Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 4 (25.1.1934)
- Date
- 1934-01-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Üapp-Treii Wuppertal «Wiehl. Bekannt InlttJuupsfillilffc Hersteller vom KiöppsIalecRsn, Tapisserie istape» '»orgrczelchn. fertJgrkoiif. Schürzen. 'dien Judentums". Auch hier wurde allseits die vom EV geleistete unnangrciche und schwere Arbc.it gewürdigt. Grenzmark , Tic Ortsgruppe Schlappe veranstaltete 'am l-t. Januar nachmittags eine öfieiit[id>c Kund, gevung 311m Besten des deutschen Winterbilsswerks.. Tie Beraintallung'tvar vvn über I(Xt Personen aus ' Schlappe und der ganzen Umgebung besucht. Umrahmt von miisiwlnchen mid'regitatorischen T-arbietungeu ivar die Hauptamvrache des Landesveröandsvorsitzeuden der Grenzmark. Vudtvig- ')( c l c lt li) a L (Schneideim'chl). über das Themas ..Unicr lllleg". — Am Abend schloß sich ein geselliges Beisannncnsein an. IVlitteldeutLeblLnd Ter stellvertretende Vorsitzende der Ortsgruppe chiagdeburg. Julius Petz an und Landesverbcmds- St>ndilus gurt Ta bau kn Tiuodini um l'>. Jaininr in 3 c r 1' i( in einer Mitgliederversammlung, die unter Leitung des Ortsgrnppenvvrsitzendeu Eugen B 0 r i n s 1 i stand, über das Thema ..Vebensriunn und Vebensgestaltnng der deutschen. Hilden". Tie Üiisuiliriiiigcii. an die sich eine eingehende Aussprache ansistlvß, fanden lebhaften Bei satt. Norddeutschland Tie Ortsgruppe Rostock hielt in der Spnagoge ihre außerordentlich gut lx'iuchte Mitgliederver» sammlnng ab. Ter Vorstand wurde neu gewählt,^ und zivar Tr. L i n t> e n ö e r g zum l. Vvrutzenden. S a m u e l znm stellvertretenden Vorsitzenden. und Herr Pommer zum Schrütsi'chrer und Kassierer, Es wurde beschlossen, die Milglicderwerbung energisch in Angriff zu nehmen- und eine starke Ortsgruppe des EV zu ichafseu. Anschließend fand daun ein selten gut bcrm'ljter Gottesdienst statt, in dem Prediger Tr. Karl ■K d s c n thal lBerlin). Mitglied des Hanptvvr- Üandes des EV. einen Bortrag über das Thema „Gegenwart und Znlmu'l des deutfeheit Hudentnnis" hielt. Ter Bvrtragende verstand es, mit feiiiem aus gesunden Telbnvertrauen gegründeten Tblimismus und herzerfrischendem Hdenlisnnis niclit nur die verzagten und mutlosen Gemeindeu'.itglieder ansznrichten. sondern auch darüber, tzinaus allen seinen Hörern vor Angen zii führen, rvechhe inneren Beerte jedem dentscheii Hilden bleiben, ivenn ihm auch die äußeren genommen werden. Hildesheim Am Tonntag. dem 21. Januar, sprach Tr. Friedrich Vrodnitz. in der Ortsgruppe H i L b e i fi c i m über „Ausgaben des deutschen .chdentnms". Tie außergewöhnlich gut besuchte Veranstaltung nahm einen eindruclsvollen Verlaus. Daran schloß sich ein Zusammensein mit der jüdischeu Jugend des Ortes. Ten Schluß des AbendT bildete eine Vorstaiwsbesprechnng, in der der Resercnt eine Reihe schwebender Fragen erörterte. Hhe!n!and-M^estkalen Ter Landesverband Rheinland-Wettkn len kann über sechs große Versammlungen innerhalb von knapp zehn Tagen mit Genugtuung berichten. Weit über tausend Mitglieder der iübiid}cn Geineinde Jortmunb füllten am Mittwoch, dem H>. Januar, die Spnogoge, um eiiiem Dortrage beiziimohncn. in dem der Vorsitzende des E. V., Justizwi. Dr-...B r o-d n i h. und. der Stellvertreter de8 . Vorsitzenden,' Rechtsanwalt Tr. H e r z s e l d sEsien), Ehrenvorsitzender des Landesverbandes Rheinland- Uestfalen, sprachen und tiefen Eindruck hinterließen.-' Tr.-Herzfrld legte dar,'daß es entscheidend . , daraus iauloinme. sich .getreu - unserem an lange. - ' Zeiträinnc gewohnten Geschichtsdenken nicht durch die Ereignisseeines Jahres in der durch die Ersahrnng von Jahrzehnten errungenen Weltanschanüng strre machen zu lasten. Ter E.V. bejaht ivie stetb'unbeirrt die deutsche und die jüdische - Wurzel unseres Seins und grenzt sich so ebensoentschieden gegen würdelose Anbiederungsversuche zahlemnäß.ig unbedeutender Gruppen wie gegen eine' Aufsästung des Judentums als nationaler Einheit ab. . Inftizrat Drodnitz begannseine Ausfuhr»»' .gen mit dem Lobe des Rabbiners Tr. Jacob, des laugsährigen ‘ Seelsorgers . der Dortmunder Ge° , - meinde, in dem er den mutigen Kämpfer für die Glcichberechtiguug der dentfchen Inden und den tiefen Kenner jüdischen Wesens pries. Ter Redner wies darauf hin. daß der. E.B. .in diesem Jahre die Feier seines -Illjährigen Bestehens' festlich begangen hal>eu lvürde, wenik sieh nicht angesichts des Frustes der Zeit die Abhaltung von Festen von selbst verböte. -tü Jahre treue Arbeit sür Ehre und Würde des Judentums hätten eine Organisation erstehen lassen, die inan heute gründen müßte,, wenn sie nicht eben schon bestäiide. und durch die intensive Be- ' se<ilNtigm?g mit der Lage des deutschen Judentums B,euscheu und Einrichtungen hervorgebraeht hätte, die heute unermüdlich an der Eristenzsichernng des diutslsten Hnden arbeiten. Teim ivenn auch durch das Aiisbainverl in Palästina einem Teil jener Menschen. die heute tu Deutschland nicht mehr ihr uürtschastliches Auskommen finden, Raum znm Beginn eines neiien Lebens gegeben ivird, so steht es doch fest, daß die ungeheure Mehrheit der deutschen Juden in ihrem Vaterland bleiben ui i 11 und m u ß. Ihnen ein Leben voll Würde auch im neueir Staate zu sichern, ist das Ziel unserer Arbeit. Ein Rückblick auf die Geschichte von Jahrtausenden mit ihren imiiier wjederkehrenden Zeiten schiverster Bedrückung festigt in iiiis den Glauben, daß der Eristenz des Hudentunis, unb insbesoitdere auch des deutschen Iiidentiuns, eine höhere Bestimmung zugrunde liegt, und gibt uns, fernab von vberslächiiehem Optimismus, die zunersichtliche Hoffnung, daß sich das deiitsche Judentum auch in einem gewandelten Teutschlaud. wenn anch aus verengertem Lebeusraum. in Ehre und geachtet eiuordueu löime. Aut 20. Januar sprael) der Thudikus des Eeittral- Bereius. Tr. Alfred H i r f eh b e r g lBerlin). im iUn-rfüllten großen Bürgersaal des Willielut-Bchrr- Hauses tu Tüsseldort über „Teutsehes Judentum in Gegemvart und Zukmtfi". Am gletllien Abend referierte Landesverbands. Spudikus Tr. Ernst Blaut iit Herne im A'ahitteit eiites Siutaaogen- . Vortrages über das Theuta „Teutschcs Judentum in dieser Zeit". Am Vormittag des 21 Imtuar^- iprachen der Vorsitzende des b'V. Instizrat Tr. Bvodnik und sein Ttellvertreter. Rechtsanwalt. Dr. Herz selb. Essen, in Wuppertal vor einer zu starkem Beifall hingerisieiten viechttudertköpfigen Zuhörerschaft^ über die Lebenssragen des deutschen Iildentiints. Am Abend des gleichen Ltzzcs 1,'ielt Tr. Alfred Hirschberg eine überfüllte Geineiltdevensammlikug im Hugeudlieim zu G e l s e u - kirehen ab und sattd sür feine Tarstelluvg der ideenmäßigeit Grundlagen des dentlchen Indentnms in dieser Zeit ebenso sehr wie für die Schilderung der Praktischeir Arbeit und der noch zu beinältige,,. den Ausgaben starke und dankbare Zitstiinmung. Am 22. Januar '-prach . in der Spnagoge zu D tt i ß b u r g Tr.' Alfred H i r s'ch berg über das Thenta „Deutsches Hudentmn Heute und Blorgeit". ' Bis in die Gänge htneitr standeit die Zuhörer. Ter Bortrag wttrde für die in den Tiefen ihres jü- C V-Kaletnde?-. Landesverband Baden L8. Januar! Ma?bach: Drzlrksjosvnut. Rrburr: Rechtsaiuvalt -uaa ütein (Karlsruhe). Landesverband tNittcldevtschiand A. Februar: Lilenkur^! ^anbeorierbanbs.Shndikus^ Kurt 6 o 11111; t n. bischen und deutschen Enipsiiideus und Daseins, ivtlleits angerührtelt Zuhörer zu einer wahrhastcu Feierstunde. Am gleitcheit Abend sprach in B 0 ° ch tt nt Tr. Ernst Plant in einer überfüllten Bersainutluitg über die Idee und Arbeit des E. V. und fand ■ eine beifallsfreudige Zuhörerschaft, die ben ■ Redner ans der täglichen hingebnngsvollen 2lrbeit' kauitte und dankbar begrüßte. Reben diesen Veranstalttrngen fanden noch eine Reihe von Organisattons. tmb Vorstandssitznngen statt, in denen über die Voraiissctzung einer Altiviernng des deutschen Indcittums für die EB-Idee. unter ideemäßigen und praktischen Gesichtspunkten eingehend beraten wtirde. * Rechtsanwalt Dr. Han? .E a l l m a n it hat die Leitung der Ortsgruppe Köln des Centrnl.Bercins übernommen. '--l^-Ianuar-dr-I. einit-Neihe von Mr!> schaftsfragen behandelt.. Ferner wurde be. Ichlossen, für Sonntag, U. Februar d. I., den Beirat der Reichsvertretung zu seiner ersten ' Sitzung emzuberufen. Der Orientalist Tr. .Hirschscld (Londot'H gc-stvrbcn. Tic Londoner Gemeinde hat den Los voll Tr. H. H i r s ch f e l d zu bellagei,. Er wnrd» als Deutscher im Jahre 1800 in Th mm acfuivm. Vom Mariengbittnasinut tu Posen ging er an die Universität Verlilt. tvo er nrieltlalische Spralllen und Philosophie studierte und gleichzeitig dn.z ,Htldcshcitttcrsck)e Sentinar besuchte. Er protv'wi^eie A878 in Straßbttrg und diente bmm ein Iihe int prenßiseiien Heer. ' Eilte Reisestipendium erlaullle ihiit/ kurz nach setNlK Rüeklelir nach Berlin, seine Skltdien in ,Paris fvrtzistehen. B!it Proseü.'r Tereitbvurg uitd desteit Svl>u Vartwig. dein berühntten Kenner und Erivrschep des Arabisch-n. war er sehr besretmdet. Ats Hirfichselds Vater int ' Jahre 188.% ßarb. übermchm er dessen üeln.'tätigteit au verichiedeucn 3d)itlen in Pl'seu und widmete fui) ttebenbeä seiner literarischen Tätigkeit. bi.-, iss? erschieneit ,seine Uebersetzungeit und Beiträge von arabischclt und revidierten hebräischen Terten. ld>h die .'.Beiträge zmn Koran". 1*80 wurde Hirichieid als Tvzevk für Bibelerege.se. semitisch'.' Spraelieit ima Pllilosophic an das Rloutesiore Endmvnient Eottege ' in Rai'tsgate iEngland) bertifen. Seit 1'.n>l >nar er außerdem Tozettl für semitts.lie Sprarkiei, aut Ieti''s Eollege und an der Lottdoner Universität. Sein . Hauptinteresse galt der südiieh-arabischeit Geschieh,.'. „Rene Forsehnngeti" über ,,Compn>iti;m aml Ichi>. «josisol’ the Koran“. „KrconL Theori^s on t!,a Origin of tlie A Iplialjcl“. .,Ktl)io|'ir-lra];]si (ilo^ary“ und „Sketch oi* Mehrow <iramin<T“ sind nur einige der vieleit literariseitelt Werke und Schristeu aus der Feder Hirschfetds. An seiuent . 70. Geburtstag sprach der Lvitdoner Oberrabbiner vom ihnr als von einenr Rlattne, „der größer war '■ als feine Gelehrtheit, der bescheiden mar. weil erweise nun-, der Glück, Gleichmut des Geistes und A'.'.frichtigleit der Gesinntnig besaß". Schöneres fnitn von'einem Menschen wohl kannt gesagt werden. Aus der NsichsVerkrskuug der deuSfchsu Juden Das Pressebezeruat der Reichsvertrctimg der deutschen Juden teilt mit: In der Si tzir n g derNeichsvert-retnng der deutschen Inden am!!IIIIiIIII!IIII!!II!IIlIIIII!IIII!IIII!II!!II!IIIIII!«I!IIIIlIIII!I>!!IIIIII!IIIIII!IIIIIIIIIstIIIIIlII!!IIIIIlIIIIIIIIIlII!IIIII!!I»IIIIIIIII!I!IHIII!IlI!IIIl!III!IIIII!II!I>II»IM (rVÜ€r% wpr Daniel Mendoz? . nDie ' hiess der Komponist von „Hoffmanns Erzählungen", Jaques Offenbach, mit seinem Vatersnamen? . C1X>0 und wann ist Moses Mendelssohn geboren? *nJDo$ ist der Codex Sinaiticus? HJDarm entstanden die ersten Toynbeehallen und woher kommt r^l die Bezeichnung? L 1 Wer beantwortet diese Fragen? Die Namen der Einsender richtiger Lösungen und die richtigen Antworten werden in der nächsten Nummer der Zeitung veröffentlicht . Isidor Nosemthak, der frühere EeneraM direktvr der von ihm ans eigener Krall auf. gebatcteit .Iohannesmühle in Posen, beging am IS. Januar in voller geistiger >n>d körperlicher ' Frische seinen dl». Geburtstag. Hsidor Rvsenthal gehört dein Eeuiralvereiu seit seiner Grüudiutg an. Als nach dem.Ende des Weltkrieges das Deutsch, tunt in Po seit durch den Etumarsch der Polen von schiversten Ersetiütterimgeit bedroht ivar und viele das Laitd fluchtartig verließett. stand, er aus ein. sameit Posten lind setzte siet, miermüdlieh sür das Teutschtum eilt. Seildent er nach der 2ibtrettitiitlg Posens, Zltrückgezogeit vent Beruf und Geschäft, in Berlin lebt, gilt' sein besoitderes Interesie allen Fragen des Hudeittmits. Er hat sein von tiewr Religiosität gctragettes Wissen von jüdischer Religion und jüdischem Schristttun stets in den Dienst der -Hudenheit gestellt und sich besonders in der Bnc-Brith.Loge hervorragend betätigt. Wir wüitt schon unserem Fretutde, der in seinem Leben die -G V.Hdee vcrtvirklicht hat, noch lange Jahre'gesündew Lebens...-^ - - - .Koinmerzicilkat Bernhard Albert Mäher stzklainA war am lt. Januar A"> . Jahre erster Vorsteher drr dortigen Israelitischen Religionsgenteinde. Ter Iudilar ist der Vorsitzende des hoffiTtltitn Landesverbandes israelitischer (Scmcinbett und Mitglied des Beirats der Ukeichsvertretung deutscher Huden. Am ätz. Januar fand in der Rkainzer Hauplstznagoge ein' Fcstgotll'Sdicnst statt. Leo Blatt, Reustadt a. d. Laalc—Köln, wurde vom ungarischen Reichsvcrweser die ungarische Krieg-^- crinnerungsmedaille mit Heiin und Schwertern am rotn-ueiß-.grünen Bande verliehen. — Tas langjährige. Mitglied des Eeittralvercins. Elitma Israel (Essen), begeht am -1. Februar ihren 7a. lJeburi-t-igg. verband, erschien und hielt eine kleine Vorrede. Was er dein verehrlichen Kreise vvrlesen wolle, sei beileibe nicht von ihm selbst, sondern von einem getvissen Jakob Wasserinann, seinem Alünchener Sekretär. Ta habe sich nämlich eine sehr merbvürdige Pflait^e oder besser Raupe bei ihm entpuppt, ein kleiner, dunkler, jüdischer Jüngling atis Fürth, nicht gerade ansehnlich, von Lebertsuot gezeichnet, mic fetten einer. Anfangs sei dicker ■ Wassermann ihm wirklich nur als detnükigcr Hilksschreiber erschieiten. aber dann allmählich hlibc er über die tiefe Glut des sonderbaren Menschen lticht mehr fortsehen tonnen. Ta mußte doch wohl ein Vulkan sein, in dem das große Feuer Lauerte. Er habe seinen Sekretär z,tm Geständnis gebracht: „natürlich" habe Hakob Wassermann ein Stück geschrieben. Die Lektüre habe Wolzogen überrascht. An starker Begabung zweifle er nicht, aber er fühle sich doch nicht so sicher, um an dem Orakel Brahm am Berliner Luisenplatz vorüberzugehen. Tas rufe er heute an und dankbar schätze er anch die Anwesenheit anderer Kunstpricster. (mich, den 2lsührigen Sttldenten, sah Wolzogen dabei listig lächelnd an.) Das Drama, das er irns dann temperamentvoll vorlas. hieß „Ter süße und derbittere Narr". Es war, alles in allem, eine tolle Sache. Im Geist der prachtvollen Kampfzeit damals spaltete sich alsbald die Hörerschaft. Tic Jungen stellten sich unbedingt zn dem Jungen — die Aelteren blieben in lächelnder Beirossenheit reserviert. Ter stärkste Verfechter des neuen Talentes Jakob Wassermann war Rudolf Rittner — ihm sekundierten Friedrich von Schennis und ich. Ganz ablehnend war Erich Schutidt. Emil Heilont saß mit seinem Abioagon neben der Hauptperson, unserem Wirt Otto Brahm. Ter schmunzelte, die Hände über dem Plaidbedeckten Leibe faltend, und sagte wenig. Aber wenn Brahm so schmunzelte, war das sächon ein beträchtliches Plus. Ter Abend endete zu Wolzogens Zufriedenheit mü einer Debatte, die bis an die. Grenzen der gesellschaftlichen Harmonie ging. Für das „Deutsche Theater" aklgenommen wurde „Ter süße und der bittere Narr" natürlich nicht — das hatte wohl, weder der Protektor. noch der Schützling erwartet —, aber die Späne flogen, und es mußte doch etwas sein, was den Blünnerstreit verdiente. Dabei handelte es sich damals — diese Ironie entging uns allen — um den Dramatiker, nicht um den Erzähler Jakob Wassermann. Diesen, ans der Höhe seines Ruhmes, traf ich. nach vielen persönlichen Begegnungen im Lause der Jahrzehnte, 1927 zum letztenmal. Es war in Salzburg, der Mozart-Stadt. In jenem Festspielsommer sah ich Richard Beer — Hofmann. Hugo von Hofmannsthal. Mar Reinhardt, Felir Salten, Friedrich Kayßler wieder — und plötzlich auch Jakob Wassermann. Ich hatte ihn lange nicht getroffen. Nun stand er mir als Fünfziger, mit gelichteter und gefurchter Stirn gegenüber, von schwerer 'Arbeit rastend — er hatte eben den „Fall Maurizins" beendet. Wie in der Jugend glühten seine wunderbaren Augen, noch immer wechselte es darin von gläubiger Klarheit zn traurig lächelnder Ironie. Er war ein echter Freund und fragte mich ehrlich nach meinem Ergehen. Als ich eine Klage über die Untreue der Bühne nicht zurückhielt, sagte erp s„Ach, es gibt.ja kein beseeltes Theater mehr.". Ich'dachte an den, den er meinte, an Otto Brahm, hetz dem ich Wassermanns' Namen., zuerst .gehört, und dessen Freund . späterhin, .der Dichter geworden. ... Dann kamen, wir auf ein Thema,, das wiederum des toten, und lebendigen Brahm Herzenssache gewesen: auf Schiller. Am Abend zuvor waren Wassermann und ich in einer Fcstspielaufführung von „Kabale und Liebe" gewesen, einer der besten Leistungen des Inszenators Reinhardt. Das Stück hatte mit unveränderter, ja neuer Macht auf'mich gewirkt. Ich erwartete es nicht anders bei Wassermann.' Ta aber istaud der kleine. sck)warze Mann-mit' unheimlich glühendem Blick und'Z'ckMer gerunzelter Stirn vor mir. Grollend stieß er in seinem humorigen Fürther Dialekt hervor: „Ja, ja — ter erste Akt — wie ‘ er das opponiert — krandios! Aber tann! Tas ist toch kein Leben! Ich pittc Sie! Tiefe Milsord! Tiefe Lotst! Der Poden prennt ihr hinter den Füßen — sie will fliehen und verabschiedet sich ausführlich von ihrem kanzen Tienstpersonal! Nein, nein! Tas ist kein Leben! Tas ist —! Aber tavon spater! Auf Wiedersehen, mein. Lieber! Wir sehen uns schon traußen einmal!" Der Kampf um Schiller übermannte ihn. er drückte mir die Hand, machte kehrt und lief davon. Ans dieser Welt, die außer anderen Käuzen auch den Dichter trägt, sah ich ihn nicht mehr. Und draußen einmal? Aus einem Familienbrief Jakob Wassermanns ■ Nachstehender Brief wurde uns von einer. Cousine Jakob Wassermanns zur Verfügung gestellt. In den Nachrufen für Jakob Wassermann ist immer wieder die starte traurige Jugend des Dichters geschildert worden. In diesem Brief setzt der Dichter der Schwester seiner Rlutter. die nach^ dem frusten Tode der Alutter etwas Wärme in diese traurige Jugend gebracht stat, ein Denkmal. , " . 4. 4. 08. Meine Lieben, hälie Ich nicht zu Anfang' det, Woche an für mich gefährlichen Ohremtechen gelitten, so wäre ich sicher zu euch gekommen* Ich musste mich damit begnügen, Jenny ah Repräsentantin der Familie Wassermann aufzufassen und wünsche, dass'ihr aus .meiner Abwesenheit' keine Schlüsse auf einen Mangel an Gefühl zieht. Für eure tote Mutter könnte das schon ganz und gar nicht gelten. Niemand weiss besser. Wer sie war als ich, denn sie war einst auch mir eine, Mutter. Niemals werde ich dieses beste aller Herzen vergessen, niemals vergessen, dass mir euer Haus die cigenfliehe Heimat, die Auf lucht meiner. harten Jugend gewesen ist. Man braucht mehl immer mit seiner Person will sagen mit den convenlionellen Forderungen, die an die ..Person gestellt werden, für Empfindungen einzustehen, manches von dem wes. ich geschaffen habe, beweist euch besser als alles■ Wßs ich.sagen könnte,'dass ich einen unverbrüchlichen Zusammenhang mit euch und eurer Mutier gespürt und aufrechterhalten habe. Sie fühlte stets mit mir, sie ergriff, heimlich oder offen. slds meine Partei; eine solche Frau, wie sie es war, konnte ich der Erkenntnis einer auf das Rechte. Tüchtige und Gute gerichteten Wesensart schon aus Instinkt nicht verschliessen. Ich weiss auch, was sie meiner Mutter war, So wie man Dankbarkeit nicht fordern darf, darf man auch nicht einmal von ihr sprechen, um dankbare Gefühle nicht im Vorhinein .abzustumpfen. Aber diese Gefühle hege ich und werde sie stets hegen. Stets wird de mir im Gedächtnis und im lebendigsten Bild ah Helferin, Mitsorgerin, Beraterin, ja als eine Art Vorsehung meiner Jugend existieren, und meine Kinder werden von ihr wissen und ihr Andenken, ehren. Und nun lebt wohl. Seid versichert, dass mit euch trauert euer Neffe und Vetter Jakob Wassermann. Du fragst,, wo ich zu Hause bin? Arn blauen, blauen Meer, •Und meine Heiimvehsehnsucht zieht Mit den Störchen hierher. Meine Sehnsucht liegt im Dünensand Und starrt ins Haff und ins Meer hinaus. .0, sage du mir einen Weg Ueber die Ferne nach Haus. 0, sage du mir einen Weg In mein liebes' Heimatland, Der Roggen blüht ja so gelb, so gelb Und am Meer, da flüstert und rieselt der [Sand. Mala Laaser.