Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 5 (1.2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Im übrigen verweise ich diejenigen, die sich dafür interessieren, in das Problem einzudringen, auf mein schon im Jahre 1907 erschienenes Buch „Beruf, Konfession und Verbrechen" und auf die kleine Schrift von Liszt „Das Problem der Kriminalität der Juden", insbesondere aber aus meinen Aussatz „Die „Kriminalität der Juden", der in der „Monatsschrift für Kriminal-Psychologie" Jahrgang 1928 S. 461 fs. abgedruckt ist, und von dem ein Auszug sich im Jüdischen Lexikon findet. Allen Autoren, denen es um eine sachgenwjjc Aufklärung zu tun war, war es von jeher klar, daß die Kriminalität der Juden mit ihrer sozialen Schichtung in gewissem Zusammenhang stehen müsse. Neu in meiner ermähnten Schrift war demgemäß nur der Kedanke, rein rechnerisch festzustellen, inwieweit die Kriminalität der Juden in Deutsch, land von der Kriminalität abweicht, die an sich ihrer beruflichen Zusammensetzung entsprechen würde. So gelang es mir. nachdem ich die spezifische Kriminalität der verschiedenen Berufskategorien für eine Anzahl von Delikten ermittelt hatte, auch die spezifische Kriminalität der Juden sestzustellen, die nicht allzu erheblich von der Kriminalität abweicht, die nach ihrer beruflichen Zusammensetzung zu erwarten war. Damit ist natürlich noch nicht in exakter Weise festgestellt, daß die Kriminalität der Juden nichts mit ihrer Nasse zu tun hätte — und das wird sich niemes exakt feststellen lassen, genau so wenig wie das Gegenteil — wohl aber ergibt sich daraus schon ohne weiteres, daß die Behauptung des Verfassers: „Die Juden sind das .auserwählte' Verbrechervolk" zwar ihrem Autor sehr geistreich und witzig erscheinen mag. aber im übrigen jeglicher Berechtigung entbehrt. Die Kriminalität der Juden ist anders als die ihrer Umwelt, aber es fehlt jeder Nachweis dafür, inwieweit sie rassebedingt ist, und eS kann in gar keiner Werfe behauptet werden, sie sei schwerer als die Kriminalität ihrer Umwelt. Bei sehr vielen Delikten kommen im Jahr nur 4 bis 5 Verurteilungen von Juden in ganz Deutschland vor. Erft wenn sich solche Zahlen in einem Durchschnitt von Zwanzig Jahren überblicken lassen, kann man hoffen, daß das sogenannte Gesetz der großen Zahl Zufälligkeiten ausgleicht. Gänzlich derl^hlt und unzulässig ist es dagegen, wie es Pötsch getan hat, lediglich dre Prozentzahlen für zwei Jahre — und noch dazu für die abnormen Kriegsjahre 1915 und 1913 — heranzuziehen und daraus weitgehende Schlüsse abzuleiten. Da Pötsch jeweils nur üe Prozentzahlen gibt — ein wissenschaftlich elbstverständlich gänzlich unzulängliches Derähren — verschleiert er auch dem aufmerkamen Leser vollständig, um welche geringügigen Zahlen es sich im Einzelsalle handelt. Von den zahlreichen Delikten, bei denen die Kriminalität der deutschen Juden erheblich geringer ist als diejenige ihrer Umgebung, erwähnt er nur ein einziges, nämlich die vorsätzliche bzw. schwere Körperverletzung. Dagegen verschweigt er vollständig, daß auch in den von ihm behandelten Jahren 1915 und 1916 die Kriminalität der Juden bei einer großen Anzahl von Delikten auch prozentual wesentlich niedriger war als diejenige der Christen. Es seien nur herausgegrifsen: so gut wie sämtliche Unzuchtsdelikte, Abtreibung, Tötungsdelikte, Diebstahl, Unterschlagung, aber auch Begünstigung, Hehlerei, Sachbeschädigung und Brandstiftung. Daß Pötsch die prozentual geringere Beteiligung der Juden an der Körperverletzung erwähnt, hat wohl nur darin seinen Grund, daß er glaubt, ihnen bei dieser Gelegenheit einen Seitenhieb versetzen zu können. Wenn er auch selbst erklärt, daß er keines- Wegs, wie er sich ausdrückt, den „Raufer ... in den Ruf der Heldenhaftigkeit versetzen" wolle, leistet er fidj doch die Bemerkung, daß die geringe Beteiligung des Juden an der Körperverletzung dessen wahre Veranlagung zeige, „dessen hervorragende Feigheit ihn davon abhält,, zu Tätlichkeiten in dem Maße >u schreiten, wie dies bei den Ariern der "all ist." Die Juden werden diesen gänzlich zu Unrecht erhobenen Vorwurf mit großem Gleichmut auf sich nehmen. (Seine Irrigkeit ergibt sich auch daraus, daß die deutschen Juden am Zweikamps — der doch auch „Mut" erfordert — zwei Jahrzehnte hindurch prozentual drei- bis viermal stärker beteiligt waren als, die Christen!) Sie brauchen sich nicht damit zu verteidigen, daß im allgemeinen Juden weniger zum Alkohvlismus neigen als die unteren Schichten der anderen. Es liegt auf der Hand, daß Körperverletzungen in erster Linie von ländlichen Kreisen und vom Jndustrieproletariat begangen werden, und daß ein Bevölkerungsteil, der an diesen Gruppen geringer beteiligt ist, normalerweise auch an dem Delikt der Körperverletzung geringer beteiligt sein muß. Es sei un übrigen darauf Eingangshalle des Berliner Jüdischen Museums Dt« Kunstsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, die Kultgeräte, MUnsen, Medaillen i palästinensische Ausgrabungen, Gemälde, Plastiken und eine graphische Sammlung enthältt feiert ihr einjähriges Bestehen in ihren Bäumen Oranienburger Strasse 31, Mehr als 13 000 Besuchsr haben die Kunstsammlung in diessr Zsit besucht Fotodienst Arno Kikoler;{l!lllll!lltlllilllllltlllllllllllll|{|!!llllll!ll!!li!l||illlll||||||||!ll|[|!!l||lli!l|||illlli;ilil||!|||!!ll||||||||||||ll|l|]|lilill!|!!lll!!ll|ll!ill||il||l||l||!li!l!l|ll!llllllll g hingewiesen —- das weiß Pötsch entweder nicht oder verschweigt es —, daß da, wo sich ein jüdisches Proletariat findet, auch die Zahl der Körperverletzungen durch Juden wächst. Ein solches Milieu bietet zum Beispiel die Stadt Amsterdam. Dort ist heute noch — wie in den Zeiten Spinozas — Die überwiegende Zahl der Juden in der Diamantenschleiferei als Fabrikarbeiter beschäftigt, und sofort zeigt sich dort, daß auch die Zahl der von den Juden begangenen Körperverletzungen annähernd an die Zahl der von Nichtjuden begangenen heranreicht. Ich beziehe mich zum Beweis hierfür auf die Zahlenangaben, die d e R a a s, der Chef der gerichtlichen Statistik der Niederlande, in einem Aufsatz in der Monatsschrist für Kriminalpsycholvgie, 6. Jahrgang, Seite 204, gegeben hat. Danach' wurden in -den Jahren 1901 bis 1905 auf je 100000 Personen der gleichen Religionsgemeinschaft 23 Christen wegen Körperverletzung verurteilt und 19 Juden. Die Zbchrseite der Medaille , bleibt auch nicht aus. Die entsprechende Zahl der Verurteilungen wegen Betrugs beträgt im gleichen Zeitraum bei den Christen 3,8 auf 100 000 und bei den Juden nur 1.9. Wenn wir später sehen werden, daß in Deutschland das Verhältnis umgekehrt liegt, so kann nicht etwa gesagt werden, der niederländische Nichtjude neige in doppelt so starkem Maße zum Betrug wie der niederländische Jude und der deutsche Jude sei betrügerischer veranlagt als ■ der Arier, sondern aus diesen Zahlen ergibt ' sich klar — was eigentlich für jeden denkenden Menschen selbstverständlich ist —, daß bei den Betrugsziffern nicht in erster Linie die Raffe, Zugehörigkeit eine Rolle spielt, sondern dcis soziale Milieu. Ebensowenig, wie es den Amsterdamer Juden, wenn sie sich in ihrer Mehrzahl aus Diamantenarbeitern zusammensetzen, zum Verdienst angerechnet werden kann» daß sie weniger Betrug begehen als ihre Umgehung — weil ja die große Masse-von ihnen hierzu gar keine Gelegenheit hat —, genau ebensowenig kann einer Bevölkerungsschicht, die in viel stärkerem Maße an Handel und Industrie beteiligt ist als ihre Umgebung, die in dem Betrachtungszeitraum einen viel größeren Anteil an den Selbständigen stellte als ihre Umwelt, die vorwiegend in den Städten wohnte und deren Altersgliederung infolge der geringen Geburtenzahl in den Jahrgängen, in denen ein Verstandesdelikt . begangen werden kann, eine viel stärkere Be» setzung ausivies als ihre nichtjüdische Umwelt, . zum Vorwurf gemacht werden, wenn sie an einem so spezifischen Delikt des Wirtschafts-, lebens, wie es der Betrug ist. in stärkerem Maße beteiligt ist. Geradezu grotesk ist es, wenn Pötsch, nachdem er festgestellt hat, daß im Durchschnitt der Jahre 1915 und 1916 in Deutschland auf 100000 Strafmündige unter den Juden 38 Verurteilte wegen Betrugs kamen und auf 100 000 katholische Christen 24 und evangelische Christen 19, sich zu der Behauptung versteigt, bei gewissen „kaufmännischen" Straftaten steigert sich der Anteil der Juden zur Ungeheuerlichkeit. Dies deshalb, weil im Jahre 1916 gegenüber 13 936 Andersgläubi- . WWtzeWtzW UZ. GeAMG m Z. Sfeta» JUTMs L\ \ Die Zeit als die gerechte aber unerbittliche Nichterin, die das Große und Echte vom Unbedeutenden und Aeußerlichen scheidet, hat auch bei Mendelssohn Zeitloses und Zeugebundenes geschieden. Sie liest rm Laufe der Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, was im Stile jener Epoche sentimentale Lredertafeler war. Sie ließ aber das Beste von Mendelssohns Werk m die Ewigkeit eingehen, die großen Kammermusikwerke, Ouvertüren, Sinfonien, einen Teil der Schausprelmusiken, dre Lieder ohne Worte, die Chorballade aus Goethes „Walpurgisnacht", die Oratorien. Mendelssohn hat Höheres erreicht: er hat ein paar Lieder komponiert, dre M Liedern des deutschen Volkes geworden sind, dre durch Generationen hindurch gesungen werden, aua) da. wo der Name des Komponisten unbekannt ist. - Die Melodie allein .lebt- Sem Werk bezeugt, daß ein Musiker indischer Abstammung sehr wohl die deutsche Musik und dre deutsche Seele verstehen kann. Als Gebender und Empfangender gehört Mendslsfohn zum Kreis der deutschen romanüs^en Mustk. eme Beziehung zum Judentum ist m seiner Musi ^uotz se^ner^VertonnngLN b Mischer Terte -- niiht spürbar. Nichts zeigt die enge Bindung zum deutschen Kulturkreis deutlicher, als die Wahl der Gedichte, die er vertont hat (neben Heine, vor allem Goethe, Eichendorsf, von Fallersleben, Herwegh) und der Werke, die er aufgeführt hat. Er dirigierte u. a. Schuberts große E-äur-Sinsonie und ebnete dem Verständnis Beethovens den Weg. Vor 125 Jahren würde Mendelssohn geboren, vor 105 Jahren — am 11. März 1829 hat der damals Zwanzigjährige eines der gewaltigsten Kunstwerke aus der Versenkung geholt: Bachs Mattbäuspassion. DaS war seinerzeit ein großes Wagnis, eine ungeheuere Tat. Bachs Werke waren vergessen, trotz einiger biographischer und ästhetischer Ab- Handlungen über ihn (Forkel, Rochlitz), trotz gelegentlicher Aufführungen einzelner Stücke (durch Thibaut in Heidelberg, Zelter in Berlin). Zelter, der damalige Leiter der Berliner Singakademie, war ein großer Bach - Verehrer. hatte auch Goethe und Felix Mendelssohn für das Wunderwerk Bachs begeistert, und selber in der Singakademie mehrfach Bachsche Motetten aufgesührt. An die Passionen aber hatte er sich nicht gewagt. So ist eS nicht verwunderlich, daß er die Aufführung der Matthäuspassion zuerst ablehnte, um die rhn Mendelssohn und sein Freund, der Schauspieler Eduard Devrient, angingen. Er hat sogar etwas von „Rotznasen" gebrummt! Aber schließlich gab er nach, übertrug seinem Schüler Felix die Leitung der Zwanzigjähriger zum erstenmal öffentlich vor einem Chor und Orchester stand, mit einem gänzlich unbekannten Riesenwerk, wre Bachs Matthäuspassion! Felix ging mit heiligem Eifer an die Einstudierung, die am 11. März dem Werk zu einem hinreißenden Eindruck verhalf. Mendelssohns Schwester Fanny schrieb am 22. März 1829 an Klingemann: Wie alle Sänger schon von den ersten Droben'an ergriffen waren und mit ganzer Seele Jn toS Werk gingen, wie sich die Liebe und Lust bei jeder Probe steigerte und wie jenes neu hinzu, tretende Element, Sologesang, dann Orchester. immer von Neuem entzückte und erstaunte, wie Felix einstudierte und die früheren Proben am Fortepiano vom einem Ende zum andern auswendig akkompagnierte. das sind lauter unvergeßliche Momente." Eine zweite Wiedergabe leitete Mendelssohn am 21. März, Bachs Geburtstag. Damit war der Bann gebrochen, die Matthäus- Passion erschien fortan regelmäßig in den Konzerten der Singakademie. Auch in Leip- . zig hat Mendelssohn die Passion eingeführt. Genau ein Jahrhundert nach ihrer Erstaufführung unter Bach war damit das Werk der Welt neu geschenkt worden-, wer hat dies Verdienst erworben? Die Freunde Mendelssohn und Devrient haben es ausgesprochen, als sie nach den ersten Proben aus dem Berliner Opernplatz zusammenaingen: „Ein Komödiant und ein Judenjunge/ Ludwig Altmasn An Professor Zetter ln Verttn Paris, 15. Februar 1882. Lieber Herr Professor! Wenn ich Ihnen auch nur von den Haupt- 1 »unkten meiner Reise hätte schreiben wollen, o hätte ich es eigentlich von Deutschland aus un müssen; denn wie ich jetzt nach all den Schönheiten, die ich in Italien und der Schweiz genossen, nach allem Herrlichen, das ich gesehen und erlebt, wieder nach Deutschland kam, und namentlich bei der Reise über Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt, den Rhein herunter bis ' Düsseldorf: da war eigentlich der Hauptpunkt der Reise: denn da. merkte ich, daß ich ein Deutscher sei und rn Deutschland wohnen wolle, so lange ich es könne. Es ist wahr, ich kann da nicht so viel Schönheiten genießen, nichts s'?n-9ches erleben: aber ich bin da zu hause. ES ist kern einzelner von den Orten, der mich eben besonders fesselte, wo ich besonders gern leben möchte: — es ist das ganze Land, es sind die Menschen, deren Charakter und Sprache und Gebräuche ich nicht erst zu lernen und mitzumachen oder nachzumacheu brauche; unter denen ich mich wohl fühle, ohne mich darüber zu wundern, und so hoffe ich. daß ich auch in Berlin meine Existenz und das zum Leben Notwendige finden, und daß ich , da, wo ich Sie und die Eltern und Geschwister und die. Freunde habe, mich nicht weniger heimisch fühlen werde, als an all den andern deutschen Orten. Wenn die Leute mich einmal in Deutschland nirgend mehr haben wollen, dann bleibt mir die Fremde immer noch, wo es. dem Fremden leichter wird; aber ich hoffe, ich werde es nicht brauchen ... Briefe aus den Jahren 1830 bis 1847 von Felix Mcndelssohn-Bartholdy. Herausqcgebcn von Paul Mendelsfohn-Bartholdy und Professor Dr. Carl Mendelofohn-Barthoidy. Leipzig, Hermann Mendels, fohn, 1015. 6. 215 f. An GoeShe sn dessen Geburkskag Luzern, 28. August 1831.. Ew. Exzellenz. Wenn es mir auch nicht möglich ist, hier in den Bergen auf der Fußreise Ihnen zu schreiben, wie ich es sollte und irgend etwas Ihnen zu berichten, das Sie nur für einen Augenblick interessierte, so kann ich es doch heut nicht lassen, weil mir von jeher an diesem Tage so glücklich zu Mut war, und weil ich ihn mir jedes Jahr gefeiert habe. Da möchte ich denn diesmal gar zu gern Ihnen sagen können, wie. ich mich an dem Tage immer ganz besonders freue, daß ich gerade rn dieser Zeit lebe und daß ich gerade ein Deutscher bin; verzeihen Sie mir deshalb, daß ich von Ihrer gütigen Erlaubnis an Sie zu schreiben, Gebrauch mache. Ich wollte aussprechen, wie glücklich uns alle der heutige Tag macht, und weiß es nun doch nicht zu sagen ... SDIelfttt. Briese Felir Mendelssohn. Bartholdh, auspewählt und erläutert von Ernst Wolsf, Berlin 1007. B. BchrS Bcrlaa. S. 80 f. na