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Central-Verein-Zeitung · 1934-03-01 · 9 (1.3.1934) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
9 (1.3.1934)
Date
1934-03-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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die Fachkenntnis des Juristen,-.der mit den französischen 'Vtechtssormen vertraut ist. ' Die Ausstattung des stattlichen Bandes entspricht dem Inhalt, der in dramatischer Steigerung zum versöhnenden Abschluß führt: dem Sieg eines großen MenschheitSgedankens, über die niederen Hindernisse des Tageswie über die Widerstände der Naturgewalten. ' Observer. Buch-Vereinigung? - Ja! Buch-VSTSmiMUg! Von Dr. Erich LichkensSein Als aus den Pressemeldungen der letzten Wochen ■ bekannt wurde, daß eine Jüdische Buch-Vereinigung mit der Ausgabe, ein bestimmtes literarisches Programm durchzusühren. gegründet sei. da mögen sich manche Lento gefragt haben: Wozu ist das noch nötigt Wir haben doch leistungsfähige jüdische Berlage, und wir haben einen rührigen Btichhcmdcl. So werden schon d i e Bücher erscheinen, die uns nottnn und deren wir bedürfen. Wozu brauchen . wir da noch eine Jüdische Luch-Bereinigung? Nun also! Zunächst und vor allem nicht dazu, um etwa Berlag und Buchhandel in ihrer nützlichen Tätigkeit zu stören oder gar zu schädigen. Tie Frage, ob Buchgemeinsck)aften dem Buchhandel Nachteile bringen, ist schon bei Gründung der deuts ch cn B u ch g e m e i n j cha f t en dahin entschieden worden — und die Erfahrung hat dieses Urteil bestätigt — das; Buchgemcinschaftcn dem Blich mrr neue Freunde werben, dein Biichhandel neue Käkrserschichteu Zufuhren, also die Lust. Bücher zu «lesen, Bücher zu besitzen, erwecken und steigern. ° Welches ist aber der Grmidgedanke. der die Buchgenwinschaft vom Berlag unterscheidet? Ta sie doch beide ihre Ausgabe darin ■ sehen, Bücher heraus- Ziibringen und zu vertreiben Kurz gesagt, darin, das; die Biichgemcinschnst Ziim Unterschiede vom Berlag die Abnehmer organisiert, zil einer Gesellschaft zusammenschließt. Mit anderen Worten: Sie produziert nicht in einen leeren Nauru, ins Ungeraisse hinein. Sie handelt damit wie ein Theaterdirektor. der/ bevor er ein Stück ausführt, sich sein Publikum sichert und cs nicht von unberechenbaren Faktoren abhängig sein läßt, ob sein Theater besucht wird oder nicht. ' Sie fälltet also ein Risiko aus. das jeder Berlag miteinkalkuliercu muß, weil er sich an den offenen Markt wendet. Tenn das Buch gehört — nationalökviioinisch betrachtet — in eine garrz einzigartige Kategorie. Nirgends so wie hier entscheidet über seinen Preis das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Tas bedeutende Werk eines großen Autors in kostbarster Ausstattung ist nicht einen Pfennig wert, wenn es nicht verlangt wird. Tas ist eine immer wieder gemachte bittere Erfahrung. Kein Verleger kann, wenn er ein Buch verlegt, vorher wissen, ob er damit Erfolg haben wird. So erschien Spenglers Werk „Ter Untergang des Abendlandes" unter einem tveniger glücklichen Titel in einem Wiener Berlag und blieb liegen. Erst als es unter dem jetzigen Titel in München erschien, wurde cs ein Weltcrfolg. Heute nun, da Bücher jüdischer Autoren eine so erheblich verminderte Absatzmöglichkeit haben, '• da ihr Markt unvergleichlich geringer geworden ist, könnte kein Berlag wagen, einen neuen Roman. von Georg Her m a n n zu verlegen, so berechtigten - Anspruch der Verfasser von Jettchen Gebert daraus hat. Aber die Jüdische Buch-Vereinigung kann es'- unternehmen, diesen umfangreichen Roman „Eine 24. Mni. Papa wird die Professur nicht kriegen. Muschi hatte es schon geahnt, aber' heute hat Papa es ihr zugegeben. Nun wird er eben Privatdozent bleiben. Er sagt: - „Denkst du denn, dadurch lernen die Leute weniger bei mir?" Ta hat Muschi ihn nur angesehen. Und dann ist sic ohne ein Wort ans dem Zimmer gegangen, aber ihr Gesicht war ganz weiß — schrecklich hat das ansgesehen. Als wenn einer sie geschlagen hätte. Ich konnte es nicht antzhaltcn, ich wollte auf Papa zu und ihn fragen, ihn um Hilfe bitten, denn bei wem soll ich das denn sonst? Aber er drehte sich mn und schüttelte den .Kopf und lies; mich stehen. Ich blieb allein, und das Zimmerwar - aus einmal so entsetzlich leer und still — zum Fürchten. Nachher habe ich Oma ganz vorsichtig gefragt, ob es denn wirklich so schlimm ist, daß unser Papa nicht Professor wird? Ta hat sie gesagt,- es kommt nicht auf den Titel an-es handelt sich um anderes, was ich nicht verstehen könnte. Tcc Mensch braucht eine Bestätigung, eine Würdigung. Und es wäre natürlich ein Jammer, wenn Muschi nun dafür ein Hindernis sein sollte, daß unser Papa auch von anderen anerkannt wird. Das alles ängstigt mich so sehr. Ob Papa nun auch nicht mehr ans die Hochschule gehen darf? Oder keine Häuser mehr bauen? Ich kann Oma nichts mehr fragen. Es quält sie, das fühle ich. 27. Mai. Ich lese gar nicht mehr im Dickensdenn ich muß immer Nachdenken. Ist es denn möglich, daß Papa mich nicht mehr so lie.b hat? Immer guckt er mich so ernst an, und dann sagt er: „Geh' spielen!" — Das ist gar nicht seine Art, solch ein Satz. Früher wußte er doch ganz genau, wenn ich etwas ans dem Herzen hatte. Ich fürchtete mich — ich weiß nicht, wovor eigentlich. Ohne Papamöchte ich nicht leben. Muschi und ich sagen etz nicht zueinander, aber wir wissen es beide, ohne Papa taugt die ganze Welt nichts! ■ 2. Juni. , Eben ist Papa abgereist. -Ich ahne nicht, wohin. Milschi kam vorn Bahnhof zurück mit einem ftcincrncn Gesicht. Wie Zeit ftirbt* an die Spitze ihrer Veröffentlichungen zu stellen. Schon Anfang März wird daö Buch ihren Mitgliedern - geliefert werden. Daß dir „Jüdische Bibel in deutscher Sprache", an deren Uebertragung die besten jüdischen Fachleüte jahrelang gearbeitet haben, in ' würdigster Ausstattung durch die Jüdische ' Buch-Bereinigung ans Licht kommen wird, erfüllt uns mit freudigem Stolz. Die. Veröffentlichung wird durch den Zusammenschluß aller jüdischinteressierter Menschen gelingen. Diese Bibelübersetzung, die in der Zeit tiefer jüdischer Not erseinen soll, wird ein monumentum aers perennius, ein Denkmal dauerhafter als Erz dafür ' sein, das; daS Wort unseres Gottes/ unsere uralte glorreiche Vergangenheit in unS weiter lebt und wieder einmal sich als stärker erweist als alle. Not und Bedrückung. Tie Jüdische Buch - Dcreimgung lvandelt in . ihrem ersten Iahresprogramm alle Räume des jüdischen Lebens ab. Ein P a l ä st i n a b u ch wird vorbereitet, in dem das gelobte Land in Wort und Bild beschrieben werden soll. Aber unser Blick wendet sich aber auch wieder Teutschlaud zu, unserm Vaterland seit mehr, als 1600 Jahren. Unsere Taten und Leiden, unser Schicksal, seitdem wir mit den Römern dieses Land betreten haben, wird der große jüdische Gelehrte, der/die Erforschung dieser Geschichte zu seiner Lebensarbeit gemacht hat, Professor Jsinar E l b o g e n, auszeichnen. Welcher Stoff kann sich mit diesem an Größe mw Tragik tnessen? Aber es ist einleuchtend, das; die Jüdische Buch - Bereinigung nur dann dieses große Programm durchführen kann, wenn alle, denen die Pflege des jüdisäM Geistes, der jüdischen Kultur am Herzen liegt, auch ihre Mitglieder werden. Je mehr Menschen sich ihr anichließon, um soleistungsfähiger wird sic sein, um so eher kann sie ihren Plan verwirllickjen, späterhin auch Werke jtluger unbekannter jüdischer Autoren, deren Manuskripte sonst im Schreibtisch vergilben müssen, zu veröffentlichen. Die Jüdische Buchvereinigung bietet ihren Mitgliedern jährlich vier Bilcher. Der Mitgliedsbeitrag beträgt monatlich 1 RM. Dazu wird eine einmalige Einschreidegcbithr von 0,25 NM erhoben. Anmeldungen sind an die Geschäftsstelle erbeten: Berlin W 15, Pariser Straße 7. Seither Hat sich das. deutsche Judentum in liberalem Geist — in Anlehniing an die kulturell«; Berhältnisse seiner jetveiligen Umgebung und an die geistigen Strömungen /der .Zeit stets die geeignete Gestaltung zu scl)afsen vermocht. Bernhard Isaak schildert die religiösen Destrebungen im Schoße der deutschen Juden in den letzten hundert Jahren fesselnd und klar. Professor Dr. Eugen Wölbe. Bernhard Isaak: „Ter NeligionSlibera. liömuö im deutschen Judentum." Leipziger Dissertation. 1933. Das Büchlein stellt eine GeisteSgeschichte der deutschen Juden seit Moses Mendelssohn dar. Obwohl der Verfasser unverkennbar einen religiös- ' liberalen Standpunkt vertritt, wird er -auch der konservativen Richtung gerecht. Mendelssohn erkannte zuerst die Notwendigkeit, das Erbgut der Vergangenheit dem geläuterten kulturellen und ästhetischen Empfinden seiner Zeit anzupasscn, die jüdische Welt „aus den Fesseln geistiger Abgeschlossenheit zu befreien und ihr die wertvollsten Elemente der europäischen Kultur zu erschließen". Mendelssohns Gedanken wirkten in den ersten Nesormfreunden Israel Jacobson, Leopold Zunz, Eduard Kleh und den Mcassefim. Eine neue Rnbbinergenerativn unter der Führung Abraham Geigers wuchs heran, in ihren liberalen Bestrebungen attss schärfste von Samson Raphael Hirsch befehdet. Goldheim nahm einen entschieden liberalen. Zacharias Frankel einen vermittelnden Standpunkt - ein. ' Diese Bestrebungen fanden ihren konkreten Ausdruck in den „Richtlinien" der liberalen Rabbinerverein-igung (1912). Eine Verständigung - zwischen den beiden Religionssystemen ist unmöglich weil die Orthodoxie die schriftliche und mündliehe Lehre als göttlich gegebene Normen ansieht, das liberale Judentum aber den geschichtlichen Entwicklungsgedanken vertritt. Schriften über Narllu Luther Erich Vogelfang: „Luthers Kampf gegen vie Iuven." I. E. B. Mohr, Tübingen 19:;.'!. — HanS Schmivt: „Luther und das Buch der Psalmen." I. C. B. Mohr, Tübingen 1933. Anläßlich des 460. Geburtstages Martin Luthers sind im Berlag von I. C. B. Mohr (Tübingen) zwei Arbeiten erschienen, die auch uns angehen. Lic. Erich Vogelfang, Privatdozent an der Universität Königsberg. tvirbt in seiner Schrift: „Luthers Kampf gegen die Juden", die er dem ersten deutschen evangelischen Rcichsbischof L u d w i g Ai ü l l e r zneignet, um ein -neues Verständnis der Stellungnahme Luthers zttr Judenfrage. Er wendet sich mit leidenschaftlichen Worten gegen die von dem Königsbergcr Rabbiner Re in hold Lew in, dem wohl besten Kemter dieser Materie, itt seiner 1911 erschienenen Schrift „Luthers Stellungzu den Inden" vortretene These, daß der Reformator erst nach Scheitern seiner Missionsabsichten mit den Inden zu deren erbittertet; Gegner getvorden sei. Davon könne keine Rede sein, und man müsse sich mir wundert:, daß diese rabbinische Ansicht sowohl in der katholischen tvie itt der evangelischen Theologie so viel Aiiklang gefmtden habe. In Wirklichkeit sei sich Luther in feiner Meinung über die Inden stets gleich geblieben. Er betrachte sie intnter mir unter dein Gesichtspunkt der utwerständlichen Selbst- Verfluchung, deren sie sich dttrch Ablehnung des int netten . Bnttd gestifteten Heils schuldig" gemacht hätteit. Bei dieser Berblendnttg müßten dämonische und teuflische Mächte, die in" der Judeuhcit sich auswirken, mit am Werk' sein, eilte Eittsicht, mit der die liberalistische Vermmstreligiou ttichls habe aitfangen können, die aber heutiger theologischer Betrachtungsweise wieder etwas Tiefes besagen müsse. Luther dürfe daher vott' eittettt vom Religiöscn -losgelösten.oberflächlichen Atttisemitisntns nie als Kronzeuge in Anspruch gettontnten tverdett. Im Hinblick atif eilte vertiefte Schatt aber köitne er der heutigen Zeit ein ausschlaggebender Führer im-Grundsätzlichen der Judensrage sein. Die in der Bergogentnärtigting der Ltttherischen -Denkweise sehr treffsicher abgesaßte Schrift übersieht doch wohl die agitatorische Absicht, die Luther mit feiner ursprünglich judettsretiudlichen Stellungnahme in seinem Kampf gegeit die bisherigen Gewalten der katholhchcn Welt verband. Sie geht tu der an den Reformator gerichteten Fragestellmtg auch oft zu weit. indem sie die Problematik unserer Tage unvermittelt an ihtt heranbringt uttd anderseits feilte unter ganz anderen Boraussetzungen gegebenen Anweisungen für unsere Zeit gelten lassen will. Biel abgeklärter im Urteil wirkt die Arbeit des Hallenser Professors H a n ü S ch itt i b t: „L tt 11) c t u n d das B u ch der P s a l nt c n." Es wird an Hand von sorgfältig zusammengetragenen Beispielen gezeigt, tote das Bibel- Verständnis Luthers und die Ausbildung seines eigeiten religiösen Staudpuultes durch die Beschästiguug mit der geistigen Welt der Psalmen sich langsam herauskrislalUstert hat. Tie entscheidenden Phasen seiner Selbstbefreinng ans den Fesseln mittelalterlicher allegorischer Bibelbetrachtung werden unter Zugrundelegung der Borlesungen und der Anmerkungen in den von ihm benutzten Bibeltextcn ausgcdeckt. Dabei stellt es Mischet. Wtutbm- M Mch In Mm Am 9. Februar 1984 hat der bayerische Staats, minister für Unterricht und Ktlltus die Bildung eines Jüdischen Kulturbundes in Bayern nehmigt. Alle Veranstaltungen und Darbietungen bleiben auf den Kreis der Gemeindemitglieder be. schränkt; jede Art von Politik ist von den Per. anstaltungen streng fernzuhalten, ihre Anküttdi. guttg darf mtr in jüdischen.Blättern erfolgen. Ter Jüdische Kulturbnnd in Bayern ist nicht als Besucherorganisation —' wie er es ettva in der Reichs- Hauptstadt ist — gedacht. Träger des Kulturbundes sind hier vielmehr der „Verband Bayerischer Jsraelitischcr Gemeindcu" und die einzelnen Gemeinden selbst. In drei Fachabteilungeit sollen die geistigen und künstlerischen W-erte dargcboten werden: in der ersten tverden sich Vorträge und Arbeit?, gememsehaften mit Fragen religiöser, rein tvissenschaftlicher und künstlerischer Natur befassen. Die Abteilung „Musik und Theater" will Konzerte, womöglich einzelne Schauspiel- und. Opernaiif. führungen und die Bildung von Orchester- und Echorgruppeu durchführen und die dritte Abteilung „Bildende Kunst" soll Attsstellungen, Führungen und Atelierbesnche veraustalten und die Verminlung von Aufträgen überttehmen. Dem. Vorstand des Bayerischen Kulturbundes gehören an: Konsul Justizrat Rechtsanwalt Dr. Fritz B a l l i n (München), als Vorsitzender. Recytsanivalt Dr. Hans Taub (München) uttd Dr. Alfred Fr ü u k c l (München). Kapellmeister Erich E r ck (München) wurde zum Geschäftsführer ernatmt. IIh. Konsul Justizrat Dr. Ballin sich heraus, das; die Annahme Franz Rosenz w e i g s („Die Schrift und Luther", 1926), für das Uebersetzungswerk sei vor allem der Rückblick auf die lateinische Bibel, die Vulgata, maßgebend getvefeu. einer Richtigstellung bc> varf. In überzeugender Weise wird ncichgetvieseu. tote tveder das lateinische Wort noch die älteren deutschen Uebersetzungen für die Lutherische Inhalts- und Formgebung ausschlaggebend warcr. wie vielmehr Gehalt und Gestalt des hebräische:: Textes für die letzte Etitscheiduitg. maßgebend blieben. Bon besonderem Interesse ist der Hinweis, das; mit der tieferen Kenntnis der hebräischen Sprache sich von selbst bei Luther das Bedürfnis nach einer der hebräischen Borlage entsprechenden rhythmischen Ilebertragnug der Psalmen ciiistellte. Es darf nach dieser eingehenden llntersuelnmg als ztveifelssrei angesehen tverdett, daß der Dichter L u 11] c r sich am Vorbild der hebräischen Psalmen gebildet und zum fre-gestallenden Künst'er entwickelt hat. Ter Verfasser hat darum reclit getan, ans Vorschlag seiner Freunde seinem Büchlem den Untertitel zu geben, den es verdient: Ein Beitrag zur Frage der Wertung des Alten Testaments. Dr. Hugo Hahn Men). ein Bild bei Dickens, die arme Lady Dedlock, wenn sie von ihrer Tochter Abschied nimmt. Ich durfte nicht mit. Wo ich doch so leidenschaftlich gern Züge sehe, die ins Ausland fahren. Sicher ist es Ausland, ich hörte sie beide von Paß reden und von Sichtvermerk. — Papa hat mir sv komisch Adieu gesagt, so kurz, und nicht ein Wort von Mitbringsel. Wie kann er denn jetzt Muschi allein lassen? Und mich hat er bloß so. gedrückt beim Abschied und nicht wie früher seine Angen zum Spaß ganz tief iir meine gesenkt, damit ich mich in seinen.spiegeln kann!' Papa — kannst du denn aus einmal die Juden nicht mehr leiden? Ich bin doch auch dein Kind! Wenn ich nur wüßte, wer uns Helsen kann?! Muschi hat mir verboten, mit den Mädels in der Schule darüber zu reden. Mein lieber, einziger Papa — ich werde heute abend sehr beten — Oma sagt, man kann auf jeden Fall beten, egal zu welchem Gott. Wenn es ein reines Herz ist. Aber ob meines noch ein reines ist? Tenn ich hasse Elsbeth von Hadra — wegen Untreue! Und Haß ist natürlich sehr schlecht. Aber ich hasse sie doch. 11. Juni. Papa ist noch nicht zurück. Oma sagt, das darf nicht zu einer Tragödie führen.- Dies wäre eins.von den Problemen, bei denen man sich erweisen kann, oder sv ähnlich hat sie gesagt. Ich weiß nicht genau, wie sie das meint. Aber das weiß ich, daß meine Muschi sehr tapfer ist und den ganzen Tag zeichnet, wieder für die alte. Tapetensirma. Wir scheinen wenig Geld zu haben, ltnb Tante Hella hat auch ihre Stellung verloren, sie war bei einem Anwalt, der darf jetzt keine Leute mehr verteidigen. Nun ist sie sortgereist, ich glaube, nach Holland. Niemand will mir das alles erklären. Oma war heute nachmittag so still. Als ich nach den altmodischen dicken Goldketten fragte, hat sie den Kops geschüttelt. Ich bekam sie nicht. Warum nicht? 22. Juni. Gott sei Dank, Papa ist zurück.- Diesmal hat er mich sehr geküßt und hielt meine Sand, fest, als wir ihn abholten. Der Zug kam aus Köln, aber ich glaube, Papa war in Paris. Er sicht elend aus. Müde sieht er ans. Und Muschi tvar gar nicht so vergnügt wie sonst, wenn Papa kam, und er ging auch gleich wieder fort und ist den ganzen Tag unterwegs und kommt nicht zu Tisch' nach Hanse und Nachspeise gibt es längst nicht mehr. 29. Juni. Er hat mich nicht mehr lieb. Er hat mich bestimmt nicht mehr lieb! Und Muschi sieht er kaum an. Wir sind eben Inden und er nicht. Abends geht er allein aus und Muschi steht am Fenster und redet nichts und wartet, wartet ewig. Und wenn er kommt geht er leise in seilt Zimmer. Ich lasse meine Tür offen und horche, ich kann nicht cinschlasen, was soll ich denn nttr tun? 7. Juli. Schulferien, aber wir reisen nicht fort. Muschi arbeitet wie verrückt. Anni Schloß äst jetzt meine „Beste". Sie fährt mit ihren Eltern nach Rügen. Ter Vater ist Maler, Bilder malen ist erlaubt. Ich beneide sie sehr. (Wieder kein reines Herz! Es hat auch gar nichts genützt, das Beten.) Die Synagoge kenne ich gar nicht, Oma wollte mich mitnehmen, irgendwo muß rnan zu Hanfe sein, sagt sie. Muschi geht nirgends hin, Muschi ist doch aber auch fromm. Oma sagt, Güte ist Frömmigkeit, vielleicht? Soll ich heute abend in die Synagoge gehen? 8. Ittli. Ich tvar da. Alles ist so ander?. Die Männer mit Hüten, und ich mußte oben bei den Frauen sitzen. Oma weinte. Die Predigt tvar sehr schön, aber ich habe nicht alles verstanden, ich mußte an Papa denken, immer sind wir also jetzt getrennt, das ist so schrecklich-Der Rabbiner sagte, man soll nicht kleingläubig tverdett. Ich gebe mir gewiß Mühe. Aber es ist alles so traurig. Heute habe ich gehört, wie Papa an Muschis Türe laut gescholten hat. „Das ertrage ich nicht länger, Eva! Dit mußt dich damit absinden 7— schließlich trifft es mich ebenso wie Dich!" Mttschi lies ihm nach, sie sah mich gar nicht. Und dann hielt sie ihn fest und .- konnte nicht reden, nur immer so leise: „Bitte, Stefan. Bitte — Hab — ----- — Papa ging mit ihr ins Zimmer zurück, tuw ich hörte nichts mehr. Aber sie sprachen sehr lange und ans einmal ganz laut, ich hielt mir die Ohren zu, ich kann es tticcht aushalten, wenn sie sich streiten. Es ist, als tveun man mich auseittanderreißt. so weh tut es. '.ueu> Papa und Atuschi — wie ist denn das möep lich, es sind doch meine Eltern! 14. August.. Sv lange habe ich nicht? eitu geschrieben. Konnte nicht. Ich wohnte dei Oma und hatte dies Buch vergessen. J>i me Wohnung sollte ich nicht gehen.-Vt'11’ sind das auserwählte Volk, deshalb lmtin'» wir sv viel leiden. Oma sagt das, aber!>r seufzte dabei. Ich tverde krank vor Ähnsttcht nach Papa, aber ich darf es nicht zeigen. Nämlich es kam so: Papa fuhr-wieder smA diesmal nach Spanien. Die Wohnung nntroc geschlossen, und Muschi zog mit mir zu Onm In Tante Hellas Zimmer. Die Goldlellen sind lättgst verkauft, das wäre mir egal, über wir haben sehr wenig Geld. Atnschi zttteu um ihre Tapetenansträge. Unser Papa wm uns nicht mehr, sagt sie. Aber ich glaube e-- nun einmal nicht. 'Je mehr ich an ihn denke, je weniger glaube ich cs, vielleicht häuiv ganz anders zusammen. Ich muß Vesaicu wissen, morgen tverde ich es erfahren. Ml sterbe vor Gram, wenn er uns nicht meist tvill. Anni Schloß meint, wahrscheinlich ven derben wir ihm die .Karriere. Ich hafte 1Lllt r gemeinen Sätze. Sie meint'es rticht döst. A kennt eben meinen Papa nicht. Papa ist nZ schlechter Mensch — er kann nicht auschnV' ttns lieb zu haben. Er wußte doch, daß Rail ein Jüdin ist. und er hat Oma immer J geehrt und geliebt, wie eine eigene das weiß ich! — Er hat der Pvrtierssrau ge schrieben, sie solle die 'Zimmer sauber mach^ er kommt morgen zurück da werde ich hetm . lich hingehen. Und ich. werde ihn fragen ch-ganz einfach.- . Wenn er uns wirklich ntm ä inehr will — dann komme ich gar nicht -' M. Muschi Zurück — dann weiß ich nicht, »n-. ich tue-

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