Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 5 (1.2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Daß aus solchen Zahlen keine ernsthaften Schlüsse über Moralität und Jmmoralität gezogen werden können, sollte eigentlich keiner Erörterung mehr bedürfen. Berücksichtigt man aber bei diesem Nechenexempel, wie dies natürlich bei einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise notwendig ist. die soziale Gliederung der Juden, so zeigt sich, daß auch rechnerisch ihre Beteiligung am Wucherdelikt nicht erheblich über die Zahl hinausgeht, die auf Grund ihrer sozialen Zusammensetzung zu erwarten wäre, und was will es im übrigen beweisen, wenn man feststellen kann, daß im Durchschnitt der Jahre 2 bis 3 Juden mehr wegen Wuchers verurteilt worden sind als ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprechen würde? Es würde zu weit führen, auf die Schlüsse einzugehen, die er daraus zieht, daß in den erwähnten Jahren die Juden auch wegen Tierseuchenvergehens, Konkursvergehens und Bankrotts prozentual in höherem Maße verurteilt worden sind als ihre Umgebung. Das Tierseuchcnvergehen ist ein spezifisches Delikt des Viehhandels. Die Zahl der jüdischen Verurteilten hat im Durchschnitt der Jahre 1915 mit 1917 135 Personen betragen. Die Zahl der Konkursvcrgeheu betrug 2 Personen. Die-Zahl des betrügerischen Bankrotts war ebensogroß, und wegen einfachen Bankrotts sind im Durchschnitt der Jahre 1915 bis 1917 24 Juden verurteilt worden. Daß das prozentuale Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden sich gerade in den Kriegsjahren etwas zu Ungunsten der Juden gegenüber den Vorjahren geändert hat. hängt zweifellos auch damit zusammen, daß gerade die Juden der alteren Altersklassen — weil sie nicht gedient hatten bzw. keine Reserveoffiziere tvaren — sich mehr in der Heimat befanden als die gleichen Mersklassen der Andersgläubigen. Im übrigen können derartige geringfügige Zahlen, bei denen jede einzelne Verurteilung mehr oder tvenigcr schon den Prozentsatz erheblich verschiebt, bei einer ernsthaften Betrachtungsweise nicht herangczogen werden. Sänger kennen, der an die größten italienischen Vorbilder erinnert; seine umfangreiche Tenor, stimme verbindet zarteste Leichtigleit mit einer fetten gehörten Klangfülle. Leine eigenen Kompost, tionen „Akawio den Mahallalel" und „Ribauncm schel aulom", sowie die wundervolle Volksweise des „Duddeke" gehören zu den Höhepunkten seiner Leistung. Tie Brüder Fleischmann sangen vorzüglich aufeinander abgestimmt ein Duett aus „Elias" und mit I. Alter in vollendeter Klangschönheit ein Terzett von Lewandowskh. Es bleibt besonders hervvrzuheben, daß die drei Kantoren neben der Echönheit ihrer stimmen durch ihre anßergewvynliche Stimmkultnr und ihre seltene Musikalität Darbietungen brachten, die weit über den Rahmen der üblichen Kantoreulcistuugcn hinausgehen und sie jedem Konzertsänger allerersten Ranges an die Seite stellen. Ha . . Auch in Wupsxnllal konzertierten, wie uns ge. schrieben wird, die als „Meistersinger" belaimteu Oberkantoren Israel Alter. Hannover (Tenor). Hermann F l e i s ch m a n n. Köln (Bariton), und Nicolai Namnow Fleisch m a n n. Frankfurt a.At. (Baßbariton) unter Assistenz von Kurt Heine, m a n n, ehem. Kapellmeister an den städtischen Bühnen zu Köln. (Am Flügel und an der Orgel.) Auch hier wurde der Abend zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Das Konzert fand in der Synagoge statt und befriedigte mit seinem dem Gottes- Hause angepaßten Programm alle Hörer. KSNZMZ NNt MrkoiMle in Berlin Das erste Konzert des Berliner Kulturbundchors bewies, daß dieser Ehvr nicht nur als ein Teil des großen Operubetriebcs etwas zu leisten vermag, sondern mit Recht auch als selbständiger, künstlerischer Organismus hewortreten kann. Der Chor besteht erst etwa ein halbes Jahr und ist doch schon zu einer musikalischen Einheit verschmolzen; er Ist nicht groß, umfaßt nur zwanzig Sänger und ergibt doch einen vollen, gesättigten Klang. In diesen Erfolg teilen sich das schöne Stimmenmaterial und der Dirigent Berthold Sander, der cs zu bilden versteht und ossensichtlich ausgezeichnete Arbeit geleistet hat. Ter Chor wird es später zweifellos erreichen, bei allen, auch den längeren Stücken den Ton zu halten und die Ausgangstonart zu wahren. Ehrgeiziges Streben zeichnet die Dortragsfolge ans, die Werke aus drei Jahrhunderten Musikgeschichte bot und sich von der üblichen Vortragsfolge durchschnittlicher Gesangvereine erfreulich sernhielt. Wir hörten alte M vielten. Werke jüdischer Musiker, romantische Atusik und jüdische Volkslieder. Tie letzten fanden ■— bezeichnend für die Wünsche des Pnbllkmns — eine besonders beifällige Ausnahme. Beifall hatte der Rezitator Max 5t v n i u s k i, der zwischen den Chornummern Larocklyrik, Balladen und Gedichte ans der Sturm- und Drangzeit und der Romantik sprach. Jarw! S. Roskin hat einen Chor herangebildet. der neulich and) im Kulturbund sang. Disziplin, Sicl)erhcit im Einsatz und Ausgewogenheit im 5tlang zeitigen ein erfreuliches Gesamtergebnis. Tie weitere Arbeit dürste der Verfeinerung des Viano gelten; dann wird die Wncht der dynamischen Steigerung erhöht. Roskin brachte größtenteils Vertonungen von Bibelterten durch verschiedene Komponisten. So entsteht eine Vortragssolgc, die bei aller Abwechslung doch eine einheitliche Linie wahrt; und daraus kommt viel an. Unter den Solisten seien Julius Pc iss achowi tsch, der mit vornehmer Vortragsart Lieder und Oratorienarien sang, und Toni Türk genannt, deren kräftige Stimme m den Eolostellen dcis Chorganze überstrahlte. Tie instrumentale Grundierung gaben ein Streichquartett und ein Harmonium (Hermann Schwa rtz). die gut zum Vokalklang stimmten; aber in den Sologesängen hätte das Quartett wesentlich diskreter begleiten müssen. L. A. WAElfe Cs ist ein erfreulicher Gedanke des Jüdischen Wohlfahrtsamtes, eine Art geistiger Winterhilfe in Form von Lionzerten, Vortragsabenden und Filmvorführungen den Hilfsbedürftigen der Gemeinde unentgeltlich zulommeu zu lassen. Daß dieser Gedanke Anklang fand, bestätigte der gute Besuch der ersten Veranstaltung in der Neuen Synagoge. Ob- Uw hl das Niveau der Vorträge nicht ganz befriedigte, muß man den .Künstlern für ihre ehrenamtliche Mitwirkung dankbar sein. Das vielgestaltige, ein wenig bunte Programm wurde ein- . geahmt durch zwei Bachsche Orgelwerke, die Ludwig Altmann zu wirkungsvoller Wiedergabe brachte. In den Arien von Händel, Rimsli-Korssakoiv und Arnold Mendelssohn konnte Martha Frost ihre schonen Stimmittel entfalten. Einen starken Eindruck hinterließ auch Lcni Steinb e r g 8 Rezitation von Morgenstern-Gedichten. Tie Violinistin Charlotte Rosen spielte, von Artur Zepke an der Orgel begleitet, zwei Kompvsitionen von Händel und Mattheson und vereinigte sich später mit Helene F r o h n e r (Bratsche) und Gerhard I a r e c k i (.Klavier) zum Vortrag eines Beethoven-Trios. Nach den einzelnen Darbietungen erhoben sich die Zuhörer als Tank von ihren Plätzen, einer Anregung von Herrn GunderSheim folgend, der als Leiter der Abteilung Winterhilse der Jüdischen Gemeinde die Gäste willkommen hieß. E, H. Das Konzert der Jüdischen Altershilfe im Berliner Lvgeirhans, Kleiststraße, war zweifellos einer der bemerkenswertesten Abende, die Berlins Musik, leben m letzter Zeit zu bieten vermochte. Einer der bedeutendsten Liedinterpreten Deutschlands, eine hervorragende Pianistin und ein meisterlick)er Violinvirtuose — das ist fast schon zuviel des Besonderen. Das Programm war geschmackvoll, wenn mau auch gern einmal ein Abweichen von der' stereotypen Gestaltung dieser Abende sehen würde. Hermann Sch eh sang Beethoven und Schubert; sein prachtvoller Bariton war zu mächtig für den kleinen Saal so das; hauptsächlich das Piano zu großartiger Wirkung kam; Sckmberts .Im Frühling" würde so am eindringlichsten wiedergegeben. Ein paar Virtnvsenstückchen zeigten die überaus seine Bvgenführnng Stephan Frenkels, in einer reizvollen Cauzonelta des in Deutschland lebenden Russen Lopatnikow toar die Tongebung bestrickend. Hansi Freudberg, die auch durchweg die Begleitung übernommen Ijatto, spielte nachdenklich und klug Schuberts Impromptu B-dur und zwei der köstlichen Memento musieniix, leider ließ der Nicht einwaudfreie Flügel ihr großes Können nicht zu der lctztmoglichen Wirkung kommen. Insgesamt: Es ivar unverständlich, daß der Raum nicht überfüllt war. b. k. Lmilelikonrrri Dr. Fritz Ei.senberg gab, einen Vortragsabeiid, an dem man ihn, vielseitig künstlerisch begatt, in dreierlei Fliicktionen kennen lernte: als Sprecher, als Laiitcnsänger und als Autor besinnlicher Verse über Vergänglichkeit und Lauf des Lebens, immer mit Empfindung für die Form. Ein paar kurze Stellen ans einem Drama „Karl XII. von Schwedeii" erivectten den Wunsch, mehr davon zu hören. Gestalten, ein wenig gebrochen und doch noch von innerer Beschwingtheit getragen,, wie sie ehua Hofmannsthal schuf, liegen Fritz Eiscnberg. Co traf er auch im Ton Hvfmannsthals Terzinen. Aber bei der Rezitation der Klassiker — Goethes „Gott und die Bajadere" oder einen Monolog aus „Wallensteins Tod" — stieß er aus sprachlich-t-echuische Unzulänglichkeiten, wenn auch gerade ein paar hochdramatische Atomente ihm besser gelingen, als die leichte Ironie etwa eines Gedichtes von Heine. — Ohne eigentlich ein Säuger zu sein, er betont cs selber — und in dieser glücklichen Mischung von Bescheidenheit und Sicherheit liegt Fritz Eisenbergs Charme —, ist er mit der mngchängten Laute am stärksten in seinem Element. Seine kleinen Lieder sind von mitreißender Frische, voll echter anspruchsloser Empfindung und trugen ihm herzlichen Beifall einer sehr großen Hörerschaft ein. Li. B. AirÄMrrle Im Hause von Frau Toni Franksurther in der Königsmarckstraße in Dahlem tragt Gicsela. Springer an fünf Abenden Klaviermusik in historischer Folge vom 17. bis 20. Jahrhundert vor. Ter dritte Abend war Beethoven gewidmet, Kurze, kluge Einführungswortc der Pianistin ermöglichen auch, dein Laien' das Verständnis selbst für schwieriger zugängliche Werke als cs die „Wut über den verlorenen Groschen" ist. Unaufdringlich, in weiser Zurückhaltung vermittelte Giesela Springer den dankbaren Hörern neben der Polonaise op. 89 und dem genannten Ronden auch zwei Sonaten, von denen allerdings die in E-dur op. 109 mehr Transparenz hätte gewinnen können. Der Beifall war stark. — m. Han8 Vaer spielte bei einem .Klavierabend eine Vvrtragssolge. die beweist, das; über das rein Piankstische hinaus ein großes musikalisches Aernntwortungsbewußtstin am Werke ist. Nur die abschließende Liszt-Pnraphrase wirkt in diesem Nahmen als stilloses Anhängsel; diesen virtuosen Leerlauf sollte man endlich ruhen lassen. Baer besitzt sehr großes technisches Können, das stets im Dienste des musikalischen Ausdrucks steht und jenes sichere Fundament schasst, welches die so verschieden geartete Realistik in MonssorgskiS „Bilder einer Ausstellung" zu intensivem Leben erweckt. Mit Lotte Gutmann spielte Baer einige vierhändige kleine Stücke von Strawinski, geniale musikalische Parodien auf Modetänze des vorigen Jahrhunderts, die der Komponist später in zwei Orchestersuiten wirkungsvoll instrumentiert hat. (Vom Andante und Galopp ist mir eine — allgemein unbekannte — Fassung für Klavier zu zwei Händen bekannt.) Zwischen den russischen Meistern viel jüdisck)e Musik, Stimmungsbilder. Tänze, Lieder. Tie Lieder wirkten eigener und selbständiger als die Klaviermusik. Ostinate Bässe. Quartenparallelen, einseitige Bevorzugung des Mollgeschlechts machen noch keine „jüdische" Atusik. Tic Lieder sang Lotte Gutmann, die wegen einer starken Indisposition um Rücksicht bitten ließ. In einem Hauskonzert bei D r. W o l f s o h i Berlin-Wilmersdorf, wurden einige Konrpofitione jüdischer Musiker zur Uraufführung gebracht. E wäre zu wünschen, bof; man auch sonst etwas meh Interesse für lebende jüdische Tonsetzer aufbring selbst wenn ihre Werke nicht immer Anklang bl den Hörern finden. Peter G r a d e n w i tz versnck in einer kleinen „Suite fürs jüdische Haus" fü Klavier zu vier Häiideu und eine Singstimme voi Studium orientalisch-jüdischer Atusik auS eine de, jüdischen Empfinden adäquate Tvnsprache zu findcl Dieser Versuch ist nicht recht geglückt, er muh! scheitern, weil die Stilulerkinale nur von auße her erfaßt sind. Während die Jlistriiruentalsät weniger erfunden als konstruiert wirken, hintei ließen die beiden eingestreuten Lieder wegen ihrc StimmungSgehaltes einen stärkeren Eindruck. Ne waren auch das Chanukkah-Lied und das Purin SWZSW R§ Tanzlied von Georg Wolfsohn, zwei hübsche, gemäßigt moderiie Vertonungen die tonmalerisch die beiden Gedichte von Lina W n g n e r - T a u b e r zu deuten suchen. Sie wurden — ebenso wie zwei ältere Lieder des gleichen Komponisten — wegen ihrer eingünglichen Atelodik beifällig ausgenommen. Hede Türk setzte sich für die neuen Werke mit Verständnis ein und bewies auch in der Arie aus der Bach-Kantate „Der zufrieden-gestellte Aeolus" und in vier Liedern Mendelssohns wiederum ihre Vortragskunst, wobei sie von Georg W o l s s o h n und Erna Klein am .Klavier wirksam unterstützt wurde. Charlotte R o s e n s Wiedergabe des Mittelsatzes aus dem Mendelssohn- Violinkonzert konnte nicht recht überzeugen, da es ihm an innerer Ruhe fehlte. Eine Originalkompositivll für Violine und.Klavier wäre ratsamer gewesen, weil diese romantische Improvisation Mendelssohns ohne die zart untermalende Orchesterbegleitung ihren Reiz und, aus dem Zusammenhang gerissen, ihren Sinn verlierst E. IL i Smnburg Das Konzert des Tempelchores im Hamburger Tempel am 8. Januar, über das au dieser Stelle schon kurz berichtet wurde, brachte ein außerordentlich interessantes, reichhaltiges Chorprogramm. Drei Psalmen von Salomo Rosst wurden ü capella klangrein und stilistisch, einwandfrei ersaßt, zum Vortrag gebracht. .Köstliche Ehormusik des 16. Jahrhunderts! Omnom Üen von Baruch Schorr im Chasonusstil fügte sich nicht vollkommen in den Rahmen des Programms, wurde aber vom Chor und den Solisten überaus wirkungsvoll gesungen. Es folgten Wschomru von Arno Nadel und das prachtvolle Chorwerk von Leon Kornitzer „Leu Scheorim". In beiden modern angelegten Chorwerken zeigte der Chor,, der von feuiemJDiugeuten Georg d e Haas mit überlegener Sicherheit geführt wird, seine prächtige Klangwirkung. Man freut sich immer wieder der reinen Intonation, der fein abgestuften Dynamik. Als Solistin sang Klara Müller mit leuchtender Sopranstimme zwei stimmungsvolle Psalmkompositwnen von Georg de -Hans. Alexander Kipnis sang Arioso von Händel: „Es ist genug" aus „Elias" von Mendelssohn und biblische Lieder von Dvorak. Welche gefühlsdurchwärmte Stimme, welch Atcister des Tolcauto, der sotlo voce! Vor allem aber welch unbedingte Musikalität! Es waren unvergeßliche Wirkungen. X. Kantoren'Kvlmrle im Rheinland und Der Kantoren-Abend des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr wurde zu einem Ereignis: er vermittelte neben Kompositionen, denen jüdische Texte zugrunde liegen, vornehmlich jüdische Atusik. ES war bisher die eindrucksvollste Veranstaltung, die einen großen Hörerkreis bis zum letzten Ton fesselte. Emgeleitet wurde der Abend durch einen klar gegliederten Vortrag des Gemeinderabbiners Dr. .Kober, der eine interessante Uebersicht über die Entwicklung der jüdischen Atusik gab, mit besonderer Betonung ihrer starken Einwirkung auf das christliche Kirchenlied. Die musikalische Folge bot in ihrer Dreiteilung zuerst ein Duett und Arien ' ans. Oratorien von Handel und Atendelssvhn und den Psalm 22 „Elohim. warum hast Du verlassen mich?" von Ernest Bloch, einem der namhaftesten, zeitgenössischen Komponisten, der auch als Vorkämpfer für jüdische Atusik bekannt ist. Sein Werk zeigt die moderne, musikalische Gestaltung eines biblischen Stoffes. Ursprünglich für Bariton und großes Orchester geschrieben, bot dieses Werk dem begabten .Kapellmeister .Kurt Heinemann — einem selten feinsinnigen Begleiter — Gelegenheit, seine überlegenen pianistisch'en und musikalischen Fähigkeiten zu entfalten. Im zweiten Teil horte man syuaqogale Gesänge von Minkowski, Kirchner, Ravel und den .Kantoren N. Fleischmauu und I. Alter, im dritten Teil jüdische Volksmelodicn. Diese Kompositionen, durchdrungen von Drapullik und Gesühlstiefe,. sprechen von selbst für die starke mnsikalisckx' Erfindungskraft der Juden und hinterlassen den Eindruck von erschütternder Größe. Die Werke wurden von den Kantoren Israel Alter (Tenor), Hannover, Hermann I. Fl ei schm an n (Bariton). Köln. Nwolm Naumow Fleischmann (Bariton). Der Austakt zum Konzertwinter 1933/5-1 war ein Abend des Cellisten F-en ermann, die Aegleitnng hatte Wilhelm Steinbcrg. Im Rovcmber sang Hermann Sch eh im Rahmen eines Eynagvgenkvnzertes. Die Begleitung lag bei .Kapellmeister Erwin Palm (ehemals Landestheater Darmstadt) in besten Händen. Palm versteht es, sein ausgezeichnetes piainstisches Können, seine tief, grundige Musikalität mit großem Einfühlungsvermögen zu verbinden. Er begleitet nicht nur. er musiziert gleichwertig mit. Im Dezember kamen Düsseldorfer Kräfte zu Gehör. Alice Lifsmann und Gertrud 3t e u m a u u (Brünn) spielten Werke für zwei Klaviere. Ergänzt wurde das Programm durch Gesänge von Lili Atarcus-Pollinger, Sopran, und Ateta Friedmauu, Alt. Im Dezember fanden ferner ein Tanzabend von Gretel Levy (Palucca- Schülerin) statt, der einen guten Eindruck vom Käinien der .Künstlerin vermittelte. Einwandsrcic Beherrschung des Technischen, "Musikalität, geistige Durchdringung und prägnante Gestaltung des Stvsfes lassen das Beste für die Zukunft dieser jungen Tänzerin hoffen. Lotte Leonards Gesangskunst und ihr interessantes Programm tvurden kürzlich gc> legentlich ihres Auftretens im Berliner Kulturbund hier getvürdigt, so daß uns lediglich übrig bleibt zu berichten, daß auch ihr Düsseldorfer Gastspiel nach jeder Richtung hin ein voller Erfolg war. Neben einem weniger belannten rech votten Liederprogramm sang die itünftlcrin die Solopartie aus Schuberts Chorwerk „Atyrjams Siegesgesang". Mit dieser, für ein Synagogen konzert sehr geeigneten Chorkomposition, dcbütrerte der vor sechs Monaten von 5tapellmeistkr Erwin Palm neu gegründete Chor der Düs!^ dorser Synagogeugemeindc. Die Leistung met erstaunlich. Alle dynamischen SchattiermuM vom Piano bis zum Fortissimo waren sein ab< gewogen und mit Geschmack dosiert. Gelegentliclje Härten in der Tongebung der Männerstimmcu ändern an dem sehr guten Gesamteindruck nichts und werden bei intensiver Weiterarbeit und der ausgezeichneten Schulung durch den Chorleiter leicht ausgemerzt werden. Erwin Palm dirigierte prägnant mit sparsamen Bewegungen und ltarer Zeichengebung. Er besitzt neben ausgesprochener Dirigicrbegabung gute Schule und mnsilalische Füyrerqualitäten. Ter Gesamteindruck des.Kvn« zerles war stark und nachhaltig, das Publilmn ehrte die .Künstler durch spontanes Erbeben voll den Plätzen. Kaliski, . Königsberg Am 6. und 7. Januar spielte Professor Lcoind Kreutzer Klaviermusik von Händel, Brahms. Schnmmm und Chopin. In der Sonate Iw/ioll op. 5 von Brahms gefiel vor allem der rhytymiß^ Schtvnng des Scherzos. Das Tyemengewvge des Finale wurde von dem Künstler souverän gebaii' digt. Im übrigen schien ihm besonders das Sinniga und das Phantastische, etwa im Andante der Brahms-Sonate und in der Phantasie op. 17 von Schumann, zu liegen. Ten Gipfetpnnkt an Meisterschüft der Wiedergabe bildeten die Chopinschc» Stücke. Neben dem Zauber des Klanges überrasci!- teu hier besonders wohltuend die Innigkeit and der bisweilen fast nachdenkliche Ernst, der aus der Deutung dieses Koinponisten sprach. Bon dieser Seite mag so mancher Hörer Chopin noch niciit gekannt haben. Nicht nur wegen'des Programmreichtums wird der Abend einen tiefen Eindruck hintcrlnssen haben. Dr. M. A. LmSesetzung in den „Aeuglerlgen Irenen" In der vorigen Woche stellte sich eine teilweise neue Besetzung der „Neugierigen Frauen" der Presse im Berliner Theater vor. Sa reizvoll es ist,, eine Aufsührung kurz hintereinander in ,.y-'" Besetzungen zu sehen, so schwierig ist es, dabei jede einzelne Leistung ganz objektiv zu würdigen, weil die Erinnerung au den früheren Darsteller der lltolle noch zu lebendig ist. So konnte trotz einer darstellerisch und gesanglich ausgezeichiietea Leistung Leo B a r c z i u s k i als Arlecchino Wiltcc Olitzki nicht vergessen machen. Und auch den Dameil Lotte Lauser (Elconora) und Emma Zadvr (Beatrice) gelang es nicht, die stimmliche Lcistmiil von Erika Storm und Susanne Stein 311 erreiche". Ungleich gewandter in Spiel und Stimme ist dasür die neue Rvsaura. Elsa I ü l l ch . und eine Meisterleistung bot Gerhard Pechner als Pantalone. str gibt der Figur dieses eingefleischten Junggestlleil stimmlich und schauspielerisch erst die Bedeut,img, die ihr zukommt. Atit seiner außerordentlichen fY.irfT nii . 1 l ujmujui ^antDiij, tue ihr zukommt Mit seiner außerordentua,m -irunksurt a. Ai„ uuedergegeben. Die stimme von Bühnenroutine Lvhcrrfdit et das Mld und sein S.tlt r‘ftdlii^. ir ÄÄ jiM dll. hlmu. aiir* t.. eiitsaltete sich am schönsten Glas; aab eini',7 acmütlickien Ottavio, aber in der eigenen stilvollen Ko-nvositio.k a* IL - fTL...Ö,L r f, ' rZ.. m'-muiw uieumi m aoer pon beftcr Tragfähigkeit, entfaltete sich am schönsten v y-'L st'lvollen Komposition „Schnchar k H' Neischmanli. der ein besonders hilf. o eanölit 'lt. erreichte mit feinem klang- ÄL lm? starker Verinnerlichung den ö cv,Sb2'f durch Minkowskis „Attoh 'nossen J ■ * IN I. Alter lernte man einen gottbegnadeten Heinrich K 0>r n vermochte dem Lelio nicht gerean zn werden. Auch dieses neue Ensemble spielte mit erfreulicher Frische, so daß man wieder an Tempo, Humor und Farbigkeit der Ausführung seine Freude haben mußte. es. 1 \