Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 8 (22.2.1934)
- Date
- 1934-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i'jji 15 3.193.» Berlin# SS.FeTjfuar 1^3^ XIII. Jahrgang / Nr. 8; Pr©Ss 20’EffeBsnIg entralouo '&■<!l (ft (5 W (5 ij g!>!}• Oft fl gl (O g % | lg j»! g s it ij) ra g Mi A. H. Am 25. Februar ist Heldengedenktag. Am 25. Februar sollte in jedem jüdischen Hause innerhalb der deutschen Grenzen die Zahrzeitlampe brennen. Denn nicht als Angehörige ihrer Familien, als Söhne, satten, Brüder, sielen die jüdischen Kämpfer dcs Weltkrieges, und auch nicht für ihre Familien fielen sie: sie starben für Deutschland und als letzter Ausdruck eines bis in den Tod getreuen Einsseins des deutschen Judentums in seiner Gesamtheit mit Deutschland. Der jungen jüdischen Generation in Leutschland, die von jenen geschichtlichen Togen ans eigenem Erleben ebensowenig weiß wie ihre Altersgenossen überall, soll man immer und immer wieder davon erzählen, wie mon für deutsch-jüdische Wirklichkeit einmal leben und sterben konnte: und inmitten innerjüdischer Auseinandersetzungen über die stärkere Qualität des deutschen Empfindens dieser oder der anderen Gruppe muß ihnen gesagt werden, daß damals die junge Mannschaft des deutschen Judentums, gleich, ob sie im Lager des Centralvereins oder des Zionismus stand, mit gleicher Opserbereitschast und Begeisterung unter den Fahnen stand, kämpfte und fiel. Jüdische Theorie von Distanz und Fremdheit verwehten vor der geschichtlichen Stunde des deutschen Judentums. Es war säst symbolhaft,' daß ein Krieg die.'Deütschhei't '' unserer Gemeinschaft bestätigte, hundert Jahre, nachdem die Freiheitskriege den Weg zu ihr geöffnet, hatten. Es heißt von jüdischer Seite her ungeschichtlich denken, wenn etwa die jetzigen Frontkämpferbestimmungen als ■ Vorgänger einer neuen Emanzipation betrachtet werden. Sie wären es, wenn die Anonymität der jüdischen Leistung für Deutschland mit der Anonymität der jüdischen Berechtigung in Deutschland beantwortet würde: die Kriegsleistung des deutschen Juden als die Kriegsleistung des deutschen Judentums; bie Anerkennung gelte dem deutschen Judentum und nicht dem einzelnen deutschen Juden, der gekämpft hat; keinen Appell mit Verleihung von Auszeichnungen an den und jenen, sondern Anerkennung an die Gesamtheit. Da dem aber nicht so ist,' bedeutet, geschichtlich gesehen, das Frontkämpferprinzip Zubilligung von Abschlagsleistung an einzelne * und damit das Auslaufen der Judenemanzi- . Pation. Aber die Toten sind stark! Die 12 000 jüdischen Kriegstoten schufen ein Recht. Es ist unverjährbar. weil Sterben nur einmal, geschehen, weil der Tod nicht widerrufen werden kann. Wenn es richtig ist, was jetzt immer gesagt wird — und wir glauben, daß es zu-, trifft —, daß der 1. August 1914 der Beginn der nationalen Erneuerung gewesen ist, und daß in den Feuern des Weltkrieges die Funda- ( mente des neuen Deutschland gegründet worden sind, so bauten unsere Zoten und unsere ' überlebenden Kämpfer daran mit. Es wird eine grausame, aber sehr tiefsinnige Uebung berichtet, daß im Altertum und im Mittelalter in die Fundamente von Bauwerken, die der Ewigkeit Trotz bieten sollten, lebende Menschen eingemauert worden seien. So ist unser Leben miteingemauert in die Fundamente des neuen Staates, und nichts kann es daraus entfernen, ohne die Fundamente selbst zu zerstören. Weit über die Welt verstreut liegen die Urblöcke dieser Grundmauern, die Heldengräber. Der Kalk der Champagne und die feuchte Erde Flanderns und Wolhyniens, der Wüstensand Syriens und die Tiefe aller Ozeane bergen die Gebeine unserer toten Helden so unentwirrbar vermischt mit denen ihrer Kampfgefährten, daß kein Rassesorscher die Herkunft der einzelnen Schädel anzugeben vermöchte. 3Iuf diesen Fundamenten ruht unser unverjährbarer Anspruch, als deutsche Juden gleichberechtigte deutsche Bürger sein zu können. Die Jahrzeitlampen am 25. Februar sollen diesen Anspruch bekunden. Heldengedenken. Heldische Lebenshaltung heißt, nach unsichtbaren Gesetzen und unbeirrbar das Dasein führen und gleichzeitig aktiv wirksamsein. HeldischeLebenshaltung istdar- -- um nicht nur im Kriege möglich. Auch der Friede, dem der äußeren Situation gemäße heroische Nahmen des Krieges fehlt, verlangt , seine Helden. Die Epoche der deutschen Judenemanzipation, die wir heute durchleben, .wird eine heroische genannt werden, wenn wir un- " beirrbar in der Haltung, das Gesetz, nach dem wir antreten, vollenden und nicht ausgeben, . was unverlierbares Erlebnis ist. Wir ver- ' trauen auf die Geschichte, die unserem inneren Erleben entsprechend äußere Lebens- und Rechtsformen wieder neu formt. Am 25. Februar gedenken wir mit stolzer Wehmut unserer gefallenen Helden. Unsichtbar X' / Professor Nathan Stein (Karlsruhe)* der Voreiteende da» „Badischen Oberrat» der Israeliten** Zu dem Auf »als Seite 2 apSSBHBHBBBESaBQQBSQBBDEaQBBBBBa reihen.sie sich in die Friedensfront des deutschen Judentums ein, die zerschossenen Flieger und Matrosen, Stoßtruppler und Pioniere, Artilleristen und Tankkämpfer. Sie stellen über zwei' Jahrzehnte wirrnisvoller deutscher'Gegenwart hinweg auch für uns den Kontakt mit heldischem Leben her und lehren uns, stark zu sein., Der der Hauptgeschäftsstelle desCenfral- Vereins des Landesverbandes Gross-Berlin desLandesvorbandes Brandenburg derRedaktion und der Anzeigenabteilung der „C V.-Zoifung" der Juristisch - wirtschaftlichen Beratungsstelle ist edb {vIiSg-S'. J -2 ©Cov© SOöSS ■ Reichsinnenminister Dr. Frick sprach am 15.' Februar bei einer Zusammenkunft, die der Chef des Außenpolitischen Amtes der NSDAP, Alfred Nvsenberg, im Hotel Adlon veranstaltet A ' hat, über den Sinn der nationalsozialistischen v Rassengesetzgebung. Er entwickelte hierbei die auch unseren Lesern aus mehrfachen Aeußerungen des Ministers bekannten Gedanken- , gänge, wie sie zuletzt in'dem grundsätzlichen ' großen Aufsatz in der „Deutschen Juristen- ' Zeitung" (Nr. 1 der „C. V.-Zeitung") sowie in ' dem richtunggebenden Erlaß über die Arier-. - gesetzgebung (Nr. 6 der „C. V.-Zeitung") ihren Ausdruck gesunden hatten. Der Minister führte eingangs aus: „Wer den Sinn der deutschen Revolution von 1933 verstehen will, muß wissen, daß sie ' das Ziel hat: Deutschland den Deutschen ' unter deutscher Führung. Bis zur nativ- ' nalen Erhebung wurden die Träger der nationalsozialistischen Bewegung verfolgt, ’ verfemt und unterdrückt von einem System. das im wesentlichen ein gefügiges Werkzeug in der Hand einer art- und volkssremden Rasse war. Die nationale Revolution ' befreire das deutsche Volk . von diesem art- ' ' fremden Einfluß, der gleichermaßen die . ' deutsche Politik, Kultur, Wirtschaft, Finanz, : Presse. Theater, Film und Rundfunk, die Parteien und das öffentliche Leben in verhängnisvollster Weise beherrschte und lähmte ../' Der Minister bezeichnete sodann als die tragende Idee der nationalsozialistischen Revolution die Sehnsucht des deutschen Volkes, auf allen Gebieten seines völkischen Lebens wieder Herr im eigenen Hause zu sein und wandte sich unter Ausführung der bekannten Ziffern toon; der Beteiligung der Juden an den akademischen und kulturellen Berufen gegen die Ueber-' sremdung wichtiger politischer Aemter und Berufe. Er resümierte: „Die nationale Revolution ist der Durchbruch des Willens, jede Art der äußeren - oder inneren Fremdherrschaft mit legalen Mitteln zu beseitigen." Dr. Frick wies dann darauf hin, daß auch in einer Reihe anderer Staaten die Gesetz-, gebung auf das Rassenproblem Rücksicht nehme und sagte wörtlich: „ES ist also durchaus nichts Neues und Ungewöhnliches, wenn auch das Deutsche Reich stch auf diesem Gebiet gesetzgeberisch betängre. Gegenüber hier und da noch , zutage , tretenden Auffassungen muß ich aber aus- , drücklichfeststellen, daß sich unsere Gesetze in : keiner Werse gegen die jüdische Relrgwns- gemeinschaft,' die Ausübung der jüdischen Religion oder die Freiheit des Mischen . ' Glaubens richten." "; Dr. Frick erwähnte weiter die in dem Auf-; fatz „Wanderungsbewegungen der Nachkriegs. - zeit" weiter unten ausführlicher behandelten; Aussiedelungsfragen, £ic er mit dem Satz : aöschlbß:. , ' ' '. ' " " '' „Das Deutsche Reich hat niemals eine ' zwangsweise Aussiedelung der -Juden gewünscht." - Der Minister besprach sodann die Voraussetzungen und die Gesichtspunkte, die zu dem bekannten 8 3 des Gesetzes zur Wrederherstellüng des Berufsbeamtentums geführt haben, um die ausdrückliche Erwähnung der jüdischen . Rasse folgendermaßen zu begründen: „Da bisher in Deutschland den weitaus ■ größten Teil nichtarischer Beamter die Juden gestellt haben, weist aus sie die erste Durch-' führungsverordnung zum Gesetz besonders hin und erklärt als Nicl'tarier insbesondere jene, die der jüdischen Rasse angehören." , Neben diesen Maßnahmen sieht der Minister auch noch die positive Aufgabe der Mehrung, Hebung und.Förderung der rassischen' Eigenart des deutschen Volkes als Aufgabe der Nassengesetzgebung. Zum Schluß seiner Ausführungen setzte sich Dr. Frick mit der Kritik an der deutschen Ariergesetzgebung auseinander und betonte zunächst, daß mail in dem Rechtsstaat Deutsch, land nur den gesetzlichen Weg als möglich angesehen und betreten habe: „Daß Deutschland nicht das Judentum wahllos treffen, sondern nur seine Aus- , wüchse beseitigen wollte, geht schon daraus .hervor, daß das Gesetz vom 7. April 1933 , .die nichtari schen Beamten unbehindert ließ,!die schon vor dem 1. August 1914 Beamte .gewesen sinh'... .7 „Noch stärkeren Anfeindungen sind wir ' 'deshalb ausgesetzt, weil die Gedanken des 'Arierparagraphen auch über die unmittel- ' bare Sphäre des Staates hinaus auf kulturelle Gebiete'und auf die freie Wirtschaft- ' übergegriffen haben. Spielte, bei den von : mir bisher erwähnten Gesetzen und Verord- ' nungen ein starkes öffentliches Interesse an ' der Ausschaltung nichtarischer Einflüsse mit, so schießt es doch über das Ziel hinaus, wenn, wie es manchmal geschehen ist, die ' Grundsätze des 8 3 wähl- und kritiklos auf Gebiete übertragen werden, für die sie nicht bestimmt sind. In zahlreichen Fällen sind solche Fehlgriffe bereits durch die zuständigen . ' Behörden richtiggestellt worden. Die deutsche Rassengesetzgebung will kein , Urteil fällen über die Güte und den Wert - , anderer Völker und anderer Nassen. Unser - Führer sagt darüber selbst in seinem Werke> „Mein Kampf": .Es ist ein müßiges Beginnen, darüber zu streiten, welche Nasse oder Nässen die ur- , sprünglichen Träger der menschlichen Kultur waren ittib damit die wirklichen Begründer ' dessen, was wir mit dem Worte Menschheit alles umfassen.' Aber wir Deutschen möchtenmeinen, daß auch andere stolze Völker auf, dem-, gleichen Standpunktstehen und grundsätzlich ° ebenso Wert darauf legen, ihre rassische Zu- - sammensetzung möglichst unverfälscht und unvermischt zu erhalten." : i; > Reichsinnenminister Dr. Frick hat, wie angeführt, auch auf den bedeutsamen'Wanderungsvorgang hingewiesen, der sich auf Grund her Lausanner Konvention vom,30. Januar 1923 zwischen Griechenland und der Türkei entwickelte. Da der erwähnte Vorgang vonhohem Interesse ist, veröffentlichen wir die Geschichte des griechisch-türkischen BevölkerungsauStausches als ersten Beitrag unserer angekündigten Serie: Man vergißt leicht, daß die letzten. Jahr- Zehnte, die Kriegszeit und die Nachkriegszeit, internationale Wanderungsbcwcgungen enthalten, die weit über das hinausgehen. was frühere Jahrhunderte in dieser Hinsicht be-' deutet haben. Man wird später einmal rückblickend den Beginn des 20. Jahrhunderts als eine ausgesprochene Epoche einer Völker-. Wanderung ansehen. können. Mit dem Mangel an Abstand, den wir von den Dingen haben, sind diese Tatsachen.uns wenig bekannt, und erst die stärkere Eigenbeschäftigung mit den Fragen macht die über das Augenblickliche hinausgehenden geschichtlichen Ereignisse deutlich. Es sollen im folgenden RßSN einige dieser Wanderungsbewegungen der Nachkriegszeit dargestellt werden, mit be-, svnderer Betonung der wirtschaftlichen' und finanziellen Seite und der internationalen. Hilfeleistung, die bei den zwangsweise ein-' getretenen Wohnsitzverschieoungen ' geleistet, wurde. Dsr grSschLsch-SürMche ,. DSÄMsrrMgssmsksZAsch ■- . Der griechisch-türkische Krieg von 1921/22. der in gewissem Sinne eine Fortsetzung der Balkankriege und des Weltkrieges gewesen'ist, 'wurde in Deutschland, das die Jnflations-