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Central-Verein-Zeitung · 1933-12-21 · 49 (21.12.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
49 (21.12.1933)
Date
1933-12-21
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Q U'O L ... J ■■■*»' i-J V—Av~.-ii Ua i '•,y—H '! 1- Boilczg© ‘ tJ -J ZLMET HKNSWMschMst ’mu Sie WrrffHvkkche §ra«s»schuls ta iVoMs^hMssa Mjor sieben Jahren schon bat die Ortsqruppe München des jüdischen Frauenbundes in Wvhrat-Auiusl'iu '^> Kilometer südlich von 'iih'inrlieii, die unrischnsiliche Franenschule ans Fnn Laude geschossen, die heule mehr denn je berufen ift, jungen Rtädcheii, die sich nicht inrijr in Büro oder Schule ansbildcn können, aus allen Gebieten der -Baus- und Garten- Wirtschaft gründlich zu unterweisen. Wolsrats-!,ausen. eine tynisch-batierische Voralpensied-!,mg. liegt in prachtvoller Waldgegend fast r.<)0 sju'tcr iider dein Aleer. Die Frauenschule, die zwei Auwewu umfaßt, besitzt einen eigenen Park und großem Gartenland. In drei Kursen gude» dort die Schülerinnen ihre Ausbildung: ein Ialn'cs'Mms unterrichtet in allen Fächern der Theorie und Praxis, ihm entspricht im Aufbau eines Halojahres-Kurs, der, den Bedürfnissen de- Tages angepaßt, rasch, über durchaus gründlich die Schulung ui allen Dingen der Bans- und Gartenwirtschaft besorgt. Neuerdings wird noch ein weiterer Kurs durchgesührt, der fast nur in den Dingen der Praxis nnteriveist und sich in der Theorie auf das Unerläßlichste beschränkt: seine Tauer ist ebenfalls aus ein Jahr bemessen. Der Arbeitstag der Schülerinnen beginnt m aller Frühe und endet, nur durch eine knappe Mittagspause unterbrochen, erst wieder abends gegen 7 oder 8 Uhr; die jungen Mädchen werden durch eine Anzahl praktisch und theoretisch geschulter Lehrkräfte unterwiesen. Ernst und angespannteste Aufmerksamkeit beherrschen die llnterrichtsstimden. Aber nie. und nirgends ist eine ungesunde Uebermüdung zu spüren, denn die stete Abnwchslnng, die diesen Unterricht vom üblichen Schulunterricht grundsätzlich unterscheidet, gibt jedem Muße ziir Gntspannnng. Wenn beispielsweise ein Tag mit Aaln'nngsmittellehre, Wohlfahrtspflege oder Botanik seinen Anfang genominen hat, so führt die nächste Stunde bestimmt in den Garten oder in die Aliidjc, an den Waschzuber oder in den Geslügelstall. So hat jede Schülerin an jedem Tag irgendwelche Erlebnisse, die ihrer Eignung und ihrem Wunsch besonders cntgegenkommen. Eine Reihe von Paarwcis ansgeübten „Aemtern", die jede Woche wechseln, verschafft jeder einzelnen Dr. Kurt Sir;"er und Generalmusikdirektor Josef Rosenstock musizierten zu Gunsten des Chanukkafonds det Schweslernvercinigung der U. O. D. B.-Logc Sonncnfcld, Berlin Rechts: Ilse Intrator Ivichke als Rczitalorin am gleichen Abend mit S§r ErZähLmrg twN 3 ai ob Picard lTchlnßl Damit sahen wir auch schon von drüben die hellblauen Gestalten; sie waren einfach da, man erkannte nicht wie und woher, sic gingen tepser vorwärts. Wir aber schossen, wir verllaslcn, uns zu decken, schossen hoch über Bank, standen, soweit nur nicht am Maschineugewehr bleiben mußten, wie die Mu-sketiere dem Geivehr, zielten, schossen ohne Unteriltzw Die Maschinengewehre hämmerten und bassten. Alles war vergessen, was hinter uns iag, das Leben, die Znknnst; nur der tolle Augenblick hatte uns. Wir ivaren rms selber sreinde Rienschen, verwandelt jeder. Die Angen brennend, rot vor Hitze, und um die Nasenlöcher schwarze Ränder vom Pnlver- ^'anch, das Atmen benommen vom argen Gesuch . . . 0., "angsmn Zerbrach die Linie vor uns, Sicken taten sich ans in den Reihen, bis schließlich nur noch kleine Häuslein da und vort unruhig hin und her liefen, unschlüssig, vb |tc gegen uns oder zurück sollten. Schwarz- B'aue Fontänen gingen zwischen ihnen hoch. Da stiegen die bei uns seitwärts aus den Eben, gingen vor und schnitten sie ab, wachten sie zn Gefangenen, wie man Wild angt. Wch hatten nneder gesiegt. Und waren veivegt von der Lust des unerhörten Abcn- Auhe. Wir hatten niemanden verloren. .. jetzt, da ich im unbegreiflichen Gefühl Stärke und einer Tat mit den anderen and kam Leutnant Blattner. er kam zurück von der Siebenten, ich sah ihn schon von lcitcln. Run wird er mir faßen, daß er *:ÄP besehen habe, und daß er wohlauf sei. Iftni n^)cr' mar da, ich stand strack, blickte «®r Mg vorbei. Wortlos ging er vowei. Ich wollte rufen, ließ es, konnte keinen ^ut von mir geben... Was war das? Das konnte doch nicht sein, es durste nicht sein. Ernst. Eine Lähmung durchfuhr meine Glieder, jäh stand es stille in mir. Er mußte heil sein. Es war nicht inöglich, daß ihm etwas geschehen konnte, sein Leben hatte erst begonnen, eben war er wach geworden, ein Jüngling, als Kriegsfreiwilliger viel zu jung mit hinaus, wiewohl er nur ein Krieger war wie nur je einer. . . Rein, es konnte nicht sein; vielleicht hatte Blattner mich gar nicht gesehen, ja so war es. Selbst wenn er mir etwas hatte verschweigen wollen. mußte er doch mit nur sprechen nach den Worten vor einer Stunde, nahm er doch immer teil an uns, nmßtc vieles von daheim. Wie töricht waren diese Vorstellungen, diese Schwäche. Ein rveuig viel mau wohl über uns gekommen seit dem Morgen in der ungeheueren Spannung dieses Tages, daher kam es. Wir würden uns Wiedersehen, wie schon oft, nach der Ablösung morgen, in einigen. Tagen hinten in der Ruhe, würden uns, wie manchmal schon, auf der Erde im Gärtchen seines Quartiers hockend, Kartoffeln braten, Eier in die Pfanne schlagen und uns aneinander freuen, würden von uns zuhause sprechen, vou Mutter, von den Brüdern. Von ihnen, ja, wußte ich auch nichts und war doch nicht beunruhigt; sie waren fern bei anderen Regimentern, und unsere heilige Zahl war damals noch nicht durchbrochen. Mutter, aber Mutter. Da kam cs wieder. Was, wie sollte ich cs ihr berichten. Es wurde Abend. Im Westen lag geheinmiSvoll das Land, unerreichbar im Ungewissen mit den Menschen, die unS nicht nur fremb waren, sondern feindlich, bösartig, gleich einer Naturgewalt eins mit dem Wüten ihrer Geschütze: endlos die Welt drohte von dort gegen uns. Wir hatten es innen im Gefühl. Der TageSdnust des Himmels zerschmolz in die kristallenen Farben des Abends. Es wurde langsam still, säst so. als sei niemals gekämpft worden. Nur da und dort blühte fern oder näher ein Schrapnell aus, wenn ein Flugzeug sehr hoch mit leisem Singen sich über Georg Bertram Maurits van den Berg wirken m Uraufführungen det Kulturbimde* m Berlin mit Phot. Sonncnfcld, Berlin genaue und praktische^ Kenntnis von den kleinen wichtigen Handfertigkeiten int Haus und auf dem Gilt: da ist cinriial das Geflügel peinlich genau zu versorgen und das andereiual das Geschirr, da muffen sich die Schülerinnen in dieser Woche mit die Milch- und Buttervcrsorgung des Hanfes verantwortlich kümmerii, in der nächsten Woche um die Pflege des Tisches. Diese gediegene Ausbildung in der gesamten Theorie Mid Praxis von Haus, Feld und Garten, findet ihre 'Rundung durch Lehraiisslüge nach München, wo industrielle Werke, naturwissenschaftliche imd künstlerische Saminlnngen unter sachkundiger Führung besichtigt werden oder in die landschaftlich reizvolle Umgebilng zum Lesilch größerer Güter und Betriebe, lieber all diesem wird eine gute körperliche wie allgenicin-gcistige imd jüdisch-kulturelle Erziehung nicht vernachlässigt. Der ganze Betrieb wird von einer prachtvollen Kameradschaft beherrscht, die jede neue Schülerin rasch innfängt und ihr die Schule ziim Heim werden läßt. Die wirtchastliche Fraiicnschiile, die streiig rituell geührt wird, ist von der Regierung von Oberbahern, Kammer des Innern, staatlich genehmigt und bcanssichtigt. So bildet Wolfratshanscn eine zeitgemäße und gründliche Ausbildungsstätte für die Töchter dc8 dciltschcn Judentums, die in dieser schweren Zeit gründlich in allen Dingen des Hauses und Gartens uuteriüicfen werden wollen. Die Schule wird hoffentlich im tvciteren Zusammenwirken mit dem Ausschuß für Hilfe und Anfbail ansgestaltet und eine höhere Zahl von Schülerinnen ausnehmen können; beim die Gegenwart verlangt gebieterisch die restlose Riltznng aller gegebenen Möglichkeiten für die zeitgemäße Ausbildung unserer Jugend. An die Frauenschule Wolsratshansen ist ein vorbildlich betreutes Erholungsheim für Erwachserie angeschlossen, in dein schon viele für wenig Geld bei guter Kost, Entspannung von des Tages Unrast gefunden haben. Hans Lamm (München). MröLÄMd der Bedlr.ee Wischen Cc;:: -i;:v2 füc öns MM'chWweü Uebercnrs zahlreick-e Besucher nahiucn mi dem WerkvuGnd teil, den die Jüdische (Gemeinde Berlin zuguusteu der Avtleidenden verunsliiUck Hai. Alan sah neben bekannten Möpsen der Indischen Gemeinde Bertreter der N2°BolkLivahlfahrt. Mvrih!)t o s e nthal sprach herzliche Worte zur Begrüßung. Als Dorsißender des Bvrstandes der Jüdischen Gemeinde fand Direktor -sieinrich Stahl warme Worte. „Tn geben, zu helfen, zn nnterslühen, zn erbaueiG. dieser Ausspruch war der Leitgedanke seiner Aiuprache, Die Sorge um die Armen und Aotleidendeu ist die Brücke, die uns alle verbindet, gleichviel ob wir nach Ansck)ammg. Herkuust und Beraulagung verschieden sind. So darf es lein getrenntes Wini-'rhilisiver! nach Rasse und Konfession geben, alle sollen gemeinsam Helsen iind ansbanen. Tie Gaben, Re bei der WohlfnhrtKtelle der Indischen Gemeinde eingehen, werden znm Beil der AS-Bvlkswohlsahrt nbergesührt, so wie den jüdischen Armen in gleicher Weise nüc den anderen Mitbürgern vom Win er» Hilfswerl des deutschen Balles geholfen werden so'l. Rabbiner Dr. Martin Silomvnsli gab dem Abend die religiöse Note. Gr sprach davon, ivie zu jeder Zeit die Liebe zum Nächsten den Nlensck/eu über schwere Nöte geholfen hat. Die Anspcack)eii wurden durch künstlerische Dar» bietnngen umrahnit, die ein überaus danlvares Publilum fanden. Hermann Sch eh hatte sich mit Liedern von Schildert und Schinnann mit seiner edlen Stinnne in den Dienst der guten Sache gestellt. Pchilla L i n d b e r g brachte mit ihrem dunklen Alt Schubert und Mozart vollendet zn Gehör. Generalmnsildircltor R o s e n sl o d be. gleitete mit künstlerischein Ein fühlen am Flügel. Begeisterten Beifall fand das Orchester des Knlturbic Linien wagte. —- Stille und Nachdenken. Von nirgendwo kam Nachricht. Hätte Ernst nicht selbst etwas berichten, durch irgendeine Gelegenheit ein Zeichen geben müssen! Nichts. Lährnend schlich sich Gewißheit in mich. Wie sollte das Leben sein ohne ihn; er gehörte zn mir, zil inis, wie ein Organ unseres Körpers, mit dein wir lebend waren. Ich mußte mit einem sprechen. Striegel stand da, der kurze Mann mit seinen großen Stieseln. Ich sagte: „Rieinein Bruder ist sickier etlvas passiert, ganz sicher. Ich höre nichts von ihm. Und die Siebente . . .!" „Ach was! Wir leben doch nach noch. Dem geschieht nichts, der sicht nicht so ans. Dtaii sieht es einem an." Ich erzählte ihm deii Vorfall mit Dlattncr. Zuerst meinte er, der Leutnant habe mich gar nicht gesehen. Aber ich fühlte, daß es nur Worte waren, um mid) zu beruhigen, und bald wurde auch er bedrückt. Ich merkte es. „Verflucht, verflucht," sagte er, „mit uns können sie^s ja machen! Der Froinm ist tot. Der hat es aber in den Augen gehabt. Denen sah rnan's au. Der Icnue, der Rohr itttb der Müller von daheim aus unserem Dorf, schon wieder einer von daheim, die Glocken dort hören nicht aus zu läuten. Was sangen wir an, wir kommen alle nicht mehr heim." Der Abend hatte ihn weich gemacht; er war sonst einer der Tapfersten von uns; er setzte sich auf einen Munitionskasten nebenan und schlug sich mit der Rechten mehrmals auf den Oberschciikel. Seine kleinen Aeirglein schauten niich gütig an: „Du mußt ihn suchen. Wenn wir nur wüßten, wo die Siebente liegt. Vielleicht ist keiner von ihr mehr da, die hat es schwer gehabt." Nun war etz heraus. „Der. flircht. du mußt den ASmuS fragen." Daß der Bruder nur venvundet sein könnte, fiel mir nicht ein. Es gab nur. das Entweder — Oder. Tot! Tot! Irgendwo aus dem Feld zwischell dem Mohn mit einem kleinen Geschoß im Herzen. Oder zerfetzt von Splittern zwischen den Kalkstücken der auf-. gebrochenen Erde« Sand in den Augen, im Mund, mit Wunden, von vielen Eisensplittern gerissen . . . Ich wurde die Bilder nicht los. Tot, es mar nicht möglich, daß dieses Dunkle in unstrcnu Familienkreis einbrach, ihn zerriß; wir waren doch eine heilige Einheit, keiner konnte ohne jeden der andern sein. Sollte alles nicht mehr wahr sein . . . Unsere Jugend. Die Spiele zusammen mit dcn anderen Brüdern am See zwischen den Sandbnrgcn und ans den geheimen Wegen zwifclD'.r den endlosen Schilfwäldern; die langen Soinmer in den Gärten unter den Obstbänmen: unsere ersten Versuche, mit der Angel zn. fischen; die Fahrten int Segelboot von Ufer zu Ufer unterm Ueberinaß von Sonne tagelang; das Weiden der Kühe in den Hcröfttagen, das rnan uns darob Stolzen überließ, wenn die Kartosselfcner ringsum auf den Berghängen brannten und die Pstaunrcn bläulich an den Bäumen hingen; und im Winter das Nebeneinandergleiten viele Stunden über die blanke Fläche des Eises; und dann vor allem das gemeinsame Sitzen immer um den Tisch daheim jeden Tag. Jahr tim Jahr, die lange Zeit bei Mutters stets gütigen Worten zn uns allen. Das sollte nicht mehr wahr sein ohne den Bruder .. . Alles zog schnell vorbei in mir, als stünde ich selbst vor der letzten Minute, die das Leben des Menschen noch einmal in sich zu fassen pflegt. Verzweiflung überkam mich. Und ob ich auch des Opfers für die Heimat dachte, das wir so brachten, wir, die Familie Wangen alle Väter und Großväter, unser Blut seit hundert und hundert Jahren, die wir da lebten und gewachsen waren. Teil des Landes wie die Bauern, unsere Freunde ringsum, dieses Opfers für alles, für die Sommer unb die Herbste und - die Frucht dieses Landes und die Erde, in der > die Men alle' ruhten, so war doch der Schmerz . über den Verlust noch zu unmittelbar, als daß er hätte ein Gleichgewicht Herstellen können ' in mir zwischen dem Gegebenen und diesem s eben erst Genommenen. Was sollte ich an Mutter schreiben, wie ihr das Schwere Mitteilen. Sie saß allein daheim und horchte

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