Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 50 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2277379-2277993-2278043--08305-2289287- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Isaiah 1× ep/1005097
OCR text
Ns\ SO Ä ' I 2. BesSago IJ <?'- £3 *-*r* *£> •QU f. f*y 6SLUdD"MSrsG!Z§ IUZSWtz STÜuüum^LLsgung m Lehnitz 'iicvrvcu'v den deulschjüdischen Ingendbünde Irilcn dcs Neichen trafen sich in Lu'i Berlin v> einer dcntschjüdisehen M;end!wiung. die vorn Sonntag, den 24. Tedisziim Dienstag, den 26. Dezember inerte, Racl, eingehenden Anssprachen, in ^-.ai sich allgemein zeigte, das; alle Bünde kuppen vo» dem LLnnsihc zur Vinordm} eine umfassende Gemeinschaft der ^>ischiüchsch"' bubend beseelt sind, lvnrde P und d e n i} et, j ii d i s eh e r In g e n d ^eiiildet, dem über fünfzig dcntschsndisehe higendgenppen mit mehreren tausend Atitchedeeii angehbren. Zum Neiehsführer mit ^uchieudeii Boümaehten lvnrde Atartin ^edetker lBerlin) gcwälzlt. Im Verlauf interessanten Tagung tonrden in Form r>eil-lieferaten und Anssprachen alle Lebensmgeu der dentjchiüdischeir Jugend besprochen; banplanfgabe der näe!)sten Zeit erschien alh'ii Veieiligten die Lösung der Bernfssragc, de üusgeslaltnng der BildnngSarbcit sowie de 'K'itarbeit an der neu erstehenden jüdischen At.nle im dentichjüdisel;en Sinne. Acit dieser dignug ist in der Tat eine neue Epoche in der d'ühchjüdischen Jugend angebrochen. Der Tfiic Wille zu positiver jüdischer Arbeit in leulschland verbunden mit srendiger Besihnag der menschlichen Gemeinschaft in den nraippen und Bünden, das war das Erlebnis, )as jeder einzelne Teilnehmer der fruchtbaren Typing mit nach Sause nehmen konnte. lieber die Einzelheiten und Einzelcrgebnisse -es bedeutungsvollen Treffens wird in größerem Nahmen zu berichten sein. Ter Eeutralverein sicht in diesem Zuftmmenschlnß zu neuer Arbeit ein überaus Mistiges Vorzeichen für die Neugestaltung Mischen Lebens in Deutschland. Wir freuen ims. das; in der „E. V.-Zeitung" vom Beginn l!Al an regelmäßig eine Seite dem Bund dmtschjüdischer Jugend offiziell zur Verfügung jtcljcn wird. ££mt>csauö?c3ts& Bayern der jüdischen IugenLwerbcmLs Äm 17. Dezember versammelten sich in Nürumhezu 60 Jnge>idbertreter Bayerns zur Konililuierung des Landesausschnsses der jüdischen Azeiidbei bände. Ter Tagung nwhnten u. a. auch da Präsident des Rates der bayerischen israelitischnl Gemeinden, ObcrstlandesgerichtSrat Dr. Ncilmcyer (München), und der Vorstand der ismhilischen KnttnSgemelnde Nürnberg, Kommngicnral!R o s e n z tu e i g. bei; beide sagten tatlnslige Unterstützung zu. Nach einem Referat über den Ausgabenkreis wurde von den Telegierlen Borncht über die VerhäNnisse in der Jugendarbeit crsiattet. Nile Organisationen einigten sich für die unhning des Landesnusichusses auf die Wahl eines -rrererrates, bestellend aus Tr. Hans T ent sch (Nürnberg,. Tr. Georg Joseph ly al (München) und Adolf o h n lAürnbergi. Tnncben wurde em erineiterter Führerrat geivählt. Tie Aussprache VW^den Willen aller zu gedeihlicher gemeinsainer SEMikSe m IreSSrn Ailf einein Elternabend gab kürzlich der Deutsih' indische Jngendlreis Dresden vieehenschast über seine Arbeit im ersten Jahr seines Bestehens. Joe de Haas als Führer begrüßte die zahlreich er. ]ct)U'iu'iu'n Eltern und Freunde und mnriß kurz Arbeit und Wollen des Bundes. SatznngSgemaß soll "ach Möglichkeit die Führung von Jahr zu Jahr wechseln, um den FnhrernackgvuchS zu sichern. Foe de Saas übertrug Sei uz I a k o b (Tresden) che Führung. Rudolf Apt als Vertreter des E. V., Tr. W i e ns k o,v i tz vom RIF und Rabbiner Tr. Wolfs betonten die Verbundenheit mit dem Deutsch-jüdischen Jngendlreis. Ter Führer der TI FE Berlin, Norbert Wollyei m, beglückwünschte die Gruppe zu ihrer Arbeit und gab eine kurze Darstellung ihrer künftigen Ausgabeir. Tic vier Gruppen des TcntschFüdischen JngendkrciseL vermittelten Bilder ans ihrer eigenen Arbeit; sogar die Kleinsten hatten ihre Aufführungen selbst ersonnen. SeuSiÄ'iüSitÄrr Moadkreis Leipzig Auf Anregung deS Fugendreferenten des Landesverbandes Mitteldeutschland des G. V., Joe de H a a Z (Tresden), wurde am 10. Tezcmber ein „Tcutsch-jüdischer Jngendlreis" gegründet. Die Führung übernahm Achim K o l d m n n n. Mit einer Kundgebung. in der Goldmann die Ziele des Bundes fesüegie. begann der Bund seine Arbeit. Schon bei der Gründung konnten 60 Jungen und Mädel inr Alter von 11 bis 18 Jahren für die neue Gruppe gewouncu werden; die Gruppe ist dem Rcichsbnnd der deutsch-jüdischen Jugend angcid)In[jcn. Ems sei der Weg . . .! Morgenscicr der dculsch-jüdischeu Jugend Hamburg Die Hamburger deutsch-jüdische Jugend (DJJ) hatte aiu 17. Dczcinber zu einer Ntorgcnfeier ciiigeladen, deren Ausgestaltung den Btitgliederir der Jüngerengruppe oblag und deren Erlös in vollem Umfange dcnr sozialen DiotmcrE der DJJ zugute kam. Der weiße Saal des Eurio-Hauses lvar bis auf den teilten Platz gefüllt. In einem Vorsprlich hieß ein Atitglied der Jüngerengrnppe die Erschienenen willkommen und begrüßte besonders die Vertreter der Genreinde und der jüdischen Verbände. Der Führer der DJJ richtete den Appell an die Jugend, in schwerster Zeit ansrecht und stark znsammenznstehen und ans sozialem Beumßtsein die besten Kräfte einzusctzen für die Gemeinschaft der Opfer und der Pflicht für das deutsche Judentum. Rach einem r 1. V " ~ T-'v\ . 1 - L;,, -1 ' - NMM Aufnahmen von dem alten Friedhof der jüdischen Gemeinde Berlin, Gr, Hamburger Strasse PhoL: Rcsi Ltbrech(i DcrVm Ihr schlafL in Ruh' So Jahr um Jahr, Schnee deckt euch zu So Jahr um Jahr. Und Frühling kommt, die Well wird jung. Und um die Sterne tut sich dar Einsamer Blumen Huldigung So Jahr um Jahr . v Der Lcnzvoind trägt den Blülaistaub Zu euch von deutscher Erde, Tod segnet Leben — Leben Tod, Aus Abendrot wird Morgenrot, Und wieder wird, was einstmals war So Jahr um Jahr . . -j Fritz Engel Orgelvortrag erklangen jene gewaltigen Worte ans Jesaja, Kap. 05, die Worte des tröstenden Zuspruches und der kämpferischen Wegbereitnng im Glauben an endliches, inessianisches Empvrslantmen des jüdischen Schicksals. Diese von einem Alitglied des DJJ ergreifend zitierten Prvphctcmvorte schufen in ihrer Wirkung Stimmung und Grundlage für die folgende Darbietung: in einem Sprechehor ivnrde eindringlich der Kampf um Lebeussiuu und Lebensraum dargetan, tvie ihn die gegemoärtigen jungeic Menschen in deutsch-jüdischer Wesenc-verbundenheit gemeinsam durchringen; machtvoll klang es aus in dem Bekenntnis: eins sei der Weg, eins die Tat, eins der Wille, Einigkeit! Lieder lösten turnerische Vorführungen ab, die die vielseitige Tätigkeit der Gruppe anszeigten. Mitglieder des Orchesters der DJJ brachten ein Trio zu Gehör, das mit reichem Beifall ausgenommen wurde. Das Orchester spielte iu schönem Zcisammenklang Mozarts „Kleine Nachtmusik". Die unmittelbare Lebeusechlhcit dreier vorzüglich dargcstetlter Szenen war von größter Ueberzeugungskraft und hielt die Zuhörer bis zuletzt, als die DJJ-Hymne erklang, in Bann. Der jüdischen Oesfentlichleit bot sich ein abgerundetes Bild einer Gruppenarbeit, die das?Beste für die Jungen und Mädel will und das Vertrauen der Elternschaft vollauf rechtfertigt. elbe Warnung. Rabbiner Dr. Jvachiin P r i u Berlm, teilt uns mit: In den letzten Wochen versucht ein e-chU'indler namens WidetzkU oder (5 in ein’ri; in eiticc großen Anzahl von Fällen unter Berufung auf mich Beträge für eine angebliche Reise nach Palästina zu erhalten. Bor diescnr Hochstapler wird gewarnt. WcsirtB'skgße masstl JTaagffsiiBBgßes* iem Ci. »14. MctdeutjÄtMid Zu einem bedeutsamen Beleuntnis für den (vedanlen von Tentschtuin und Fgidentum gestaltete sich die überaus eiicdrnclsvott verlaufene Kundgeluing, die die Trtsg^nppe Leipzig rinter Leitung ihres Vorsitzenden, ^tadtrat a. D. Julius Krause, am 10. Dezember im dichtgcsüllleu Saal des Städtischen .üanshauses veranstaltete. Tor Stellvertreter des Vorsitzenden des EV, Rechtsanwalt Tr. Bruno 2beil, Berlin, sprach über das Thema: „2Üir deutschen Juden im LLandcl der Zeiten". 2bir haben den Inhalt des Vortrags bereits eingehend in Nummer -17 der „EA-Zeitnng" vom 7. Tezeinber gewürdigt. Die eindrucksvollen, voit sehr hoher Lbarte a>ls vorgetragenen Lborte Dr. Wells verfehlten auch innerhalb der Leipziger Judeuheit ihre Wirkung nicht. Ter Redner verstand es vortrcjslich. dem Vortrag eine durchaus eigene Note zu geben. Als Dr. 5TB eil daraus hinwies, daß die Zulnnsts- Gestallung der deutschen Juden von diesen selber in Gentciitschaft mit den Trägern des neuen Deutschland vorgcnonunen werdei: ntöge. wurde er v.:i spontanem Beifall unterbrochen. MMemderg Aiu 24. Tezember trat unter Vorsitz von Tr. Gustav Feldinann (Stuttgarts der U'ürttcinbergische Landesausschuß zu einer sehr inhaltsreichen Arbeitstagung znsamincn. Nach einem gründlichen. Praxis wie Idee des CV unpassend darstellen- ÖSAaaaa! lM M Ben George A Goldschlcig Ter vyriter George t>l. Eoldswlag las kürzlich, p'ie mir berichtet liabrn, erfolgreich eigene Gedichte :m Aerüncr Kulturbund, tfv wird bei der 2ler- M'Iwltung des Landesverbandes (tzroß-LK'rlin des PI em f>. Januar glciclisalls sprechen (siehe auch ■iuik'val Hnupiblatt 2. Seite). Ajrsiches Schassen ist ein Teilgebiet des Fhiensehen, so wie dichterisches ein Teilgebiet limstleriseheu Schaffens ist. ileber künstlerisches Sichassen. aber bcsonauch über das Schassen des Lyrikers, sulcht in wellen Kreisen noch immer jette --romantische" Ailschallung, als»schasse der j-woultibe in eincut Ztlsiand des Deliriums, M tmer Art von imbewnsitem Rausch. je haben gerade sensible Künstler eine poneigun^ gegen diese Anschaltung bekundet, iI be sind aus dein Prvtestgesühl verletzter 5lllftm heraus sv weit gegangen, den Produk- Mtzsakt E absielstlich und ostentativ jedes Olnautische^ Beigeschmacks zu entkleiden, ihn SK?'am. Ultr für eine Angelegenheit der wen nüchternen, zweckmäßigen ^Berechnung ulPiigoben. Sv Edgar Mein Pve in seiner l nuosopby of Composition“, in der er den; scheinbar geradezu zyuieine bloße technische Deduk- .u erklärt; so Oskar Wilde mit seinen Llphofchieehte Dichtung komme aus bwsühl, und Mn Dichter, wenigstens weil er singen m'"'"- — *'s c!cinc ^unst ohne Bewußtheit. itllw, ' --verunoungen groyer .nnnirteipudere gegenüber, die ungefähr das besagen scheinen. Als Kronz-KP Mersts hintergründige, von ironischen da) umspielte Bekenntnisse „Ueber ^^lvuetteniheater", die lehren, die ^üustlers müsse (in einem der icW r ' entnommenen Gleichnis) stets im Schwerpunkt der Bewegung sein, sonst entstünde Geziertheit. Also Loslösttug vom Belvußten? Blinde Hingabe an Instinkt und Gefühl? Zunächst: Bewußtheit und intuitives Gefühl sind beim Schassensprvzeß nicht unbedingt gegensätzlich. Der eigentliche Cchaffensvor-- gang ist metaphysischer Nattlr, also überhaupt' nicht erfaßbar. Die „Entstehung" eines Gedichtes kann mail so wenig „erklären", wie Elektrizität oder Schlverkrast. Nirr zlvischen gelvissen Symptvmeil kann man kausale Zusammenhänge yersiellen. Unter dieser Einschränkung muß dann allerdings der tiefe innere Wesensznsammenhang betont werden, der zwischen Kunst und Handtvcrk besteht, auch für die Lyrik. Was geschieht eigentlich? Ein Erlebnis, gleichviel iveleher Art, dringt in die Psychische Persönlichkeit des DiehterS. feindlich gleichsam, wie der störende, ja zerstörende Fremdkörper in das weiche, sensitive Fleisch der Mltschel gerät. Sofort setzt eine Reaktion ein. ein EntledigungSprozeß. ein Streben, mit der eingedrnngenen Substanz fertig zu werden, sie durch Öbjcktivicrnng, durch Gestaltung abzustvßen. Nicht immer, nur in den begünstigten Fällen, ist 'das Ergebnis — eine Perle. Die Allsnahme des Erlebnisses und die Abwehrreaktion vollziehen sich intuitiü. Dem widerspricht auch nicht der beliebte Einwnnd. das; große Meister ans Bestellung zil schäften vermochten. Hier ist die Bestellung oft mit der äußere Anlaß, dem schon eine bereits früher erfolgte innere Auseinandcrsetzilng mit dem bestellten Stoff vorausgegangen ist. Bei dieser Station lyrischen Schaffens, bei der ersten Formgebung des sich gestaltenden Gedichts, müssen wir einen Llugenblick verweilen. Sic ist für deil Künstler die am meisten ersehnte und am meisten gefürchtete. Bis hierher hat sich der Vorgang in seinem Innern abgespielt. nur flüchtig und schemenhaft sind kritische mW vergleichende Maßstäbe aufgetaucht, m sehr drängte es während des Schöpsungsaktes die noch bildsame, gleichsam seuerstüssige Materie-nicht erstarren zu lassen, bevor nicht die Form im großen und ganzen unter Dach und Fach gebracht wäre. Dieser Sehafsensabschnitt, dessen Minuten Eivigtellen sind, endet mit der Niederschrist des ersten Entwurfs. 2Ler kennt sie nicht, die fassungslose 2lngst vor dem iveisien Papier — den schiveren. verantwortnngsvollen Entschluß, lausend chaotische Ntöglichkellen elnzittauschen für eine einzige Gewißheit. und jene furchtbare Unsicherheit, die ihren Maßstab ja nur aus sich selbst schöpfen darf! Jakob Hariuger hat es emmal in einem ^Aphorismus ausgesprochen, daß man dem Künstler seine Eitclleit verzeihen müsse, die ja nur ein geringfügiger Ausgleich für diese grenzenlose, abgrundtiefe, verzweiflungtzvolle innere Unsicherheit sei. Und nun. dem eben konzipierten, kaum gestalteten Werk gegenüber steht der Künstler, noch erschöpft von der Onal geistiger Geburt, beglückt — und enttäuscht. Ist cs doch nicht möglich, daß eine Idee, die greifbare Gestalt gewinnen soll, nicht Konzessionen an die sachliche Gegebenheit des Materials (in diesem Falle die Sprache) erfordert! Der künstlerische Genius nulß Konzessionerl verneinen, muß ihnen, seinem innersten Wesen nach, abhold sein und widerstreben. Llber die Umsetzung rein geistiger Werte in die Materie des Wortes läßt keine Wahl. Damit beginnt ein Vorgang, der die Bindung zum Handwerklichen, freilich in einem höchst vergeistigten Sinne, bestätigt: mit unermüdlichem Eifer „übergeht" der Künstler sein Werk, sein Feingefühl wie eine LÜasserwaage überall anlegend, um nachzuprüsen, wo der erste Wurf, der „Ent-"Wurf, einer Aenderung, einer Einschränkung oder eines 2lusbaus bedarf. Diese Arbeit ist gefühlsmäßig und bewilßt zugleich. Das Gedicht ist (in der Regel) ein kleinformatiges Kunstwerk — es hat den ungeheuren Vorzug, vom Leser oder Hörer einheitlich ausgenommen werden zu können. Diese Eigenschaft legt dem Künstler große und entscheidende Verpflichtungen auf. Beim Roman, im Drama, kann eine schwächere Stelle, ein „geredetes" Wort vorübergehen, ohne geradezu verhängniZvoll zu werden. Niemals im Gedicht, wo ein solcher Niangel schon rein ötonomisch einen verhältnismäßig weit größeren Raum beansprucht. Llrgwvhllisch und mit allen Sinnen muß der Künstler sich dieser m doppelter Bedeutung „peinlichen" Kontrollarbeit Miterzicheu, ehe die gültige Form als gefunden gelten kann. Ta ist alles zu beachten: grammatikalische Verknüpfung, Präzision und nnztveideutigc Zilarheit des 'Ausdrucks. Klangwirkilng, 'Assonanzen, rhythmische Gliederung. Reim, im Untcrbcwnßisein mitschwingende Begrissskomplere, nicht zuletzt auch die Beobachtulig einer 2lrt von zugrundeliegender Begviffsmythologie, die allen 'Ausnehmenden gemeinsam sein muß, sollen sic das entstehende Kurtstwerk überhaupt „verstehen" können — ein Blick auf das Konzeptmanuskript eines großen Lyrikers, ellva Hcine's „Wintermärchen", mit seinen tausend Korrekturen lehrt deutlicher als alle Aufzählungen die unendlich mühevolle, unendlich gewissenhafte Filigranarbeit, die der verantwortungsvolle und scheinbar so leicht schassende Künstler hier zu leisten hat. Ein Wort vom Reim an dieser Stelle: es ist keineswegs „schwerer", den Reim bcizubchalten, als ihn anszugeben. Man sucht ihn nicht, er bietet sich dar, er ist ja (wie am Stabreim leicht bewiesen werden kann) nur eine besondere Erscheinungsform des Rhythmischen überhaupt, itnb Rhythmus ist Urquell alles künstlerischen Erlebens. Lyrisches Schassen ist immer wieder ein geistiges Abenteuer, voller Lockung und Gefahr, voller unvorhersehbarer Zwischenfälle, glücklicher Funde und geheimnisvoller Beselignngen. Welch tiefe 'Depression, wenn sich das innere Erlebnis nicht empfindungsgetren in der Materie gestaltet, wenn es nicht gelang, alle seine seinen und feinsten Abstufungen im Wort einzufangen — aber auch welch .unaussprechliches, mit nichts anderem vergleichbares schöpferisches Glücksgefühl, wenn sichfür die flüchtige, vergängliche Vision die schlackenlose gültige, endgültige Form ergeben hat! Aber heute? Ist heute noch Raum für