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Central-Verein-Zeitung · 1934-03-08 · 10 (8.3.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
10 (8.3.1934)
Date
1934-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Typ der Entwicklungshemmung,; Kümmerform — die Individualisten, . bte Egoisten und die Leichtsinnigen. 2. Typ der krankhaft gesteigerten Ent- ZÄMMAiMA. - Die Reichsvertretung der deutschen Juden übergibt folgende Erklärung: , In einem Teil der jüdischen Presse finden sich in dm letzten Tagen Erörterungen über den AirsgabenkreiS der Reichsvertretung und über die Zusammennbeit der verschiedenen Organisationen mit chr. In Lebereinstimmüng mit unseren Feststellungen in der Sitzung des Beirates der Reichsvertretung am 11. Februar 1934 erklären wir dazu folgendes-. ' Die Neich-wertretung ist nach dem Willen und den Erklärungen aller Beteiligten als Gesamtvertretung kr deutschen Juden nach innen undaußen inZ Mn getreten.' Diese'Aufgabe hat 'sie seither per« W und wird sie. Leiter.verfolgen.^ Sie enthM. sich .. jeder Einwirkung-auf dr3 -rslrgiSss GWet W. engest ten Sinne und sie will nicht eine Uniformierung' der- Weltanschauungen. innerhalb des deutschen'-Juden^' tunis. Aber - sie läßt sich ihre 'Zuständigkeit' von' ein-' zelnen jüdischen Gruppen'' und'Orgamsätionen nicht' beschränken, insbesondere wicht aus das' rein wirt-' schestliä)e und wirtschaftSpolitische oder soziale Ge- ' biet. aus dem schon vor ihr der ihr jetzt angegliederte' Zentralausschuß der deutschen Juden'für Hilfe.und' Ausbau tätig gewesen und seither tätig geblieben ist. Vielmehr sieht die Reichsvertretung ihre .Hauptauf- - Mbe in der einheitlichen Arbeit nicht nur für die wirtschaftliche, sondern auch für die politische, recht«' liche und kulturelle Stellung der deutschen Judenheit,' also namentlich auch im Verhältnis zur Umweltz - zum deutschen Volk und deutschen Staat.' Trotz der Verschiedenheit der religiösen und weltanschaulichen Dichtung soll, kann und muß diese Einheit an die stelle zersplitterter und deshalb unwirksamer Tätigkeit einzelner Gruppen treten. Diese Zielsetzung kam u. a. zum Ausdruck in dem Aufruf, den die Reichsvertretung alsbald nach ihrer Gründung im September 1933 an die deutschen ■ Juden gerichtet hat und in dem es u. a. heißt: »Jede Organisation und jeder Verband sollen in thryr Lebenskraft und in ihrem Aufgabenkvcise anerkannt sein, aber in allen großen und entscheidenden Ausgaben darf es nur die eine Gemeinschaft, nur die eine Gesamtheit der deutschen Juden geben ... Eigene Gedanken, eigene Aufgaben zu verwirklichen, ist uns nur auf einem Gebiete, aber einem entscheidenden gewährt: aus dem unseres jüdischen Lebens und unserer jüdischen Zukunft. Hier sind die bestimmenden Ausgaben gestellt/ . Diese Linie ist vom Ausschuß, in dem sämtliche großen Organisationen der deutschen Judenheit, bei Central,«Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der ReickMund jüdischer Frontsoldaten, die Zionistische Vereinigung, der religiöse Liberalismus und die Orthodoxie vertreten sind, in voller' chinmüMeit sestgchalten worben* so im Aufruf zum VoRWntscheid vom 1,2. November 1923...wiein kl*,:... an die 'Reichsregrsrun'ggerichteten Eingaben,' uttÜ'i'' Wir find darin aufs nachdrücklichste bestärkt worden durch die von-Vertretern aller Richtungen im Beirat beantragte und, einstimmig angenommene Entschließung, in der gesagt-wird:.- - ' „Alle Kräfte müssen'dem. einen Ziel dienen, daß jeder deutsche Jude im Daterlande nicht nur feinen Lebensraum findet, sondern seine jüdische Ueberzeugung auch' offen und frei bekennen und betätigen kann . .. Einer würdigen Zirkunft des ganzen deutschen Judentums soll unsere Arbeit gewidmet sein/ ' Die Reichsvertretung stt nicht gewillt, von dieser Zielsetzung etwas aufzugeben. Sie weiß die er- , drückende Mehrheit der organisierten und nichtorga- ' nisierten deutschen Juden hinter sich, wenn sie die Führung des deutschen Judentums fest in der Hand behält und gegen alle Versuche der Spaltung durchi setzt. - Alles, was von uns gegenwärtig zu dieser Erklärung der Reichsvertretung zu sagen wäre, habenwir bereits in dem Leitartikel der vorigen Woche: „Notwendige Einigkeit", dargelegt. anlage vorhanden. Förderung und Kultivrerung dieser Kermanlage des Verantwor- PWgefühls ist Aufgabe der Erziehung —'!?• gleicht höchstes Ziel jeder Erziehung. Stufenleiter der Entwicklung des Verant-. wortungsgesühls führt vom verantwortungs-' Jlen zum verantwortungsbeladenen Zustand, unter normalen Verhältnisten Mgt die tturve aus dem unentwickelten Zustand in „ mndheit an über die Höhe des Lebens, ■3 le^r ^ufig im höheren Alter wieder ab- ^uu/en. Dieser Entwicklung beim Einzel- Mnschen entspricht eine Entwicklung in der „ ENichheltsgeschichte — vom Höhlenmenschen und Müden, der spricht: „Bin ich der Hüter eines Bruders?", bis zum Propheten und sich für Schuld und Leiden des «°lkes, ja der Menschheit verantwort- .AMls- Der Kult des Verantwortungs- - l ]XS. $ eine Grundlage der Religionen oEengesetze: in ihm begegnen sich das : Wetz des Judentums mit dem Lanüschsn kategorischen Imperativ. n. lirf-P^F1 denkenden Juden ist die schmerz- ^?rfahrung dieser Tage die Tatsache, heute einen Kanrpf jüdischer Parteien di^^^Hungen gibt. Wir sehen das Wesen oamWW, unter den: die Mische - schwer leidet, in einer ihaid* : lübifäfen DerantwortungLgeMs, : S!r, unter „jüdischem Verantworhier nicht die Vrndung an das VonsgLfetz, an .big Lchrr, {cnloi-ti dig Wicklung, Geschwulstform — die Partikularisten. die Klüngler, die „Nur-Kritiker" und die Bürokraten. 3. Typ der Mißbildung, Träger der .Jnsektionskeime — Konjunkturritter, die Fremdkörper. Unter den Typen mit mangelhaft entwickeltem Verantwortungsgefühl fleht an erster Stelle die Kümmerform des In di- ' vrd u a l i sten, des Einspänners. Angesichts . unserer heutigen Lebensbedingungen sind die Individualisten als die asozialen Elemente der jüdischen Gemeinschaft anzusehen. Ihre . Geistesverfassung läßt grundsätzlich die Herstellung einer Beziehung mr Gemeinschaft ausgeschlossen erscheinen. Man kaffe sie in / ihrer selbstgewählten Isolierung. Ein anderer Typ mangelhafter Entwrckluna des Verantwortungsgefühls ist der „E a o i stO Zur Charakterisierung greife ich aus der Vielgestaltigkeit dieses Typs zwei Gruvven heraus: den Famckienegoisten und den Berufsegoisien. Der Familienegoist ist' in - seiner Beziehung zur Gememschaft dadurch a^stört, daß er ber jedem Appell anbtc ‘ Gemeinschaftsverpflichtung ferne höhere Vorder Sorge für Frau und Kruder üi'i Feld führt. Den Familienegositen ist ins Stammbuch zu schreiben daß die Verantwortung für Frau und Kinder so schwer sie auch belasten mag. kern ethrsches,, sondern ern ■■ . ■_ \ixan mochte beinahe sagen Lebe u -3 — T-oftulat darstellt. In der saß ür di- Familie besteht kein grunddetei IMwliWcD' Lwischerr Mensch ML Tier: Mithin entpflichtet die Verantwortung für die Familie nicht' im Hinblick aus die sittlichen Ansprüche der leidenden - Gemeinschaft oder des leidenden Nebenmenschen... Weit verbreitet ist der Typ der.Berufsegoisten — in Vergangenheit und Gegenwart eine Quelle jüdischm Leides. Seine Stellung zur Gemeinschaft läßt sich auch heute nicht besser umschreiben als durch das alte Wort des Propheten: „Sie helfen in ihrer Werkarbeit ein jeder dem anderen; dem Bruder aber sagen sie: .Hilf dir selbst'/ ' , Schließlich noch ein Typ mangelhaft enb wickelten Verantwortungsgefühls: die Leichtsinnigen, die Unbekümmerten. Kaum weicht äußerer Druck ein wenig, ist alle Sorge vergessen, und man verhält sich, als sei nichts geschehen. Jeder kennt Angehörige des Typs dieser geistigen Haltung. Man begegnet ihm besonders aus den Straßen und in den Straßenbahnen, aber auch in den Kaufläden und in den Gaststätten der Großstädte, lieber Leser und — vor allem! — liebe Leserin. Vom Typ des krankhaft gesteigerten . Verantwortungsgefühls. von der sogenannten Geschwulstform erwähnen wir zuerst die Partihularrsten. Es sind die Unbeirrbaren, die. nur ihre Straße sehen und gehen —- unbe-- kümmert, ob die anderen mitkommen, bte nicht, so schnell gehen'können.' HauPtsachList'.shr daß die Spitzengruppe pünktlich ankommt,.mag - 'quch' der große Haufen --unterwegs verloren»' gehen.. In diesem Zusammenhang tauchen mancherlei Probleme der jüdischen Gemein-' schast auf, die sowohl außerhalb wie innerhalb Palästinas der Sammlung und dem Ausbau entgegenwirken. Wir erinnern nur an die. Schächtfrage, an:den Kampf um die Reichsvertretung, an die Tatsache, daß leider an vielen Orten Sammlungsbestrebungen kultureller und gesellschaftlicher-Natur durch einen widerwärtigen Konkurrenzkampf ' gleichartiger Unternehmungen gestört und geschädigt werden. Zu den Eefchwulsttypen sind aber fernerhin ' die Klüngler und die „N i ch t s. a l s. Kritiker", die Besserwisser und Nichtskönner zu rechnen, die aus Prestigegründen nie die wirklich positiven Leistungen der Gemeinschaft anerkennen können. , . Endlich erwähne ich hier die Büro- ' k r a t e n, die Sitzungsbyänen und gewisse Exponenten der „Verwaltung an sich", die vor lauter „verantwortlichem" Bedenken und Bereden die befreiende Tat vergessen. Viele solcher Menschen tragen ihre Verantwortung — wie ein Chauffeur, der nicht merkt, daß der Fahrgast sich unterwegs heimlich gedrückt hat. Unter ihnen gibt es leider viele „Mechanikers — aber wenig wirkliche Führer. . Die gefährlichste Form des krankhaft entarteten Verantwortungsgefühls ist derTy^ der Mißbildungen und Jnfektionskeim- 'träger. Sie wirken als zerstörende Fremdkörper in der jüdischen Gemeinschaft. Es sind Keime, die auf einein fremden Boden wucherten^ von dem sie' weichen müssen. Nun suchen sie einen neuen Wirt zum Ausbeuten, mag-' dieser auch an ihrem Wachstum zugrundegehen. Das sind die Konjunkturritter, die heute aus-Not anerkennen, was sie gestern verleugnet haben und was sie morgen wieder verleug-' nen wollen. ' Es genügt, den zersetzenden Ein-' sluß solcher in letzter Zeit wie Unkraut aus - dem Böden schießenden Gruppen und Gruppchen zu erwähnen, damit jeder denkende jüdische' Mensch weiß, wer gemeint ist. III. -Soviel Von den Krankheitssymvtomen, an denen-die jüdische Gemeinschaft leidet. Wie aber kann geholfen werden? Dasdeutsche Judentum ist schon lange ge-- schwächt in seiner Konstitution; jetzt aber hat eS eine von außen kommende, akute, lebensbedrohende. Erkrankung befallen. Bei jeder akuten und stürmischen Krankheit kümmert sich der Arzt nicht in erster Linie um Konstitutionsanomalien, sondern um die gefährlichsten, das Leben bedrohenden Symptome. Dieser Grund-, ) gilt auch für die Behandlung der geführ- :21t Interessen der jüdischen Gemeinschaft. AÄ2Z ist es dis erste Pflicht, für Ruhe Md . Karl August Frankl 40. Todestag am 12. Marx 1934 'Zu dem Auf sät* „Begegnungen mit Hebbel*4 (2. Beilage) : (Aus dem Besitz des Berliner jüdischen Museums) BoosEasonannnnnnnanGöaGCQnnaGS Burgfrieden in den jüdisch-politischen Lagern zu sorgen,- solange bis die schwere, Krise überstanden ist. Und wenn der moderne' Arzt neben der örtlichen Behandlung die' Behandlungsmethode der „Umstimmung des Organismus" anwendet, so müssen wir. dieses Methode auch für die Sanierung der Krankheit i unserer Gemeinschaft anwendm. Tatsächlichsind doch nicht etwa nur eine große Anzahli von Einzelexistenzen aus ihrer Bahn geworfen,., sondern die Lage der Gemeinschaft 'hat sich — übrigens entsprechend der Gleichschaltung, unserer Umweltverhältnisse — von Grund auf geändert. Niemand nimmt heute mehr seinen alten Platz ein im Verhältnis zur Gemeinschaft — auch wenn-er seinen Posten nicht-verlassen, hat.. Daraus ergibt, sich die .Forderung: Orientiert euch in der neixen Si- -t'uati.on! Prüft epe-re neue Verantwortlichkeit! ' Mobilisierte-uer.e. neue Verpflichtung! .- Um-Partikularisten, Nur-Kritiker -können wir.uns nicht kümmern. .Mögen sie ihr Eigen-" / ' leben führen, solange sie dem Gesamtotganismus nicht gefährlich -werden. Hütet euch aber - vör den Jnfektionskeimkörpern und Konjunk- , turrittern und ihrem Anhang. Haltet sie fern-, uNdtentfernt sie,' wo sie' sich ecnnisten wollen. Unsere ganze Sorge und Verpflichtung aber ' gelte dem jüdischen Gesamtorganismus — der ' Gemeinschaft. Wie aber können wir dem t großen Ganzen dienen? Letztlich nur durch den : Dienst am einzelnen. Es gilt, den Kräften der > Panik, her Auflösung, der Verantwortung^. 2 losigkeit gegenüber die Verantwortung des ' einzelnen wachzurusen. Auch der, der bisher persönlich wenig zu leiden hatte — und erst recht der Enttäuschte — muß. dazu gebracht ' werden, die praktischen Folgerungen aus der völlig veränderten Situation^der Gemeinschaft zu ziehen. Er muß lernen, den Blick auf - die Gemeinschaft, für die er mitverantwortlich ist, zu richten. Aus dieser ersten Verpflichtung ergibt sich sogleich die-weitere Verpflichtung, H a l t u n g z u b e w a h r e n — nach innen : wie nach außen, wobei zu bemerken ist, daß - Haltung etwas ' Aktives, eine gebändigte Kraft ist. ■ , - . * , Schließlich muß jeder einzelne seine Ver-- -c antwortung der Gemeinschaft gegenüber durch -, O p s e r b e r e i t s ch a f t erweisen. ■ Es braucht - kaum betont zu werden, daß es sich.nicht-ledig-- - lich um materielle Opfer handelte Jeder, jüdische/, Mansch kann'und sollte in der heutigen Situa-- Umdne ertgere Verbindung zwischen dem 'Central-Ver ein und setnerr Freunden in Rhein- > hessen zu schaffen, - hat der Landesverband Hessen-Nassau und Hessen des C. V. eine Speedkstmde ■ des. rlmdßlidiieü, des' C. 1}.\ kt Nsiers-.. eingerichtet Sie wird von Dr.jur, Jcsafr Kahn, Mainz, Frcmxishanarctr, HßO, Montag, Dienstag and - Freitag,, mittags von 11 bis 1 Uhr, Dienstag - nachmittags - von 3 bis 5 Uhr, abgehedten* tron jeden Tag ein Opfer für die Gemeinschaft -. daröringen. Aus dSr Verantwortung des einzelnender, Gemeinschaft gegenüber ergibt sich somit die . Forderung des Tages: Lernen — Haltung be-' Wahren — ppfern. Wir müssen uns' unbo Ha

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