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Central-Verein-Zeitung · 1934-01-11 · 2 (11.1.1934) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
2 (11.1.1934)
Date
1934-01-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Kulturbund dQsan&c^r Juden, Sonder-Veransfaltunsen Eintritt nur für Mitglieder gegen Zusatzmarken. Sonntag, I I. Januar, vorm. II7, Uhr, Berliner Theater. Dr. Kurt Singer Sonntag, 14. Januar, nachm. 37* Uhr, Berliner Theater. „Bunte Kinderstunde“ LUCS0 CiGll30P 50 Pfg. Zusatzkarten gegen Vorweis der Mitgliedskarte erhältlich, am Theater-Eingang, 7* Stunde vor Beginn. Die Neichsvertretuug der deutschen Juden teilt mit: Am Dienstag. 2. Januar, trat der Ausschuß der Neichsvertretung zu einer seiner regelmäßigen Tagnngcn zusammen. Neben organisatorischen Fragen wurden eine Reihe von Problemen des Wirtschaftslebens behandelt. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand die Durchberatung und endgültige Genehniigung der vom Erziehungsausschutz der Neichsvertretung ausgestellten Richtlinien, die zur Ergänzung der staatlichen Richtlinien sür die Ausstellnng von Lehrplänen für jüdische Volksschulen dienen sollen. Diese Richtlinien sollen in Kürze der -Lessentlichkeit übergeben werden. Da in der nächsten Zeit eine größere Anzahl von jüdischen Volksschulen neu errichtet werden soll und die Arbeit der bereits bestehenden nach einheitlichen Grundsätzen zusammengcsaßt werden soll, kommt diesen Nicht« liniert eine außerordentliche Bedeutung zu. Die Schulverwaltung der Adas; Jisroel, Der» lln NW 87, Liegmundehes 11, teilt mit: Auch in Zukunft kann an unseren höheren Schulcmstalten das Abiliirientenexaiiien abgelegt werden. Auch answärtigen Schülern . und Schülerinnen wird Ausnahme in alle Klcisien der Volksschule, des Ncalavnmasiuins und Lberltneums gewährt. Nähere Auslünstc erteilt die Läiulleitung. Tas Vatenschaslskowilee für das Adas; Cchnlwcrl wird weiterhin um Gewährung von Schnlgetostivendien und uni Einrichtung von Freiplähen besorgt sein. Gesuche um Lchulgeldcrinäsrigung oder -desreinng sür neu auiznnehmende Schüler sind sofort an daS Pateilschastskvinitee, Berlin NW 87, Sicgrnundshof 31 zu richlcn. Ateldungen für die Grundklassen Artillcriestratze, besonders sür die Oberstufen des RcalgNinnasiunis und des Oberlhzeums Siegunindshvs haben günstige Aussichten. Ter in Frankfurt erscheinende .Israelit^ das Zentralorgan des orthodoxen Judentums, hat am 3. Januar das 75. Jahr seiner Existenz begonnen, darf sich somit als das älteste deutsch-jüdische Presseorgan bezeichnen. Von sonstigen jüdischen Blättern ist nur der „Iewish Chroniclc" in London älter. Begründet wurde der „Israelit" im Jahre 1859 durch den bekannten Mainzer Rabbiner Tr. Lehnt a n n, der sich auch durch seine gemütvollen jü« di scheu Novellen und Romane mib andere belletristische Arbeiten streng orthodoxen Charakters einen Namen gemacht hat. Ter Lehmannsche oder, wie man sagte, der M a i n z e r „Israelit" war lange Jahrzehnte der beständige Sabbatfreund der jüdischen Familien weit über Deutschland hinaus und hatte in den jüdischen Belangen, die er vertrat, wahrhaft internationalen Charakter. Man findet in den alten Jahrgängen eme ausgedehnte Berichterstattung, ebenso ans Konstantinopel, Amerika, Palästina, den Ländern des Orients, wie aus allen Gauen Deutschlands. nw jüdische Gemeinden sind. Neben einem Leitartikel, der, fast immer an den Wochenabschnitt anknüpsend, eine beschauliche und erbauliche Betrachtung enthielt, und dem schon zur Berühmtheit geder beschlossen wird, auf den Berg zu ziehen; „die Prozession des Feuers" (diese Ueberschrist nicht ganz glücklich), das den Bergwald weithin verzehrt; der Brand des Lagers. Und so fort. Alle Vorsprüchc sind aus der Offenbarung Johannis gewählt; Apokalypse ist allenthalben über dein Buch. Und alle Meisterschaft ist durchglüht von der Liebe zu unendlich leidenden Menschen. Tiefes Fühlen ist nirgends ausgesprochen; es wird nicht, wie zur expressionistischen Zeit, in aufdringlicher Weise Menschlichkeit geredet, sondern sie ist in die Tarsteltuug eingestaltet. Am vernehmlichsten spricht diese Stimme der Liebe durch einen Türken und einen Deutschen. also einen Verbündeten der Türken. Agha Rifaat Bereket, ein patrizischer Alt- Türle, ein Anhänger der Tradition und Gegner der jung-türkischen Negierung, setzt es durch, daß er die Armenier auf dem Musa Dagh besucht und ihnen einige Säcke Kaffee, Zucker und Tabak bringt; er bietet dem Bagradian Zuflucht in seinem Hause, der aber folgt ihm nicht. Der Deutsche ist jener Pastor Lepsius, mit spürbarer Liebe geschildert; unpraktisch, ohne Sinn für Realpolitik, monomanisch besessen von der Liebeslehre, die er zu verkündigen hat; er weiß nur: Christen sind in Not, fürchterliches Unrecht geschieht, und er darf es nicht dulden. Ein überreiches Werk; es wird dauern. In einer Zeit, in der die Stellung des jüdischen Künstlers öffentlich diskutiert wird, erschien es Proiessor Landsberger (Breslau) wichtig, über die universelle Bedeutung Max LiebcrmannS zu sprechen. Immer waren Juden gerade in der bildenden Kunst produktiv, in Berlin aber gab es zu allen Zeiten grotze Persönlichkeiten, die Wahrer der Tradition der Reichshauptstadt blieben. Liebermann, im langten lausenden Lehmannschen Romane, zumeist aus älterer und neuerer jüdischer Geschichte. Nach dem Tode Rabbiner Dr. Lehmanns übernahm dessen Sohn Oskar die Redaktion des Blattes, um es in gleicher Form und gleichem Sinne (zweimal in der Woche) erscl)einen zu lassen. Im Jahre 1006, als das jüdisck)e Zcitungswesen schon eine gewisse Verbreitung und Entwicklung erreicht hatte, machte sich das Bedürfnis geltend, auch den .Lsraelit" etwas moderner auszugestalten. Eine G. m. b.H. in Frankfurt a. M.. später verbunden mit der Hermon-Aerlag A.-G., übernahm den Verlag und die Redaktion, und seitdem erscheint der Israelit" als führendes Organ des orthodoxen Judentums in Deutschland m Frankfurt c. M., seit 1908 unter Redaktion von S. Schachnowitz, der als dev legitime Nachfolger und Sachwalter des Dr, Lehmamischen Erbes gelten darf. In Würdigung der zentralen Bedeutsamkeit des „Israelit" hat auch eine Reihe gesctzcstreuer Organisationen, wie AgndaS Jisroel, Verband gesetzestreuer Lehrer u. a. in. regelmäßig ihre Organe dem „Israelit" beigefügt. Die konsequente Vertretung der religiösen Interessen und die unbeirrbare Jnne- Haltung seiner Grundtendenz sichern dem .Lsraelit" bei Freund und Gegner rückhaltlose Anerkennung. Wir wünschen der Zeitschrift ein weiteres mirkungsvvllcs Bestehen. Dr. E~nn. Assessor Georg MseWd (HreÄM) geßoSeK Die Breslauer jüdischen Aerzte versammelten sich am 7. Januar zu einer Gedenkfeier sür den Ende Dezember. im 73. Lebensjahre Heimgegangenen Geheimrat Professor Dr. Georg Rosenseid, in welcher die Primärärzte Dr. Goerke (Allerheiligenhvspital) und Professor Dr. Frank (Wenzel-Hancke-Kranlenhaus) den Verstorbenen als Menschen, Arzt und Forscher würdigten. Obwohl eine Lehrpersönlichleit von Format, hat Georg Nosenscld nie au einer Universität lehren können. Er arbeitete in. seinem Breslauer Privatlaboratvrium, aber sein Ruf ging weit über die Grenzen seiner Heimatstadt. Seine Versuche auf dem Gebiete der Leber- und Zellenverfettung sind bahnbrechend geworden. Jahrzehnte hindurch beschäftigte er sich auch mit dem Fettstvsfwechsel und machte viele Versuche an sich selbst. Als Verfasser wichtiger Werke über Röntgendiagnostik (1897), Einfluß des Alkohols ans den Organismus (190!) und Diätkuren (1927) ist sein Name in weiten Fachkreisen bekannt. Darüber hinaus wirkte er im allgemein wissenschaftlichen Leben. Fast 30 Jahre lang war er Stellvertretender Generalsekretär der Schlesischen Gesellschaft für Vaterländische Kultur, die ihn zum Ehrenmitglied ernannte; er war Vorsitzender der Breslauer Lokalen Vereinigung für das ärztliche Fortbildungswesen und übernahm vor einigen Jahren auch den Vorsitz iw Humboldt-Verein für Volksbildung, den er bis zum Frühjahr dieses Jahres innehatte. Professor Roseusetd war lange Jahre Mitglied des Centralvereins. Wissenschaftliche Verssnallen Privaidozent Dr. Bernhard Kugelinan n, Berlin-Schönebcrg, früher Assistent bei Professor Tr. Bergmann, Berlin, wird einem ehrenvollen N»f an dos Aelh-Jsrael-Krankenhans, Rew-Avrk. Folge leisten. Tr. Kngelmann ist ausgesvrdert worden, seine wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungen an diesem Institut sortznsehen. Sn® Iffmßem *=» wh Kann bei einem Arrestantrag die Gefährdung des Anspruchs damit glaubhaft gemacht werden, dass bei dem Antragsgegner als Juden eine plötzliche Auswanderung zu befürchten sei? Das Amtsgericht Berlin (41 0 2125/33) hat diese Frage verneint. Ein Motorradfahrer war mit dem Kraftwagen eines Juden znsammengestotzen und glaubte, einen Schadensersatzanspruch zu haben. Er begründete seinen Arrestantrag damit, daß bei Nichtariern unter den gegebenen politischen Verhältnissen die drmgende^Gefahr bestehe, daß sie das Gebiet des Deutschen Reiches plötzlich verlassen und daß die Vollstreckung des in der Hauptsache ergehenden Urteils deshalb im Ausland nur unter Schmierigkeiten durchgesührt werden könnte. Cs war lediglich glaub- Haft gemacht, daß der Antragsgegner nicht versichert sei. Das Amtsgericht Berlin hat den Arrestantrag zurückgewiesen, da der Umstand, daß der Antragsgegner Jude und nicht versichert sei, allein nicht ausreiche, um glaubhaft zu machen, daß er Deutschland verlassen wolle. Ich war leitender Angestellter in einem Unternehmen, dessen Inhaber arischer Abstammung ist. Ich bin fristlos entlassen worden, weil der gegen das Geschäft im April durchgeführte Boykott offensichtlich nur wegen meiner nichtarischen Abstammung erfolgt sei. Ist die fristlose Entlassung zu Recht erfolgt? In einem ähnlich liegenden Falle hat das Landesarbeitsgericht in Frankfurt a. O. zugunsten des Arbeitnehmers entschieden. Das Reichsarbeitsgericht hat in einer Entscheidung vom 28. Oktober 1033 (RAG 220/33) diese Entscheidung bestätigt und ausgeführt, das; die Frage des zur fristlosen Entlassung berechtigenden Grundes immer nach den Umständen des Einzelsalles zu beurteilen sei. Dazu gehöre allerdings auch der Umstand, daß ein Angestellter nichtarischer Abstammung sei. Das Landesarbeitsgericht habe aber dies zugleich mit den übrigen Tatsachen, (Wiederholung des Boykotts sei kaum zu befürchten; die Kundschaft stoße sich nicht am Judentum des Angestellten, übrigens eines bewährten Kriegsteilnehmers) gewürdigt. Seine abschließende Annahme der mangelnden Berechtigung zur fristlosen Entlassung könne rechtlich jedenfalls nicht beanstandet werden. Können jüdische Schiedsrichter ab gelehnt werden? Wad) dem Gesetz vom 20. Juli 1933 (RGBl. I, S. 522) können Nlchtarier im Sinne des Gesetzes zur Wiederlserstelluiig des Berussbeamtentums und der dazu ergangenen Durchführungsverordnungen abgelehnt werden. ' Das Bayerische Oberste Landes, gerächt ist in einer Entscheidung zu dem Ergebnis gekommen, daß das Recht der Ablehnung auch der nichtarischen Partei zucrkannt werden müsse, sofern von diesem Recht nicht bloß aus Schikane Gebrauch gemacht werde. („Bayerische Zeitschrift für Rechtspflege", 1933, 338.) Danach ist auf Grund des Gesetzes vom 20. Juli 1933 also ein jüdisü)er Schiedsrichter von einem Juden abgelehnt worden! Ich bin Mitglied der Städtischen Krankenversicherungsanstalt zu Berlin (0.27, Schicklerstrasse 6). Ich muss ein Krankenhaus aufsuchen. Dürfen jüdische Mitglieder dieser Versicherung in das Jüdische Krankenhaus zu Berlin gelegt werden? Ja! Wir haben auf fernmündliche Anfrage den Bescheid erhalten, daß dies zulässig ist. Freilich hat die Städtische Krankenversicherungsanstalt, die keine eigene Rechtspersönlichkeit hat und als innere Einrichtung der Stadtverwaltung Berlin gilt, also keine Krankenkasse im Sinne der Reichsversichernngsordmmg ist. den Beschluß gefaßt, daß die a r i s ch c n Mitglieder sich grundsätzlich nur von deutschstämmigen Aerzten behandeln lassen dürsten. Ich war mit einem arischen Anwalt assoziiert. Meine Zulassung als Rechtsanwalt ist wegen meiner nichtarischen Abstammung zurückgenommen worden. Mein früherer Sozius und ich haben dem Vermieter unserer Büroräume das Mietverhältnis gemäss § 6 des Gesetzes über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft vom 7. April 1933 (Reichsgesetzblatt I, S. 188) gekündigt. Ist diese Kündigung zulässig? Ja! Das Landgericht in Hamburg hat in einem Beschluß vom'15. 9. 1933 (ZBs XII 601/33) und in einem Urteil vom 26. 10. 1933 (ZBf XII 545/33; Jttr. Wochenschr. 1933, S. 2784) ausgesührt, daß die Kündigung nach dem Gesetz vom 7. 4. 1933 auch zulässig sei, wenn eine Anwaltssozietät aus einem arischen und aus einem ausgeschlossenen nichtarischen Anwalt Mieter sei. Wenn man den arischen Anwalt am Vertrage festhielte, würde mittelbar der ausgeschlossene nichtarische Anwalt mitgetrvsfen werden, da dieser im Jnnenverhältnis möglicherweise weiterverpflichtet bleibe. Es könnte sich daher nur noch darum handeln, zu untersuchen, ob etwa der verbleibende Anwalt wirtschaftlich ohnehin das Uebergewicht gehabt habe. Dafür habe aber im vorliegenden Falle nichts Vorgelegen. Kreise von Menzel und Steffeck groß geworden, läßt in seinen frühen Arbeiten einen ausgesprochen preußisck-en Geist vernehmen, nicht zuletzt in den rhythmisch starken Pferdebildern, von denen der Vortragende betonte, daß der damals noch junge Künstler im Berlin der Wachtparaden heimisch war und sich ein Hauch dieser straffen Preußischen 2(rt seiner Arbeit mitteilte. Rhythmus im gesantten Aufbau Licbermannscher Bilder, seien sie nun von der holländischen Manier eines Jozef Israels oder Franz Hals, der zeitgemäßen Art der Franzosen beeindruckt, teilt sich auch der Lichtführung mit. Der Redner des Abends wies gerade aus die berühmt gewordene „Totenfeier sür Kaiser Friedrich III/ hin. die ein Auftrag des Künstlers gewesen. Das Oeuvre dieses Meisters wurde an. eindrucksvollen Lichtbildern illustriert, im Ganzen ging es um die große Zahl der Gemälde, die von deutschen und ausländischen Museen im Laufe dieses 86jährigen Lebens erworben wurden, während das graphische Werk im Rahmen dieses Vortrags nur kurz gestreift werden konnte. Professor Landsberger führte zum Schluß der eindrucksvollen, zeitgebundenen Ausführungen die große Zahl der Porträts an, die der alternde Liebermann schuf und schafft! Tenn die Reihe der bekannt getvordenen Bildnisse, wie zum Beispiel des Tr. Hermann Sachs, des Schwagers Gerson von Bleichröoers, von Professor Borchardt (Kairo), des Hamburger Bürgermeisters Dr. Pctersen, und des Professor Sauerbruch wird vervollständigt durch ein Selbstbildnis, das Max Liebermann sür das Museum von Tel Aviv malt und ein Frauenporträt, die. wie der Meister selbst sich aussprach, ihn in der Arbeit die seelische Not der Zeit vergessen lassen, vr. 0. 8. Im Berliner Kulturbund gab Emil Bernhard-Cohn. seit langem der Kanzel wie den Musen treu ergeben, einige Proben seines dichterischen Schaffens, ansgewählte Bruchstücke aus epischen und dramatischen Werken. Es ist immer eine schwere und undankbare Aufgabe, vom losgelösten Torso einer Dichtung auf das Ganze zu schließen, da das Gebotene ja den Bereich der Phantasie oder der dichterischen Erfindung nur eng umgrenzt und daher dem umfassenden Urteil keine sichere Handhabe bietet. Immerhin ließ auch daS Fragmentarische der Darbietungen den künstlerischen Ernst und das starke Ethos, die Beherrschung sowohl der erzählenden wie dramatischen Formensprache erkennen, mit der sich Emil Bernhard-Cohn als Dichter legitimierte. Ter überwiegende Teil des Programms war aus den Ton des Betrachtsamen. des Legendären, des Mythischen, des Zeitlosen abgestimmt: nur die dramatisch wie rhetorisch bewegte Schlußszene aus dem Schauspiel „Mirabeau" gab sich als ein Stück historischer Wirklichkeit, die sich in dem zweiten dramatischen Torso, aus der bisher an mehreren Bühnen aufgesührten „Jagd Gottes", in die an feine Zeit gebundene Messiasidee auflöste. ^Das epische Talent Emil Bernhards entfaltete sich weniger in einer aus einem unvollendeten Roman stammenden Rahmenerzählung „Ter Panther", in der'die beiden Wescnsclemente Mythos und Eros sich wohl begegnen, aber nicht dtuchdringen, als in der sehr seinen und aus den Goldgrund der Poesie gezeichneten Legende „Tic fremden Jahre", von der leider auch nur der einleitende Teil zu Gehör gebracht wurde. Die Wirkung des Ganzen hätte sich zweifellos noch erhöht, wenn Emil Bernhard die Interpretation deS gesamten Programms, statt etwa der Hallte, Edith H e r r n st a d t - O e t t i n g e n überlassen hätte — dieser aitsgezeichneten Sprecherin, der die seltene Kunst zu eigen ist. das Wort Gestalt, den Vorgang Anschauung werden zu lassen, und die überdies das Gesprochene mit dem wohligen Timbre ihrer stimme sowie einer diskret malenden (Sejtc zu beseelen weiß. T y t r ' H. —'»Ul. »ia. «ui Eloesscr seine Vorträge über Heinrich Heine dem Thema: „Heines Rückkehr zum Judentv In klarer Gliederung, ohne wesentliche Absch fttngen, legte der Vortragende an Hand e reichen Materials den inneren Prozess der Bl rung dar. der den alternden Heine zum Glai seiner Väter zurückführte. 2Jtit Recht könnt darauf hinwclsen, daß die Taufe für Heine erne ganz äußerliche Handlung blieb, von der MNtltch schon in seinen „Bädern von Lucia" sichtbarsten aber in dem ivnndervollen den % ime den deutschen Romantiker widerspieacli Romanfragment „Der Rabbi von Bacharaclst e uer Art Neuegefühl wieder abgcwandt habe, ebenso "konnte er überzeirgend dnrlegen. wie dann Hemes Bekehrung in seiner zweiten ssei m Frankreich, nicht bloß als das Resultat' sc furchtbaren Krankheit, sondern auch als ein g ger Akt vollzog, für den besonders die Persönlichkeit Moses mit ihren sozialen Forderungen das nötige Bindeglied schuf — bis diese Bekehrung schließlich ihre schönste, menschlich-dichterische Weihe aus de»! unverwclklichen Gedichtkranz des „Romanzero" enipfangen hat. — Mit einem Vorträge „Berliiier Jüdinnen" trat Bertha B a d t - S t r a n ß, in sympathisch wirkender Bescheidenheit, vor ein zahlreiches Publikum, zu dem, wie es die Ankündigung erwarten ließ, die weiblichen Mitglieder des Berliner Kulturbundes das Hauptkvutingent stellten. In einem kulturhistorisch iveitgespaunten Rahmen breitete Frau Badt-Strauß eine Reihe jüdischer Frauenbilder Berlins vor uns aus, beginnend mit der ersten „Hofjüdin", der ebenso schönen nüe ttngen. ebenso starken wie eigenwilligen Esther Liebumnn, die unter der Regierung des Großen Kurfürsten aus Prag nach Berlin gekommen war, endend mit den sozial tätigen Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts, einer Lina Atorgeustern, einer Jeanette Schwerin, einer Jvsephine Leoy-Rathenan. I"' Zentrum ihrer Ausführungen stand natürlich da-r berühmte Terzett Berliner Jüdinnen: Dorothea Mendelssohn, Henriette Herz, Rahel Lewin — unter ihnen gehörte die besondere Zuneigung der Vortragenden berechtigter Weise der „Bacchantin des Gedankens", wie Rahel von ihrem unbegrenztO' Bewunderer Heinrich Heine genannt wurde, dieier selten genialen Frau, deren Tragik es war, daß hm ihre Genialität nie in einem eigenen Werk risch bestätigen konnte, und deren selbstgeivahlte-r Schicksal es war, daß sie wie in inerkivürdiger Wahn vermandtschaft mit Heine —im Aller aus einer Renegatin wieder zur Jüdin wurde. Bei Dorothea Niendelssohn griff die Vortragende, indem sie W den Namen einer Gottsncherin gab, über die Charakteristik Friedrich Gundvlfs hinaus, der sie nur als „das erste üüiufter der eigentlichen Gehst"' jüdin" gelten lassen wollte; vielleicht hätte liäl eine Annäherung an die Gnndolfsrhe Charakteristik er», zielen lassen, wenn die Vortragende auch die scliriststellerische Tätigkeit Dorothea Mendelssohns - die den in ihrer Zeit bekanntesten deutschen Franew rornan „Florentin" versaßt hat — nicht ganz anher Acht gelassen hätte. In jedem Falle ivaren die Hörerinnen und Hörer außerordentlich gefesselt und dankten Frau -öadt-Ltrauß durch lebhaften Beifall. ■ Dr.'ILL.

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