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Kinderblatt · 1934-04-26 · 3 (26.4.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kinderblatt
Volume
1934
Issue
3 (26.4.1934)
Date
1934-04-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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vmmw} Einen Briefwechsel wünschen sich: Lotte Frank aus M a r k t b r c i t, Vachgasse 5, zehn Jahre alt, mit einem gleichaltrigen jüdischen Kind. — Susi L a u b e r aus Marktbreit, Schustergasie, neun Jahre alt, mit einem jüdischen Knaben. — Bärbel Kohn au8 München, Wotanstraße 59, vierzehn Jahre alt, sucht einen Meinungsaustausch über Bücher mit einem gleichaltrigen Mädchen. Susanne Landshut, Kairo-Meadi (Aegypten) t Lieber E.-V.t Trotzdem ich so weit von dem lieben Deutschkand entsernt bin. hofse ich doch, dasi diese Karte mit dem hoffentlich rich« tigen Vers noch zur rechten Zeit cmkomnst. — (Leider ist da8 nun diesmal, wie Du auS der Lösung ersehen kaltnst, nicht der Wir haben uns aber sehr über Deinen Kartengrusi aus so weiter Ferne gefreut!) V/elkgang kt. (Lchneidemüh!), 12 .Jahre alt» Lieber E.°V.? Ich Habe einen kleinen Vers gemacht, bitte, drucke ihn doch in Deinem Kinderblatt ab: Was ist es, das wir alle lieben, wofür hätt' jeder gern geschrieben, weil jedes Kind d'ran Freude hat.. . ’ das ist das „E.-V.-Kinderblatt!" Jlerta W. (Karlsruhe), 11 Jahre alt* Lieber E.-V.l Frage doch inal in Deinen; Kinderblatt, ob mir nicht jemand ein paar hübsche jüdische Verse oder ein seltenes jüdisches Licd schreiben kann. Ich möchte es gern zum Geburtstag meiner Mutti tm Mat aufsagen. Von Hilde Marx Ein Lüftchen law durchs Sommertal, ein Wölkchen und ein Sonnenstrahl, die Wiese grün, ein Mnrmelbach, und dort wir zwei — lach, Kindchen, lach! u-> Aufbau eines Kasperletheafers Liebes Häunchen aus Alleusieint Du rnvchtest wissen, wie Ihr zu einem Kaspertelheater kommt. Gern wollen wir cS Euch zeigen. Ihr seht in der Abbildung das Kasperletheater einer Berliner Piirimaussührnng.- Sicher habt Ihr unter Euch so viele geschickte Hände, dasi es Euch leicht ivird, ein Holzgestell, wie Euch der kleine Aufriß zeigt, zusaiuinenznlnucn. Die Vorderwand könnt Ihr mit Pappe oder Stoff bespannen und, wenn Ihr ivollt, bemalen. Die Hohe des Gestells müßt Ihr Euren Bedürfnissen anpasien, zweckmäßig dürste die Hohe nngesähr 1,29 Bieter fern. Bei der Ansertigiing der Puppen köniit Ihr (Sure Geschicklichkeit und Phantasie beweisen. Alte Stoffreste habt Ihr ja sicher zur Verfügung, die Ihr folgeudermasieu zuschneiden uiüsit: Ein Stossstück 26 mal 12 Zentimeter naht Ihr zil einem Nock zusammen, als Bluse schneidet Ihr einen entsprechenden Kimono Zilrecht. Ten Nock näht Ihr oben zu und näht' ihn mit der Vorderseite des KimonoZ zusammen. Der Rücken bleibt offen, damit Platz für die Finger, die in den Kopf und m die beiden Aermel gesteckt werden müssen, bleibt. Als Füsre und. Arme benutzt Ihr, wenn Ihr nicht gut genug schnitzen köuut, einfacl-e Holzstückchen, die Ihr nach Wiiusch amnalt; befestigt werden sie in den Aerriieln tliid am Rock. Die Mäiiiier, die ja Eurem Spiel wohl <- Hotzrahmea Hol7geatelle rechts and am Rahmen anzubringen | Raum für die cvt-L Vorhang Ansioht von oben Seitenansicht Stiefel "/■HcSä nicht fehle,i dürfen, kleidet Ihr in andersfarbige Kilnonos, die ' oder Füsie iverdeu dagegen, mit Hosen Ersehen. Das schwierigste siiid aber die Kopse. Am schönsten sind selbstverständlich geschnitzte Köpfe, aber auch ans Ton selbstgeformte sind nicht übel iind sehen beinalt recht hübsch ans. Zur Not könnt Ihr alwv auch, wie Euch die Abbildung zeigt, einen Kops ans einer Zitrone oder Apfelsine Herstellen. Augen, Ohren, Nase und Mund rimcht Ihr aus verschieden sarbigeu Holzperlen. Die - Zöpfe . flechtet Ihr am lösten aris Perlgarn. Zinn Befestigen der Apfelsine nehmt Ihr ein Holzstück, das Ihr in die Frucht hineinbohrt, au diesem Holz ruiisi ein Draht so angebracht ,verden, daß Ihr einen Finger hiiwinstecken könrit, damit der Kopf zu lvrvegen ist. Ann! Ahrnharn Beilögj® d©B* •€.»V.-Z©5f «rag Im Glasschrank in der Nische standen zwei alte Leuchter aus Silber und ein wundervoller, betagter Becher zwischen ihnen. Man sah es den drei Gegenständen an, daß sie schon lange unbenutzt ihr Leben hinter der Glasscheibe des hübschen Zierschrankes fristeten. Sie tvaren stumpf und beschlagen. Anders die herrlichen Gläser, die Pokale aus rubinrotem und smaragdgrünem Glas, die vor ihnen standen. Die wurden aber auch zu jeder festlichen Gelegenheit herausgehott und schmückten frisch gewaschen und fein poliert die Tafel. Sie kamen oft ans Tageslicht, nur die alten Leuchter und der Becher blieben hinten in der Verborgenheit. Gläser, Pokale und Schalen, alle waren sich ihres Wertes bcrvnsit: sie galten etwas im Hanse. Aber die alten Leuchter, der alte Becher! Matz die schon erzählten ans grauer Vergangenheit von den köstlichen Feierstunden bei Großeltern und Urgroßeltern. Schon am Freitag vormittag — so behaupteten sie — wurden sie aus dem Schrank herausgeholt und blitzblank gerieben, um auf dem Freitagabendtisch zu glänzen. Die Sabbatkerzen hatten sie getragen, und der alte Becher verging beinahe noch vor Würde, wenn er vom Kiddusch sprach, den Grosivaten einst über ihm gemacht hatte. Die kostbaren Pokale ktirrten ein Hohngelächter zu diesen Erzählungen: „Lächerlich, dasi sie euch überhaupt noch hier aushebeu. Ihr passt nicht mehr in dieses Haus. Schad' um den schönen Platz. den könnten wir noch so nötig für uns gebrauchen. Wir sind so tvichtig. wehe, wenn einer , von uns je zerbricht!" »Cft# rn „Wir waren auch ein- . mal sehr wichtig", sagten die alten Leuchter leise und bescheiden. „Wir haben die Sab» batkerzen getragen, wir haben geleuchtet, wenn Prinzessin Sabbat ihren Einzug hielt." „Prinzessin Sabbat?". Ein klingendes Lächeln ging durch die Reihen der Gläser, Pokale, der Bases und Schaken, „llns unbekannt, viekkeicht aus Tausendundeiner Nacht?" „Prinzessin Sabbat lebt noch heute und wird leben, so lange die Welt besteht. Feste und Gasttaseln vergehen, aber Sabbat muß es immer aus Erden geben. Auch unsere Zeit kommt wieder", schloß.der Becher mit Würde. Alles verstummte. Die Tür des Wohnzimmers hatte sich aufgetan, Dorothee, des Hauses Töchterlein, kam hereingesPrungen, Hand in Hand mit einem anderen Mädchen. Die .Kinder traten vor den Zierschrank. „Schau", sagte Dorothee zur kleinen Mirjam, „dck hinten stehen sie, die alten beiden Leuchter und der Becher. Vater hat mir davon erzählt, wie sie noch bei seinen Ettern und Großeltern in Gebrauch tvaren." Mirjam nickte den Leuchtern und dem Becher vertraulich zu. Ihr tvaren sie gute Bekannte, sie wußte um ihren Brauch, toar doch ihr Vater der Vorbetee der Gemeinde. Mirjam tvar Dorothees beste Freundin, seit dem Tage, da Dorothee die jüdische Schule besuchte. Dorothee hatte es zuerst dort nicht ganz leicht gehabt, denn von jüdischen Dingen wußte sie gar nichts bis dahin, höchstens, daß sie das .Kind jüdischer Eltern tvar. Im Hanse wurden keine jüdischen Bräuche mehr gehalten, kein Sabbat, kaum die Feiertage. Nun ging die kleine Dorothee schon ein ganzes Jahr in die jüdische Schule, lernte köstliche uralte Geschichten tind hörte von jüdischen Sitten und Gebräuchen. Bon Tag zu Tag hing Dorothees Herz mehr an diesen Dingen. Sie grämte sich, daß sie im Elternhause keilten Sabbat, keinen Freitagabend wie di? anderen Kinder haste. Wie schön tvar der bei Mirjams Eltern) Dorothee hatte auch schon toicderhcstt inst Mirjam die kleine Synagoge des Städtchens besucht und andächtig den alten Melodien gelauscht, mit denen Prinzessin Sabbat begrüßt wurde. Sie wünschte sich ltichts sehirlicher, nichts dringlicher, als einmal die Prinzessin Sabbat ins eigene Elternhaus. So lag Dorothee wachend in ihrem Best und überdachte all dies. Es tvar Freitagabend, und er hatte sich von keinem andereri Abend der Woche im Hanse unterschieden. Mas nichts morgen der schulfreie Tag, wenn die Prinzessin Sabbat fehlt?. Da öffnete sich die Tür, leise, behutsam, und eine wunder-

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