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Central-Verein-Zeitung · 1934-02-08 · 6 (8.2.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
6 (8.2.1934)
Date
1934-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■m vrs ' ist ba§ ';es beS irgeb. --Bar ,rnMi.cn K Witte, -■fjtapeucjt' Aänner : 05 ii - tochba B tfbcrcirtc fii/rtfmig ^vnig : trist die I Psii-qe vrtarjen tg über, «Jijiöfert .ine Auf- Witung ♦IftUcbcr, i .nt, um v bis 22 ClUs ). Tie!N wird tolle de, /. Berlin ..Westen iinschast Roheit, ist lenden eilende :cht zu Berlin*! " Berlin» 8» Februar 1934 2011. Jahrgang / Kr ^p©I^ 20 jj^-effrals jj IUJ ss! in ipfi Mn Erlaß des KsichsiNnsnMnlfters ds i m Das „Ministerialblatt für die preußische innere Verwaltung"' vom 7. Februar veröffentlicht auf Seite 159 nachstehenden Erlaß zre Ariergesetzgebung, den Reichsinnenminister Dr. Frick „an die Obersten Reichsbehörden, die. Aeichsstatthalter und die Landesregierungen zur Kenntnis und genauesten Beachtung" gerichtet hat. »Zer Reichsminister des Innern. 1 6971/30. 12. Berlin NW 40, 17. Januar 1934. (1) Die deutsche Ariergesetzgebung ist aus völkischen und staatspolitischen Gründen notwendig. Anderseits hat sich die Reichsregiei rung selbst gewisse Grenzen gesteckt, deren Einhaltung gleichfalls erforderlich ist. Die deutsche Ariergesetzgebung würde im Inland und Ausland richtiger beurteilt werden, wenn diese . Grenzen überall beachtet würden. Insbesondere ist es nicht angebracht, ja sogar bedenklich, wenn die Grundsätze des § 3 BBG, des sogenannten „Arierparagraphen* (der das Vorbild für zahlreiche andere Gesetze und Der» i ordnungen geworden ist), auf Gebiete. ausgedehnt werden, für die sie überhaupt nicht be- . stimmt sind.' : Es gilt dies insbesondere, wiedie ■ pÄnrnalsozialistifche. Regierung - immer Wieder erklärt hat. van der freien Wirtschaft.?Ich bitts daher wikderhalt, derartigen llchergrisfLn rmi aller Entschiedenheit - entgegenzutreten und. auch die unterstellten Behörden nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß sie ihren Maßnahmen und Entscheidungen nur dis geltenden Gesetze zugrunde Zu legen haben. Die Behörden müssen einerseits, wenn nach den zurzeit maßgebenden Bestimmungen die Voraussetzungen für die Vornahme einer Amtshandlung (z. B. Eheschließung oder polizeiliche Schutzmaßnahme) erfüllt sind, diese ohne Verzug vornehmen, anderseits unzu¬ ZHMchsr Slelchml Dieser Tage hat mir ein englischer Jude, der mich vor feiner Rückkehr in die Heimat besuchte, gesagt: Mir ist während meines Aufenthaltes m Deutschland nichts so sehr ausgefallen als die Aeußerung mancher deutscher Juden: ..Es wird säM werden". Mit einem fast möchte man sagen, sorglosen Gleichmut wird mit einem kleinen Satz das Vorhandensein akuter Probleme für unsere Gemeinschaft geleugnet. Man findet sich darin und möchte von den Sorgen der anderen unbehelligt bleiben. .Es wrrd schon werden! Menschen können daS Schicksal doch nicht zu ihren Gunsten korrigieren!" Ist das jüdisch empfunden? Heinrich Herne, der mit besonderer Liebe in der Tora las, hat mit der ganzen ihm eigenen Leidenscl-aft jenen Typ des. Sklaven einen unverbesserlichen Lumpen genannt, von dem das Torastück dieser Woche lehrt. Wie kann einem Wesen, das Menschenantütz trägt, eine so niedrige Knechtesseele inncwohnen, daß er auf die Freiheit verzichtet? In jedem Menschen tft der elementare Wille zur Unabhängigkeit und zum Freisein verwurzelt. Nur der Sklave darf nicht über sein Leben bestimmen; der Freie aber sucht, sich Geltung in seinem Lebensraum zu verschaffen. Und wer sie erlangen will, muß warten Mtt dem lakonischen „Es wird schon werden ist noaj nichts in der Welt je geschaffen oder gebessert worden. Der antike Sklave, der auf seine Freilassung im siebenten Jahre verzichtet, ersteht in dem wieder, der sich durch den Hinweis auf das ein für allemal unabänderliche Schicksal in schwerer Zeit der Pflrcht ^t. Ziehen möchte. an. seinem Leben und an dem Schicksal seiner Gemeinschaft mitzuwirken. Es Qtbl ntA - dregigeres als das Mort vom 1aiss2z- Passer, das jeder lkerantwortung eniheot. . Unser Jub-rrkum hat es unS anders gelehrt. Mer.spricht: M wird schon werden und dcoei stchenbleiüt. weil er meint. sein S^chal w^^ bestimmen zu Dänen, ist kein Jude. «0^«^ Sum Untergang, der Dille zur - Cchtckfal wirtz lässige, durch Gesch oder Verordnung nicht erlaubte Einwirkungen auf wirtschaftliche Unternehmungen, Verbände usw. unterlassen. Eine Aufhebung, Aenderung oder Ausdehnung geltender Reichsgesetze steht nach Maßgabe des Ermächtigungsgesetzes nur der Reichsregierung selbst zu, nicht aber den diese Gesetze ausführenden Organen. Diese haben vielmehr die Gesetze solange anzuwenden, als sie in Geltung sind, und dürfen sich mit ihnen auch dann nicht in Widerspruch setzen, wenn sie vielleicht nationalsozialistischen Aussasiungen nicht voll zu entsprechen scheinen/ Der preußische Minister des Innern gibt diesen Erlaß unter I 6 1/7 an die Nachgeordneten Behörden, die Gemeinden und Gemeindeverbände. . Der im Erlaß zitierte § 3 des Berufsbeamtengesetzes lautet: „Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, find in den Ruhestand (§§ 8 ss.) zu versetzen; fo-. weit eS sich um Ehrenbeamte bandelt, find sie aus dem Amtsverhältnis zu entlassen. Absatz 1 gilt nicht für Beamte, die bereits seit dem 1. August 1914 Beamte gewesen sind oder die im Weltkrieg an der Front für das Deutsche Reich oder für seine Verbündeten gekämpft haben oder deren Väter oder Söhne im Weltkrieg gefallen sind. Weitere Ausnahmen können der Reichsminister des Innern im Einvernehmen mit dem zuständigen Fachminister oder die obersten Landesbehörden für Beamte im- Ausland zulassen/ (RGBl. 1933. I. S. 175.) Das heißt also, daß weder Arierparagraph noch Frontprinzip in der Wirtschaft Anwendung finden sollen. Mt diesem Erlaß ist den wiederholten bedeutsamen Aeußerungen des Reichsinnenministers Dr. Frick, die insbesondere auch in dem von uns in der ersten Nummer unserer Zeitung dieses Jahres ausführlich zitierten Aussatz aus der „Deutschen Juristen-Zeitung* zusammenfassende Begründung und Darstellung gesunden hatten, der formell abschließende osfi- ■ zielle Akt gefolgt. Alte Synagoge und Rothaehild-Hatm in Frankfurt am Main SQaQBQQBISQSBBBSQQBQSSaBQB , ' Nachstehende Kurven zeigM die im^rsr. syWgende Inanspruchnahme der JurjstiMWir^. fchafllichen Beratungsstelle des CentralvereinZ in Berlins Die Wirkung dieser, aus die Existenz-' sicherung.der deutschen Juden zielenden Arbeit spiegelt sich in täglich eintreffenden, Dank- ' bxiefen, von denen wir einige kleine Beispiele hier wiedergeben. . 4500 4400 4300 4200 4100 4000 3900 3800 3700 3600 3500 3400 3300 3200 3100 3000 2900 2800 2700 2600 2500 2400 2300 2200 2100 . 2000 / .. / > / y y - s 4 / l U **' / S / c ' JL. 1. Oktober 1933 1. November 1933 1. Dezember 1933 1. Januar 1934 1. Februar 1934 — Anzahl der elngegangenen Briefe ln 1000 >» Anzahl der Besucher ln 100 t, Es ist ein schönes Gefühl, wenn man in so schwerer Zeit Menschen weist, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Für mich und die Meinigen waren Sie diese Menschen, die sich , UTKerer in der prekären Lage, in der wir uns befanden, in so'hilfsbereiter Weise immer wieder angenommen haben. Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen dies zu zagen.' Seien Sie dessen -gewiss, dass^wir Ihre hochherzige Anteilnahme -h-z&Eczffi tästdeni - Mit diesem D.cn!^ den ich hierdurch nochmals auch im Namen meinet Frau und meiner drei Kinder ausspreche, trage, ich nur einen Bruchteil meiner Schuld ab, in der ich mich Ihnen gegenüber befinde..H• F* ».. . . Durch Ihr Verständnis, durch das Einfühlen in meine Lage haben Sie mich dem Leben wiedergegeben . . F. R. ... . . Sie waren und sind die einzigen Menschen, die mir geholfen haben K., Die Idee der Synthese wird in diesem, Aussatze von einem russischen Juden in ihrer umfassenden Bedeutung darzu- . stellen versucht. , Ter Verfasser hat ferne Heimat verlassen müssen, weil sie ihmkeinen Lebensraum mehr bot. Llber unberührt durch dieses Erlebnis bejaht er die tragende Idee seines Daseins, die er in sich bewahr-- ' heitet fühlt. Unsere Leser werden die Nüan- " cierung gegenüber unserer spezifischen Aussassung selbst heraussühlen, ohne daß eH , leweils einer Anmerkung bedarf.. - -.«Zwei- Seelen wohnen — ach — in meiner. Brust „ . / Die eine will aber nicht (kann e8' auch nicht) sich von der anderen trennen» "Und darin liegt die Tragödie des modernen Juden, des europäischen Juden 'insbesondere Die eine Seele ist die jüdische, tausendjahralte/ die andere — die Seele der Kultur, des Volkes, der Landschaft, mit denen der moderne Jude seit Jahrhunderten, zuweilen seit Jahrtausenden verwachsen ist: die jüdische und die deutsche Seele, oder die jüdische und die, russische, polnische . . , Eine neue Zusammensetzung — die jüdische und die amerikanische Seele — wird jenseits des Ozeans gebildet; eine alte Synthese zwischen der jüdischen und der spanischen Seele lebt sonderbarerweise noch immer fort. Es sind ungefähr vierundeinhalb Jahrhunderte verflossen, seitdem diese Zusammengehörigkeit in Wirklichkeit aufgelöst worden ist, seitdem die spanische Sonne, die spanische Umwelt, - die spanische Sprache ausgehört haben, unmittelbar auf den Juden einzuwirken, der doch aus der pyrenäischen Halbinsel Vertrieben worden ist, —1 und dennoch lebt die alte Heimat bis auf den heutigen Tag in seinen Synagogen, seinem Familienleben, seinen Traditionen, seiner Sprache fort; und nach Jahrhunderten unter-' scheidet sich der ehemals spanische Jude von den anderen, mit denen er — zumal auch in einer und derselben Stadt — lebt; lebt, itt: seinem verblassenden, in einem gewissen Gradei aber immer noch lebendigen Zweiseelentum.i Und ähnliches gilt — oder wenigstens galt —^ von Juden, die in vergangenen Jahrhundert ten aus Deutschland Vertrieben oder geflohen waren: das Jiddisch .und die traditionelle- Deutschfreundlichkeit blieben im Osten säkut läres Zeugnis von .früherer Zusammen^ gehörigkeit, von dem einmal geborenen Zwei» seelentum. Die Vertreibung aus Spanien unk die Schrecknisse der Kreuzzüge konnten die alte Zusammengehörigkeit ' nicht vertilgen. Es werden vielleicht manche an der Echtheit der einen, andere wiederum an der Echtheit der zweiten Seele zweifeln; manche werden vielleicht im Zweiseelentum List und. Verstellung sehen wollen; andere wiederum werden-gegen die jüdische Zwiespältigkeit und Widerstandslosigkeit gegen fremde Einslüsie wettern . .« ■ Meinungen können auseinandergehen, dis Tatsache aber ist da, bezeugt durch objektive Gebilde der Geschichte, bestätigt durch Gefühle unseres subjektiven Erlebens. Ob gut oder schlecht, ob nützlich oder schädlich, ob erhaben oder minderwertig — alle diese Fragen kom- - - nren erst. später an die Reihe. Zunächst muß

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