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Central-Verein-Zeitung · 1934-01-18 · 3 (18.1.1934) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
3 (18.1.1934)
Date
1934-01-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der ungeheure Goldschatz, der in den ' Kellern der Bank von Frankreich lagert, ist ein Symbol der französischen Wirtschaftslage: sie bleibt rn einem Beharrungszustand. Das Gold liegt brach und arbeitet nicht. Es fehlt an der weitausgreifenden Unternehmerinitiative, an der in Deutschland bekannten stürmischen wirtschaftlichen ExpansionSlnst. Als das französische Volk im Sommer 1932 Männer der Linken ins Parlament sandte rückte es damit bewußt von dem Streben in der Hochkapitalisierung ab. Deshalb mutet uns das Frankreich von heute oft wie das Deutschland von 1880 an vergessen wir nicht, daßeseinVolkder Bürger und Bauern ist, daß fast genau die Hälfte dieses Volkes von der Land- Wirtschaft lebt. Um den Bauer zu schützen. I,at man immer höhere Zölle festgesetzt, hat de.nn. als in der Krisenzeit ausländische Jndustrieerzeugnisse den inländischen starke Konkurrenz bereiteten, auch für sie Einfuhrkontingente geschaffen. Kern Wunder, daß eine Wirtschaft, die so hinter einem Zaun gehalten wird, sich immer mehr zu einer Autarkie gestaltete. Frankreich kann . sich bequem selbst ernähren. Aber es ist von einem der billigsten zu einemder teuersten Länder der Welt geworden. Der Außenhandel ist stark gesunken: von 50,1 Milliarden Francs im Jahre 1929 (Uif 10,7 Milliarden im Jahre 1932, oder um liO Prozent. Frankreich hat zwar einen starken Binnenmarkt, aber bei den hohen Preisen bleiben auch die Gestehungskosten und Löhne hoch., Tiefes sparsame Volk wollte sich durch Kollerung vor der Weltkrise retten. Das tonnte nur zum Teil gelingen. Aber es wollte fiel) auch seinen behaglichen Lebensstandard halten. „In Frankreich handelt u> sich für die Politik darum, einen immer noch bestehenden Wohlstand zu verteidigen... b's geht zwar um Esten und Trinken, doch vergessen wir nicht, daß es sich um feines Weißbrot und Rotwein handelt*, schreibt Friedrich Sieburg, der Autor von „Gott in Frankreich*, sehr treffend. Man klagt infolgedessen sehr über die Krise, die wir in Deutschland eine leichte Depression neunen würden. Es wäre falsch, zu behauptcu, daß sie nicht existiere. Nur ihre Ausmaße nud ganz andere als bei uns. Man sieht in Paris sehr viel leere Wohnungen und, wie in Perliri, in den vornehmsten Gegenden viele zu vermietende Hauser. Man kennt auch hier das Problem der A r b e i t s l o s i g k e i t, sogar Hungermärsche, von Arbeitslosen, dabei gibt es nur ungefähr eine halbe Million Erwerbslose, die eingetragen sind. Pfund-und Tollarsturz haben bewirkt, daß der Fremden- ' verkehr stark zurückgeangen ist, was sich besonders in Paris bemerkbar macht. Die Krise hat manlche Opfer gefordert, sie hat gewiß auch zu einer Reinigung der Atmosphäre beigetragen, aber den französischen Kapitalisten noch vorsichtiger gemacht, als er schon von je war. Aber sie hat die Wirthchasisst r u k t u r dieses reichen Landes nicht erschüttert. „Es ist das einzige Land, das sich noch keine wirtschaftliche Verzweiflungstheorie ausgedacht hat", sagt Friedrich Sieburg mit Recht. Denn der Grundzug dieses Volkes ist der eines soliden Konservativismus. „Seit dem Kriege hat der Sozialismus mit seinen Verstaatlichungen, seinem Kollektivismus und feiner Kommißherrschast das französische Leben vergiftet, das nicht bei uns gebraut ist", schreibt Andrö Tardieu, der erste Mann der Rechtsopposition, und er fordert in der Annahme, der Führer von morgen zu sein: „Man muß die Autorität wiederherstellen, um die Freiheit zu retten." Aber kein Volk ist dem Sozialismus ferner als das französische. Frankreich ist kein Amerika, Paris nicht Berlin. -Das dürfen diejenigen nicht übersehen, die hierher, ganz aus welchen Gründen, Übersisdeln . Dieses große Land, umfangreicher - all bag; gjeutfdje Reich, aber nur .mit zwei , *! -l^ der deutschen Einwohnerschaft bevöl-. rert, könnte noch viele Menschen gebrauchen, besonders in den dünnbesiedelten Gegenden. ' aber es dauert lange, bis all die Neuankömmlinge absorbiert sind. Frankreich hat in den wahren nach dem Kriege mehrfache ströme von Einwanderern bei sich ausgenommen, Menschen verschiedenster Her- . funft und Klasse. Es hat sie nach und nach N. serne Wirtschaft eingegliedert und sich ihre Fähigkeiten zunutze gemacht. So wird es auch neuen Zufluß verdauen, wenn er sich in Grenzen hält und irgendwie in passender Weise eingegliedert werden kann. Frankreich rst kein Kolonialland, in dem man Experimente machen kann. Dieses solide und trotz aller. Krisen starke Volk mit seiner großen Tradition und seiner alten Kultur braucht keine Lehrmeister. Wer sich hier also rn Staat und Wirtschaft einfhgen will, muß vor allem die Mentalität und die Sprache dieses Volkes kennen. . Wer als Deutscher sich in Frankreich mederlasfen will, wird zunächst konstatieren, daß er hier auch Deutscher bleibt, ja daß ihm vielleicht erst in der Fremde bewußt wird, wie sehr er in seinem Denken und Handeln mit seinem Heimatlands verwurzelt ist. Die Deutschen bleiben deshalb hier zusammen, unter den deutschjüdischen Emigranten hat sich eine Art Autarkie ge- . bildet: deutsche Gaststätten, deutsche Betriebe sind entstanden, Pensionen, Wäschereien, Lebensmittelhandlungen, Wurstfabriken. Sie finden ihren Absatz unter den Landsleuten, sie geben aber auch einer Anzahl von ihnen Brot. Es ist hier natürlich genau so wie anderswo, der S p e z i a l t ft findet a m e h e st e n Arbeit, vor allem der gelernte Landwirt, der ausgebildete Handwerker. Der Intellektuelle kann mit seinem Missen sehr wenig beginnen, es sei denn, daß er sich umzustellen weiß. Denn der Anwalt kann hier nur juristischer Berater, der Arzt vielleicht Assistenzarzt werden, an eine selbständige Praxis ist ohne das vollständige Studium, ■ nach vorher abgelegtem Bakkalaureat (unserem Abiturientenexamen entsprechend) gar nicht zu denken. DiesranzösischeLand- Wirtschaft könnte gewiß viele Hilfskräfte gebrauchen, die Bauern haben im Sommer oft nicht Hände genug, um alle Früchte ihres Ackers zu ernten. Noch mangelt es an Geld zur Ausführung der verschiedenen landwirtschaftlichen Projekte, die von jüdischer Seite hier bearbeitet werden. Ein Ausbildungsinstitut für junge jüdische Landwirte und tandwerker ist in M o n t e s s o n bei St. ermain en-Laye von deutscher Seite geschaffen worden. Der Hechaluz widmet sich bereits mit Erfolg der landwirtschaftlichen Ausbildung junger Menschen für Palästina auf zwei Gütern, und die Exploitation Gönörale Agricole hat soeben eine 2000 Morgen große Domäne bei St. Nivien, 80 Kilometer von Bordeaux, zur Besiedlung mit kleinen Stellen angekauft. Auch die französische Industrie bietet gewisse Entwicklungsmöglichkeiten, auch hier wird sich der Fachmann bewähren. Der Spezialist wird stets Wege zu seiner Entsal- . tung finden, wird Rezepte besitzen, die er auch im fremden Land verwerten kann.( Aber in diesem reichen Land imponieren kleine Kapitalbeträge wenig. 100 000 Francs sind für Frankreich kein großes Vermögen. Jeder Fremde, der etwas Neues hier beginnen will, wird sehr bald merken, daß jeder Franzose Zeit hat. weil er Geld besitzt. Man darf wohl diesen allgemeinen Satz aussprechen, denn hier kann man sich Menschen ohne Subsistenzmittel nicht vorstellen, geschweige denn jemand, der vom Kapital lebt! Hier ist die Uhr in die Zeit unserer Nöte zurückgtzstellt. ES weht eine Atmosphäre reinster Burgerlichkeit. Das Volk liebt aber diese Beschaulichkeit, der Mittelstand ist sein stärkster Pfeiler. Deshalb würde der fremde Unternehmer, der hier etwa „Betrieb zu machen* versuchte, gegen die geheiligten Traditionen dieses Landes verstoßen. Da man fjier. zwar ganz anders als in anderen Ländern das PrinzipdersreienWirts ch a f t hochhält, hütet' man sich, den Gedanken der Konkurrenz zu überspitzen. Neid- . los läßt man den andern auch leben, weil man selbst eine gesicherte Existenz hat. Es wäre deshalb wirtschaftlich und politisch gefährlich, wollte ein fremder-Kaufmann diesen echten und gesunden Mttelstandsgeist durch großkapitalistische Betriebe, die längst in anderen Ländern existieren, untergraben. Alle aber, die sich a l s A r b e i t n e h m e r in' Frankreich verdingen wollen, können es als Fremde tun, wenn sie die Arbeitskarte erhalten; sie ist bisher nur in Ausnahmefällen durch das Arbeitsministerium erteilt worden., In einer Rede im Pariser Gemeinderat hat, der Polizeipräsekt von Paris Jean Ehiappe sehr interessante Angaben über den Fremdenzuström nach Frankreich und Paris gemacht. „Der normale Zuzug der Fremden,* so sagte er, „wurde zweimal be- ' trächtlich vergrößert, durch den russischen Zustrom von 1919 und den italienischen von ,1923. Jetzt hat ein neuer und großer Zustrom von Osten eingesetzt, aber an Intensität dem. der der Oktoberrevolution oder dem Marsch auf Rom folgte, wenig vergleichbar. Trotz der Naturalisationen bleiben noch 22 000 Russen übrig. Der Faschismus hält noch 71000 Italiener in Paris, endlich hat Spanien 14 000 seiner Söhne bei uns. Bisher gab eS schon 3000 Deutsche hier, und neuerdings sind nicht mehr als 7200 hinzugekommen.* Diese authentischen Zahlen, von kompetentester Seite gegeben, dürsten manche Legende zerstreuen. Aber sie beweisen doch, daß das Kontingent der Neuzugewanderten in der französischen Hauptstadt nicht mehr unbeträchtlich ist. Ihm gesellte sich die große Schar derer zu, die sich in anderen Teilen Frankreichs befinden. Die Grenzen hatte ihnen allen das französische Volk bis vor kurzem ge-, öffnet — jetzt werden Einreisevisen nur unter sehr erschwerten Bedingungen für wenige Tage gegeben —, aber es können Jahre vergehen, bis die vielen Neuankömmlinge sich irgendwie in die französische Wirtschaft eingeordnet haben. Wer von ihnen wird diese Geduldsprobe überstehen können? Gewiß, für die Hilfsbedürftigen hat ein großzügiges Liebeswerk bisher gesorgt, aber ihm fehlen die Mittel, sie alle wieder in neue Berufe einzureihen. K. Z. Sahungsteil insofern eine Aenderung eink getreten, als „Nichtarier, die in Anerkennung ihrer Kriegsteilnehmerschast im Reichs- oder Staatsdienst belassen worden sind, Mitglied im „ ReichSlustschutzbund werden können*. des. Der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag hat an die deutschen Handwerks¬ und Gewerbekammern am 6. Dezember v. I. ein Rundschreiben betreffend die Zulasiung jüdischer Jugendlicher zum Handwerk gerichtet, in.dem es heißt: „In einer kürzlich stattgehabten Besprechung im Reichswrrtschastsmmrsterium über die neue berussständlfche Ordnung tm Handwerk ist die Festlegung irgendwelcher Vorschriften, die mchtarrsche Handwerker von der Lehrlingsausbildung, von der Zulassung zu den Prüfungen de8 Handwerks, von der Zugehörigkeit zu den rommende^ Pflichtinnungen sowie von der Lehrlingsanleitung usw. auLscgließen, abgelehnt wor-, den, da sie mit dem Charakter der Reicysgewerbeordnung als einer l« »vsoMs UN' vereinbar sind. In dem m dieser Hmsicht von uns erbetenen Gutachten haben wrr gleichfalls die Auffassung vertreten, daß bei jüdischen Handwerkern eine Ausnahme von der Jnnungszugehörrgkeit bei Zwangs Innungen E gemackt werden kann noch daß sie von der Zulassung zur Meister- Prüfung ausgeschlossen werden können. Bezüglich der Jnnungszugehörigkeit verwerfen wir auf die M-Nottz vom 9. August v. I. (Nr. 377), Seite 4. Auch der Neichsarbeitsminister, wie der Reichsmimster des Innern haben in einer Entscheidung vom 12. Juli 1933 sich von gleichen Erwägungen leiten lassen. ES handelte sich hier um dre Frage. ob Mische Bauhandwerker von Arbeiten auszuschließen sind, die mit Mitteln der Reichszuschüsse für Hausinstandsetzungsarbeiten und Wohnungstetlungen durchgeführt werden Die, genannten Rerchsmrnlster haben dah'in entschieden, daß eine Sonderbehandlung jüdischer Gewerbetreibender unzulä sig sei Ebenso hat der preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit unter dem 12. Juli v «Vauf eine ihm zugeleitete Eingabe einegleichfalls in diesem Sinne gehaltene Er-, klärung abgegeben . . . Nach den oben geschilderten Vorgängen halten wir die in diesem Rundschreiben ausgesprochene Empsebluna für überholt. Ein Verbot der Erntellung jüdischer Jugendlicher als HandwerkSlehrlinge wird rn der kommenden VeruMandsordnrmg nicht ausgesprochen werden können. Wir bitten, hiervon Kenntnis zu nehmen und vorkommendensalls entsprechend zu entscheiden.* am ii Vor ungefähr einem Jahre wurden in London die ersten Versuche gemacht, die Arbeit der verschie- 'denen Institutionen durch regelmäßige statistische Erfassung sämtlicher Gemeindeangelegenheiten zu erleichtern. Das von der Jewish Health Organisation bestimmte Komitee konnte bisher aus Geldmangel nicht arbeiten, hat sich aber jetzt zu energischen Masmahmcn entschlossen. Sämtliche jüdischen Organisationen und Gesellschaften haben die Aus. forderung erhalten, sich durch kleine jährliche Beiträge an der Gründung und Aufrechterhaltung eines statistischen Büros zu beteiligen. Bisher schien man . i vor dein bloßen Wort „Statistik* ängstlich zurückzu, schrecken. Aber man beginnt im Zusammenhang mit der Entwicklung in anderen Ländern einzusehen, welch wichtige Nolle statistische Unterlagen zur Er« - sassung der wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Lage der Gemeinde spielen,, und daß ein erfolg., reiches Arbeiten ohne Zahlenmaterial nicht denkbar ist. Nicht zuletzt wird auch darauf hingewiesen, daß die Gegner des Judentums bei allen Gelegenheiten mit Zahlenmaterial bis an die Zähne bewassnet sind, und daß die Juden bisher nur teilweise in der Lage seien, mit richtigen und vollständigen Statistiken zu antworten. # Der Plan, einen Boykott gegen britische Faschisten zu inszenieren, der von Juden im Nordosten Londons erwogen wurde, hat in offiziellen < Mischen Kreisen hier allgemeinen Unwillen erregt. Eine derartige Haltung wird sowohl als „unsinnig* al8 auch alö provokatorisch gekennzeichnet. Man weist mit Recht daraus hin, daß nur eine der Violen faschistischen Vereinigungen Englands antisemitisch eingestellt sei. und daß Faschismus durchaus nicht identisch mit Antisemitismus sei. Die „United British Party*, die kärzliche mit der „United Empire Party* verschmolzen wurde, betont ausdrücklich. Antisemitismus stehe nicht auf ihrem Programm: „Wir hegen keine Feindschaft gegen irgendeine Religion; denn einer der -Grundsätze britischer Trabitton, dein Großbritannien die Anerkettnung der ganzen Welt verdankt, ist die Gleichberechtigung aller Religionen. Die United Empire Fascist Party verteidigt dieses Prinzip als einen unumstößlichen Bestandteil der britischen Verfassung, an dem nichts geändert werden darf.* M te» KMMkAMM Die „E. V.-Zeitung* hatte m ihrer Nummer 86 vom 20. September 1933 einen Be-' scheid des Neichsluftfahrtministers zitiert, nach dem die Juden von der Mitgliedschaft im Reichsluftschuhbund ausgeschlossen waren. Wie das P r ä s i d i u m des R e i ch 8 l u s t - s'chutzbundes dem Centralverein jetzt auf Anfrage mittei.lt, ist in dem entsprechenden im ZL&iiscforifien Die Frau im Dritten Reich Ueber die neuartige Stellung der Frau im' nationalsozialistischen Staate unterrichtet Else FrobentuS m einem Aufsatz „Dienst am Leben* („DaS deutsche Frauenwerk*, 2. Jahrgang, Heft 1). Die ureigenste Gabe der Frau, sagt Else FrobeniuS, 'ist gestalten und erhalten. An geistiger Schöpferkraft ist der Mann ihr überlegen. Der formende und behütende Dienst am Leben muß jedoch von ihr geleistet werden. Im mütterlich-naturnahen Gestaltungsdrang der Frau liegt der Ursprung jeglicher Kultur. Indem der Nationalsozialismus des Gesetz der Verbundenheit von Blut mtd Boden aufrichtete, - führte er die Frau zu den Quellen ihres Seins, zum Muttertum, zurück. In der Mütterlichkeit wurzeln alle Frauenaufgaben, die das Dritte Reich von der Frau fordert. DaS uetre Deutsch- ' land verlangt eine Nettbeseelung des Familien-, lebenS, die liebevolle Pflege von Haus und Heim. Als Keimzelle des Volkes soll die Familie für einen gesunden ausbaufähigen Nachwuchs sorgen. Dabei muß jedoch eine neue Lebenshaltuttg eingeführt werden. Es gilt, in Stadt und Land schlichte Lebensformen etnzusühren, die doch Volks«. geartet sind. Mrlschaflswende Mit dem gewaltigen Problem der deutschen Wirtschastsumschichtung besaßt sichJensLorusenin einem Aufsatz „Kampf um Boden tmb Bauer* („Die Tat*. 25. Jahrg., Heft 10). Lornsen geht von der programmatischen Erklärung aus, mit der der - ostpreußische Oberpräsident Erich Kock) die Sonder-: stellung seiner Provinz Umrissen hat :„Die große Wertde Deutschlands in der nattonalsozialisttscheu, Revolution besteht darin, daß auch staatspolitisch ■ das Gesicht des deutschen Volkes vom liberalistisch industriellen Westen sich itach dem Preußischen Osten wendet; aus dieser Wende sind die großen Atlfgaben Ostpreußens für das gesamte Deutschland geboren.* Lorusen hält die Siedlung für eine volksbiologische und vclkspolitische Notwendigkeit. Denn die, Reagrarisierung und Gestaltung einer neuen bäuerlichen Ordnung ist von dem Probletit der Erhalüing , uitd Mehrung der bäuerlichen Stibstanz nicht zu trennen. Die Arboitskapazität der Landtvirtschast ist so stark beschränkt, daß der größte Teil de8 land- < wirtschaftlichen Nachwuchses den Beruf ausgeben muß. Mit zmtehmender Betriebsgröße erfolgt eine starke Abnahme des Personalbestandes. , Außerdenr.. besteht die Gefahr, daß der bäuerliche Nachwuchs gegenüber den neuen Jndustriedörsern ins Hinter- . treffen gerät. Durch Industrialisierung des Landes kann die - Bevölkerung im bätierlick)en Lebenskreise verdichtet worden, wenn der Staat zugunsten der industriellen, Umsiedlung den Zuzug neuer Jndtrstrien zu den Großstädten — soweit nicht besondere Standortbindungen vorliegen — unterbindet. Die großeil raumwirtschaftlichett Strukturünderungen können freilich nicht mit dem alten Begriff der Rentabilität gemessen werden. Vrofesfor Georg Schlesinger öS Iahre all Einer der hervorragendsten deutschen Forscher aus dem Gebiete des Fabrikbetriebes und des Werk. zeugmaschinenbaueS, Professor Dr.-Jng. Georg Schlestnger, begntg am 17. Jantrar setnett 60. Geburtstag. Er wurde in Berlin geboren und im Jahre 1904 im Alter von 30 Jahren als ordent-' licher Professor an die Technische Hochschule Berlilt berufen, der er bis vor kurzem angehörte. Schlesingers Wirken schuf die Grundlage für die moderne - Fabrikation, der ein großer Teil der Entwicklung der moderrten Technik zu danken ist. Seine grundlegenden Arbeiten befaßten sich mit der austairschbarm Fabrikation, der Rormuna, der Fabrik- Organisation und den Werkzeuginaschinen. mit denen die Erzeugnisse der Technik hergestellt - werden. Er schuf in langjähriger Arbeit daS Versuchsfeld für Werkzeugutaschtitert an der Teck)- nischon Hochschule Berlin, dessen Arbeiten, ebetiso wie sein „Prüfbuch für Werkzetigmaschinen* einen wesentlichen Anteil an der stolzen Entwicklung haben, den der deutsche Werkzeugutaschinenbatt hat. Bei seinem 25jährigen Dozentenjubiläum hat die deutsche Industrie thm tu Form einer „Georg- Schlesütger-Stiftmtg* ein Denkmal gesetzt, deren Zinsen gemäß dem Wttnsche Schlesingers bedürftigen Studierenden und Forschungsarbeiten zugutekonrmen. Seine Arbeiten sind in die engltsche, französische und italienische Sprache übersetzt worden und haben seinen Namen in alle Welt getragen, so daß jährlich viele Studierende des In- und Auslandes seme Vorlesungen in Berlin auf", suchten. Seit jeher galten seine Arbeiten nicht nur' den Maschinen, sondern auch dem Menschen m der ' Fabrik. Umfangreiche Verössentlichungen über litt-! sallverhütung, Psychotechnik und Kriegsbeschädigtenhilfe durch Schaffung zweckmäßiger Ersatzglieder legen Zeugnis hierfür ab. Er hat sich stets als jüdischer Deutscher bekannt und seinen fach-' männischen Rat oft dem C. B. zur Verfügung i gestellt. Mit frischer Arbeitskraft beginnt er sein. siebentes Jahrzehnt.^ Kr. Verlag: Centralreceln deutscher Staatsbürger indischen Glaubens e. V.. Berlin W 15. Graser Straße <2. Tel.-Adr.r „Centtalglauber Berlin.* Fernsprecher: J 2 Oliva 6054—67* Postscheck: Berlin 804 72. - > Hauvtschriftleiter: Dr. Alfred Hirfchberg. Stell- Vertreter: Dr. Margaret, Cdrlheim. Beide in ' Berlin W15, Unverlangte Manuskripte werden nur t zurtickgesandt. wenn Fretumschlag deiliegt. ' Leitung der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für, den Inhalt der Anzeigen: Fried «ichNathan. Berlin, i Druck dev Buch, und Tkefdruck-Dvsellschaft mbH. Berlin SW 100. L»-ssan„».Wgge SSM Exemplare. av. vjo 3.

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