Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 7 (15.2.1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Dos NM Msranun des Derbandes -er jüdischen Zugendmrine DenWands *Ksk&$( In Nr. 2 der „Seite der Jugend' ist die Entschließung zum Abdruck gebracht worden, die der „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" bei einer Führertagung am 7. Januar b. Js. gefaßt batte. Wir haben unseren feit lange,u in der Verbandsarbcit ftibrenden Freund Friß Schwarzs child gebeten, die gedankliche Grundlegung der Entschließung in unserem Blatte vorzunehmen. Der Aufsatz, den wir hiermit veröffentlichen, stellt lediglich die autoritative Ansicht des Verbandes dar, mit der die Auseinandersetzung aus der „Seite der Jugend' beabsichtigt ist. Die Schriftlcitung. Das Jahr der deutschen Wandlung ist auch uns zunt Schicksal geworden. Je enger wir dem deutschen Leben verbunden sind, desto wuchtiger traf uns die Macht der Geschehnisse. Bor dem uncrahnt Neuen und Einmaligen, das über uns gekommen ist, versagen die Formeln, mit denen wir das Alte vielleicht noch zn bewältigen vermochten. Um so problematischer muten nns heute die Erllärimgen gewisser opportunistischer deutsch-jüdischer Kreise an, in denen die unerschütterliche Stabilität ihrer einer vergangenen Epoche entstammenden Leitgedanken .darzutun versucht wird. Tiefe fruchtlosen und gefährlichen (weil illusionistischen) Bemühungen, der neuen Situation mit alten Parolen beizukommen und ihre Unsicherheit ideologisch zu verdecken, fiub uns zwar als tragischer Ausdruck einer alten Generation verständlich, aber die jüdische Jugend, die die Verpflichtung spürt, ans der Notwendigkeit der Gegenwart sich und der Gemeinschaft eine sinnvolle und lebenswerte Zukunft zu bauen, — sie hat allen Grund, diese so sichtbar unbewährte Haltung der jüdischen Wirklichkeit gegenüber anznzweiseln, wenn sie Anspruch ans Gültigkeit in dieser Zeit erhebt. Nur aus der Erschütterung der Gegenwart, wenn überhaupt, kann uuü die Kraft erwachsen, die neue Stabilität einer inneren Wahrhaftigkeit zu erreichen. Deshalb soll die jüdische Jugend in Deutschland den Blut finden, die Wirklichkeit anzuerkennen und sich danach einzurichten, — deshalb audj soll und muh sie Ideologien von gestern, auch wenn sie in die Terminologien von heute gekleidet sind, verwerfen, weil sie an der Härte der Wirklichkeit zerschellen müssen. Nur die Ideologie darf uns leiten, die der Realität standhält und auf ihre unerbittlichen Fragen befriedigende Antwort gibt. Das deutsche Wollen hat sich uns gegenüber in aller Klarheit abgegrenzt, indem mau sich deutlich unsere fernere Mitwirkung verbat. Ties traf uns um so härter, weil wir in deutscher Heimat und Kultur leben. So schwer es für uns als Individuen ist, diesen Schlag zu verwinden, wir haben als Gemeinschaft, und besonders als Jugendgemeinschaft, die Pflicht, dieses Schicksal auf uns zu nehmen und ihm stolz und aufrecht zu begegnen. Dieser Stolz verbietet uns, uns aufzudrängen. Deshalb müssen wir endlich aufhören. von unserer deutschen Aufgabe zu reden, die uns niemand gestellt hat. Unser inneres Anrecht auf unsere Heimat bleibt unberührt bestehen, weil sie in unserem Herzen lebt und weil wir ihr durch Opfer und Leistung verbunden sind. So haben Gegenwart und Geschichte den Ausgangspunkt der Arbeit unseres Aerbandes fixiert. Aus der von vielen unbezweifelten Sicherheit unseres Lebens und unseres Erlebens der deutscher! Probleme heraus sind wir jetzt ans uns selbst gestellt worden. Das Galnth - Erlebni s ist über uns gekommen. Wir lassen uns dabei nicht in den ideologischen Streit ein, ob Galuth „Verbannung" oder „Zerstreuung", ob es ein zu Bejahendes oder ein zn Ueberwindendes sei. Für uns ist „Galnth-Erlebnis" das Erlebnis der Selbstbegegnung, ein Erinnern, Wiedereinmünden in unsere ureigene jüdische Geschichte. Dieses Erlebnis der Selbstbegegnuug rvird, rvenn wir es rational gestalten. S el b st b ew n ß t - sein. Wir erkennen wieder die Kontinuität mit dem Erleben der Aäter, und die schicksalhaste Unruhe ihres Daseins hat auch uns erfaßt. Wir müssen wieder in aller Schlichtheit, ohne Illusionen und ohne romantische Wunschvorstellungen, um unseren geistigen und materiellen Lebensraurn kämpfen, in dem sich unser sozialer Urnbruch vollzieht. Wir jüdische Jugend in Deutschland, die wir für viele von uns die Lösung unserer Lebensfragen in unserer deutschen Heirnat suchen, erblicken in der Galuth nicht einen Zustand, sondern eine Aufgab e: die Ausgabe, hier eine jüdische Lebensform zu finden, die überall sich Gültigkeit erwirbt. Wir wollen den Menschen, der, wo immer er lebt, in seinem ganzen Wesen zutiefst wieder jüdisch verankert ist, und der aus der Fülle seiner jüdischen Substanz heraus, unabhängig von den Entwicklungen der Umwelt, nicht mehr so schmerzlichen! Zwiespalt ansgesetzt ist, wie ihn das deutsche Judentum in dieser Zeit erleben mußte. Unsere gesamtjüdische Haltung, jenes Streben, uns in die gesamtjüdische Kontinuität einzureihen, gibt uns die Kraft, an die uns gestellte Ausgabe heranzugehen. Ja, wir sehen gerade durch diese Ausgabe in unserem Verband neue Bewegung, die in neuen Arbeitskreisen unserer jungen Menschen ihren Niederschlag findet. Diese Bewegung ist gekennzeichnet durch den Anspruch eines schöpferischen Judentums, den!vir selbst, ansgehend von den alten Formen unseres Gemeinschaftslebens, an uns gestellt haben. Deshalb lehrten wir uns ab von den veralteten Frontstellungen, die nur Sektoren, aber nicht die Einheit jüdischen Schicksals sehen. Nur aus dieser Einheit aber ist dieses Schicksal zu meistern. Unser Raum ist die jüdische Schicksalsgemeinschast. Wenn sie heute in Erez Israel, dem Zentrum einer neuen jüdischen Wirklichkeit, lebendigste Form findet, so entspricht es unserer gesamtjüdischen Haltung, daß wir in solcher Gestaltwerdung eine Hoffnung erblicken und daher allen Lebensäußerungen, die von dorther zn nns dringen, und die dorthin zielen, aufgeschlossen sind. Wir wissen, daß diejenigen unserer Menschen, die nach Palästina gehen, eine jüdische Lebensform vorfinden, in die sie eingeschinolzen werden. Für diejenigen. von uns, die nicht nach Palästina gehen, ist d i e s e j ü d i s ch e Lebensform hier neu zn erarbeii c n ii n b 3 li gestalt c n. Dies ist unsere Aufgabe. Und m dieser Aufgabe unterscheiden wir uus von den zionistischen Bünden. Denn wir wollen in der Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer fruchtbaren Wechselwirkung zwischen Erez und Galuth, denjenigen unserer Menschen ein vollbewußtes Judentum verbürgen, die hier in Deutschland leben wollen oder deren Schicksal sie in die Welt verschlägt. So sehen wir unsere jüdische Aufgabe, wie sie uus vou der Wirklichkeit gestellt ist. Es gibt zu ihrer Losung für die jüdische Jugend in Deutschland nur eine Haltung. die den Nt u t z u r W i r k l i ch k e i t, den' Ntutzttnt kla rc n jü d i sch en Beken ntii i s und den M nt zu e i n e r s ch ö p f c - rischen A ufgabe in unserem gegenwärtigen Lebensraum besitzt. Wer in den Gruppen der jüdischen Jugend diesen Atut hat und wer Kraft und Leistung zu dieser Ausgabe mitbringt, ist uns als Weggenosse willkommen. Es ist unsere feste Ueberzeugung, daß sachlich jüdischer Jugend in Deutschland keine anderen Ausgaben gestellt sein können, als die, an deren Beivältignng unser Verband mit neuer Kraft und in aller Entschiedenheit arbeitet. Aus den einzelnen Arbeitsgruppen unseres Verbandes ist eine neue Arbeitsform heransgewachsen, die der Verband selbst nunmehr zum organisatorischen Grundsatz für die einzelnen Gruppen erhebt. Damit wird die Grundlage geschaffen, mit die Vereine in eine b ü n d i s ch e Form zu bringen, die persönliche Aktivität in unserer jüdischen Arbeit von jedem Bundesmitglied fordert und die Verpflichtung zur sozialen Verantwortung der gesamten persönlichen Lebensführung jedes einzelnen' unserer Menschen verbürgt. Damit tritt an die Stelle einer losen Vereinsform die straffe Bindung an die gemeinsamen Grundsätze unserer Arbeit, so daß wir von einer starken Intensivierung unserer persönlichen und bünbischen Arbeit berichten können. Unser Verband ist auf dem Wege zu einem Bund junger Juden, der die jüdische Jugendarbeit in Deutschland entscheidend mitzubestimmen berufen ist. Wir glauben, daß wir in dem Jahre, in dem wir auf eine fünsundzwanzigjährige Arbeit zurückblicken können, keine bessere Bestätigung unseres Wollens und unserer Leistung finden können: Wir sind an der Arbeit. Fritz Schwarzschild. Die „Seite der Jugend" fällt aus technischen Gründen Diesmal ans. Deutsch'füdische Jugend gedenkt de» Dichters Jakob Wassermann. Am Sonntag, dem U. Februar, fand sich in der Aula der Jüdischen Mittelschule zu Berlin die Aeltercnschaft des Bundes deutsch-jüdischer Jugend zu. sammen, mn in einer stillen Feierstunde das An. denken des kürzlich gestorbenen Dichters Jakob Wassermann zu ehren. Der Abend, der von Musilvvrträgen von Heinz S chnccmn nn umrahmt wurde (er spielte „marche funehre aus der As-dur- Sonate" und das Largo aus dem Orgelkonzert von Twaldi-Bachll begann mit einleitenden Worten von Hans Gallaudt, der die anwesenden Kameraden aufrief, dem toten Dichter in feinem Ringen nachzueifern. Nach einem stim. mnngSvollen «sprechchor sprach der Geschäfts, führer des Bundes deutsch-jüdischer Jugend, Norbert Wollheiin, über das Leben und WirGi Jakob Wassermanns. Er schilderte die L ,'a Tragik, die datz ganze Leben deS Dichters dur zogen hat, und die auch durch die späte Auers», unng niemals ganz verwischt werden konnte. Aw schließend sprach Heinz Kellermaun Worte aus den Werken des Dichters, insbesondere aus dem „Gänsemämichen", ans Briefen Wassermanns, anä „Niein Weg als Deutscher und Jude", „Tns Leben Caspar Hauser", und aus der Rede, die Wassermann noch kurz vor seinem Tode der Jugend gewidmet hat, und ließ vor der I«. Hörerschaft ergänzend zn den Ausführungen WvllheimS ein lebendiges Bild der Art erstehen, wie Jakob Wassermann seine Stoffe zu meistern versucht hat. Puppenspiel der Knaberrvolksschnlc Berlin, Kaiserstraste. Tie jüdische Knabenvoltsschute in der Kaiserstraße hatte sich kleine Gäste einerwestlichen Schule zn ihrer ersten Puppenspiel- Veranstaltung eingeladon; vom Standpunkt der Lehrenden ans sollen diese Veranstaltungen das Bewußtsein des dramatischen Elementes im Kinde Pflegen und gleichzeitig der Schule einige Pfennige Zufuhren, die für bedürftige Schüler Verwendung finden. — Vor Beginn des Spieles tonnte man durch eine Führung in die wirklichkeits- und lebensnahe Art des Unterrichts Einblick gewinnen, dem die Kinder mit sichtlichem Vergnügen und Eifer folgen. Das Puppenspiel uud^allcs, was dazu gehört, war von Lehrern und schillern selbst geschaffen. Die ewig alte und ewig neue Figur des „Kasperte Larifari" begeisterte, wie immer, die kleinen 'ch,. Hörer, deren Helles Jauchzen und impntsives Mil. spielen der schönste Beifall ist. Man muß diesen Veranstaltungen weiter viel Erfolg wünschen, da durch sie auch in dieser Zeit dem jüdischen Kind das für die Kinder aller Zeiten traditionelle Theater erhalten wird. Erfreuend und rührend in ihrem ernsten Wollen war die kleine Streicher, kapelle, die das Spiel mit kurzen Musikstücken umrahmte; der kleine erste Geiger siel besonders ans. Bemerkenswert waren die Einlagen der drei Bänkelsänger, die in launiger Ausmachung nette Moritaten ans ihrein Echnlleben zu Gehör brach, ten; die aufrichtigen Liebeserklarnnben, die einige Lehrer dabei bekamen, müssen für dies«; eine reine Freude gewesen sein; die Begabung des tempereuwntvollen Jungen, der die Moritaten vortrug, scheint über der? kindlichen Dilettantismus hinaus, zureichen. Es ist ein schönes Gefühl zn wissen, daß Lehrer und Schüler so, wie man hier um bedingt den Eindruck bekommen mußte, in dieser schweren Zeit freudig und kameradschaftlich für eine* Zukunft zusammen arbeiten, ohne daß dadurch Disziplin und Autorität de4 Lehrenden zn kurz kommt. 13. M. Das erste polnische jüdische Wochenblatt in deutscher Sprache. „Jüdische Presse" ist der Name eines Mitte des Monats in Polnisch- Schlesien neu herauskommenden jüdischen Wochenblattes. des einzigen jüdischen Organs in deutscher Sprache in Polen. Herausgeber ist eine nengegründete „Jüdische Berlagdgesellschaft" mit dem Sitz in Bielitz und Kattowist. & ein sac ber den ihr Hw irn rir ha! bects 1 PI ' und Regelmäßige Expreß- Postdampferlinien nach U. S.l. und CANADA Erholungsreisen zur See nach dem Mittelmeer, den Kanarischen Inseln,Westindien,Skandinavien etc. ZWEITE SONDERFAHRT DES RIESENDAMPFERS (47000 tons) von ViSiofmnche (Nizza) nach Haifa Ober Athen — Istanbul — Rhodos AM IS. 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