Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 50 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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¥^o©dQr Ko h J o n g ros /wr o p?? A AtjcLiujek <y* sHandlung LA Sfsor.s ticfoB'cin^ fOr JÜcsnSrnShcKsMragcn ßorJän 1715, KurtfüreS-ar.darrmi 56 - Telefon!: J I Bismarck 7212/13. — fcljcu-iH'E'bcin 3?ci‘f)unflcuu schützt, fonbcvit mu;, bovin, das; man il)m 'bin Ncdgjjchkeit eubl, |ici) eine tfvtfleii} ansziitzanen — und solche Hilfe ist wohl bisher mir in vcrschlvindend' trcitincii Fällen flclciftet worden. Und deshalb sollten auch die mitlmu'it, die alU'v Heil allein von Orstmnsalionen und Gemeinden im Hailde erwarten und meinen, einfach ad-, warten zu wollen, bi* der £trom der Hilfe, der von dort niioflolit, auch zn ihnen lommt. Airch wenn mehr geleistet lviirde als in Men- -sei;entraften steht. muß e* doel) immer >eiu Nidsts bleiben, loenn nidjl der in Not oder Bedrängnis Gelommene zunächst von sich aus int, wa* er tun kann. E* sind auch früher schon andere nichljüdische wünschen an* der Bahn geworfen ivorden oder Proletarisiert, ohne das; sie deshalb Anspruch ans allseitige Hilfe zu haben vermeinten, lind da* muß man sich vor Angen halten, ivenn man an da* Benehmen einzelner Hilfesmchender ans den zuständigen Stellen denkt: sie tun so, als ob alle Organisationen n n r s ü r s i e Pers l) n l i dj eingeriditer sind. Genus;, sie s in d für sie da und sind da, um ihnen zu helfen; aber jeder sollte sich doeti einmal fragen, womit er eigentlich diese Hilfe verdient hat, loa* er für die jüdische Gemeinschaft geleistet hat, bevor er schimpft, ivenn er zlvei Stunden warten inus;. oder ivenn der Beamte, den er sprechen ivill, gerade etwa* Wichtige* zu tun hat. Das Leben hat die deutschen Huden hart und unbarmherzig ans sich selbst gestellt; ivenn sie nach außen sehen, finden sie nicht viel Unterstützung. Um so mehr muß jeder lernen, auf seinen Beinen zu stehen: ivenn einem dum* schief geht, ivenn sich eriveist, das; Pläne, Absichten, Meinungen falsch und trügeriseli waren, dann tut zunächst Besinnen und Bemühen not. ob etz nicht eine Hilfe au* eigener Kraft gibt. Es ivird sicher einmal nötig sein, litte Mittel der Gemeinden für die großen Zwecke znsannnenznfasscn, die der Neujährsausruf der Berliner Gemeinde mit den Worten „Brot, Arbeil, Wisset!" eiiidemig und einleuchtend charalteristert hat —, aber ivui;- und alledem — fein Jude darf sich nur ans diese Hilfe verlassen, sondern jeder sollte an da* Wort denken: „Hilf dir selbst, so Hilst dir Gott!" Natürlich ivird es immer Fälle geben, ivo nur Geineinde, Hilfswerk oder Beratung*- steile Helsen können, wo die Not auch keinen Aufschub der Hilfe duldet: es bedarf wohl nicht der Erwähnung, daß solche Fälle hier nidu gemeint sind. Für sie müssen immer Mittel und Wege gesucht werden. Glücklicherweise war der Appell an die Hilfsbereitschaft derer, die noch dazu iinstande sind, bisher erfolgreich. Aber and) hier ist iw eh uidjt alle* getan; denn iviedernm kommt e* nicht nur daraus an, mit Geld zu Helsen, sanderii Gristenzen anszubaven, und man kann sich wohl vorstellen, daß mancher-.du mehr tnri tonnte, al* er getan hat. Irgendeine Stadtverwaltung .iv.ollte . letzthin NännenSlisten derer -veröffentlichen, die ihrer Pflicht beiin WinterhilsÄvert nicht uachgelvwwen sind; so sollten auch wir einmal fragen, iver uns nicht nur Geld, geben, .sondern einem jüdischen Menschen dazu verhelfen könnte, sich selbst zu erhalten. Für positive Vorschläge in dieser Hinsicht ist hier nicht der Platz; denn da* gerade ist Hilfe, die nicht durch Organisation, sondern um: durch den einzelnen niöglich ist. Diejenigen aber, die in dieser Hinsieht noch nicht da* getan haben, wa* die Allgemeinheit von ihnen erwarten dürfte, wird man ebenso sehr ans diese Berpflichtungen hinioeisen müssen, wie jene, die meinen, alle Hilfe sei mir für sie bestimmt. Dieser wie jener sollen e* immer ivieder wissen: jeder von uns steht, für fünshunderttauscnd. Hans Samter. dec ■ teste .ßäisdie Ihddßeeisidigec I | ß m Seatsddand? %/(fjQs gtaß Er die Zahl dec Judm &dm Aasn a zog. xms Aegypten? I I / 0 VV siehtdasaadiSlasdii&mannieSiadäot, das || c Ma$üq. ehmt xmdecmllamm icagensall? ist -ein 23man? ^^L44yiyiy ez&ddm. die eiste Sdmähsdadlig-egen f j die Jaden und mos enthielt sie? I! / / V U)ec £eanimäei diese Stagen? Die Hamen dei tmsendei tidiikjec £äsmgen md .die siefitig-m Asiimaäen meiden in dec nächsten- Hammel dec Zeitung Mtö$$entlicht MckchL WUuwg des neuen GwWMIMs nm Imukreich Pari*, Ende Dezember. Die Franzosen, mW natürlich mich die französischen Juden, haben einen besonderen Sinn mW eine bemerkenswerte Gabe für die augenfällige Inszenierung von Feierlichkeitei!. m>d so spielte sich auch die Einführung de* neuen Großrabbiner* von Frankreich, Julien Weilt, in der. Synagoge rue de la Bictoire am letzten Ghanullahabend als ein Ereignis von großem Gepränge ab. Die festlich gesckimäckie Synagoge siwie ein zahlreiche* an-nliches und nichtanr'tlieye* Po.blikmn, da* sich wie ein Alaun erhob, als unter den festlichen Klängen der Orgel, eingeholt von den Hnissier* und geleitet von den Würdenträgern und Aadbinern aller Pariser Synagogen, der ehr- Ivürdige Herr seinen Ginzug hielt. Das israelitische Konsistorium, unter Führung von Robert vm> Rothschild, hatte sich vollzählig eingefnnden, um der feierlichen Zeremonie die richtige Weihe zu geben. Rom Platze seines Vaters aus. de* Barons Edinond von Rothschild, der wegen seines hohen Alters kaum noch ausgeht, verlas Robert von ülothscljild die feierliche Ernennung und führte mit herzlichen Worten den neuen Großrabbiner in sein wichtige* Amt du. Die acht ohanntlahlichter wurden in der alten rilnelten Fwrm entzündet, mtd es gab einen unerhört feierlichen Ein-- dnick, als die zahlreichen Geistlichen, in ihren eigenartigen Knltornaten, um ihr Oberhaupt geschart, der Toten gedachten und für die Seelen der Tahingeschicdcnen daS Gebet sprachen. Und es war der letzte Ehatiulkatag. da man der gces war der letzte Ehanutkahtag. da man der gefallenen jüdischeit Helden sich mit besonderer Wehmut erinnerte. Orgelspiel mw Gesang beendcio die Feier; die Blitzlichter blinktem aus — ein ungewohntes Schauspiel im Gotteshaus —, und die eindrucksvolle Zeremonie hatte ihr Ende erreicht. Man tritt hinaus in das ohrenbetäubende Brallsen und Leben des Weltstadtzentrimi*. das hier in* Gigantische gesteigert scheint, mw sitcht vergebens einen stillen Platz, um das Gesehene in sich nachwirlen zu lassen. Aber zu Hanse warten sie ailch auf da* Ehanullah-Lichter-Beiischen — also hin Ziir Familie, um gemeinsam „Dloau* zur" zu siugcu und von vergangenen Tagei^ zu sprechen. _ F. Gtz. Dr. mcd. Mar Gichwald, früherer Assistent von Professor Fricdemaiiu im Birchow-Krankenhans,' ist zum Professor für Bakteriologie an die Universität Kanton (Ehina) berufen worden. Profeffse Lsdeoea LchlesirrgW Nsftsrüen Fm Alter von 70 Fahren ist der niu’viti--t> Ordinarius für Machemaül an der llinveriim Gneßen. Prvseß'or Ludnüg S ch l e s i n g e r. ei-ien- Schl.rgausiill erlegen. Prvsejjor Schleüupcr'. idh,' Borlejuugeu über absolute (nichteulliduchh metrie seinerzeit allgemeine Beachnmas haben, stammte anS der slmoalischen Statt TpHF Er jlndierte von bi*;^7 an den Univeriigj.F -Heidelberg und Berlin. hnOitttievte ct sjP Privatdozeilt in Berlin,^ wurde acht Fahre anßerordenilill)er Prosessor in Bonn, luivftc' dvin Klansenburg und Budapest und nn-rde IP; Gießen berufen, wo er bis zu seiner Emeritier,,"^ im Jahre 1900 lehrte. Bekannt sind sein ..HandhIj der Theorie der linearen Disst'renüalglei,!,!,^I- :nw die „Einführung in die Theorie der DsiFF tialgleichungen". Er war lseneralredallmr EWnß-Ansgäbe der Göttinger Akademie und hat niici au der -verausgabe von Eulers Opera Omnia" gearbeitet. Au8 neuerer Zeit stammen die ^chriin-r „tziaum. Zeit und Relmivirälstheorie". .Spinoza Eiirslein" u. n. ZV rühriges Dotwr^ubiläunr oou RQühmLr Dr- Beliqmaun (Jvanf. ' fuef c. M.) Rabbiner Tr. Eaefar Seligmann har am zcmbcr fein goldenes Doüorjubilämu gefeiert. F. erhielt, aus diesem Anlaß vom Dekan der Philo sophischen ,Fakultät der Ilnivernlät -Vaile-Wilm, borg. Tr. Schcnider, ein neues Doktordiplom, ös: folgenden Wortlaiit hat: „Die Philosophische Fe.lnliät der Marün-Luihn. Universität H a l l e - W i 11 e u b c v a c: neuerte altem Herkommen gemäß dem RaAiucr Tr. Gaesar Seligmaun «'Frankfurt a. Al.) davon ihm vor fünfzig Fahren, am IS. Dezember lPP erworbene Dokrordiplom inner Würdigung Anerkennung seiner Berdienste in seiner lang jährigen Berufstätigkeit und sandte ihm zu diese:« Ehrentage aufrichtige und herzliche Glückwiimich Nabbiner Dv. Dicucinann außer Hast. Der Offenbacher Rabbiner Dr. Alar Tieneme:«^:. der, uue nur in der vorigen Woche meldettn, m Schutzhaft genommen ivar, ist erfreulicherweise bereits am 21. d. Bl. wieder aus der Hast mUdd« worden. Fei!wen B a ch a r a ch. Ayina in Hcs'cn, ivmdc an« 2S. Tew'mber Fohre al«. Samuel A a G a u s und Frau Bertha, gcb. Wollasr Baumbacb, ,;ur;eik Alomberg in Hesse,,, begehen an; 2. Januar das seltene Fest der Goldenen Hrch'icn. Am b. Januar wird der Rentier Fsidvr Gerbe, Säuieideinübl, 70 Jahre all. (5crber ist ein alle, EL-Auhängcr. F -r- -yiA) -Ar ft ft# (J JP .tw «■ s-J i>’ e, wv Die ArbciLsgcmcinilhast der jüdiswcu Akbnl». rrachweisc, vt btciluna! ü r a e w e r b L i cl, e ö ‘V t r s o n a l lein'Gließlnh Foeharbeiler). Berlin 6. 2, sirahc 2—1 lTcl.: D l, 'Rordeu teilt mil: Gesucht werden für Berlin crsllbnsw.- Sin! triee uir eleaantcu Aiaß>'alvn, erfahrene TireNucc u. Modelnonie'lion. Tom-nmanlel >nschneldcrin. Vafillf Tameurvcknäheriimen. selbsländige 'U i ot»c 1 (1 oni cf s; in k - Näherinnen mit Fmchneiden, insbesondere kür Kosniine und Komplet*, versektc Ausserligerinuen und erste Haue- Näherinnen für Hcrrcnlvnseklion. besonders für Hennrniäntcl, Pelznäherinnen für Biussen mit Reitzv.-rsä,!us:. Mühenstepperin. perfekie OberhenÄenzuschncideriil :xn- Knovflvchsievverin für Herreuoberhemdenoclrico, inchrerc geübte Hosenirägcrnäherinnen für Betrieb und Heimarbeit. mehrere Friseusen, Bogensüngerin. Schäne- Vorrichterin; für auswärts: Korsettzw'chneidc-ia Hundertjährige, deren Enkel und Urenkel schon tot sind; einmal in der Nacht auf ihrem Hauie in der Burgstätte zu Bethlehem, wo sie David* Entschluß zur Treue stärkt, seinen verzweisellen Willeu, sich den Philistern eidgemäß anszulicserm Dann aber zuletzt, wenn ihre Stinuue vollbringt, was keine andere konnte, wenn sie die srvnnnc Hingabe an ein Wert Gattes i höh er als jede* Glück!) in da* Herz des klrnrentels wirst. — Sie ist es, die David schließlich beivegt, sieh die Last der Krone ans* Haupt zu legen. Und damit beginnt erst das Traina König David*! Wir brauchen nur zn sehen, daß durch dieses große Werk die Gestalt eines vierzehnjährigen Knaben läuft, der den; David grenzenlos treu ist, und Nria, der Hethiter, heißt — dann ahnen wir, wie fest diese Dichtung mit den zwei folgenden Teilen verknüpft üt. die „König «David" und „Dirvid* Tod" heißen sollen, mib die wahrscheinlich die Gcidiiehie der Belhseba und des Absalon in dem dramatischen Bliltelpunkt stellen werden. Wir müssen sehr lvünschen, daß es Beer-Hostnann, diesem grvßartig langsamen Arbeiten dennoch vergönnt sein möge, das Ganze diesesstDrama* zu vollenden, da* erst vollendet, seinerl würllichen Sinn ganz erschließen kann. Tenn ganz gelviß handelt cs sieh hierum ein außerordentliches Dokument dafür, zn wieviel tiessinnender Menschlichkeit und dichterischer Schau die großen Grundzeichnungcn der biblischen Tradition auch heute begnadete Männer anfznrnsen vermögen — heilte wie immer. Will Der Kulturbund hatte die Presse zrrr Reubesetznng «tiniger wichtiger Rollen in seiner Oihetlö"-Anfsührung eingeladen. Den „Iago" ' gibt'setzt Mar Koninsky. ein vorzüglicher Sgn-echer. der 'selbst in der Rolle des „ehrlichen" Fähnrichs mit den teitslischen Plänen durch sein Spiel sympathisch Pi wirken versteht. Nlith Reimer ist eine sehr holdstlige „Desdemmm", die sich jedoch erst in der Todesstunde zu stärkerer Wirkung entfalten vermag. — ay — W) F G.; odIFs-V .) iD'Le/ pvBl!) EPGE/ck? 0} ft f! f: F m f: FF Ci n FH ß sFl u E $ v FF WvßlstScksiö p *Wy dJ ’ji (s>rtiüi)im<jöfda‘ vor 1500 Mcuschcrr 100 Rck'nschen im groswn Sa«w des Sieglc-HanseS in Stuttgart. 1-W0 Fudmp im Parterre' lmd 200 Juden «ruf dem Podium feiern das Ehauukkahfest. Teleiuauns Suite in ttumül wird vom Streichorchester gespielt; die Geigen singen, die Getli rauschen uvd das Ecinbalv klingt. Reemer Wohltlirng ül^rsirömt den Saal. E* folgt Em. Bachs Triosonake in 0-cIuv. Zwei Biolinen und das Cello wetteifern mit dem Flügel in Schönheit. Jetzt aber klingt Händels gewaltiges Rezitativ ans „Judas Plattabivis" ans. Eine mächtige Frauenstimme verkündet, daß „verzagte Furcht und banger Kleinmut dem Bolk Gottes nicht ziernl" und iauchzt in Freude, daß ivir in „Fcierpracht das Fest des Lichts begehen". Und nun vereinigen sicl, Solisten, Chor und Orchester zn dem muslkalischen Höhepunkt des Abends, -zmn 90. Psalm in Händel* Bertonnng. „Singel dem Herrn ein neues Lied", so steigt es ans in größter Feierliehteil. „Beugt euch dom Herrn, unserem Gott", erllingl es in süßem Wohllaut von zw'ei Frauenstimmen und „alle Laude beten ihn au", dröhnt und jubelt es von allen Lippen und aus allen Instrumenten, ein Lobgesang von überwältigender Kraft und Stärke-, herrlieh, wie mir das Werk eines Größten, ertönt es „Himmel freue dich und fröhlich sei die Erde". So hingerissen waren die Menschen, so ergriffen die Seelen, Gottesdienst war das, Erhebung und Trost. Ter Vorstand des Jüdischen Lehrhanses, da* mit diesem Weiheabend der ganzen Gemeinde ein herrliches Geschenk gemacht Halle, verkündet zum Abichlnß des ersten Teils der Feier die Begründung der Stnlligarler jüdischen ' Kmylgemeinschaft, von der er hofft, sie werde d i e j n d i s che Go m ein ° s ch ft f t sein. Nach einer Pause beginnt die Ehauullahfeier. im engeren Sinn. Wir hören chassidische Sänge und TÜnPveisen, von einem Künstler am Klavier meisterhaft voraetragen. und daun nach einer kurzen Erklärung des Dirigenten vom Ehor ' und Orchester zwei jüdische Bolkslieder. Zuerst die Bitte: „Eltzahm der Prophet, möge kommen in nuferen Tagen". Wer von uns allen hat das bisher so recht gewünscht? Hier aber riesen weit über hundert Sänger in einem Rausch der Begeisterung nach Älaschiach, dem Sohne Davids, ihre Stimmen bebten, ihre Seelen jauchzten. Wir empfanden wie unsere Bäler vor lausend Jahren, was es heißt, ein Sohn Davids zu sein. Das zweite Volkslied aber, das war etlva*. was wir bisher als Bollslied nicht kannten, der Schluß des 150. Psalms, begleitet nach den Worten Davids von allen nur denkbaren Instrumenten, eine ganz merüvürdiae und ergreifende Jllnstration des Begriffes jüdischer Frömmigkeit. Ter Dirigent befahl, und alle im ^aal sangen mit, alle Hände klatschten im Takt; nie noch hat einer von uns ein solches Hallelujah gehört. Das ivar der Vollkommene Gegensaß zu Händel* Lobpreisung. Dort die feierliche masestätische Pracht und hier die überquellende Freude des Volkes, das seinen Vater preisen will und es hinausrust wie ein Kind, das in Heller Freude jubelt. Nun schloß sich der Vorhang deS Podiums bi* auf eine kleine Lücke, in der an einem kleinen Tisch eine Frau ernst und feierlich die Geschichte der Blallabäer las. Wie schön und eindringlich war doch diese alte, ewig junge Geschichte, eines der Vielen Heldenepen unserer 'Bater. Ein von einem Künstler geschnitzter Ehamckkahleuchter aus Holz wurde in die Alitte des Podiums gestellt. undKin Knabech'ang mit heller, klarer Stimme den uralten Segenspruch, mit dem man die Ehanukkahlichter entzündet. Andacht, Rührung, reine Freude erfüllte den Saal. Zwei Frauenstimmen und ein Sprechchor begleiteten das Anzünden jedes einzelnen Lichts mit den ergreifenden Versen eine* Dichters. In freier Rede hörte man den Inhalt de* Lichteriegens und dann folgte der ergreifendste und sihönste lRoment des Abends: Eine Frau sprach die einzelnen Worte des Al kanissim vor: laut, feierlich, erhebend qnoll^die Anrufung Gotte* von ihren Lippen, und ein Sprechehor von Knaben und Mädchen wiederholte jede* Wort mit glühendem Herzen und tönender Stimme: Da* war das Wunder des Weiliefestes. Wie hier ans deutschem Boden von jüdischen Menschen der Preis Gottes und der Ruhm unserer Väter in der heiligen Sprache verkündet wurde, wie der Klang dieser Sprache Schauer der Audacht und höchste Erhebung Hervorrieß das bleibt unvergeßlich. Es kam zum Schluß. Die Geigen spielten, die Menge der Tausend erhob sich und aus einem Attmd erscholl „Maa»8 zur lescbuoBi“ kaut und freudig durch den Saal. So ist das „Moaus zur“ in Stuttgart noch nie gesungen worden^ so hat noch nichts die Gemeinde geeint in jüdiüher Seele. Ein einziger Name sei als Abschluß diele* richteS genannt, der des Mannes, dem wir all dicic Freude verdanken: Karl Adler! 6. F., Elnüg-n:. <5*-v w v v vj V Die Gerüchte, daß die antisemilischen des nach d-m „Hvrst-Wesiel".Rome.n gcdrc!i:m Films „Hans Westmar" von Juden selbst dargeileltz würden, hat leider seine Bestäriqunq gelündcu- Allen hat der Film, um nicht in Schwarz-stAG Malerei zu fallen, Gerechtigkeit angetan -- scldu die Kommunisten haben einen sympathischen Acrtreter, der, inic der Film audemet, sich spliier pur -llationalsozialismns bekennt — mir den Juden Pt der Typ des anständigen Bcenscheu voreml;.'sic:'> worden. Ta ist zunächst die Selrcmriu des EPwaltigen aus BloZkau, die die Bcörder Hans Benrnars mit^Schuaps traüieri. damit sie sich Mm mn trinken, die auSspionrert, wann Westmar allein A Hause ist Pind ähnliches mehr. Der Raine der jüdisch aussehenden Schauspielerin wird uichl Pnannt — zvas häiie die Filmqesellschast für einen 'cknlaß. ihren Namen zn verschweigen, wenn ln' nicht stidisch wäre? Auch der Darsteller des tud'-s scheu Funktionärs wird nicht mit Rainen genenn! ^aber e* besteht kein Ziveifel. daß nui^ einen Schauspieler vor uns haben, der einen in Dcltzm:- stellerime in Filmkreisen (vrül)mten R>unc:> ttagt. Er zeichnet mir grob lomödiann'N' haften Mitteln eine Karikatur, die Gri'.nars eines Juden. Dauernd grinst er zynisch, — ,c'‘ nrinft, wenn. ex den Massen feine marriuPPM Chosen voryprieht, er grinst, wenn er den Bch--v znm Mord weitexgibt. Tie Doktorsrage erlicb'- pch: Konnten jüdische Kvmmunincn im Elegenlat .stl nichchüdischen in ernlien Augenblicken nieiU lern? dieser Kommunist mauschelt nicht nur um emex Verzerrung des Akzents, sondern auch^nul jPtz -Händen, die ex gespreizt an Rase vdep Pins" führt. Wenn nach einer Nmmltösen Sa.ckichi'ntt ore Lchupo dcn Saal geräumt hat. kriecht als b-'ttH nnwr dem Rednerpult, von einer Fahne zuqcdcäh die,er Redner des Abends hervor — und waücbM nut der mauschelnden Legitimation „Ich bin Rcttp'- kag-sabgeordneter" davon. B:as PBlut schießt uns vor Scham in* Edioi:- wenn wir sehen, wie ein Jude sich zu diesem.PH- ^büd entwürdigt, und wir verstehen nicht, wie ein -Oute sich zu dieser antisemiliichen Karikatur .Pv geben konnte, < . j-.