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Central-Verein-Zeitung · 1934-01-04 · 1 (4.1.1934) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
1 (4.1.1934)
Date
1934-01-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Hinderung unterliegt. Vergegenwärtigt man sich dies, so kann man erst recht erkennen, daß, und in welchem Umfange sich die Nechtsauffassung hinsichtlich der Beschäftigung jüdischer - Angestellter in Wirtschaftsbetrieben — um ein Wort aus dem Urteil zu gebrauchen — geklärt hat. ' Diese Klärung der Nechtsansichten tritt auch noch in einem anderen Punkte zutage. Landgerichtsrat Dr. Nohlfing hatte in seinem Aufsatz im Anschluß an die, wörtliche Bekanntgabe der Rechtssätze, die eine Neihe von Kammern des Berliner Arbeitsgerichts in steter Folge entwickelt halten, wonach bei einem Druck von dritter Seite die fristlose Entlassung jüdischer Arbeitnehmer zulässig sei, den Standpunkt eingenommen, die Frage, ob die Kündigung berechtigt gewesen sei, bestimme sich nach dem Zeitpunkt der Kündigung (zu vergl. a. a. O. Seite 2100. rechte Spalte, unter III). Demgegenüber hat nunmehr das Neichsarbeitsgericht entschieden, dag die Gründe, die zur Rechtfertigung der Kündigung vorgcbracht werden, nur aus den Anschauungen der Gegenwart zu beurteilen sind; hingegen kann nicht „die unter dem Eindruck politischer Ereignisse etwa überstürzt gewonnene Betrachtungsweise maßgebend sein". Folglich kann also eine Kündigung, die aus das Verlangen eines Verbandes geschehen ist, in einem etwa jetzt anhängigen Rechtsstreit auf diese Tatsache nicht mehr gestützt werden,, da zwischenzeitlich solche Maßnahmen durch die bekannten regierungsseitigen Erlasse ausdrücklich untersagt sind. Ebenso ist hiernach — um ein weiteres Beispiel zu nennen — eine fristlose Entlassung nicht mit dem Hinweis ausrechtzuerhaltcn, daß ein Betrieb, der jüdische Angestellte beschäftige, mit dem sogenannten stillen Boykott einer bestimmten Küuscrschicht rechnen müsse.. Tenn auch dieses Kampfmittel ist durch behördliche Anordnung verboten worden. Diese Beispiele lassen sich noch vermehren. Tie bereits angeführten Fälle beweisen jedoch bereits zur'Genüge, welche große Tragweite die hier besprochene Entscheidung besitzt. Sie ist aber auch noch in anderer Hinsicht" richtunggebend. Zukünftig reicht es bei Füllen der hier in Betracht kommenden Art nicht aus, .daß Tatsachen seitens des Arbeitgebers behauptet werden, die die Vermutung nnftommen lassen, durch die Fortdauer des Arbeitsverhältnisses nüt dem jüdischen Angestellten würden die Interessen des Arbeitgebers gefährdet; vielmehr must dann, wenn ein geltend gemachter Grund aus seine Wichtigkeit geprüft wird, berücksichtigt werden, ob „auch in Wirklichkeit Umstände gegeben und sestgestellt sind, die eine Weitcrbeschäftigung des Betreffenden als für den Dienstberechtigten derart schädlich oder seine Interessen gefährdend erscheinen lassen, daß sie ihm billigerweise nicht zugemutet werden kann", d. h.: In jedem Einzelfall genügen also nicht etwaige Befürchtungen, die der Arbeitgeber an die Weiterbeschäftigung des. jüdischen Angestellten knüpft, sondern der Arbeitgeber muß positive Unterlagen dafür bringen, daß die Fortdauer des Dienstverhältnisses mit dem jüdischen Angestellten nach den Grundsätzen der Billigkeit für ihn nicht tragbar ist. Dieses vom Neichsarbeitsgericht ausgestellte Erfordernis gewinnt um so größere Bedeutung, als seitens der Reichsinstanz in letzter Zeit immer wieder betont worden ist, Durch lange Jahrzehnte ist Liebermann immer wieder in Holland gewesen. Aber er ist kein holländischer Maler da geworden, trotzdem, er mit so manchem befreundet war, ja zusammen arbeitete. Er hat das Land immer durch seine eigenen Augen gesehen, ebenso wie er die Menschen, die er porträtierte, stets mit seinen Augen sah, auch wenn er sich als ganz junger Mensch die Köpfe ans den großen Schützenstücken des Frans Hals kopierte. . . und sie über ein halbes Jahrhundert, als ein Memento für die gerade Ehrlichkeit der Menschendarstellung, in seinem Atelier dann hingen. Ich finde, Liebermann hat — und das habe ich auch hier in Holland ausgesprochen — Holland besser gesehen als die Holländer selbst, weil er es ganz erdnah und ganz unsentimental sah und nicht verschönert und durch eine rosige Brille einer heimatlichen Zuneigung. Und vor allem, weil er es stärker und eiudringlicher sah und nicht etwa es durch einen allzu schönen und eleganten Vortrag auffrisierte. Hier in Laren, wo ich das schreibe, bin ich noch nie an einen andern Maler erinnert worden als an ihn, und jedesmal, wenn ich den alten Buchemveg entlanggehe zum Nachbarort, so sehe ich den „Sonntagnachmitlag in Laren" vor mir .. . mit den Ketten der jungen Mädchen in den weißen Hauben unter den huschenden Svnnenslecken, die durch die grünen Blattsächer kommen und ihre roten Muster über den Weg spielen lassen. Nun, die jungen Mädchen tragen heute keine Hauben mehr,-nur-die alten'Frauchen manchmal. Und auch sonst ist in dem Holland von heute vieles abgebröckelt, was in dem von vor vierzig Jahren noch im Bild dominierte. Selbst das Judcnviertek beginnt sich etwas zu modernisieren, aber die Menschen blieben doch fast unberührt davon, ähnlich noch, wie sie einst Nembrandt sah. ein nach dein Nordwesteu verschneites Stück Süden." Man kann doch nicht in der Nähe, des Waterlopleins Der erste jüdische Nobelpreisträger m Deutschland war Professor Paul Ehrlich, der im Jahre 1908 den Nobelpreis , für Medizin erhielt. Die Zahl der Juden beim Auszug aus Aegypten wird in der Bibel mit 000 000, ohne die Kinder, angegeben. Das Raschitor steht in Worms, wo der de- , rühmte Bibel-undTalmuderklärerRaschi, eine Abkürzung von Rabbi Salomo ben Isaak, geb. 1040 in Troyes, studierte. Ein Dunam ist ein palästinensisches Flächenmass «=» 1000 Quadratmeter. Die vermutlich erste Schmähschrift gegen die Judäer war unter dem Namen des ägyptischen Priesters Manetho in griechischer Sprache im Umlauf, und zwar um 150 v. Chr. Diese Verleumdungsschrift verbreitete die Lügenmär, dass die Judäer ursprünglich niedrige und aussätzige Hirten gewesen seien, die man aus Aegypten vertrieben habe. Ihr Führer sei ein helio-politani9cher Priester namens Osarsiph gewesen, der seinen Namen in Moyses (Mose) umgewandelt habe. daß Eingriffe in das Wirtschaftsleben, einerlei welcher Art, zu unterbleiben haben, so daß demzufolge Unterlagen in dem hier erörterten Sinne wohl kaum mehr in Frage kommen dürften. Es mag in diesem Zusammenhang abschließend daraus hingewiesen werden, daß der Herr Neichsjustizkommissar Dr. Frank in seiner großen Ansprache aus dem Neichsparteitag der NSDAP 19313 ausdrücklich erklärt hat, daß es „der Wunsch der Reichsinstanz ist, sestgnstellen, und vor allem der Welt gegenüber scstzustellen, daß im Rahmen der deutschen Gesetze der in Deutschland lebende Jude ^ungehindert seinem Gewerbe nachgchen kann". (So wörtlich in „Juristische Wochenschrift" 1933, Seite 2091, rechte Spalte.) Ans der Jahreskonferenz der Zionistischen Vereinigung für England (English Zionist Federation) nahm nach eingehenden, wie an ihm gewohnt einsichtsvollen Ausführungen des Präsidenten der Federation, Professor Ehaim Weizmann, Harry Sacher, daS Wort. Er führte ans, daß es falsch sei, den deutschen Juden Aussichten aus ausländische Hilfe zu machen. Die detttschen jüdischen Institutionen müßten ihre Ausgaben bis zit einem Mindestmaß senken. Es bedeute einen Irrtum, die deutschen Inden zu einer großen Auswanderung nach Palästina zu ermutigen. Diese Auswanderung erscheine auch gegenüber den Juden anderer Länder als ungerechtfertigt, deren große Notlage eine gleiche Behandlung verdiene. Es sei eine große Gefahr für die Zionistische Organisation, schloß Harry Sacher, sich zuviel mit dem. deutschjüdischen Problem zu befassen. Die Ausgabe der zionistischen Arbeit müsse Zionismus und Palästina sein. Das sei der fundamentale Grundsatz der zionistischen Bewegung, die sich auch durch außerordentliche Ereignisse hierin nicht beirren lassen darf. Im deutschen Judentum, gleichgültig, ob es sich um zionistische oder um autizioniftische Kreise handelt, wird diese Anschauung befremdend wirken. Denn wir meinen, daß auch im deutschen Zionismus, besonders innerhalb des Leserkreises der „Jüdischen Rnndschatt", djeser Heroismus eurer Idee aus Kosten der Betroffenen im höchsten Maße als unjüdisch empfunden werden wird. Gerade wir haben das Recht, das scstzustellen, weil wir eine opferstarke Selbsthilfe des deutschen Judentums zur Bewältigung der Nöte der Zeit auf deutschem Boden fordern und das Verbleiben der überwältigenden Mehrheit der deutschen Juden als eine ebenso innerlich wie äußerlich gegebene Notwendigkeit erkennen. Wir WS? verstehen nicht, wie man eine absolute^Galnth- Verneinung — das bedeutet die Feststellung der Bedeutungslosigkeit allen jüdischen Lebens außerhalb Palästinas — in gewissen radikalen nationaljüdischen Kreisen auf der einen Seite propagieren kann, aus der anderen Seite die praktische Konsequenz, nämlich die Verpflanzung des Galuth nach Palästina, ablehnt. Für daS, was die deutschen Inden in dem Jahrhundert ihrer Blüte für Inden überall in der Welt getan haben, haben sie einen moralischen Anspruch ans Anerkennung. Wenn es eine Idee im Judentum gibt, die diese Anerkennung ablehnt, dann spricht das möglicherweise nicht gegen die Stärke der Idee, aber es ist mindestens nnsüdisch. Denn nicht ans die Verwirklichung des Zionismus, sondern ans die Erhaltung von Juden und Judentum kommt es an. Ale Lage in MUllm Die weitverbreitete Monatsschrift „Die Tat" (25. Iahrg.. 9. Heft) weist in einem kenntnisreichen Beitrag „Unruhen in Palästina" auf die sozialen Gegensätze hin. Die arabische Bevölkerung Palästinas lebt noch ans einer vor. bzw. früi,kapitalistischen Wirtschaftsstnfe, die sich sehr erheblich von den Wirtschaftsmethoden der Inden unterscheidet. Der Boden Palästinas ist zum großen Teil in der Hand arabischer Großgrundbesitzer. Sie verpachteten das Land oder bewirtschaften es nach altüberlieferter, extensiver Weise. Tie Juden können nur dann die 'wachsenden Einwanderermassen ernähren, wenn sie zn intensiver Bvdenbewirtschaftung übergehen. Die Vorstellung. sozial und wirtschaftlich bedroht zu sein, trifft das Arabertum in einem Zeit- Punkt nationalen Erwachens, der sich mit einer religiösen Wiederernenerung verbindet. Erneuerer und Reformator des arabischen Volkes ist Ibn Sand, der für Arabien dasselbe bedeutet wie Kcma! Pascha für die moderne Türkei. ' Die Briten trachten immer mehr danach, gerade Palästina, als Basis des Ueberlandweges nach Indien auszubanen. Naphtali Fromm (Frankfurt a. U.z gestorben. Nach kurzem Leiden ist der bekannte Frm- Ir.rüt Gememdepvlitiker Naphtali Frvm m ein Mitglied be* Eeutralvereuis, verschieden. Der Verstorbene hatte im Frankfurter Wirtschchs. leben eine sehr geachtete Stellung mne; er bcsas; eine Leerenweinkelterei und galt als einer der größten deutschen Fachleute auf diesem Gebiet; 1893 wurde er als Mitglied der Jury für Obstwein aus die BollsnuSstellimg in Chicago berufe». Ais 1905 der Verband der Deutschen Obst- und Beere», weinkeltereien ins Leben gerufen wurde, wurde Fromni als Mitbegründer zunächst erster Schrift, sührer, später leitete er zehn Jahre nl* Porfiücnbet diesen Verband. Ruch im jüdischen lisch,!, lichen Leben Frankfurts spielte Naphtali Fromm eine große Nolle. Ni ehr als ein Jahrzehnt war er der Führer der konservativen Gemeindesraktia» und verwaltete auch lauge Zeit ein Amt im Präs,. v:...... x,*:*(> (ClrtiniM»ivl rt 111 f'11 * Nach kurzer Krankheit starb das lauaiähriae Pau standSlnitglieb der -Lrtsgruppe.. beS 0. V. in T»isdiirg, Julias De fr i es. Ter Brrstorbene Mu!c über 20 Jahre dem Ncpräsentaiitenkvllegimu drr Shnagogengemcinbe Nuhrvrt an. * Am 1. Januar beging der Vorsteher der Jnacüiischcn ReUgianc-gemeinde zu Leipzig, Earl Gvlds ch m i b t, seinen 70. KeburtSton unb «leidnnha ffjK Nhähriges NintLjubiläum als Vtitgtieb der Geuumdcverwaltung. Das langjährige bewährte Mitglieb des E. V. Jsaac Simon I!, Bad Dürkheim (Psalz), feierte am 3t.Tr. zember 1933 seinen 00. EZetmrlctag. Nudvlf S i m v n i 3, VerliiuFriebeiia», der »tu kurzem seinen 50. Geburtslag geleiert bat, blieft aus das bei diesem Atter seltene Jubiläum einer 2'>iäbriarn Ntitgliedschast im Eentralvereiu zurück. Siimmis tiv.t als Qbersekuudaner im Januar 1909 in den E. P. ein. 0ir ist setzt führendes Mitglied im Vorstand der Friedcnauer Ortsgruppe Einer der ältesten Mitglieder des E. V., Levpvld Rosendahl (Essen) feiert am 0. Januar seinen 80. Geburtstag. _ Nach Köln. Der bekannte Humorist des Westdeutschen Ruiidfunls, Gustav Jacobp, ist nach unseren Informationen nicht Jude. Tic 'rirbcitogemcinschaft der Indischen Arbcrto- Nachweise, Abteilung für g e w e r b l i ch r ä P e r s v n a l (einschließlich Facharbeiter) und Lehrstellenverinittliing, Berlin <2 2, Rvsenstraßc 2-—1 (Id, v 1 Norden 0711), teilt mit: G e f u dj t werde n für Berlin: Tireklrice für Büstenhalterfabrik (jüngere Kraft), perfekte Mühenstepperin, Tamemuäntelzuschneideriii. geübte Hvsenträgernüherin für Betrieb und Heimarbeit, perlelte Oberhemdennäherin, Zuschneiderin und Kiwpsloch« stepperin für Oberhemdcubetrieb, Schästevorrichtcrin, Bogeufäugerin, Persekte Friseuse, Perfelle Nockuäiicrinuen. Ferner jüngere perfekte Friseuse mutz Oben schlesien, Korsettzuschneiderin und Korsettnäherin iuiä Thüringen. W i r suche n LebrslekIen jeder Art für so« fort und Ostern. Schüler, die Ostern die Schuir verlassen, bitten Nur, sich bereits in der nächsten Feil bei der B e r u s « b e r a t u n g der Jüdischen Geiiieiudc melden zu wollen. Sprechstunden Vtvntag bis Freilag (außer Mittwoch), 9 Uhr 30 Nt in. bis 12 Uhr 30 Min., Rosrustraße 2—4, und Donnerstag, nachmiltags 10 bis 19 Uhr. Bleibtreustraße 2. Sondersprechstunden iür die zu Ostern abgehenden Schüler: Btvntag bi- -OiiiU woch, 15 llljr bis 10 Uhr 30 Ätin., Noseuslraße 2-1. Tie 21 btei 1 ung s ü r tauf nt ä n n i s e>> c - Personal. Hauspersoual und Llugebörige der freien Berufe, Berlin SW [9, Liudenstraße -13—50 llci. A 7 Döuhofs 307—308), teilt mit: fein, ohne immer wieder Liebermanns Bilden aus den Judenstraßen Amsterdams zu sehen. Ich habe immer gedacht, man sollte mal ein Buch zusammenstellen, farbig, in dem sür Hvlland die Bilder Liebermanns nach den Orte n geordnet sind, wo sie entstanden . .. in Laren, in Hilversum, in Amsterdam — auch die Papagcienallee im Zoo dort dürfte man nicht vergessen —, die Flachsscheuern und die Waisenhäuser . . . unter dem Titel „Tie Liebe zu einem Land". Endlich war Liebermann doch der wichtigste Verbindungsossizier, oder ist es noch heute, den Holland und Deutschland in den letzten fünfzig Jahren gehabt haben. Ich stand einmal mit ihm bei Cassierer, und der Diener zeigte immer neue Monets. Tenn es war gerade eine Sendung von Turand-Ruel aus Paris-gekommen — meist so Arbeiten um 1870. Und zu einem Bild, das vier Windmühlen mit roten Flügeln zeigte, kehrten wir immer wieder zurück. „Warum gefällt das einem eigentlich am besten von allen?" fragte ich. „Weil's Holland ist", sagte Liebermann.- Hundertundfünszig Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle sah man. Manche jünger. Tie meisten, darum nicht weniger schön, aus längst verklungenen Tagen. Dank und Gruß Liebermanns an Holland. Von Arthur Silbergleit Ich fand in einem Ahornblatt, Wie Gott hier Linienentwürfe Für eine neue Friedensstadt, 'Durch die kein Frevler wandeln dürfe, Sich skizzenhaft gezeichnet hat. Er strichelte mit feinster' Feder .Auch meine Sternenwege ein. Mein Blick folgt träumend dem Geäder Der •reichverschlungnen Strassenreihn. ein WchcheK? «... wie sollte ein Jude wohl Beethoven verstehen .... (Berliner Slnndfunk) Am Ende des 18. Jahrhunderts lebte in Prag ein ebenso berühmter wie gestrenger Lehrer des Klnvierspiels namens Dionys Weber. Einer seiner Schüler, der sich wie alle andern hatte verpflichten, müssen, daß nur Alozart, Element: und Bach — natürlich ' Philipp Emanuel, denn der Titan Johann Sebastian Bach wurde ja erst später von dem Juden Felix Atendelssohn-Bartholdy für das deutsche Volk entdeckt — studiert werden durfte, wurde später weltbekannt und soll auch hier nachher genannt werden; er schreibt in seinen Erinnerungen wörtlich: „Um diese Zeit hörte ich von einigen Mitschülern, in Wien sei ein junger Komponist nufgetreten, welcher das sonderbarste Zeug von der Welt schreibe, so daß es niemand weder verstehen nvch spielen könne, eine barocke, mit allen Regeln in Widerspruch stehende Musik, und dieser Komponist heiße Beethoven. Als ich mich mm wieder zu der Leihbibliothek verfügte. um meine Neugier nach dem exentrischen Genie, welches diesen Namen führte, zu befriedigen, fand ich Beethovens Sonate Pathotigne.. Da mein Taschengeld zur Anschaffung derselben nicht allsreichte, so schrieb ich sie heimlich ab. Die Neuheit ihres Stiles war für mich so anziehend, und ich faßte eine so enthusiastische Bewunderung .zu derselben, daß ich mich selbst soweit vergaß, meinen neuen Ertverb meinem Lehrer gegenüber zu erwahnen. Dieser erinnerte mich au seine Borschrift und warnte mich davor, exentrischo Produktionen zli spielen oder zu studieren, ehe ich meinen Stil auf Grund soliderer Alnster ansgebildet hatte. Ohne jedoch seine Vorschrift zu berücksichtigen, legte ich Beethovens Werke der ■ Reihe nach, wie sie erschienen, auf das Klavier und fand in denselben einen Trost und ein Vergnügen, wie eS mir kein anderer Komponist gewährte." . ' Dieser junge Schüler war Ignaz M o s ch e l e s, dessen Klavierfpiel späterhin die ganze Welt entzückte und dessen Verständnis für Beethovens Kllnst zu einer derart intimen Freundschaft mit Beethoven führte, daß sich Beethoven in einem Brief vom 22. Februar 1827 an Aivscheles, der in London weilte, um Unterstützung durch die dortige^ Philharinonische Gesellschaft wandte, selbstverständlich mit einem Erfolg, welcher Beethoven zu einem danluberströmten Brief an Atoscheles (18. Aftirz 1827) veranlagte. Wenige Jahre später tvnrde am 28. Inui 1831 in dem ungarischen Sehwabendvrf Kaiiee $ 0 fc p h I o a ch i m geboren. Schon ol* Achtjähriger erregte dieses musikalische Wunderkind in Wien Aufsehen. Joachim haiie dann das Glück, von Fe l i x iU'e n de lss ohn - BarthvIdy schnell erkannt zu sein, der mit dem >,Teufelsbraten", wie er i>)N gern nannte, oft musizierte uild ihm die Ehrfurcht vor dem Kunstwerk als solcliem schon in seinen Knabenjahren einslvßte. Die LausbaZl dieses größten Geigengenies der lNli>i!- gesehlchte ist weltbekannt, und wohl amh der Umstand, daß es bis zum heutigen Tage noch keinen Interpreten für Beethovens Violinkonzert, jenes einsam thronvl'de Lllimderwerh gab, tvelcher an Joseph Joachims Grvge heranreichte. Ganz zu schweigen von den unerreichbaren Teutilngen, welclie, noch inain chem der heutigen Generation als Erinliermlg geläufig, das Joachim-Onartett gerade aus den letzten Beethovenschen Streicliguartetten, jenen Mysterien, heransholte. Wenn man l'.ch die Namen Ignaz Mvscheles und Joseph Joachim vor Augen hält, hhmui man ans die darauffolgende Generation blickt und nur au Siegfried Ochs, das Rosa-Quartett und, um eines Ereignisses ans der letzten Kvnzertsaison zu gedenken, Arthur Schnabels Beethoven-Abende denkt, und ™ kei einer Würdigung des deutschen Musitlebens nicht zu umgehen sein, so laßt sich der Gedanke vielleicht doch nicht ganz von der Hand weisen, daß hier und da ein Juda durch sein Judesein an dem Verständnis für Beethoven nicht völlig gehindert wird ... Eeo Lovy.

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