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Central-Verein-Zeitung · 1934-01-04 · 1 (4.1.1934) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
1 (4.1.1934)
Date
1934-01-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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MMcFi im die %e£tschri£t&m Ser AerufSmeosK In einem tiefbcwegenden Aufsatz ,Hch glaube an die Zirkunft der Menschheit!" („Die Hilfe", 39. ' Jahvg., Nr. 24) nimmt Albert Schweitzer, der bekannte Arzt. Philosoph, Theologe und Musiker, zu der Tragik des Berufs!« menschen das Wort. Bon denen, die irgendloic den Drang in sich fühlen und tatsächlich befähigt wären, persönliches Tun zum Berufe ihres Lebens zu maclicn, müssen die meisten der Umstände halber daraus verzichten. Das Los der vielen ist, zur Erhaltung ihrer Existenz und zu ihrer Betätigung in der Gesell» schast eine mehr oder weniger seelenlose Arbeit zum Beruf zu haben, in der sie nicht viel oder fast nichts von ihrem Menschentum verausgaftn können, weil sie sich in ihr säst wie Menschenmaschinen zu betätigen haben. Obwohl Schweitzer davon überzeugt ist, in einer „Zeit des geistigen Niedergangs der Menschheit" zu leben, bleibt er trotzdem hoffnungsvoll; er fordert, das; die Berufsmenschei; ihr Schicksal nicht einfach über sich ergehen lassen, sondern sich mit aller Energie durch geistige Tat in den ungünstigen Berhültnissen als Ätenschenpcrsönlichleiten zu behaupten suchen. ..Mrllv" Gerade in Anbetracht der „Othello"»Anfsnhrung des Berliner .ltnltnrbundetz verdient ein Aufsatz „Othello: jiricger und Sippe", den Albrecht Erich Günther im „Deutschen Bvlkstum" (2. Tez.-Heft 1933) veröffentlicht hat, Beachtung Das Stück stellt nach Günthers psychologisch interessanter Deutung den Einbruch des fremden ttriegers in eine Blutsippengemeinschaft dar. Tie heimliche Bermählnng Othellos und Tesdemvnas wird vom Bater des Mädchens als Schändung, als Kränkung: als „Blutverrat" empfunden. Indem Othello aus dem Bereich des Staates und des Krieges in den Bereich der Sippe einzudringen wagte, hat er, der Blntssremde, die Grenze überschritten, die ihm gezogen war. Othello hat sein eigenes Gesetz verletzt, weil er, den das Schicksal zum einsamen Necken bestimmt und gebildet hat, in die Welt der Sippe einbrichl. Bon ihr erwartet er darmn Bedrohung und Beirat, die seine jtriegerehre. verletzen. Teshalb sucht er Nüclhalt und Nak bei seinem .tzriegsgesährten Iago, der ihn in den Untergang verstrickt. Aber er fällt, well er aus seiner Welt getreten ist, und reißt DeSdemrma mit. die er aus der ihrigen ent» wurzelt hat. „ r , So anregend diese Deutung auch sein mag, empfinden wir es dennoch als emsertrg, emcn dichterischen Weltkörper wie Shakespeares ^ragödie nur von eine m Blickpunkt aus zu erfasse!;. Uns bedeutet „Othello" nach wie vor die allmensch« liehe Tragödie der zerstörenden Kraft der Liebe: des Einbruchs der urwelthasten Leidenschaft m die A§WM§MgMg Paul Fechter erörtert in einem Aufsatz ck>er neue Abschnitt der Frauenbewegung'. f,D e u t sch e N u n d sch a u") die Stellung der Frau im neuen Staat. Nückgreifend weist er darauf hm, das; die Frauenbewegung ein Kind des 19 .Jahrhunderts sei. Ihre metaphysischen Wurzeln liegen in der Jenaer Nomantik. Bei der Nvmantik beginnt zun; erstenmal die Selbstverständlichkeit der männlichen Bordergrundstcllung im Leben bewußt abzubröckeln. Tie"Frauenbewegung — meint Fechter — verzichtete, sobald sie Bewegung geworden war, ans die im irrationaler; llebergewicht begründete Borrechtsstellung der Frau, welche die Nvmantik als selbstverständlich anerkannt hatte, und zog sich ans eine Nechtsstellung. auf Angleichung nufsINationale. ernpirisch Wirtschaftliche zurück. Die Frauen ergriffe,; fast alle Berufe; die Forderung gleichen Nechts wurde auch auf das erotische Gebiet ausgedehnt. Die nationale Nevolutivn verneinte daö bisher selbstverständliche Neeht der Frau auf absolute Gleichheit mit dem Mann: sie beseitigte das weibliche llebergewicht im Berufsleben zugunsten der männlichen" Arbeit. Sie erklärte das Tasen; als Frau und Muter für das einzig natürliche Franenleben. Während —so saßt Fechter zusammen— die alte Frauenbewegung bei der Eroberung der männlichen Welt scheiterte, sieht der neuen Frauenbewcg;n;g die viel sch,vererc Eroberung der unbekannten ureigenen weiblicher; Welt bevor. Ser Latknis In der philosophischen Zeitschrift „Die Tatwelt" (9. Jahrgang, Heft 3), die mit der Monatsschrift „Tie Tat" nicht zu verwechseln ist, untersucht F r i e d r; ch L u tz die „Ideologie des Tatkreises", deren vielbeachtetes Organ die eben erwähnte „Tat" ist. Lutz bemerkt mit Neckst. daß die geistige Haltung eines großen Teiles der jüngeren Generation zu den 'Problemen der Zeit sich in der Ideologie des Tatkreises widerspiegelt. Ter Tatkreis rvird durch die Ueberzeugung znsammengehalten. daß die Intelligenz als gerstrge Cüte einen Anspruch Führung habe. Twsgretsend rst seme Deutung der Zeitdic Rationalität des Dase;ns l)at den AtensäM m eine totale seelische Krise versetzt. Es konnte nun nicht anders sei,;, als dich von h;er ans auch das gesamte „System" in cmc Totalkrise hinein» ncrid die sämtliche Dasc;r;sgeb;ete erfaßte. Hiergegen empfahl der Tatkreis folgenden Arsweg: erste Borbedingung für die Ueberwnchnng der Totalkrise ist der Vollzug einer grundsätzüchen Umstellung des einzelnen. Deshalb fordert der Tatkrevs Aushebung des .Kapitalismus und eine staatliche diktatorische Planwirtschaft, die ai; die Kräfte des Blutes und Bodens anlnüpst. In seiner Kritik jener Ideologie tadelt Lutz die Unfähigkeit des Tattreises. die Zeittendenzen selbst zu kritisieren, dem; „für ihn gibt es leine absoluten Maßstülx', seine Werltafeln gewnmt er ja eben durch die prinzipielle Bejahung der Zeittendcnzen schau als solcher." Friedrich RaMlmn und AdW EtoM Tie bekannte Zeitschrift „Tie Hilft" (39. Jahrgang. Nr. 23) ehrt das Andenken ihres Begründer« F r i c d r i ch N a u m a n n, indem sie zwei hochinteressante Stücke ans den; Briefwechsel zwischen Adolf Stoecker und Naumann veröffentlicht. Naumauu gehörte zu jener Gruppe jüngerer Ghristlich.Sozialer, die sich von der (christlich-sozialen Arbeiterpartei Stvcckcrs lvslöste. Ter Politische Gegensatz beider Männer, der sich später noch stärker akzentuieren mußte, hat eine gewisse gegenseitige sreundsehastliche Anhänglichkeit nie zerstört. In seinem von; 8. Iaimar 189.Z datierten Briese gibt Scheeler dem Wunsche Ausdruck, daß beide Gruppen ihre christlich-sozialenWege gehen mögen, er mehr den konservativen, Naumann mehr de» — im besten Sinn des Wortes — demokratischen. Sehr benwrkcnslvert ist es, daß er gegen Mar Weber, den gewaltigen Denker der tonunenden Zeit, der Raninann nahcstand, Aiißtrauen hegt: „Ist zum Beispiel Professor Weber evangelisch, auch im müd.ßen Sinnes" Nesiguation und die uusblickeudo Erkeuniuis. in Naumann den größeren zu sehen, verrät der wichtige Satz: „Schenke es Ihnen Gott, was er uns versagt hat, das; Sie eine große christlicl.e Arbeiterpartei zu bilden vermögen, so ward sich niemand inehr freuen als ich." Nauinmm antwortet am 22 August 189.1 aus Frankfurt n. Bk. Ter bedeutsame Brief vollzieht die innerliche Loslösung von Stvecker. Nick prophetischer Boranssi,chk bezeichm't er es als sein Ideal. ..deutschen Boden mit deutschen Familien zu besetzen". Bor allem legt er seine von Stvecker abiveichende Auffassung der Indenfrage dar, die eine der Ursachen gewesen iß, weshalb sich die Wege beider Männer nennten. ALLE m BUCHE* nur von der FRITZ RIM G BERLIN- CHARLOTTENBUßG 2. 3oactiimstf)0ler Strasse 43-44 Postscheck Konto: BERUM 44346 Fernsprecher: 3 1. Bismarck 6506 W, QMaM - Bankmantel ohne Vergangenheit - gegründet 1002, autorisiertes Kapital 1 Million, schulden- Ir ei, auch als internationales Hypothekenbank-Institut ge* eignet, noch nach den alten englischen Bankgesetzen for* miert daher unbegrenzte internationale Emissionstnöglichkeiten, ist preiswert SM UOffSsOMfQEl (besonders wertvoll, da he! Emissionsau sgabo Stempel* eteuerermäissipungen und sonstige Steuererleichterungen ßich ergeben). Glanzende englische Kxistenzmöglichkeit. Nähere Auskünfte nur an kapitalkräftige solvente Persönlichkeiten. Oft. sub R. 334, C. Y..Zeitung, Berlin IV. 13. Kleine, Jedoch lelstungsfäh. Zigarren* fabrlk am Niederrhein sucht tüchtige Vertreter. 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