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Central-Verein-Zeitung · 1934-03-29 · 13 (29.3.1934) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
13 (29.3.1934)
Date
1934-03-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Art | 1 ii Ü>3S7 ST) le::: -J070 U/ 1. Boüüspi© ©ln Jahr jrrvWsch H.R. Märztage 1033. Ein umwälzendes ©e)£^ef)cn kündigt sich an. Die Einordnung der deutschen Inden in den deutschen Volkskörper. ihre gleiche Berechtigung innerhalb der deutschen Ncchtssphäre sollen entsprechend den rasienpolitischcn?lussassungen des neuen Staates eine grundsätzliche Aenderung ersah, reu. Tie Gesetzgebung der deutschen Länder aus der ersten Halste des 19. Jahrhunderts lullten die gleiche Rechtsstellung der deutschen Hilden begründet, die Verfassung des Norddl'uischen Bundes, des .Kaiserreiches und der Weimarer Republik hatten sie bestätigt. Aus solcher Nechtsgarantie geboren und durch die Tradition von vier Generationen gestärkt, fühlten sich die deutschen Juden als gleichberechtigte Glieder der.deutschen Wirtschaft und der deutschen Kultur. Nun. in jenen entschcidimgsschweren Märztagen beginnen die Grundlagen ihrer Existenz zu wanken. Vervrduungen, Gesetze, Wirtschaftsanordnungen weilen ihnen einen neuen Standort ein. Ihre Betätigung als Repräsentanten des Staates im Beanltenkbrpcr. als Sachwalter des Rechts in der Anwaltschaft, als Aerzte im Kastenwesen, als Steuerberater, als Zollbevollmächtigte. als Patentanwälte wird einer durchgreifenden Revision unterzogen. Im Bereich der Wirtschaft tauchen Sonderregelungen aus. Berufs- und Kulturverbände sperren die Ausnahme oder trennen sich von ihren alten jüdischen Mitgliedern. Eine Flut von Zweifelsfragen wälzt sich über die durch das neue Geschehen betroffene, in ihrem seelischen Empfinden schwer bedrückte und in ihrer wirtschaftlichen Eristenz unsicher gewordene deutsche s)udcnheit. Auf allen lastet bange Besorgnis; was wird werden? Kein Berufsstand, der von der Problematik nicht betroffen wäre, keine Familie, kaum ein einzelner, der nicht Rat braucht, um einen Weg aus dem Gestrüpp der * Zweifelsfragen zu finden. Problemstellungen, dm den neuen Gesetzen noch nicht vorgesehen, ergeben sich aus der Vielgestaltigkeit deutsch- Discher Schicksale. Sie müssen den Behörden unterbreitet werden, denen die Durchführung ki Gesetze und Verordnungen obliegt. In dieser Situation der täglichen bangen Fragestellung, noch ehe sie sich irr ihrem ganzen Schwergewicht aus die Schullern der deutschen Huden legt, stellt sich der Eentral-Verein der reuet: Aufgabe von größtem Ausmaß. In jenen Tagen hätte er zur Feier seines vierzig- ■ jährigen Bestehens aufrusen sollen. Llber es war keine Zeit, zu feiern. Es galt, seine Idee und seine Tradttion neu zu bewähren. In der „tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürger- .lichen und gesellschaftlichen Gleichstellung" sotvie in der „unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung" die deutschen Juden zu bestärken, hatte sich der C.-V. vor 40 Jahren zum Ziele gesetzt. Für chre unbedingte staatsbürgerliche Gleichstellung war er 40 Jahre lang mit offenem Visier in die Schranken getreten, halte er sich in der Tradition von vier Jahrzehnten zu der Rechtsschutzgeme'mschast der deutschen JiDen entwickell. Heute galt es im Rahmen der durch die neue Gesetzgebung bedingten Rechtsstellung dem einzelnen .und den Berussgruppen zur Seite zu stehen und sich für die Sicherung der Enstenz iimerhalb fester Linien einzusetzen, die die Gesetze zeichneten. Erfahrung und Tradition standen zur Verfügung, ebenso ein geschulter Mttarbeiterstab. Mer die Häufung der Aufgaben machte den Ausbau der juristischwirtschaftlichen Tätigkeit nottvendig, die der G-V. von jeher ausgeübt hatte. Wirtschafts- Praktiker und Spezialjuristen zählten von jeher Zu seinen Beratern und Beamten. Aus dem großen Kreis der Mitgliedschaft traten nun neben die allen Kräfte neue sachkundige Mitarbeiter, die der Vielgestaltigkeit des ins Ungeheure gewachsenen Arbeitsgebiets gerecht zu werden suchten. Kein Berufsstand, dessen Sorgen uns verschlosien waren. Kaum ein '^rt im Reich, aus dein die Glaubensgenossen uicht zu uns kommen. Und gerade der kleinen und kleinsten Gemeinden uns anzunehmen. Dsrokvngsfielle dss C.-V. hietten wir für unsere besondere Pflicht. Dort, wo nicht die Möglichkeit bestand, bei Anwalt oder Rabbiner Rat zu finden, wurden unsere Syndici als juristische und seelsorgerische Betreuer mit rührender Dankbarkeit begrüßt. Zchntausende Einzelne, die schriftlich und mündlich in unserer Berliner Hauptgeschäftsstelle und von unseren Syndikaten im Reich Beratung und Vertretung in ihren juristischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten gesunden haben. Aus der Vielzahl der Einzelfälle wuchs die Problematik der Berufsgruppen. und kollektiver Schicksale heraus, die dann zu entsprechLudLn Anregungen und Vorstellungen bei den Zentralinftanzen führten. ■ ■■'■’ , So trugen wir auch zu unserm Teil dazu bei, eine übermäßige Belastung der Zentralbehörden zu vermeiden. Nutzloses Anrennen gegen Aars gesetzliche Bestimmungen, gefühlsmäßiges Sichausbäumen gegen Schranken, . die das Gesetz oder die Verwaltungs- Praxis gezogen hatten, unsachliche, weitschweifige Eingaben und ' Lamentationen unterblieben, wenn sich der Ratsuchende dem erfahrenen, hilfsbereiten Sachkenner unserer - Beratungsstelle fügte. Jpdem deutschen Juden stand unsere Beratungsstelle offen. Nie wurden Rat und Betreuung von der Zugehörigkeit zu unserer^ Bewegung oder dem Bekenntnis zu unserer Idee abhängig gernacht. Der Idee deS G.-V., ist die Praktische Tätigkeit der Rechtswah-' rung und Existenzfichernng aller deutschen Juden wesenseigen. Für das Recht des einzelnen, mag es durch dm neuen Rahmen noch so eng umgrenzt sein, cinzntreten, entspricht den: Strebei: nach gleicher Berechtigung, das Grnndzicl unserer Idee ist. Wer dem C.-D. zugehört, bekennt sich O seiner Idee und schützt seine praktische Arbeit, Wer ihm aus Gesinnungsgründen . sernbleibt, objektiver Betrachtung aber fähig und willens ist, wird ihm mit den vielen Hunderten danken, die seine Einsatzbereitschaft und Hilfe fanden, ohne ihm anzugehören. 'Um Theorien und künstlich spitzfindige Konstruktionen jüdischer Eigenbrötler haben wir uns in unserer wirtschaftlich-juristischen Arbeit nicht gekümmert. Sie nirumt ton Nahmen des großzügigen Hilfe- und Aufbauwerks ihren natürlichen, durch Tradition gewachsenen und durch die praktische Wirkliche keit des letzten Jahres bestätigten Platz ein. Ein Jahr juristisch-wirtschaftliche Beratungsstelle desE.-B.! Eit: Jahr der Arbeit, eine Fülle von Problemen. Wir haben sie nicht alle löset: können. Aber wir haben uns ihnen gestellt, Enttäuschungen verwunden und Erfolge gegrüßt. Den deutschen Juden Halt und Mut zt: geben, ihre Eristenz sichern zu helfen, diesem Ziel wird auch weiter unser ernstes Bemühen gelten. BmMm A EMMmA (Fortsetzung der Berichte aus Hauptblatt S. 2.) RvrdEeüreuMllmd Mecklenburg imb die Lüneburger Heide waren, in der vergangenen Woche das Ziel der Vortragstätigkeit dos Landesverbandes Nordwestdeutschland. ftnit die gesamte Gemeinde Güstrow :var der Auffordcrnng dc8 Vertrauensmannes der Ortsgruppe, Mar Jacob so hu, zu einer Versammlnng am 17. März gefolgt. In längeren Ansführnngen referierte Tr. Werner Grunsfeld (Hamburg) über „Unsere Lage und unsere Arbeit". Eine angeregte und fruchtbare Tiskussiou. in welcher auch die Anhänger der entgegengesetzten Richtungen zi: Wort kamen, schloß sich an. Besonders eindrucksvoll waren die Worte des Gemeinde. Vorstehers. Rcchtsattmalt Marcus. Noch lange C*-V*-K@!ci®dler Landesverband Hessen - Nassau und Hessen 8. April, 20 Uhr 30 Mln.r Ortsgruppe Frankfurt a. M. Ansprache von Dr. Eva Neichinaiui.Imlgmattn lDer- Un). Gastspiel der L.-B.-Jugend MaiLirheim im Bund deuisch-iUdischor Jugend: „Iaükobs Traum". Frankfurt-Loge, Eschenheimer Laudstratze 27. nach Schluß der Aussprache saßen die Erschienenen im kleinen Kreise mit dem Referenten des Abet:d3 zusammen, um Fragen des täglichen Lebens zu besprechen. Am 14. März sprach 'Tr. Werner Grunsfeld vor den: größten Teil der Uelz e n e r Gemeüwemitglieder. Einer allen Tradition folgend, veranstaltet die Ortsgruppe H a m b u r g. A l t o n a im Landesverband Nordwestdeutschland regelmäßig Teenach- Mittage, zu welchen iiidjt nur Mitglieder des C.-V., sondern auch Nichtmitglieder eingeladen werden. In den letzten Wochen sprachen ans zwei Tee. Nachmittagen die Mitglieder des Vorstandes deS Laiwesverbandes Nordwestdeutschland des C.-V., Rechtsanwalt Tr. M. E i ch h o l z (Hamlmrg) und Tr. Ernst Löwenberg (HarnburgZ. Der Ein. ladung der Ortsgruppe Hamburg-Altona in die dankenswerterweise von Privatpersonen zur Berfügung gestellten Räumlichkeiten war e:ne große Zahl von Freunden gefolgt. Tie Anmeldung neuer Mitglieder zeigt, daß der Eentral-Verein mit diesen Veranstaltungen, die der jüdischet: Bevölkerung Gelegenheit gibt, in kleinem Kreise die sie bewegenden Fragen zu besprechen, einem dringeiwen Bedürfnis gerecht wird. W-MÄl» In Herford, Minden und Bielefeld sprach Tr. Ernst Plaut (Esse n), Syndikus des Landesverbandes Rheinland-Westfalen des C.-V. über „Deutsches I u dent u m in dieser Z e i t". An allen drei Orten waren die Versammlungen gut besucht. Die Versammlungsteilnehmer folgten den auf einem hohen Niveau stehenden Ausführungen des Redners mit lebhaf. tcm Interesse und bekundeten ihre ttebereittstimmung mit seinen Ausführungen durch besonders lebhaften Beifall u:ü) durch den überall geäußerten Wunsch auf eine baldige Wiederholung ähnlicher Vorträge. An allen brei _ Orken meldeten sich neue Mitglieder für den C.-V. * In Naumburg fand ein Gemeinde-Ausfprache-Abend statt, bei dem der Landesverbandssyndikus Kurt Sabatzky über „Hilfsmaßnahmen des C.-V. für die deutschen Juden berichtete. Tie Anwesenden zeigten sich in starkem Maße interessiert und begrüßten es besonders, daß der C.-V. sich um die kleinen Gemeinden intensiv kümmere. Unsere nürttembergisohen Freunde norden daran! hingewieson, dass der Syndikus des Landesverbands Württemberg in der Geschäftsstelle des Landesverbands, Friedrichstrasse 54 II, Montag bis Freitag von 9—.10 Uhr Sprechstunde abhält. Rücksprachen zu anderen Zeiten können fernmündlich oder schriftlich vereinbart werden. Ein redereicher Winter geht zu Ende. Alle jüdischen Organisationen haben eine ungewöhnlich große Zahl von Vorträgen veranstaltet. ES liegt mir weltenfern, ein Urteil über den Inhalt des Gehörten abzugeben. Ich bin nur eine Stimme auS den: Publikum, die sich allerdings aumaßt. die K u n st der Redner zu bereden. Julius Bab hat einmal ungefähr dies gesagtt „Warum gehen wir eigentlich in Vortrüge? Könnten wir nicht fast alles, was uns da gesagt wird ebenso gut lesen? Wir wollen es hören, weil es uns interessiert, mitzuerleben, gleichsam zu sehen, wie ein Mensch geistig produziert." Ter Mensch auf dem Podium kann unS tatsächlich nur dann fesseln und mitgehen heißen, wenn er während des VortragS schafft und gestaltet. Wir erleben, wie „es" in ihm arbeitet. Das zwingt ut:s mitznarbciten. Ein Entdecker hat uns auf seiner geistigen Forschungsreise mitgenommen. Wir fühlen uns in eine höhere Sphäre versetzt, in die wir allein nicht hinaufgelangen könnten. Tank dem schöpferischen Redner! Wenn er zn allem übrigen noch über eine angenehme Stimme, über sparsame aber formende Gesten nnd über ein gutes Teutsch verfügt, wird es ihm nicht an Beifall und ideellen Erfolgen fehlen. Eine Rede darf also keine „Lese" sein. Wir möchten Zeugen eines geistigen Werdevorgangs r\ sein. .Es enttäuscht uns. mehr oder minder, wenn der Entstchungsprozetz bereits' abgeschlossen war, als wir herbcigerusen wurdem ' Eine Rede darf keine „Schreibe" sein. Auch die freie Rede ist es oft. Kurze Sätze, bitte! Ter Zuhörer kam: unmöglich wie in seligen Lateinstunden' krampfhaft suchen, bis er Prädikat und Subjekt gefutrden hat Endlose wohlgeformte Perioden sind eine achtbare rhetorische Leistung.?lüer die typische Ungeduld deS Pu- blikums ertrügt überhaupt . nicht sehr viel. Weder zeitlich noch in- . halt!ich. Zeitlich: Ein Dort rag, der bis zum Schluß wirken soll, darf für den NormalMenscheu daS Nor- ' malnraß einer' Stunde nur univesentlich überschreiten Wenn wir ' noch ganz ,d>rln" -sind, soll man uns entlassen. Dann schwingt das Gehörtest: uns weiter. Inhaltlich: Der Hörer will, etwas mitnehmen. Das kann er nur, wenn man ihn nicht mit Ideen und Wissen überschwemmt, sondern ihm in weiser Dosierung und übersichtlicher Gliederung einige Gedanken und einige Tatsachenreihen darreicht. Der aufmerksame Zuhörer muß das Wesentliche eines Vortrags reproduzieren können. Wozu ist er sonst hingegangen? Fortlassen — darin besteht die Kunst der Rede wie aller übrigen Künste. Ter Spreck)er braucht nicht - unzufrieden mit seiner Leistung sein, weil er nicht ..alles" gesagt hat. Erstens merken wir es nicht. Und zweitens kann ein Einzelvortrag fast niemals ein Thema ausschöpfen. Wir erwarten, daß der Aortragcndo uns unmittelbar anredet. Das heißt nicht etwa, daß wir eindeMige Anbiederungsversuche schätzen. In: Gegenteil. Neckisch eingestrente jüdische Largo». Worte verstimmen uns. Dagegen sind wir mit Freuden empfänglich für unbewußte Annäherungswerte, eüva für den urberliner Tonfall von Profefsor Franz Oppenheimer und für seine köstlichen Berlinismen. Tas ist echt imb gehört zu der Persönlichkeit dieses Redners. Aian lernt ihn gleichsam persönlich kennen. So möchte man jeden Menschen am Rednerpult kennenlcrnen. Kontakt — stark gefragt bei Rednern und Hörern. Wie er zustande kommt, läßt sich nicht in Kürze sagen. Nur soviel darüber: Ter Sprecher macht den stärksten Eindruck, wenn sein Thema ihn selbst erfüllt und belebt. Er darf aber in seiner geistigen Beglückung nicht auf einsamer Höhe mandeln' und vergessen, daß' er für andere Menschen spricht, die seine Sache und seine Ausdrncksweise verstehen wollen. Ein guter Redner hat etwas von einem Eroberer. Er verwendet seine Eroberungstechnik bewußt oder unbetvußt, aber nie zu aufdringlich Wie jede pädagogische Tätigkeit, soll auch die des Redners diskret arbeiten. Mmr toird vcrstimtnit. wenn man zu sehr die Absicht werkt. Di§ Nedegabe ist zum allergrößten Teil ein Natnrgeschenk. Gelegentlich hören wir aber auck) gern einet: gescheiten und überzeugten Aienschet: reden, der nicht zu den wahrhaft Begabten gehört. Und wir wissen auch, daß keit: Meister vom Himmel fällt und haben deshalb gern Geduld mit rednerischen Lehrlingen. K M. Unsere gross angologfen Abteilungen |7H - LMJS UDfflE0Q©iniE&®m2©lkffi®m» Seidem«. mms! E&l©tdl©B,sÄ®SS<B bringen für das Frühjahr eine besondere Auswahl letzter Neuheiten Wir bitten um Ihren zwanglosen Besuch wmuTnrmM MWixiL' Eferfinm. w. GROSS GÖRS CH E N S TRASSE 1 *9 / E C KE HAUPTSTRASSE

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