Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 11 (15.3.1934)
- Date
- 1934-03-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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. ./Beriten ML MDs MM , ‘ XIIL JotogßBS /! 'v'. > -■• ■■PpoIö SS’PSoraralß j it ft1 f?i 0 (S] ff 11 3.193; o. 0 o Der Gegensatz zwischen M und Jung, die Quelle vieler Spannungen im Menschenleben, hat im Dasein des deutschen Judentums heute einm sehr sichtbaren Ausdruck gefunden. Die wirtschaftliche Situation der deutschen Judenheit wird durch die generationsmäßige Scheidüng maßgeblich beeinflußt. Die Jüngeren haben berufliche Positionen verloren, die die alleren gerade infolge ihres Aelterseins bellten durften. Die- Voraussetzungen der Erstellung. wie Frontkämpserschaft und langjährige Berufsausübung, waren nur durch einen Altersvorsprung von den anderen zu erwerben. Die so entstandene Gruppenbildung gibt uns neben den wirtschaftlichen Problemen dre weitere ernste Frage auf: Wird die Scheidelinie. die im wirtschaftlichen Leben sich durch die deutsche Judenheit zieht, auch zu dualsphäre ausblieb. Für ihn ist seine innerjüdische Stellungnahme, sein unwiderruseneT deutschjüdisches Bekenntnis nicht das Ergebnis einer stets erneuerten Selbstbesragung, sondern eher eine Folge des Beharrungsvermögens; Kontinuierlichkeit der Lebensform führt zur Kontinuierlichkeit der Lebensbetrachtung. Darunter leidet die Fähigkeit, die grundsätzliche Veränderung im Dasein der Jüngeren restlos zu begreifen. Nicht nur, daß mancher sich schwer in ihre seelische Lage hineindenken kann, er sieht oft nur die äußere Schicksalstrennung, nicht aber die gedankliche Schicksalsverbundenheit. Er vergißt zu leicht,, daß er im Grunde genau so berührt ist wie der Jüngere. Die Ariergesetzgebung hat ihn wegen seiner Alterspriorität nicht unmittelbar g e troffen, als Juden aber nicht minder b e - WMgZ... ' Unsere Mitglieder nehmen die „C.V.-Zeilung* * seit nunmehr zwölf Jahren allwöchentlich entgegen, ohne sich über den wirtschaftlichen Zusammenhang Gedanken zu machen. Silit der Überweisung ihres Mitgliedsbeitracesglauben sie, ihre Verpflichtungen auch im Hinblick auf die „C.V.-Zeilung^ erfüllt zu Mm, obwohl satzungsgemäß ein Anspruch, darauf nicht besteht. Es lag aL^"Lm Sinne der Vereinsarbeü, einen ununterbrochenen und intensiven Zusammenhang zwischen der Äeremsleitung und den Mitgliedern herzustllen, um so die. Möglichkeit zu haben, zu allen zu sprechen. Mit dieser Liebesgabe hat sich der Verein eine außerordentlich hohe finanzielle Belastung aufgeladen. Er war in der Lage, sie M tragen, solange die allgemeine Wirtschastsslluation den Ausgleich unterdurchschnittlicher Nitgliedsbeiträge durch höhere gestattete oder der Verein in der Lage war, Sonderspenden cntgegenzunehmen. Beides ist heute in Fortfall gekommen, insbesondere sammelt der ^entralverem seit fast Jahresfrist nicht mehr iür sich, sondern nur für den Zentralausschuß , der deutschen Inden für Hilfe und Ausbau.! In der Zwischenzeit ist die Umstellung der 1 DV.-Zeitung" erfolgt, die, wie wir zu unserer Freude und Genugtuung feststellen dür» N, überall im Verein und darüber hinaus i s-chdig Zustimmung gefunden hat. Unsere j Ktglieder haben das Vielfache an Umfang! ">id Inhalt des Vereinsblaties gern entgegeni Wommen, ohne ihrerseits wirtschaftliche! Gegenleistungen anzubieten, j Wenn wir nunmehr dazu übergehen, von J gieren Mitgliedern in jedem Vierteljahr und I erstmalig für das zweite Quartal dieses Jahi res einen kleinen Betrag zu erheben, so ist keine! Bezahlung" der Zeitung damit' verbunden.! auch jeder Laie wird sich sagen, daß die l dier Nummern der „C.V.°Zeitung" pro Mol ual in ihrem heutigen Umfang nicht für 16? ^eichspsennig bzw. 13 Nummern pro Vierteljahr nicht für 48 Npf geliefert werden können, d. h. für 3% Npf Pro Nummer. „Bezahlt" wird die Zeitung durch ein Abonnement von 3,18 Reichsmark pro Quartnl, das die Nichtmitglieder zu zahlen haben. Die 48 Rpf stellen vielmehr im wesentlichen die Deckung der Bar-: auslagen dar, die die Dereinsleitung als Verlag der Zeitung an das Postzeitungsamt für die .Zustellung des Vereinsblattes bisher' allein getragen hat,. und die jährlich einen hohen fünfstelligen Betrag ergeben.. Die Vereinsleitüng glaubt, die Schwächung der Ar- . beitsmöglichkeit des Vereins um einen so: hohen Betrag nicht verantworten zu können,, wenn umgekehrt die Mitglieder durch Pfennig» boträge, die zedem aufzubringen möglich ist, diese zehntausende Mark unfühlbar für den Einzelnen aufbringen können. Jeder kann sich durch Rückfrage bei seinem Postamt davon überzeugen, daß von den 48 Rpf 18 Rpf sofort dem Postamt verbleiben, und daß ungefähr der gleiche Betrag von der Verlagsleituug dem Postamt gleichfalls überwiesen wird. Die wenigen überschüssigen Pfennige pro Quartal - sind aus formellen Gründen nötig. Unsere Mitglieder wissen, eine wie ungeheure Fülle von Arbeit von. den Juristisch-Wirtschaftlichen Beratungsstellen des Centralvereins geleistet wird, ohne daß dafür auch nur ein Pfennig Beitragserhöhung erfolgte. Wie sind deshalb der allgemeinen Zustimmung gewiß, wenn wir die Ausrechterhaltung und Steigerung dieser praktischen Hilfsarbeit durch Verteilung eines besonders hohen AuSgabepvstens auf alle sicherstellen. Jedes Mitglied löst deshalb die ihm vorgelegte Abonnementsquittung über 48 Pfennig ein. Es erhält sich dadurch im Bezug der „C.V.-Zeitung“, und es stärkt die praktische Hilfsarbeit des Central- Vereins.; klner seelischen Zerspaltung führen? Werden : beiden Gruppen, die Aelteren und die; jüngeren, das Verständnis für ihre gegen- Isitige Lage aufbringen und wird ihre Gesamt- Anstellung zu den jüdischen Gegenwarts-. ^blemen die gleiche sein? Sind die realen Egangspunkte einer Betrachtung verschieden, 1° sind es oft auch die sachlichen Endstand- ^nlte. Vor allem geraten leicht diejenigen gieren, die ihren wirtschaftlichen Status gelten haben, indie Gefahr, den Dlick für ijj Ausmaße der Veränderungen zu verlieren. Beruhigung, die m ihrem eigenen Wirt- . Östlichen Lebenskreis eingetreten ist, veriCltet oft zur Beruhigung über Sinn und Umi^g der generellen Umwälzung. So gibt es ^lnch einen in der älteren Generation - das? osten einmal gesagt —, der die TiefenolNung des Geschehenen nicht verspürte, weil , c äußerliche. Einwirkung, auf .feine - Zndivi-. troffen. Der Jüngere ist von den.Veränderungen erfaßt worden nicht wegen seines Jüngerseins, sondern wegen der gleichen jüdischeu Abstammung, die er mit dem Aelteren gemein hat. Das Rassenprinzip als solches unterscheidet nicht zwischen älteren und jüngeren Nichtariern, und die Sonderbestimmungen mit ihrer tatsächlichen Heraushebung der Aelteren bedeuten keine Außerkraftsetzung des Grundsatzes, sondern eine rein individuelle Vergünstigung. Daher dürfen sich die Aelteren nicht der Einsicht entziehen, daß das Soschehene kein Gruppenschicksal der Jugend. sondern jüdisches Semeinschicksa! ist. Der -Jugend sersrst Die heute mehr als je üus die Probleniatik hingelenkt wird, ist diese Erkenntnis längst geworden.-, ' * - ' tzie weiß sich freilich dazu ausersehen, Konzmtrationspunkt des äußeren Geschehens zu werden.' Dtz' GegenwärtserLigniAe entfalten ihre hauptsächliche Wirkung, nur an ihr. Sie erlangen erst dann ihren vollkommenen Sinn, wenn die Schicht der Bevorzugten zeitlich abgelöst wird durch die Generation der Nichtprivilegierten. So ist die Jugend in den Brennpunkt der Bedeutungen gerückt. Weil sie zu jung war, um in den Besitz der Vergünstigungen zu gelangen, wurde ihr der volle Schicksalsanteil zugemessen. Ihr Zujungsein ist daher alles andere als eine Bedeutungsschmälerung, es ist gerade eine Bedeutungs- Vollendung, eine Krönung jüdischer Erlebnisbereitschast. ' Sie ist im tieferen Sinne gar nicht „zu jung" gewesen, sie ist nicht eines Mangels wegen von den Bevorzugungen der Aelteren ausgeschlossen worden. Sie hat vielmehr das passende Alter gehabt, um das jüdische Zeitschicksal in seiner Ganzheit zu erfahren. Sie verlangt, daß man ihren Bedeutungsanteil richtig ermißt. Man soll sie nicht als die Schicht derer betrachten, bei denen „es nicht gereicht hat", sondern sie in den eigenen Reihen genau so voll nehmen, wie das Schicksal sie voll genommen hat. Aus seiten der Jüngerenliegt heute das Bedeutungsüber-. gewicht. Das Antlitz der heutigen deutschen Judcnheit formt sich , säst ausschließlich nackt dem Schicksal der kommenden Generation. - -Das Bisherige, das Traditionelle im bürger-" lichen Lebensstil des Juden'hat seine wesensbildende Kraft verloren. Das Vergangene wird völlig vergehen, und das, was künftig fein wird, gibt schon der Jetztzeit das Gepräge. Die ältere Generation gewinnt zwar durch ihre teilweise Besserstellung eine gewisse Besonderheit, aber keine solche, die sie über die Bedeutung der Jüngeren hinaushebt. Im Gegenteil, gerade infolge dieser Besonderheit reduziert sich ihr Bedeutungsvolumen aus ein Minimum. So wäre es also nicht nur eine Versündigung an der Solidarität, sondern auch an der Logik, wenn die ältere Generation Ihre Begünstigung als innerjüdischcn Mehrwert ausfassen würde. Gewiß beruhen die SchicksalSunterschiede der einzelnen Altersklassen zum Teil auf Leistungsunterschieden. Aber das deutsche Judentum darf daraus keine Wertverschiedenheiten innerhalb seines eigenen Organismus herleiten. Den Frontkämpfern war es vergönnt, ihre Verbundenheit mit der deutschen Heimat tatfreudig zu erweisen. Den übrigen war es durch ihr Zujungsein, durch ihr Zualtsein, durch körperliche Behinderung verwehrt. Sie zeigten — aus äußeren Gründen — ein Minus an Leistung, aber kein Minus an Gesinnung. Die moralischen Werte liegen allein in der Gesinnung, nicht in der, von ihr losgelösten. Gelegenheit zur Bewährung. Alle Schichten des deutschen Juden- , tums waren von derselben treuen Gesinnung zum Heimatlande erfüllt, in gleicher Vaterlandsliebe fanden sich die. die zur Erprobung auserwählt waren, mit denen, die zurückblieben. Das deutsche Judentum, das seinem Vaterlande gegenüber als Gesinnungseinheit austrat, steht ihm auch als Werteiuheit gegenüber. Es hat sich zwar nach Schicksalsgruppen gesondert,, und demzufolge nach Bedeutungsgruppen, nicht aber nach Wertklassen. Die jüdische Jugend, die ihre Leistungsminderung nicht als Wertminderung empfindet, empfindet auch ihre Vedeutungssteigerung nicht als Wertsteigerung. Wohl aber nimmt sie ihre Vedeutungserhöhung zum Anlaß/ stärkeres Gehör innerhalb des Judentums zu verlangen. .Sie hat zu den jüdischen Gegenwartsdingen ' manches zu sagen, was im Sprachschatz der — Aelteren oftfehlt. Sie hält mit gleicher Innigkeit wie die Aelteren am Bekenntnis zur ''' deutschen Heimat fest. Aber es ist — im Gegensatz zu manchen Aelteren — kein be- - wegungslofts Festhalten .im Sinne des ein- .i gangZ.MWLZNL.2N .-LräHMtzxinM.. Es kann. Der Berliner Maler Martin Bloch Za dem Auf actis „Lebensbilder schaffender KünstlerM in der 2. Beilage Phot.: Herbert Sonnenfeld SEBBBHBBaBEBBÖBEEE0ÖEe3QE3Q0Oia®S schon ' deshalb keine Verstrickung in altgewohnte Lebensformen sein, weil für sie die Lebensformen sich geändert haben. Die Jugend ist veranlaßt, sich die Frage nach der Berechtigung ihres deutschjüdischen Bekenntnisses von Grund auf neu zu stellen. Sie. spürt ein seelisches Verlangen, das ihr den * Weg nach Deutschland weist, und sie erblickt - eine materielle Zukunftsaussicht, die ihr denselben Weg zu sperren scheint. Sie sucht die Kluft zwischen materiellem Zweifel und ide-> ellem Verlangen zu überwinden, und sie kann es, wenn das Materielle selber vom Ideellen überwunden wird. Kür jene- Aelteren, die wirtschaftlich intakt blieben.' sind weit weniger reale Beirrungsmomente gegeben, und ihr Festhalten an der Idee geschieht viel konfliktloser als bei der Jugend, hie den Ausgleich zwischen Deirrungsmoment . und .innerem-Verlangen stets neu vollzieht. Der jüdischen Jugend, die sich zu Deutschland bekennt, ist ihre Weltanschauung weder die Folge altgewordener Gewohnheiten noch altgewordener Theorien. Sie hat vielleicht stärker . als die Schicht der Aelteren dein Theoretischen und dem Gewordenen abgeschworen und erlebt — viel ursprünglicher — ihre" Daseinsauffassung als Durchbruch des ethischen Wollens gegen das Materielle. Gewiß kann die Jugend des Materiellen nicht völlig ent- . raten; denn mit dem Irrationalen allein wird die Magenfrage nicht aus der Welt geschafft. ' Sie muß auch solche Lösungen ihres Wirtfchastsproblems akzeptieren, die aus Deutschland herausführen. Aber eine wirtschaftliche Auswanderung ist ein ökonomisches Mittel, kein weltanschauliches Votum. Es gibt auch heute noch große Teile der jüdischen Jugend, die aus seelischem Verlangen heraus grundsätzlich ihren Weg in Deutschland finden wollen. Das seelische Verlangen erlischt auch dann nicht, wenn reale Notwendigkeiten den einzelnen auf eine andere Linie des Handelns drängen. Es überdauert alle Widerstände des Aus dem Inhalt dieser Nummer: Erste Beilage: „Ich möchte einen Stammbaum ..." —Erbforschung als Wegweiser. — Vorträge im Central-Verein u. a. m. Zweite Beilage: Religion in dieser. Zeit. V.— Die ärztliche Versorgung Palästinas« ll. — Konzerte und Vorträge Im ganzen Reich. Drifte Beilage: Amalie Beer und ihre Sohne. — „Eine Zeit stirbt". Von Georg Hermann. — Unbekannte Verse von Hofmannsthai, angezeigt von Arthur Silbergleit. — Gedichte von Max Spanier. . Ausserdem erstmalig „Wirtschaftsbeilage der C-V.-Zeitung" * In der Nummer der nächsten Woche finden Sie u. a.: Die Beilage: „Das neue Buch", u. a. Julius Bab: Thomas Manns Joseph-Roman, 2. Teil. Die neue.Beilage: „Das Blatt der Frau": „Wie decke ich einen Sedertisch?" — Frauenporfräts. Die Wirtschaftsbeilage der „C.V- Zeitung". .Dio vorliegende Nummer umfasst 16 Seifet», $1$.