Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 50 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 29. Dezember 1933 XII. Jahrgang / Nr. 50 •{Preis 20 Pfennig erein - / / A. H. 3Mc ^itucftcvglücfeu läuten ein |V()iff,VilcriTtllh'5 Jahr zu Ende. Was wir Plüschen Juden an den Festtagen des neuen Tcuhchtand fv oft schmerzlich empfunden IjnLu’ii: tum allgemeiner Freude ansgcschlosfön jii sein, das wird uns in den SilvcsterjSiitOcit iviedernm deutlich bewtißt lvcrden. chi keinem jüdischen Hatife, das für die §c!-!sksalliasligkeit der letzten 11 Monate ein fiiv* und wnrdegctragencs Empfinden hat, wird Fröhlichkeit. Festlichkeit, Ausgelassenheit anzntreffen sein. Wir wollen bannt nicht einer Trauer das Wort reden, die schwächt, perzichtcn läßt; unser EmP- 'chiden entspricht mehr jenem, dem die Fran- ’ül’cir Ausdruck verliehen, indem sie das ^tniidlnid von Strasiburg in Paris mit Traiierslor umwanden, bis die Stadt wieder jnnuösisch nmr. Vir verbinden mit unserer Lage nicht Lorslellimgeu von Sieg oder Niederlage. Leides ist nur frischen Gegnern möglich, imd wir sind niemals Deutschlands Gegner, lpoescu, können es auch nie sein. Was wir mit dem Trauerzeichen in unseren Seelen »nd vor allem in unscrenr Gedächtnis ausdrücken wollen, ist die Zuversicht und der Wie, die Vorstellungen vom jüdischen Sein >md vom Werte des deutschen Juden, die uns iiiiy der Volksgemeinschaft Deutschlands ausschlossen, solange durch unser Sein und Tun unrichtig zu erweisen. bis die wahre Erkenntnis Allgemeingut geworden ist. ll Monate voll Schicksal sind eine Ewigleit im Leben des einzelnen; 11 Monate voll Achsial sind eine ltrrze Spanne in der Gerichte einer Gemeinschaft. Die Führer Deutschlands, von der Sonne der Verwirklichung ihrer Träume umstrahlt, sprechen von tlwßcn Zeiträumen, innerhalb derer sich erst die volle Wirklichkeit abspielen könne, und ^i> man seht sich erst in den Anfängen bes'vide. Um vieles mehr geltem diese Forderungen an die Zähigkeit, an die Zuversicht, lrn das Vertrauen der Masse für unsere kleine fische Gemeinschaft. Unzählige Male verivorrcner und tragischer als das Schicksal des putschen Volkes in seiner Zerstreutheit, Zerichtlcrnng, seinem inneren Widerstreit, sei- >wn.Uainpf.pvischen Form und Inhalt beim Glichen nach Form und Inhalt zugleich, ist 'urjer Weg gewesen. Wir gingen ihn durch feilen, weil die tragertde Idee als Nichtiger unverrückbar wie der Polarstern vor »vs stand: Judentum wird ewig sein, wenn in sich unverlierbar seinen Glauben um* l^iesrt und zugleich lebendig ausgeschlossen ßt der Zeit und dem Raum, in die cs hinein- Aührt ist. Es mag Zufall gewesen sein —*!°fni1 nicht gerade in solchen Fragen Zufall mumm Fügung ist —, daß sich Juden der niilschm, Erde vor grauen Zeiten zum ersten --«we als ihrer Heimat bewußt wurden. Die ^schichte hat ans dieser Fügung Schicksal iwnacht, Mw die Erscheinungsform unserer blvislhmi Gemeinschaft, die diese Geschichte Anggt hat, ist deutsches Judentum. Die --mischen, die durch die Generationen Veriuntii,;i au ugillen und Borstellmtg in. dieser ^'chch^sh dieser Luft erhalten, sind deut- "V chlden geworden, unterschieden von den . «n irgendwo in der Welt durch ihr ^"ischtinu, unterschieden von den Menschen,;?! ^'Ulerhalb Deutschlands Grenzen durch V Zndentum; eine Gemeinschaft von Men- W, die das Gesetz, nach dem sie angctretcn, vmen müssen, oder innerhalb der großen des Staats- und Bölkerlcbens recht» - sich selber sind/ deutsche Judentum, elf Monate hinmih c'^ Monate hindurch Belastung o.,-,-^n^proben von ungeahnter Stärke aushört die Silvesterglocken" ur seiner überwältigenden Mehrzahl von deutschen D v m en, de u t s d) c n SX i r ch e n klingen. Der Sturmwind, der Deutschland durchbrauste, hat sie nicht wie wertlose Spreu hinausgcwcht, der Umklammerung durch Ansnahinegesotze ist verhältnismäßig nur ein kleiner- Teil ansgewichen. So manchem deutschen Inden mag in diesen Monaten manches Mal das kraftvolle Lutherwort durch den Sinn gegangen sein: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen." Wir brauchen uns in unserer überwältigenden Mehrzahl diese 500 000 Menschen, die als von deutscher und jüdischer Art sich empfinden, einen Aufbruch zu neuen Wegen im Denken, im Wollen und in der Tatbereiischaft bei Zukunsttzplanung und Berufswahl. Wir. sehen Gemeinschaftsgeist durch die Generationen hindurch. Bescheidenheit in den eigenen Ansprüchen und verschwenderische Hingabe an die Gesamtheit. Wir sehen ein Anstemmen gegen bequeme Ausreden und Auswege, und ein strenges und unbestechliches Suchen nach dem wirklichen Gegenwartssin n unseres ewigen Seins. Aber es gibt auch Menschen in unseren Kreisen, die sagen Ja zum Judentum, von dem sie faum noch schwache Vorstellungen vorn Vater, Groß- Dr. Ludwig Holländer Zu den Aufsätzen auf Seite 2 (l’hot. Irma Cohn, Berlin) BBEsgaBBaasHHBEHaaaaaaBBHBsaBES handelt es sich für uns in dieser Stunde der Erinnerung ... Die anderen deutschen Inden werden in der erinnerungsschweren Mitwrnachtsstrinde unberauscht aber glüherrd nur den neuen Sinn ihres jüdischen Seins im f? Q g> $ o Zh /I Zll/F H) /% m Mm mtM SsSs/t+'isf (J L- M W s^'O' -v>'' m f? jjm 'ei-kj r>Ä^o tJM' u' :>/'" Oq das grösste deutsch-jüdische Blatt das Organ des < Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens £ V. der grossen Aufbaubewegung des deutschen Judentums Sie enthält Betrachtungen zu den Tagesereignissen auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete vom Standpunkt des wertbe wussten deutschen Judentums Sie wird im neuen Jahre u. a. veröffentlichen Fortsetzung 1. Beilage, t. Feite, oor dem Urteil der Geschichte nicht als einen verwirrt, ziellos, willenlos arcsgescheuchten Schwarm vorzrrstellen, sondern empfinden sie als eine Gemeinschaft, geworden und zuknnftsgewillt. Wir haben in dem Jahr, das die Silvesterglocken zu Ende läuten, scheinbar keine gemeinsame Geschichte mit Derrtschland gehabt, wenn rnan Allen scheu als geschichtsnah nur bezeick)nen will, die gestaltend mitwirlen. Selbst wenn wir das nur passive Erleben von Geschichte als Fernbleiben vom Geschehen ausehen rvollten — der inneren Geschichte um uuS sind wir. nicht fern geblieben. Wir sind so sehr auf unserem anderen Weg in Deutschland vom gleichen Wehem von: Wehen des ganzen Deutschland ergrsisen lv.vrden,. das; . wir alle die Erscheinungen, die seinen neuen Wert ausmachen, die wesensechten wie die. kvnjunkturmäßigem entsprechend auch in un- ' serem Kreise beobachten können. Wir meinen nicht die sogenannten innerjüdischcn Differenzen Uns ist untersuchenswerter, ww die jüdische Gemeinschaft in Dcutschland^die Zeit er° ' 'lebt und überwinden will. Wrr sehen ber nhr Vater her besitzen, und.es mag-auch Menschen unter uns geben, die sagen Ja zum Tecctschtum, weil die Bilanzziffern ihres Hauptbuches die befürchtete Senkung nach unten nicht oder noch nicht zeigen. , Alle diese Menschen sind für die Erkenntnis unserer wahren Lage nicht rnaßgcbcnd. - Wir avollen als Gesarntheit zum Ganzen in Ehren „ja" sagen können/ wie lvir es bei der Abstimmung zur Allßenpvlitik vom 12. Nvveuwer tun konnten. Wirtschaft muß sein, um den Staat und seinen Ausbau zu ermöglichen; das ist Wille und Richtlinie auch des neuen Deutschland. Wirtschaft.muß auch, und mehr als. je, iu unseren jüdischen Bereichen wichtig genommen tverden, denn der Bruchteil der Substanz, der auf dem einzelnen kommt, wird immer kleiner. Aber .ebensowenig wie das nationalsozia-. liftische Deutschland einen Menschen „zu den seinen zählt, der Drittes Reich spricht und Umsatzsteigerung meint, ebenso wenig sind Menschen wertvolle Träger jüdischer Zukunftsgestaltung in Deutschland, die deutsch sagen, weil sie Absatz finden. .Nicht um diese. neuen Teutsckflaud ringen. Möge das neue Jahr uns das neue Leben bejahen lassen. MöSMl Löü S1MWMWA Tie Neichsvertrctung der deutschen Juden hat den Eeutralverein beauftragt, auch in derr Fragen des Widerrufs von Einbürgerung auf Grund des Gesetzes vom 11. Jllli IW Auskunft zu erteilen. Ter Eeutralverein wird diesem Ersuchen nachünniueu. Tie Auslllnst luirb von der Juristische Wirtschaftlichen Beratungsstelle in Berlin und in unseren Laudesverbandsgeschäftsstellen erteilt, die über genaues Material zu diesen Fragen verfügen. Eine allgemein unterriäjtende Darstellung über..diese bedeutungsvolle gesetzliche Maßnahme ails sachverständiger Feder finden unsere Leser auf Seite 3 des Hauptblattes. Wir empfehlen, vor dem Besuch bei der Beratungsstelle schriftlich anzusragen, ob und welche Unterlagen im Einzelfall beizubringcn sind^ ,