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Central-Verein-Zeitung · 1934-04-05 · 14 (5.4.1934) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
14 (5.4.1934)
Date
1934-04-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DsrvKS- ZQMÄS ^SMMSMST ZM Genesis .!n diesen Tagen etzchemt die erste Lieferung des grossen Kommentars, den der Verlag Schocken aus der Feder von Rabbiner Dr. Benno Jacob herausbringt. Em Lebenswerk findet damit seinen vorläufigen Abschluss und die Wissenschaft vom Judentum erhält eine notwendige, lange vermisste, aber gerade in diesem Augenblick wertvolle Bereicherung. Mit Genehmigung von Verfasser und Verlag bringen wir aus dem Vorwort eine Anzahl Stellen, die die Absicht des Verfassers erläutern und das Verständnis für die Bedeutsamkeit dieser grossen Arbeit fördern sollen. ‘ „Tiefer neue Kommentar über das erste Auch der Bibel hat sich die wissenschaftliche Ausgabe gestellt, unabhängig von alten und neuen Autoritäten, Dogmen und Lehrmeinungen durch eine möglichst genaue Excg e s e den ursprünglichen, d. h. den von der Tora selbst gewollten S i n n der Schrift zu ermitteln und damit zu ihren wahren Gedanken und Absichten vorzudringen. Es gibt in der Weltliteratur wenig Bücher, die sich in gleichem Maße nach den jeweiligen Glaubensansichten und Zeitströmungen erklären, also mißverstehen' lassen mußten. Auch die christlich-theologische Grundansicht vom „alten" Testament kann ihm niemals völlig gerecht werden, da sie ihre Werturteile von außen hernimmt. Jedoch ein weit schwereres Hemmnis für das wahre Verständnis im ganzen wie im einzelnen sind gewisse, mit dem Anschein strenger Wissenschaftlichkeit und 'uninteressierter Objektivität austretende, moderne gelehrte Dogmen und Hypothesen. Mit diesen hatte ich mich daher vorzugsweise auseinanderzusetzen. Schon die Willkür, mit der diese Kritik den Text behandelt, ist grenzenlos und oft genug kompromittierend. Man kennt die alte hebräische Sprache noch lange nicht in allen ihren Feinheiten. Mehr als einmal ließ sich zeigen, daß verhängnisvolle Jrrtümer durch das Mißverständnis einer grammatischen Konstruktion, eines einzelnen Wortes, ja eines Buchstabens hcryorgerusen worden sind. Mein Kommentar weist ferner nach, daß wir es in der Tora mit einem Text von fast unbedingter Treue der Ueberlieserung zu tun haben, so daß z. B. der Samaritaner und die griechische Uebersehung, die Septuaginta, als Zeugen gegen ihn gar nicht in Frage kommen. Was ich zum Schlüsse der Urgeschichte festgestcllt habe, müßte allein schon genügen. Daher brauchte ich aus metrische Theorien, wie die von Sieders, nicht einzugehen. An zahlreichen Stellen muß er seiner Theorie zuliebe den Text ändern, sie ist also schon wiederlegt, wenn von einer einzigen'Stelle nachzuweisen ist, daß die Acnderung nicht richtig, sein kann.' Als das größte Hindernis eines richtigen* Verständnisses ist die sogenannte Quell em - s ch c i d u n g im Pentateuch zu betrachten. Indem sie^ einen sinnvollen Organismus, bei dem alle Teile sich auseinander beziehen, voreilig zerstückelt, wird sie gänzlich unfähig, die Zusammenhänge zu begreifen und die eigenartige Kompositionsweise des Buches zu erfassen. Daher habe ich diese Theorie durch das ganze Buch Schritt für Schritt geprüft, was nach einer vorangegangenen ausführlichen Exegese meines Wissens hier zum ersten Male unternommen wird. Ans praktischen Rücksichten sind diese Untersuchungen in einen besonderen Anhang verwiesen. Meine Bestreitung der Ouellenhypothese will nicht behaupten, daß' der Verfasser der Tora das ganze Werk rein aus sich herausgesponnen oder daß er keine. Quellen benutzt habe. Beruft sich die Tora doch einmal selbst auf eine alte Quelle. Aber es ist unmöglich, in dem einen großen Strom die Quellen und Zuflüsse zu scheiden. Es gibt in der Genesis kein Geschichtswerk „P", es gibt keinen „I" und keinen „E", wie denn die Kritik selbst oft zu- .geben muß. daß sic diese beiden nicht zu scheiden vermag. Und der „Redaktor" ist kein anderer mls der Verfasser selbst. Die Genesis ist ein einheitliches Werk, in Einem Geiste entworfen, durchdacht und durchgearbeitet. Zwar gibt es schon einige von dieser unglücklichen Hypothese Abtrünnige gelehrten Rufes, aber im allgemeinen beherrscht sie noch immer die Wissenschaft vom Pentateuch. Die Lebhaftigkeit, mit der ich sie bekämpfe, entspricht ihrer Schwerhörigkeit gegenüber allen bisher gemachten Einwänden, feien sie auch noch so triftig. Für widerlegt werde ich mich nur durch gediegene Gegengründe halten, aber nicht durch Totschweigen oder eine Kritik mit Allgemeinheiten oder verzweifeltem Händeringen und empörten Ausrufungszeichen oder solcher Ketzerei. Auch die neuerstellung Purim- , Pessach Fot. Helene ‘Lcitow (Zu dem umstehen- Aufsatz) dings wieder, erstarkende Ergänzungstheorie insgemein glaubt. Mich hiergegen.an den ist auf falschem Woge. betreffenden Stellen im Kommentar mit der; Des ferneren wird das Verständnis der gebührenden Schärfe gewandt zu haben, dürfte Genesis unmöglich gemacht durch die auf sic ' der „Würde der Wissenschaft" jedenfalls wemangewandte religivnsgeschichtliche Entwickger widersprechen, als jene Tendenz selber, lnngstheorie. Hierzu vergleiche man meine Ihr gegenüber kann das Judentum mit einem Einleitung in die Vätergeschichte. Im Grunde seinen Ursprung nicht verleugnenden Ehristenist sie nur eine andere.Form der ^Abwertung tum, das das Alte Testament gleichfalls hochdes Alten Testarnentes, indem sie gleichfalls hält und verteidigt, eine gemeinsame Front dabei anlangt, es für eine „Vorstufe" zu erbilden und für solche Buudesgenosscnschast klären. Auch,bei'ihr hört die Entwicklung mit - und Hilfe wollen wir von ganzem Herzen dem Ehristentum auf, obgleich sie doch kein dankbar sein. Aber zu erklären ist das Alte Ende haben dürfte.. Testament ganz allein nach seinem absoluten Dieser Kommentar will und soll ein jüdi- Eigemvert. und der Jude ist so glücklich, dies scher sein, das soll heißen: von einem Sohne sowohl mit dem Verständnis als der Pietät des Volkes verfaßt, für das die Tora ge- des eingeborenen Sohnes tun zu können. Jüschrieben ist, läßt er sich nicht von vornherein disch endlich will dieser Kommentar in der das Verständnis durch die Zielsetzung oder dankbaren Berücksichtigung der wertvollen stillschweigende Voraussetzung verbauen, daß Leistungen der jüdischen Vergangenheit sein, das „alte" Testament nur Vorbereitung ans Die christlichen Kommentare verraten davon ein „neues" sei und erst in diesem seine Vollwenig oder nichts, sehr zu ihrem Schaden, endung Und seinen wahren Sinn finde. Roch denn viele dieser Arbeiten sind voll seiner ereweniger hat er - selbstverständlich mit einer gotischer Beobachtungen. Vor den christlichen' Denkweise gemein, welche das Alte Testament mittelalterlichen Auslegern haben die jüdials Zeugnis und Erzeugnis einer minderschon schon den unschätzbaren Vorzug, daß sie wertigen Rasse betrachtet, einer Denkweise, die den Urtext erklären und in ihm leben, so hier und da auch in die (deutsche) biblische wie von allen Glaubensgemeinschaften, die Wissenschaft Eingang gesunden hat, so daß die Bibel angenouunen haben, die jüdische die eine Herabwürdigung des Juden und seiner' einzige ist, die sie noch heutigen Tages im heiligen Schrift sich auf angeblich sachverstün- Urtext liest. Ja, eigentlich ist das ganze jüdige Gewährsmänner glaubt berufen zu dürdische Schrifttum seit zweitausend Jahren sen. Diese Behandlung der biblischen Erzühnichts anderes als Kommentar zur Bibel, zur langen und Gestalten hat sich für das Leben Tora, oder nmrzelt in diesem Boden: Talmude weit einflußreicher herausgestellt, als man und Midraschim, Halacha, Sprachforschung, E. m fl yüwws/üvS 3ur SeaefcföteS) sott „föÄsani «jjfi6teg$ar fea essfef ßsftetes» Ter Berliner Kulturbund bringt als nächste Opernaussührung am 9. April „Hoffmanns Erzählungen'" von Qfsenbach unter Leitung von Joseph No sen stock und Regicsührung von Kurt L i n g e r (Berlin). 6. T. A. Hoffmann, der vielseitige Hexenmeister — Jurist Karikaturist, Komponist und Schriftsteller —, hat mit seinen phantastischen Novellen bis in die neueste Zeit die Musiker aufs stärkste gefesselt. Noch die letzten zwanzig Jahre brachten uns vier Opernbücher nach Hoffmanns Erzählungen, darunter so bedeutsame Werke wie Busonis „Brautwahl" und Hindemiths „Eardillac", dessen Dichtung wieder von einem Juden, Ferdinand Lion, stammt. Walter B r a-u n s e l s erscheint mit einem Erstlingswerk „Prinzessin Brambilla", und die jüngste Hossmann-Oper „Doge und Togaressa" von Roselius behandelt denselben Stoff, der hundert Jahre vorher den jungen Robert S ch u m a n n lange beschäftigte. Am stärksten zeigt sich Wagner von Hoffmann beeinflußt; er erzählt in seiner Selbstbiogra-phie: „Ich war in meinem sechzehnten Jahre durch die Lektüre Hoffmanns zum tollsten Mystizismus aufgeregt; ich hatte Visionen, in denen mir Grundton, Terz und Quinte lebhaft erschienen." Bus Wagners Pariser Zeit liegt uns dann ein Entwurf zu einer dreiaktigen Oper „Die Bergwerke von Falun" vor, dessen Inhalt sich eng an die jungen Bergmanns, der an seinem Hochzeitstaoe __*.„*_ntr tag? von der unheimlichen Ceisterkönigin rn die Tiefe gezogen wird. Auch-aus die Gestaltung des „Tannhäuser" hat Hoffmann Einguß geübt; in der Novelle „Der Kampf der langer" fand Wagner besonders die Ehai». Zü^eN „Meister Martin der Küfer", einem der frischesten und liebenswürdigsten Werke Hoff- ' manns, in das die Geisterwelt nur ganz leise hineinspielt. Der Romantiker Hoffmann. der in Wagner soverwandte Schwingungen aus» löste, gehörte merkwürdigerweise damals ge- ' rade in Paris zu den meistgelesenen Schriftstellern. Es erschien dort eine deutsche Gesamtausgabe seiner Werke und eine große Anzahl Uebersetzunaen ins Französische. Als daher Ofsenbach die Oper schrieb, in der sein Talent-sich weit über die Höhe seiner graziösen Parodien steigerte, durfte er mit einem Publikum rechnen, das mit dem Stoff vertraut war. Wenn man heute die vielen, die sich an den süßen Klängen der Barkarole berauschen oder den Olympiawalzer von der berühmten Koloratursängerin T. gehört haben, nach dem Inhalt der Oper fragte, würde man wahrscheinlich einiges Dunkle über Kneipereien bei Lutter und^ Wegner und einen verrückten Kapellmeister zu hören bekommen. Damals aber kannte jeder Mensch die Geschichte vom „Sandmann" und wußte von der Automatenpuppe Olympia und ihren gespenstischen Erzeugern, dem Professor Spalanzani und dem Brillenbändler Coppelius. Mit dem Namen dieses Vaters, als „Cop- 'pelia", ist sie daun sogar ins Ballett übersiedelt und die Stammutter unzähliger singender und tanzender Automaten geworden. - Die bestrickende Giulietta ist den „Abenteuern einer Neujahrsnacht" entnommen, wo ihr Bild aus der Begebenheit vom gestohlenen Spiegelbilde seltsam ineinanderfließt mit der Schilderung der verlorene^ Jugendgeliebten -Hof manns, Julia, die als junges Ding einem eklen Wüstling verkuppelt wurde. Die sanfte Antonia schließlich, die- Tochter „Rat Erespcls", die sterben muß weil sie von ihrer Kunst nicht lassen kann, war sicher schon, als ihre Geschichte im neuesten. Almanach erschien, des Mitgefühls' aller empfindsamen Seäen gewiß. - Außer diesen drei Erzählungen enthält O f f e n b a ch s Buch noch zahlreiche Anspielungen auf andere Üllerke Hoffmanns, das Lied vom „Klein-Zaches", die Namen der handelnden Personen u. a. m. Wie Offenbachs Talent durch dieses geschickt und fesselnd aufgebaute Bicch beflügelt wurde, bedarf hier keiner Erörterung. Ein blühender Ntelodienreichtum umrankt die bunten Geschehnisse, m:d seclischcs?Mitschwingen mit der Künstlernatur seines Titelhelden ließ Ofsenbach in diesem seinen Schwancugesang ein überzeitliches Meisterwerk schaffen. Antonio lihoiüdcl-Ijcwenz. Aus einem Brief Christian Karl Josias von Bunacus an Jakob Bcrnays vom 7. November ■ ' 1852. Sie stehen im Herzen gerade wie ich zur Ueberlieferung: auf dem weltgeschichtlichen Standpunkt. Der Unterschied' ist, dass ich mit der Weltgeschichte gehe, Sie gegen den*Strom. Der Verlust der Nationalität ist ein schwerer. Der Verlust der Einheit des eigenen Bewusstseins mit dem weltgeschichtlichen ist ein schwererer, weil hoffnungsloser . . Aus der Antwort dos Jakob Bernays. . ... In Betreff Ihrer Ansicht vpn dem „gebrochenen, gegen den Strom der Weltgeschichte ankämpfenden, also hoffnungslosen“ Qemüthszustand eines jetzigen Juden 'hätte ich bei mündlicher Besprechung gar vieles zu entgegnen; vor allem hätte ich;<Sie, einen auf dem Standpunkt der Weltgeschichte stehenden Christen zu fragen, wie Sie sich zu - Pauli „Mysterium“ ad Rom. XI, 25, 26, verhalten. Nach Pauli Worten und Ansicht haben die Juden ein ■ weltgeschichtliches Recht u. da weit - .geschichtlich'Beides zusammenfällt auch die *,Pflicht als Juden zu bestehen . . . Das Wort „Weltgeschichte" ist heute etwas? aus'der Mode gekommen und hat mancherorts fast einen schlechten Klang. So geschickt - ist niemand (oder so hellsichtig), daß es ihm gelänge, die widerstrebenden Tendenzen unserer Zeit auf einen einheitlichen Neuner zu bringen. Und da ja auch dies universalhistorische Betrachtungsweise ist: der Versuch, die auseinandergehenden Bemühungen dev Völker und Atenschen in ihrer Vielheit und Vielgcstalt wenigstens zu einem Strauß aus vielen Blumen zusammenzubinden, scheint gleichfalls aussichtslos. Wft wissen nicht, ob das eine Erscheinung des Uebergangs ist oder ein Zustand von Dauer seiui wird. Aber die Sicherheit und schöne Selbstverständlichkeit. mit der zwei Männer so verschiedener Herümst Und Art wie der gelehrto Diplomat von Bunsen uub der berühmte Altphilologe Jakob Bernays, der Sohn des ehr- würdigen Chacham Bernays und Bruder des Literarhistorikers Michael Bernays, ihren Diskussion einen gemeinsamen weltgesckstchtlichen Standpunkt zugrunde legen können, ist nicht mehr da. Wer aber skeptisch meinetr möchte, die Gemeinsamkeit dieses Standpunktes sei nie gewesen und nur als höfliche! Floskel vorgetäuscht, wird zugeben, daß auch solche kavaliermäßige Form der Diskussion heute ihre Schwierigkeiten hat. Was heute sein Wesen herausstellt und' seine Eigenart betont, wünscht kaum eins Zurückführung auf Gründe, die außerhalb seiner liegen und selten eine Begründung im allgemeinen. Auch davon ist zu lernen. Seit die Juden aus den Ghetti in die nwderno Welt traten, seit dieser Zeit gibt es. beginnend mit der französischen Revolution und ihren geistigen Wegbereitern, eine einheitliche europäische Ueberzeugung, die Weltgesinnung. Lockend und verheißungsvoll stand, sie vor den Juden. Manche glaubten, das Entreebillett zur europäischen Einheitskultur in der Hand zu'haben, wenn sie dem Judentum den Rücken gekehrt hatten. Aber auch sie blieben, '• standen immer in der Gefahr, das Bild ihres ' Judentums allzusehr von den herrschenden . Strömungen abhängig zu machen. t \ f

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