Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 4 (25.1.1934)
- Date
- 1934-01-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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211.193) Berlin» 23» Januar 1§ .. '■ Xin*Jahrg^^f^Nr. 4. vProls 20Fflastm83 entraim ■ c iMjliTSCBTüM USD JU -d @„Ij ii & äi NÄ UU"H L L Ä li'ii'i a"! ""'' "1 Sfl ' "eC- ■' ljZVZV ■ L)§ m Dios© Nummer enthalt u. s. ( „vis Aussprache" Aufsätze von Dr.Friedrich irodnifz und Dr. H.Stern „Religion in dieser Zeit" II Von Rabbiner Dr.Max Wiener Erinnerungen an Jakob Wassermann von Georg Hermann und Georg Hirschfeld In meiner Vaterstadt Nürnberg sind Bilder,. Stiche,. Schnitte und Zeichnungen Dürers .so. lebendig und so vertraut wie die Burg, die mit dem tiefen Rot ihrer Ziegeldächer die Stadt -beherrscht, wie-das Machwerk mit seinein satten Braun, wie der Sommer in .un- " serem Reichswald, wenn der Sonnenbrand den bitteren Geruch des Föhren- und Birken-. Holzes mit dem süßen des blühenden Heidelrautes mischt. . . - Selbstverständlich war uns das alles. Es mußte eine Zeit kommen wie diese, die uns unmittelbar vor alles Wesentliche unseres Daseins stellte, um Plötzlich allem Wohlgekannten, allem Heimischen eine neue Lebendigkeit zu geben, Sinne, : Empfindungen imb Vernunft gewaltig zum Erkennen aufzureißen/ So standen wir neulich vor Dürers bekanntem Stich „Das große Glück. (Der Stich wird so bezeichnet im Gegensatz zu einer kleineren früheren Darstellung des. gleichen Gegenstandes.) Unter einem gewellten Wolkenrand liegt, wie unter einem zurückgeschlagenen Tuch, ein Alpendorf im dunklen Schatten feiner Felsen und- Wälder, traulich an den Fluß hingekauert. Zäune und Mauern sichern Garten und Haus, das friedliche Heim des Bürgers/'' Holzbalken sind auf der Straße aufgestapelt, Menschenstehen,am Ziehbrunnen, gehen über' die Brücken^ geordnetes Tagwerk wird vollbracht. '• ließet dem Wolkensaum breitet sich in weißer Leere die Unendlichkeit des Raums., Dort steht auf.einer Kugel eine mächtige Frau, das Glück. Wölfflin schildert sie mit folgenden Worten'. „Es hat fast etwas Erschreckendes diese Wirklichkeit an dieser Stelle. Nicht das schöne, jugendliche Weib, sondern die reife, starke Frau, ein schwerer Körper ..." Das Pathos der Gestalt wird erhöht durch ein ge-. waltiges Flügelpaar, Flügel, die ganz Natur sind, und doch nicht einmalig, sondern in dieser „gearbeiteten" Natur für jeden, der sie einmal geschaut, zum Flügel schlechthin werden. Die Frau trägt in der einen Hand einen ge-. neigten Pokal, in der anderen die Zügel eines Pferdegeschirrs. Schön, .jung und jauchzend ist das Glück in der Phantasie der Banausen. Vollkommen und harmonisch, vom Leben der Menschen unberührt, gestalteten die Griechen ihre Göttin des Glückes, die Nike. Bei Dürer ist das Glück eine ältere Frau, mit einem verbrauchten Körper, mit vom Leben gezeichneten Zügen und mistenden Augen. Nur wer das Leben gelebt, kann so. sicher im leeren Raum aus einer runden Kugel ohne fremden Halt stehen, nur wer das Schicksal überwunden, bedarf nicht des angelegten Zügels, um in seines Lebens Geleise zu bleiben. Dürers von innen gezügelte Gestalt hält die Zügel nachlässig in. der Hand. Sie gebraucht nicht die mächtigen Flügel, aber sie sind in dieser Darstellung wohl Ausdruck für die große innere Bewegung, die es dem Menschen erlaubt, so sicher über der Alltäglichkeit des Daseins zu stehen. Leere und Einsamkeit. ist um diese Gestalt, aber das Menschliche ist in ihr, und so tragt sie den Becher, aus dem die Tropfen des Glückes fallen mögen/ auf dre dunkle Welt, tief untett. In diesem Sinne schrerbt Hamann: „Gestalt und Landschaft sind nicht, wieein Lenker und sein. Wagen oder, ein Hemer und sein Opfer verbunden. Sie sind ausemander und stchen nebeneinander, wen sie un Grunds dasselbe sind." Warum hat uns dieser oft gesehene Strch in diesen so erföüifcrt?: SSstl.w große Wunder aller echien Kunst Lollx.ht, di° Katharsis, bb mrS W-r A crs«r erhebt, md-r stcSf.-at ew -.jt die dem drmLcn KincM «m feg U?» «“P4 Leides eine klare und bewußte Lösung gibt. Die sichere Welt Unseres bürgerlichen Daseins ist zerstört. Wir müsten es lernen, ohne die 86vur!t88 Vitae zu leben, im leeren Raum auf der runden Kugel unseres Schicksals zu stehen, nachdem wir den festen Boden unseres Daseins nicht mehr haben, nachdem wir nicht mehr gehalten sind von den Zügeln eines vorgeplanten Lebens. Wir sind ganz angewiesen auf unseren inneren Halt, auf das, „was Einer ist", nicht mehr auf das, „was Einer vorstellt", auf unsere Flügel, auf den Schwung unserer geistigen Welt. Das'kann zum großen Glück werden; denn nur wer Not und Elend erlebt.hat, wird die große Güte gewinnen, die es ermöglicht, den Glücksbecher für andere zu tragen. Mur aus solchem Erleben erwächst die Schönheit des Alters, die in ihrer Schwere größer ist als die Schönheit der Jugend leichtgelebter Zeiten. ' Schon heute gibt es unter den jüdischen-, Menschen in Deutschland solche, die dieses, Maß haben. Aus dem Mund unserer Gesamtheit, wie aus dem Mund vieler einfacher Frauen und Männer hören wir heuw immer wieder, daß es nicht auf die'Alten änkäme, daß man allein der Jugend den Weg bahnen , müsse. Dieser Verzicht auf alle eigenen Hoffnungen, diese Hingabe an .die 'Jugend.ünd^ damit der Glaube an das Leben, selbst im- Ablauf seiner Generationenist ein solches Tragen des Glücksbechers. . Wie. Dürer hat ein anderer großer' Künstler, dies ausgedrückt.'Michelangelo stellt ' auf dem Mediceer-Grab in Florenz dieMacht dar als eine schlummernde, mütterliche Frau., Auch ihre Gestalt trägt in tiefen Falten die Spuren schweren Lebens,, und doch ist der. größtdenkbare Friede in ihrem Schlaf. Es ist bei Dürer und Michelangelo die Lösung, die Faust fand,, als er von den Müttern kam. Ist dieser Schlüsiel nicht in meiner Hand! ' Er führte mich, durch Graus und Wog' und Welle Der Einsamkeiten, her zum festen Strand. Hier fass' ich Fuß! Hier sind es Wirklichkeiten, Von hier aus darf der Geist mit Geistern streiten. . Das Doppelreich, das große sich bereiten.. Goethes Doppelreich ist das Land des. wirklichen Lebens, vereint mit dem Land der reinen Idee.; Die, Jugend kennt den Hochflug de8 ..Geistes, daS Ringen um die eigenen Ideale, die hinausheben über die Niederungen des Daseins. Hier wird Lebenshaltung und Weltanschauung begründet. Ob sie standhalten, das muß sich erst beweisen, wenn sie noch im - Alter feststehen. Freilich wird sich das Ideal des Alters zum Ideal der Jugend'verhalten müssen wie die Blüte zur Frucht. Es gibt Menschen, die, nie vom Alltag berührt, eine Jugend Vortäuschen, deren Idealismus dann des Ernstes entbehrt. Vollendung erfährt jede Idee nur, wenn sie im Leben der Wirklichkeiten, der schönen und scheußlichen.Stun-. den gereift ist. Umgekehrt bleibt das wirkliche Leben ein sinnloses Zerreiben, „Abmüden" und Altern, wenn nicht die Idee es mit Sinn erfüllt. Faust, der den Schlüsiel zu diesem Doppelreich in der Hand hält, läßt, die Stille seiner Geletzrtenstube hinter, sich zurück. ' .Er hat die deutscke Landschaft erlebt. Er kennt die. dämonischen Wurzeln deutschen Menschentums, da er mit den Geistern ringt. Er öffnet sich mit dem Scklüsiel die Welt. Griechenlands. Da8 GvieS entum ist für Goethe nicht allein - eine Epoche menschlicher Geschichte, es ist ihm> ' die Verkörperung des Menschlichen schlechthin die vollendete Menschheit, die in seliger at^ndung lebt,-da'sie sich durch den Geist . ek‘ß ....; .. , ' Was' für Goethe das Griechentum - war. das sind für uns' die ewigen Werte jüdischer Religion und deutscher Kultur.- In ihnen verkörpert sich für uns ' das Menschentum. Aber um den Schlüssel zu dieser Welt zu finden, bedarf es des wirklichen Lebens, mit all seinem Leid und seinen Abstürzen,- die wir jetzt als jüdisches Allgemeinschicksal in Deutschland wahrhaft empfinden. -Die Lösung für unsere Not ist dann gegeben, wenn wir ihr nicht entfliehen, weder äußerlich noch innerlich, noch uns von ihr -zertreten lassen. sondern wenn sie uns der Baugrund wird für jenes Doppelreich, welches das wirkliche Leben in sich einschließt und sich darüber stellt. Eine solche Haltung vermag wohl ein großes Glück zu sein, unabhängig von den äußeren Geschehnissen des Daseins. Diese Freiheit bildet Menschen, die zum Glück für andere Menschen werden können, weil sie um alle Lebensnöte wissen und sie besiegt-haben. Sie können ohne Bitterkeit, verstehen und ohne Eitelkeit Helsen. Julie Meyer (Nürnberg) : Im Landsberger „Generalanzeiger" vom.' 29. Dezember 1933 ist ein Aufsatz des Reichsführers des Bundes „Deutscher Osten", Dr. Franz Lüdtke, : „Ostmärkische Schicksalstage vor 15 Jahren" erschienen, der erneut ein erschütterndes Bild von dem deutschen Zn-, sammenbruch, in Posen während der Jahreswende 1918/19 gibt. Mit Recht wird der Ratlosigkeit derdeutschen -örtlichen Behörden .und . der Schwäche und Entschlußlosigkeit' der miliH tärischen Kommandostellen die Schuld an. dem leichten Siege der Polen und damit an der! ün-:-> ----glücklichen - Gestaltung des - FriedensverkrägeK-: beigemefsen.: Wenn Dv. Lüdtke' darauf hm-. weift daß die zionistischen, Kreise den Augenblick für gekommen hielten, > um in einem, jüdischen Volkspat eine.eigene Politik, zu treiben , und' das, Judentum von , der. deutschen Sache' zu trennen, so muß im Interesse der geschicht-, lichen' Wahrheit folgendes festgestellt.werden: ' Die Zionisten bildeten in Posen eine ver-. schwindende Minderheit. Unter den 15 Mitgliedern des Repräsentäntenkollegiums dermdischen Gemeinde gab es nur einen Zionisten, der mcht einmal in dieser Eigenschaft gewählt war. . Der Führer der Zionisten hat in einem von ihm veröffentlichten Buch, das die Tätig- - keit des jüdischen Volksrates behandelt, dre. Kunst gerühmt, den Anschein einer nicht vorh'andenen Kraft zu erwecken und die zahlenmäßige-Schwäche zu verbergen. Der von dem jüdischen Volksrat vertretene Gedanke der jüdischen nationalen Autonomie hat in - den Posener Juden niemals Wurzeln geschlagen. Das Schicksal des jüdischen. Volksrates, der nach kurzer Zeit wieder von der Bildsläche ' verschwand, und dessen vollkommenen Mißerfolg auch seine Führer eingestehen mußten, bewerft dies mehr, als Worte es tun können. Den Rückhalt des nationalen Widerstandes der von den Behörden im Stich gelassenen, ganz aus sich' selbst gestellten, deutschen Be-, völkerung bildete der D e u t s ch e V b l k 8 - r-a t. Zu den Gründern des Deutschen Volks-. rates gehörten neben anderen deutschen Juden der Vorsitzende des Landesverbandes des Centralverein Derrtscher Staatsbürger jüdi-j schen Glaubens, dessen Organisatiorr 'restlos; der deutschen Sache dienstbar gemacht. wurde., Unter den Persönlichkeiten, die unter Hintansetzung persönlicher Gefahren im Deutschen Volksrat an 'führender Stelle tätigwaren,- befand sich' eilte 'nicht -geringe ZahldeutsclM Juden. " ' Dr. Lüdtke schilderte den tragischen Ver-» . lauf der Posener Schicksalstage vom 27. bis 29. Dezember .1918,, in denen .es den .Polen r gelang, die Hauptstadt zu erobern. .Er nennt:/ den 27. Dezember 1918 den schwärzesten Tag \ in dem wechselvdllen Schicksal-' der Ostmark., Am 28. Dezember 1918, während der Straßen-' , kamps tobte, hatte der Vorsitzende des Central--1 . Vereins in dem polnischen Hauptquartier eine - Unterredung mit dem als Begleitervon.: Paderewski nach Posen gekommenen diplomatischen Vertreter der englischen Regierung. Er hat ihm gegenüber in voller Offenheit den Standpunkt vertreten, daß die Posener Juden sich als einen unlöslichen Teil der deutschen Volksgemeinschaft fühlten. Dieses rückhaltlose Bekenntnis zum deutschen Volke hatte er' am 15. März 1919 Gelegenheit, gegenüber der interalliierten Kommission, die zur Vorbereitung des Friedensvertrages die Verhalt- - nisse in Posen studierte, zu wiederholen und in einer eingehenden Denkschrift zu begründen. Im übrigen sei auf den Aussatz m der „E. V.- Zeitung", Monatsausgabe von Oktober 1926. ' verwiesen, in dem der Anteil der'Posener - Juden an dem Verzweiflungskampf der Deut- > schen eingehend geschildert wird. , MX MMNLMg 'MOMX LMW; : Wie das VDZ-Büro meldet, hat der Reichsinnenminister gegenüber, der Reichs- gememschaft der freien Wohlfahrtspflege seine - Stellungnahme hinsichtlich der Arierbestimmuna bei Unehelrchen ozw. in der Adoptionsvermutlung klargestellt. Der Minister, betont u. a., daß die in der Heiratsurkunde 'der Eltern' vermerkte, Feststellung ihrer christlichen Konfession die mchtarische Abstammung des einen oder beider 'Elternteile nicht ausschließe. Eine -Nachprüfung und ein Zurückgehen auf die. Urgroßeltern-werde inÄefondere, dann erforderlich , sein, wenn der Name .jüdisch klingt, oder son-'; stige Umstände vorliegen, die daraus schließen lassen,.' dhß die Großeltern^ursprünglich Juden löten;.1 , ' ' . i : Ein Großelternteil;fci aber nur dann' als nichtarisch anzusehen, wenn seine beiden Eltern nichtansch waren. In bezug auf das, .. Berufsbeamtengesetz, wird festgestellt, daß der /uneheliche Sohn einer Arienn.unter das Ge- _ sch falle, wenn fein Vater oder desien Vater ' oder Mutter nichtarisch war. - . ’ Wenn standesamtliche - Register, Gerichts- ^. alten iUsiv. keinen Aufschluß geben könnten und auch sonst nicht nachzuwersen ist, wer der , Pater war, werde es dabei sein Bewenden haben müssen. Die Frage nach dem Ariertum . eines unehelichen Kindes, das wegen Fehlens der Vaterschaftsanerkennuny nicht in der Lage ist, Nachweise über ferne-Abstammung ' väterlicherseits beizubrin^en, beantwortet der / Minister dahin, oaß ein .solche Kind bei ^. arischer Herkunft Nrütterlicherselts bis zum; Beweis des "Gegenteils oder, wenn nicht be-1 sondere Umstände des Falles dagegen sprechen,; als arisch anzusehen sei. VW Fasten Esther 28. Februar Prrrim - 1. März Passah-Anf. 31.März.1.April Pasiah-EnDe - S. 7. April Wschenssst 20.21. Mai TempsLsVoSerung ' i. Juli Tsrupe^SVstSrnng 22. Juli Nerrjahr 5Ö95 ‘ 10.11. Sept. ' DsLM:mrr2SLsg . i9.Sept. 24.25. Sept. raLSo so. Sept. EchLrrtzseft :'. 1. Oktober . SssstzoSssenve' ."2. Oktober. ChamrSSeH . 2. Dezember 13. Abar 14. Adär -15.16. Nisian 21.22. Nisian 6.7. Siwan 17. Tamus 9. Ab ■ 1.2. Tischri - 10. Tischri 15.16. Tischri " 2t. Tischri 22. Tischri /23. Tischri 25. Kislew. m