenfrage leine „Lösung" in dcnr >5inne. daß ihr Dasein aufgehoben werden Wune. Alle jüdischen und nichtjüdischen Theorien, die diesen Erfolg versprechen, sind mindestens objelllo vochllapelci. Aber es gibt sowohl auf seiten Ar Riehst,,den wie der Juden eine richtige und. salnhe Pallung. Ter Liberalismus der verganst!wn Zeit die richtige Pallung nichl gelundeii; das beweist die unerträgliche Acschaffenvorliegende Namumer umfasst 16 Seilen und enthält u. a.: Hauptblatt: Die Rcichsvcrlrclung gegen die Rüualmordamchuldlgung. Beiblatt: Beruf scignungsprüfungen,_ von Heinrich Kuhn. Der Kulturbund eme Angelegenheit Aller. Aus der C.-V.-Bewegung. Beiblatt: Das Blatt der deutschen Jüdin. Hie Synagoge. Seite der Jugend. Beiblatt: Cauncr und Hehler im vergangenen Jahrhundert, von Rechtsanwalt Dr. Rudolf Wassermann. Lavaler und Mcndels- *ohn, Von Dr. Hans Kalhch. Wirtschaft der i Woche, hin Jahr Paläslinatvanderung. fVS > heit der Atmosphäre, wie sie vor der Macht« ergrcifung durch Adolf Hitler in Teutschland bc« . stand, und wie sie in den meisten misrerdciüscheii Ländern auch heute noch besteht, lucmi auch die ■ Regierungen offiziell nichts davon wissen. Ter Nationalsozialismus, der in der Juden« Politik völlig neue und revolutionäre Wege bc« schritt, konnte natürlich nicht bewirken, daß mit einem Schlage zwischen den Deutschen und den Juden das richtige Verhältnis hergestellt wurde. , Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, 31t glauben, . das; mit der nunmehr abgeschlossenen Aricrgesetz« . gebuug die Judenfrage, d. h. die Frage nach den richtigen Beziehungen zwischen den beiden Gruppen, endgültig beantwortet sei. Vielmehr ist dies nur möglich auf dem Wege einer tiefschürfenden und nicht ermüdenden Erziehung. Sie allein kann die Erhaltung der uationalsvzialislischeu Alis- ■ sassung auch für die folgenden Generationen sichern. Tie gesetzliche Regelung dagegen konnte nur den allerdringlichstcn Uebelständeu abhelsen, . sie kann nur die äußeren Grenzen ziehen, die aber auf die Tauer wertlos wären, wenn ihnen leine ’ inneren, einer formalen Gesetzgebung unzugänglichen Grenzen entsprechen. In die Diskussion um die Judenfrage nmrde nun in neuerer Zeit eine Parole geworfen, die mit dem Anspruch austritt, einen wesentlichen Beitrag 31t einer nationalsozialistischen Indcnpolitik 31t geben. Es ist das Wort von der „Dissimila- ' tionL Dieses Wort erfuhr sozusagen sein Poli- ' tischcs Tcbut aus dem 9. europäischen Rationalitätcukongreß, der im vorigen Jahr in Bern tagte. . Aus Betreiben der deutschen Bollsgruppcn nahm . der Kongreß eine Resolution an. die grundsätzlich . einer „Dissimilierung" gegenüber eine positive Haltung nicht versagt. In der Tat scheint diese Parole durchaus brauchbare Perspektiven zu eröffnen. Rur muß ■ dem Wort eine genaue nnd klare Vorstellung ent« ' sprechen, wenn es nicht zu einem belanglosen, das Unvermögen und die Phantasielosigleit deckenden : Schlngwort herabsinken soll." Lenders fügt hier eine kurze Darstellung vom Wesen nnd Verlauf der Assimilation ein: Aufklärung und Liberalismus, beides Kinder der französischen Revolution, hätten die Inden emanzipiert — nicht aus Jndenfreundschast, sondern aitS doktrinären Gründen: Hingabe des Judcntllms für die Emanzipation. Ties habe „Verkleidungen" — also bei uns die der Juden in Deutsche — notwendig gemacht. Wer iticht durch Mischehe oder Dause sein IudcnstiFc g! st -;; p Die „Synagoge“ am Münster zu Strassbarg Zu dem Aufsatz 2. Beiblatt 2. Seite saBQBHEEnnQnnnoEEnnnnnnaHCäBEEß 'tum völlig liquidiert habe, versuchte sich mit dem „Trick" der reinen „Glanbensgemeinschaft" in die Welt cinznslihren. Ter Unterschied zwischen Inden nnd den anderen sollte nur in der Berschiedenartigkeil der Religionen bestehen: „Da die jüdisch' Religion als eine theokratische, nationale Gesetzesreligion allen solchen Deutungen spottete, so mussten die .Juden, sollte ihre völkische Assimilation glücken, diese ganz ab- Hierfen und „Christen" oder ..Dissidenten" werden, oder sie mußten ihre Religion verfälschen nnd ■ einen christlichen Kirchenhegrifs IiincinquiUen. Die liberalen Resvrmrahbiner begannen l>esonders , eifrig, alle Stellen aus dem Gebetbuch und der o oo r-v o P «o [HÜ! V M v -O:/, Aus Wien kömmt die Nachricht, daß unser Freund Tr. Jakob Ornstein seine Aemter. als Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeindo nnd als Präsident der Union oster-- reichischer Juden nicdergclegt hat. Als Ursache des Rücktritts wird offiziell das hohe Aller — Dr. Ornstein hat das 70. Lebensjahr erreicht —, sowie Arbeitsüberlastung des verdienten Mannes angegeben. Itt Wirklichkeit scheinen jedoch sachliche Gründe für die Amtsnieder-- tcglmg maßgebend gewesen zu sein, die sich auf die Verschiedenheit der Auffassungen zwischen der. Union nnd den Jüdisch-Nationalen beziehen. Soweit die betreffenden Berichte schon eine gewisse Klarheit ergeben, steht im Mittelpunkt des Meinungsstreites die Frage „Religionsgemeindc oder^ Bolksgemeinde?",. die offenbar zurzeit in Wien insofern eine aktuelle Zuspitzung erfahren hat, als dort die Politik der Jüdisch-Nationalen in jüngster Zeit lvieder energisch die Kvnstitnieri'mg der österreichischen Inden als nationale Minderheit betreibt. Die Union sieht in diesen Bestrebungen mit Reelit eine große Gefahr, da sie in Wirtlichkeit, selbst bei Aufrechterhaltung der formellen Gleichberechtigung, die Stigmatisierung der Juden als Fremdkörper im Staate zur Folge haben würden. Diese Auffassung der Union lvird auch von gemäßigt zionistischep Kreisen geteilt, doch scheinen in letzter Zeit radikalere Elemente dort die Oberhand gewonnen zu haben. Ter im Allgemeinintercsse äußerst bedauerliche Schritt des Herrn Tw Ornstein bedeutet demnach ivoht einen Protest gegen die bedenkliche Enllvicklung. ' Häufig schon sind iunerjüdische Ereignisse in Oesterreich Waruungszeicheu auch für unsere deutsch-jüdischen Verhältnisse gewesen. Die krisenhafte Zuspitzung der Bestrebungen, die dort auf einer Aufrichtung der Volksacmcinde an Stelle der bisher üblichen nnd bewährten Form der Knltnsgcmemde gerichtet sind sollte hier vor allem den Kreiseri zii denken geben, die sich stvar offiziell der Ausrechterhältinig der Religlvnsgemeinde verschrieben haben, in . dem unterschiedslos, Erpansivstreben der ihnen unterstehenden Ar-, beit-gebiete sich aber in Wirklichkeit der Volksacmciiidc mehr und mehr aniiähern. Daf; die Bedenken, die gepeir eine .derartige. Vers'wstschnng'der livtivendigen 'Abgrenzungen be- . sttstwn, auch eine sehr ernste politische Seite habeii. solltcii die österrclchlscheii Borgange --deutlich machen., ^ie Wiener Vorgälige erfordern um so stärkcre Beachtung, als geradestetzt Ereignisse ' von besonderer Bcdeiitsamkeit m der Berliner jüdischen GemeindevcrtretiLng vor sich gehen. Es besteht die Absicht, die Legislatirrperivde der Berliner^ Gemeindckörperschasteii um' zwei Jahre 311 verlängern nnd dadurch Nemvahlen Zii verrueideu. Infrüheren Zeiten hätte ein solcher Vorgang nur den - verhältnisinäßig steinen Kreis der au GemeiudePolitik und Gemeindearbcit interessierten RAlischen zum Aufmerken gebracht. Der Rsthmeii der Ausgaben, die früher der Gemeinde gestellt waren oder die die Genieiiide zu erfütlcii sich veranlasst suhlte, >var verhältnismäßig llciu, und Persönlichkeiten von wirklich bedeutendein Ausmaß suchten meist im allgemeinen öfsentljcheii Leben ihren Platz. Während der Legislaturperiode ist eine grundlegende Vcräiideruiig au diesen früheren Voraussetzungen und Tatsachen cingetretcii. Die Gcuneinde nimmt * gcgenivärtig überall eine zentrale Stellung im jüdischen Leben ein. Diese Feststelliiug trstst besonders stark für Berlin zu, in dem ein Drittel aller deutstbeii Iiideu leben. Dazu kommt, daß durch die Konzentration der .jüdischen Institittivnen nnd Körperscstasten Berlin eine über diesen Prozentsatz hinausgehende Bedeutung für das Interesse. ber deutschen Juden gewonnen hat. . Diese/Konzentration hebt die Berliner Gemeiudeivahl weit über ihre lokale Bedentnng hinaus. Es darf nicht ans die Dauer, wie es gerade im letzten Jahre wstederholt zutage getreten ist, ein Gegensatz Zivilehen der Gemeinde Berlin und den Gemeinden im Lande, - insbesondere den führenden Großgemeinden außerhalb Berlins hervortretcn und sich vertiefen; und eine Wahl in der Berliner Gemeinde würde Unruhe in das ganze Land hinaustragen. Die Frage nach der Zusammensetzung der. Gemeindekörperschasten in- Personeller- Hin- - sicht, aber auch nach ihrer Parteizugehörigkeit lvird heute von der Gesamtheit der Gemeiudeaugel)örigeu gestelltj iveil sie die Notwendigkeit erkannt haben,'eine der-Bedeutung der Gemeinde adäquate personelle -Zusammensetzung ' ihrer Körperschaften auznstreben. ' Wir würden cs überaus begrüßen, wenn es möglich wäre, ohne öffentliche Auseinandersetzungen in unzeitgemäßen Wahl- - ü'ersainmlnugeu und Flugblättern die Führung der Berliner Jüdischen Gemeinde diesen Forderungen entspreclieud zu erneuern. Es sieht außer Frage, daß hierbei die Btehrheit von ausgesprochener E.-B.-Gesiunung wne bisher erfüllt sein muß. und daß ein-Kompromiß,' durch das etwa der nationaljüdische Einfluß die Oberhand gewönne, ansaesch/ossen ist. Aber gerade, lucmi man ernsthaft die Entwicklung dev Gemeinde prüft, fühlt man die Verpflichtung, die KAmstellation innerhalb der Gemeindekörperschasten, die erfreickicheriveise nach ihrer riclstuugsmäßigen Zusammensetzung unseren Wünscheu entspricht, nunmehr auch in personeller Bezietiung so zu gestalten, daß sie ihre später einmal im Walilkampf zu verteidigende Position unerschüttert nnd unbedenklich in die Waagschale loerseu kann. Tie^Umwandlung der Begriffsinhalte ans allen Gebieten nnd so auch auf Gebieten des jüdischen Lebens hat innerhalb der Ge>neindcpoiitit bedeutsame Beräuderuugeu mit sich gebracht. Welcher liberale Fülsrer beisoiels-- weife würde heute die progranuuatifcheu Berfprcehuugeu der Eampague von UR<» zu dem, ivns die liberale Führung steitdem iu der Gemeinde und aus ihr gemacht hat. iu Parallele gesetzt sehen wollen? Wie nennen nur Beispiele wie jüdische Schule, jlldische Kulturarbeit. Wirtschastslstlse u. dgl. Wir von unserem Staudpuult begrüßen diese Bilduugssäljigkcit gerade derjenigen Kreise, die dem E.-B. mit Beckmessergeuauigkeit jeden Schrittaugekreidet haben, der ' sich dein Rhythmus -der Zeit und dem inneren Kommando der Zeit in notivendiger Einstellung augepaßt hatte. ' Aber wenn wir diesen iinioren Widerspruch seststelleu müssen.'so liegt immerhin die .Frage'nahe, ob die Wandlung des Gemcindeprogramms ans einer inneren Erkenntnis und Verpflichtung gegenüber den neuen Ausgaben erfolgt ist oder nicht viotmelir aus,einer inneren Zioangslage lieraus; gerade dies ist aber für die Bewältigung der großen Ansgaben von entscheidender Bedeutung. Wir ivvllen einen Gleichclaug der Herzen und Gesinuuug iuit den Ausgaben und nicht einen durch, den Truck der Gegenwart nicht sielitbareu, bei normaler Entwicklung aber nun to stärker austretenden Spalt zioischen Tat und Gesinnung. Hier zeigt sich gerade die Bedeutung und Schwere der Ausgaben in personeller Beziehung. 'Wir, als die große Organisation, die sieh allen jüdischen Lebensbereichen als Treuhänderin der deutschjüdischen Idee mit Fug und R'echt empfindet-, sillsten die volle Schwere unserer Verantwortung. Der deutsch-jüdische Lebeuskreis des Berliner Judentums ist iu der Lage, Menschen von Einheitlichkeit und Geschlossenheit für die großen Ausgaben zu präsentieren, die in der Gemeinde zu löjeii sind. Menslhen. die auch im gegnerischen Lager so gcnoerte.t toerden, daß eine Verlängerung - der - Lllirlungsdauer der 'Gemeindekörperschasten nicht im Wege eines .Machtkampfes, sondern duM. gegenseitiges Verständnis erreicht iverdeu kann.

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