Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 50 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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w J£lr vScOb IX. Orl Hi "HHj—\f ■ i( i t *i j: i, .■ IjUJüuv fc5r. SO 1. Boiicsg© m mm |»Ui$ Vm ccnsies ©otl zu einem heiklen Thema tz>5 gibt Selbsivcrständlichlciten. über bia vebcii nicht verlohnt: dazu gehört auch.. M in dieser Notzeil jedem geholfen werden 1 der der Hilfe bedarf. Und also ist es M erstaunlich, daß in dem vielen, was für Kitsche Inden und von deutschen Juden seit dl-m März dieses Jahres getan wurde, das Wrt „Hilfe" eine ganz große Nolle spielt. Es iviire schlimm, wenn es anders sein könnte. Talser mag cs sinnlos und nicht eben geschinackvoll erscheinen, das Probelematische „llkö Velsens auszeigen zu wollen, die große (üujrtljr, die sich darin verbirgt. Und doch verkleinert man die segensreiche Arbeit von pilfcävmitces und Beratungsstellen und allen dicscn Organisationen nicht — eine Arbeit, „us die wir stolz sein tonnen —, wenn inan £* ausjpricht: es wird unter den deutschen Mn heute z u viel an Hilfe g e g l a u b t. Ticies Vertrauen auf fremde Unterstützung Infinit oft die eigene Alraft. Es ist gewiß selbstvcrsländlich. daß einer, der aus seinem Berns. aus seiner Lebensbahn geworfen wird, dorthin geht, wo er glaubt. Zuspruch. Rat und Unterstützung zu finden. Aber es ist falsch, nu’iut er nur dorchiu geht, statt sich zu überleA'ii, ob und wie er selbst denn imstande sei, sich zu helfen. Und hier streift das Problem ,1,1 unsere Schicksalsfrage: jeder weiß, daß »orte Zeiten für die deutschen Juden bevorslkhen. jeder weiß auch, daß wir sie — als einzelne wie als Gemeinschaft — nur überstchcii werden, wenn wir alle Kraft znsammcimchincn. Und wir müssen an unsere Kraft .gliinlu'ii, aber nicht nur daran, daß die eine der anderen schon Helsen wird, daß die sünfhundcrttansend deutschen Juden alle für einen einstehen werden, sondern vor allem daran, daß jeder von uns für alle fünfhunderttausend und das; jeder einzelne für sich selbst wird ein stehen müssen. Nur wenn wir das wissen und uns dafür kmt halten, können wir mit festem Mut in die Zukunft sehen. Und dementsprechend im'ifßn wir unser Leben einrichten. Die Wien, die meinten, materielle Hilfe der Inden dcr ganzen Welt nu'lrde es uns leicht machen, alle Not zn stillen, sind inzwischen eines Bessere» belehrt worden: gewiß ist viel gegeben iMden. gewiß hat die Arbeit der Hilfskomitecv viel Gutes geleistet, und jeder wird Min; dankbar sein, der einen Verwandten vdee einen Freund irgendwo hat. dem so gedolsen wurde. Aber entscheidende Hilfe kann st nicht darin bestehen, daß mau den Aken-- L A-ZsWrH W Aufsatzreihen uij/y Religion in dieser Zeit von Rabbiner Dr. Max Wiener Die Geschichte der deutschen Juden von Dr. Rosy Bodenheimer, Professor Dr. Arthur Cohen, Professor Dr. Ismar Elbogen, Dr. Fritz Friedlaender, Gemeinderabbiner Dr. Kober, Dr. Selma Täabler-Stern V/anderungsbewegungen der Nachkriegszeit von einem bekannten Wirtschaftspolitiker Umwelt im V/erden / Politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen in Deutschland Wirtschaftspolitische Sonderberichte über europäische und ausser europäische Lander, in denen deutsche Juden leben, insbesondere über Palästina Bi/dungs- und Erziehungsfragen Jüdische Schule, Berufsumschichiung, Frauenberufe Wort- und Bildreportagen »ie Eine Stunde bei... Unterhaltung mit führenden Männern des deutschen Judentums Lebensbilder schaffender Künstler Der Mann und sein Werk / Werlschaffende jüdische Wirtschaftler Lebenswege jüdischer Menschen in dieser Zeit / Berichte von Menschen auf neuen Berufswegen Bück in die Zeitschriften Wir fragen — Sie antworten die gedruckte juristische und wirtschaftliche Sprechstunde des Centralvereins Sportberichte in Wort und Bild Feuilletons von Julius Bah, Fritz Engel, Dr. Ludwig Feuchtwanger, Georg Hermann, Georg Hirschfeld, Dr. Hugo Lachmanski, Ernst Lissauer, Dr. Jacob Picard, Alice Stein-Landesmann und von jungen Dichtern, denen wir den Weg bereiten wollen Gedichte jüdischer Lyriker wie Goldschlag, Lissauer, Silbergleit u. a. Kritische Berichte über Theater- und Konzertveranstaltungen aus allen Städten des Reiches Beilagen Wirtschaft und Recht Vollständige Wiedergabe aller Vorgänge, Erlasse und Urieile über Wurlschafis» und Rechtsfragen Seite der Jugend Nachrichten des Rekhsausschusscs der jüdischen Jugendverbände und ständige Berichte am dem Bund deutsch-jüdischer Jugend l Vom Leben, Denken, Arbeiten der Jugend Von Kindern für Kinder / Erzählungen, Märchen, Rälsel, Bilder u, a. mehr. i €.h tjL / ß. m rpftßM B ssr mm MM Am UM Bad p C e r -Hof m a n n, der Wiener, ein 'lvcher verigder alten, glücklichen Zeit und hugendsrcnnd der Gvfuiannsthal und Mnchler. ein MMer schtverer Worte und nner Aerse. der siel, nur selten, in wenigen iONichen Werkcn^ Horen ließ — Leer-Hof- W fest fünfzehn Jahren etwa für die Kam deutscher Sprache ein Autor von be- : Wichtigkeit —, ein Zeuge ihres : M/Ru Wesens, ihres Leidens und ihres Damals hat er die szenische Dich- . >g..g a a c o b s D r a u m" veröffentlicht, in /, Po Berufung Jaacvbs dargestellt wurde, .e- Erzvaters, der durch seinen Namen Israel i ' Awcltem Sinne der Ahnherr aller Inden : '» vboi, jjt, Sil, Düffim, Ismcls. : -chch '"^uer neues Leiden für den göttlichen xi'in wurde machtvoll verkündet in ■ ifW* bas in mächtigem Nealisinns ch,Ul, 1111 ^use Jsaaes. aus dem Jaacvb mit 'l Mienteteu Segen des Vaters geflohen ist, tuf1' llatl) der Verfolgung Es aus und der ZK hiunig der Brüder mit der großartigen miK-,ÜVlc 1,0,1 >vwcobs Traum schließt. Dai 7-^.111111 wurde schon angekündigt, daß diese JA UJ9 hur ein V o r s p i e l sei für eine llvgie, die Historie des „K ö n i g g,/..! b - Und heute nun, nach einem halben ei» tev' beröfsentlicht Vcer-Hofmann. iaiMcr-lu,u allerhöchster, unendlich lang- : Iofii« ^°Walt, den ersten Teil seiner Tri- Schauspiel „Der ju n ge D av i d" ^'Vschers Verlag). i't 2 Kunstwerk ein organisches Wesen Mi f,?l c'3 Innen und Außen geben jeC s')oern nur das einheitlich Bedeutsame MnliK.J0011 ^'stcheinnng. so ist es nicht gehässig, sondern wohl ein Ai» ii?», ErkcnntmS, wenn man hiiimn Jbeginnt und zunächst einmal Mp dieses Dramenbuch beinahe 300 p «eiten umfaßt und daß der Personenzettel gegen 8ü lNamen anfweist. Und am Ende gibt es zahlreiche Anmerkungen und auch ein Literaturverzeichnis. Als Beleg wird vor allen Dingen die Heilige Schrift in verschiedenen Ueberseßungen zitiert, daneben aber auch allerlei wissenschaftliche Literatur und sogar Atchers Neisehandbuch durch Palästina lind Sprien. Atan wird ohne weiteres zugeben müssen: das ist für eine dramatische Dichtung ein Verfahren von ganz ungewöhnlicher Gründlichkeit, so wie auch der Umfang des Teptes und die Größe des Personenzettels weit über alles Uebliche hinausgehen. All das beweist aber natürlich eine innere Eigenschaft von Beer-Hofmanns Werk: neben einer leidenschaftlichen Grnndvision und einem in Einzelheiten sehr starken dichterischen Gefühl ist eine wissenschaftlich genährte Spielsrende am Werk, die sich an der Fülle der Gestalten ergoßt, die sie ausstellen, mit den echten orientalischen Namen benennen, mit dem höchst sorgfältig beschriebenen Kostüm der alten Zeit bekleiden kann. Mir scheint, daß diese realistische Spielsrende oft weniger Stütze als Kemumis der dichterischen Ausdruckskraft ist. daß nicht nur der Leser, auch der Zuschauer es schiver haben ivird. die Nienge dieser fremdartig und doch ähnlich benannten Gestalten zu unterscheiden und durch ihr Gewimmel den klaren Blick aus den Kern der dichterischen Gestaltung frei zu bekommen. Dabei ist die im Nauru so ausgebreiteie Gestaltung des Werks, in der Zeit außerordentlich konzentriert: eS handelt sich um die wenigen Tage, die den endgültigen Untergang SanlS und die Krönung Davids bringen. Die ganze Vorgeschichte, nicht nur Sauls auch Davids früher Weg vom Hirtenkuaben zum Harfenspieler des Königs, zur Besiegung Goliaths, zur Flucht -7 all da^ wird nur rückblickend erwähnt, nicht mehr vorgeführt. Aber den Menschen David, den genial lichten Knaben, der all das erleben konnte und mußte, den, freilich sollen wir zu spüren bekommen — ihrl und seinen großartigen Gegenspieler, den mächtigen, versmsterten Sank. Ter Gegensatz zwischen Jugend und Alter, hier aufs merkwürdigste verbunden mit dem Grundgegensatz zweier Temperamente, des strahlend Positiven, des mißtrauisch Verfinsterten, der große erschütternde Gegensatz zwischen Saul und David gehört ja zu den wirklich unsterblichen Prägungen biblischer Dichterkrast und hat von jeher Künstler zur Nachbildung gereizt. Aber keinem Dichter ist bisher eine Fassung gelungen, die sich auch nur von ferne an innerer Kraft mit dem Saul- und David-Bild Nembrandts vergleichen könnte. Richard Dehmel ist aus jahrelangem Sinnen über einer Dichtung solcher Art weggestorben. Und schon als ein Versuch diesem großen Thema gegenüber die Ehre der Dichtung zu retten, ist Beer-Hosmanns Unternehmen bedeutsam. Von den sieben Szenen, in die das Werk gegliedert ist. gehört^ freilich nur eine, die ziveite, dem König Saul, der in seiner zusammenbruchnahen Verwüstung ergreifend gezeigt, aber eigentlich nicht mehr damatisch bewegt werden kann. Es ist ein letzter Akt, kein Kampsspiel mehr. Der junge David tritt in drei anderen Szenen auf. (Während die drei übrigen charalteristischerweise ohne die beiden Helden anskommen und höchstens ihrer indirekten Charakteristik, vor allem aber der Ausbreitung der Umwelt, der geschichtlichen^ Farbe, der gesamten Situation dienen.) Der schöne junge David, dem alle Herzen zuslicgen, der unter dem Uebermaß der Liebe, die ihm zuteil wird, leidet, der wahrhaft gesegnete und eben deshalb schwer geprüfte, er wird freilich in diesen Szenen sehr deutlich sichtbar. Aber nicht der Kampf mit Saul ist es. der ihn noch rn Bewegung setzt, der ist schon abgeschlossen und entschieden/(Und das läßt uns den späten Einsatzpunkt des Dramas eigentlich bedauern.) In diesen Tagen geht Davids Kamps darum, daß er Lehensmann eines Plstlisterkönigs geworden ist und daß die Philister zum Krieg gegen Israel aufbrechen. David, der die Treue als das erhaltende Gesetz der Welt sieht, will seinem Lehuseid entsprechen, will seine Aussicht aus die Krone Israels aufgeben und sich den Philistern stellen. Aber da rettet ihn der Gimmel,-- durch das Mißtrauen der Feinde! Tie Philister selbst stoßen ihn als einen zu gefährlichen Verbündeten von sich — und nun ift er frei. Während Saul mit seinem ganzen Gaus in der Schlacht zugrunde geht, kann David anderen Feinden Israels die gemachte Beute abjagen. Er kommt im Triumph nach Hebron und soll dort zum König gekrönt werden. Da erfährt er. daß seine sehr geliebte Frau — die Tochter des Königs von Geschut — gestorben ist. Verzweifelt will er aus die Krone verzichten. Vergeblich bedeutet der politische Kopf ihm, daß eine Krone sich nicht wie ein Gastmahl absagen lasse. Des Priester» Wort „An Gottes Ja zerschellt ein jedes Nein", dringt nicht zu ihm, die Stimme des Volkes, die ihn aus eines Uralten Atnnde ermahnt, seinen Etnzelschmerz in dem unendlichen Leiden des Volkes untergehen zu lassen, erreicht ihn nicht. — Ta erscheint Ruth. Ruth ist, wie man in der Bibel Nachlesen kann, die Ururgroßmutter Davids. Trotzdem sträubt sich zunächst ein Gefühl in uns gegen das Auftreten dieser Gestalt in dieser wilden Hirten-, Räuber- und Ztriegerhistorie. Das kommt wohl daher, daß die herrliche Idylle des Buches Ruth viele lmndert Jahre nach den historischen Ereignissen der wilderen Tavids^Zeit geschaffen worden ist — ganz offenbar ein Prolestgedicht gegen Esra, der so unbarmherzig Mischehen zerstörte, hier wird ja die Moabiterin das Ideal einer jüdischen Frau! Sicherlich hat sie der Dichter nur zur Ahnfrau des David gemacht, unr ihren Ruhm zu erhöhen. Aber es scheint mir der Ton einer ganz anderen Zivilisation, der die Ruth-Dichtung von der David-Tradition scheidet. Beer-Gofmann aber überwindet diese anfänglichen Widerstände, und sein Gedicht gewinnt ans dem Entschluß, Ruth, dieses Jdealoild der Treue, wirklich als Ahnsrau Davids austreten zu lassen, seine höchste Schönheit. Zweimal erscheint Ruth, die