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Central-Verein-Zeitung · 1934-03-22 · 12 (22.3.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
12 (22.3.1934)
Date
1934-03-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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' BeriSss, L2. W--Ä 1034 XIILJafersans '/Nr. 12 g.roIo'a© Pf©hnis entral- 8j j»'i tjj!»j Am 21. März begann die zweite Etappe der deutschen Ar&eitssch lacht. Um die gleiche Zeit beenden wieder etwa 4000 jüdische junge Menschen ihre Schulzeit, um ins praktische Leben hinauszutreten, haben jüdische Lehrlinge ihre Lehrzeit beendet und suchen einen Platz im Arbeitsprozess. Vordringlicher, aufrührender, aber zugleich auch unpathetischer als jedes noch so tiefgründige Auseinandersetzen ideologischer Probleme ist die Frage nach dem Berufsweg und nach der beruflichen Existenz der jungen jüdischen Generation. Ob, wie und wo sie sich einfügt, davon hängt, fern jeder opportunistischen, aber auch jeder utopischen Ideologie das Schicksal des deutschen Judentums ab. Eltern, Lehrer und die Beteiligten selbst sprechen seit Wochen, ja seit Monaten über dieses Problem. Wir wollen heute versuchen, zu diesen Unterhaltungen von den verschiedensten Ausgangspunkten her einiges allgemein Gültige und auch allgemein Verbindliche?u sagen. Daß Arbeit nicht Kampf-um-einen möglichst großen* Anteil am Sozialprodukt sei, sondern daß sie, ob leitende oder dienende, ob Arbeit des Kopfes oder der Faust den Adelsstand der werktätigen Volksgemeinschaft begründe: diese Zielsetzung hat der Nationalsozialismus dem deutschen Volke eingeprägt. Zahllose Menschen danken ihrem Führer dafür. daß er den lähmenden Bann der Arbeitslosigkeit, des erzwungenen Müßigganges vieler Millionen Menschen, von ihnen genommen hat. Wir deutschen Juden sind im wesentlichsten aus uns selbst angewiesen, haben nur die khancc, uns in der Sphäre der freien Wirtschaft zu behaupten, in jenen Gebieten, die die .Nichtarier-Gesetzgebung uns nach dem ausdrücklichen Willen der Neichsregierung - gelassen hat. Die Beamtenlaufbahn, die akademischen Berufe, die künstlerische Betätigung im Nahmen des Volksganzen sind unserer Heranwachsenden Jugend im wesentlichen der- - schlossen worden. Manche innerste Neigung des einzelnen jungen.Menschen ist damit an der Persönlichen Erfüllung gehindert. Wir sind auf die eigentlich wirtschaftliche Betätigung verwiesen. - Aber auch diese ist gegenwärtig für uns beschränkt durch den gestiegenen Anteil von Arbeitsbeschaffung mit vssentlichen Mitteln, von Parteilicferungen im Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Gesamtumsatz, und durch die Zurückdrängung von Uiüernehmnngsformen, die früher regelmäßig jüdischen Menschen Brot gaben. Sv mancher jüdische Kaufmann hat, als in diesem Jahr der Ostertcrmin herannahte, sich ernstlich die Frage vorgelcgt, ob er denn überhaupt jüdischen jungen Leuten die Möglichkeit einer kaufmännischen Lehre geben solle. Vielleicht raube ich, so war seine Erwägung, den Schulentlassenen, denen ich in meinem Betrieb eine Lehre gebe, damit drei wertvolle Entwicklungsjahre; denn welche Möglichkeiten der Betätigung werde ich ihnen nach Abschluß der Lehrzeit zu bieten vermögen? Wir glauben, daß die Kaufleute recht daran getan -haben, die diese Frage geprüft und sich für die Einstellung jüdischen Lehrpersonals entschieden haben. Was den Ausschlag geben sollte, ist die Erwägung, gerade in diesem Jahr auch in Perfonalangelcgenheiten keinen Bruch in den Ablauf der betrieblichen Dinge hineinzutragen. So lange ein Unternehmen besteht, werden auch von der jüdischen Belegschaft regelmäßig männliche und weibliche Arbeitnehmerdurch persönliche Umstände wie Stellenwechsel, Heirat, Auswanderung oder Tod ausscheiden. Diese . Lücken gilt es Zu besetzen durch junge Kräfte, die im Betrieb ihre Schulung-erhalten haben. Ein anderer Gedankengang, den man von seiten junger Söhne und. Töchter von jüdischen Provinzkansleuten nicht ganz selten hört, ist der: wir hätten zwar die Möglichkeit der Betätigung im elterlichen Geschäft; aber welches Fortkommen bietet sich uns da? Vollauf zu würdigen ist das Vorwärtsstreben, das aus diesen Worten der jungen Menschen spricht, llnb doch wäre ihnen zu erwägen zu geben, daß heutigen Tags schon.das Arbeitendürfen überhaupt, fei es auch im.kleinsten XÖ) L-3 /HO Fj/'ü ' . Li y o kostet die „C-V.-Zeltung" für die Mitglieder desCentral-Vcrelns pro. Quarta!. NichtmitcjÜcdcr bezahlen RM. 3.18 pro Quartal. Maßstabe, ein ganz großes Glück ist. Wisset die Gunst zu schätzen, daß ihr versuchen dürft' . zu erhalten, was eure Eltern in besseren Jahren geschaffen haben. Noch der kleinste väterliche Betrieb, den ihr in der Einsamkeit eures Provinzortcs sortführt, bildet einen Stein im Bau des bcutfcTjcu Judentums, der nicht ohne äußerste Not ausfallcn darf. . Schwieriger ist die Sachlage bei den schulentlassenen Kindern jüdischer Akademiker, Angestellter und Kleinkausleute, die nicht pwnw«« M» WHsWsrr.6» EKses «M'EtzzrsHsr \;t\ ©o®. HsweW Lrch« Jlrfefssm: ' Das Bestreben, die jüdische Jugend in 'einen handwerklichen oder landwirtschaftlichen Beruf zu überführen, ist nicht nur ein Erfordernis der gegenwärtigen Situation, sondern, an sich ein-sozialer Gesundungs- Prozeß der deutschen Juden. Wi^ begrüßen es daher, daß unsere Jugend in die.neuen Berufsbahnen einlenkt. Aber so, wie dies z. T. heute geschieht, führt es 311 einer neuen Gefahr: nämlich zu einer S ch n l s l u ch t, d. h. dem Abbrechen der schulischen Ausbildung an irgendeinem beliebigen Punkte, der kernen Abschluß bedeutet. Drei Aufgaben hat die Schnlerziehung: Bernssvorbcreitrnrg. Persönlichkeitsbildung, Staatscrziehnng. Je nach der Schulart bilden diese drei Ziele eiir einheitliches System, das aber nur unter der Voraussetzung zur Wirksamkeit gelangen kann, wenn cs voll und bis zum Ende auf den Zögling einwirken kann. Tie Grrrndlage jedes Systems bildet das erste Ziel, die Berussvorbildung. Für die überwiegend manuellen Berufe soll die Volksschule, für die gehobeneren handwerklichen, kaufmännischen und die mittleren Beanrtenberufe die Mittelschule und für die akademischen und anderen höheren Berufe die Oberschule die notwendige Vorbereitung des Könnens und Wissens und der - Persönlich, keitsgestaltung bieten. Es ist daher sinnvoll und galt auch bisher als selbstverständlich, daß je nach dem geplanten Berits'die Schul-' ausbildung entsprechend abgeschlossen wurde. Dieser Grundsatz scheint nun bei der gegenwärtigen Berufsümschichtung außer achtgelassen zu werden; denn die Fälle mehren, sich in denen die Eltern, z. T. ans äußeren (wirtschaftlichen) Gründen, ihre Kinder aus der Schule abgehen lassen ohne Rücksicht ans den sinnvollen Abschluß der betreffenden Schulerziehung.- Es muß aber einmal Klarheit darüber geschaffen werden, daß ein 'Realschüler oder G Y m n a s i a st, der einen praktischen Berns ergreifen soll und die Schule 3. B. aus der Untertertia verlaßt, nicht tue Rerussvorbildungbesrtzt.dreeln Volksschüler der erstenKla sse h a t.- Dieser hat 'eine' in sich abgeschlossene, jener eine abgebrochene und dadurch für seine aan^e Nersönlichkeitsgestaltnug unzulängliche Schulerziehung erhalten, die - wenn er sie nÄ durch private BildnngSarbeit vollendet' - rn ihrer Halbheit Zeit feines Lebens aus seine individuelle Struktur nachteilig wirkt. Einige Beispiele mögen genügen: bei den p^chÄchnische« .GgimnAprüsung-n. bis bie für die VerusEatung, bilden, irFn diese Halbheiten der Vorbildung deutlich" zutage, teils in den Unvollkommenheiten einzelner Fachgebiete, teils in grundsätzlichen Einstellungen zur Lebenö- und Berufsausfassung. Die abgeschlossene Volköschulbildung erweist sich als wertvoller als die abgebrochene einer höheren Schule, trotz gleicher Anzahl von Schuljahren. Man braucht ja hier mir an den obligatorischen Werkunterricht der Volksschule und an den freiwilligen, von vielen Schülern nicht besuchten Handfertigkeitsnnterricht der höheren Schulen zu denken. Oder man denke an die Ursache — Wirknngsbetrachtungen des naturwissenschaftlichen Unterrichts der Oberschulen, d.ie in methodischer Parallele stehen zu den Betrachtungen von Bedingung (oder Drittel) und Wirkung im Werkunterricht der Volksschule. Während in einer achtstusigcn Volksschule die Schüler in dieser Betrachtungsweise an praktischen Stoffen hinreichend geübt sind, ist sie am naturwissenschaftlichen Stoff — da mehr in . der theoretisch-begrifilichen Sphäre liegend — in den höheren Schulen erst von Tertia ab untcrrichtlich fruchtbar zu gestalten, d. h. daß ein Schüler, der nach achtjähriger Schulzeit aus der Volksschule abgeht, dem Kausalzusammenhang im praktischen Leben vvrgebildeter gegcnübcrsteht als ein aus der Untertertia abgcgaugener Altersgenosse. ES kann daher gar nicht dringend genug , geraten werden, die einmal begonnene Schulerziehung der Kinder auch planmäßig zu vollenden, zumal bei erreichter mittlerer Reife oder Abitur auch Vorteile (z. B. Abkürzung der Lehrzeit) eintreten. Was aber kann für diejenigen geschehen, denen das weitere Verbleiben auf einer höheren Schule oder der Ucbergang auf eine Volksschule nicht mehr möglich ist? Hier müssen neue Einrichtungen geschaffen werden, da auch die Lehrstellen nicht zu dicht gesät sind und mit einer länge- . ren Wartezeit zu rechnen ist. die nicht ungenützt verstreichen darf. Die Schaffung-eines Werkschnljahres oder von Vorlehre-Kursen.- wie sie übrigens auch für die nicht zur Universitüt gehenden Abiturienten, vorgesehen werden (vgl. Beiblatt zmn „Deutschen. Hock;? schulführer" 1934), ist dringend-erforderlich. Diese Institution hätte zwei Aufgaben zu erfüllen: d eine^ allgemeine Erziehung zur Manualitüt (Handwcrklichkeit) und eine abschließende theoretische Erziehung, die die abgebrochene Schülerziehung ergänzt und vervollständigt. Pädagogen, Derusspsycholvgen und Vertretern der einzelnen praktischen Berufe erwächst hier eine große und dringende Aufgabe, ein Lehrsyftem auS.zuarbelten, das die Erziehungslücke unserer Schulentlassenen im Dienste ihres Bildnngsanspruches und der ' Umschichtung auszusüllen vermag. Exzellenz Wirklicher Geheimer Rat Professor Dr, Paul Ehrlich Zum 80. Geburtstag des grossen Gelehrten am 14. Mar» (zu dem Ccdcnltruort 2. Beilage) täOQBOQBQQQOBQQBQBBBQISSQBEIiSESBQgä auf dem Erwerb des Vaters werden weiterbaucn können. ' Zu einem beträchtlichen Teil hängt ihre Unterbringungsmöglichkeit von der - Bereitschaft jüdischer Unternehmer ab, ihnen Arbeit zu geben. - Das Be r u f 3 P r v b l e m dieser Jugend ist mithin auch eine Erz i eh u ngs frage der. Alten. Im Einklang mit der allgemeinen Wirtschaftspolitik stehen, gewisse Gruppen jüdischer Bernssbetätigung in Deutschland unter teilweise nicht ganz den gleichen Bedingungen wie die Masse der jüdischen Kaufmannschaft. So wurde das Privatüankiergewerbe am 1. April 1933 ausdrücklich vom Boykott ausgenommen (wenngleich ein Druck, die Zahl der jüdischen Bor- .»..scnvertreter-zu beschränken, auf ihm lastet).' . Der jüdische Hausbesitz und mit ihm das jüdische Handwerk nimmt teil an den Jnstandse.tzungsattivnen der Neichsregierung. Ist cs angesichts dessen zu viel verlangt, wenn au jeden jüdischen Bankier, jeden Hausbesitzer die Aufforderung ergeht, seinen Beitrag zur Linderung der Berufsnot unserer Jugend zu leisten? Die Tatsache, daß er Gemeindesteuern bezahlt und vielleicht-darüber hinaus noch freiwillig spendet, kaust ihn nicht von dieser moralischen Pflicht los. D i e g l e i ch e S n m in e, die ein j u u g c r M ensch a l s BesdM Essb- ' Z. Beilage, L SeiSe L e h rl ing sc ntschädig u ng er h äl t» -schasst mehr. Z n v e r s i ch t n u d Le» b e n s mn t als die W 0 h l f a h rt s » ini t 0 rstütz u n g, die s e i n e n E l t e r n gewährt w i r d. Mpge kein Bankier denken. auf die eine Stelle, die er vielleicht, wenn auch unter Mühe, in seinem Betriebe schaffen könne, komme es nicht au. Kein einzelner Platz ist angesichts der'Begrenztheit unseres Raums zu missen. Und möge kein Hausbesitzer sich die Ausflucht, znrechtlegen, die wenigen» Meter Läuserstvffe oder Tapeten, die er ge^ räde zu vergeben habe, lohnten doch iiid)t die Mühe, unter Umständen auch einen etwas längeren Weg zu machen. Die Arbeite- und Ausbildungsplätze, die zumal jüdische Handwerksmeister bereitstellen sollen, hängen direkt von den Aufträgen ab, die die Verbraucher ihnen zuzuführen in der Lage sind.. Man sollte auch an jüdische industrielle -. Fabrikanten die Forderung richten, regel-' mäßig eine ihrem Bctriebsumfang ange- 'messene Zahl von jungen Praktikanten ansznbilden. Diese Praktikanten nehmen der normalen Belegschaft keine Arbeitsplätze fort. Im Gegenteil wird eine Anzahl von ihnen in der Lage sein, selbst einen Beitrag zu den Ausüildungskosten zu leisten. In besonders zu prüfenden Dedürsnissällen wäre vielleichb ft

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