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Central-Verein-Zeitung · 1934-04-19 · 16 (19.4.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
16 (19.4.1934)
Date
1934-04-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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21 1334 4r s) O.t A f itc feit. live] lfm 9on und c n c i n - iimt firi) . cn. ß r e t; c licf|tanb tlte bnä; 1953 füc . : llfitt ininibefon. jeraeguug; iaubnnrS itt wiiü. , [ü7 i ein o-:; eenfmig tc?(r- : tt. Glnjef.; über b?t* . nt> Halb«; Solle und Wern) W für uii" Mif) nS iDurbc zuein? Ari elsftel* übet asis 10. Apnl \!ndcl?lmutagung f (5 t <! ü f> ' * 1 um übet j; |um crjuit erretii* : c r habet.; 'tfjaffstreu* hie in der in d?r die!di::'-:n >eu;.".V slc'b--'- 15 ü::d Berlin, 19. April 1934 SHI. Jcühifr-anc / BIr. IG P-P©lc LG PffOBB'fif'ß idrdlii»• Um. des großen Gegenwartswertes willen, den das Wiffen um jüdifche Vergangenheit •für jeden einzelnen deutschen Juden bedeutet, veröffentlicht die „C.-V.-Zeitung“ in den nächsten Wochen eine : Artikelreihe . IliTIIß W ISinciTHH' l{f.l!ü C IVOQi ü b Ai li n A Ä, Ulfe m Historische Gerechtigkeit ist. die größte, aber auch die schwierigste Tugend der Völker, vor allem der Geschichtsschreiber.' ( Kohut, Geschichte der deutschen Juden. Wenn das Interesse an der Geschichte schon in den letzten Jahren sich wieder stärker erhöhte, so ist dieser Prozeß durch die Ereignisse der jüngsten Zeit noch wesentlich beschleunigt worden. Aus dem Verlaus der Geschichte, besonders ihrer eigenen Geschichte, will jede Vemeinschast lernen. Wir alle wissen, in welchem Maße gerade heute in Deutschland die Lehren der Geschichte für den Ausbau des neuen Staates herangezogen werden sollen. Im Zuge dieser Entwicklung liegt es denn auch, daß sich in allen jüdischen Kreisen wieder die Stimmen mehren, die — allerdings <m± den verschiedensten Gründen — aus die (^schichte der Juden verweisen, ihre Bedeutung hcrvorheben und aus ihr Lehren für die 'Zukunft ziehen wollen. Gerade diese Tatsache Zwingt aber auch einmal zu der Ueberlegung, wie schwer -„Geschichte“ darzustellen ist, - wobei. weniger an die von bewußt subjektiven Gesichtspunkten nMg'ene Darstellung gedacht wird,, als an dir möglichst objektiv gehaltene Wiedergabe ki historischen Geschehens. Jede Geschichts- Herstellung wird um vieles subjektiverausjallen, als es der Verfasser beabsichtigt oder sich bei genügender Selbstkritik auch nur vorsiellt. Die Kenntnis der Vergangenheit ist stets der Gestaltung der Gegenwart dienlich. Wenn trir darüber hinaus die Geschichte vielleicht auch nicht in dem Maße, wie es Spengler tut, als die unbeugsame Künderin der Zukunst anerkennen können, so ist sie doch eine unersetzbare Wegweiserin für daS Handeln der Menschheit und der von den Menschen gebildeten Gruppen. (Völker). Sie läßt uns erkennen, welche Werte und Leistungen ein Volk, eine Nation geschaffen hat, da üe uns vermittelt, was hiervon geblieben und was als bedeutungslos zugrunde gegangen ist. Der Historiker wird sich stets über das Wesen der von ihm dargestellten Vorgänge sein eigenes Urteil bilden. Seine Aufgabe ist es aber gerade — neben der alsselbstverständlich vorausgesetzten Kenntnis der Materie — den Stoff so vorzutragen, daß ihn sein Zuhörer oder Leser nicht nur in sich aufnehmen, sondern sich auch selbst eine Meinung blldcn kann. Hier zeigt sich die große Schwierigkeit, der jeder Geschichtsdarsteller unterworfen ist: nämlich die eigene Kritik hinter die Wiedergabe des Tatsachenstosfes zurück- «ustellen. Die Kritik braucht sich nicht in Worten zu äußern. Sie wird sich — häufig unbewußt — schon darin kundtun, daß wesenttiche Ereignisse oder Handlungen nicht wiedergegeben oder bagatellisiert werden, während anderseits unwichtige Züge oder Tatsachen nls bestimmend für den historischen Verlauf Die' wofffegGffaöe um}aut 14 Seiten. Sie enthält u.- fl..* Hauptblatts Tagung des ZionhiischenA fylionskomitees. Marlin Bubet bei der Eröffnung des Frankfurter Lehrhauses. Interessante Zahlen aus der Hochschuldatistik. 1. Beiblatts Wanderbuch Nr. 213. Von.aller und neuer Kunst in Palästina, von Max Osborn. Geschichte einer Hand von Arno Herzberg. , 2. Beiblatts Des Blatt der deutschen Jüdin. Seile der Jugend. 3* Beiblatts Gesetz und Recht. Wkiechsfl der Woche, verwertet werden. Das ist bei tendenziellen Darstellungen -stets der Fall. Es muß aber auch bei den historischen Darstellungen, wie sie uns von Stefan Zweig oder Maurois gegeben werden, und mehr noch bei den historischen Romanen, welch' letztere ja' mit Geschichte im eigentlichen Sinn nichts zu tun haben, der Fall sein, da bei ihnen regelmäßig eine Person oder ein Ereignis in den Mittelpunktder Betrachtung gestellt und alles von - diesem von vornherein bestimmten Blickpunkt aus geschildert wird. - Die - unbewußte Geschichtsverfälschung, wie wir es einmal grob nennen wollen, ist aber auch von der gewollt objektiven Wiedergabe nicht zu trennen. Die Persönlichkeit des Darstellers läßt sich niemals ganz ausschalten. Wer sich etwa mit der Geschichte der Juden zur Zeit der Kreuzzüge beschäftigen will, darf sich nicht mit der Durcharbeitung eines Geschichtswerkes begnügen, mag das Werk auch noch so gut verfaßt sein. Nur die Vertiefung in mehrere Werke kann ein wahrheitsgetreues Bild bieten' und die Feststellung ermöglichen, wie weit die Schilderung' des historischen Geschehens geht, und wo die (bewußte oder unbewußte) persönliche Kritik des Verfassers beginnt. Leider, sehen wir diese einfachen Wahrheiten immer wieder vernachlässigt.' .. ' ■ ' Mit allem, was hier gesagt ist, soll die Kritik, die der Geschichtsschreiber selbst übt, keineswegs aus-seinen Werken verbannt und damit der farblosen uninteressierten Aneinanderreihung der Ereignisse das Wort geredet werden. Krim muß sein, aber der Leser jedes . Gescknchtswerkes muß auch wissen, daß er nicht nur oie Wiedergabe des objektiven Geschehens, sondern auch die persönliche, unlösliche damit verbundene Stellungnahme des Verfassers vov sich hat. Denken wir nur einmal an Mommsens einzigartiges Werk, seine „Römische Ge-' schichte", etwa an die vollendete Darstellung des Kampfes Zwischen Pompejus und Cäsar. Diese Art der Schilderung.wäre nicht möglich geworden, wenn der Autor nicht von vornherein seinen eigenen festen Standpunkt in der Beurteilung der Vorgänge eingenommen und ihn zum Ausgangspunkt seiner Darstellung gemacht hätte. Hierdurch gerade gewinnt das - Buch für den Leser so sehr an Wert; er muß sich aber gleichzeitig stets vor Augen halten, daß er nicht d i e objektive Darstellung der fraglichen Ereignisse vor sich hat. Und wenn wir gerade in unseren Tagen so häufig von den verschiedensten Seiten Ansichten über die Stellung der Inden zu hören bekommen, deren angebliche Unbestreitbarkeit aus der Geschichte begründet und unter Berufung auf bestimmte historische Ereignisse behauptet wird, so begegnet es uns hier so oft: Die Schwierigkeit, die Grenze zwischen der Wiedergabe des objektiven Geschehens und dem Einsetzen der (subjektiven) Kritik des Darstellers zu finden, wird immer wieder verkannt und daher als feststehende historische Wahrheit'angesehen, was tatsächlich bereits eine Auswertung der geschichtlichen Vorgänge ist. Das gilt nicht zuletzt für die Geschichte der Juden in Deutschland, die immer wieder , von einer Kette unendlicher Leiden berichten muß, die aber trotz alledem — oder sogar gerade deswegen — die ruhigen, aufbauenden Zeiträume dem Leser vor Augen zu führen hat. Bieten diese mangels besonders hervorstechender Ereignisse in Politischer und wirtschaftlicher Hinsicht vielleicht auch nicht den Stofs für eine ausgedehntere Schilderung, so sind sie es doch vornehmlich, die die Verwurzelung der Juden in Deutschland schassen halfen und seine kulturelle und wirtschaftliche Verbindung mit dem Deutschtum schon in den ältesten Zeiten in stärkstem Maße förderten. Es läßt sich wohl eine Fülle von Geschehnissen Sie enthält Beiträge der jüdilchen Hiftoriker: Gemeinderabbiner Dr. Adolf Kober (Köln) Profcffor Dr. Ismar Elbogen (Berlin) Dr. Wcra Rahel Lcwin (Heidelberg) Dr. Rosy Bodcnheimer (Frankfurt a. M.) Profcffor Dr. Arthur Cohen (München) Dr. Fritz Friedlacndcr (Berlin) in bent Verlauf der Jahrhunderte herausgreisen, in denen den Juden in Deutschland Unrecht geschah, in denen sie Marterung, Vertreibung und den Tod erlitten. Aber genügt das zum Beweise dafür, daß die Juden in Deutschland niemals gern gesehen waren und daher heute jeder Versuch von vornherein aussichtslos ist, erneut um das Anerkenntnis der Juden als vollwertige Mitbürger zu ringen? Denn wer lediglich die erwähnten Geschehnisse zur Stützung dieser Ansicht wählt, gibt, so erschütternd und zahlreich die einzelnen Fälle sein mögen, eine tendenzielle Schilderung, die von vornherein auf das gewünschte Resultat eingestellt ist. Er sagt aber nicht, daß cs die Juden selbst waren, deren Heimatliebe sie immer wieder an ihre Wohuplätze zurücksnhrte, und die vornehmlich durch ihre so erwiesene Treue immer weitergehend die Anerkennung ihrer Umwelt errangen. Ein Wort sei zum Abschluß noch gesagt, das in erster Linie den Menschen gilt, die erst durch die Ereignisse unserer Tage zu der Beschäftigung mit der Geschichte, insbesondere der jüdischen Geschichte, geführt wurden: So nützlich die Kenntnis der Geschichte ist und so sehr cs zu begrüßen ist, daß wir uns wieder ernsthafter bemühen, uns die Vergangenheit näherzubringen, so darf das doch nicht dazu führen, alles, was wir sagen oder tun, unter Berufung auf die Geschichte zu begründen. Zur objektiven Darstellung der Geschichte gehört es auch, geschichtliche Vorgänge nur dort heranzuzichen, wo das nach ehrlicher Prüfung wirklich angebracht erscheint. Nur Gerechtigkeit gegenüber der Geschichte selbst kann zu einer gerechten Beurteilung unseres aus sie gestützten Tuns führen. WchW liitilliÄIii Her ie OMMMg ftmta Die Pressestelle der Reichsverkretung der deuLfchsn Juden keilt mit: ' „Innerhalb der Gemeinde Dresden war in den letzten Wochen ein Derfassungsstreit ausgebrochen, der in seinem Kern über den Dresdener Fall, hinaus von Bedeutung ist. Die Gemeinde stand vor der Neuwahl ihrer Gemeindevertretung (Gemeinderat). - Da Ver- Handlungen über die Aufstellung einer Einheitsliste nicht zum Ziele führten/glaubte der - Gemeindevorstand einen Wahlkamps dadurch vermeiden zu müssen, daß er „unter vorübergehender. Außerkraftsetzung entgegenstehender' Bestimmungen der Satzungen“ die Mitglieder des neuen Gemeinderats von sich aus berief. Diese Berufung ist im Gemeindevorstand einstimmig unter Mitwirkung der Vorstandsmitglieder aller Parteieinrichtungen erfolgt. Gegen diese Maßnahmen des Gemeindevorstandes haben einige Organisationen der Dresdener Gemeinde entschieden Widerspruch erhoben. Sie machten dabei sehr wesentlich grundsätzliche Bedenken dagegen geltend, daß unter Außerachtlassung der Gemeindeversassung die Gemeindevertretung vom Gemeindevorstand berufen werde. Um eine Lösuna zu finden, die eine Befriedung der Gememde ermöglicht, haben sowohl der Gemeindevorstand wie die Hauptopponentin, die Jüdische Dolkspartei, die RerchSvertreLurw der - deutschen Juden um einen Schiedsspruch ersucht mit der Erklärung, daß sie sich einem -sollen Schiedsspruch unterwerfen würden. Der Schiedsspruch der Reichsvertretung ist - 'rmurnchr ergangen. Er i;2 «Wfaftsnfl, daß ber der außsmtmauuj:.? Lage deutschen Judentums dre Vermeidung innerjüdische Lage der Dresdener Gemeinde die Durchführung eines Wahlkampfes in der Tat besonders bedenklich erscheinen lasse. Ein Wahlkampf sei infolge der bei der Dresdener Gemeinde bestehenden Lage für das Wohl der Gem'eindekeineswcgsungefährlich.DerSchiedsspruch führt dann aus: „Die Gemeinde ist dadurch, daß eine Einheitsliste — der-normale Weg zur Vermeidung eines Wahlkampfesnicht zustandegekommen ist, in eine Notlage geraten, die irgendwie gelöst werden.mutz. Es muß aber auch für diese Lösung daran festgehalten werden, daß eine Führung der Gemeinde nur möglich ist durch eine Körperschaft, die vom.Vertrauen der Gemeinde getragen ist. Der verfassungsmäßige Apparat der Gemeindeder das sicherstellcn soll, funktioniert zurzeit nicht ohne Gefährdung der Gemeinde. Es darf dadurch nicht die Gemeinde infolge Fehlens eines Gemeinderates Schaden-leiden. Aber es darf deshalb auch keine Gemeindekörperschaft zustandekommen, die in ihrem Dasein überhaupt nicht legitimiert ist. Diese Legitimation kann grundsätzlich nicht in der Berufung durchden Gemeindevorstand gesehen werden. Der Gemeindevorstandist selbst dasjenige Organ, das immer wieder der Bestätigung durch das Vertrauen der Gemeinde bedarfmag die Bestätigung durch welche politischen Mittel immer gesucht und gefunden werden. Der einzelne Gemeindevorstand mag dieses Vertrauen noch so sehr rechtfertigen und besitzen. Es 'ührt zu unerträglichen Ergebnissen, wenn eder einzelne Gemeindevorstand selber Richter• darüber ist, ob er noch die notwendige. Verbindung mit der Gemeinde besitzt, um legitim auch in einer Notzeit deren Vertrauensmänner berufen zu können. Es muß entweder . die. Zustimmung der Gemeinde in der Einigung aller ihrer weltanschanlictzen Gruppen über die Zusammensetzung der Gemeindevertretung zum Ausdruck kommen, oder es muß von einer dritten Stelle entschieden werden, ob die in Betracht gezogenen Berufungen ihre Legitimation in den Bedürfnissen und im Willen der Gemeinde finden. Damit, daß der Dresdener Gemeindevorstand seine Maßregel dem Schiedsspruch der Neichsvertretung unterworfen hat, ist der Weg zu einer solchen Entscheidung eröffnet/ Der Schtedsspruck stellte sodann fest, daß ernste Meinungsverschiedenheiten über die richtungsmäßige Zusammensetzung des Gemeinderats nicht bestehen, so daß lediglich die Personelle Zusammensetzung des Gemeinde-- rats nachzuprüsen bleibe. Dabei kommt der Schiedsspruch zu dem Ergebnis, daß die Berufenen ihrer Persönlichkeit nach zur Mitwirkung im Gerneinderat sowohl an sich als auch in der Zusammenarbeit miteinander geeignet erscheinen, daß sie auch zur Vertretung der Anschauungen, deren Träger sie sind, qualifiziert seien. Der Schiedsspruch entscheidet aus Grund dieser Feststellungen dahin: „Die Zusammensetzung des Gemeindcrats der Gemeinde Dresden gemäß den Beschlüssen des Gemeindevorstandes vom 11., 14. und 27. 2. 34 berücksichtigt alle für das Gemeindeleben wichtigen Weltanschau- ' ungen und Kräfte. Der Gemeinderat. in dieser Zusammensetzung ist in allem wesent^ lichen von der Zustimmung der großen . Gruppen des Dresdener EemeindelebenZ getrnaen. Die Einwendungen, die gegen die Zusammensetzung des Gemcinderats vorge- bracht werden, berühren seine Verbundenckzeit mit der Gemeinde, seine Legitimation ' in. der Gemeinde und seine Fähigkeit zur

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