Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 10 (8.3.1934)
- Date
- 1934-03-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die übrigen zum -Äermere-Trust gehörenden' Blätter haben die Losung begeistert ausgenommen, und so r ebt das konservatw-ltberale Land einen Aufruhr der Gemüter, der wohl in absehbarer Ä nicht gestoppt werden wird.. . *■ Gb ist unschwer sestzujtellen, warum diese saschistische Bewegung 7die selbstverständlich bre typisch englische nicht ohne weiteres mit Glichen Bewegungen auf dem Kontinent vergleichbare Färbung hat — auch hierzulande üUf sg fruchtbaren Boden fällt. Das parlamentarische System Englands macht zurzeit eine schwere Krise durch. Das Mtechaus debattiert über eine' Resorm des Oberhauses, das -Oberhaus ivin't den Ball zurück und debattiert über eine 5esorm des Unterhauses, und beide Institutionen stehen den dringendsten Problemen des Tages ziemlich machtlos gegenüber. „Der Mnn aus dem Volke", der „Mann auf der' Straße" verspricht sich nichts mehr von feinem zismbör ok?arliament, das zwar während M Wahlschlacht begeisternd reden konnte, je^t aber gelangweilt im Unterhaus sitzt und ji Abstimmungen schreitet, deren Ergebnisse von vornherein seststehen.. Starke.nationale.. Eebundenheit, der Wille, die eigenen Interessen der Gemeinschaft zu opfern, den Gemeinnützen voranzustellen, alle diese Losungen hat der ■ englische Faschismus mit dem italienischen uitö deutschen Nationalsozialismus gemein. - ° Bemerkenswert ist die Einstellung der englischen Faschisten zur Naffensrage: Der Derfasser dieser Zeilen hatte Gelegenheit, sich erst vor kurzem mit Rer Trentlett, dein Propagandisten der faschistischen öffentlichen Meinung und Chefredakteur des „Faserst Weekly",. eingchend zu unterhalten.. Dabei führte Tremlett etwa folgendes aus: „Wir bekämpfen grundsätzlich alle Formen des Kommunismus, wir bekämpfen die Kommu« nisten und unsere Gegner aus anderen Lagern - -um ihrer politischen Anschauung und nicht um" ihrer Rassen- oder Glaubenszugehdrigkeit Willem - Vir sind nicht - antisemitisch, aber wir wollen keine Minorität im Staate; das heißt, daß im faschistischen England die Juden wie alle anderen > Staatsbürger, ichre. eigenen (Tremlett meint die., -jüdischen. D.' Vers.) Belangehinter die britischen -~ Interessen zurückstellen wüsten. Unser Kampfrichtet sich gleichmäßig gegen alle, die gegen die - Interessen des Staates und der Gemeinschaft - arbeiten. Wenn ein paar einflußreiche Geschäfts«' leute und Finanziers die Köpfe zusammenstecken, um etwa eine Preiserhöhung zu beschließen, so - werden wir sie bekämpfen, einerlei, ob sie Juden -oder Christen sind.' Wenn wir sie bekämpfen, so geschieht es, weil sie den Jnteresten der All- . grmeinheit zuwiderhandeln; das hat mit'Rastenkamps nicht das allergeringste zu tun. EL stimmt,- daß wir uns gegen die Einwanderung von Aus« ländern nach England wehren. Aberauch dies' richtet sich nicht, wie vielfach angenommen wird, gegen Juden, sondern ist vielmehr eine Abwehr gegen alle Ausländer, die nach England kommen, .um Arbeit zu finden; denn solange wir noch einen einzigen Arbeitslosen in unserem Lande haben, können wir Ausländern leine Arbeit geben. Einige Berufe, die ebenso gut von Einheimischen ausgeübt werden könnten, sind vollständig in Händen von Ausländern. Besonders für die Hotelbranche trifft das zu. (In dieser Branche werden hier Franzosen und Italiener in großer Zahl beschäftigt. D. Vers.) Das muß unbedingt aus« hören; England hat keinen Raum mehr für frische Einwanderer, Der Staat, den wir schaffen wollen, soll gleichermaßen Engländer und Schot- .ten, Iren und englisch geborene Juden umfassen >md allen gleiche Rechte und gleiche. Pflichten geben. Wir Zwisten sehr' wohl, daß eine große Zahl englischer Juden ihrem Vaterlands in Kriegs- und Friedenszeiten außerordentlich große Dienste geleistet haben-und eS auch in- Zukunft tun werden. Unser Ziel ist ein politisch starkes und gesundes England, in dem jedem. Bürger volle Freiheit in seinem religiösen und privaten Leben gewährt ist." .Daß diese hier wiedergegebene Meinung faschistischen Pressechefs mit der der Engen englischen Faschisten üb er ein stimmt, ^ird gerade durch oie Ereignisse der letzten aorganisatorische Form des englischen FaWSmuA wie sie sich in Mosley8 British Union of SaScifts ausdrückt, besteht erst seit nnMsähr Zwei Jahren; sie ist gerade in den letzten Monaten außerordentlich gewachsen, strömen täglich einige'hundert neue Anhänger zu. Wieviel Mitglieder sie im . ^NlZenblick tatsächlich umfaßt, wird weder ofsrztell noch inoffiziell angegeben. Die Mitglreder der Partei haben Mussolinis schwarze Uniform übernommen.. Interesiant ist, daß auch eine außerordentlich straff Mlertete Gruppe unter Führung, von Lady Maghrll. besteht; auch die Frauen tragen schwarze Hemden zum grauen Flanellrock. Die Frauengruppe hält in ihrem eigenen Klubhaus neuen propagandistischen Versammlungen auch Unterrrchtskurse über Haushalt und^ Kindererziehung. ab. In besonderen Klaffen werden die begabtesten Mitglieder rethorisch für die propagandistische Tätigkeit geschult. Das faschistische Prinzip, daß die Frauen möglichst bald aus dem Berufsleben ausscheiden sollen, um Platz für die arbeitslosen Männer zu schassen, wird auch hier ausrechterhalten. Finanziell ist die British Union of Fascists schon durch ihren über große pekuniäre Mitte? 'SsrfügendM Führer recht gut fundiert. Sie investiert ihr Mrpital in lchter Zeit unter anderrn in großen stahl» , gepanzerten Lastwagen, in denen ihre Anhän-, ger, vor unvorhergesehenen Ueberfällen geschützt, durch, die englischen Lande fahren. . Die wichtige Nolle, die die Nothermere- Presse bei der Propagierung der faschistischen Bewegung seit kurzem spielt, ist bereits eingangs erwähnt. Nun aber hat es den Anschein, als ob Lord Nothermere in - Anbetracht der' eher ablehnenden Haltung der Regierung, seinen Artikel „Hurrah the Blackshirts“, der so großes Aufsehen erregte, nachträglich bereut. In einem Interview, das wiederum in der gesamten Presse lebhaft diskutiert wird, äußerte . sich Lord Nothermere ' sehr ausweichend über die verschiedenen Kampagnen, die seine Zeitungen seit 1900 geführt haben, und machte daüä einen Unterschied zwischen „Kreuzzüg'en" und „Zwischenfällen". Von 1600 bis 1914 habe er unablässig für eine Stärkung der britischen Flotte ge-. kämpft; das sei ein Kreuzzug gewesen. „Min Artikel über die Vlackshirts war ganz bestimmt ein Zwischenfall.' Ich glaube, daß ' jedem,'der für eine patriotische Sache kämpft, eine Plattform gegeben werden muß. darum habe ich einmal für die Faschisten Propaganda gemacht, der Rest ist Sache des Volkes." . . H. P. / mit den neuerlichen Destrebungen.Sero' sold. Skeels, der . von einer. unbedeutenden. faschistischen „Splitterpartei" für die Nachwahl in Cambridge ausgestellt war dessen - Kandidatur jedoch zurückgezogen wurde, noch. Vdie . Wahlkampagne richtig einfttzte. An unsere Laser.. . j Von verschiedenen Seiten ist die Anregung -an uns . gegan"0-* Einbanddeckel tür die „C. V.-Zeitun«^. hcrmiebllen und gegen Selbstkostenpreis abiagsbcn. vVir .bitten, Leser, die Interesse drJQr haben, sich bei uns schriftlich zu melden. Die . Herstellung kann nur dann i billig'erfolgen, wenn..ausreichendes Interesso vorhanden ist. Die Schrikleitung. Dem reichhaltigen deutschen Schrifttum über den italienischen Faschismus wachsen ständig neue Veröffentlichungen zu. Vor allem ist überall daS Bemühen zu erkennen, sowohl die Gemeinsamkeiten in -der Staats- und Gesellschastsaufsassung, die zwischen - Faschismus und Nationalsozialismus bestchen, als ' auch die volksbedingten .Verschiedenheiten auszlr- . zeigen. Neuerdings behandelt Ernst S ch r e w e in einem Heft, das von der Hanseatischen Verlagsanstalt Hamburg herausgegeben ist, die Beziehungen zwischen Faschismus und Nationalsozialismus, während der Professor der Rechte an der Universität Leipzig, Dr. Lutz Richter, im Verlag von Felix Reiner in Leipzig einen kurzen Abriß mit'dem Titel ..' „Das italienische Organisationswesen" der Oessent- lichkeit zur Verfügung stellt. Die Schrift von Richter beschränkt .sich auf' die - sorgfältige Darlegung des im SUito corporätivo: ■ .gegebenen. Zustandes, während Schrewe weuergreist . -und die geschichtlichen Voraussetzimgen, die zur Eroberungdes italienischen Staates durch den Faschis- - muL geführt haben, zur Anschauung bringt. Beide- - Autoren bemühen sich — der eins mehr, der andere . weniger —an Hand der Darlegung der italienischen , . Taisachen das faschistische' StaatLideal und die faschistische- Vorstellung vom WirtschastSehtban in den Staat mit den deutschen Vorstellungen über gesellschaftliHL und politische Gliederung und mit den Notwendigkeiten des nationalsozialistischen Staats. wesenS zu konfrontieren. - . Dabei kann insbesondere die Auffassung von < Schrewe als typisch für die deutsche Auseinanderf.. setzung mit den immerhin vorbildhaften italienischen Vorgängen gelten. Er gibt einer allgemein in der deutschen Literatur vorherrschenden Meinung ' Ausdruck, wenn er aussührt, daß in Italien die.Idee des Volkstums, die man in Deutschland neuerdings die Idee von Blut und Boden nennt, infolge anderer geschichtlicher Voraussetzungen zurücktritt gegenüber der Idee des Staates, der in den Richtlinien der faschistischen Partei von 1921 die „Inkarnation der Mtion in Rechtsform" genannt wird. Die Nation, sagt. Mussolini, sei eine „Schöpfung des Staates". \ Und Schrewe tut recht daran, wenn er im Zusammenhang mit der Erwähnung solcher Gedankengänge darauf hinweist, daß bereits die Form der Durchsetzung des Faschismus in Italien von derjenigen des Nationalsozialismus in Deutschland grundverschieden gewesen. ist. Ter Faschismus hat' durch einen von Mussolini, persönlich inspirierten Akt sich . der Staatsgewalt bemächtigt und vom.Staat her in den darauffolgenden Jahren dis Nation nach seinem Bild gestaltet. - Der Nationalsozialismus ist als eine ' Massenbewegung aus dm Kräften des Volkstums groß geworden und bleibt den Gewalten, aus denen er gewachsen ist, verbunden. In diesem Sinne ist- '- der AuSspruch von Dr. Goebbels zu verstehen, daß das heutige Deutschland keine Diktatur, sondern eine ' echte Dernokratie darstelle, und ebenso die Lleußs- - rung von Rosenberg, daß es sich im Nationalsozialis- . rnus weniger um den Anspruch des totalen Staates - als um den Anspruch der totalen Bewegung haMe.- Schrewe drückt das so aus. daß in Jtalten nicht so sehr biologische WachZtumLvorgLnge, die aus der.- ' Idee des Volkstums zu verstehen sind, die SLaatZ- ' ordnung „organisch von unten her" entwickeln, fondern daß Ordnung und Organisation und demgemäß . Führung von oben her dort als politische Leitidee wirken. Zur Vervollständigung deS Bildes und zum Beweis dafür, wie sehr dis neuere Au5sin2Nd2rsttzung über Faschismus und NationalsozialiLmus an die UÄwliefürüng deS-deutschen Schrifttums über dieses Thema m den -letzp-ergangsnen Jahren anknüpst, ' kann nvm auf biß im Verlag F. Druckmann A.«G. in im Jahrs 1932 herauLgekommms Schrift von wäi»t Heinrich „Der Faschismus, Staat - -und im neuen Italien" Hinweisen. - Leinrieh gehört der mriversaltstischen, Schule de3 : •' fF’-r-i* * Sw'ivlvgrn Spann an. In. dem lechen AbsebÄ-'öucheS unterzieht er die faschistische i mck>- lLirtschaftLverfasirmg und ihr Ge-.. I 'elrrn /Beurteilung vom. universalischen 'au2. Er meint, der Fafchchmub und- 'se-n Liato esrvorLtivo fei mit stark zntwLli>hch,en k^n Leastet, daL ständische Element trete,surück<- Zw7r Mre der Lsgriff der Jtälianita zur gründe sätzlichen Erkenntnis des „ganzheitlichen" Charakters der Nation, aber der Staat sei mehr als die Summe der.Stände und der Institutionen; er dürfe nicht die anderen ständischen Gliedermtgen, Syndikate und Korporationen bürokratisch-zentralistisch beherrschen, sondem er müsse sie als „Gesaintstand" umfassen, und durchdringen, ohne ihren Charakter als wahre Selbstverwaltungskörperschaften anzutasten. Heinrich' stimmt mit Schrewe und vielen anderen darin überein, daß die gesonderten Syndikate der Arbeitgeber und Arbeitnehnrer einen Restbestand auö dem Zeit-, alter des Liberalismus darstellen, unb daß sie durch die großen Berufsvereinigungen der Korporationen allmählich zu ersetzen sind. Er glaubt, daß da8 Wort, „das ganz Europa retten würde, das dem allenthalben droherrden Untergang einen bannenden Zauberspruch entgegenschleudern könnte" nicht romanisch, sondern deutsch gesprochen werden muß. Die kleine Schrift von Richter verzichtet auf weitausgesponnene weltcutschauliche Darlegungen und ergänzt gerade deshalb die Schrift von Schrewe durch eine klare und sachliche Erörterung des Aufbaus der Syndikate und Korporationen in Italien. Er sieht im Faschismus den auch im deutschen . Schrifttum weitverbreiteten Gedanken verwirklicht, daß der Staat alS die Verkörperung des ihm zur Nation geeinten Bolkes nur in den Zwischenformen der sozialen Wirklichkeit Leben gewmnen kann. „Ein pyramidenförmig linearer Aufbau, bei dem nur die Summe der Bürger auf der einen Seite und ihnen gegenüber der Staat als Spitze gesehen wird, führt zur Verödung nicht nur der theoretischen Anschauungen, sondern des Gesellschaftslebens selbst, zum Verfall des Dolles und zur Machtlosigkeit des Staates". Er unterscheidet im ein- . zelnen den syndikalen Flügel des italienischen OrganisationöwesenS von denr korporativen, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammenfaßt. Er weistandererseits darauf hin, daß in der esrta dal iavoro (IV) die Interessen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer ganz offen als „entgegengesetzt" bezeichnet werden. Freilich bleibt eS gerade deshalb eine Aufgäbe des Kvrporativsystems, der über diesen Entgegensetzungen bestehenden Solidarität der Klassen zum Durchbrlrch ztr verhelfen. Bei der Besprechung der Korporationen weist Richter mit Recht darauf hin. daß die Abhängigkeit vom Korporationenministerium mehr auf anstaltlichem als auf körperschaftlichen Charakter der anerkannten Vereinigungen schließen läßt. Auf ieden Fall aber ist daran feftzu» halten, daß in Italien gegenüber der Ständevsrein.igimg der Korporationen der klassenmäßige Zusammenschluß in den Syndikaten von Bedeutung bleibt, weil ihnen im Gegensatz zu den Organen der deutschen Arbeitsfront die Schaffung von kollektiven Arbeits- Verträgen als praktisch wichtigste Zuständigkeit über- .^tragen ist. Richter gibt zum Schluß einen ebenso kurz gefaßten wie klar gedachten Ueberblick über die Folgerungen,' die sich-aus der Italienischen -GestalLungfür Deutschland ergeben. Er meint — seine Broschüre ist vorder Lerösfentlichung deS Gesetzes zum 'Schutz der nationalen Arbeit erschienen —. daß in Deutschland die einzelnen Gruppen des sozialen. WirtschaftülebenS schon auf einer Lieferen Stufe des OrganisationCbaueS zusammenzuschalLen sind, als e8 in Italien geschehen ist. Arbeitnehmer und Arbeite geber müßten eilten Boden für gegenseitiges Kennenlernen in einem engen, wenn auch nicht in einem allerengsten Kreis finLen. Llnderersc-iLs weist er mit' Recht auf die- Darlegungen von Vottai in seinem Buch „Biriito dol hvoro“ hin, auL denen hervorgeht, daß im italienischen Faschismus volle Klar-. heit über die naturgegebenen Gegensätzlichkeiten in der Gesellschaft besteht, dis man nicht aLschasfsn kann .ruch will, über denen man aber LLe-r alle' Kategorien und Klaffen hinweg das Volk als Ganzes ' zu -erkennen sucht. Jeder Soziologe wird Richter -zustimmen, wenn er seine - Darlegungen -mit dem -Satz schließt,-daß nur Klarheit'und Reinlichkeit in der irchaltlichm und organisatorischen-Ersaffung der- .' AuSgangbptmflegum Ziel führen kann, und daß ■ deshalb - „auch dis Spannung 'Zwischen 5iap'tal -und' Arbeit, zwischen Arbeitnehmer wed Arbeitgeber nur in voller Evwnntnis ihres WefenL" auszugleichen.ist. - .' -; -Ör. JVesrsor .Cßhaaaaa (München). \um ,MWEM WWW.* ...; In einem sehr intsreffanien Aufsatz ,Im , Polens innere Ordnung" („Die Tat", 25. Jahrgang.' 11. tzrft) befäßt sich Ernst. Sil in ger u. a. mit; der Judenfrage tn Polen. . - tz Der Gegensatz der nationalistischen Opposttion zur Regierung, so führt er ans, konzentriert sich, zunehmend auf ein Problem: die Judenfrage. Sw ' lst keine Minderheitenfrage, obgleich die Juden sich .*. parlamentarisch und politisch gleich einer solchen . organisiert haben. Sie hat, freilich ungeheuerlich ' verschärft und vergrößert, den gleichen Sinn. den., man ihr in Douttchland gegeben hat. Die Juden ünb als gewaltige, scheinbar unlösliche Masse in ben polnischen Volkskörper eingesprengt. Von 82 Millionen polnischer Bevölkerung sind etwa drei , Millionen Juden. 'Ein Drittel der Einwohnerschaft - Warschaus besteht aus Juden, in Wilna ist es bald - die Hälfte. An der Judenfrage entscheidet sick) da8 Verhält- . . nis der polnischen Parteien zur Substanz des '■ eigenen Volkes. Seit Jahrzehnten ist der Anti- -- semitismus aus der Wurzel des Nationalismus er-,...' wachsen und die Nationaloemokratie ist sein sichren-" '■ der Träger. Das Bündnis des Marschalls PilsudslN - und der Regierung mit den Juden hat mehr als irgendeine andere Maßnah me die Jugend in die . Opposition getrieben. An der Judenfrage scheidet . sich im tiefsten das polnische Volk in die zwei großen Lager, in die es zerspalten ist. Infolge der Zu- . Wanderung Hunderttausender von Juden aus- Sowjetrußland hat sich ein Gegensatz von Ost zn s West heranSgebildot Während der Osten Polens ausgesprochen jichenfeindlich ist. hat der Westen, weil hier ein Zuzug nicht erfolgte, einen Ausgleich ‘ ' mit den Juden hergestellt. 'WWW Im zweiten Februarhest des „Deutschen Volkstums" läßt der Herausgeber Wilhelm Stapel einen Aufsatz „Eine deutsckp Utopie" erscl>einen, der in großen Umrißlinien ein Bild der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands entwirft. Staaten, so lehrt Stapel, entstehen nicht aus Wnnschträumen, sondern aus der Not des Lebens. AuS dieser Erkenntnis ergeben sich seiner Ansicht nach bestimmte Schlußfolgerungen. Der Lebenskampf der Völker aus diesenr Planeten wird heute um wirtschaftlicher Notlvendigkeiten geführt, Me Völler siitd in' einer Weltwirtschaft mit unausgeschöpften technischen Möglichkeiten verbunden, zugleich sind aber alle Völler in staailick) geschiederte. Voflöwirtschaften. von .denen jede sich selbst genug sein möchte, getrennt. In einer Welt, bte in einen dauernden Wirtschastökamps hineingemten ' ist, können di? Deutschen nicht 'mcchr durch Wassengetvalt. .sondern allein durch Wirtschaft Dasein unb Geltung 'behaupten. Mtt dieser Einsicht sind" die beiden großen Themen der deutschen Zukunft gestellt: Siedlung und Ausfuhr Durch die < große. einheitliche Besiedlung unb durch - die Schafsung eines errveiterten Binnen^ Marktes ist die Wirtschaft zur Sacheder gesamten Nation geworden. . Die gesamte arbertsfähig? Jugend widmet ein bis zwei Jahre ihres Lebens wie einst dem Waffendienst ' so heute dem Arbeits" dienst. Das Wesentliche - ist, daß an Stelle der Zweiteilung „Stadt und Land" die Dreiteilung „Bauer, Sredler. Städter" tvitt. ' In der Nacht vom '26. zürn 27. Februar erldsttz der Tod den Frankfurter Großkaufmann Heinrich B a m b e r g e r von seinem Krankenlager. Im.Jahre 1977 in Worms geboren, verstand es teinrich Bamberger, gestützt auf ungewölmlicho aben des' Verstandes und aliSgerüstet mit solidester kaufmännischer- Schulimg und Gesinnung, vor etwa 30 Jahren durch'die Verlegung seiner' väterlichen Firnra nach Frankfurt am Main dm Grundstein zu jener mächtigen Entwicklung zu legen, die seine Firma „Bamberger und Hertz"- zu einem der angesehensten deutsck-en.Konsektions- Häuser machte. In unermüdlichem Fleiß fand er bald schon die Wege, sein erfolgreiches Frankfurter - Unterttehmen zu erweitern: in Köln unb Leipzig, in München ,md Stuttgart wurde Bamberger und Hertz zu eitlem wichtigen Faktor im Wirtschafts^ leben. Durch viele Jahre, und es waren mit die. schwierigsten der deutschen Wirtschaft, war Heinrich Bamberger durch das Vertrauen seiner Kvl-- legen berufen, an entscheidenden stellen durch sein Wissen und seine kluge Initiative zu wirken.- Er war Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes, des ELnzelhandels in Frankfurt am Main, Vorsitzender der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Reichsbundes . des Textu-Emzelhandels E. B., war Mitglied des Großen Ausschusses des Reichsverbandes für Herren- und Knabenkleidung und Mitglied - des Fachbeirats für Lextilhandel und -induftrie bei der. Industrie- und Handelskammer Franrsurt a. M. Für seine Lähgkeit als Handelsrichter war er durch seine unerschütterliche Rechtlichkeit und.durch ' fein feines soziales Verständnis besonders prädestiniert. Diese Eigenschaften waren es auch, die ihn undseine immer verständnisvolle Beratung für die Ortsgruppe Frankfurt des CV so sehr schätzenswert machten. Stets und aufs engste an allen Fragen, interessiert, dis mit der Arbeit des CV zusammenhingen, immer mit SelLstberständlichkeit bereit, sein Teil an der LLLigkeit des CD beizutragen, war - er den Grundfützc-n seiner Arbeit von ganzem Herzen zugetan. —r. Hiurt^irUtldtÄr Dr. Alfred Hlreobbergt Etiliv^tjötÄr Dr. Margaret« Bdelheta. Ecid# in Eörlin. Für Eüökasndang usVertreter llranriLripte - Ist Freiucicchhg boizufüc-abeiter dor' Abteilung und vorimtworÜiGh. für ,ärr> Inhalt, dar Anreigen: Friedrich Nathan, Berlin. : DA. IV. VJ. &JCC0. Verlag: Oentraiverein dentscher ßtaatabürger Jüdischen Ghnbaas e. V., Berlin W 15, Eaccr ßtr. L2. Tel.-Adr.: i,0r3trcljlaübön Berlin.'* Fcrnspr. J 2 Oliva 8HI—4$. Poßt:d:cchj Ccriin £0473, Druck der Buch- und Tiefdruck-Gesellschaft tn. b. R-, Berlin SW 100.! I >