Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 13 (29.3.1934)
- Date
- 1934-03-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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$ 6 / J/ -4. 4.133} fl«- und ftltö -Pu. ODO UliO ' min Berlin, ZD. 'März 1934 , XIII, Jahrgang / Nr. 13 Pfoi® 2© PfOS13BH Von De. JE Pessach feiert die Befreiung Israels aus Aegypten. So scheint dieses Fest auf den ersten Blick einen politischen Charakter zu haben. Loch die äußere Freiheit, einst vor mehr als drei Jahrtausenden gewonnen. ist dem Juden seitdem mehr als einmal wieder genommen worden. Und wenn es um sie ginge, hätten wir nur in den Hellen Tagzeiten unserer Geschichte, nicht in ihren dunklen Nächten An- „Es gibt heute kein Privatleben mehr für einen Inden. Niemand darf sagen, was ich ine und lasse, wie ich mich gebäre und kleide, wie ich mein Geschäft betreibe, geht niemanden etwas an. Ich laste mir keine Vorschriften machen." Nein, jeder jüdische Mann, jede jüdische Iran hält heute und hier die Würde des ganzen (§7(ZÄ<ZkQl!.2.cZkQ 'ö£p£<3CP0& In die bevorstehenden Pessachtage sendet das vergangene Jahr mit der Erinnerung, die in uns erwacht, seinen Ernst hinein. Wir wollen ihn eindringlich zu uns sprechen lassen. Gedenken, wenn wir nur gedenken müssen, wird, auf uns lasten, wird uns bedrücken. Gedenken, wenn wir gedenken woll e n , aufrichtig und frei, wenn es uns so eine Selbstbesinnung, eine Einkehr ist, wird . uns zur sittlichen Kraft. So allein wollen wir uns jener Tage erinnern,, damit wir innerlich stark und fest dadurch werden.; . ■ ■ ■; Eine Forderung .an uns selbst soll darum dieses Gedenken sein. Sb ist «es. , die fromme Uebung von den Vätern her. Der Pflicht, die vor uns steht, sollen wir uns bewusst werden. Und eines ist es vor allem, das so vor uns.'hintritt.. und heute von uns die bestimmte, opferbereite Tat verlangt. . Unser Werk für; Aufbau und Hilfe wie unser Schulwerk wendet sich an uns. .. Wenn jeder von’, uns nach seinem besten Können durch eine willige Spende diesen Tag zu einem Tage des Beistandes macht, dann haben wir uns wahrhaft erinnert, dann hat der Ernst der Zeit'zu uns gesprochen. ' . Vergiss nicht, so sind wir vernehmlich gemahnt.. Vergiss nicht — zu jedem von uns ist darin gesagt: vergiss deine Pflicht nicht, vergiss nie, was dir geboten ist. Fordere das Opfer von dir. - laß. uns jener Befreiung zu freuen. Aber was unseren Vorvätern damals gegeben wurde, war etwas Unverlierbares, es war. Clienit olam, „Ewige Freiheit". Denn der Vater Weg führte aus dem Haus der Knechtschaft zum Sinar. Dort gelobten sie, Gottes Knechte zu sein, und diese Knechtschaft ist es, die allein den Menschen frei macht. Der Mann, der Gottes Knecht ist, fühlt keine irdische. Fessel mehr; er ist unverwundbar geworden für die Schläge deS Schicksals; sie fallen aus ihn nieder, wie auf jeden anderen Menschen unch, aber sie können nicht durchdringen bis Zu seinem wahren Ich. Diese Freiheit wurde am Anfang unserer Geschichte, in der Gcburtsstunde unserer Gemeinschaft als Gabe und Gebot vor uns hingcstellt. Aus sie richtete Israel seinen Blick, wenn es von Gefahren umringt war. und dadurch überdauerte es die Zeiten. Diese Freiheit zu bewahren — heute hat der deutsche Jude diese Aufgabe zu verwirklichen.. Tie Wurzeln unserer Kraft reichen tief hinab unter alle Oberflächen äußeren Geschehens zu den letzten Urgründen alles Seins; sie führen Zu dem, der selbst „der Ewige" heißt. Nur wir selbst können uns davon abscheiden und haben uns oft genug davon abgetrennt. Diese Freiheit gibt dem Juden in schwerer . ^lunde Haltung und Würde, ein Celbstbewußtsein, das mit Kriecherei oder , Selbstüberschätzung nichts gemein hat. Wir bekennen ohne Zögern „Ich bin ein Jude" und werden doch dies Judentum so wenig wie wüst unser Ich. überbetonen. Aufrecht zu bleiben auch vor dem Erfolg, dem alles sonst sich beugt, das heißt frei sein. Diese Würde W kein sicherer Besitz, sie ist immer von neuem Zu erringen. So sehr wir uns rühmen dürfen, dsi-ß sie im letzten Jahr in unseren Rechen gejunben wurde, müssen wir uns bewußt bleiben; ÖÖB sie immer wieder bedroht ist. Dir Drüver», gm» Judentums in seiner Hand, und wir Dürfen und werden von ihm Rechenschaft fordern, ob er dies unser kostbares Gut in Ehren hält oder dem Spott und Der Schande preisgibt. Wer wie jenes ruchlose Kind der Haggadn sagen wollte; „Was ist das, Euchwir würden ihm antworten: „Ja, du gehörst wirklich nicht zu uns und trägst den Ehrennamen eines Juden zu Unrecht." , Die Freiheit des Juden bringt ihm das G e f ü h l d e r P f l t ch t. Sie macht ihn darin unabhängig von dem, was rings um ihn vor-' geht, und was ihm geschehen mag. Fehlende' Anerkennung, ja schwere Verkennung können - uns bitter kränken uub herbste, unverdiente Enttäuschung bedeuten, aber sie werden und dürfen, uns nicht davon abbrmgen, unsere. Pflicht zu tun, unsere Pflicht auch gegenüber dem Lande, das uns unsere' Heimat ist. Auch das haben lvir im ■ vergangenen Jahr beweisen können. Wir sind ‘ uns bis zum letzten bewußt, daß der Satz noch immer Geltung hat. beii einst der Prophet Jerenüa niederschricb. als sein. Volk sich erst anschickte zu dem unendlichen Gang durch die Zeiten und Völker, aus dem wir immer noch stehen: „Sucht das Wohl des Landes, in daS ich euch geführt habe. . . deyn sein Wohl ist euer. Wohl". DaS ist und bleibt dem deutschen Juden bte Richtschnur für sein Denken, Tun und Reden, was, auch kommen mag. Der Jude hat sich zu allen Zeiten und -, m vielen Ländern als treuer Bürger bewährt. Wir sagen das nicht nach außen hin. denn 'diese Treue ist uns zu selbstverständlich und., zu wertvoll, um auf sie irgendwelche Forde- 'rungen zu gründen, und sie gar zu einem . Kaufpreis heräbzuwürdigen.. Rein, wir sagen . iurster'teiefcer uns selbst, um uns Lar zu-. ^{el&gium auH den SHaM; eines Zweifels an unserm Wege von uns fern-- zuhalten. Die Freiheit des Inden, der in Würde und ' Pflichtgefühl bcharrt, ist aber nicht eine Freiheit des einzelnen, die ihn vereinzelt und absondert. Nein, sie führt hin zur jüdischen Gemeinschaft und fügt ein in. die Reihen der Brüder und Schwestern. Denn diese Freiheit ist ja gerade Bindung, Bindung vor allem an die Gemeinschaft aller Juden. So kann auch niemand unter' uns diese Zeit bestehen und der Ewigkeit Israel teilhaftig sein, für sich allein, ohne allerlebcndigstes Gefühl. für die innere Einheit, die. uns unauflöslich ' verknüpft. „Ganz Israel ist Bürge, einer für den andern", lvir haben es erfahren, und lvir lvvllen es verwirklichen.. Wir dürfen unsere Einigkeit nicht bloß äußerem Druck zu verdanken haben, sie muß aus der freien lieberzeugung jedes einzelnen strömen. Sie muß 'sich so sehr, von selbst ergeben, daß dis Verschiedenheit der Meinungen ihr nichts anhaben; kann. Denn diese Verschiedenheit,, die Teilung. der.Ansichten,, Richtungen,' ja sogar der Ziel- '• ''.".lOMgen, -ist an sich kein Unglück, sondern ein Zeichen 'des Lebens. " Wir', wollen' keine per-’ wasch ene, grundfatzlose Neutralität; wir freuen . ' ün§ mannhafter Stellungnahme, wir wünschen nicht etwa, aus bloßer Äengstlichkeit auf jeden Willen und jede Aeußerung zu, verzichten.. Wehe unch wenn das deutsche Judentum seine Mannigfaltigkeit und die zeugende Kraft. geistigen Kampfes verlöre. Das wäre ein zuverlässigeres Zeichen,, seines Endes als Geburtenrückgang und Schwinden unserer Zahl durch Auswanderung. Die Weisen, die in .B'ne B'rak die ganze Nacht an der Sedertafel saßen, haben sich auch gestritten, bis die' Morgenröte kam. Nur die Form ist zu beklagen, die solche Auseinandersetzung in unseren Reihen in den letzten Monaten ange-: nommen hat. Wahre innere Freiheit wäre zu solchem Hader unfähig, denn sie wird stets in dem Andersdenkenden den Menschen achten - und nie das brüderliche Gefühl verlieren. Professor Drt. Franz Oppenheimer ,(Zu dem Aufsalz auf Sette 3 des Havplblaites.) « BsacsaBBEsnaaaBnncannnaEnnöaBöisa wenn dieser Bruder einen anderen Weg'als. wir wählt und geht. Jüdische Einigkeit.kann und soll nie einem Machtwort, fremden, oder jüdischem, zu danken sein, sondern der innersten Zustimmung aller Söhne der gleichen Bäter> ' die einst am Fuße des Sinai standen./ ' Die innere Freiheit des Juden erzeugt in uns immer von neuem unerschütterliches - Gottvertrauen. Wir wissen, es ist die einzige Waffe Israels und eine Waffe, die; uns nicht zerbrochen werden kann. . Wir wer-; den nie an unserer Zukunft irre werden. Denn . wir haben llnser Schicksal nicht aus den Flug? fand dieser oder - irgendeiner Zeit gebaut,. sondern aus den Felsen, der Ewigkeit. .In - unserem Glauben besitzen wir eine, überirdische Heimat, die uns niemand nehmen.kann.; Und 'daß gerade dieses Uebersiunüche, Ungrersbare ' eine Macht von höchster Realität ist, - werden vielleicht in diesem Jahre viele spüren, die sich ihm'sonst perschlossen. Wenn sie hier und ' dort über diesen Erdball .verstreut' .an dem - Sedertisch sitzen, dann werden sie sich mit ihren Lieben vereint fühlen, die durch .Landesgrenzen , oder gar Ozeane von ihnen getrennt sind, und . es wird ihnen deutlich sein; was es heißt, das kleine Ich an die Unendlichkeit zu knüpfen, und welch eine Kraft, welch ein Trost ünd welche Fülle der Hoffnung - daraus in die' schwackze Menschenseele einströmt. Cherut olam — ewige Freiheit, das ist die Freiheit des Juden. Einst ist sie uns in fernen und fremden Zeiten, in fernem und fremden Land aus unseren Weg mitgegeben worden. Jedes Pessachsest erneuert uns diese Gabe, die unser Glück und unsere Zukunft bedeutet. Wir halten an diesem Vätererbe fest, und dieses Vätererbe hält uns fest in dem Sturm der Zeiten. Es gibt uns Würde. Pflichtgefühl, Einigkeit, Gottvertrauen. SEÄchM ÄKS . Die RoichSvertretung hat eine Schlichtungsstelle errichtet, um ein Mittel in der Hand zu haben gegen Ausartung innersüdischer Nutz-' einandersetzuugen und zur Wahrung jüdischer Solidarität in diesen Auseinandersetzungen. Die Schlichtungsstclle hat darüber zu entscheiden. ob eine jüdische Stelle oder eine aon die Pflicht jur jüdischen Solidarität rtzt haben. Die Schlichtungsstclle wird tätig auf Antrag einer Mischen Stelle, etwa einer Gemeinde, einer'jüdischen Organisation, einer -sonstigen Institution oder auch einer jüdischen Zeitung. Das Allgemeininteresse kann aber -erfordern, daß, auch wenn der Betroffene einen Antrag nicht stellt, von seiten der Reichs- Vertretung ein Verfahren vor der Schlichtungsstelle An Gang gebracht wird. Die Wahrung des jüdischen.'Allgemeininteresses .durch Ingangbringung. eines solchen Verfahrens bei der Schlichtungsstelle ist in die Hand des-Vorsitzenden des Präsidialausschusses der Reichs- Vertretung gelegt. Einzelpersonen haben da 8 Recht zur Antragstellung nicht. Die Aufgabe der Schlichtungsstelle ist nicht beschränkt auf derartige Fälle, in denen der Vorwurf der Verletzung der Pflicht zur jüdischen ‘ Solidarität erhoben " wird. Es kommen .. vielmehr, häufig . .Schwierigkeiten zwischen . , Organisationen und sonstigen jüdischen Stellen vor, an'deren Schlichtung, ein allgemeines Interesse besteht, ohne haß cs ilttlece Pe!Seu2>Nmitmes'‘', umfasst 22 Seiten. Sie enthält u. a.r - Hauptblcttt Franz Oppenheimer zum 70, Ce» burtstag von Ludwig Holländer; Df, Erich Kehr.(Kaiserslautern) und Dr. Manfred 1 > Bwarsepsky im C.-V.'. /. Beilage: Ein Jahr juristisch-wirtschaftliche '>■ Beratungsstelle des C.-V. Von H*R. : 2. Beilage: „Alte änd neue Haggaden*• von Rabbiner Dt. Italiener (Hamburg) mit zahlreichen Illustrationen. Pcssach-Lcgendcri; der sechste Aufsatz der Ariihelrzihe „Religion in dieser Zeit" von Rabbiner Dr. Max V/ieper. 3. Beilage: „Das neue Buch" und „Seite der Jugend". 4. Beilage: Die, heilige Flamme. eine . Er- ' Zahlung von L. Meyer-Lünen. — Bsrihold Auerbach von Dr. Fritz Friedlacr.dcr— Gadz und Recht — Wirtschaft der IVochc. 5. Bcilaga: Kindsrblatt der „C.-V.-Zeitung". , Die nächste Kvzzmcr der „C.-V.-Zcitung” erscheint am 6. April. V5 1