Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 10 (8.3.1934)
- Date
- 1934-03-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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An’ \vS 826*', st] " Ireljäb,. selb. fC Bebei It 628*'’ ler gicli SVioh- '.CVtl. rbeiter, N’ordeiitsch- Zimic;- 630“. 15. iC.V* am Siegen* p!:r ft». UM j*42lO J NftlO nr/nnr^ EOü0@ßjo MWM*. IHWMTMHZWi DSU ME OchWZM ®u den Männern, die am Anfang deS neun- -ekinten Jahrhunderts auS dem alten schlesischen k, nenhandel die moderne Großindustrie geschaffen Uw, gehören aiMi Juden, die in mühseliger Ar. lU und mit kühnem Wagemut in ihren kleinen Getrieben den Grund zu Weltunternehmungen Uen. Ter eine war Meyer Kauffmann g„s Frankfurt a. d. Oder, der in Schweidnitz eine Schnittwaren, und Gemischtwarenhandlung errich- U, der andere Samuel Fränkel aus dem oUschlesischen Judenreservat Zülz. Er ließ sich ^•27 in dem nahegelegenen Neustadt nieder. Aus seinem Schriittwarenge schüft wurde' bald ein Verlag. ZU dem die Hausweber ihre Waren brachten, tomit er sic an die Kundschaft absetzte. Bald wurden zwei Bandwebstühle gekauft, die er in eigen(t Regte lausen ließ. Zehn Jahre später verarbeiteten seine wenigen Handwebstühle monatlich 200 Schock leinene und 680 Pfund baumwollene Garne. Tas war der Anfang der Tischzeug, und »einwandsabrik S. Fränkel in Neu- 1 s,adt C.*S., dre im Vorkriegsjahre 1913 4 Millionen Dieter Tischzenge, 3,5 Millionen Hand- und Tischtücher. 200 000 Meter Leinen, zusammen un« jirsühr 1 650000 Kilogramm Waren pro- - tuzierte. Tie Arbeiterzahl war aus 4000 bei 1400 Mstühleii gestiegem Wenn man vom Bahnhof durch die Reißer Straße in die Stadt geht, gewahrt von zu beiden Seiten die unabsehbaren Fränkelschm Fabrikanlagen, zu denen neben den riesigen ssabrikationsgebälwen, einer eigenen Gasanstalt mit» einer elektrischen Kraftzentrale, neben Werk- Mtni für Schmiede.'Schlosser. Tischler und andere -anftmerker vorbildliche soziale und hygienische Hinrichtungen für die Belegschaft. Helle, luftige Miithaltsräimre, Suppenküchen, ein Wannen, und ein Brausebad gehören. während in den ersten Jahren der Plouwagen ftie Äare nach den Märkten in llletße und Breslau fnfir, nahmen später die berühmten Fränkelschen Aincn und Tamaste aus der kleinen oberschlesischen ctadt ihren Weg m entfernte Länder mid Erdteile. 0re logen auf den Tischen der großen Ozeandampfer lnift der Hotels von New-Pork und Tokio, von Berlin und London, von Kapstadt und Melbourne. Der Arteg hat zwangsläufig einen Rückgang der Protillion gebracht, doch 1927 konnte man wieder mit hx Dorkriegshelegschaft arbeiten. 1928 wurde tine eigene Werkschule eingerichtet, in. der die Firma ihren Personalnachwuchs heranbildet. Für die wirtschaftliche Eirtwicklung einer Stadt ton 17 000 Einwohnern ist ein solches Industrie- Uüfevnr.fjmcn von maßgebender Vcdeutimg. Die Blitzer der Fränkelschen Fabrik haben immer eine risene Hand in der Schaffung sozialer und dcm Gemeinwohl dienender Einrichtungen gehabt, tie man sonst in einer Stadt gleicher Größe kaum za finden vermag. So haben 1907 die damaligen Rchaber, Geheimer Kommerzienrat Josef pinkus und die Konrmerzienrüte Albert und, Manuel Fränkel, der Stadt ein modernes Hallenschwimmbad gestiftet. 1920 hat Kommerzienrat Max PlnkuS da-' von ihm errichtete Krankenhaus „Hedwig, und Max.PtnkuS-Sttftung" der Stadt un. entgeltlich übereignet. Ter Synagogen-Gemeinde erbaute Samuel Fränkel 1877 aus eigenen Mitteln eine neue, stattliche Synagoge; für den jüdischen Friedhof wurde später eine Leichenhalle gestiftet. In den jüdischen Wohltätigk'eitsverewen führte Konsul Hermann Fränkel. Diele andere Stiftungen für Stadt und Gemeinde folgten. Josef Pinkus. der Schwiegersohn Samuel Fränkels, erhielt in seinem Hause den Besuch von Geschäftsfreunden und Männern des öffentlichen Lebcris aus allen Teilen der Welt. Sem Haus in Neustadt wurde zu einer Stätte erlesener Kultur. Japanische Bronzen. Fayencen und Porzellane, Meisterwerke alter Web- und Stickkunst, schlesische Gläser und schlesisches Zinn füllten die Räume. Mit besonderer Liebe wurden jüdische Kultgegenstände, hauptsächlich aus altem Tempelbesttz, gesammelt und betreut. Josef Pinkus ' hatte zwei Kinder. Die Tochter Hedwig heiratete Paul Eh rlich aus Strehlen in Schlesien, den berühmten Forscher, der später mit dem Nobel-Preis ausgezeichnet wurde. Der Sohn Max wurde sein Nachfolger in der Leitung der Firma. Er hat. besonders nach dem Tode - seines Vaters und der älteren Mitbesitzer aus der Familie Fränkel. fast die ganze Verantwortung für das ausgedehnte Industrieunternehmen getragen. Erst 1925 ist er. 68 Jahre alt, von der Leitung der Firma zurückgetreten, in der ihm wiederum sein Sohn folgte. Wie seinen Vorgängern in der Führung des Unternehmens, sind ihm zahlreiche äußere Ehrungen zuteil geworden. So war er Vorstands, oder Ehrenmitglied ver- . schredener wirtschaftlicher Organisationen, u. a. Vizepräsident der Oppelner Handelskammer und Mitglied des Deutschen Industrie, und Handels-' tages. Am Leben seiner Vaterstadt, der er das große Krankenhaus stiftete, nahm er regsten Anteil, war Stadtverordneter und Mitglied des Kreistages. Auch im jüdischen Leben war er eifrig tätig: 1920 wurde er Vorsitzender der Synagogengemeinde Neustadt. Auch dem I ü d i s ch e n M u s e u m zu Breslau, in besten Vorstand er sitzt, brachte er reges Interesse ent-e gegen. Aber neben all seiner Arbeit im Betrieb und in den Zahlreichen Ehrenämtern fand er in seinen Mußestunden noch Zeit zu einem Werke, das als sein allerpersönlichstes anzusprechen ist: er schuf eine große Sch l e s i e r b ü ch e r e i. Mehr als 50 Jahre hindurch hat er Abend für Abend dieser Bücherei gewidmet. In jungen Jahren erstand er einst bei einem Antiquar einige Schweinslederbände, alte schlesische Schriften, die er eigentlich nur zum Schmuck für sein Arbeitszimmer wünschte. Doch bald kam er durch sie B»i der Premier« der Purim’Aufführzmg wird im Foyer bereite die .V.-Zeitung“ mit Bildeni von der Aufführung verkauft . Fot Chdteau-Anse-Sxymanski zur Beschäftigung mit der Geschichte seiner Heimatprovinz, ein Gebiet, das damals noch recht wenig bekannt war. Der Stoff fesselte ihn, ein Werk gesellte sich zum anderen, und so entstand in dem akademisch nicht vorgebildeten Manne der Plan, alle schlesischen Historiker zu sammeln und zu durchforschen. Den Historikern folgten die Dichter, den Dichtern alle anderen Gebiete. Sein gigantischer Plan, das gesamte schlesische Schrifttum in seiner Bibliothek zu vereinigen, gelang — allen Schwierigkeiten zum Trotz — säst vollständig. Die Schlesierbücherei zählt heute gegen 17 000 Bände. Sie zerfällt in zwei Teiles von denen der erste ein umfangreiches Lchrifttlim über die Natur und Kultur Schlesiens enthält, darunter alte, sonst unzugängliche Geschichtsquellen. Chroniken und Monographien, Zeitschriften, geographische und biologische Atlanten, gegen 100 Buchhandschriften und 400 alte Urkunden, darunter Breslauer Bischofsurkunden aus dem 15. Jahrhundert. Eine Fundgrube für den Historiker und den Bibliothekar! — Im zweiten Teil ist. zumeist in Erstausgaben und Manuskripten, die schöngeistige Literatur Schlesiens gesammelt, u. a. ungefähr 100 Briese von H o l t e i, - E i ch e n d o r f f, Angelus, Silesius. Schleier mach er. In fast einzig dastehender Vollständigkeit sind die großen schlesischen Dichter des Barockzeitalters mit ihren Erst, drucken vertreten, die Dichter Opitz'. Log au und Gryphius nicht minder wie die Denker Böhme und Angelus Silesius. Pinkus besitzt hiervon sogar Drucke, die in großen bibliographischen Handbüchern nicht aufgcführt sind. Dann reichen die Sammlungen durch die Jahr. Hunderte. über viele heute vergessene Modeschriftsteller vergangener Jahrzehnte, bis in unsere Tage zu Hermann S t e h r, G e r h a r t H a u p t ma n n, den engen persönlichen Freunden von Max Pinkus. Fast lückenlos sind auch Werke aus der Geschichte der Juden Schlesiens vorhanden. Besonders groß, zügig ist dre Gerhart-Hauptmann-Ab-, teilung der Bücherei. Sämtliche Werke sind in den Erstdrucken. in Manuskripten. Kritiken, Rezensionen aufbewahrt. Auch alle im Ausland erschienenen Werke des Dichters sind hier gesammelt. Die Gerhart-Hauptmann-Schau der Internationalen Buchkunstaus» stellung in Leipzig 1927, die Breslauer und Berliner Hauptlnann-Ausstellung 1932 wären ohne Max Pinkus' Schlesierbücherci unmöglich gewesen, zumal auch der Verleger Hauptmanns, S. F i sch er. nur wenige Erstdrucke besitzt Mit Tr. Viktor Ludwig zusammen gab Konmwrzienrat Mar Pinkus 1932 die G e r h a r t ° Hauptmann- Bibliographie neu heraus, die nur auf seinen Beständen der Schlesierbücherei fußt und an Vielfältigkeit und wissenschaftlicher Sorgfalt unerreicht ist. Bei vielen Ausstellungen imd wissen^ schastlichen Arbeiten kannte Max Pinkus mit sonst nicht vorhandenen seltenen Drucken dienen. Bei Zusammenstellung und Vervollständigung verschiedener Bibliographien von Schlesiern (Johann Christian Günther. Jacob Böhme u. a.l konnte er mit seinen Schätzen helfen. Deutsche Gelehrte und > Dichter. Universitätssenünare und Studenten haben : als Besucher in seinem Hause geweilt; Forscher aus ' allen Herren Ländern waren oft tagelang hier zu Gaste, außer deutschen Gästen kamen häufig auch interessierte Ausländer, ans Holland und England, Frankreich und A m e r i k a zum Studiunr dieser einzigartigen Sammlung. Mar Pinkus tritt gern hinter seinem Werk zurück; er flüchtet Festlichkeiten und Ovationen. Der Chef einer in allen Ländern heimischen Weltfirma sitzt bescheiden in der Stille seines Neustädter Heimes, vergraben und eingesponneu in die ans- . tot: m Tas Märzheft bet Zeitschrift „Der Morgen’' düst bereits auf das am 1. 2lpri! beginnende Düte Dezennium einer Zeitschrift hin, deren Besicht sich dem Gedächtnis nicht nur der jüdischen Oeffentlichkeit längst eingeprägt hat. Mit selbstverständlicher Verpflichtung wendet bch in dem einleitenden Aufsatz Ludwig steuchtwanger zu den neun Jahren zurück. seitdem Julius Gold st ein den Boden für diese Zeitschrift urbar gemacht, geebnet und besät hat. mit dem Erfolg - einer mnte, deren Dichtigkeit erst ganz in die Ericheimmg tritt, wenn die neun Jahrgänge ^»sgestapelt vor uns liegen. . An der Hand des Märzheftes begrüßen den neuen Jahrgang, und wenn wir von einer Zeitschrift fordern dürfen und müssen, baß sie „die Zeit schreibt", dann finden wir bleses Bedürfnis in verschiedensten Ausstrahnngen befriedigt. 'Das Judenthema, das ewig wendige, das immer nur zeitweise zu der- Mwlnden scheint, aber aus den Tiefen der ^schehnisse immer wieder auftaucht, breitet 'M aus wie eine Decke, die aus mannigfal- Faden gewebt ist. Wie Josephs lliock, der nut e i n Rock und dennoch ein bunter Nock gewesen ist. . Ter Jude, von der europäischen und von deutschen Gesamtheit aus gesehen: der oude in seiner traditionellen und sozialen Gruppierung; der Jude wiederum in seiner ^mnzelung. also „der Jude an sicher der als Subjekt und mehr noch als Objekt on WirtschastsLntwicklung: der Jude als Mtsttrsche Zahl"; der Jude in der Literatur: J1? ein^e‘ nicht alle Punkte, aus die der kT ^er I^schnst bereits in diesem einen Z-völs Jahreüheste gerichtet ist. ^utck. sich zw versenken, neben der Freude am historischen Porträt entfaltet sich Phantasie, hinausschauend über die Wirklichkeit. Aber die Einheit bleibt gewahrt. Sie wird nicht mit Leuchtbuchstaben plakatiert, sie ist in den Worten eher versteckt, aber sie ist hörbar und fühlbar. Sie soll da sein, sie ist da, auf diesen Seiten des „Morgen", .in den Spalten der „C. V.-Zeitung" und in anderen Organen, als der lebenswichtigste Bestandteil unseres jüdischen Daseins überhaupt. Man kann sie mit mehr als einem Namen belegen, keiner von ihnen ist imrühmlich. Nennt man sie „Haltung", „Selbstachtung". „Hoffnung". „Widerstandsfähigkeit". „Verbundenheit ebenso mit Deutschland wie mit dem Judentum": gleichviel, sie ist die Basis, auf der wir stehen. Sie ist nicht künstlich geschaffen, sie kann nicht zerbröckeln, weil' wir selber nicht gewillt sind, uns zerbröckeln zu lassen. Und eines darf noch binzugesügt werden. Nicht viel mehr als ein Jahr ist vorüber, seitdem der Weltbau für uns deutsche Juden und unsere publizistischen^ Organe zu krachen begonnen. Die jüdische Oeffentlichkeit darf das Zeugnis beanspruchen, daß sie sich angesichts des drohenden Chaos gesammelt und männlich verhalten hat. ■ Ohne andere Beiträge des .Morgen^ Mär?bestes in mindere Kategorien verwerfen zu wollen, seien einige be,°nders nanchast Aemackt In dem Lettaussatz von A. H. wird zu jüdischen Zeitvorgängen weitgroifend kri- Mrft Stellung genommen. Kurt Wrlk be- Mit^t InhaltundWesendesvöl. Nsck en Staatsgebanf en8in seiner Ausdehnung, aber auch in seiner Beschränrmrrt LeoHirsch gibt in „D i s t a e 11 — Lassalle" eine gescheite Parallele, die sich Ltm spaltet, weck Lassalle wre wSUn? iä« für sich, nur and ihrer Umwelt v, «füii-Ki sind, jener aus dem tarn ein- LSm deutschen Judentum, dieser aus b-reiiS konservativ gewordenen eng. «Am Ernst 81 eich bespricht mit se-n- [üpGCn Unterscheidungen an der Hand dreier Lieder „Das gute jüdische Herz". Ernst G. Löwenthal setzt „Wirtschaft s s ch i cks a l u n d Leben Sw i l len" in Beziehung zueinander. In zwei Psalmenhaft schönen Gedichten beugt K a r l W o l f s - kehl das Knie vor dem Göttlichen. Max Samter bringt die Fortsetzung ferner „Legende von den Juden" mit einer dem Anschein nach kühlen Sachlichkeit. Was an innerer Wärme darin lebt, und ob und wie er aus dem Paradoxon: ein junger Jude im arischen Arbeitslager — den Weg für diesen Versprengten und für die Leser finden wird, das bleibt uns als SpanmmgSspiel bis zum nächsten Heft des „Morgen" Vorbehalten. Fritz Engel. Im „Tingel - Tangel" in Berlin konferiert Helmuth Wolfs zurückhaltend und doch humorvoll. unaktuell, ohne zu langweilen. Man fragt jedoch vergebens, warum eine „Purim-Festvorstellung" angekündigt wurde, da von jüdischen Dingen, nichts zu verspüren war. Am Flügel begleitete unermüdlich und emfühlend Erich Ziegler., Daß cur der Stelle ihres alten Wirkens Blandine ' Ebinger. Alwe Hechy und Kate Kühl — diese nut ihrer Ziehharmonika besonders — gefeiert werden, versteht sich von selbst. Man freut sich aber daneben auch neue Taleiüe zu sehen, unter denen die junge Hilde Ritter besonders aufagt. * Henny Rietta und Atonica Herrneld bestreiten, jede charakteristisch, den tänzerichen, P o! l y und. Ferdinand G r ü n e ck e r den parodistischen Teil. — Der ist in „Bühne und- Brettl" gründlich daneben geraten. Wir empsürüen e2, gelinde gesagt, wenig taktvoll, wenn auf der^ jetzt von Heinz Fuß selbständig geleiteten Wischen Bühne jüdische Künstler auSgerechnet RWärd WqgnerS ..Lohengrin^ parodieren. Tie Opernliteratur bietet genüg andere Stoffe, au nicht den Mut aufgebracht hat. noch in letzter Minute auf diese Darbietung zu verzichten. Im. übrigen muß m>m Egon Jacobsohns Versuch ^für feine Ansage einen eigenen, dem Ernst der Zeit angemessenen Stil zu finden, schon um des Versuchs willen hoch anerkennen. Ein restloser Erfolg kmuüe ihm, der aus seinem Journalisten- und- Reporterleben erzählte, nicht werden, da seine Art. im Gegensatz zum Programm stehen mußte, das neben Tänzen (Black and White, Val. Mabeej einige gelungene Variötönnnunern (Rolf R a f a e l y. Schwarz E o m p.) brachte. Der Besuch dieser beiden Abende weckt von neuem deu Wunsch nach einer wirklich deutsch- - jüdischen K l e t n l it n st b ü h n e. Sie zu schaffen wird schwer sein. Wo sind die Künstler, die mit Ernst an diese Arbeit gehen, die aus dem reichen jüdischen Schrifttum unbekannte Schätze Hetzen, die Heine und Offenbach, die Bizet und Vtendelssohn. Beer - Hofsmann und Hosmannsthal, Schnitzler und Lehar, um nur ein paar Namen zu nennen, zu uns sprechen und klingen lassen, die aber auch aus biblischer und ostjüdischer Kunst Anregimgen schöpfen. Erne solche Bühne könnte ein eigenes Gesicht zeigen und sie würde unser Bedürfnis nach Ablenkung und Ausspannung besser befriedigen und ' könnte dabei doch die gleichen Kräfte heranziehen, die jetzt, oft wohl mehr um des Geldes als uin der Kunst willen, ihr Talent und ihr Können im . Kabarett unter Beweis stellen. 0r. non. An diesem' Fehlgriff ändert^ auch die erklä- tettbe. Conference Egon Iacobso h n 8 nichts, deren Nechtsertigungsversuch nur beweist, daß die Leitung selbst das Unmögliche zwar erkannt, aber ■ GCfts WLsLsrDQbs Äsr NEWser MrZTgis mn DyMSNk . ,Jn der Synagoge Nykestraße, Berlin, wurde die hier bereits besprochene neue Liturgie von Jacob'Dymout wiedergegetzen. .Den musikalischen Amtsträgern, die am Sabbath selber in den Gemeindesynagogen tätig sind, wurde das Werk zwei Tage vorher tn einer öffentlichen Generalprobe geboten. Eine Aufführung im Kulturbund deutscher Juden steht bevor. Die Aufführung bestätigte den Eindruck, den man bei der Durchsicht der Partitur gewann. Das künstlerische Uetzergewicht licgt^ auf der Seite deS Rezitativs,. des kantoralen Sologesangs. während die Art, wie Dymont feine Melodien auäharmonisiert, den Hörer oft befremdet. Zudem ’ werden durch die harmonische Ausdeutmig dis Aufsührungsschwierigkeiten so erhöht, daß die Liturgie unseren kleinen Synagogenchören — diesmal war der Chor verstärkt — schwer zugänglich lis { ‘ /r;!