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Central-Verein-Zeitung · 1934-03-22 · 12 (22.3.1934) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
12 (22.3.1934)
Date
1934-03-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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„©tee geif- Um keine Mißverständnisse aufkommen :zu lassen: Georg Hermanns Roman „Eine - Zeit ,'lirbt" ist voller Spannung und Niveau,, im Mang reizend und vielfältig schillernd, zum Schluß fast atemraubend und tragisch und Mnec noch bezaubernd, kurzum, ein Buch, wie cs sein soll und wie es selbst dieser Autor nidfjt besser hätte schreiben können. Und wem'an tiner liebenswerten Unterhaltung und seinen Ablenkung gelegen ist. der lese gar nicht erst ’ hier weiter, sondern bei Georg Hermann selbst. Ein jüdischer Gegenwartsroman allerdings ' ist diese erste Veröffentlichimg der neugegrün- , Men Jüdischen Buch-Vereinigung .nicht. Vom Mischen Glauben kommt nicht ein Wort darin vor. Nur ihren Namen nach, ihrem Verhalten . nach schon weniger, ihren Berufen- und Liebhabereien nach bestenfalls noch, wenn man durchaus will, sind seine meisten Personen deutsche, nein: Berliner Juden. Woher wissen wir es? Aus der Vorrede. Immerhin, sie sind gutbürgcrlicher Mittelstand,. Intellektuelle, kulturbcflissen und ein wenig morbid, differenziert und leicht ironisch, eher melancholisch geistreich als leidenschaftlich lebsrisch. ' Unter» gehender Mittelstand, denn ihre, Schicht ver- . sinkt: wirtschaftlich in der Inflation, .körperlich als absterbende Generation,, geistig als . das Produkt eines untergehenden Rationalisinus. seelisch, weil sie überzüchtet ist, zu empfindlich in einer immer härter,.immer dies- ■ ieitiger, immer bestimmter zu, unserer Gegen-" wart werdenden Umwelt. Eine Zeit stirbt. Diese sympathischen, liebenswürdigen/-gescheiten und komplizierten, aber doch sehr redlichen Figuren. diese Zugänglichkeit für.alles Knschliche, diese Geschmackssreudigkeit, Kul- - livierchert und Müdigkeit, diese.Herbststimmung im Tiergartenviertel — das . war einmal . unsere Welt? Gewiß, und als wir selber oder unsere Ellern noch in dieser Welt lebten-und „glichen Gebert" lasen, da hatten, wir oder unsere Ellern dieselbe Empfindung: ja, das war einmal unsere Welt. Eine großstädtische?Mschenwell, nicht künstlich,, sondern.- ge- . wchsen, aber im Treibhaus. Und schon in tichn Buch werden, die Glasdächer abgehoben ‘ «nb Rauhreif fällt. Die Jahre - nach dem lllieg brachten den ersten Reif. Die Zeit hatte ju sterben begonnen. ' Der Stil/in dem das geschrieben ist/ stimmt s>azu. genau wie der „Jettck)en-Gebert"-Str1 mit se'uiem Refrain: „Und es, kam,' wie es kommen mußte" zu seiner etwas lyrischeren Zeit ' stimmte. Bon der Sentimentalität ist nun nicht viel zu merken, und auch der sprachliche Heroismus, der Zwillingsbruder des Sentimentalischen, hält sich fern. Die Zeit stirbt mit Anmut und Würde, aber ohne -pompöse Feierlichkeiten. Ein Schuß Fontane, ist unverkennbar, und ohne Fontane wäre kein Berliner -isoman gut denkbar, wenigstens kein bürgersicher. Aber Fontanes plastische Herbheit zer-* hießt hier leicht ins Gesprächig-Plaudernde uvd Geistreich-Redselig^ und an Stelle der altmeisterlichen Berliner „Keuschheit" (ihm wäre chlch dies Wort noch zu gewichtig gewesen); an stelle dieser Schamhaftigkeit, die gefüyls- Ichwelgcnde Ausbrüche und. geistschwelgende hinten mit einer scheinbar saloppen Be-/ luerkung überging, benutzt Georg Hermann ., virtuos das Kunstmittel, über feine Gesühlsimhefeu und Espritspitzen ganze Sahwcllen muwegzuschwemmen, hmwegzureden. (Feuillewnismus? Also jüdisch?) Er stemmt sein tiroblem nicht uüt dein keuchenden Athleten crust. sondern er balanciert es mit der de-! (lauten, scheinbaren Leichtigkeit eines' Rastellt. iKoutrue? Also jüdisch?) 'Ja/-esftst-nicht.zw ' leugnen, daß dieser Roman mit einer schönen Virtuositätgeschriebenist; der Leser - glaubt, noch -Gott weiß,, -wo zu sein; in der Landschastsschilderung oder im Personenverzeichnis, das im Romananfang wie im Drämenansang Mt, nurausführlicher-imd ist in Wirklichkeit 'schon mitten im Roman, und - ganz',gefangen. Nun/ das ist ialles„ wenn man 'will, natüruch irgendwie. jüdisch.' Und auch' der. Autor ist kein (man müßten fast sagen: Märzgefallener) ' Jude,dersein-Judentum.-erst-'entdeckt hat,.als , ihm nichts anderes mehr übrigblieb,'- sondern er hat dieses.'Berliner Milieuvon jeher'ge- ' - schildert, das Jüdische nie verleugnet- und.erst vor acht Jahren in-einer theoretischen Schrift noch sich , zun: jüdischen Problenr bekannt., Diese Schrift hieß,' typisch für Hermann, „Der . doppelte Spiegel",-und an ihrem Ende stand auf die Frage: was soll man - tun? Was soll der deutsche Jude denn-tun? diese Antwort: . „Er soll zusammen,haltw . . . Er soll - nicht reden, sondern etwas leisten .•> . Wenn man ihn nicht anerkeimt .. wird er wenigstens ' etwas geleistet, haben." Georg Hermann hat etwas gleistet, und '.gerade dieser Roman ist eine Leistung. v ' - ■" - „Daneben", wie es bei Jeremias Gotthelf immer heißt, daneben'muß'es erlaubt sein zu sagen,, daß diese Leistung ein Nekrolog Ist. ,-Eine . Zeit stirbt?" Sie ist'schon tot,' und ..uns geht's ums Leben. : Ums nackte Leben . und ums trockene Brot/ und darum doppelt um unsere, moralische, deutsche,' jüdische Existenz ' heute! Ist es unbillige unsere Kunst, unsere Literatur, die Jüdische Buch-Bereinigung unter solchen Aspekten zu betrachten? - Es-fällt uns nicht ein, i die Existenzberech»' tigung irZendeines,. also. auch nicht-dieses Kunstwerks' anzuzweifeln. Dieses hat dazu eine gewisse'Vbllkommenheit, indem das Herbstliche, . Zwitchrge,. Gebwchene, leise - - Schwermütige ■ dieses Berliner Judentums einer herbstlichen Zeit mit herbstlichen Farben.von einen: herbstlichen Maler wirklich zwielichtig, gebrochen, und lckse schwermütig 'gemalt ist.' Dazu hat es einen gewissen, historisch-dokumentarischen Wert für pns.' Es ermöglicht ,usis einen Rückblick. Aber wir müssen weitergehen. Wir müssen'weitergehen,, und 'der Rückblick war zu unserer Orientierung notwe:ü)ig. Wo befinden wir im&2 In welcher Lage? . Eine' Zeit ist gestorben,- und der .Rückblick oe- ' lehrt uns, wie zwitterhaft und'.zwielichtig, wie herbstlich das alles oder, doch das meiste war. Aber was haben wir nun? .Das Ende dieses Buches ist ein gespenstisch riesiges Fragezeichen. Und. das Eiwe unserer Betrachtung stellt eben- , falls in Frage, und- .zwar unsere gesamte Existenz. Auch wir sind Figuren/, vondenen nur in der Vorrede zu unserem Lrchen unser Autor behauptet hat. daß wir Juden seien.' Was aber an m:s jüdisch ist, was an M-seren . Berufen, unserem Verhalten/ unserem Ache.Ns» strl/jüdisch, was. berlinisch, was deutsch, wtts bürgerliclz oder kleinbürgerlich sei — wer kann- ' das sagen? Selbst die Terminologie-für d^' Beurteilung des Typisch-Jüdischen in solcher/. Doppelspiegel'Literatur (Feuilletonismus. üfru’O müssen wir uns - aus dem Wortschatzunserer. Beurteiler - von dew ärgeren Seite' ausleihen, nicht wahr? Sein wir doch ehrlich! Ein Rückblick — und am Ende wissen wirnicht nur nicht, was wir tun solle::, sondern nicht enunat, was .wir sind, wer wir sind, was an uns-jüdisch, was lebenstüchtig, was'llur angelc-bt, angewöhnt/ unecht ist. Wir habenfthon viel gewonnen.-wenn wir. einsehen, daß „eine Zeit stirbt", aber nach dieser Feststellung, hmter '-dieser'-.'Einsicht erst' sängt .eigentlich die scheni Juden, an. und also auch -die : Arbeit: eines Arbeit der. Autoren,, der Wortführer der deut- . Jüdischen' Buch-Bereinigung. t ... t Bon 3tiU«s Dsh '«susp'Rsma» Noch ist kaum ein halbes Jahr vergayrgen, . feit d'ev erste iBand. von-T H-o m cxs M^N-ns- - großem Romanwerk „Joseph Md. se-ine Ärüber" .erschien, und schon'.solgt der zweite Band, der den Titel „D er juVtz'e. - Jose pH"-trägt. - Dieser .'Band erreicht '.Mit 332-Seiten) bei weitem, nicht d.en Umfang ches- .ersten,.der fast um die Hälfte länger ist. .Sr bietetauch nicht ganz die geistigen SchwierU-/ ketten, die > der .erste - Band uns zuwut^t.- Immerhin - wird - auch hier -zimächst von peyr' Unterricht: gehandelt,, den Joseph vom ,.Ätss sten Knecht" Eliezer erhält,-, und-das bedeutet 7 noch, einmal eine . sehr - tiefe Einkehr in die .' früh-orientalische. Mythenwelt. Und dann s handelt noch einmal ein besonderes Kapitel über-Abraham und seine Eroberung des neuen 7 GotteSbegrisfes.-, Es gibt da- (namentlich im .. Hinblick auf. den ersten Band) zweifellos Wie- - Verholungen, und leicht ist der Weg'durch.! diese beiden Kapitel gewiß nicht; aber -es.wird sich. erweisen,' daß der mühsame Weg nicht umsonst war, daß die Dinge, die uns hier mit so viel-Nachdruck eingeprägt werden, unablösbar zusammenhängen mit Thomas Manns tiefster dichterischer Absicht.,' Denn nun beginnt— im wachsenden Tempo-und auch mit immer stärkerer äußerer -Spannung der Mlans der Handlung. Entsinnen wir. uns: der Beginn des ersten Bandes zeigt uns. in palästinensischer Mondnacht Jaacob und den 16jährigen Joseph am Brunnen. Die Erzählung schweifte dann rückwärts u:ll> füllte den ganzen großen Band mit der Vorgeschichte, der Geschichte Jaacobs. Aber dabei sahen wir doch schon ganz deutlich die-Quelle der Tragödie, die zwischen Joseph - und seinen. Brüdern anhebt. Es ist die ganz tiefe Vorliebe des Vaters für diesen Sohn der Rechten, den Sohn der Rahel, die er ja eigent- . lich mit seiner Ehewerbunst meinte. Laban hat'ihn betrögen, gab ihm:n jener Hochzeitsnacht unter dem köstlichen, wunderbar durchwirkten Schleier die Lea/ . Von Lea und den Mägden stammen die rüstigen, starken und wilden älteren Söhne, von Rahel nur dieser „hübsche und 'schöne", dieserkluge Joseph neben dem kleinen Benjamin, an dessen Ge- ' burt die zarte- Rahel bereits - stirbt. - So ist der Konflikt da — jener Konflikt, der Thomas Mann von Anbeginn anzieht — der Konflikt ganz primitiv gesagt,- zwischen Körper und Geist, näher: die sehr verstrickte Auseinander- - setzung zwischen dem ästhetisch-philosophischen, '. dem betrachtenden Menschen und dem naturhaft kräftigen, dem ungebrochen tüchtigen. Und dieser Konflikt bekommt mörderische Schärfe durch jene Bevorzugung des schönen und kürgen Knaben, des Sohnes der einzig Geliebten, zu dem sich der zarte fromme Sinn - Jaacobs immer wieder verfuhren läßt. (Auch in jener Mondnacht verspricht Jaacob-Joseph -ein.besonderes Geschenk.). ■ \ ' Schön ist jenes Streben nach Gerechtigkeit. - Mt-dem'Thomas- Mann es vermeidet, uns eÄfteitig Partei in dem Streit zwischen Joseph :m$ seinen Brüdern ergreifen zu lassen. Ge- ' wiß' will er den nwrderisch wütenden Ausbruch' der Brüder, die schließlich den' Knaben nnßhal'cdeln.'in einen leeren- Brunnen werfen .und als'^kladen att die-Viidianiter verkaufen, nicht entschuldigen. Mer er zeigt uns doch sehr .nachdrücklich, wie die' eitle Torheit/ die -naive SelüstgefMigkeit des Joseph dE BrMer ' aufs - tiefste - reizen mußte. War ihrem fachen Sinne schon der Intellektuelle, der „Steinschreiber" fatal — der Träumer, bpr Wonn unwr« Freunde wie atljährllch auch ln dloiem Frühlohr durch die dauttche Landschaft wandern, , werden sie schärfer als ln früheren Jahren nach , Zeugen, unserer Jahrhundertealten-Verbundenheit . Ailt. der deutschen Heimat aus chauen, und mancher von Ihnen wird solch steinernes Zeugnis deutsch* «Jüdischer Vergangenheit Im Bilde festholten. |$oshes!E» rufort wir Sie zu einem auf l-r^öildwn Sie uns von Ihrer Fröhllngiwanderunfl ■ jsehönsfen -BESdor ^-jOe58seh©ir In ■PomtecfaSawde Die drql schönsten Bilder werden wir In unserer Zeltung^oröffontllchen und präm ieren. Don Ankauf weiterer',Cllder iur Veröffentlichung bohält sich die Schrlftloüivhg vor. ' 1. Proi^?' Cin VorgrößQrungs-AppaFOf 2.Pro5cirE5n oSo^frisshor FofosoBSon- ^oBicEntungsmossor - - S.Preis^'tüno ^Soimiampo.; AuMordnum 5'TrosSproiso in ©bsfalt jo oinos-. slohroa-Abennoment#* ouf die - MonWfsschrlft „Der Morgen'». Dl« Bilder solltsn auf Mattpapier abgeiogen sein. Format 13x18/ Falls das Bild aufaeiagen Ist. darf der Karton nlchs grösser .als 24x 30 sein. Die Ein- Sendungen slntl an die Schrlftleltung der „C-V.- Zcltung?' mit d'om Zusatz „Foto*Amateurwettbeworb“ bis zum V?0. April 1934 zu richten. Spatore Elnsoncunnan Kinnen nicht berückslditigt werden. Die Blldor müssest mit Kennwort verschon sein. Ein bol^afönlar vercj-Mossener BrlofOmschlag mit Kenn* wort muss die Adresse des Einsondor» enthalten. Bilder, die mit dvm Namen des Einsenders ver* sehen sind, könnatfi bei der Prelsvertoilung-keine Borückslditlgung HSnden. Eerutsfotografen sind von dem Wotlbeuu\r^ ausgeschlossen. -* Wer an dem > Fotowettbo\vvn/P tellplmmt, unterwirft sich unter Ausschluss dcj\ Rechtswoges der Entscheidung der Jury, gegen die» «In Einspruch nicht möglich Ist. Der Jury gehörten ans Amendu« iaÄ l. Abrcham, Dr. Frjpdrlch Brednltz, Holnz Conclcü. klkosor und die Schrlftloltun^ der „C.-V.-Zottung". ' "te PqsssecE GüSpo/aQ:-' Bemborgar, Haaadah mif Biidern.v. Binder, gob. 0,60 M. . Ganzleinen... . . 2,CD M. Jöpbct, Hagadah mit müsikalicdien Boilagon .... 2^5 M. Ganzleinen mit Goldschnitt........* - * *>/25 M. -suZmonn, Hagadah mit Bildern aus einer hand- schriftlichen Amsterdamer Hcgadch.....-l#Su.M. 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